horus 2/2026
Schwerpunkt: "Social Media"

Inhalt

Ein Mann mit dunkler, großer Sonnenbrille hält sein Handy auf Armlänge von sich entfernt, um sich selbst für einen Post zu fotografieren. Foto: DVBS

Titelblatt horus 2/2026


Vorangestellt

Liebe Leser*innen,

Schöne neue Welt?

Ein Wisch. Ein Klick. Eine Nachricht – und die Welt landet in unserer Hand oder unter dem Finger, im Ohr … 

Noch nie war es so einfach, Informationen zu verbreiten, Meinungen zu teilen oder mit Menschen überall auf der Welt in Kontakt zu treten. Social Media verspricht eine schöne neue Welt: schnell, vernetzt, grenzenlos.

Der Ausdruck ist nicht neu. Der Schriftsteller Aldous Huxley beschrieb bereits 1932 in seinem Roman „Schöne neue Welt eine Gesellschaft, die von Technologie, Unterhaltung und ständiger Ablenkung geprägt ist. Eine Welt, in der Menschen zufrieden gehalten werden – nicht durch Zwang, sondern durch permanente Reize und Bequemlichkeit. Ganz so weit sind wir heute sicher nicht. Und doch wirkt manches aus Huxleys Vision erstaunlich vertraut.

Denn auch unsere digitale Welt hat ihre eigenen Regeln. Sie ist laut, schnell und oft oberflächlich. Algorithmen entscheiden, was wir sehen. Likes ersetzen manchmal echte Zustimmung, und während sich Nachrichten in Sekunden verbreiten, reisen auch Gerüchte, Halbwahrheiten und Fake News im gleichen Tempo um die Welt.

Kein Wunder, dass die Diskussion über den Einfluss sozialer Medien immer intensiver wird. In Australien etwa wird Social Media inzwischen für unter 16-Jährige eingeschränkt. Ein bemerkenswerter Schritt – und ein Hinweis darauf, wie stark digitale Plattformen unseren Alltag prägen. Und auch wir machen uns darüber Gedanken. So hat die blista campusweit eine entsprechende Nutzungsregelung „SmartUse“ beschlossen. 

Für viele Menschen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung hat diese digitale Welt noch eine andere Bedeutung. Wenn Wege komplizierter sind, Veranstaltungen schwerer erreichbar oder spontane Begegnungen schwieriger zu realisieren sind, können soziale Medien Türen öffnen. Informationen, Diskussionen, kulturelle Angebote oder einfach der Austausch mit anderen sind plötzlich nur noch einen Klick entfernt. Also nicht nur Zeitvertreib, sondern echte Teilhabe.

Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick. Denn Social Media ist weder nur Fortschritt noch nur Gefahr. Es ist ein Werkzeug – eines, das verbinden kann, informieren und sichtbar machen. Aber auch eines, das verführen, ablenken und manipulieren kann.

Damit haben wir Sie hoffentlich neugierig auf diese Ausgabe gemacht: leben wir tatsächlich in einer schönen neuen Welt, können wir Chancen und Risiken einschätzen? 

Viel Vergnügen bei der Lektüre und spannende Erkenntnisse wünscht Ihnen

Patrick Temmesfeld
(Vorstandsvorsitzender der blista) 

Bild: Patrick Temmesfeld lächelt. Er hat dunkle Augen, eine hohe Stirn und kurzes graues Haar. Am Revers seines dunklen Jacketts trägt er einen kleinen Button mit dem blista-Punktschrift-Logo. Foto: blista

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Aus der Redaktion

Etabliert

Sehr gespannt war die horus-Redaktion diesmal, was Sie als Leserinnen und Leser über Social Media denken. Umso größer war die Freude über die eingegangenen Mails. Wie so häufig zeigt sich, dass blinde und sehbehinderte Menschen ebenso wie Sehende ganz unterschiedliche Sympathien für Social Media haben – leider aber beim Bespielen der Medien immer noch auf Barrieren stoßen.

Für die Redaktionsmitglieder war dies nicht verwunderlich. Schließlich haben sich auch blista und DVBS darauf eingestellt, dass bei der Öffentlichkeitsarbeit im Online-Bereich und bei Social Media inklusive Teamarbeit gefragt ist: Strategien werden gemeinsam erarbeitet, Sehende bringen Ideen für Layout, Eyecatcher und grafische Gestaltung ein, das Texten wiederum übernehmen alle, je nachdem, wer für welchen „Kanal“ zuständig ist. Die horus-Redaktionsmitglieder Cecilia Lukosch und Thorsten Büchner sind in der blista dafür zuständig, im DVBS ist es, in enger Kooperation mit den Vorstandsmitgliedern, die selbstständige Social-Media-Managerin (IHK) Ursel Wirz. Erst in ständiger Rückkoppelung mit den Bedürfnissen blinder oder sehbehinderter Menschen entsteht ein Ergebnis, das eine barrierefreie und ansprechende Kommunikation für eine breite Zielgruppe ermöglicht. Digitale Medien und Plattformen haben sich etabliert, auch für die Selbstdarstellung. Ignorieren lassen sie sich nicht – aber als Verbraucherinnen und Verbraucher haben wir die Wahl, auf welche Social Media wir uns einlassen. Denn welcher Anbieter kann schon auf eine ganze Kundengruppe verzichten?

Im Wandel 

KI, hybrides Lernen, Online-Schulung, Handyverbot – Bildung ist ständig im Wandel, nicht nur durch Vorgaben von Kultusministerien. Nutzen neue Lernformen allen? Bleibt das Lernen sozialen Verhaltens beim Distanzunterricht auf der Strecke? Die nächste Ausgabe des horus wird sich mit Fragen rund um die rasanten Änderungen der letzten Jahre im Bildungsbereich befassen. 

Beiträge zum Schwerpunkt-Thema - nicht länger als 10.000 Zeichen – können Sie uns bis zum Redaktionsschluss am 19. Juni gerne senden. Wir sind für Sie per E-Mail erreichbar unter: horus@dvbs-online.de

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Schwerpunkt: "Social Media"


A. Katemann: Social Media verstehen - ein Wegweiser für Einsteigerinnen und Einsteiger

Wie soziale Netzwerke heute funktionieren und welche Chancen und Herausforderungen sie für Organisationen bieten

Von Andrea Katemann (*)

Soziale Medien wie Facebook, Instagram oder WhatsApp gehören für viele Menschen längst zum Alltag. Auch wenn sich die einzelnen Plattformen auf den ersten Blick ähneln, gibt es wichtige Unterschiede. Einige setzen stärker auf Bilder und kurze Videos, andere auf Texte oder fachliche Inhalte. Manche richten sich eher an jüngere Menschen, andere werden vor allem von älteren Zielgruppen genutzt. Gleichzeitig haben alle Plattformen auch Gemeinsamkeiten: Überall geht es darum, Inhalte zu teilen, Aufmerksamkeit zu erzeugen und Menschen miteinander in Kontakt zu bringen.

Für Organisationen bedeutet das: Es reicht nicht aus, einfach „irgendetwas“ zu posten. Vielmehr kommt es darauf an, die Besonderheiten der jeweiligen Plattform zu verstehen und Inhalte passend aufzubereiten. Genau darin liegt eine große Chance, aber auch eine Herausforderung.

Im Rahmen einer Tagung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV), die vom 26. bis 28. Februar 2026 in Marburg stattfand, wurde deutlich, dass sich Social Media in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Wichtig ist dabei vor allem eines: Jede Plattform folgt eigenen Regeln. Was auf Facebook gut funktioniert, kann auf Instagram ganz anders aufgenommen werden. Wer diese Unterschiede versteht, kann soziale Medien sinnvoll einsetzen und neue Zielgruppen erreichen. Wer sie ignoriert, läuft Gefahr, mit guten Inhalten dennoch kaum sichtbar zu sein.

Wie Social Media heute funktioniert

Früher war Social Media vergleichsweise übersichtlich organisiert. Wer einer Seite oder einer Person folgte, bekam deren Beiträge in der Regel automatisch angezeigt. Heute entscheidet ein sogenannter Algorithmus darüber, welche Inhalte sichtbar werden. Dabei handelt es sich um ein Computerprogramm, das anhand verschiedener Faktoren auswählt, was Nutzerinnen und Nutzern angezeigt wird. Es berücksichtigt zum Beispiel, welche Beiträge besonders lange angesehen werden oder zu welchen Themen jemand häufiger reagiert.

Diese Entwicklung bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Einerseits können Inhalte heute auch Menschen erreichen, die eine Organisation noch gar nicht kennen. Gute Beiträge haben also die Möglichkeit, weit über den eigenen Kreis hinaus sichtbar zu werden. Andererseits ist es schwieriger geworden, zuverlässig die eigenen Unterstützerinnen und Unterstützer zu erreichen, da selbst diese nicht mehr automatisch alle Inhalte sehen.

Hinzu kommt, dass die Plattformen deutlich voller geworden sind. Viele Inhalte werden inzwischen auch automatisiert, etwa mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, erstellt und verbreitet. Für Organisationen mit seriösen und inhaltlich anspruchsvollen Botschaften bedeutet das, dass sie stärker darum kämpfen müssen, wahrgenommen zu werden.

Wichtige Begriffe einfach erklärt

In sozialen Medien hat sich im Laufe der Zeit eine eigene Sprache entwickelt, die für Einsteigerinnen und Einsteiger zunächst ungewohnt sein kann. Ein „Post“ ist ein einzelner Beitrag, der aus Text, Bildern oder Videos bestehen kann. Der „Feed“ bezeichnet die fortlaufende Liste von Beiträgen, die in einer App angezeigt wird. Ein „Like“ ist eine einfache Form der Zustimmung, während ein Kommentar eine inhaltliche Reaktion darstellt.

Eine „Story“ ist ein kurzer Beitrag, meist ein Bild oder ein Video, der nach 24 Stunden wieder verschwindet und sich besonders für aktuelle Hinweise eignet. Ein „Reel“ ist ein kurzes Video, das häufig genutzt wird, um viele Menschen zu erreichen. Ein sogenannter „Karussell-Post“ besteht aus mehreren Bildern oder Seiten, durch die man nacheinander blättern kann, um Informationen schrittweise zu erfassen. Besonders wichtig ist außerdem der Einstieg in einen Beitrag, der als „Hook“ bezeichnet wird und darüber entscheidet, ob jemand weiterliest oder weiter scrollt.

Unterschiede zwischen Plattformen kennenlernen und nutzen 

Es ist entscheidend zu verstehen, dass jede Plattform eigene Erwartungen mit sich bringt. Instagram lebt stark von Bildern und kurzen Videos und bietet gute Möglichkeiten, neue Menschen zu erreichen, auch ohne große bestehende Anhängerschaft. Facebook ist besonders bei älteren Zielgruppen weiterhin sehr verbreitet und eignet sich gut für ausführlichere Informationen und längere Texte.

LinkedIn wird vor allem im beruflichen Kontext genutzt und bietet Organisationen die Chance, fachliche Themen sichtbar zu machen und sich als kompetente Stimme zu positionieren. WhatsApp ermöglicht eine besonders direkte Kommunikation, da Inhalte unmittelbar bei den Empfängerinnen und Empfängern ankommen. YouTube wiederum eignet sich für Inhalte, die langfristig gefunden werden sollen, etwa Erklärvideos. TikTok bietet große Reichweiten zur Erreichbarkeit von jüngeren Personen, stellt aber gleichzeitig hohe Anforderungen an Tempo, Verständlichkeit und Zielgruppenansprache.

Chancen beim Einsatz von Social Media

Social Media eignet sich heute vor allem dazu, neue Menschen zu erreichen und Themen sichtbar zu machen. Für Organisationen bedeutet das eine große Chance, ihre Anliegen, ihre Angebote und ihre Perspektiven einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch politische Themen und Fragen der Teilhabe können so stärker in den öffentlichen Diskurs eingebracht werden. Auch Organisationen ist es möglich, Inhalte schnell miteinander zu verknüpfen und genau dadurch ihre eigene Sichtbarkeit zu verstärken. 

Fazit: Schritt für Schritt zum eigenen Stil

Social Media kann auf den ersten Blick komplex und unübersichtlich wirken. Gleichzeitig bietet es Organisationen große Chancen, ihre Themen sichtbar zu machen, neue Menschen zu erreichen und gesellschaftliche Diskussionen mitzugestalten.

Bild: Bildschirmausschnitt mit verschiedenen Social-Media-Icons auf orangefarbenem Hintergrund: Telegram, WhatsApp, Messenger, WeChat, Twitter (bis Anfang 2023 verwendetes Logo), Facebook Instagram, LinkedIn, TikTok, SnapChat. Foto: Azam Kamalov / pixabay

(*) Text erstellt mit Unterstützung von KI.

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A. Katemann: Interview: Das Potenzial der Sichtbarkeit

Heiko Kunert über Inklusion und Barrieren in sozialen Netzwerken

horus: Sie sind wahrscheinlich eine der wenigen blinden Personen, die von Anfang an in Social-Media-Plattformen sichtbar waren. Auf welchen Kanälen sind Sie eigentlich präsent?

Heiko Kunert: Präsent bin ich auf sehr vielen, allerdings in unterschiedlicher Intensität. In Deutschland war ich einer der Ersten, der Social Media im Rahmen der Pressearbeit für den Blinden- und Sehbehindertenverein in Hamburg (BSVH) genutzt hat, das war so um 2007. Ich habe mir eine Neugier für Plattformen bewahrt, daher habe ich fast überall ein Profil. Lange Zeit habe ich intensiv X, ehemals Twitter, genutzt, heute bin ich viel auf LinkedIn, weil das für berufliche Themen spannend ist. Ansonsten habe ich Profile bei Mastodon, BlueSky und Threads.

Gibt es einen Dienst, den Sie aufgrund der praktischen Bedienbarkeit bevorzugen? Als barrierefrei kann man wohl keine der Plattformen bezeichnen. 

Die Bedienbarkeit ist sehr unterschiedlich. Bei BlueSky ist die native App zum Beispiel nicht so gut, aber es gibt mit Skeets eine tolle Alternative, die barrierefrei ist. Threads (gehört dem Konzern Meta, wie auch Facebook) finde ich in der App-Gestaltung eher sperrig, was mich wundert, da Meta bei Facebook und Instagram zeigt, dass es besser geht. Für mich als komplett blinden Menschen sind textbasierte Dienste wie die Mikroblogging-Dienste attraktiver als Instagram, wo neun von zehn Posts keine Alternativtexte bei Bildern haben.

Wie gehen Sie im beruflichen oder privaten Kontext mit Bildern um? Haben Sie sehende Unterstützung oder nutzen Sie KI, um sich die Bilder, die Sie dann eventuell mit einer Meta-Brille machen, beschreiben zu lassen?

Das ist eine Mischform. Früher habe ich mir Alternativtexte von sehenden Personen beschreiben lassen oder die Bildsprache gegenprüfen lassen. Wenn ich heute privat ein Urlaubsfoto poste, hole ich mir oft eine Einschätzung von meiner Frau. Bei den Alternativtexten lasse ich mir inzwischen viel von KI helfen. Ich prüfe dann nur noch kurz gegen: „Kann das wirklich so sein?“, aber für das reine Verfassen brauche ich meist keine fremde Hilfe mehr.

Gibt es blinde Menschen, die auch selbst Fotos machen und posten?

Ja, es gibt blinde Menschen, die selbst fotografieren. Das finde ich spannend, weil es eine ganz andere Perspektive eröffnet und eine eigene Bildsprache ist. Ich selbst mache das eher selten, da ich finde, dass Bilder nicht meine Kernkompetenz sind. Ich kann gut schreiben und sprechen, Bilder überlasse ich anderen und konzentriere mich auf die Textbotschaft.

Wir haben noch nicht über TikTok gesprochen. Wie erleben Sie diese Videoplattform?

Ich habe TikTok ausprobiert, habe aber keinen eigenen Account. Es ist extrem videolastig. Wenn ein Video eine aussagekräftige Tonspur hat, nehme ich etwas mit. Aber bei 95 Prozent der Videos hätte ich als Konsument keinen Mehrwert, ohne sie mir vorher von einer KI-App beschreiben zu lassen. Für die Verbandsarbeit müsste man aber prüfen, ob man dort jüngere Zielgruppen erreicht, die nicht mehr auf textbasierten Plattformen wie Facebook unterwegs sind.

Viele Social-Media-Plattformen sind nicht wirklich barrierefrei. Warum tummeln sich dort trotzdem so viele sehbehinderte und blinde Menschen?

Oft siegt die Neugier. Man möchte mitreden und am Austausch teilhaben. Auf Instagram sind die Feed-Posts oft zugänglich, wenn Alternativtexte da sind, aber die Stories meist nicht. Das kann frustrierend sein. Dennoch nimmt man die Barrieren bis zu einem gewissen Grad in Kauf, um den Anschluss nicht zu verlieren. Man entwickelt Strategien: Das eine macht man über den Webbrowser, das andere über eine alternative App. Für jemanden, der gerade erst sein Sehvermögen verloren hat, kann dieser Dschungel allerdings sehr entmutigend sein.

Bringt Ihnen die Präsenz auf Social Media im BSVH einen Zuwachs an Mitgliedern für den Verband?

Wenn man es rein an Mitgliederzahlen festmacht, ist der Effekt marginal. Aber es ist extrem wichtig für den Kontakt zu Stakeholdern. Man zeigt Präsenz, verbreitet Informationen und tritt in den Austausch – gerade auf LinkedIn funktioniert das Networking super. Man erreicht die Politik und Verwaltung mit Forderungen der Interessenvertretung oder vernetzt sich international. Es schafft Transparenz. Heutzutage gibt kaum noch jemand eine Webadresse direkt im Browser ein; die Leute stellen sich ihren Nachrichtenmix auf Social Media zusammen.

Wenn Sie einer blinden oder sehbehinderten Person, die sich privat mit dem Thema beschäftigen möchte, einen Einstieg in Social Media empfehlen müssten, wie könnte sie vorgehen? Empfehlen Sie eventuell eine bestimmte Plattform zur guten Orientierung?

Zuerst sollte man die eigenen Interessen abchecken. Warum will ich das machen? Wenn man ein Thema hat, für das man brennt, bei mir ist das zum Beispiel der HSV und Fußball, fällt der Einstieg leichter. Ich würde empfehlen, mit einer Plattform anzufangen und sich diese in Ruhe zu erschließen. Man sollte sich nicht entmutigen lassen und sich mit anderen austauschen. Es gibt z. B. im BSVH oder in anderen Vereinen Gruppen, die sich zur Nutzung von VoiceOver und Smartphones austauschen, und auch solche, die sich mit Android auseinandersetzen. Facebook ist für den Einstieg oft gut, weil es dort viele Themengruppen gibt und bereits viel für die Barrierefreiheit getan wurde.

Gibt es noch einen Aspekt, der Ihnen besonders wichtig ist?

Trotz des oft negativen Rufs von Social Media – Stichwort Datenschutz oder KI-Trends – möchte ich das Potenzial betonen. Für Menschen, die sich gesellschaftlich nicht integriert fühlen oder ausgegrenzt werden, ist der digitale Raum eine enorme Chance auf Teilhabe. Man kann auf Augenhöhe kommunizieren und das Leben als Mensch mit Behinderung sichtbar machen. Ich möchte alle ermutigen, ihren eigenen Weg damit zu finden. Es ist eine Chance, die wir als Organisationen und Einzelpersonen nutzen sollten.

Das horus-Interview führte Andrea Katemann.

Zur Person

Heiko Kunert (49) ist seit 2013 Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg. Zuvor verantwortete er die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Er ist Diplom-Politologe und PR-Berater und seit rund 20 Jahren online aktiv. Er gehört zu den ersten blinden Menschen in Deutschland, die Social Media beruflich und privat genutzt haben. Die von ihm mitgegründete Initiative #BarrierefreiPosten macht sich seit 2019 für Barrierefreiheit in den sozialen Medien stark – im Rahmen von Workshops, Vorträgen und Beratungsangeboten. 

Bild: Heiko Kunert lächelt. Er hat braunes, kurzes Haar, trägt eine große, dunkel getönte Brille und zum dunkelblauen Jackett ein graues Hemd. Foto: privat

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A. Schlegl: Barrierefrei vernetzt? Wie zugänglich sind Social-Media-Plattformen wirklich?

Von André Schlegl

Früher war alles schlechter, oder?

So mancher fragte sich Mitte der 2000er Jahre: „Wer kennt wen?“ - ein rein webbasiertes Social-Media-Portal. Die Plattform zeichnete sich durch eine intuitiv bedienbare Weboberfläche aus, durch einfache Überschriftenstrukturen, klar strukturierte Tabellen und den Verzicht auf rein grafische Funktionen ohne Alternativtexte. Zudem war das Support-Team der Plattform unkompliziert per Mail und Telefon erreichbar, sollte es doch mal zu Barrieren gekommen sein.

Da „Wer kennt wen?“ ein durchweg deutschsprachiges Phänomen und die Benutzergruppe somit recht überschaubar war, fehlte eine gewisse Internationalität. Daher setzte sich bei immer mehr Blinden und Sehbehinderten Nutzerinnen und Nutzern das amerikanische Pendant „Facebook“ durch. Insbesondere die mobile Seite bestach durch ihre einfache Struktur, geringe Ladezeiten in Verbindung mit der Internationalität der Plattform.

Die Desktop-Webseitenvariante von Facebook hingegen war und ist bis heute mit erheblichen Barrieren behaftet, so dass viele Nutzer nach der Abschaltung der mobilen Webversion von Facebook zur Nutzung der Facebook-App quasi gezwungen wurden. Doch was ist das Kernproblem?

Verschlimmbesserung: Zugänglichkeit bleibt auf der Strecke

Diesen Aspekt kennen womöglich viele, die z.B. nach einem vermeintlich harmlosen Software- oder Betriebssystemupdate teilweise komplett ausgesperrt sind, weil Screenreader-Software kaum bis gar nichts mehr vorliest oder Schaltflächen komplett anders verteilt sind und das Auffinden somit erheblich erschwert wird.

Dieses Phänomen lässt sich auch im Bereich der Social-Media-Dienste beobachten. Insbesondere seit Facebook, Instagram oder TikTok eigene Apps als Zugang zu diesen Diensten zur Verfügung stellen.

Auf der einen Seite stellen die Apps eine gute und „aufgeräumte“ Alternative zu den herkömmlichen Websites dar. Auf der anderen Seite können jedoch Updates, welche neue Funktionen mitbringen sollen, die ganze App oder wichtige Teile davon unbrauchbar machen. Klassiker sind hier:

  1. wichtige Schaltflächen / Eingabefelder sind nicht beschriftet und nicht bedienbar
  2. Funktionen sind ungewöhnlich tief verschachtelt und somit schwer auffindbar
  3. Schriftbild und/oder Kontrast der Benutzeroberfläche sind schwer zu erkennen

 Aufmerksamkeit schafft Zugänglichkeit

Das Thema digitale Barrierefreiheit, gerade im Hinblick auf zugängliche Internetplattformen, ist bereits seit 1999 ein bedeutendes Thema. Das World Wide Web Consortium (W3C) veröffentlichte die erste Version der „Web Content Accessability Guidelines (WCAG)“, also grundsätzliche Richtlinien zur Erstellung barrierefreier Webseiten. Mit fortschreitender Entwicklung von Webseiten und Softwarelösungen wurden auch die Richtlinien erweitert und neue Testverfahren entwickelt, um auf Barrieren aufmerksam zu machen und diese bestenfalls schon während der Entwicklung zu vermeiden.

Aus den anfänglichen Richtlinien haben sich in den letzten zwanzig Jahren feste Normen und Gesetze entwickelt. Dies ist insbesondere auch ein Verdienst von Vereinen und Selbsthilfe-Verbänden, die unermüdlich Druck auf Politik und Wirtschaft ausgeübt haben, damit starke Instrumente wie die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) oder die europaweit geltende Norm EN 301 549 geschaffen werden konnten.

Da bekanntlich Justiz und Politik nicht so schnell sind wie die rasante Entwicklung digitaler Technologien, ist es heute wichtiger denn je, dass Anbieter digitaler Dienste ernsthaft in die Pflicht genommen werden, digitale Barrieren zu beseitigen und nachhaltig zu vermeiden.

Aktueller Stand der Technik - Begegnung ohne Barrieren?

Gemessen an den derzeit beliebtesten Portalen TikTok, Instagram und Facebook sind mittlerweile die meisten Funktionen mit Hilfstechnologien nutzbar. Hier spielen nicht nur die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Menschen eine Rolle. Auch Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen, beispielsweise, müssen in der Lage sein, sämtliche Funktionen dieser Dienste mit nur wenigen Gesten nutzen zu können. Daher sind insbesondere die Apps dieser Dienste so gestaltet, dass sämtliche Funktionen mit nur ein bis zwei Tipp- oder Wischgesten ausgelöst werden können. Diese flache Menüstruktur kommt auch Nutzern von Screenreader-Software zugute, da die Verwendung eines Screenreaders wie VoiceOver (iOS) oder TalkBack (Android) eh schon mit mehr Tipp- und Wischgesten verbunden ist. Sehen wir uns die zentralen Funktionen der Apps im Detail an.

Hinzufügen neuer Inhalte im Allgemeinen

Bei allen drei Diensten ist das Menü zum Hinzufügen neuer Inhalte von der Hauptansicht aus über eine zentrale Schaltfläche erreichbar. Bei Facebook befindet sich die Schaltfläche „Was machst du gerade?“ mittig, unterhalb der übrigen Schaltflächen am oberen Bildschirmrand, während bei Instagram sich die Plus-Schaltfläche oben links und bei TikTok mittig am unteren Bildrand befindet.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass je nach App-Version nicht alle Schalter gleichermaßen gut beschriftet sind. So gibt es Fälle, dass unter Android Schaltflächen bei Instagram und TikTok mit „Unbenannt“ oder „Schaltfläche“ beschriftet sind.

Postings (Beiträge mit Text und optionalem Bild)

Facebook

Wird die Schaltfläche „Was machst du gerade?“ aktiviert, wird direkt das Menü geöffnet. Anschließend muss nur in das Eingabefeld navigiert werden und man kann munter drauf los schreiben bzw. diktieren. Möchte man noch weitere Inhalte wie Bilder hinzufügen oder Personen markieren, so finden sich die entsprechenden Schaltflächen unterhalb des Eingabefeldes. Diese sind bei Screenreader-Nutzung auch per Wischgesten erreichbar.

Instagram

Wenn Sie Instagram öffnen, gelangen Sie direkt in die Home-Ansicht. Von dort aus finden Sie die Plus-Schaltfläche (+) oben links. Nutzen Sie einen Screenreader, so wird kurz nach dem Öffnen der App im Regelfall die Plus-Schaltfläche automatisch fokussiert. Nach Aktivieren der Plus-Schaltfläche wird direkt das Menü zum Hinzufügen von Inhalten geöffnet.

Die Philosophie, wie Inhalte hinzugefügt werden, ist bei Instagram etwas anders als bei Facebook. Hier wird direkt die Kamera des Smartphones/Tablets aktiviert und standardmäßig jene Einstellung geöffnet, die zuvor ausgewählt war. Hier kann zwischen „Beitrag“, „Story“, „Reel“ und „Live“ gewählt werden. Unabhängig ob hier ein Screenreader benutzt wird, müssen sämtliche Einstellungen durch Wischgesten und Tippen ausgewählt werden. Um nun einen Textbeitrag hinzuzufügen, muss der Modus „Beitrag“ gewählt und zuvor zwingend ein Foto ausgewählt werden, da Instagram speziell für Foto- und Videobeiträge konzipiert ist. Anschließend kann in einem Textfeld der gewünschte Text eingegeben werden. Zusätzliche Einstellungen, wer den Beitrag sehen kann oder das Hinzufügen eines Alternativtextes zum Bild, funktionieren an dieser Stelle ebenfalls. Am oberen Bildschirmrand finden Sie stets die Schaltflächen „Zurück“ und „Weiter“.

TikTok

Ein ähnliches Konzept findet sich bei TikTok. Diese Plattform ist ebenfalls hauptsächlich für Videos und Fotos konzipiert. Nach Öffnen des Erstell-Menüs finden Sie hier jedoch einen expliziten Modus namens „Text“. Hier wird anschließend ein Eingabefeld geöffnet. Der eingegebene Text wird im Anschluss in ein Bild umgewandelt, welches eventuell vom Screenreader nicht gelesen werden kann. Um ein Foto mit zusätzlich durchsuchbarem Text zu erstellen, wählen Sie den Modus „Foto“. Nach Auswahl eines Fotos erscheint dann ein Eingabefeld zur Eingabe von Text. Unterhalb des Eingabefeldes finden Sie weitere Optionen zum Markieren von Personen etc. 

Veröffentlichung von Videos oder Live-Streams

Facebook

Hier muss im Erstell-Menü der Modus „Foto/Video“ ausgewählt werden. In der Galerie-Ansicht wählen Sie nun das gewünschte Video aus. Beachten Sie jedoch, dass Sie genau wissen sollten, was Sie aus der Galerie auswählen, da alle Videodateien zunächst mit Datum und Uhrzeit benannt sind. Außer, Sie haben sämtliche Galerie-Inhalte zuvor mit sprechenden Namen wie „Konzertaufnahme vom Chorauftritt“ o.ä. benannt.

Um einen Live-Stream zu starten, wählen Sie hier den Modus „Live-Video“ und anschließend die Schaltfläche „Live gehen“ aus. Beachten Sie hier, dass sämtliche Filtereinstellungen wie Weichzeichner, Schminken etc. durch Wischgesten und Tippen ausgewählt werden müssen. Hier kann es, je nach System, vorkommen, dass diese Schaltflächen unzureichend benannt sind.

Instagram

Hier wählen Sie im Erstell-Menü entweder den Modus „Story“ (Der Inhalt ist nur 24 Stunden lang öffentlich verfügbar) oder „Reel“ (Der Inhalt ist dauerhaft öffentlich verfügbar) aus. Sie haben hier die Möglichkeit, ein Video aus der Galerie auszuwählen oder mittels Aufnahmeknopf ein Video aufzunehmen, welches im Anschluss hochgeladen wird.

Um einen Live-Stream zu starten, wählen Sie hier den Modus „Live“ aus. Hinsichtlich der Bedienung sämtlicher Filtereinstellungen gilt dasselbe wie bereits für Facebook erwähnt.

TikTok

Hier können Sie im Erstell-Menü zwischen Videolängen von 10 Sekunden bis 10 Minuten auswählen. Auch hier können Sie optional ein Video aus der Galerie auswählen.

Um einen Live-Stream zu starten, wählen Sie hier den Modus „Live“ aus. Hinsichtlich der Bedienung sämtlicher Filtereinstellungen gilt dasselbe wie bereits für Facebook erwähnt.

Fazit

Auch wenn die Apps in den vergangenen Jahren immer weiter optimiert wurden, gibt es gerade im Bereich der Video- und Bildverarbeitung noch Verbesserungspotenzial, was die Beschriftung sämtlicher Funktionen angeht.

Positiv an der Entwicklung ist jedoch, dass z.B. blinde Menschen, die einen Screenreader nutzen, selbstständig einen Live-Stream starten und sogar die Kommentare verfolgen können. Je nach Szenario kann es erforderlich sein, sich einen Moderator dazu zu holen, damit die Kommentare etwas überwacht werden. Aber grundsätzlich liest ein Screenreader die Kommentare und Interaktionen anderer Nutzer vor, was vor einiger Zeit so überhaupt nicht möglich war.

Wichtig zu betonen ist jedoch, dass man sich auf solchen Erfolgen nicht ausruhen darf. Denn nur stetiges Ausprobieren, die Meldung von Barrieren und eine respektvolle Kommunikation können dazu beitragen, digitale Barrieren zu beseitigen und nachhaltig zu vermeiden.

Zum Autor

Der 39-Jährige André Schlegl ist Informatikkaufmann und Tontechniker. In der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista) arbeitet er unter anderem im Kompetenzzentrum für barrierefreie IT, testet Anwendungen auf ihre Zugänglichkeit, bietet Unterstützung bei akustischen Hilfsmittelsystemen und schult zu Barrierefreiheits-Themen. Als leidenschaftlicher Tontechniker verantwortet er in der Deutschen Blinden-Hörbücherei Audioproduktionen und betreut die blista-Veranstaltungstechnik.

Bild: André Schlegl blickt im Tonstudio lächelnd hinter einem großen Mikrofon hervor. Er hat dunkles Haar und dunkle Augen, trägt ein weißes Hemd und hat einen dunklen, großen Bügelkopfhörer auf den Ohren. Foto: privat

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A. Katemann, O. Nadig: Von Braille zur KI-Brille: Kommunikation mit vielfältigen Möglichkeiten und Arbeitstechniken

Von Andrea Katemann und Oliver Nadig

Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts spielten E-Mails, SMS oder Telefonate eine zentrale Rolle in der Kommunikation kleinerer Gruppen. Man nutzte zwar Handys, doch spielte der PC und damit einhergehend ein klassischer Screenreader und eine Braillezeile zur Verwendung von Blindenschrift eine zentrale Rolle. Schon in dieser Zeit führte man eine Diskussion über eine Vielfalt von Arbeitstechniken, die blinde und sehbehinderte Menschen kennenlernen müssten, um in den jeweiligen Situationen eine für sie richtige und vor allem zweckmäßige Entscheidung treffen zu können, was gerade passend ist: Kurzschrift, Computerbraille, wann liest die Sprachausgabe vor und wann wird ein Ausdruck auf dem Papier gebraucht? Inzwischen kommen einem die früheren Diskussionen merkwürdig vor, müssen doch viele weitere Fragen und Techniken bedacht werden. Nun dominieren Messenger, unterschiedliche soziale Plattformen und damit einhergehend Bilder, Videos und kurze Clips. Plattformen wie Instagram, Facebook oder TikTok leben von visuellen Eindrücken und stellen damit neue Herausforderungen an die barrierefreie Kommunikation. Gleichzeitig entwickeln sich zahlreiche KI-Apps und smarte Brillen, die neue Informationsmöglichkeiten schaffen. 

Mit smarten Brillen lassen sich heute für blinde und sehbehinderte Menschen Umgebungen erkunden, Schilder erkennen, Fotos und Videos aufnehmen, dann mit künstlicher Intelligenz beschreiben und direkt in sozialen Netzwerken teilen. Rund um smarte Brillen entstehen Communities von interessierten blinden und sehbehinderten Menschen, die über neue Entwicklungen diskutieren und sich über die Nutzung von vorhandenen Möglichkeiten austauschen. Somit eröffnen sich damit neue Wege der Teilhabe an einer zunehmend visuellen digitalen Welt. Das Foto, das auf dem Balkon mit der smarten Brille als Urlaubs- oder Freizeitfoto entsteht, wird an Freunde und Bekannte verschickt. Das Video, das man von Freunden über eine Messenger-App bekommt, wird von KI beschrieben, und man kommuniziert durch KI jetzt mit den Arbeitskolleg*innen über visuelle Inhalte, über die man vor fünf Jahren zuvor noch mit einer sehenden Person gesprochen hätte, bevor man sie verschickt.

Und doch bleibt eines unverändert: Wer wirklich lesen und schreiben will, braucht weiterhin die Brailleschrift. Viele blinde und sehbehinderte Menschen kommunizieren in Social Media über Apps, und am Smartphone sitzend, mit der Smarten Brille als Headset oder als Kamera, gibt es den Moment, in dem die Brailleschrift beim Orientieren in der App hilft, die Schreibweise von Namen und fremdsprachigen Begriffen leichter erfassbar macht und sonstige, akustisch nicht hörbare Details vermittelt. Die Fragen zu den „alten“ Arbeitstechniken sind nicht verschwunden, sondern stellen sich immer wieder, sie sind nun mit anderen Kombinationen und in veränderter Weise neu – dies soll am Ende dieses Beitrages noch einmal Thema sein. Denn zunächst geht es um die Möglichkeiten und Grenzen von smarten Brillen. 

Die Ray-Ban Meta Smart Glasses: Alltagstechnologie mit Potenzial

Eine der derzeit bekanntesten Brillen ist die Ray-Ban Meta Smart Glasses. Anders als klassische Hilfsmittel wurde sie als Lifestyle-Produkt entwickelt, nicht speziell für blinde und sehbehinderte Menschen. Dennoch bietet sie Funktionen, die auch für diese Zielgruppe interessant sind.

Die Brille lässt sich per Sprachbefehl steuern, kann Fotos und Videos aufnehmen und Inhalte direkt in sozialen Netzwerken veröffentlichen. Damit wird erstmals eine unmittelbare Beteiligung an visuell geprägten Plattformen möglich.

Darüber hinaus kann die Brille Bilder analysieren und beschreiben. Sie nimmt ein Foto auf, das von einer KI ausgewertet wird. Die Beschreibung erfolgt über integrierte Lautsprecher.

Weitere Möglichkeiten sind:

  • Fragen an eine KI stellen
  • Informationen aus dem Internet abrufen
  • Nutzung als Headset für Smartphone-Apps
  • Unterstützung bei Navigation und Orientierung

Gerade diese Kombination macht die Brille interessant: Sie ist weniger ein klassisches Hilfsmittel als vielmehr ein vielseitiges digitales Interface.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Beim Lesen von Texten zeigt sich, dass die KI Inhalte häufig zusammenfasst anstatt sie vollständig vorzulesen. Für längere Texte ist das ein Nachteil.

Hinzu kommen Datenschutzfragen. Viele Funktionen basieren auf Cloud-Diensten, wodurch Daten verarbeitet und übertragen werden. In Europa sind deshalb einige Funktionen eingeschränkt, wie etwa die direkte Videonutzung der KI. Die Beschreibung von Personen ist momentan, auch aus Datenschutzgründen, nicht möglich, und wenn es doch vorkommt, passiert es „aus Versehen". Hier werden Informationen nicht an blinde und sehbehinderte Menschen gegeben, die sehende Menschen selbstverständlich bekommen, und die man technisch weitergeben könnte. Eigentlich weiß man nicht, ob die Personen, die die Brille „wahrnimmt“, nicht doch gespeichert werden. Dass sie nicht beschrieben werden, heißt eben nicht, dass deren Daten verschwunden sind. 

Bei der Meta-Brille fehlt zudem momentan noch die Nutzung der Kamera als Standard für alle Apps, die man auf dem Handy verwenden möchte. So kann man in Orientierungs-Apps „nur“ das Headset Brille in Kombination mit der Handy-Kamera verwenden. 

Spezialisierte Hilfsmittel: Fokus auf Funktionalität

Neben solchen Alltagsprodukten gibt es Brillen, die gezielt als Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt wurden.

Envision Glasses

Die Envision Glasses bietet Funktionen, die stärker auf Alltagssituationen ausgerichtet sind:

  • längere Texte vollständig vorlesen
  • Objekte erkennen
  • Szenen beschreiben
  • bekannte Personen identifizieren

Die Bedienung erfolgt überwiegend per Sprache.

Allerdings zeigen Erfahrungen, dass neuere Modelle noch nicht vollständig ausgereift sind. 

OrCam MyEye

Ein früher Vertreter dieser Technologie ist die OrCam MyEye.

Sie wurde mit großen Erwartungen eingeführt: Texte lesen, Personen erkennen, Straßenschilder identifizieren - all das sollte möglich sein und insbesondere die Orientierung im öffentlichen Raum verbessern.

In der Praxis zeigt sich jedoch ein zentrales Problem: Die Steuerung erfolgt über Gesten, die vor der Kamera ausgeführt werden müssen. Diese Gesten sind nicht für alle geburtsblinden Menschen leicht zugänglich und erfordern Übung.

Zwischen Ergänzung und Ersatz

Vor einiger Zeit sollte ein Braillekurs zum Erlernen der Vollschrift stattfinden. Es meldeten sich zwei teilnehmende Personen an. Als der Veranstalter dann ein Seminar zu KI und unter anderem auch zu smarten Brillen anbot, war die Veranstaltung innerhalb von zwei Tagen gut gefüllt. Diese kleine Geschichte bestätigt das momentan berechtigte Bedürfnis, sich intensiv mit KI und smarten Brillen auseinandersetzen zu wollen. Doch lässt sich die Beschreibung von einer KI durch ein Bild noch besser bewerten bzw. kommentieren, wenn man durch eine erlernte Schrift überhaupt einen differenzierten Wortschatz erlangen konnte. 

Auch bei sehenden Menschen stellt man nicht die Nutzung von Schriftsystemen selbst in Frage. Neue Medien und andere Formate liegen bei allen im Trend. So füllen Live Podcast-Veranstaltungen große Säle, und doch werden immer noch viel mehr „gewöhnliche“ Bücher als E-Books verkauft. Diese Gedanken sollten auf blinde und sehbehinderte Menschen übertragbar sein. Das Erlernen einer Schrift, die gelesen werden kann, muss, in Kombination mit allen Techniken, die den Zugang zu Informationen erleichtern, eine zentrale Rolle spielen.

Ausblick

KI-gestützte Brillen stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung. Technische Probleme, Datenschutzfragen und eingeschränkte Funktionen zeigen, dass viele Fragen noch offen sind. Gleichzeitig wird deutlich, welches Potenzial in ihnen steckt. Die Verbindung aus Kamera, künstlicher Intelligenz und mobiler Nutzung schafft neue Zugänge zu einer Welt, die zunehmend visuell organisiert ist.

Die Zukunft liegt vermutlich nicht in einem Ersatz, sondern in einer Kombination: Braille für das genaue Lesen und Schreiben und intelligente Brillen für das Wahrnehmen und Erschließen der sichtbaren Welt.

Zum Autorenteam

Die Autorin und der Autor sind in verschiedenen Ressorts der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg tätig: horus-Redaktionsmitglied Andrea Katemann leitet die Deutsche Blinden-Bibliothek (DBB) auf dem blista-Campus, der Diplom-Psychologe Oliver Nadig arbeitet als Rehabilitationslehrer für EDV und elektronische Hilfsmittel im Beratungs- und Schulungszentrum der blista (BSZ). Beide engagieren sich auch auf überregionaler Ebene, z. B. als Mitglied der Mediengemeinschaft für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen (A. Katemann) und im Fachausschuss für Informations- und Telekommunikationssysteme (O. Nadig).

Bilder: (li) Andrea Katemann sitzt an einem Tisch des blistaCampus, tippt auf ihr Smartphone und lächelt. Sie hat einen braunen Kurzhaarschnitt, dunkle Augen und trägt einen schwarzen Pullover. Foto: blista. (re): Oliver Nadig lächelt. Er hat dunkle Augen und dunkles Haar und trägt ein helles, fliederfarbenes Hemd. Foto: privat

Bild: Eine KI-Brille liegt auf einer Zeitschrift. Die Kamera und eine LED-Leuchte sind dezent in den dunklen Rahmen eingearbeitet. Foto: DVBS

Bild: KI-Brillen sind mit einer Kamera ausgestattet und lassen sich per Sprachsteuerung bedienen. Der vollblinde Wilhelm Gerike nutzt hier diese Funktion und hört sich die Bildbeschreibung seiner Ray-Ban Meta Smart Glasses an. Foto: DVBS

Bild: Finger gleiten über Braille. Die Erfahrung einer Braille-Lektüre kann durch KI-Brillen nicht ersetzt werden. 

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C. Ciplak: Mit Social Media den Leitstreifen freihalten!

Von Erdin Ciplak

Moin! Mein Name ist Erdin Ciplak, im Internet bekannt unter dem Namen Mr. BlindLife.

Von Geburt an bin ich gesetzlich blind. Ich bin 1986 auf die Welt gekommen und habe Augenerkrankungen wie Glaukom (Grüner Star) und Katarakt (Grauer Star). Im Laufe meiner Kindheit hatte ich dann noch mehrere Hornhauttransplantationen; meine Linsen wurden entfernt und vieles mehr. Bis heute hatte ich über 50 Augenoperationen. Übrig geblieben ist eine Sehkraft von 2%. Also: Ich bin gesetzlich blind.

Ich war auf einer Schule für blinde und sehbehinderte Menschen und habe dort mein Fachabitur gemacht. Ich wollte studieren und habe dann den Studiengang Soziale Arbeit belegt. Doch mit Beginn meines Studiums realisierte ich, wie blind ich eigentlich bin. In der Schule war das nie ein Thema, da jeder blind war oder eine Sehbehinderung hatte. Im Studium hingegen stand ich alleine auf weiter Flur und musste lernen, mit meiner Behinderung klarzukommen, was wirklich viele Jahre gedauert hat. Eine schlechte Hilfsmittelausstattung zu Beginn meines Studiums und mein großer Wunsch, ein Auslandssemester zu machen, hatten mich schlussendlich dazu bewegt, einen Social-Media-Kanal zu gründen. Mein sechsmonatiges Auslandssemester in der Türkei hatte ich, trotz sämtlicher Barrieren, im Übrigen erfolgreich absolvieren können.

Den ersten Kanal kennt so gut wie keiner. Unter dem Namen „Technikchocolate“ fing ich an, Videos über Hilfsmittel und Ähnliches zu drehen. Das war im Jahr 2013. Ein Jahr später habe ich dann meinen aktuellen Kanal namens „Mr. BlindLife“ gegründet. Das Ganze begann auf YouTube. Über die Jahre hinweg habe ich verschiedenste Videos gedreht. Der Durchbruch kam 2020 mit TikTok. Ich weiß noch genau, welches Video es war: Ich hatte eine Zwei-Prozent-Simulation gedreht. Zumindest hatte ich versucht, es zu simulieren, und das ging wirklich durch die Decke. Heute kennt man mich unter dem Spruch: „Leitstreifen freihalten“. Ein Format, das von mir überhaupt nicht geplant war. Ich hatte das Video einfach gedreht, da wirklich so viele Leute auf dem Leitstreifen standen und ich das einfach mal zeigen wollte.

Die Social-Media-Plattformen sind nicht wirklich barrierefrei, und es gibt viele digitale Barrieren. Ich benutze ein iPhone in Kombination mit der integrierten Vergrößerungssoftware „Zoom“. Auch der Screenreader „VoiceOver“ hilft mir hier sehr viel. Damit komme ich einigermaßen gut zurecht. Natürlich dauern das Schneiden und das Hochladen der Videos deutlich länger als bei jemandem, der zu hundert Prozent sehen kann. Aber der Aufwand ist es mir absolut wert. Mit meiner Community interagiere ich hauptsächlich über die Kommentarfunktion. Ich versuche wirklich, sehr viele Kommentare zu beantworten, was natürlich bei der Menge an Kommentaren nicht immer möglich ist. Ich gebe hier aber wirklich mein Bestes.

Wenn ich merke, dass eine Frage sehr oft auftaucht, dann drehe ich auch extra ein Video dazu. Meine Community sieht ja in meinen alltäglichen Videos, wie ich das eine oder andere erledige, wo es Barrieren gibt, und auch Videos, in denen ich an meine Grenzen stoße und es einfach nicht funktioniert. Ich versuche, dabei so ehrlich und transparent wie möglich zu sein.

Meine Ziele auf meinen Social-Media-Accounts sind es, immer ehrlich zu sein und Spaß zu haben. Mittlerweile ist das mein Vollzeitjob, und dafür bin ich extrem dankbar. Natürlich muss auch Leistung her und Videos, die gut performen. Also versuche ich, eine Balance zu finden zwischen Spaß und Videos, die ab und zu viral gehen – denn irgendwie muss ich auch mein Geld verdienen. Ich gehöre aber zu jener Gruppe von Content-Creators, die wirklich sehr ehrlich sind. Das mögen viele, und es gibt natürlich Leute, die das nicht mögen. Ich möchte nicht nur Videos drehen, die nur das Schöne im Leben zeigen. Ich bin zwar sehr oft positiv, doch zeige ich auch die andere Seite der Medaille.

Für die Zukunft wünsche ich mir natürlich, dass ich die 1 Million Follower auf TikTok erreiche. Das klingt vielleicht ein bisschen banal, aber für mich hat das eine besondere Bedeutung. Wir blinden und sehbehinderten Menschen müssen immer extrem viel Leistung zeigen, um einigermaßen von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Vielleicht kennen das einige von euch. Eine Million Follower auf TikTok sind für mich ein Zeichen dafür, dass ich es geschafft habe. Und auch ein Zeichen für andere Menschen, dass man es blind schaffen kann.

Also: Wenn du gerne mit Social-Media anfangen möchtest, dann fang an!

Denn ich bin nur ein Mensch, der blind ist und seinen Alltag präsentiert. Und wir wissen ja alle: Wir sind vielfältig, und jeder hat seine eigenen coolen Erlebnisse oder auch Herausforderungen im Alltag.

Zum Autor

Erdin Ciplak aka Mr. BlindLife ist ein studierter Sozialarbeiter, Speaker und Content Creator. Mit seinem Content klärt er über das Thema Blindheit und Sehbehinderung auf. Er ist selbst gesetzlich blind und hat nur noch ein Sehvermögen von 2 %. Der Hamburger interessiert sich für Autos, Technik, Reisen sowie traditionelles Taekwon-Do. Mehr über ihn gibt es auf 
https://linktr.ee/mrblindlife?utm_source=linktree_profile_share<sid=4be7fee0-ae24-4f97-a679-10bb01996f92

Bild: Erdin Ciplak ist auf einem gelben Rillen-Leitstreifen, der in der Mitte des Bürgersteigs verläuft, in die Hocke gegangen und greift sich ans Kinn. In der linken Hand hält er seinen Langstock, dessen Rollspitze auf dem taktilen Leitstreifen ruht. Erdin Ciplak hat kurzes, dunkles Haar, einen kurzen Vollbart und trägt eine große dunkelgetönte Brille. Zu schwarzem Kurzarmshirt und schwarzer Hose trägt er weiße Sportschuhe. Foto: privat

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Social-Media-Nutzung: horus-Leserinnen und Leser berichten aus ihrem Alltag

„Erzählen Sie uns, warum Sie in den sozialen Medien aktiv sind bzw. warum nicht“, bat die horus-Redaktion ihre Leserinnen und Leser. Hier sind Ihre Antworten – mit herzlichem Dank für Ihre Einsendungen. Die vielfältigen persönlichen Einschätzungen zeigen: „Social Media“ wird von blinden und sehbehinderten Menschen genutzt, ist fürs Marketing nötig, macht manchmal Mühe – und es geht auch ohne.

„Ich nutze Social Media vor allem, um meine Bücher zu vermarkten und politische Diskussionen zu führen.“ 
(Dr. Carsten Dethlefs aus Heide)

„Twitter habe ich viel und sehr gerne vor allem für Astronomie und Nachrichten benutzt, bevor es Herr ... übernahm. Facebook mache ich nur noch, um mein Buch, meinen Blog und meine Veranstaltungen anzukündigen. Meine Astronomen habe ich auf BlueSky verloren, weil es wahrscheinlich nicht schön bedienbar ist. Freunde müsste ich auf Mastodon neu suchen. Fange nicht nochmal von vorne an. Mache fast nur noch WhatsApp, was mir viel Spaß macht.“ 
(Gerhard Jaworek aus Karlsruhe)

„Ich benutze kein Social Media, weil ich dafür keine Zeit und keine Lust habe. Ich bin auch sehr unbegabt mit Computer. Ich benutze nur das nötigste. Ich habe nur meine Internetseite und mein YouTube-Kanal als Künstlerin. Das reicht. 
(Mag. Alina Konarska-Schmidt, Opernsängerin und Pianistin aus Wolfsburg)

„Ich nutze zwar beispielsweise LinkedIn, weil ich momentan eine neue berufliche Herausforderung suche, nutze aber sehr viele Möglichkeiten (noch) nicht, weil ich mich nicht sicher im Umgang damit fühle. Ich bin sehbehindert und nutze VoiceOver an meinem iPhone und JAWS am Rechner, finde es aber dennoch sehr mühsam und nicht intuitiv, diese Plattform zu nutzen. Zu viele Bilder, zu viele unübersichtliche Ecken. Ich nutze sonst eigentlich nur WhatsApp, weil es mir sonst zu viel wäre.“ 
(Tanja M. aus Reutlingen)

„Medien wie TikTok, SnapChat & Co. überfrachten mich mit Informationen, die ich nicht brauche, und kosten mich somit viel zu viel Zeit. Ich bin noch Old-School - also nutze ich Google, das genügt mir.“ 
(Markus Müller aus Lorsch)

„Ich verlasse immer mehr die Social Media, sie bringen mich nicht weiter. Ich habe schon mehrere Apps gelöscht und fühle mich so wohler. Ich empfinde es als zunehmend störend, dass ich, wenn ich mich mal ein oder zwei Tage nicht gemeldet habe, „bombardiert“ werde mit wichtigen Mails, die mich auffordern, mich wieder einzuloggen. Durch diesen Mist verpasst man die wirklich schönen Seiten des Lebens.“ 
(Regina Kalbskopf aus Villmar)

„Ich nutze unterschiedliche Bereiche von Social Media seit über 15 Jahren. Zu Beginn noch ohne Seheinschränkungen, die leider im Laufe meiner politischen Arbeit deutlich größer wurden und letztendlich zur Erwerbsunfähigkeit führten. Mittlerweile bin ich aus politischer Überzeugung nur noch auf Mastodon / im Fediverse aktiv. Ein Teil der mir lieb gewordenen Community ist immerhin irgendwann auch von ehemals Twitter dorthin gewechselt. Ich mag dort die Vielseitigkeit der Themen, die meist respektvollen Diskussionen und vor allem die großen Bemühungen, inklusive Inhalte mit guten Bildbeschreibungen bereitzustellen.“ 
(Birgit Rydlewski aus Dortmund)

„In den Sozialen Medien geht es darum, wahrgenommen zu werden und die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, Teilnahme bedeutet Kommunikation. Mir als vollblinder Person erschwert jedoch die vorwiegend visuelle Ausrichtung der Kanäle die Teilnahme. Während ich das noch textorientierte Netzwerk LinkedIn und Facebook in vollem Umfang nutzen kann, stellt die Konzentration auf Fotos und Videos bei Instagram ein Problem dar: Häufig fehlen Alternativtexte, sodass sich mir der Inhalt der Stories oder Reels nicht erschließt. Ein weiteres Problem sind unbeschriftete Schalter und der Fokusverlust für meinen Screenreader. Für mich als Content Creator entstehen daraus viele Unsicherheiten: Bin ich oder etwas anderes auf dem Video / Foto zu sehen? Ist das Bild richtig herum und stimmen die Ränder, damit ich Wortbeiträge auf Fotos erstellen kann? Bei den immer beliebter werdenden Carousell Posts gilt es, die Fotos an der richtigen Position einzufügen, damit der Beitrag richtig angesehen werden kann. Bislang gelingt es mir nur mit großer Anstrengung, ein Video aufzunehmen. Ich nutze dafür mein Handy, da es mir die Position meines Gesichts ansagt. Immer auf die Ansage hören zu müssen, während ich spreche, erfordert jedoch eine hohe Konzentration. Angesichts der geschilderten Schwierigkeiten benötige ich viel mehr Zeit als Sehende zum Erstellen eines Beitrags. Die Social-Media-Kanäle jedoch nicht zu nutzen, bedeutet für mich als freiberuflich Tätige fehlende Sichtbarkeit und damit keine Chance auf Aufträge.“ 
(Dr. Elke Irimia aus München)

„Soziale Medien: Ich lehne sie für mich weitmöglichst ab, weil ich sie als ‚Asoziale Medien‘ erlebe.“ 
(Franz Erwin Kemper aus Aulendorf)

„Ich bin dem Digitalen sehr aufgeschlossen, sitze seit 40 Jahren täglich am Rechner, beruflich, im Ehrenamt und privat. Seit 13 Jahren ist das iPhone mein täglicher Begleiter. Im Internet bewege ich mich zurückhaltend und gezielt; aber ‚Social Media‘ - nein danke! Weder möchte ich mit Werbung geflutet werden noch meine Privatsphäre öffentlich machen. Meine vielen Kontakte pflege ich bilateral. Aus meinem sehenden Umfeld weiß ich, wie viel Zeit für Facebook & Co draufgeht, bei mir wäre das ein Vielfaches, das Risiko von Fehlbedienungen wäre mir zu hoch. Meine Privatsphäre mache ich nicht öffentlich.“ 
(Klaus Hahn aus Butzbach)

Bild: Ein Mann mit dunkler, großer Sonnenbrille hält sein Handy auf Armlänge von sich entfernt, um sich selbst für einen Post zu fotografieren. Foto: DVBS

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Richtigstellung

In horus 1/2026 wurde Wolfgang Angermann fälschlicherweise mit den Worten zitiert, er sei 16 Jahre lang DVBS-Geschäftsführer gewesen (Beitrag „ ‚Nie aufs Kopfkissen zurückfallen‘ – ‚Erfinde dich immer neu, DVBS‘ – Ein Gespräch mit Wolfgang Angermann und Elias Knell über ihre Arbeit als DVBS-Geschäftsführer“). Die korrekte Angabe lautet jedoch: „Seit 1977 war ich dann Geschäftsführer, fast 18 Jahre lang.“

Auch in der Bildunterschrift wurde der Zeitraum falsch angegeben, und der Satzteil lautet korrekt „Wolfgang Angermann, DVBS-Geschäftsführer von 1977 – Ende 1994, (…)“. 

Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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Recht


Dr. M. Richter: Ein gerichtlicher "Hoffnungsschimmer"

Die Versorgung mit einem nicht zugelassenen Medikament im Einzelfall

Von Dr. Michael Richter (rbm)

Heute möchte ich über ein bemerkenswertes Urteil des Landessozialgerichts (LSG) Niedersachsen-Bremen berichten, das erst kürzlich ergangen ist und Menschen Hoffnung geben sollte, die auf ein nicht zugelassenes Medikament angewiesen sind (Az.: L 4 KR 210/24 vom 10.12.2025). In diesem Fall ging es um ein Kind, das genetisch bedingt auf lange Sicht mit einer stetigen Verschlechterung seines Sehens – bis zur Erblindung – rechnen musste. Die behandelnde Uniklinik empfahl jedoch ein Medikament, welches begründete Hoffnung zumindest auf eine drastische Verzögerung des Verschlechterungsprozesses in Aussicht stellte. 

Für die Versorgung mit einem nicht zugelassenen Medikament („Off-Label-Use“) gibt es strenge Voraussetzungen. Diese fordern kurz gesagt, dass die Erkrankung absehbar zur Erblindung führt, keine Behandlungsalternative zur Verfügung steht und es ernsthafte Hinweise auf die Wirksamkeit der (bisher) nicht zugelassenen Behandlung gibt. Da sich der Verschlechterungsprozess bei dem betroffenen Kind allerdings über Jahrzehnte ziehen kann, fehlte es bereits an der ersten Voraussetzung. Daher lehnte erstinstanzlich das zuständige Sozialgericht die Klage auf Versorgung entsprechend ab. 

Das LSG zeigte mit seinem Urteil jetzt jedoch noch eine erweiterte Möglichkeit auf. Zur Begründung führt es aus, dass sich ein Anspruch des Klägers auf Versorgung mit dem begehrten Arzneimittel im Rahmen eines sogenannten individuellen Heilversuchs aus § 2 Abs. 1a SGB V ergäbe. Danach können Versicherte mit einer Erkrankung, die lebensbedrohlich oder regelmäßig tödlich oder zumindest wertungsmäßig vergleichbar ist, und für die eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung nicht zur Verfügung steht, auch eine von § 2 Abs. 1 Satz 3 abweichende Leistung beanspruchen. Voraussetzung dafür ist, dass durch diese Leistung eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf Heilung oder auf eine spürbare positive Einwirkung des Krankheitsverlaufs besteht. 

Wertungsmäßig vergleichbar ist, wenn der Verlust eines wichtigen Sinnesorgans oder einer herausgehobenen körperlichen Funktion innerhalb eines kürzeren, überschaubaren Zeitraums droht. Für die schwere Erkrankung ist zeitlich gesehen dabei die notstandsähnliche Situation wichtig – eine Problematik, wie sie für eine akute Behandlung typisch ist, die der Lebenserhaltung dient. Das bedeutet, es herrscht höchste Gefahr, dass ein Patient mit großer Wahrscheinlichkeit in nächster, überschaubarer Zeit ein wichtiges Sinnesorgan oder eine herausgehobene Körperfunktion für immer verliert und dieser Verlust voraussichtlich auch nicht kompensierbar ist (BSG, Urteil vom 19. März 2020, B 1 KR 22/18 R, Rn. 23; vgl. auch BSG, Beschluss vom 27. Oktober 2020, B 3 KR 18/20 B).

Bei der vorliegenden Erkrankung des Kindes handelte es sich zwar um eine schwerwiegende, aber nicht um eine lebensbedrohliche oder regelmäßig tödlich verlaufende Erkrankung. Der Senat sah es als unstrittig an, dass aufgrund der genetischen Diagnose das Sehvermögen erheblich eingeschränkt wird und zur funktionellen Erblindung führen kann. Doch nicht die drohende Erblindung stand im Zentrum der Betrachtung, da eine Prognose bei der seltenen Erbkrankheit nicht möglich ist. Vielmehr ging es um die individuelle Notlage, die dadurch gekennzeichnet werde, dass dem Kläger gegenwärtig ein fortschreitender und irreparabler Verlust von Ganglienzellen droht. Denn die letzten Untersuchungen in der Augenambulanz hatten bereits eine fortschreitende temporale Reduktion des Sehnervs bestätigt. Dies rechtfertige, so der Senat, bei abstrakter und konkreter Prüfung von Risiken und Nutzen dieses Einzelfalls, die Gabe des begehrten Arzneimittels im Rahmen eines individuellen Heilversuchs für einen Zeitraum von zwölf Monaten in der ärztlich befürworteten täglichen Dosis von 450 mg (3 Filmtabletten) zuzuerkennen. 

Das LSG Niedersachsen-Bremen nahm bei seinem Urteil auch Bezug auf eine Entscheidung des BSG zur sog. Kuba-Therapie bei Retinopathia pigmentosa (RP) (Urteil vom 2. September 2014, B 1 KR 4/13 R). Laut BSG ist bei der Analyse von Risiken und Nutzen im Rahmen einer grundrechtlich orientierten Ausweitung des Leistungskataloges das jeweils erreichbare Behandlungsziel im Sinne von § 27 Abs. 1 Satz 1 SGB V in den Blick zu nehmen. Die Risiko-Nutzen-Analyse orientiere sich dabei an den Grundsätzen, die im arzneimittelrechtlichen Zulassungsverfahren gelten. Vereinfacht gesagt wird bei der Beurteilung der Zusammenhang von Therapie, Erfolg und Risiken berücksichtigt. Der Maßstab richtet sich verfassungsrechtlich zum einen danach, wie schwer und weit fortgeschritten die Krankheit ist, und zum anderen, wie stark und wahrscheinlich mögliche Nebenwirkungen sind. Erforderlich sei, dass sowohl nach abstrakter als auch konkret-individueller Chancen-/Risikoabwägung der voraussichtliche Nutzen die möglichen Risiken überwiegt. … 

Im Falle des Kindes sei die Augenerkrankung bislang nicht therapierbar und der Krankheitsverlauf sei seit der Erstdiagnose im Jahr 2019 progredient. Das LSG führt aus, dass zur Behandlung keine allgemein anerkannten, dem medizinischen Standard entsprechende Behandlungen zur Verfügung stünden und es aufgrund der geringen Anzahl betroffener Patienten nicht damit zu rechnen sei, vollständige Daten über die Wirksamkeit und Sicherheit des Arzneimittels bei bestimmungsgemäßem Gebrauch in naher Zukunft zu erhalten. Die Ergebnisse einer Studie, an der auch Kinder im jugendlichen Alter teilgenommen haben, zeige, dass die Verabreichung des streitigen Arzneimittels nicht mit untragbaren Risiken verbunden sei, die die positiven therapeutischen Wirkungen überwiegen würden.

Fazit: In besonders drastischen Einzelfällen kann im Rahmen eines sogenannten individuellen Heilungsversuchs zeitlich begrenzt und unter strenger ärztlicher Aufsicht noch ein letzter „Strohhalmversuch“ krankenkassenfinanziert in Betracht kommen. 

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Berichte und Schilderungen


P. Tödter: Zeitenwende - Vom Leben nach der blista

Physikstudium

Von Pascal Tödter, Abitur 2019

Von Nord nach Süd

Schon als Kind entwickelte ich eine Leidenschaft für technische und naturwissenschaftliche Dinge. Zu dieser Zeit war ich noch sehbehindert und konnte mich ohne Blindenstock gut orientieren, doch ob dies so bleiben würde, wusste damals keiner. So lernte ich in der Grundschule für Blinde und Sehbehinderte Punktschrift und hatte Blindenlangstocktraining. Dies sollte sich bald als nützlich erweisen, denn nach meinem Wechsel an eine Gesamtschule mit Gymnasialzweig für Sehende erblindete ich im siebten Schuljahr. Seitdem sehe ich nur noch hell und dunkel.

Während meiner Regelschulzeit in der Mittelstufe strich die Stadt Hamburg immer mehr die Gelder für sonderpädagogisches Fachpersonal. Dies war aber aufgrund meiner tollen Lehrkräfte kein großes Problem. Leider bot meine Schule in der Oberstufe kein Profil mit Fach Physik an (für die Hessen: Es gab keinen Leistungskurs Physik). Ich entschied mich daher, zur 11. Klasse an die blista zu wechseln, wo auch blinde Schüler*innen viel in den naturwissenschaftlichen Fächern machen können, wie z.B. Versuche durchführen.

Während meiner Oberstufenzeit an der blista haben mir der Biologie-, Chemie-, Physik- und natürlich der Sportunterricht viel Spaß gemacht. Die vielen Sportmöglichkeiten und die Abende in den Kneipen der Oberstadt haben Marburg für mich zu einer unvergesslichen Zeit gemacht.

Ich wusste schon während meiner Schulzeit, dass ich etwas mit Technik oder Naturwissenschaften studieren wollte. Dafür gibt es zwei Universitäten in Deutschland, die blinde Studierende während des Studiums verstärkt unterstützen: das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) oder die TU Dresden. Naja, und dann blieb noch die Frage, welcher technische oder naturwissenschaftliche Studiengang es werden sollte. Im Maschinenbau hat man viel mit Konstruktionszeichnungen zu tun, in Biologie und Chemie wäre die Arbeit im Labor schwierig und ein reines Informatik- oder Mathestudium klang für mich nicht so verlockend. Somit blieb durch dieses Ausschlussverfahren Physik – mein Top 2 Wunsch.

Karlsruhe - eine neue Stadt

Eine neue Stadt bedeutet, neue Wege lernen zu müssen. Eigentlich kein Problem für mich, da ich aus einer Großstadt komme. Allerdings konnte ich erst am Tag vor dem Beginn meiner Vorkurse (Vorbereitungskurse für das Studium) anreisen und ins Wohnheim einziehen, um von dort die Wege für die nächsten Tage und Wochen zu üben. Das Ganze wurde dadurch zusätzlich erschwert, dass ich einen Tag vorher mit der Marburger Blindenfußballmannschaft Meister geworden war und somit verkatert und müde die Wege üben durfte.

Sehr geholfen bei der Orientierung hat mir damals die App „MyWay Lite“, mit der man Wegpunkte markieren und sie dann später mithilfe der App ablaufen kann. Für den Anfang hatte ich mich zunächst für ein zentral gelegenes Wohnheim entschieden, da mir eine Wohngemeinschaftssuche von Hamburg aus zu schwierig erschien und ich zunächst die Stadt kennenlernen wollte. Nach eineinhalb Jahren Wohnheim bin ich dann mit einem Freund aus Marburg in eine 7er-Wohngemeinschaft in einem Vorort von Karlsruhe mit Straßenbahnanbindung gezogen. Leider stellte sich schnell heraus, dass die Taktung der Straßenbahn nicht meinen Bedürfnissen entsprach. Doch eine WG in einer besseren Lage zu finden, erwies sich als gar nicht so einfach. Wenn ich bei „WG-Gesucht“, einer Plattform für die Wohngemeinschaftssuche von Studierenden, angegeben habe, dass ich blind bin, habe ich recht selten eine Einladung zum WG-Casting erhalten. Bei demselben Bewerbungstext ohne das Hineinschreiben, dass ich blind bin, habe ich auf 90 Prozent der Anfragen eine Einladung erhalten, aber wurde nie angenommen. Umgekehrt allerdings, wenn ich ein freies Zimmer in meiner Wohngemeinschaft anbot, war meine Blindheit für niemanden der Bewerber ein Problem. So viel zu diesem Thema.

Mit einer neuen Wohngemeinschaft hat es dann doch noch über einen kleinen Umweg geklappt. Um Laufen als Sport ausüben zu können, brauche ich Begleitläufer* innen, deshalb habe ich mich beim Guide Netzwerk Deutschland angemeldet und so eine Freundin zum Laufen kennengelernt, bei der durch Zufall auch gerade ein WG-Zimmer frei wurde. Ich kann euch ein WG-Leben nur empfehlen; man lernt viel für das Leben, aber vor allem vereinsamt man nicht und hat mega viel Spaß.

Tausche immer Nummern aus

Vor dem eigentlichen Semesterstart im Oktober, der mit der obligatorischen Orientierungsphase beginnt, habe ich noch Anfang September an zwei- bzw. dreiwöchigen Vorkursen für Mathe, Informatik und Physik teilgenommen. An diesen Vorkursen teilzunehmen ist freiwillig, aber es ist sehr zu empfehlen, denn so lernt man schnell neue Leute kennen und kann versuchen, eine Lerngruppe zu finden, mit der man auch menschlich harmoniert. Man lernt dabei gleichzeitig ganz entspannt die Uni-Strukturen kennen und kann sich auch mit den Leuten bekannt machen, die die Materialien für die Seminare barrierefrei aufbereiten, bevor es dann ans Eingemachte geht. Beim Physikvorkurs waren überwiegend Ingenieur*innen, und ich habe mich schnell einer Gruppe von sieben Leuten anschließen können, mit denen ich in den ersten Wochen fast täglich Spieleabende gemacht und dabei viele Orte in der Stadt kennengelernt habe, wobei die anderen mit dem Fahrrad gefahren sind und ich allein mittels Straßenbahn und Navigationsapp dorthin gelaufen bin – so lernt man auch eine Stadt kennen. Der Mathevorkurs hingegen war nur für Physiker*innen, und somit war das die Gelegenheit, Leute aus meinem Studiengang kennenzulernen. Aber im Gegensatz zu Ingenieur*innen sind Physikstudierende nicht so die extrovertierten Menschen. In den drei Wochen habe ich nur eine Person kennengelernt, mit der ich auch neben dem Studium etwas gemacht habe. Besser wurde es dann in der Orientierungswoche, in der es viele Aktivitäten gab. Was in dieser Phase echt nervig war, war allen zu erklären, dass man auch als blinder Mensch Sport machen, kochen, putzen – sprich selbständig existieren kann.

Die Leute, die ich in dieser Zeit kennengelernt habe, sind bis heute enge Freunde, mit denen ich tagtäglich viel unternehme. Das Wichtigste in dieser Zeit war, immer Nummern mit Leuten auszutauschen, die man neu kennenlernt, und nicht aufzugeben. Diese Freund*innen behält man über das ganze Studium, geht mit ihnen in die Mensa, lernt und verbringt die Freizeit zusammen.

Kannst du mir das übertragen?

Leider besteht das Uni-Leben nicht nur aus der Freizeit mit Freund*innen, sondern auch aus Vorlesungen und Übungsblättern für das Studium. Wie bereits erwähnt, habe ich mich für Karlsruhe entschieden, da dort die Studiengänge unterstützt werden. Wie kann man sich das vorstellen? Es gibt dort ein Institut für blinde und sehbehinderte Studierende (ACCESS@KIT), das zum einen im Bereich Barrierefreiheit forscht, aber auch die Vorlesungen für die Studierenden aufbereitet, sodass die Materialien barrierefrei sind. Bei mir werden die Vorlesungen digitalisiert und ins Word-Format gepackt. Für Bilder werden entweder Bildbeschreibungen oder taktile Grafiken erstellt und die Formeln werden in LaTeX-Notation übertragen. Zu Beginn des Semesters schreibt man die Professor*innen an, fragt nach den Materialien und nach einer Buchempfehlung, denn das ACCESS@KIT kann nicht so viel auf einmal übertragen, die Kapazitäten sind begrenzt. Anschließend leitet man diese Informationen dem ACCESS@KIT weiter, wo sie übertragen werden. Um mehr muss man sich nicht kümmern, außer mal nachzuhaken, wenn die Sachen nicht kommen. Für mich ist dies viel entspannter, als wenn ich eine Studienassistenz gehabt hätte, da es organisatorisch viel weniger Aufwand ist. Die Kosten für das Übertragen der Materialien übernimmt die Uni und es muss auch kein Antrag gestellt werden. Studienassistenz kann natürlich zusätzlich beantragt werden und würde auch bestimmt nicht schaden, aber ich bin mit dem ACCESS@KIT und Freund*innen gut zurechtgekommen.

Das Institut hat auch einen Raum, in dem seheingeschränkte Studierende arbeiten können. Dieser ist mit Computern, 40er-, 80er-Braillezeilen, Surface Studios und den Sprachausgaben ausgestattet, mit denen man gerne arbeitet. In diesem Raum werden auch die Klausuren geschrieben.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Das Studium selbst hat es in sich und verlangt auf jeden Fall alles ab, vor allem die eigene Frustrationstoleranz und Geduld. Ich selbst habe die Vorlesungen nicht besucht, da ich den Tafelanschrieb nicht lesen konnte. Selbst wenn ich das Skript hatte, war die Vorlesung trotzdem zu schnell und spätestens bei Abbildungen ist man raus. Stattdessen habe ich viel mit Büchern gelernt und Übungsblätter immer mit Freunden gemacht, die dann Sachen schnell im Skript oder im Internet nachschlagen konnten. Alleine hätte ich das Studium nicht geschafft, aber das gilt auch für die meisten Sehenden.

Die Klausuren habe ich schriftlich geschrieben, außer sie hatten zu viele Grafiken. Aber ich finde auch im Nachhinein, dass schriftliche Prüfungen sinnvoll sind, da man das Rechnen und Lösen der Aufgaben so besser lernt. Aber hier ein Tipp, der mir damals sehr geholfen hätte: Sobald ihr Klausuren mit Formeln oder Abbildungen habt, beantragt einen Nachteilsausgleich von 100 Prozent, das kommt am KIT einfach über die Behindertenbeauftragte und in der Physik auch durch. Diese Physikklausuren sind schwer und es kann schnell passieren, dass man auch mal Pech hat und gerade eine besonders schwere Aufgabenstellung erwischt oder einfach das Falsche gelernt oder einen Blackout hat; gerade im ersten Semester, wenn alles neu ist. Wenn man dann noch zu wenig Zeit hat, kann es schnell passieren, dass man nach zwei schriftlichen Fehlversuchen in die mündliche Nachprüfung kommt. Fällt man auch hier durch, dann war´s das mit dem Physikstudium.

In der Physik gibt es vier Praktika, dabei handelt es sich um Versuchsdurchführungen an der Uni. Es ist kein Praktikum im herkömmlichen Sinn, sondern man hat für ein Semester wöchentlich einen Versuchstag. Die Praktika macht man in Zweierteams. Bei jedem Versuchstag bereitet man den Versuch mit einer Vorbereitungsmappe vor und dann werden an der Uni die Versuche durchgeführt. Die Versuche sind häufig nicht für blinde Studierende allein durchführbar, denn die Aufgabe besteht darin, die gemessenen Werte aufzuschreiben, und man hat dann eine Woche Zeit, ein Protokoll zu verfassen, was als blinde Person auch nicht so ideal ist, da man den Versuch ja nicht selbst durchgeführt hat. Die Bachelorarbeit hingegen war tatsächlich super, auch deswegen, weil ich einen netten Betreuer hatte. Meine Aufgabe war es, für ein physikalisches Problem mehrere neuronale Netze zu trainieren und zu schauen, welches die besten Ergebnisse ausgibt. Bei der Bachelorarbeit kann man auch einen Nachteilsausgleich beantragen, den habe ich aber gar nicht gebraucht. 

Von den Studierenden, die den Studiengang beginnen, machen 50 Prozent ihren Bachelor, der Rest bricht aus den unterschiedlichsten Gründen ab oder besteht die Klausuren nicht. Wer den Bachelor schafft, hat sehr gute Chancen, auch den Master zu schaffen. Der Masterstudiengang besteht aus zwei Semestern mit Vorlesungen und anschließenden mündlichen Prüfungen am Ende der beiden Semester, die es zu bestehen gilt. Danach hat man zwei Semester Zeit für seine Masterarbeit – auch hier gibt es die Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs. 

Eine Sache ist mir noch wichtig zu sagen: Ja, das Studium ist alles, aber nicht leicht. Für sehende Studierende nicht und für blinde Studierende noch viel weniger. Aber zum einen muss man kein Überflieger sein, ich bin auch keiner, und zum anderen wird mit jeder weiteren studierenden blinden Person der Weg einfacher, da immer mehr Materialien barrierefrei aufbereitet werden. Außerdem merke ich, dass das Studium mit KIs barrierefreier wird. Es ist möglich, durch KIs Bildbeschreibungen anzufertigen oder PDF-Dateien und Internetseiten lesbar zu machen, was vor allem für Formeln gilt.

Jetzt bin ich im zweiten Mastersemester angekommen und sehr optimistisch, dass ich das Studium schaffen kann. Was ich nach dem Master machen möchte bzw. kann, weiß ich noch nicht. Das Berufsfeld, in das man einsteigen kann, ist sehr breit, und ich werde mal schauen, wo mich die Zukunft hinführt.

Bild: Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt ACCESS@KIT blinde oder sehbehinderte Studierende verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, indem taktile Grafiken, Formeln und Modelle mit Braille-Schrift, kleinen Punkten und zusätzlich mit Normalschrift gedruckt werden – wie die beiden Blätter mit taktilen Grafiken in zwei Männerhänden hier zeigen. Foto: © www.kit.edu

Bild: Pascal Tödter steht lächelnd vor dem Eingang des InformatiKOMs in Karlsruhe, einem Unigebäude mit Lern- und Arbeitsplätzen und Zugang u. a. zu den Informatik-Instituten und dem Robot Design Atelier. Er hat braune Haare, einen Dreitagebart und trägt eine Steppjacke und einen Rucksack. Foto: privat

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V. Peitzmeier: Freiwilliges Engagement als gesellschaftliche Teilhabe

Von Vera Peitzmeier

Seit viereinhalb Jahren arbeite ich selbst im hauptamtlichen Team der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf e.V. Für die Leitung eines Projekts mit inklusivem Schwerpunkt stellte mich die Agentur ein, da ich zum einen selbst über einen längeren Zeitraum ehrenamtlich aktiv war und zum anderen mit Sehbehinderung ein gutes Profil für die Stelle mitbrachte.

Wenden wir uns der Frage zu, was ist freiwilliges Engagement?

Freiwilliges Engagement (oft auch Ehrenamt genannt) ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Es gibt zwar nicht die eine, festgeschriebene Definition, aber in der Wissenschaft und Politik hat sich ein Konsens über fünf Kernmerkmale gebildet.

Die 5 Säulen des Engagements

Man spricht von freiwilligem Engagement, wenn eine Tätigkeit diese Bedingungen erfüllt:

  • Freiwilligkeit: Die Entscheidung für die Tätigkeit erfolgt aus eigenem Antrieb. Es gibt keinen rechtlichen oder massiven sozialen Zwang (wie z. B. bei der Schulpflicht oder gerichtlich angeordneten Sozialstunden).
  • Unentgeltlichkeit: Man arbeitet nicht für ein Gehalt. 
  • Gemeinwohlorientierung: Die Arbeit kommt anderen Menschen, der Gesellschaft oder der Umwelt zugute. Es geht also nicht um Selbstzweck (wie reines Hobby) oder private Gefälligkeiten innerhalb der Familie.
  • Öffentlichkeit: Engagement findet meist in einem organisierten Rahmen statt – also in Vereinen, Stiftungen, Kirchen oder Bürgerinitiativen.
  • Zeitlichkeit: Es handelt sich um eine zeitlich begrenzte oder regelmäßige Investition von Lebenszeit, die über das übliche Maß an nachbarschaftlicher Hilfe hinausgeht, und erlebte Selbstwirksamkeit – das Gefühl, etwas bewegen zu können.

Wichtige Unterscheidung: Während das klassische „Ehrenamt“ oft mit festen Ämtern (z. B. Kassenwart im Verein) assoziiert wird, ist der Begriff „freiwilliges Engagement“ breiter gefasst und schließt auch kurzfristige Projekte oder digitales Engagement ein.

Vielfältige Bereiche des Engagements

Wie oben erwähnt, habe ich mich selbst über fast 20 Jahre in den verschiedensten Bereichen engagiert. Die meisten Ehrenämter waren in der Blindenselbsthilfe. Ich habe mich engagiert, um einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben zu leisten. Freiwilliges Engagement lenkt den persönlichen Fokus auf Anliegen, Bedürfnisse und Bedarfe anderer Menschen, Die Motivation ist vielfältig.

Früher stand oft rein altruistisches Gedankengut im Vordergrund. Heute beruht das Verständnis modernen Engagements auf einer Win-Win-Situation. 

Freiwilliges Engagement stärkt den sozialen Zusammenhalt und füllt Lücken, die Staat oder Wirtschaft nicht abdecken können, und für den Einzelnen kann es das Erwerben neuer Skills sowie das Knüpfen sozialer Kontakte bedeuten.

Die Freiwilligenagentur

Nach meiner persönlichen intensiven Zeit in verschiedenen Ehrenämtern begann ich meine Tätigkeit bei der Freiwilligenagentur, die im Fall von Marburg-Biedenkopf nicht als Teil der Stadtverwaltung, als Büro für bürgerliches Engagement, agiert, sondern ein Verein ist, der in der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf in vielfältigen Strukturen aktiv und gut vernetzt ist. Eine der Kernkompetenzen der Freiwilligenagentur liegt in der Beratung von Menschen, die mit einem Engagementwunsch unser Büro aufsuchen. Eine weitere ist die Vermittlung von Engagierten, beispielsweise an Organisationen, die von uns Unterstützung wünschen, oder auch an agentureigene Projekte. 

Eine Beratung braucht Zeit – Zeit, um den Menschen mit Engagementswunsch etwas kennenzulernen, ihre oder seine Wünsche auszuloten und passende Engagement-Angebote zu erörtern. Hierbei spielen die Lebensumstände und Ressourcen jeglicher Art der anfragenden Personen eine zentrale Rolle. Im Mittelpunkt steht das Ziel, die passende Tätigkeit zu finden und erfolgversprechend zu vermitteln.

Welche Motivation gibt es, sich zu engagieren?

Ein Engagement zu beginnen, kann zahlreiche Gründe haben – sowohl innere als auch äußere Motivation kann zu diesem Wunsch führen. Eine Struktur während der Woche wird unter Umständen gefestigt. Ein Rahmen wird geschaffen, das Gefühl „gebraucht zu werden“ erfüllt viele Personen. Oder der Wunsch nach sozialen Kontakten steht im Vordergrund. Manche Personen empfinden das eigene Leben so positiv, dass sie gern einen Teil ihrer Zeit anderen Menschen zukommen lassen und diesen für andere einsetzen möchten. 

Befassen wir uns nochmal mit der Fragestellung, ob freiwilliges Engagement gesellschaftliche Teilhabe stärken kann. Wenn man davon ausgeht, dass Voraussetzungen und Rahmenbedingungen sorgfältig gewählt und geschaffen werden, bestehen sicherlich Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe. Engagement kann das persönliche Erleben prägen, soziale Strukturen verändern und Input für das eigene Teilnehmen im Kontext des Engagements fördern.

Wenden sich Menschen mit Behinderung an die Freiwilligenagentur?

Die Freiwilligenagentur wird inzwischen von ganz unterschiedlichen Menschen aufgesucht. Beratungsanfragen von Menschen mit Behinderung sind gering, nehmen aber zu. Dies begründet sich vor allem in der örtlichen Vernetzung der Personen mit Handicap, und damit in der Weitergabe positiver Erfahrungen, aber auch in dem Wunsch, außerhalb der Selbsthilfe aktiv zu werden und inklusive Erfahrungen zu sammeln.

Zwei Beispiele seien hier einmal benannt: Erst vor einigen Monaten meldete sich ein blinder Herr bei der Freiwilligenagentur, der gern außerhalb der Selbsthilfe ein freiwilliges Engagement suchte. Er hatte, wie viele Menschen, die unsere Beratung aufsuchen, Vorstellungen, mit wem, wie oft und ob er sich an einem beliebigen Ort oder von zuhause aus engagieren wollte. Aufgrund der Sehbehinderung hatte er selbst Vorlieben, aufgrund derer das eine oder andere Engagement nicht möglich war. Er wurde nicht nur beraten, sondern Kolleginnen telefonierten auch mit Organisationen, um Barrieren zu verringern und eine Tätigkeit trotz Sehbehinderung möglich zu machen. Inzwischen arbeitet der Herr umfänglich bei einem Marburger Laden mit Schwerpunkt Fairtrade. Er unterstützt die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen im Büro, indem er an fünf Tagen pro Woche Telefondienst übernimmt.

Ein anderes Beispiel war eine blinde Dame mit Blindenführhund, die über eineinhalb Jahre mehrmals pro Woche ein Altenheim aufsuchte und Zeit mit Bewohnerinnen verbrachte, die sich Hundegesellschaft und ein Tier zum Berühren und Streicheln wünschten. Auch konnte sie mit der apportierfreudigen Hündin einen Kreis von demenzkranken Bewohnerinnen zum Miteinanderagieren motivieren. Durch die „Brücke“ Hund ergaben sich auch Gelegenheiten zum Karten spielen und einfach zum Zeit miteinander verbringen.

Soweit einmal aus der Praxis der Beratung.

Wie sind ihre Erwartungen?

Die Erwartungen unterscheiden sich kaum von denen Ratsuchender ohne Behinderung. Es bestehen Vorlieben, Neigungen und Interessen. Es stellt sich so dar, dass die Anzahl an Möglichkeiten durch die Behinderung eingeschränkt ist und die Beratung mehr Zeit umfasst. An dieser Stelle sollte jedoch die Frage erlaubt sein, die These zu vertreten, ob nicht jeder Mensch bestimmte Voraussetzungen mit in die Engagementsuche und -beratung bringt, die einige Angebote ausschließen. Es ist zu früh, um dies tatsächlich zu erörtern, denn der Prozentsatz an Engagement-Anfragen, in denen eine Behinderung eine Rolle spielt, ist durchaus noch gering.

Können Menschen beim Engagement voneinander lernen?

Sicher! Ein Engagement bietet Rahmenbedingungen für die Begegnung unterschiedlicher Menschen mit und ohne Handicap. Das Interesse an der Tätigkeit verbindet, die Ausrichtung der Kommunikation betrifft primär das Engagement, Barrieren können in diesem Kontext verringert werden. Sicherlich trifft meine Aussage nicht auf jedes Engagement zu, aber ein Engagement kann eine Brücke zwischen Menschen sein. Natürlich ist die Einstellung und Bereitschaft jedes einzelnen maßgeblich für das Gelingen, dass Menschengruppen, die ohne Engagement in ganz verschiedenen Lebenskontexten zu Hause sind, sich begegnen, offen füreinander sind, den Wunsch mitbringen, ihr/sein Gegenüber kennenzulernen. Menschen können diese Chance im freiwilligen Engagement ergreifen, sie ist da.

Logo Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf – Netzwerk für freiwilliges Engagement

Bild: Vera Peitzmeier schmunzelt. Sie ist in der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf Ansprechpartnerin für das Projekt „Marburg connect“ und bringt Engagierte und Menschen mit Begleitwunsch zusammen, damit diese gemeinsam aktiv sein können – z. B. um zu wandern oder Konzerte zu besuchen (https://www.freiwilligenagentur-marburg.de/marburg-connect-3/). Foto: privat

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Aus der Arbeit des DVBS


U. Boysen: Von der E-Akte über BEATE bis zum BKA - Fachgruppe Jura tagte in Bad Soden-Salmünster

Fachgruppe Jura tagte in Bad Soden-Salmünster

Von Uwe Boysen 

Es ist schon gut sechs Jahre her, dass ein eigenständiges Seminar der Fachgruppe (FG) Jura im DVBS das Licht der Welt erblickte. Aber vom 20. bis 22. Februar war es so weit. Mitglieder der FG Jura und der FG Verwaltung widmeten sich verschiedenen Themen, die vielen von uns unter den Nägeln brennen – und das mit erheblichem Erkenntnisgewinn, wenn man den Reaktionen am Ende der Veranstaltung glauben darf. 

Ein Gespenst geht um in deutschen Amtsstuben – die E-Akte

Die E-Akte in der Justiz, in der Verwaltung und auch in der Privatwirtschaft feiert Siegeszüge. Wer sie nutzen soll, sieht sich jedoch oft als Besiegter und mag ihre Vorteile nur selten genießen. Deshalb war dieses Thema Gegenstand der morgendlichen Runde am Samstag. Andreas Carstens und mit ihm viele Teilnehmende aus der Justiz tauschten sich über ihre ersten Erfahrungen mit der elektronischen Akte aus, die inzwischen nahezu flächendeckend in die Gerichtssäle eingezogen ist. Gleiches gilt für die Verwaltung, über die Alexander von Böhmer mit Teilnehmenden aus diesem Bereich diskutierte. In beiden Gruppen war viel Frust zu hören. Insbesondere wurde beklagt, dass die Arbeit oft sehr viel langsamer wird, teilweise speziell für uns, teilweise aber ebenso für die sehenden Kolleginnen und Kollegen. 

Auf der anderen Seite gibt es durchaus das Bemühen der Verantwortlichen, bei der Implementation der E-Akte auch unsere Bedürfnisse zu berücksichtigen. Beharrlichkeit sollte sich hier, so meine Hoffnung, langfristig auszahlen. Als notwendig erachteten alle, für unseren Personenkreis Einzelschulungen durchzuführen. Das Thema war so wichtig, dass es nochmals in ursprünglich nicht vorgesehenen abendlichen Runden vertieft wurde. 

BEATE als Leitstern bei Stressbewältigung

Eine Beate gehörte nicht zu den Anwesenden. Gleichwohl spielte sie eine besondere Rolle am Samstagnachmittag. Hier ging es um Stressabbau, die Analyse seiner Ursachen und was man tun kann, um ihn, wenn nicht auszuschalten, so doch zu minimieren. Dazu stellte uns Carsten Otto, der die gesamte Veranstaltung gekonnt moderierte, BEATE vor, natürlich ein Akronym.

Die Buchstaben bedeuten B = Bemerke deine Gefühle, E = erkenne sie, A = akzeptiere sie, T = Trenne Dich vom ersten Handlungsimpuls und E = Entscheide dich anders. Das kann hier natürlich nicht weiter ausgeführt werden, gab uns aber eine Reihe von Denkanstößen, vielen auch im Hinblick auf das, was wir einen Konflikt nennen und wie wir ihn möglicherweise bearbeiten können. 

Arbeitsplatz BKA

Der Sonntag bot uns einen Vortrag von Rabea Hathaway, die seit gut einem Jahr Abteilungsleiterin im Bundeskriminalamt ist und uns mit auf ihren ziemlich atemberaubenden Karriereroadtrip nahm. Immerhin ist sie dort für mehr als 1.000 Mitarbeitende zuständig. Sie zeigte, dass man sich, will man erfolgreich im Beruf sein, auch etwas trauen muss, andererseits aber, wie die Diskussion ergab, auch realistisch einschätzen sollte, wie belastend der Schritt in höhere Verantwortung sein kann. Wichtig waren auch Rabeas Ausführungen zur Frage, wie man sich bei Vorstellungsgesprächen oder in Assessment Centern präsentieren sollte. Sie hat gute Erfahrungen damit gemacht, ihre Sehbehinderung irgendwann offensiv anzusprechen. 

Ein erstes Fazit

Fast alle Teilnehmenden waren sich einig, dass der intensive Austausch zwischen uns es wert war, ein Wochenende für das Seminar zu „opfern“. Neue Gedanken und Impulse werden uns alle begleiten. Und mancher meinte, es sei schade, dass das nächste Wochenendseminar absehbar erst wieder in zwei Jahren stattfinden wird. Aber, darauf sei noch einmal hingewiesen, es gibt auch in der Zwischenzeit zahlreiche Möglichkeiten der Vernetzung, sei es über die Mailingliste der FG Jura oder über die auch weiter geplanten Zoomveranstaltungen. Es liegt an jedem von uns, das Beste daraus zu machen. 

Bild: Das Kress Hotel in Bad Soden-Salmünster ist verkehrstechnisch gut an das Ballungszentrum Rhein-Main angeschlossen und ein beliebter Veranstaltungsort für DVBS-Seminare. Blick in einen Seminarraum mit Begrüßungstext „Viel Erfolg und Spaß! Ihr Team vom Kress Hotel“. Foto: © Kress Hotel

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Starke Partner für die Selbsthilfe: DVBS-Geschäftsführer Elias Knell besuchte BKK B. Braun Aesculap

Was haben Marburg an der Lahn und Melsungen an der Fulda gemeinsam? Darüber muss Elias Knell, Geschäftsführer des DVBS, nicht lange nachdenken: Es sind Städte in Hessen, in denen zwei Organisationen im Interesse blinder und sehbehinderter Menschen zusammenarbeiten. Liegt in Marburg die Geschäftsstelle des DVBS, beherbergt Melsungen die Zentrale der Betriebskrankenkasse (BKK) B. Braun Aesculap. Letztere hat die Herausgabe des Quick Guides „Barrierefreie Excel-Dokumente – erstellen, prüfen, in PDF umwandeln“ gefördert, der von der Geschäftsstelle des DVBS veröffentlicht wurde. Hier finden Anwenderinnen und Anwender grundlegende Tipps, wie sie Tabellen so erstellen und bearbeiten können, dass der Zugang barrierefrei möglich ist (https://dvbs-online.de/veroeffentlichungen/leitfaeden).

Um sich für die Förderung persönlich zu bedanken, hat Elias Knell am 6. Februar 2026 den Vorstand der BKK B. Braun Aesculap, Mario Heußner, in Melsungen besucht. „Das beidseitige Engagement zeigt, wie wichtig starke Partner für die Selbsthilfe sind. Selbsthilfe wirkt!“, sind sich beide einig.

Mario Heußner erläuterte die Grundlage, auf der sich die BKK B. Braun Aesculap engagiert. Sie fördert Selbsthilfeengagement und unterstützt Aktivitäten der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe. Dies geschieht sowohl in Form einer Pauschalförderung als auch durch eine kassenindividuelle Projektförderung. Die gesetzliche Grundlage hierfür bildet § 20h SGB V. In der DVBS-Geschäftsstelle wiederum ist es Aufgabe von Elias Knell, Projekte zu entwickeln und Anträge auf Förderung zu stellen. Geht ein positiver Bescheid – wie der von der BKK B. Braun Aesculap – ein, ist die Freude groß. Denn durch Mitgliedsbeiträge allein ließen sich Projekte nicht finanzieren. Dass der DVBS-Geschäftsführer den Antrag zur Förderung des Quick Guides Excel ausgerechnet bei der BKK B. Braun Aesculap stellte, war kein Zufall: Bereits als Student hatte er im Rahmen seiner Masterarbeit ein Praktikum beim Mutterunternehmen der Betriebskrankenkasse in Melsungen absolviert und kannte daher ihr Profil gut.

Die BKK schätzt die Arbeit von Selbsthilfeorganisationen, denn: „Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen sind mit ihren vielfältigen und umfangreichen Aktivitäten eine wertvolle Ergänzung des Leistungsangebotes der BKK B. Braun Aesculap“, so Vorstandsvorsitzender Mario Heußner im Gespräch. Und Elias Knell ergänzt: „Sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, Rat und Unterstützung zu erhalten und gemeinsame Lösungen zu finden, gehört zu den wesentlichen Aufgaben des DVBS. Das gelingt uns dank rund 1.200 Mitgliedern und vieler Ehrenamtlicher. Dies ist bei weitem kein Modetrend - schließlich existiert der DVBS nun schon seit 110 Jahren.“ 

Künftig ist auch ein sachlicher Austausch mit der Schwerbehindertenvertretung von B. Braun Aesculap geplant, um dort auf die hilfreichen Aktivitäten des DVBS aufmerksam zu machen.

Kontakt

Bei Fragen zu Förderungen und Spenden wenden Sie sich an:

Elias Knell 
DVBS-Geschäftsführung
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-0
E-Mail: knell@dvbs-online.de

Bild: Mario Heußner, Vorstandsvorsitzender der BKK B. Braun Aesculap, und Elias Knell, DVBS-Geschäftsführer, stehen gemeinsam vor ihren Rollups und halten lächelnd den „Quick Guide Excel“ in den Händen. Foto: BKK B. Braun Aesculap

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C. Axnick: Seminare

Von Christian Axnick

Für das zweite Halbjahr 2026 stehen bisher vier spannende Seminartermine fest. Die jeweiligen Programme find Sie, sobald sie vorliegen, auf der DVBS-Webseite unter Angebote - Termine. Für Rückfragen steht Ihnen die DVBS-Geschäftsstelle gerne zur Verfügung. 

  • 23. – 26.07.2026, Fachgruppe Wirtschaft: „Meine Berufsbiografie“ in Herrenberg-Gültstein

    Zugänge über kreative Methoden der Biografiearbeit und des Psychodramas bieten hilfreiche Methoden an, um mehr Klarheit über Bedeutung und Auswirkungen der eigenen Behinderung im beruflichen Lebensweg zu erlangen. Bei diesen Methoden geht es aber nicht nur um die Aufarbeitung gemachter Erfahrungen, sondern sie eröffnen auch die Chance, eigene Wünsche und Pläne zu antizipieren, sie quasi einem Probehandeln zu unterziehen.

  • 17. – 20.09.2026, Fachgruppe Wirtschaft: Reden und präsentieren in Herrenberg-Gültstein

    Freie Rede und Präsentation vor Gruppen ist nicht jedermanns/jederfrau Sache. Aus den Auswirkungen der Behinderung ergeben sich für blinde und sehbehinderte Menschen über das oben Erwähnte hinaus spezifische Hürden und Probleme. Der (partiell) fehlende Gesichtssinn kann in Redesituationen störend und hinderlich sein. Andererseits sind viele sehgeschädigte Menschen eigentlich „verbal stark“ und können und sollten diese ihre Stärke zeigen und nutzen.

  • 26.09. – 03.10.2026, Interessengruppe Ruhestand: Seminarwoche in Saulgrub 

    Das Bildungsseminar möchte sehbeeinträchtigte Senior*innen inspirieren, körperlich und geistig fit zu bleiben oder zu werden, damit sie ihre Chancen zu gesellschaftlicher Teilhabe optimal nutzen können. Es bietet eine Vielzahl von Themen aus verschiedenen Bereichen.

  • 15. – 18.10.2026: Nicht sehend – nicht blind – Seminar der Interessengruppe Sehbehinderte in Bad Soden-Salmünster

    Das Seminar umfasst wie immer verschiedene Workshops; unter anderem „Verschlechterung des Sehvermögens – eine berufliche Herausforderung für sehbehinderte Menschen“

Unsere Seminare stehen auch Nichtmitgliedern offen, sollten noch Plätze frei sein.

DVBS-Mitglieder mit geringem Einkommen und ohne institutionelle Förderung können einen Zuschuss aus unserem Solidaritätsfonds beantragen.

In den Seminarhäusern sind Gäste mit und ohne Blindenführhund herzlich willkommen. 

Kontakt

Bei Fragen zum Seminar- und Veranstaltungsprogramm des DVBS wenden Sie sich in der DVBS-Geschäftsstelle an:

Christian Axnick
Tel.: 06421 94888-28
E-Mail: axnick@dvbs-online.de 

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E. Knell, T. Büchner: Besuchen Sie uns auf der SightCity 2026

blista und DVBS präsentieren ihre Angebote vom 27. bis 29. Mai in Frankfurt

Von Elias Knell und Thorsten Büchner

In der Woche nach Pfingsten wird das Kongresshaus Kap Europa in Frankfurt am Main wieder zu einem beliebten Treffpunkt für blinde und sehbehinderte Menschen: Die SightCity bietet dort vom 27. bis 29. Mai auf vier Etagen ein vielfältiges Angebot. Die weltweit führende Fachmesse für blinde und sehbehinderte Menschen macht es Besucherinnen und Besuchern einfach, barrierefrei Hilfsmittelanbieter, Hersteller, Vereine und Organisationen direkt kennenzulernen und Neues auszuprobieren. Es ist mit bis zu 150 Ausstellern aus 25 Ländern zu rechnen. Mit dabei sind an einem Gemeinschaftsstand auch dieses Jahr wieder der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V. (DVBS) sowie die Deutsche Blindenstudienanstalt (blista) – und zwar am gewohnten Ort auf Ebene 1, Innen, Standnummer 2 (abgekürzt: 1I02).

Wer nicht nach Frankfurt reisen möchte, kann dank des hybriden Messekonzepts Eindrücke online über die Plattform sightcity.net gewinnen. Interaktive Workshops, Fachvorträge zu Themen aus Medizin, Rehabilitation und Bildung, ein Gaming Lab, der Livestream im SightCity TV mit dem sehbehinderten Moderator und Autor Saliya Kahawatte („Mein Blind Date mit dem Leben“): die SightCity bietet jede Menge Anregungen und frische Impulse. Dieses Jahr neu ist eine Sport- und Musikbühne.

Am Stand des DVBS freuen sich Vorstandsmitglieder auf Gespräche mit Gästen rund um Barrierefreiheit, Ausbildung, Studium und Beruf. Anlässlich des 110-jährigen Jubiläums der Selbsthilfeorganisation steht das zuverlässige und breite Unterstützungsangebot im Vordergrund. Wer möchte, kann einen Mitgliedsantrag vor Ort ausfüllen und profitiert davon, dass das laufende Kalenderjahr 2026 bei Neumitgliedschaft beitragsfrei ist.

Am Stand der blista sind Besucherinnen und Besucher herzlich eingeladen, ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und die breit gefächerten blista-Angebote kennenzulernen. Wie läuft der inklusive Unterricht in der Carl-Strehl-Schule ab? Welche Beratungs- und Schulungsangebote gibt es für Erwachsene? Und was gibt es Neues aus der hessischen Beratungsstelle für Menschen mit Hörsehbehinderung und Taubblindheit? Antworten von Mensch zu Mensch erhalten Sie garantiert vor Ort.

Für Workshops ist eine vorherige Registrierung erforderlich. Ansonsten ist die Messe frei zugänglich. Das Eintrittsticket kostet pro Tag und Person 5 €. Die Kosten entfallen, wenn man sich vorab über die Webseite mit Namen, gewünschtem Besuchstag und Anzahl der Begleitpersonen registriert (https://sightcity.net/besucher/registrierung/) oder eine E-Mail an info@sightcity.net schickt. Dann braucht nur die Registrierungsmail am Empfang vorgezeigt zu werden. 

Wer beim Messebesuch begleitet werden möchte, kann einen Guide buchen und zwischen verschiedenen Sprachen wählen (19 € pro Stunde, Buchung unter sightcity.net/messeguides/).

Weitere Informationen zur SightCity gibt es auf https://sightcity.net.

Bild: QR-Codes auf dem Fußboden vor jedem Messestand und die SightCity-App als mobiles Nachschlagewerk (https://sightcity.net/sightcity-app/) unterstützen den Messebesuch. Foto: SightCity GmbH

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Aus der blista


M. Dirmeier, J. Flach: Coal, Culture & Cadbury: Austausch mit Tradition - Neustart in Worcester

Von Martina Dirmeier und Jens Flach

Unser Schüleraustausch mit dem New College Worcester ist nach siebenjähriger Pause wieder angelaufen – und damit eine Tradition, die bis 1989 zurückreicht. Mit dabei waren Tiago, Lotta, Eva-Lotta, Tizian, Lewis und Hisham aus der Jahrgangsstufe 10, begleitet von Frau Dirmeier, Frau Roesler und Herrn Flach. Gemeinsam durften wir erleben, wie facettenreich ein Austausch sein kann: historisch tiefgründig, kulturell verbindend und kulinarisch überraschend.

Coal – Geschichte unter Tage und über Jahrhunderte

Wer England verstehen will, kommt an seiner Industrie- und Bürgerkriegsgeschichte nicht vorbei. Besonders eindrucksvoll wurde uns dies im Black Country Living Museum nahe Birmingham vor Augen geführt. Inmitten originalgetreu wiederaufgebauter Häuser und Werkstätten tauchten wir in das Leben der Kohle- und Industrieregion des 19. und 20. Jahrhunderts ein. Eine Führung rund um eine Kohlemine, eine Bootsfahrt durch ein dunkles Tunnelsystem und sogar eine Schulstunde wie im Jahr 1912 – inklusive strenger Lehr- und Disziplinierungsmethoden – machten Geschichte greifbar.

Doch nicht nur die Industriekultur prägte unseren Aufenthalt. In Worcester selbst begegnete uns Geschichte auf Schritt und Tritt. Die imposante Cathedral beeindruckte durch ihre Architektur und jahrhundertealte Tradition. Im historischen Gebäude „The Commandery wurden wir mitten hinein in die Zeit des englischen Bürgerkriegs versetzt. In Kostümen und mit nachgebildeten Waffen konnten wir buchstäblich in die Rollen der Menschen jener Epoche schlüpfen – Geschichte zum Anfassen.

Culture – Begegnung, Bühne und englischer Alltag

Kultur zeigte sich für uns jedoch nicht nur in historischen Mauern, sondern vor allem im Miteinander. Ein besonderer Höhepunkt war der Abend im NCW Youth Club. Bei der Variety Night mit Dart, Bastelaktionen, Musik und vielen Gesprächen lernten wir uns alle noch besser kennen. Hier wurde gelacht, diskutiert und gemeinsam Zeit verbracht – gelebte interkulturelle Begegnung.

Auch der Schulalltag am New College Worcester eröffnete neue Perspektiven. Der Einblick in verschiedene Unterrichtsfächer zeigte Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zum deutschen System – und bot zahlreiche Gelegenheiten, Englisch ganz selbstverständlich im Alltag anzuwenden.

Ein kulturelles Highlight im wahrsten Sinne des Wortes war die Theateraufführung der Drama-Group. Mit großem Enthusiasmus und beeindruckendem Können brachten die Schüler*innen das Stück „Dracula“ auf die Bühne. Dass wir diese Aufführung noch erleben konnten, verdankten wir einem ungeplanten zusätzlichen Tag vor Ort. Aufgrund eines Streiks verzögerte sich unsere Rückreise. So wurde aus der Planänderung ein weiteres besonderes Erlebnis.

Cadbury – Kulinarische Entdeckungen von Cheddar bis Chocolate

Neben Kohle und Kathedrale durfte natürlich auch die süße Seite Englands nicht fehlen. In der „Cadbury World“ erlebten wir die Geschichte der berühmten britischen Schokoladenmarke auf interaktive Weise. Vorführungen, Mitmach-Stationen, Probiermöglichkeiten und ein 4D-Kino machten den Besuch informativ und unterhaltsam zugleich – und zeigten, dass auch Industriekultur ihre genussvollen Seiten hat.

Doch nicht nur als Zuschauer*innen blieben wir aktiv. Bei einer Cooking Session am College wurden typische britische Spezialitäten selbst zubereitet. Hier wurde geschnippelt, gerührt und gebacken – internationale Teamarbeit inklusive. Kulinarisch ergänzt wurde dies durch die Einheit „Taste Around Britain“, die Ms. Molina vorbereitet hatte. Von herzhaftem Cheddar und der einzigartigen Worcestershire Sauce bis zu süßen Scones und Short Bread reichte die Bandbreite – eine geschmackliche Reise durch das Vereinigte Königreich.

Unser Austausch hat einmal mehr gezeigt, wie bereichernd internationale Begegnungen sind. Wir danken insbesondere Beatriz Molina und Ian Lythgoe, die den Austausch auf britischer Seite mit großem Engagement organisiert und begleitet haben. Unser Dank geht auch an die Stiftung der SEB-Bank, die durch ihre großzügige Spende diese Reise ermöglicht hat.

In kurzer Zeit ist eine lebendige und herzliche Verbindung entstanden, die wir unbedingt fortführen möchten. Coal, Culture, Cadbury – und vor allem Connection und Continuity. Wir freuen uns schon jetzt darauf, unsere neuen alten Freunde bald auch wieder bei uns in Marburg begrüßen zu dürfen.

Bild: „Das Highlight war der Cadbury-Besuch, da gab es XXL-Schokolade“, so Tizian über die interaktive Ausstellung zur Schokoladenherstellung und Firmengeschichte von Cadbury. Die blista-Besuchsgruppe hat sich vor den Eingangstreppen der „Cadbury World“ aufgestellt. Foto: blista

Bild: Mit alten Hüten, Perücken und Kostümen: Fünf blista-Schüler*innen stehen für ein Erinnerungsfoto beisammen. „In der Commandery konnten wir historische Waffen und Kostüme aus- und anprobieren, war sehr lustig und hat für gute Stimmung gesorgt“, so Lotta. Foto: blista

Bild: British Cooking Session: Mrs. Williams (Mitte, in rosa Schürze) erklärt zwei Gästen aus der blista in der Schulküche ein Rezept. Foto: blista

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T. Mahnke: PBAT - Ein Besuch bei BASF in Ludwigshafen

Von Tobias Mahnke 

Was die Fantastischen Vier mit MfG bereits 1999 feststellten, hat sich bis heute eher noch verschlimmert: Wir sind umgeben von Akronymen, die ‒ obwohl manchmal unaussprechlich ‒ die Fantasie anregen und damit ungeahnte Möglichkeiten bieten. Was also ist PBAT? Vielleicht: Pure Bereitschaft zur aktiven Teilnahme? Mal sehen:

Am 13.02.2026, 6:15 Uhr, startete unten am Schlagberg ein Bus zur BASF in Ludwigshafen. Mit dabei waren die Leistungskurse der Jahrgangsstufen 12 und 13, insgesamt 16 Schüler*innen, sowie vier Kolleg*innen. Alle waren zur angegebenen Zeit im Bus und so konnte die Fahrt pünktlich losgehen. Nach gut zweieinhalb Stunden Fahrzeit waren wir vor Ort und wurden von Patrizia Schmidt und Kai Siegenthaler in Empfang genommen. Nachdem die Formalitäten wie z. B. Ausweiskontrolle geklärt waren, ging es mit dem Bus über das Gelände zur ecoflex®-Anlage. Bereits bei dieser Fahrt bekam man einen Eindruck von der Größe und Komplexität des Verbundstandorts: Unter Rohrbrücken und vorbei an geschäftigem Treiben ging es über Straßen mit Namen wie Styrolstraße, Bleistraße oder Diaminstraße, die keinen Zweifel an dem chemischen Charakter der Anlagen ließen. 

Am Ziel angekommen, bekam das Team von BASF noch Zuwachs durch Jens Schierholz und Carsten Sinkel. In insgesamt drei Gruppen gab es anschließend zu unterschiedlichen Aspekten der Anlage zahlreiche Informationen. Zunächst ging es durch die Fabrik: Vorbei an großen Silos, Druckleitungen, Ventilen, Pumpen und Reaktoren wurde uns die Funktionsweise der Anlage anhand von exemplarischen Details nähergebracht. Es wurde deutlich, dass das Team vor Ort sich im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht hat, unsere Gruppen einerseits sicher, andererseits aber auch möglichst nahe am Geschehen der Anlage an den Prozessen teilhaben zu lassen. Immer wieder gab es die Möglichkeit, Kühlrohre anzufassen, Pumpen vibrieren zu spüren oder Stoffflüsse zu hören. Insgesamt sind wir die Anlage von ca. 30 Meter über der Straße bis in den Keller unter der Straße abgelaufen und haben viele Eindrücke über die dort stattfindenden Prozesse bekommen. Schließlich durften wir das Produkt, kleine Pellets, anfassen und bekamen einen Eindruck davon, was dort eigentlich in einer Masse von 150 Tonnen am Tag produziert wird. Und mit großer Geduld sowie natürlich dem Fachwissen im Hintergrund wurden die Fragen der Schüler*innen beantwortet. PBAT also doch eher "Pure Bereitschaft zur aktiven Teilhabe"?

Neben der Anlage wurden uns noch Einblicke in die Funktion und den Aufbau des BASF-Standorts in Ludwigshafen gegeben. Dabei wurde deutlich, wie aus Erdgas oder Naphtha (Rohbenzin) aber auch nachwachsenden Rohstoffen letzten Endes eine vielfältige Produktpalette entsteht. Spätestens an dieser Stelle erkannten viele Schüler*innen, dass unsere Schulchemie mit "der Welt da draußen" viel zu tun hat, vor allem, wenn mithilfe einfacher Reaktionen am Ende 150 Tonnen Produkt am Tag entstehen und man damit Geld verdienen kann. 

Als dritte Station wurde die Vielfalt des dort hergestellten Produkts in den Fokus genommen. Von Tüten über Kaffeekapseln bis hin zu Kunststoffprodukten für die Landwirtschaft bietet das Produkt dem Endverbraucher eine breite Palette an Anwendungen, die herkömmliches "Plastik" in vielen Bereichen ersetzen könnte. Denn der wirkliche Vorteil des Produkts liegt darin, dass es sich vollständig kompostieren lässt und – je nach Anwendungsfall - in freier Natur biologisch abbaut. Damit lassen sich Erzeugnisse daraus, z. B. Mulchfolien für den landwirtschaftlichen Einsatz, einfach unterpflügen bzw. über die grüne Tonne entsorgen. Mikroplastik? Fehlanzeige! Doch worum genau handelt es sich eigentlich? Natürlich um PBAT: Poly(butylenadipat-co-terephthalat). Wobei die anderen Bedeutungen gleichermaßen zutreffen!

Wir danken dem Team von BASF für die hervorragende Betreuung und Bewirtung vor Ort sowie die Möglichkeit unmittelbar am Geschehen teilzuhaben. Weiterhin danken wir der Schulleitung, die diese Fahrt durch die Freistellung von insgesamt vier Kolleg*innen für diesen Tag und finanzielle Unterstützung erst ermöglichte. 

Bild: Auf einem Gitterrostuntergrund und vor einer Trapezblechwand stehen insgesamt 6 Schülerinnen und Schüler. Sie tragen gelbe Helme und Schutzbrillen. Daneben stehen Frau Schapat und zwei Betreuer von BASF mit derselben Schutzausrüstung. Am linken Bildrand befinden sich eine massive Stahlträgerkonstruktion sowie stählerne Rohrleitungen. Dahinter erkennt man ein Silo. Foto: BASF SE, Ludwigshafen

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H. Flach: Begegnungen mit der KI - Jugendmedienschutz im Schuljahr 2025/2026

Von Heike Flach

Ein kleiner Film läuft: Man sieht einen Jugendlichen, der sich auf den Besuch seiner Freundin vorbereitet. Er steht vor dem Spiegel und stylt seine Haare, zwischendurch chattet er mit ihr. In der Küche decken seine Eltern den Tisch – gespannt, wie die Freundin wohl sein wird. In der letzten Szene sitzt diese schließlich am Tisch: ein Hologramm, das einer Manga-Figur ähnelt. Die Eltern tauschen vielsagende Blicke, der Vater kommentiert trocken: „Wenigstens kann sie nicht schwanger werden.“

So begann die digitale Schulstunde anlässlich des Safer Internet Day 2026. Die Klassenstufen 7 bis 10 waren eingeladen, am Live-Stream teilzunehmen und sich mit dem Thema „KI and me – in künstlicher Beziehung“ auseinanderzusetzen. Über 53.000 Schüler*innen aus dem deutschsprachigen Raum folgten der Einladung.

Die digitalen Schulstunden von klicksafe greifen stets aktuelle Themen auf und leben von interaktiven Elementen wie Live-Umfragen und Expert*innen-Interviews. Zwischendurch bearbeiten die Klassen kleine Aufgaben, die anschließend gemeinsam ausgewertet werden.

Am Safer Internet Day 2025 wurde ein solches Format erstmals angeboten. Damals streamten die Klassen die Schulstunde direkt im Klassenraum – technisch nicht immer einfach, aber lehrreich. Um allen Teilnehmenden Zugang zu ermöglichen, wurde eine Audiodeskription integriert, die die Moderator*innen hervorragend umsetzten.

Als zu Beginn des aktuellen Schuljahres im Rahmen der „Back-to-School-Aktion“ erneut eine digitale Schulstunde stattfand, verlegten wir das Format in die Aula. So konnten sich Schüler*innen unterschiedlicher Klassenstufen austauschen – ein großer Gewinn für die Diskussionen. Im Oktober drehte sich alles um Deepfakes: Woran erkennt man sie? Welche Risiken entstehen – und wie lässt sich die Technik verantwortungsvoll nutzen? Besonders spannend war hier der Blick auf den Bildungsbereich: Unterricht kann deutlich bereichert werden, wenn etwa historische Figuren scheinbar selbst auf Schülerfragen antworten.

Wie so oft zeigte sich: Jede technische Entwicklung hat zwei Seiten. Sie birgt Chancen und Risiken – entscheidend bleibt, wie verantwortungsvoll der Mensch sie nutzt.

Auch der Safer Internet Day 2026 fand wieder in der Aula statt. Das diesjährige Thema war besonders sensibel: Beziehungen zur KI. Die Spanne reichte von einfachen Chatbots als Gesprächspartner bis hin zu virtuellen Partnern oder sogar Therapeuten-Ersatz. Wie komplex und emotional aufgeladen dieses Thema ist, zeigte die Stunde eindrucksvoll. Während einige Schüler*innen große Bedenken äußerten, spürte man gleichzeitig eine gewisse Faszination.

Es spricht nichts dagegen, Einsamkeit mit virtueller Begleitung zu lindern. Doch problematisch wird es, wenn echte soziale Kontakte darunter leiden und die KI zur bevorzugten „Bezugsperson“ wird. Wie immer gilt: Verantwortung und Bewusstsein in der Nutzung sind der Schlüssel.

Die Schulstunde endete mit einer offenen Diskussionsrunde zur Frage: Wie sieht Schule in ein paar Jahren aus? Die Ideen reichten von Robotern als Lehrkräfte bis hin zur Vision, dass Schule in ihrer bisherigen Form gar nicht mehr existiert. Doch schnell wurde klar: Schule ist mehr als Wissensvermittlung – sie ist auch sozialer Raum, gelebte Gemeinschaft und Ort des Austauschs. Ohne persönlichen Kontakt ginge ein wesentlicher Teil verloren. Wir stehen also an einem Punkt, an dem wir alle lernen müssen, mit den neuen Möglichkeiten verantwortungsvoll umzugehen und Schule an manchen Stellen neu zu denken.

Auch für die Unterstufe gab es in diesem Schuljahr wieder spannende Angebote. Nach den Kennenlernwochen fand für die 5. Klasse ein Aktionstag zum Thema Klassenchat statt. Es zeigt sich deutlich: Das Smartphone ist mittlerweile selbstverständlicher Begleiter – und auch KI wird bereits von den Jüngsten genutzt.

Am Safer Internet Day diskutierten die Klassen 5 und 6 in einer Doppelstunde ebenfalls über KI – lebhaft, kritisch und erstaunlich reflektiert. Sie spüren die Faszination der neuen Technologien, erkennen aber auch die Risiken, insbesondere wenn es um Manipulation und Betrug geht.

Die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz gehört längst zum schulischen Alltag. Diese Projekte zeigen, wie wichtig es ist, junge Menschen früh für Chancen und Grenzen digitaler Technologien zu sensibilisieren. Denn Zukunft entsteht dort, wo Wissen, Neugier und Verantwortung gemeinsam wachsen.

Bild: In der blista-Aula fällt der Blick über vier Stuhlreihen mit Schülerinnen und Schülern hinweg zur Leinwand, auf der ein Live-Stream zum Thema KI läuft. Foto: blista

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Bücher


T. Büchner: Hörbuchtipps aus der blista

Von Thorsten Büchner

Hörbücher der DBH

Ratgeber: Vorsorgen für Krisen und Katastrophen. 

Herausgegeben vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Bonn, 2025. Buch-Nr.: 1681321, Spielzeit: 50 Minuten

Warnungen erhalten und verstehen, Essen und Trinken bevorraten, mit Kindern über Krisen sprechen – es gibt viele Aspekte zu beachten, wenn die gewohnte Infrastruktur einmal nicht funktioniert, etwa aufgrund von Extremwetter, Stromausfall oder einem Cyberangriff. „Wenn etwas passiert, ist es besser, vorbereitet zu sein“, so die Herausgeber dieser Broschüre. Aber wie? Der neue Ratgeber fasst Vorbereitungs- und Handlungsempfehlungen für verschiedene Notsituationen zusammen, Checklisten unterstützen bei der Umsetzung – für alle Fälle.

Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Penguin, München, 2026. Buch-Nr.: 1681401, Spielzeit: 480 Minuten

Bo ist 89 und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein Kontakt beschränkt sich auf seinen Hund Sixten und die täglichen Besuche des Pflegedienstes. Hans, sein Sohn, kommt dagegen nur selten vorbei und traut ihm vor allem gar nichts mehr zu. Jetzt will er ihm auch noch den Hund wegnehmen. Dabei braucht Bo seinen geliebten Vierbeiner so dringend wie noch nie. Warum versteht das niemand? Der drohende Verlust seines Hundes bringt Bo dazu, die Schlüsselmomente seines Lebens zu überdenken.

Gisèle Pelicot: Eine Hymne an das Leben - Die Scham muss die Seite wechseln

Piper, München, 2026. Buch-Nr.: 1682841, Spielzeit: 543 Minuten

„Die Scham muss die Seite wechseln“ – mit diesen Worten veränderte Gisèle Pelicot 2024 die Welt. Sie verzichtete im Prozess gegen ihren Ex-Mann und über 50 weitere Täter auf Anonymität – und wurde zur Stimme von Millionen. Ihr Mut löste internationale Debatten aus, brachte Gesetze ins Wanken und gab Betroffenen weltweit neue Kraft. Das Hörbuch von Gisèle Pelicot ist ein beeindruckendes Porträt einer Frau, die das Schweigen überwindet, Gerechtigkeit einfordert und dabei allen Widerständen zum Trotz nie den Glauben an die Liebe verliert.

Heinrich August Winkler: Warum es so gekommen ist. Erinnerungen eines Historikers

C. H. Beck, München, 2025. Buch-Nr.: 1670791, Spielzeit: 637 Minuten.

Hier blickt einer der bedeutendsten deutschen Zeithistoriker und einflussreichsten deutschen Intellektuellen der Bonner und Berliner Republik zurück auf seinen Lebensweg von Königsberg über Süddeutschland nach Berlin. Heinrich August Winkler berichtet von seinen Prägungen in der Nachkriegszeit, von seinen wissenschaftlichen und politischen Vorbildern, von frühen Begegnungen mit Konrad Adenauer und Willy Brandt, vom Kampf um die Verwestlichung der Bundesrepublik. Er erinnert an die deutsche Teilung und ihre Überwindung, an die Gründung der Berliner Republik und seine Interventionen zu politischen Streitfragen der Zeit, bis hin zu seiner Kritik an der Ostpolitik der SPD und seinen frühen Warnungen vor Putin. Er beschreibt seine Rückkehr nach Königsberg, seine frühen Reisen in die USA und die DDR sowie seine Gespräche mit Politikern, Philosophen und Intellektuellen. Vor allem aber zeigen seine Erinnerungen, welch weiten Weg Deutschland seit dem Zivilisationsbruch des „Dritten Reiches“ in Richtung Westen zurückgelegt hat und welche Errungenschaften, aber auch Verpflichtungen, damit verbunden sind.

Hörbücher zum Schwerpunktthema „Social Media“

Delphine de Vigan: Die Kinder sind Könige

DuMont, Köln, 2022. Buch-Nr.: 1559991, Spielzeit: 613 Minuten

Mélanie hat stets davon geträumt, gesehen und berühmt zu werden. Als Mutter zweier Kinder ist es ihr gelungen: Sie ist eine erfolgreiche YouTuberin mit Tausenden von Followern. Objekt ihrer Videos und Posts sind ihre Kinder, die auf Schritt und Tritt gefilmt werden. Seit kurzem kommt ihre Tochter dem Filmen jedoch immer unwilliger nach. Dann verschwindet Kimmy nach einem Versteckspiel spurlos. Die ermittelnde Polizeibeamtin Clara hat Tausende Verdächtige.

Jonathan Haidt: Generation Angst. Wie wir unsere Kinder an die virtuelle Welt verlieren und ihre psychische Gesundheit aufs Spiel setzen

Rowohlt, Hamburg, 2024. Buch-Nr.: 1634401, Spielzeit: 884 Minuten.

Drei technologische und mediale Megatrends bestimmten die frühen 2010er Jahre: Smartphones, Social-Media-Plattformen und die Selfie-Kultur. Das Ergebnis: Eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen, deren mentale Gesundheit sich rapide und dauerhaft verschlechtert hat. Dieser Entwicklung müssen wir jetzt entgegentreten. Haidt erklärt, was Regierungen, Schulen und Eltern tun können, um Kindern ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.

Ihr Kontakt zur DBH 

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V.
Am Schlag 2-12
35037 Marburg
Telefon: 06421 606-0
E-Mail: info@blista.de
sowie über unsere kostenlose Leselust-App 
und unseren barrierefreien Online-Katalog 
unter https://katalog.blista.de

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W. Lutz-Gemril; J. Schäfer: Aus der Braille-Druckerei

Von Wencke Lutz-Gemril und Jochen Schäfer

Frühling und Sommer laden zu gemütlichen Tagen auf dem Balkon oder anderswo ein – vielleicht ja mit dem einen oder anderen Buch, sodass sie zu „Büchertagen“ werden. Dazu haben wir drei Neuerscheinungen, beginnend mit einem Kinderbuch, das uns wieder Louis, der blinde grüne Waschbär gebracht hat. 

Carina Zacharias: Minna und die magische Stadt

Wunderhaus, Dresden, 2022. 4 Bände in reformierter Kurz-, 6 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6411.

Minna ist ein Waisenkind, das im Heim aufwächst und dort zunächst von Frieda großgezogen wird. Nach Friedas Tod nehmen deren Schwestern sich ihrer an. Die sie sind ganz fies und zeigen keinerlei Zuneigung. Mit 12 Jahren beschließt Minna, in die magische Stadt zu gehen, um Handwerkerin zu werden. Als sie erfährt, dass Mädchen dort keine Chance haben - von Gleichberechtigung also leider keine Spur –, kommt sie als Junge verkleidet in die Stadt. Sie nennt sich Matz und wird Lehrling bei einem Buchbinder. Der ist zwar merkwürdig und will eigentlich nie wieder selbst ein Buch binden, er ist aber andererseits auch nett. Er lebt in einem magischen Haus. Auch die Bücher, die er früher gebunden hat, bergen eine gefährliche Magie: Alles, was darin geschrieben steht, wird Wirklichkeit, wie sich später herausstellt. Diese Magie nutzen manche Menschen, wie z. B. der selbstgefällige Bürgermeister, um andere zu manipulieren. Minna (Matz) stößt auf viele Geheimnisse und muss gefährliche Abenteuer bestehen. Dabei unterstützen sie ihre neuen Freunde, die sie in der magischen Stadt kennenlernt. Mit Hilfe des Hauses, der magischen Bücher und ihrer Freunde gelingt es ihr schließlich, ihre Eltern zu finden. Eine aufregende Kinderfantasy mit Spannung bis zum Schluss!

Es kommt nun Literatur für die „Großen“. Die beiden folgenden Bücher wurden Anfang April bei den 2. „Timmendorfer Büchertagen“ vorgestellt, die im Aura-Hotel in Timmendorfer Strand stattfanden – ein Literaturevent für blinde und sehbehinderte Bücherfans mit Lesungen, Autor*innengesprächen und Diskussionen. (https://www.aura-timmendorf.de/programm-details/buechertage-2026.html).

Maryam Aras: Dinosaurierkind - Essay

Claassen, Berlin, 2025. 4 Bände in reformierter Kurz-, 5 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6435.

Der politische Bericht einer deutschen Literaturwissenschaftlerin mit iranischen Wurzeln, aufgewachsen im Arbeiterviertel von Köln-Mülheim, auf der Suche nach ihrer Herkunft. Ihr Vater kam bereits in den 50er Jahren nach Deutschland, nachdem 1953 das Attentat auf den damaligen iranischen Ministerpräsidenten Mossadegg verübt wurde. Er schloss sich einer Gruppe Studierender an, deren Mitglieder überwiegend aus dem Iran kamen und sich für die Errichtung eines demokratischen Iran engagierten. Sie beteiligten sich u.a. 1967 an den Demonstrationen gegen den Schah-Besuch in West-Berlin. Die Enttäuschung war groß, als 1979 die islamische Republik Iran entstand und das Regime der Mullahs und Ayatollahs an die Macht kam. 

Anstoß für diese politische Biografie ihres Vaters war ein Kinoabend über die Anti-Schah-Demo, während dem die Autorin ihren Vater auf der Leinwand entdeckt. Mit Hilfe verschiedener Erzählstränge (manche aus Sicht ihres Vaters) entstand nicht nur ein Bericht über ihren Vater und ihre Familie, sondern auch eine Autobiografie der Autorin über den Weg ihrer Politisierung. Ein Buch, das an politischer Aktualität nichts eingebüßt hat, vor allem vor dem Hintergrund des derzeitigen Irankriegs.

Karin Nohr: Kieloben - Roman

Größenwahn Verlag, Frankfurt am Main, 2019. 4 Bände in reformierter Kurz-, 5 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6436.

Durch einen Zufall entdecken Inga und Mette, die eine aus Berlin, die andere aus Norwegen, dass ihr Leben durch die Geschichte ihrer Eltern schicksalhaft verwoben ist. Ihr Aufbruch zueinander wird zu einer wahrhaften Seelenreise und führt sie an Grenzen, die sie gar nicht erkunden wollten: Sehnsucht stößt auf Angst, Missverständnisse lauern überall. In diesem deutsch-norwegischen Familienroman stecken die Lesenden einmal in Ingas, dann wieder in Mettes Kopf. Spannungsreich und einfühlsam schildert Karin Nohr Wendepunkte im Leben zweier Frauen und berührt dabei wunde Punkte zweier Nationen.

Im nächsten Heft stellen wir weitere „Timmendorf-Bücher“ vor, die Anfang April präsentiert und zuvor durch uns übertragen wurden. 

Haben auch Sie Vorschläge für Braille-Übertragungen? Schicken Sie sie uns, wir freuen uns drauf.

Kontakt

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)
Am Schlag 2-12
35037 Marburg
Tel.: 06421 606-0
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bzw. die populäre App "Leselust"

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Panorama


Verirrt im virtuellen Raum - Gelsenkirchener Pop-Oper

In vielen Familien ist es ständig wiederkehrendes Thema: Eltern und Kinder am Küchentisch und zwischen ihnen blinkende Smartphones. Statt miteinander zu sprechen, wird übereinander gechattet. Haben wir verlernt, einander zuzuhören? Auf „Jetzt leg doch mal das Handy weg!“ folgt „Schnauz mich nicht an!“. Und so schleudert uns das Stück „Ghost Me, If You Can direkt auf das familiäre Schlachtfeld des digitalen Generationenkonflikts. Doch als plötzlich ein Geist namens „Ghost“ auftaucht und Teenager und Elternteil direkt in das Innere ihrer Smartphones katapultiert werden, beginnt eine Abenteuerreise ins Unbekannte. Zwei Generationen irren durch das Internet: Während eine im Chaos aus Memes und Trends aufblüht, scheitert die andere am neuesten Windows-Update. Je tiefer sie in das digitale Inferno eintauchen, desto deutlicher werden die Abgründe. Ob die beiden es wohl schaffen werden, ihre Filterblasen zu durchbrechen, um wieder zueinander zu finden? 

Seit der Premiere am 28. März läuft das Stück „Ghost Me, If You Can“ im Kleinen Haus im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen. Die Zugänglichkeit der Stücke für sehbehinderte, blinde wie sehende Menschen wird mit den Mitteln der kreativen Audiodeskription verbessert. Anders als bei Formaten wie der Hör.Oper ist hier die Audiodeskription von Anfang an in Text und Bühnengeschehen mitgedacht und integriert sich als zusätzliche künstlerische Ebene für das gesamte Publikum. Vor der Vorstellung findet für alle interessierten Besucher*innen eine Tastführung auf der Bühne statt, ein detailgetreues Tastmodell des Bühnenbildes, Audioeinführung und Begleitservice zur Spielstätte ergänzen den barrierearmen Zugang. Im Juni finden Vorstellungen am 10., 11., 24. und 25.06.2026 statt. 

Tickets und weitere Infos gibt es online unter https://musiktheater-im-revier.de/de/performance/2025-26/ghost-me-if-you-can, alternativ per Mail an theaterkasse@musiktheater-im-revier.de oder telefonisch unter 0209 4097200. 

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DoBuS-Schnupper-Uni - Studienorientierung mit Behinderung oder chronischer Erkrankung

Studieninteressierte mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung sind vom 23. bis 25. Juni 2026 herzlich eingeladen, sich an der Technischen Universität Dortmund näher über ein dortiges Studium zu informieren.

Das Themenspektrum reicht von Unterstützungsangeboten an der TU Dortmund über Rechtsansprüche und Nachteilsausgleiche für Studierende, der Finanzierung von technischen und personellen Hilfen bis zur Literaturbeschaffung und Nutzung der Universitätsbibliothek. Zu den Höhepunkten der dreitägigen Veranstaltung wird sicher auch der Besuch einer Vorlesung und der Erfahrungsaustausch mit anderen Studierenden mit Beeinträchtigungen gehören.

Die Teilnahme ist kostenlos. Bei Bedarf wird eine Gebärdensprach(DGS)-Übersetzung angeboten (bitte bis 18. Mai Bescheid geben!).

Die Universität ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Dortmunder Hauptbahnhof aus barrierefrei zu erreichen und findet in barrierefreien Räumlichkeiten statt. DoBuS bietet auf Wunsch auch Unterstützung bei der Suche nach (barrierefreien) Übernachtungsmöglichkeiten.

Anmeldeschluss ist der 8. Juni 2026.

Kontakt

Andrea Hellbusch – zhb-DoBuS
Tel.: 0231 755-6565
E-Mail: Andrea.Hellbusch@tu-dortmund.de 
Web und Anmeldeformular: 
https://dobus.zhb.tu-dortmund.de/studieninteressierte/schnupper-uni/

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Barrierefreie Online-Bewerbung - selten möglich

Viele Jobinteressierte kennen die Anspannung bei einer online-Bewerbung gut: Die Jobsuche selbst, der Klick auf den „Bewerben“-Button, die Angaben der Pflichtfelder, das Upload der Unterlagen, die Datenschutzerklärung und die Absenden-Funktion können unerwartete Hürden bergen und jede Menge Zeit kosten. Wie aber ist es, wenn sich Menschen mit Behinderungen online bewerben – können sie ihre Bewerbung barrierefrei losschicken? Um diese Frage mit Ja oder Nein zu beantworten, wurden Karriereseiten, Stellenportale, Stellenanzeigen und Bewerbungsformulare von insgesamt 51 deutschen Unternehmen untersucht. Die analysierten Unternehmen stellten einen Querschnitt aller Branchen dar und hatten alle die „Charta der Vielfalt" unterzeichnet und damit ein Zeichen für Diversity und Inklusion gesetzt.

Wie Henner Knabenreich auf haufe.de im Januar 2026 berichtet, war das Resultat der Untersuchung jedoch „ernüchternd“. Zwar investieren viele der Unternehmen in ihre Karriereseiten, z. b. mit ansprechenden Startseiten und Imagevideos. Doch bei 82 Prozent konnte keine Bewerbung zum Abschluss gebracht werden. Menschen mit Behinderungen wurden etwa dadurch ausgeschlossen, dass ein Pflichtfeld nicht beschriftet war, ein Button für Screenreader fehlte, ein Dropdown-Menü nicht per Tastatur bedienbar war, die Seite nicht vergrößert werden konnte oder der Kontrast so gering war, dass Menschen mit Sehschwäche die nächste Eingabe- oder Handlungsaufforderung nicht erkennen konnten. Knabenreich fasst zusammen: „Besonders ernüchternd ist, dass die Probleme branchenübergreifend sind und weder vor großen noch vor IT-affinen Unternehmen Halt machen.“

Sein Fazit: „Wer für sein Unternehmen neue Mitarbeitende gewinnen will, muss den Weg zur Bewerbung frei machen. Andernfalls sind Karriereseiten im wahrsten Sinne des Wortes Barriereseiten.“

Näheres zur Untersuchung finden Sie unter:

https://www.haufe.de/personal/hr-management/inklusion-karriereseiten-sind-selten-barrierefrei_80_671162.html

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Bundesweite Überwachungsstelle für barrierefreie Produkte und Dienstleistungen in Sachsen-Anhalt

Als neue, moderne Behörde „mit großer Verantwortung und frischen Ideen“ hat im September 2025 in Magdeburg die Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (MLBF AöR) ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist dafür zuständig, dass das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) eingehalten wird, und wurde von allen 16 Bundesländern gemeinsam errichtet.

Angesiedelt ist die länderübergreifende Stelle im Geschäftsbereich des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Zu ihren Zielen gehört, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen bundesweit zu verbessern, indem die Anforderungen an barrierefreie Produkte und Dienstleistungen überwacht werden. Ihr kommen damit sowohl Fach- als auch Vollzugsaufgaben zu. Die europaweit vernetzte Überwachungsstelle startete mit rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Aktuelle Stellenausschreibungen finden sich auf der MLBF-Webseite.

Vom seit 28. Juni 2025 gültigen BFSG betroffen sind beispielsweise Smartphones und Smart-TV, Bank- und Fahrkartenautomaten, E-Book-Lesegeräte sowie Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr und Bankdienstleistungen. „Unter das BFSG fallen Hersteller, Händler und Importeure dieser Produkte sowie Dienstleistungen. Kleinstunternehmen (weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz), die Dienstleistungen anbieten, sind vom Gesetz ausgenommen. Kleinstunternehmen, die Produkte in Umlauf bringen, fallen jedoch unter das BFSG“, erklärt die MLBF in ihrer Pressemitteilung vom 18.03.2025. 

„Werden Anforderungen an die Barrierefreiheit nicht erfüllt, können wir – je nach Sachlage – Korrekturen anordnen, Dienstleistungen untersagen, Produkte vom Markt nehmen oder Bußgelder verhängen. Sanktionen sind dabei stets das letzte Mittel“, so der Kommissarische Vorstand Robert Richard in einem Interview mit dem Börsenblatt – dem Fachmagazin der Buchbranche vom 10. März 2026. Er erläutert, dass beispielsweise für die Buchbranche insbesondere drei Referate aus zwei Fachabteilungen relevant sein werden: eines für E-Books und die Bereiche „Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr“ sowie „Verbraucherendgeräte und E-Book-Lesegeräte“.

Gut zu wissen: Die MLBF ist Ansprechpartnerin für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für anerkannte Verbände im Rahmen ihrer gesetzlichen Zuständigkeit. Eine rechtliche Beratung durch die Marktüberwachungsstelle ist nicht vorgesehen, aber es werden Informationen bereitgestellt.

Kontakt

Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (MLBF AöR)
Carl-Miller-Str. 6
39112 Magdeburg
Telefon: 0391 567 6970
Mail: kontakt@mlbf-barrierefrei.de
Web: https://ms.sachsen-anhalt.de/themen/menschen-mit-behinderungen/aktuelles/marktueberwachungsstelle-der-laender-fuer-die-barrierefreiheit-von-produkten-und-dienstleistungen

Link zum Interview mit Robert Richard: https://www.boersenblatt.net/news/verlage-news/sanktionen-sind-fuer-uns-stets-das-letzte-mittel-414695

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Empfehlungen zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Institutionen

Die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs arbeitet dafür, Betroffenen Anerkennung für das erlebte Leid und Unrecht auszusprechen, Strukturen aufzuzeigen, die sexualisierte Gewalt ermöglichen, und nachhaltige Veränderungen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu bewirken. Seit ihrer Gründung am 26. Januar 2016 hat die Kommission mehr als 3.000 Betroffene angehört, diverse wissenschaftliche Studien herausgebracht und gesellschaftliche Debatten angestoßen. Anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums hat sie nun ihre Empfehlungen für Institutionen, die sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche aufarbeiten wollen, aktualisiert und veröffentlicht. 

Durch die Arbeit der Kommission wurde eine international beachtete Datenbasis geschaffen. Es wurden nicht nur individuelle Schicksale dokumentiert, sondern auch strukturelle Missstände in Schulen, Kirchen, Sportvereinen und anderen Tatkontexten aufgedeckt. Ein zentrales Ergebnis der Kommission: Sexualisierte Gewalt wird oft durch eine mangelnde Sensibilisierung und vielfältige Risikofaktoren ermöglicht und durch Schweigen, Ignoranz und Vertuschung aufrechterhalten. „Wir müssen die Mechanismen verstehen, die Täter und auch Täterinnen schützen und Betroffene im Stich lassen. Nur so können wir Kinder und Jugendliche in Zukunft besser schützen“, erklärt Prof. Dr. Julia Gebrande.

Die Kommission hat zahlreiche Forderungen an Politik, Justiz und Gesellschaft gerichtet. Ein Meilenstein war das Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, das am 1. Juli 2025 in Kraft trat und die Arbeit der Kommission langfristig absichert.

Ihre Publikation „Institutionen übernehmen Verantwortung: Empfehlungen zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt“ wurde 2019 zum ersten Mal herausgegeben. Seither wurden viele institutionelle Aufarbeitungsprozesse begonnen und durchgeführt sowie Aufarbeitungsberichte oder Gutachten veröffentlicht. Diese neuen und wichtigen Erfahrungen flossen ebenso in die Neuauflage ein wie die Ergebnisse eines zweijährigen Dialogprozesses von Betroffenen und Vertreter*innen von Institutionen sowie Wissenschaftler*innen. 

Die 54-seitige Broschüre steht als barrierefreie PDF-Datei zum Download bereit unter: https://www.aufarbeitungskommission.de/mediathek/empfehlungen-zur-aufarbeitung/

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"Entlastung für die Seele - Ratgeber für pflegende Angehörige"

Wenn ein nahestehender Mensch erkrankt oder pflegebedürftig wird, ist es für viele Angehörige ein Bedürfnis zu helfen. Doch im Gegensatz zu professionellen Pflegekräften haben sie hierbei häufig keinen Feierabend. Innere Konflikte, die angesichts der enormen Anforderungen und emotionalen Verbundenheit auftauchen, können seelischen Stress verstärken, so dass pflegende Angehörige unter Umständen selbst in eine Situation der Überforderung oder Erschöpfung geraten. 

Über typische Herausforderungen, einen gesunden Umgang mit den eigenen Kräften und Möglichkeiten der Entlastung und Unterstützung informiert der Ratgeber „Entlastung für die Seele“. Er wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) herausgegeben und ist im Januar 2026 als Druckversion und Download in aktualisierter 12. Neuauflage erschienen.

Der Ratgeber zeigt Wege auf, wie pflegende Angehörige die eigene Gesundheit im Blick behalten können, und ermutigt dazu, rechtzeitig Entlastung und Hilfen von außen in Anspruch zu nehmen. Der vollständig überarbeitete Anhang gibt einen Überblick über bundesweite und landesspezifische Anlaufstellen, bei denen pflegende Angehörige Informationen, Beratung und praktische Unterstützung erhalten. Die Publikation wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung e. V. (DPtV) erstellt.

Der Ratgeber erschien 2012 in der ersten Auflage und gehört zu den beliebtesten Broschüren der BAGSO. Die Neuausgabe wurde vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Der 76-seitige Ratgeber kann als barrierefreies pdf-Dokument hier heruntergeladen werden: https://www.bagso.de/publikationen/ratgeber/entlastung-fuer-die-seele/

Er ist außerdem bei der BAGSO kostenlos erhältlich.

Kontakt

Bundesarbeitsgemeinschaft der 
Seniorenorganisationen e.V. (BAGSO)
Noeggerathstraße 49
53111 Bonn
Tel.: 0228 249993-0
E-Mail: kontakt@bagso.de

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Impressum

Jg. 88 der Schwarzschriftausgabe
Jg. 100 der Brailleausgabe

Herausgeber: Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) und Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)

ISSN 0724-7389

V. i. S. d. P.: Andrea Katemann (DVBS) und Thorsten Büchner (blista)

Verlag: DVBS, Frauenbergstr. 8, 35039 Marburg, Tel.: 06421 94888-0, E-Mail: horus@dvbs-online.de, Web: dvbs-online.de

Redaktion: Für den DVBS: Peter Beck, Leonore Dreves und Andrea Katemann. Für die blista: Isabella Brawata, Thorsten Büchner und Cecilia Lukosch. 

Koordination: DVBS, Sabine Hahn. 

Brailledruck: Deutsche Blindenstudienanstalt e. V. 

Digitalisierung und Audio: DVBS. 

Print: Druckerei Schröder, Lindauer & Wolny GbR

horus erscheint vierteljährlich in Braille, Print und digital (mit DAISY-Hörfassung, HTML sowie Braille-, RTF-, Word- und PDF-Dateien).

Jahresbezugspreis 2026: 46 Euro (Versandkosten Inland inklusiv). Die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen. Für Mitglieder des DVBS ist der Bezug im Jahresbeitrag enthalten.

Bankkonto des DVBS:

Sparkasse Marburg-Biedenkopf
IBAN: DE42 5335 0000 0000 0002 80
BIC: HELADEF1MAR

Beiträge und Bildmaterial schicken Sie bitte ausschließlich an den DVBS, Redaktion. Bitte geben Sie an, falls Ihr Beitrag bereits in anderen Zeitschriften veröffentlicht wurde oder für eine Veröffentlichung vorgesehen ist. Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung der Redaktion.

Titelbild horus 2/2026

Bild: Ein Mann mit dunkler, großer Sonnenbrille hält sein Handy auf Armlänge von sich entfernt, um sich selbst für einen Post zu fotografieren. Foto: DVBS

Vorschau horus 3/2026

Schwerpunkt: “Bildung im Wandel”
Erscheinungstermin: 31.08.2026
Anzeigenschluss: 14.07.2026
Redaktionsschluss: 19.06.2026

Die Herausgabe des horus in Braille wird 2026 mit freundlicher Unterstützung der BAHN-BKK ermöglicht.

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Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e. V. (BSVS)

Landeshilfsmittelzentrum

Kompetenz und Beratung inklusive!

  • Text- und Grafikservice
  • Erstellung von Hörbüchern
  • Mobile, persönliche und telefonische Beratung
  • Alltagshilfsmittel- und Low-Vision-Beratung
  • Peerberatung – Betroffene beraten Betroffene
  • Telefonfachvorträge, Telefonkonferenzen
  • Vorstellen von Alltags- und Freizeitangeboten
  • Anamnese – aktuelle Hilfsmittelnutzung
  • Kontaktaufnahme soziale Dienste, Ämter
  • Unterstützung bei Antragstellungen
  • Einreichung Verordnungen bei Kostenträgern
  • Versand von Alltagshilfsmitteln

Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e. V. – Landeshilfsmittelzentrum
Louis-Braille-Str. 6
01099 Dresden
Tel.: 0351 80 90 624
E-Mail: lhz@bsv-sachsen.de
Web: www.landeshilfsmittelzentrum.de
Onlineshop: www.lhz-dresden.de


blista

Schnuppern macht Spaß!

Reinschauen in eine Schule mit einem einmaligen Profil, kleinen Klassen, ganzheitlicher Förderung und tollen Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Auch alle Quereinsteiger*innen sind herzlich willkommen!

Schnuppertage jeweils samstags von 10 Uhr bis 15 Uhr: 19.09.2026, 14.11.2026, 12.12.2026, 13.02.2027, 24.04.2027 (www.blista.de/schnuppertage)

Hier erwartet dich eine breite Auswahl an Schul- und Berufsabschlüssen: Allgemeines Gymnasium, Berufliches Gymnasium (Wirtschaft), Fachoberschulen für Gesundheit und für Sozialwesen (nähere Infos unter: www.blista.de/css).

PROStart für alle, die sich beruflich orientieren möchten: 08. bis 12.06.2026.

Am blista-Zentrum für berufliche Bildung stehen dir 6 Ausbildungen und Umschulungen zur Wahl (www.blista.de/ausbildungen-und-umschulungen).

Bei der blista bist du richtig!

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)
blistaCampus
Am Schlag 2-12
35037 Marburg
schuelerberatung@blista.de, Tel.: 06421 339
ausbildung@blista.de, Tel.: 06421 606-541


DHV

Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH – Ihr Rundum-Service für blinde und sehbehinderte Menschen

Hilfsmittel für Alltag, Beruf und Freizeit

Immer an ihrer Seite – Wir bieten eine breite Palette an Produkten und Dienstleistungen, um Ihnen den Alltag zu erleichtern, ob im Haushalt, in Beruf und Schule oder in der Freizeit!

Wir beraten, verkaufen, erklären und reparieren

  • Haushalt und Technik
  • Orientierung und Mobilität
  • Freizeit und Schule

Probleme mit Kostenträgern? Wir helfen bei der Beantragung und Abrechnung Ihrer Hilfsmittel bei diversen Kostenträgern.

Neu: Unser barrierefreier Internetshop. Bestellen Sie Hilfsmittel jetzt bequem online – übersichtlich, zugänglich und gut bedienbar. www.deutscherhilfsmittelvertrieb.de

Kompetente Beratung übers Telefon, E-Mail oder persönlich in Hannover-Kirchrode. Tel.: 0511 954650
E-Mail: info@deutscherhilfsmittelvertrieb.de

Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH
Bleekstraße 26
30559 Hannover


DVBS

Kompetent. Aktiv. Gemeinschaftlich.

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten
in Studium und Beruf e. V. (DVBS)
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-0

Mail: info@dvbs-online.de
Web: dvbs-online.de

Illustriert wird die Anzeige durch drei Portraitfotos dreier Mitglieder – zwei Frauen und ein Mann - in drei Kreisen, die sich auf dem Hintergrund eines großen gelben Kreises befinden.


Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf

Nachhaltig wirken: Gemeinsam Gutes tun für blinde und sehbehinderte Menschen!

Werden Sie Teil unserer Stiftergemeinschaft – Wir unterstützen Projekte für blinde und sehbehinderte Menschen.

Bauen Sie mit am Fundament für Integration und Teilhabe – Ausbildung, Studium und Beruf sind wichtiger als je zuvor.

Unser Ansprechpartnernetz blinder und sehbehinderter Juristinnen und Juristen berät Sie unverbindlich bei Fragen rund um Zustiftungen und Nachlässe.

Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf
gegründet 1998
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-0
Mail: gemeinschaftsstiftung@dvbs-online.de
Web: https://dvbs-online.de/unterstuetzen
Stiftungskonto: Commerzbank Marburg, IBAN DE29 5334 0024 0393 1110 00


F.H. Papenmeier

Individuelle Anpassungen

„Ihre erfolgreiche Zukunft wird Wirklichkeit!“ - „Mit unseren Individuellen Anpassungen. Für blinde und sehbehinderte Nutzer – Ob am Arbeitsplatz oder privat.“

Bild: Eine Person arbeitet an einem Schreibtisch, auf dem sich zwei Monitore befinden. Auf beiden Bildschirmen sind Programmiercodes zu sehen. Die Person tippt auf der Tastatur, daneben liegt die Computermaus.

F.H. Papenmeier GmbH & Co. KG
Talweg 2
58239 Schwerte
Telefon: +49 2304 205 0
Fax: +49 2304 205 205
E-Mail: info.reha@papenmeier.de
Web: http://www.papenmeier-rehatechnik.de


RTB

Gezielte Steuerung der Signale - Per App sicher unterwegs

Immer sicher unterwegs
Ohne Anwohnerkonflikte
Kostenfreie Smartphone-App
LOC id kompatibel
LZA – Detektion – Parken – E-Mobilität

RTB
Tel.: +49 5252 9706-0
Web: www.rtb-bl.de
Bild: Bunte Grafik eines bärtigen Mannes mit dunkler Brille und weißem Langstock, der an einer belebten Straße steht. In der Hand ein Smartphone, das Signale aussendet, im Hintergrund eine Großstadt.


SightCity 2026

27.-29. Mai 2026 - Die weltweit führende Fachmesse für blinde und sehbehinderte Menschen 

Hybride Messe: Kap Europa Frankfurt & Online

  • Bis zu 150 Aussteller vor Ort und online
  • Aussteller aus 25 Ländern
  • Vier Etagen mit spannenden Inhalten
  • Online-Vorträge
  • Themen rundum: Hersteller, Vereine & Organisationen
  • Zahlrieche Hilfsmittelanbieter
  • Networking und Austausch
  • Neu: Sport & Musik Bühne
  • SightCity Forum: Low Vision Fachvorträge
  • SightCity Ausstellervorträge: Fachvorträge von Aussteller
  • SightCity Workshop: Interaktive Workshops
  • SightCity TV: Livestream mit Saliya Kahawatte!
  • SightCity Gaming: Spielvorstellungen mit Gamer
  • SightCity Sport & Musik: Nue: Sport & Musik Bühne

Weitere Informationen unter 

www.sightcity.net
Tel.: 02304 205901
Jetzt Ticket reservieren!


SynPhon Elektronische Hilfen für Sehgeschädigte

Einfach SynPhon!

Die Firma SynPhon entwickelt einfach zu bedienende elektronische Hilfsmittel, die blinden und seheingeschränkten Menschen das Leben erleichtern:

Der Einkaufs-Fuchs Produkt-Erkenner sagt mit einem Piep und Laserscanner, was es für eine Sache ist.

Die Fledermaus Orientierungshilfe erkundet den Raum mit Ultraschall und Infrarot und zeigt, wo es sicher langgeht.

Einfach mal testen! Haben Sie Fragen? Rufen sie an!

Tel.: 07250 929555
https://www.synphon.de/


Vanda Pharmaceuticals

Non-24. 

Sind Sie völlig blind? Fühlen Sie sich oft nicht fit und unkonzentriert? Schlafen Sie nachts schlecht und sind tagsüber sehr müde? Die mögliche Ursache: Ihre innere Uhr. Jeder Mensch besitzt eine innere Uhr. Der wichtigste Taktgeber ist das Tageslicht. Es setzt die innere Uhr immer wieder auf exakt 24 Stunden zurück. Völlig blinde Menschen fehlt die Lichtwahrnehmung, deshalb kann es dazu kommen, dass der Körper nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden kann. Diese Menschen leiden an der Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmusstörung, kurz Non-24.

Wie äußert sich Non-24? Betroffenen fällt es phasenweise sehr schwer, sich tagsüber wachzuhalten und zu konzentrieren. Nachts hingegen signalisiert der Körper oftmals kein Schlafbedürfnis.

Rufen Sie das Team des Non-24 Service an. Die erfahrenen Mitarbeiter finden den richtigen ärztlichen Ansprechpartner in Ihrer Nähe und beantworten Ihre individuellen Fragen. Sie sind rund um die Uhr erreichbar unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 24 321 08 oder per E-Mail non24@patient-plus.com

Werden Sie aktiv: Ein Termin bei einem Arzt ist der nächste Schritt oder informieren Sie sich in unseren Tele-Vorträgen. Die Termine finden Sie unter dem Punkt Informationen auf non-24.de

Non-24. Eine zyklische Schlaf-Wach-Rhythmusstörung bei völlig blinden Menschen. Dies ist ein Service der Firma Vanda Pharmaceuticals Germany GmbH (QR Code unterhalb).

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