horus 4/2011
Schwerpunkt: Braille21
Inhalt
- Vorangestellt
- In eigener Sache
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Schwerpunkt Braille21
- Andrea Katemann:Weltkongress Braille21, ein nachhaltiges Ereignis?
- Dr. Markus Lang: Brailleschrift im 21. Jahrhundert: Pädagogische Herausforderungen
- Dr. Imke Troltenier WBU Braille21-Award: die Gewinner
- Elena Gastón: BRAILLE und die Technologien des 21. Jahrhunderts
- Michael Kuhlmann: Musikpunkte
- Prof. Dr. Gerhard Weber et al.: Eine Schimäre im Bann der Hyperbraille-Anzeige
- Andrea Katemann: Braillekurzschrift kombiniert mit einer menschlichen Stimme
- Heidi Theiß-Klee: Workshop „Braille for sighted people“ - Braille für Sehende
- S.-Hilde Michael M. A.: Braille- und Sehrest-Nutzung im Hochschulalltag
- Uwe Boysen: Blindenschrift bei der Arbeit an einem deutschen Zivilgericht
- Prof. Dr. Shree Ram Mittal: Vermittlung von Braille in Programmen der Blindenlehrerausbildung in Indien: Eine kritische Beurteilung
- George Bell: Braille-Mathematikschrift - Automatisierung des Unmöglich scheinenden
- Kevin Carey: Kann Braille überleben?
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Bücher
- Manfred Fuchs: Blindenschrift: Schriftartkürzel und Umfangsangaben
- Buchtipps aus der blista-Brailledruckerei: Systematiken der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V.
- Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schülern
- Sabine Hahn: Hörtipps: Seelische Gesundheit
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Panorama
- Landesfachtagung „Wege zur inklusiven Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher“
- Neuer Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks
- Stellenbörse für Menschen mit Behinderung
- Gegen Kürzungen im Haushalt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes
- Neue BITV barrierefrei im Internet
- Tandem-Sternfahrt zum Louis Braille Festival 2012
- Bildung und Forschung
- Barrierefreiheit und Mobilität
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Aus der Arbeit des DVBS
- Wahlergebnisse aus den DVBS-Bezirksgruppen
- DVBS-Vorstandswahlen: Nominierungsverfahren läuft auf Hochtouren
- DBSV-Fachausschüsse neu formiert
- Förderkreis für EBU-Präsident Angermann gebildet
- Woche des Sehens: Beispiele gelungener Kooperationen
- Mitgliedsbeitragsermäßigung: Beantragungsfrist endet!
- Terminvorschau
- Aus der blista
- Impressum
- Private Kleinanzeigen
- Gewerbliche Kleinanzeigen
- Gewerbliche Anzeigen
Vorangestellt
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitglieder,
„Auf die Punkte fertig los - Braille21 bringt Rückenwind für die Blindenschrift und insbesondere auch für die Blindenkurzschrift“, so lautet mein persönliches Fazit nach Abschluss des Weltkongresses in Leipzig. Wir müssen wieder aktiver das Recht auf Brailleschrift einfordern. Die hohen Produktionskosten dürfen kein Hinderungsgrund, sein, auch wenn die Anzahl der Punktschriftleser vergleichsweise gering ist. Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet.
Im Artikel 24 heißt es da u. a.: „Die Vertragsstaaten ermöglichen Menschen mit Behinderungen, lebenspraktische Fertigkeiten und soziale Kompetenzen zu erwerben, um ihre volle und gleichberechtigte Teilhabe an der Bildung und als Mitglieder der Gemeinschaft zu erleichtern. Zu diesem Zweck ergreifen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen; u. a. erleichtern sie das Erlernen von Brailleschrift …“ und in Artikel 30 wird der Zugang zu kulturellem Material in zugänglichen Formaten explizit eingefordert. Wir sollten uns einmal gemeinsam überlegen, ob es nicht so etwas wie ein Recht auf „Blindenkultur“ geben muss.
Dafür war die Braille21 ein erster Schritt und von uns formulierte Forderungen könnten lauten:
Die Basisschrift auf Verpackungen oder anderen Informationen wie Türschildern hat ihre Berechtigung. Die Sprachausgabe oder das gesprochene Wort sind kein adäquater Ersatz für einen geschriebenen Text.
Blinde Kinder haben ein Recht darauf, die Blindenschrift als Kurzschrift mit all ihren „Spezialschriften“ zu erlernen. Nur so ist ein erfolgreicher Berufsalltag zu meistern und Literatur sinnvoll zu erschließen.
Auch Senioren müssen die Chance erhalten, zumindest die Basisschrift zu erlernen.
Die Produzenten von Literatur in Blindenschrift müssen ausreichend Finanzmittel erhalten, um auch Bücher übertragen zu können, die die Leselust fördern, und zwar in Voll- und Kurzschrift.
Dass Braille Lust auf Lesen macht, konnten wir bei der Abschlussveranstaltung zum deutschen „Braille-Tag“ bei der gut gelungenen szenischen Lesung von Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland spüren. Ihre Begeisterung sollte uns Ansporn genug sein, uns für die Weiterentwicklung der „Blindenschriftkultur“ einzusetzen.
Ihr Claus Duncker
Die Schwarzschriftausgabe enthält ein Portraitfoto von Claus Duncker. Er lächelt und trägt Anzug und Krawatte (Foto: Tom Engel). Die Bildunterschrift lautet: Claus Duncker, Direktor der blista.
In eigener Sache
2012 wird das Europäische Jahr für aktives Altern und für die Solidarität zwischen den Generationen
Das Schwerpunktthema der nächsten Ausgabe heißt „Aktives Altern“. 2012 wird das „Europäische Jahr für aktives Altern und für die Solidarität zwischen den Generationen“. In der ersten horus-Ausgabe des kommenden Jahres soll es um unsere Altersbilder und ihren Wandel, um Dienstleistungs- und Bildungsangebote für ältere Menschen mit Sehbehinderungen, um Pflege, Demenz, Generationsbeziehungen und Seniorenpolitik gehen.
Wie sieht es aus, das aktive Altern blinder und sehbehinderter Menschen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche Schlüsse gezogen? Welche Form von Diskriminierung gilt es anzuprangern? Welche Modelle für die Pflege Älterer sind empfehlenswert? … Wir sind gespannt auf Ihre Berichte, Fotos, Tipps und Hinweise!
Für Meldungen ist eine Länge von etwa 2.000 Zeichen wünschenswert. Berichte dürfen gern doppelt so viele Anschläge enthalten, was dann etwa vier Punktschrift- bzw. zwei Schwarzschriftseiten im horus entspricht. Berichte zum Schwerpunktthema lassen sich oft nicht in wenigen Sätzen abhandeln, hier sind durchaus auch umfangreichere Beiträge mit bis zu 8.000 Zeichen erwünscht. Redaktionsschluss ist der 05. Januar 2012, Kontakt: horus@dvbs-online.de, Tel.: 06421 94888-13.
Braille21 „Innovationen in Braille im 21. Jahrhundert“
Weltkongress und Deutschlandtag liegen hinter uns und können auf reges öffentliches Interesse und stattliche Besucherzahlen verweisen. Über 400 Teilnehmende und mehr als 400 Experten aus 49 Ländern waren vom 27. September bis zum 30. September 2011 nach Leipzig gekommen, um Erfahrungen auszutauschen und weiterzugeben, Neues zu lernen, sich für die Zukunft der Blindenschrift einzusetzen, Kontakte zu schmieden und die Netzwerkarbeit auszubauen.
In der nachfolgenden Schwerpunkt-Rubrik Braille21 finden Sie Rede- und Workshopbeiträge ausgewählter Referentinnen und Referenten dieser vier spannenden Leipziger Tage. Die Redebeiträge zum Weltkongress Braille21 geben unsere deutschen Übersetzungen gekürzt wieder. Die Tagungsdokumentation mit den englischen Originalvorträgen wird durch die DZB Leipzig zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zur Verfügung gestellt. Die Tagungsdokumentation wird in Schwarzschrift, digital und in Brailleschrift herausgegeben. Wenn Sie an einem Exemplar interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an die Kongressmanagerin Jenni Schwan (Tel.: 0341 7113-162, E-Mail: info@braille21.net).
Resonanz
horus 3/2011 erhielt mit seinem Schwerpunktthema Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit viel positive Resonanz: Danke dafür! Zum gesetzlichen Hintergrund der steuerfreien Ehrenamtspauschale von 500 Euro jährlich (Schwarzschriftausgabe S. 122, Punktschriftausgabe S. 355) haben wir recherchiert und geben die Informationen auf Anfrage gern an Interessierte weiter.
Aus der DVBS-Fachgruppe Sehbehinderte erreichte uns die Bitte einiger Schwarzschrift-Leserinnen und -leser, zusätzlich eine digitale RTF-Version der einzelnen horus-Ausgaben zu erhalten. Diesem Wunsch entsprechen wir gern! Bitte schicken Sie uns dazu einfach eine E-Mail.
Mit besten Wünschen für eine schöne Adventszeit, ein frohes Fest und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
Ihre horus-Redaktion
Schwerpunkt Braille21
Andrea Katemann:Weltkongress Braille21, ein nachhaltiges Ereignis?
von Andrea Katemann
„Verwenden Sie noch Papier zum Lesen von Brailleschrift?“, fragte mich ein Herr aus den Niederlanden am dritten Tag des Kongresses in dem aus Goethes Faust bekannten "Auerbachs Keller". Dort hatten wir ein sogenanntes „Social Event“, worunter man in diesem Fall ein sehr gutes Buffet mit vielen Köstlichkeiten verstehen darf. „Ja“, antwortete ich ihm ehrlich, „den Vortrag, den ich auf diesem Kongress hielt, habe ich mir selbstverständlich in Kurzschrift ausgedruckt. So habe ich doch einen besseren Überblick.“ Kurzschrift sei in den Niederlanden schon seit 20 Jahren abgeschafft worden, bekam ich erklärt. Wozu man diese wohl benötige in einer inklusiven Schule, fragte mich der Niederländer weiter. Ich konnte erwidern, dass ich eine Niederländerin kennen würde, die lange in Deutschland gelebt und hier die Vorteile der Kurzschrift kennengelernt habe. Inzwischen - es zog sie zurück in die Niederlande - wünscht sie sich eine Initiative zur Wiederbelebung der niederländischen Kurzschrift. Doch Diskussionen um Kurz- oder Vollschrift, Acht- oder Sechspunkt-Braille waren nur Randthemen des Kongresses.
Es gab Vorträge über die Zusammenhänge von Schriftkompetenz und Sprachentwicklung, über Leseförderung, über Lernsoftware für Brailleschrift, über Braille und DAISY, über Braille und lebenslanges Lernen, einige Workshops, stellvertretend sei hier einer über Mathematikschrift genannt, und eine interessante Abschlussveranstaltung über „Braille auf Verpackungen“. Dort konnte man bemerken, dass die deutschen und europäischen Standards für Arzneimittelverpackungen im Vergleich recht gut sind. Auch von Initiativen wie Braille auf Bonbontüten, Weinflaschen, auf Teeverpackungen und Milchtüten kann man zum Beispiel in Japan vielleicht etwas lernen. Hier gibt es keine Beschriftungen, doch eine taktil erfassbare Kennzeichnung von alkoholfreien bzw. alkoholischen Getränken und von Milch, damit man sie von Saft unterscheiden kann.
Gelungen fand ich auch die Idee eines „Marktes der Möglichkeiten“. Konkret bot er interessante Tasteindrücke, durch die die Brailleschrift entweder künstlerisch oder in bestem pädagogischem Sinne, erlebbar wurde. So konnte man aufwendig gemachte aber schöne Stoffbilderbücher bewundern. Die Bilder waren aus verschiedenen Materialien hergestellt und mit Braille beschriftet. Außerdem gab es beispielsweise Stickereien mit Braille ein Kissen mit Blindenschrift und „Braillemalerei", Brailleschrift wurde hier aus Farben gegossen.
Die Kongressteilnehmer waren sehr offen und an Gesprächen interessiert. Somit hat man auch aus Unterhaltungen beim Essen, vor Vorträgen oder einfach zwischendurch viel mitgenommen. Eines der bemerkenswertesten Gespräche führte ich mit einer Amerikanerin. Während eines Vortrages lernte ich, dass sie Anfang der sechziger Jahre, als sie in den USA in eine normale Schule ging, "jedes Buch" in Braille erhalten hat. Wie kann das gehen, dachte ich und fragte nach. Tatsächlich hatten sechs bis sieben Personen für sie mit der Hand abgeschrieben. Heute, so erfuhr ich weiter, erhielten übertragende Institutionen die Bücher elektronisch von den Verlagen, die man dann direkt in Blindenschrift übersetzen könne. Korrektur gelesen würden die Texte in Braille nicht und auch die Abbildungen würden, leider, in den meisten Fällen nicht zugänglich gemacht. Ich lernte, dass es natürlich gut ist, Daten direkt von den Verlagen zu bekommen, und dass man ausreichend Personal benötigt, um eine zeitnahe Informationsversorgung von blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern gewährleisten zu können. Aber, so dachte ich weiter, dann sind amerikanische Schülerinnen und Schüler von ziemlich vielen Aufgabenstellungen tatsächlich ausgeschlossen, weil sie Abbildungen, ohne die bestimmte Aufgaben während des Unterrichtes nicht lösbar sind, in keiner für sie zugänglichen Variante bekommen. Wenn man in Deutschland über ein Schulsystem spricht, in dem behinderte Menschen besonders gut integriert werden, so meint man oft dasjenige in den USA. Diese Ansicht ist, auf blinde und sehbehinderte Menschen bezogen, offensichtlich durchaus kritisch zu hinterfragen.
Die geschilderten Eindrücke und die genannten Fachthemen konnten während dieses Kongresses keinesfalls abschließend diskutiert werden. Vielmehr ist jetzt ein Grundstein für weiteren Austausch und Zusammenarbeit gelegt. Das während der Eröffnungsveranstaltung verkündete Motto „Eat, drink and network“ begann Realität zu werden.
Ein besonderes Highlight des Kongresses war für mich das Abschlusskonzert mit dem Thomanerchor Leipzig und dem aus vier blinden Musikern bestehenden Ensemble „Pro Punkto“. Die Thomaner waren ausgezeichnet und „Pro Punkto“ ebenfalls. Wenn man es schafft, in einer solchen großen und vollen Kirche sauber und rhythmisch exakt miteinander nach Blindennoten vom Blatt zu singen so verdient dies besonderes Lob.
In der Schwarzschriftausgabe beginnt der Artikel mit einem zweispaltigen Foto vom Auditorium der Braille21-Auftaktveranstaltung. Vorn in der ersten Reihe sitzen u.a. Peter Osborne (Royal National Institute of Blind People), DBSV-Präsidentin Renate Reymann, Jahawar Lal Kaul (Vorsitzender des Welt-Braille-Rates), WBU-Präsidentin Maryanne Diamond, Frau Prof. Dr. Sabine von Schorlemer, sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst und DZB-Direktor Dr. Thomas Kalisch (Foto: DVBS itrol).
Dr. Markus Lang: Brailleschrift im 21. Jahrhundert: Pädagogische Herausforderungen
von Dr. Markus Lang, PH Heidelberg, Zusammenfassung eines Vortrags vom Deutschen Brailletag
Die Vielzahl pädagogischer Herausforderungen, die eng mit der Brailleschrift verbunden sind, kann in einem Kurzvortrag sicherlich nicht annähernd widergespiegelt werden. Nachfolgend sollen demnach schlaglichtartig wesentliche Aspekte möglichst konkret beleuchtet werden, um pädagogische Schwerpunktsetzungen zu benennen.
Die Bedeutung des Lesens und Schreibens in der Blindenpädagogik wird bereits zu Beginn ihrer Institutionalisierung deutlich. Valentin Haüy (Schulgründer der ersten Blindenschule 1784 in Paris) formuliert 1786 in seinem „Essai sur l’éducation des aveugles“ neben der Ausbildung zu beruflichen Tätigkeiten folgendes Ziel seiner Schule: „Die Blinden das Lesen zu lehren … und sie mittels des Lesens … das Schreiben, das Rechnen, die Sprachen, die Geschichte, die Geographie, die Mathematik, die Musik etc. zu lehren … das ist das Ziel unserer Anstalt“ (Haüy 1786, 6).
Von Anfang an wurde folglich erkannt, dass Lesen und Schreiben die Schlüssel zur geistigen Bildung und die Möglichkeit zur selbstständigen Aneignung von Wissen darstellen. Die den Schülern diesbezüglich auferlegten Mühen waren anfänglich jedoch wenig erfolgreich, da sich die im Unterricht verwendete erhabene Schwarzschrift (Reliefschrift) nur schlecht taktil erfassen ließ. Erst die geniale Erfindung der Brailleschrift 1825 und die Etablierung dieser Schrift in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachten letztendlich den Durchbruch. Blinden Menschen standen nun erstmals in großem Umfang Bildungsmöglichkeiten offen.
Besonderheiten der Brailleschrift
Das Lesen der Brailleschrift ist mit Besonderheiten verbunden, die pädagogisch thematisiert werden müssen. Einige dieser Besonderheiten sollen nachfolgend aufgeführt werden (vgl. Lang 2003, 148 ff.):
- Zum Lesen der Brailleschrift sind spezifische sensorische Fähigkeiten und spezielle Taststrategien nötig, die nur mittels entsprechender Übungen erworben werden können.
- Das Braillelesen ist langsamer als das visuelle Lesen.
- Die Braillebuchstaben weisen weniger Unterscheidungsmerkmale auf als die Schwarzschriftbuchstaben. Einziges Merkmal ist der Punkt und seine Position in der Braillematrix, während es in der Schwarzschrift Linien, Kurven, Punkte, Ober- und Unterlängen etc. gibt.
- Die einzelnen Braillezeichen erhalten je nach Kontext eine unterschiedliche Bedeutung, d.h. die Zeichen sind mehrfach belegt (Vollschrift, Kurzschrift, Mathematikschrift, Notenschrift etc.).
Aufgrund dieser Besonderheiten ergibt sich eine erste grundlegende Herausforderung.
Herausforderung 1: Schriftspracherwerb
Der Schriftspracherwerb blinder Kinder muss den Besonderheiten des Braillelesens (s.o.) gerecht werden (vgl. Lang 2011, 24 ff.). Hierzu gehört zum Beispiel das Bereitstellen einer literalen Umgebung schon im Rahmen der Frühförderung, da sich Schriftbegegnungen im Unterschied zum Schriftspracherwerb sehender Kinder nicht zwangsläufig und automatisch ergeben. Reichen (o.J., 11) beschreibt die Wirkung geschriebener Wörter auf sehende Menschen wie folgt: „Ich werde automatisch von Ihnen ‚angesprungen‘ und kann mich dagegen nicht einmal ‚wehren‘.“ Blinde Kinder werden von Braillewörtern nicht "angesprungen", sondern müssen sich der Schrift selbst aktiv zuwenden. Für die Frühförderung bedeutet dies beispielsweise das Initiieren von spannenden Vorlesesituationen mit taktil beschrifteten Tastbilderbüchern. Ferner sollte eine Brailleschreibmaschine für "Kritzeltätigkeiten" schon im Vorschulalter verfügbar sein.
Aus den beschriebenen Sachverhalten ergeben sich konkrete Forderungen für die pädagogische Arbeit:
- Der Schriftspracherwerb blinder Kinder muss von spezifisch qualifizierten Lehrkräften durchgeführt oder begleitet werden.
- Blinde Kinder haben ein Recht auf spannende, motivierende Leselernmaterialien. Kriterien für gute Tastbilderbücher und Braille-Erstlesemedien sind vorhanden und müssten konsequent umgesetzt werden. Derartige Lernmaterialien wären auch für sehende Kinder hoch attraktiv. Zugleich würde hierdurch die Brailleschrift ihr „Graues-Papier-Image“ verlieren: Brailleschrift ist spannend und „bunt“!
Herausforderung 2: Brailleschrift für verschiedene Nutzergruppen
Verschiedene Gruppen von Braillenutzern rücken verstärkt in den Fokus der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik.
Für hochgradig sehbehinderte Menschen kann die Brailleschrift eine wichtige Rolle im schulischen und beruflichen Kontext sowie in der Alltagsbewältigung und in der Freizeitgestaltung spielen. Bei Menschen mit progredienter Sehschädigung kommt der Brailleschrift eine ähnliche Funktion zu. Die Brailleschrift dient beispielsweise als Ergänzung für bestimmte Leseaufgaben. Das pädagogische Ziel sollte der Kompetenzerwerb sein, selbstbestimmt entscheiden zu können, für welche Leseaufgabe, welche Schrift am effektivsten ist.
Eine weitere, wichtige und große Gruppe von (potenziellen) Braillenutzern bilden Menschen, die mit zunehmendem Lebensalter erblinden. Hier muss die Brailleschrift von Anfang an eine unmittelbare Alltagsbrauchbarkeit beweisen und eine Steigerung der Lebensqualität bzw. der Selbstständigkeit bewirken.
Und schließlich darf die Gruppe blinder Menschen mit zusätzlichen kognitiven Beeinträchtigungen nicht von einem wesentlichen Bildungsinhalt und Bestandteil unserer Kultur ausgeschlossen werden (vgl. Lang 2007). Im Vordergrund steht hierbei zunächst die basale Zielstellung, eine Vorstellung von Schrift anzubahnen. Darauf aufbauend können dann weitere individuelle Ziele wie Buchstaben- und Worterkennung etc. hinzukommen. Die konkrete Funktionalität von Schrift steht auch hier im Vordergrund.
Forderungen für notwendige pädagogische Umsetzungen:
- Innerhalb jeder Nutzergruppe muss ein individualisiertes Vorgehen gewählt werden (exakte Diagnostik, Analyse des Leseverhaltens und der Leseanlässe, altersangemessene Übungsformen und Leseinhalte, Berücksichtigung von Interessen und Hobbys etc.).
- Die Entwicklung und die Umsetzung von pädagogischen Konzepten zum Braille-Erwerb der genannten Gruppen erfordern entsprechend qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen.
Herausforderung 3: Neue Technologien
Wird das Lesen der Brailleschrift durch die Sprachausgabe überflüssig? Sicherlich nicht, da eine effektive Nutzung des Computers das Vorhandensein einer Braillezeile erfordert (z.B. für die Rechtschreibkontrolle). Dennoch steht das Papierlesen oder das Lesen an der Braillezeile zweifellos in Konkurrenz zu Sprachausgabe und Hörbuch. Da jede dieser Möglichkeiten über spezielle Vorteile, aber auch Grenzen verfügt (vgl. Kahlisch, Kalina 2009), kann es nicht um ein "Entweder-oder" gehen. Vielmehr handelt es sich um ein "Sowohl-als-auch" in Abhängigkeit von der jeweiligen Lese- und Schreibaufgabe.
Für die pädagogische Arbeit in der Schule bedeutet dies Folgendes:
- Schülerinnen und Schüler brauchen die notwendige Kompetenz, um selbstbestimmt neue Technologien und traditionelle Lese- und Schreibtechniken nutzen zu können, damit sie zu effektivem und selbstständigem Arbeiten befähigt sind. Schule muss somit alle Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Medien (Tafel und Stichel, Computerarbeitsplatz, Braillebuch, Hörbuch etc.) konkret und anwendungsbezogen anbieten.
- Auch hierzu bedarf es kompetenter, spezifisch ausgebildeter Lehrkräfte.
Herausforderung 4: Inklusion erfordert spezifische Expertise
Die Ziele, die der Inklusionsbegriff beinhaltet wie beispielsweise das gemeinsame Leben und Lernen in einer inklusiven Schule und Gesellschaft oder die Normalität von Vielfalt und Verschiedenheit sind völlig unstrittig. Inklusion stellt somit einen notwendigen Veränderungsprozess dar. Dieser Veränderungsprozess darf keinen Abbau von Qualitätsstandards in der Erziehung und Bildung bewirken. Bedeutsam für die Blindenpädagogik ist diesbezüglich, dass die UN-Behindertenrechtskonvention in Artikel 24 den Stellenwert der Brailleschrift explizit hervorhebt.
Inklusion stellt zweifellos eine große pädagogische Herausforderung dar. Ihre Umsetzung erfordert spezifische Expertise. Die Blinden- und Sehbehindertenpädagogik muss hierbei die didaktischen Notwendigkeiten des Unterrichts mit blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern klar formulieren. Die für eine inklusive Schule benötigte "Didaktik der Heterogenität" muss zwangsläufig die Didaktik des Unterrichts mit blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern enthalten. Inklusion ist ein Entwicklungsprozess, an dem die Blinden- und Sehbehindertenpädagogik aktiv forschend und gestaltend mitwirken muss.
Resümee
Die Brailleschrift bleibt auch im 21. Jahrhundert im Zentrum der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik. Die dargestellten neuen Herausforderungen eröffnen vielfältige Chancen, wenn die Blinden- und Sehbehindertenpädagogik ihnen konsequent und auf hohem fachlichen Niveau begegnet.
Zum Autor
Dr. Markus Lang ist Sonderschullehrer an der Schloss-Schule in Ilvesheim. Seit 2005 ist er an die Pädagogische Hochschule Heidelberg abgeordnet und vertritt dort die Professur in der Fachrichtung Blinden- und Sehbehindertenpädagogik mit blindenpädagogischem Schwerpunkt.
Literatur
Haüy, V. (1786): Essai sur l' éducation des aveugles. Paris (Faksimile-Ausgabe, Würzburg 1990; Übersetzung in: Der Blindenfreund 3 (1883), 9-17, 44-52)
Kalina, U., Kahlisch, T. (2009): Brauchen wir im Notebook-Zeitalter noch Punktschrift auf dem Papier? blind-sehbehindert 129, 283-289
Lang, M. (2003): Haptische Wahrnehmungsförderung mit blinden Kindern. Möglichkeiten der Hinführung zur Brailleschrift. Regensburg
Lang, M. (2007): Methoden und Materialien für den Erstleseunterricht blinder Schülerinnen und Schüler der Bildungsgänge Grundschule, Förderschule und Schule für Geistigbehinderte. blind-sehbehindert 127, 3-12
Lang, M. (2011): Lesen und Schreiben. In: Lang, M., Hofer, U., Beyer, F. (Hrsg.): Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schülern. Band 2: Fachdidaktiken. Stuttgart, 15-60
Reichen, J. (o. J.): „Warum kann Markus L. nicht lesen?“ Kritische Anmerkungen zum herkömmlichen Erstleseunterricht. Lehrgangsbeilage
In der Schwarzschriftausgabe beginnt der Artikel mit einem zweispaltigen Foto besonders schöner Tastbuchseiten. Im Elsass steht der Monat März unter dem Motto „Monat der anderen“. Im März 2011 wurden die Bücher auf Initiative des Lycèe Marie Curie in Straßburg im Rahmen eines deutsch-französischen Projektes mit der der Integrierten Gesamtschule Franzsches Feld in Braunschweig von Schülerinnen und Schülern angefertigt (Foto: DVBS itrol).
Das beigefügte Autorenfoto zeigt den Autor im Portrait. Das dunkle Haar ist kurz geschnitten, er trägt ein graues Hemd und lächelt.
Dr. Imke Troltenier WBU Braille21-Award: die Gewinner
von Dr. Imke Troltenier
Um die Auszeichnung innovativer Braille-Erfindungen, die Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit weltweit garantieren, ging es bei der weltweiten Ausschreibung des Braille21-Award durch die Weltblindenunion (WBU).
„Seit ihrer Erfindung ist die Brailleschrift im Wandel und unersetzbar für Bildung, Berufstätigkeit und gesellschaftliche Teilhabe blinder Menschen“, betonte Maryanne Diamond in ihrer Ansprache am Morgen des zweiten Tages des Weltkongresses „Braille21 – Innovationen in Braille im 21. Jahrhundert“. Die WBU-Präsidentin dankte allen, die ihre Beiträge eingereicht hatten für ihren Einsatz, ihre Energie, Kreativität und Schaffenskraft, denn: „Brailleschrift ist ein unverzichtbares Kommunikationsmittel für all diejenigen von uns, die blind sind.“ Innovationen sind ein besonders wichtiges Thema, denn weltweit soll Brailleschrift künftig zugänglicher, bezahlbarer und sichtbarer sein. Als Schirmherrin hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem schriftlichen Grußwort betont: „Die Brailleschrift ist eine wesentliche Voraussetzung für Teilhabe an Bildung und Information, in Beruf und Gesellschaft …“
Das Award-Komitee war hochkarätig besetzt. Neben WBU-Präsidentin Maryanne Diamond aus Australien und WBU-Vizepräsident Arnt Holte aus Norwegen, zählten der Vorsitzende des Welt-Braille-Rates, J. L. Kaul, aus Indien, der Vorsitzende des Braille21-Programmkomitees, Peter Osborne, aus Großbritannien und Dr. Thomas Kahlisch aus Deutschland zum Preisverleihungskomitee. 17 Beiträge hatte man geprüft, fünf für die Endauswahl nominiert. Und während sich die Finalisten dem großen Auditorium im Zentralcampus zu Leipzig präsentierten, stieg im Publikum die Spannung: Wer erhält den Braille21-Award? Es wurde prognostiziert, getippt, Insiderwissen ausgetauscht und „fingers crossed“, was auf Deutsch soviel heißt wie die Daumen gedrückt. Nur jeweils fünf Minuten standen den Finalisten zur Präsentation zur Verfügung:
“Bringing Braille to everyone …” - BraillePen 12
Der BraillePen 12 des Unternehmens Harpo SP. zo. o. aus dem polnischen Poznań ist ein Multitalent, das sich durch einfache Handhabung und eine besonders breite Kompatibilität auszeichnet. Braille zu jedermann (und jederfrau) bringen … - das ist es, was man sich bei Harpo vorgenommen hat. Dass man sich das handliche Gerät einfach umhängt und wie es funktioniert, wurde vor Ort gleich demonstriert: Handy, Netbook, PC oder eines der Apple iDevices via Bluetooth mit dem BraillePen verbinden und schon lässt sich die Tastatur auf dem BraillePen zur Eingabe von SMS oder E-Mails verwenden. Umgekehrt geht es auch: Der BraillePen12 kann quasi als Braillezeile dienen, sodass sich Textnachrichten (SMS) und E-Mails von Handy oder PDA auslesen lassen (www.braillepen.com).
“Telling in 5 minutes about an 8 years work …” - das DaCapo Serviceangebot der DZB Leipzig
- Acht Jahre Entwicklungsarbeit in nur fünf Minuten präsentieren zu müssen, sei eine ganz spezielle Herausforderung, meinte Matthias Leopold, der technische Leiter des DZB-Projektes DaCapo, zu Beginn seiner Ausführungen schmunzelnd. Gelungen ist es, einen leistungsfähigen, bundesweiten Musiknoten-Übertragungsservice aufzubauen: so schnell, so gut, so effizient wie möglich. Die im Rahmen des Projektes entwickelte Software kann Musiknoten (Schwarzschrift) in Blindenmusiknoten umwandeln und auch wieder zurück. Darauf aufbauend wurde die wunschgemäße Erstellung von Braillenoten als bundesweites Dienstleistungsangebot ausgearbeitet. Der Übertragungsservice ist internetgestützt und konnte sich bereits im Markt etablieren. Vor allem im beruflichen Sektor ist er Kantoren bzw. Chorleitern, Sängern, Instrumentalisten oder anderen Künstlern unverzichtbare Arbeitsgrundlage und stärkt sowohl deren berufliche Möglichkeiten als auch die Chancen für gesellschaftliche Teilhabe (www.dzb.de/DaCapo).
„Embroidered Braille for Textiles“ - eingestickte Brailleschrift gibt Orientierung
Ein Stickprogramm, das die Lesbarkeit von Brailleschrift auf Textilien garantiert, hat die Kampmann GmbH aus Bielefeld entwickelt. Mit der erforderlichen Mindesthöhe von 0,4 mm eingestickt, gibt Brailleschrift im Saum oder Etikett eines Kleidungsstücks zuverlässig Auskunft über die Farbe, den Besitzer oder die Pflegeanleitung. Die patentierte Orientierungshilfe kann sorglos mitgewaschen und auch überbügelt werden. Sie könnte in den Seitenteilen der Kopfstützen von Bus, Flugzeug und Bahn eingearbeitet auch zum Leitsystem werden und Auskunft über Abteil, Reihe und Sitzplatznummer geben. Ob Sweatshirt, Sportjacke oder cooles Käppi – unter braille-collection.com kann man die Textilien des Familienunternehmens aus Bielefeld online bestellen.
“PEF brings a number of things to braille production” – ein digitales Format aus Schweden
Die „Swedish Library of Braille and Talking Books“ (TPB) stellte das von ihr entwickelte Portable Embosser Format, kurz PEF vor. Dieser Dokumenttyp stellt Braille-Seiten in digitaler Form dar: genau und eindeutig, unabhängig von Sprache, Standort, Braille-Einstellungen, Braille-Code und Computer-Umgebung. Er kann für Braille-Druck und Archivierung in der ganzen Welt verwendet werden und baut dabei mit XML, Unicode und Dublin Core auf drei bekannten, weitverbreiteten und zuverlässigen Technologien auf. PEF ist in mehrere Software-Produkte wie DAISY Pipeline, odt2braille und RoboBraille integriert (www.tpb.se).
“Making education material available” - RoboBraille macht Lehrmaterial zugänglich
RoboBraille ist ein E-Mail-Service, der Dateien über das Internet empfängt, sie automatisch in ein Alternativformat konvertiert und an seine Benutzerinnen und Benutzer zurücksendet. Dabei ist die Liste der möglichen Dateiformate lang, Palette der möglichen Sprachen breit und der Service bei privater Nutzung kostenlos. Für Dokumente in deutscher Sprache braucht es unter www.robobraille.org/OnlineDE nur vier einfache Schritte, um zum Beispiel zu einer PDF-Datei die entsprechende MP3-Datei zu erhalten:
- das Dokument via Internet hochladen (max. 32 MB),
- gewünschtes Ausgabeformat auswählen (als Zielformat stehen MP3-Audio, Dokumentkonvertierung und Braille zur Auswahl),
- die Optionen für die Audioausgabe bzw. die Dokumentkonvertierung oder Braille (Voll- oder Kurzschrift, 6- oder 8-Punkt) anklicken
- die E-Mail-Adresse eingeben und abschicken.
Der RoboBraille-Service wurde von Lars Ballieu Christensen und Svend Thougaard entwickelt und unterstützt mittlerweile Menschen auf der ganzen Welt. Seit 2007 wurde das Projekt der dänischen Firma Sensus bereits vielfach ausgezeichnet.
Lang anhaltender Applaus war jeder der fünf Finalistenpräsentationen gewiss. Preiswürdig seien alle fünf Finalisten, bestätigte WBU-Präsidentin Maryanne Diamond. Insofern sei die Auswahl des Gewinners dem Award-Komitee nicht gerade leicht gefallen. Den begehrten Braille21-Award erhielt die “Swedish Library of Braille and Talking Books”. Denn das digitale Format PEF sei ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit weltweit garantiert werden können.
Das der Schwarzschriftausgabe beigefügte Foto zeigt den Moment der Award-Übergabe: Die Gewinner Joel Hakansson und Bjorn Westling erhalten die Urkunde zum Braille21-Award aus den Händen von WBU-Präsidentin Maryanne Diamond. Die beiden glücklichen Schweden überragen die Präsidentin um gut ein bzw. zwei Köpfe (Foto: DVBS itrol).
Elena Gastón: BRAILLE und die Technologien des 21. Jahrhunderts
von Elena Gastón, Spanish National Organization of the Blind (ONCE), Madrid
Was würde Luis Braille mit seinem Code tun: heutzutage, wo Technologien allgegenwärtig sind? Die Vorteile der Technologie für sehbehinderte Menschen sind sehr gut bekannt. Gleichwohl weckt ihr Einsatz im Bereich Bildung viel Zweifel und Widerstände: Manch einer denkt, er bedeute das Ende für Braille, andere meinen, die traditionellen Methoden sind noch immer besser. Manche Leute sagen, dass der Einsatz von Technologie verhindere, dass Kinder mit ihren Händen arbeiten, andere glauben, er könne erst gestartet werden, wenn das Kind schon weiß, wie man liest und schreibt. In diesem Beitrag werde ich versuchen zu zeigen, dass Technologie nützlich sein kann, um Braille lesen und schreiben zu lernen sowie um die Leseeffizienz zu verbessern.
„Wir selbst müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen möchten.“ Gandhi
Vielen Untersuchungen konnten die große Motivation und Egalisierungkraft von Technologien nachweisen: Denn das blinde Kind spürt, dass es das gleiche Werkzeug nutzt wie alle anderen Klassenkameraden, und sogar gleichzeitig mit ihnen. Die Interaktion mit dem Computer, ist weit entfernt von der Linearität und Monotonie des Papiers. Der Computer vermittelt Lernenden das Gefühl ihren Lernprozess selbst zu gestalten, denn sie können die eigene Geschwindigkeit wählen, Tätigkeiten wiederholen oder abschließen. Für Lehrer, Klassenkameraden und Eltern erleichtert es die Kommunikation, Korrektur und Interaktion. Gleichzeitig spürt das blinde Kind, dass es sich besser beteiligen kann und mehr Spaß am Lernen hat.
Außerdem gibt die Flexibilität der Technologie die Möglichkeit, die gleichen Programme für verschiedene Gruppen anzupassen oder für einzelne Schüler, während sie aufseiten der Lehrerinnen, Lehrer und Fachleute die Chance eröffnet, Ressourcen zu teilen und wiederzuverwenden. Künftig wird Technologie unsere Arbeit beschleunigen und es möglich machen, internationale Netzwerke zu schaffen.
Aber jetzt sind wir daran interessiert herauszufinden, ob Braille und Technologie verschiedene, gegensätzliche oder sich ergänzende Konzepte sind.
Technologie und BRAILLE: zwei wesentliche und komplementäre Elemente
Die spanische Blindenorganisation (ONCE) hat Ende 2004 die Arbeitsgruppe ACCEDO gebildet, die sich seither mit dem Zugang zu bildungsrelevanten digitalen Inhalten beschäftigt. Dabei geht es um Forschung, Beratung, Schulung und Beurteilung von Werkzeugen, Ressourcen und Lern-Software. In unseren Untersuchungen haben wir gezeigt, dass Kinder in einem sehr frühen Alter am Computer Kenntnisse erwerben können, dass sie unterhaltsames und motivierendes Lernen mögen und dabei nicht nur Konzepte lernen, sondern auch Braille.
Auf diese Weise werden Technologie und Braille vollständig komplementär. Und sie sind dies faktisch auch bislang oft gewesen: Die Braille-Produktion hat sich qualitativ und quantitativ durch Technologie und mit digitalen Druckern verbessert, die Braillezeile hat sich für blinde Computernutzer als sinnvoll erwiesen. Jetzt sollten wir noch einen Schritt weitergehen und den Einsatz von Technologie als Muss für Lesen- und Schreibenlernen von Braille bezeichnen. Dabei gehen wir von folgenden Grundsätzen aus:
- Die Alphabetisierung beginnt viel früher als die formale Vermittlung von Lesen und Schreiben. Das Lehren von Braille darf nicht beschränkt sein auf den Braille-Code, es muss vielmehr beginnen bei räumlichen Konzepten, bei der Differenzierung von Hör- und Tastwahrnehmungen u. a. m.
- Braille ist viel mehr als die Entzifferung von Zeichen. Braille bedeutet zugleich auch die Wahrnehmung von Formen, die Fähigkeit Symbole zu finden, die Lesegeschwindigkeit, die Freude beim Lesen ... und eine emotionale Verbindung.
- Wir müssen nicht warten, bis ein Kind Braille lesen kann, um Technologien einzuführen. Technologien können schon in der frühen Kindheit ein ergänzendes und gutes Lerninstrument sein. Trotzdem haben wir dafür Sorge zu tragen, dass Kinder Aufgaben nicht eher virtuell bearbeiten, als dass sie die entsprechenden Realerfahrungen gemacht und/oder -empfindungen verknüpft haben.
- Die stark motivierende Wirkung, die Technologie auf Kinder ausübt, macht sie zu einem sehr nützlichen Instrument. Auch die Möglichkeiten, sie den spezifischen Bedürfnissen aller anzupassen zeichnen sie aus.
- Wenngleich wenn die Technologieentwicklung sehr schnell voranschreitet, ist eine kontinuierliche Anpassung auf die persönlichen Bedürfnisse jedes Einzelnen möglich.
- Technologie gibt uns schließlich die Möglichkeit, Ressourcen zwischen Fachleuten zu teilen, nicht nur innerhalb einer Organisation sondern mit verschiedenen Schulen und Ländern.
Technologische Tools zur BRAILLE Alphabetisierung
- Anhand von verschiedenen Untersuchungen haben wir die Technologie, die in Regelschulen eingesetzt wird, inklusiv gestaltet, sodass blinde Kinder am gleichen Computer und mit gleicher Software wie ihre Mitschüler lernen und keine blindenspezifischen Programme eingesetzt werden müssen. Wir haben herausgefunden, dass es viele Hilfsmittel für Computer gibt, die den Erwerb von Lese-Anforderungen im Hinblick auf das formale Braille unterstützen: Mit dem „Tanz-Pad“, der in horizontalen oder vertikalen Positionen angesetzt wird, erarbeiten wir Raumkonzepte, die Webcam kann man einsetzen, um Kommunikation motivierend zu unterstützen oder das Mikrofon, um an verbalen Fertigkeiten zu arbeiten. Ich glaube jedoch, dass um Braille zu unterrichten, unter all diesen Möglichkeiten die Braillezeile und die digitale Tafel derzeit die wichtigsten sind.
- Das erste ist ein sehr bekanntes Werkzeug, das viele blinde Erwachsene nutzen. Das Grafiktablett ist ein Instrument, das normalerweise von Grafikern verwendet wird und das wir als Bildschirm-Nachbildung verwenden, indem wir ein geprägtes Papier auf eine Tafel legen. Das blinde Kind arbeitet an seinem PC mit Grafiktablett und einem magnetischen Stift und damit auf die gleiche Weise wie die Mitschüler, die diese Aufgaben via Monitor und Computermaus lösen.
Mit dem Grafiktablett kann man auf eine spielerische und interaktive Art und Weise Figuren finden, assoziieren, ordnen u.a.m. Alleinige Voraussetzung ist, dass die Aktivität am Computer Anforderungen an die Barrierefreiheit der Lerninhalte erfüllt. (ACCEDO Group, 2005 „Richtlinien für die Gestaltung barrierefreier Lernumgebungen für Menschen mit Sehbehinderungen“, educacion.once.es/appdocumentos/educa/prod/GUIDELINES JAN 2005.doc)
Der große Vorteil der Grafiktabletts ist, dass man die aktive Fläche nicht nur für Braille nutzen kann, sondern auch für Grafiken und Bilder, und dass man sie am Markt problemlos erwerben kann. Als Nachteil zählt, dass es nur wenige Hersteller gibt, die sie in DinA4-Größe herstellen, dass man darauf achten muss, bei der Anwendung die Richtlinien zur Barrierefreiheit einzuhalten und dass sie nur für bestimmte Aktivitäten einsetzbar sind. Sie können jedoch weder Screenreader noch Braillezeile ersetzen.
Der große Vorteil der Braillezeile ist, dass sie die Computerarbeit ermöglicht, während ihre Nachteile im hohen Preis zu sehen sind und der Notwendigkeit, ihre Anwendung zu Trainieren. Zudem erlaubt sie nur das lineare Braille-Lesen, nicht das Ertasten von Grafiken oder Bildern.
Es gibt einige weitere Tools, die derzeit noch als Unterstützung für den Einsatz von Computern im Unterricht getestet werden. Vielleicht werden künftig ihre Kosten sinken. Diesbezüglich ist kontinuierliche Marktrecherche nötig.
Die Kunst Braille anhand von Technologie zu lehren
Die beschriebenen Werkzeuge und diejenigen, die derzeit getestet werden, können eine große Hilfe für das Braille-Lehren sein. Nicht nur für blinde Schüler, sondern auch für Menschen mit geringem Sehvermögen, die den Braille-Code ggf. im fortgeschrittenen Alter lernen müssen, obwohl sie das Lesen und Schreiben grundsätzlich vielleicht längst beherrschen.
Für Interessierte
Im zweiten Teil ihres Vortrages beschreibt die Autorin einige Aktivitäten, die man mit dem Computer in den verschiedenen Phasen des Braille-Lernens tun kann, und informiert über Internetangebote in spanischer und englischer Sprachen. Die Tagungsdokumentation, welche den englischen Originalvortrag enthält, wird durch die DZB Leipzig zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zur Verfügung gestellt. Die Tagungsdokumentation wird in Schwarzschrift, digital und in Brailleschrift herausgegeben. Wenn Sie an einem Exemplar interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an die Kongressmanagerin Jenni Schwan (Tel.: 0341 7113-162, E-Mail: info@braille21.net).
Literatur
- Aprendiendo braille junto a Cantaletras. Teresa Barrientos Guzmán y Rosa Eugenia Peña Villegas. Universidad de Chile
- Ballesteros; Bardisa; Reales; Muñiz. La Batería de Habilidades Hápticas: un instrumento para evaluar la percepción y la memoria de niños ciegos y videntes a través de la modalidad háptica1. ONCE. Revista integración nº 43
- De Miguel Sánchez, C (coord.) and others (2004). Las Tecnologías de la Información y la comunicación en Educación Infantil y Primer Ciclo de Educación Primaria. Reflexiones y propuestas. Educamadrid
- Experiencias de juego y trabajo TIC con alumnos de atención temprana. S. Boix Hernández, M. T. Corbella Roqueta. Integración. Revista sobre discapacidad visual. Edición digital. N.º 58. Sept/diciembre 2010
- Gastón López, E. ¡Jugando juntos, lo conseguiremos! Tecnología en edades tempranas. Integración. Revista sobre discapacidad visual. Edición digital. N.º 58. Septiembre/diciembre 2010
- Grupo ACCEDO (2005): Pautas para el diseño de entornos educativos accesibles para personas con discapacidad visual
- Hieland, L (2000) The Value of Technology en Early Intervention. The Catalist, Spring 2000. Volume 16
- López Escribano, C. (2007). Las nuevas tecnologías y la Educación Infantil. Educared
- McComiskey, A.V. (1996). The Braille readiness skills grid: A guide to building a foundation for literacy. Journal of Visual Impairment & Blindness, 90(3), 190-193
- ONCE Website: Articles about technology and accessibility
- ONCE Website: Minutes of the International Conference on Braille 1990
- Vecilla Rodrigo, I. ¡Yo me pido braille! Integración. Revista sobre discapacidad visual – Edición digital – N.º 58. Septiembre/diciembre 2010
- Wonderbaby.org. Perkins
Das der Schwarzschriftausgabe beigefügte Foto zeigt Elena Gaston während ihres Vortrags. Die blonde Frau, die zum Auditorium spricht, hält ein Mikrofon in der einen und ein Grafiktablett in der anderen Hand. Auf dem Grafiktablett ist eine Unterrichtsaufgabe dargestellt, die parallel via Beamer auf die Großleinwand hinter der Rednerin geworfen wird (Foto: DVBS itrol).
Die gleichfalls beigefügte Grafik zeigt einen PC mit Grafiktablett und digitalem Stift.
Michael Kuhlmann: Musikpunkte
von Michael Kuhlmann
Während des Braille21-Kongresses fand am Stand des DVBS eine Präsentation des Notenschriftsystems statt. Im Rahmen dieser Präsentation konnten interessierte Besucher lernen, wie Braille-Notenschrift am PC geschrieben werden kann bzw. Schwarzschriftnoten mit Hilfe von Spezialsoftware in Braille-Notenschrift übertragen wird.
Der Kongress Braille21 bot den Besuchern ein facettenreiches Bild der Brailleschrift in ihren unterschiedlichen Formen. Louis Braille, der zeit seines Lebens auch sehr erfolgreich als Organist und Musiklehrer tätig war, entwickelte auf der Grundlage des „normalen“ Alphabetes auch eine Notenschrift, die bis heute einzigartig in ihren Darstellungsmöglichkeiten ist und vielen blinden Musikern eine weitgehend unabhängige Berufsperspektive ermöglicht hat.
Geschichtlicher Hintergrund
Bis vor etwa 30 Jahren wurden blinde und sehbehinderte Schüler bekanntlich ausschließlich an Blindenschulen unterrichtet. Da viele der dort angestellten Lehrkräfte selbst betroffen und somit in der gleichen Situation waren, konnten sie ihren Schülern die blindentechnischen Grundlagen wie die Brailleschrift problemlos beibringen. Die Braille-Notenschrift war unverzichtbarer Bestandteil des Musikunterrichts. Viele Musiklehrer arbeiteten zusätzlich als Instrumentalpädagogen oder Kirchenmusiker und erteilten begabten Schülern die erforderliche Ausbildung am Instrument.
Die seit den 80er Jahren immer stärker Einzug haltende integrative Beschulung bringt neben den bekannten Vorteilen leider das Problem mit sich, dass viele musikalisch begabte blinde Schüler an herkömmlichen Musikschulen von sehenden Lehrern unterrichtet werden, die über keinerlei Braille-Notenschriftkenntnisse verfügen. Deshalb spielen die Lehrkräfte das Unterrichtsmaterial auf Kassette oder erstellen mp3-Dateien. Das Lernen von Musikstücken allein nach Gehör muss zwar nicht prinzipiell schlecht sein, führt aber, sofern nicht im Laufe der Unterrichtszeit die Notenschrift eingesetzt wird, zwangsläufig zu einer Abhängigkeit des Schülers von Lehrern oder Freunden, die das Unterrichtsmaterial vorspielen oder aufnehmen. Um diesem Problem entgegenzuwirken ist das über ganz Deutschland verteilte Notennetzwerk blinder Musiker seit mittlerweile elf Jahren bemüht, blinde Schüler, Eltern und Lehrer beim Erlernen der Blindennotenschrift zu beraten und zu unterstützen. Die Übertragung von Schwarzschriftnoten in Blindenschrift ist dank der Entwicklung spezieller Programme sehr einfach und kostengünstig möglich.
Erstellung von Blindennotenschrift am PC
Es gibt mehrere Möglichkeiten, am PC Blindennotenschrift zu erstellen.
Schreiben mit der Braillezeile
Um Noten am PC schreiben zu können, ist eine Braillezeile zwingend erforderlich. Viele moderne Zeilen verfügen über eine Brailletastatur oder können entsprechend nachgerüstet werden.
Als Schreibprogramm kann man jeden beliebigen Editor, der TXT-Dateien erstellen kann, verwenden. Falls ein sehender Lehrer oder Assistent die Blindenschrift am Bildschirm mitlesen will, muss ein zusätzlicher Schriftsatz installiert werden, den man auf den Internetseiten der blista herunterladen kann. Schließlich wird in den Optionen des Text-Editors der Schriftsatz „blista-Braille“ eingestellt, damit die geschriebenen Zeichen auf dem Bildschirm korrekt dargestellt werden.
Schreiben mit Hilfe der PC-Tastatur
Auch mit der PC-Tastatur ist es prinzipiell möglich, Blindenschrift bzw. Blindennotenschrift zu erstellen. Dabei werden mithilfe eines speziellen Tastaturtreibers die Tasten der Grundstellung umbelegt und fungieren als Braillepunkte. Der Buchstabe F erzeugt dann den Punkt 1, also das A in Braille, die Kombination aus F und D das B, usw. Der Tastaturtreiber wurde von der Firma Papenmeier entwickelt und steht auf deren Internetseite unter www.papenmeier.de zum kostenlosen Download bereit. Der Treiber läuft unter allen 32-Bit-Windowsversionen. Eine Weiterentwicklung für 64-Bit-Systeme ist derzeit laut Papenmeier nicht absehbar. Außerdem muss die Tastatur die sogenannte n-Key-Rollover-Funktion unterstützen, also die Fähigkeit, im Buchstabenfeld mehrere Tastendrücke gleichzeitig zu verarbeiten.
Übertragung von Schwarzschriftnoten mit Hilfe von Notensatzprogrammen und Makebraille
Die Übertragung von Schwarzschriftnoten in Blindenschrift wurde bis vor kurzer Zeit rein manuell vorgenommen: Eine sehende Assistenzkraft diktierte dem für gewöhnlich blinden Übertrager die Noten, der diese per Blindenschriftmaschine aufschrieb. Seit einigen Jahren gibt es das von der DZB entwickelte Projekt Makebraille. Teil dieses Projektes ist eine Software, die die mithilfe eines Notensatzprogrammes, z.B. Capella oder Sibelius, eingescannten Noten in Braille-Notenschrift überträgt. Die Schwarzschriftvorlagen kann man über einen speziellen Server nach Leipzig schicken und bekommt, je nach Umfang des Stückes, nach kurzer Zeit die fertigen Blindennoten im Browserfenster zu sehen. Schließlich kopiert man den Inhalt des Browserfensters in einen Editor, wo man die Noten falls nötig korrigieren oder ausdrucken kann. Man sollte allerdings berücksichtigen, dass auch beim Einscannen der Schwarzschriftnoten Fehler entstehen können, deren Korrektur für den blinden Nutzer wegen der recht aufwendigen Bedienung der Notensatzprogramme derzeit noch ziemlich schwierig ist. Hinzu kommt, dass man die Vorlage mit dem Scan-Ergebnis vergleichen müsste, was ohne Sehvermögen praktisch unmöglich ist. Es sei denn, man kennt das zu übertragene Werk sehr gut. Sehende Hilfe beim Korrigieren ist also nötig.
Man kann die Schwarzschriftvorlage allerdings auch mit einem handelsüblichen Scanner einscannen und anschließend per E-Mail oder per Post zur DZB schicken. Dort werden die Noten dann in Blindenschrift übertragen und dem Nutzer, je nach Umfang und Auftragslage binnen kurzer Zeit zurückgeschickt. Nähere Informationen zum Thema und dem eben beschriebenen Service gibt es unter www.dzb.de/dacapo.
Fazit
Der Beruf des blinden Musikers blickt mittlerweile auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Früher wie heute sollte man als Mensch mit Behinderung in der Lage sein, so unabhängig wie möglich leben und arbeiten zu können. Aufgrund der zunehmenden kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung von Multimedia-Techniken sind die Rahmenbedingungen für unabhängiges Arbeiten sehr günstig. Die Blindennotenschrift ist, wie eingangs erwähnt, in ihren Darstellungsmöglichkeiten bislang unübertroffen. Die technischen Neuentwicklungen der letzten Jahre können bei richtigem Einsatz dazu beitragen, dass dieses Erbe im Sinne von Louis Braille auch in Zukunft gepflegt und gefördert wird, was aus technischer Sicht heutzutage einfacher ist als jemals zuvor.
Zum Autor
Michael Kuhlmann, geboren 1972, ist geburtsblind und arbeitet als Kirchenmusiker und Musiklehrer. Als einer der ersten Integrativschüler hat er sowohl die Beschulung an einer Blindenschule, als auch die Integrativschullaufbahn mit den Vor- und Nachteilen beider Schulformen erlebt. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit ist es sein Bestreben, möglichst vielen blinden, musikalisch interessierten Menschen die Blindennotenschrift und die dazugehörigen Arbeitstechniken nahezubringen. Er veranstaltet deshalb in Zusammenarbeit mit dem DBSV seit zwei Jahren Blindennotenschriftkurse für Kinder und Jugendliche und ist Vorstandsmitglied der Fachgruppe Musik im DVBS, sowie im Notennetzwerk.
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt den Autor bei seiner Präsentation am Gemeinschaftsstand von blista und DVBS. Er sitzt im Kreis dreier junger Leute, gemeinsam stimmt man die ertasteten Tonfolgen an.
Prof. Dr. Gerhard Weber et al.: Eine Schimäre im Bann der Hyperbraille-Anzeige
von Gerhard Weber, Jens Bornschein, Claudia Loitsch, Denise Prescher, Michael Schmidt, Martin Spindler, Jens Voegler
Braille besitzt viele Facetten, unter anderem kann es für einfachen Text verwendet werden, aber auch für das Schreiben von Musik und Mathematik. Braille wird zur Schimäre und zeigt im übertragenen Sinn seine drei Köpfe, wenn man Punkte als Text, als Grafik oder als taktiles Symbol auf einer großen Stiftplatte darstellt.
Wir stellen den Einsatz der Hyperbraille-Anzeige für diese haptischen Modalitäten am Beispiel von MS Windows vor. Anders als das feuerspeiende Monster aus der griechischen Mythologie ist die im Projekt Hyperbraille entwickelte Anzeige leicht anfassbar und kann durch einfache oder mehrfache Berührungen per Gesten gesteuert werden.
Die Hyperbraille-Anzeige besteht aus 60 Zeilen, jede wiederum aus 120 Stiften, die äquidistant im Abstand von 2,5 mm angeordnet sind. Jeder Stift wird durch einen piezoelektrischen Antrieb bewegt. Die Höhe der Anzeige beträgt etwa 7 cm. Die Bedienelemente rund um die Tastfläche sind klappsymmetrisch angeordnet. Für die Eingabe von Braille befindet sich eine Braille-Tastatur am hinteren Rand der Anzeige, sowie vier weitere Funktionstasten, die mit dem Daumen gesteuert werden. Die Benutzer können eine große Zeichenfläche durch ein Cursorkreuz, zwei Sondertasten und mittels einer Navigationsleiste erkunden.
Binde Menschen kennen am besten die haptische Bedeutung von Punkten. Wir haben zusammen mit mehr als 50 blinde Menschen iterativ eine Bedienweise entwickelt, um den Inhalt der Anzeige durch Berührung, Gesten, Tasten und Braille-Eingabe zu beeinflussen. Dies deckte viele ergonomische Konflikte auf und half die Effizienz zu verbessern. Beispielsweise konnte das Überkreuzen der Hände durch die Klappsymmetrie vermieden werden.
Braille auf einer großen taktilen Anzeige
Anfangs schrieb Louis Braille seine neue Schrift durch einritzen in weiches Holz mittels eines spitzen Stiftes. Er lernte schnell von seinen Klassenkameraden, dass erhabene Punkte besser wahrnehmbar sind und Lücken zwischen Zeilen und Zeichen eingehalten werden müssen. So wichtig wie die Braille-Codierung ist die Fähigkeit von Braille, eine mehrzeilige Darstellung zu erzeugen und den Text in Absätze und Seiten einzuteilen.
Das Lesen von Braille auf einer mehrzeiligen Anzeige ist für die meisten Leser ungewohnt, da der Abstand zwischen den Zeilen genau durch einen abgesenkten Stift erzeugt wird.
Wir haben einen Lesetest mit 20 blinden Menschen durchgeführt, um die Effizienz und die Effektivität des Lesens von Braille zu überprüfen. Die Teilnehmer lasen Braille auf Papier, auf einer einzeiligen Brailleanzeige, einer Zeile der Stiftplatte, sowie mehrzeilig auf der Stiftplatte (12 Zeilen mit je 40 Zeichen).
Das Experiment war zufällig aufgebaut, um Lerneffekte zu kompensieren. Während der Proband laut vorlas wurden Fehler bestimmt und die Anzahl vorgelesener Wörter in einem Zeitraum von fünf Minuten gezählt. Die geometrischen Mittelwerte zeigen eine Reihenfolge auf: Braille auf Papier ist am schnellsten zu lesen, gefolgt von einer regulären Braillezeile, der mehrzeiligen Textdarstellung auf der Stiftplatte und schließlich einer einzigen Zeile auf der Stiftplatte. Allerdings sind die Lesefähigkeiten der einzelnen Teilnehmer zu verschieden, um diese Ergebnisse zu verallgemeinern; insbesondere waren einige Teilnehmer auf der Stiftplatte am schnellsten. In einer kleinen Folgeuntersuchung mit vier weiteren Lesern zeigte sich, dass Geübte anfangs langsamer sind, aber schneller werden können. Ungeübte scheinen weniger Fehler beim Lesen zu machen.
Die üblichen Screenreader unterstützen eine Vielzahl von Dokumentformaten. Die Präsentation und Anordnung von Texten ist jedoch oft schwierig einzuschätzen. Die zentralen Aspekte der Arbeit im Hyperbraille-Projekt konzentrierten sich daher auf die Entwicklung eines besseren Zugangs für Programme die am Arbeitsplatz verwendet werden, wie Powerpoint, Word, Excel, Outlook, Browser und PDF Formulare.
Grafik
Bei Verwendung geeigneter Abstände können Grafiken aus Punktefolgen als solche erkannt werden, wenn die Punktabstände geeignet sind. Taktile Grafiken und Braille können zudem kombiniert werden. Beispielweise durch Begrenzungslinien oder flächenhafte Anordnung von Braillebeschriftungen ist es möglich, Tabellen besser zu interpretieren, insbesondere wenn Zellen verbunden werden. Auch (nicht barrierefreie) PDF-Formulare können ausgefüllt werden, selbst wenn die Beschriftungen und Felder nicht zusammenhängen wie wir in einer anderen Studie zeigten.
Sicherlich dient die Stiftplatte nicht dazu, Fotos zu erfassen, aber in einer weiteren Studie wurde klar, dass einige blinde Teilnehmer sehr gut die Formatierungseigenschaften von kursiver oder fetter grafischer Schwarzschriftdarstellung bewerten können. Diese häufige Fehlerquelle beim Erstellen von Texten kann damit besser vermieden werden.
Taktile Symbole
Piktogramme, von Screenreadern oft als Buchstabenfolgen dargestellt, weisen die Benutzer auf mögliche Interaktionen hin. Allerdings werden beispielsweise Rollbalken von Screenreadern ignoriert, denn im Rahmen von Sprachausgabe oder einer Braillezeile ist dies nicht sinnvoll. Unsere Tests mit Benutzern zeigen, dass auf einer flächenhaften Anzeige diese über taktile grafische Symbole den Überblick fördern, insbesondere wenn der aktuelle Ausschnitt in Bezug zum gesamten Dokument gebracht werden muss.
Auch von Braillezeilen bekannte blinkende Symbole, etwa um die Schreibmarke darzustellen, werden von der Hyperbraille-Anzeige mit Frequenzen von bis zu 5 Hz unterstützt. Taktile Symbole können periodische Änderungen benutzen, um den Leser auf Besonderheiten aufmerksam zu machen. In einer Studie zum Erlernen von Gesten haben wir den Bewegungsablauf durch dynamisch sich aufbauende Linien verdeutlicht. Auch Multitouch-Gesten können dadurch leichter vermittelt werden.
Ausblick und Danksagung
Braille und seine Ableger sind kein Monster wie die Schimäre, aber können im Zusammenhang mit flächenhaften Anzeigen noch weiter entwickelt werden und die Basis für neue Berufsbilder sein, bei denen eine Zusammenarbeit mit sehenden Menschen mittels graphischer Konzepte erforderlich ist.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern der Tests für die wertvollen Kommentare und Beiträge. Das Projekt HyperBraille wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft (01MT07004) gefördert. Partner des Projekts sind die Firmen Metec, F.H. Papenmeier, T.O.P., die Universitäten in Dresden, Stuttgart (Institut für Visualisierung, IZFM, IMS-Chips), Potsdam und die blista Marburg.
In der auf www.hyperbraille.de angeführten Literatur sind weitere technische Details zur Software wie z.B. der Integration von Jaws beschrieben und Videos über den Einsatz der Stiftplatte verfügbar.
Zu den Autoren
Die Professur Mensch-Computer Interaktion der TU Dresden forscht und lehrt im Bereich assistiver Technologien. Aktuelle Forschungsarbeiten betreffen Barrierefreiheit von E-Learning sowie speziell die Darstellung von Karten aus dem WWW, die Hinderniserkennung und fachspezifische graphische Notationen wie UML. Darüber hinaus werden für blinde und sehbehinderte Studierende an der TU Dresden Fachbüchern und Skripten zugänglich gemacht. Neue Schulungskonzepte zum praktischen Einsatz von Hyperbraille werden den Studierenden den Zugang u. a. zu Powerpoint ermöglichen.
Für Interessierte
Die Tagungsdokumentation, welche den englischen Originalvortrag enthält, wird durch die DZB Leipzig zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zur Verfügung gestellt. Die Tagungsdokumentation wird in Schwarzschrift, digital und in Brailleschrift herausgegeben. Wenn Sie an einem Exemplar interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an die Kongressmanagerin Jenni Schwan (Tel.: 0341 7113-162, E-Mail: info@braille21.net).
Das große Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt Prof. Dr. Gerhard Weber während seines Vortrages. Der Wissenschaftler hat braunes Haar, die Schläfen sind graumeliert, der lange Kinnbart reicht fast bis zum Namensschild, an seinem braunkarierten Jacket. Er schaut ins Auditorium, während sich hinter seinem Rücken die Power Point-Präsentation darstellt (Foto: DVBS itrol).
Auf der beigefügten Grafik ist die taktile Anzeige des „BrailleDis 9600“ mit den vielen feinen, im Rechteck angeordneten Stiften zu erkennen.
Andrea Katemann: Braillekurzschrift kombiniert mit einer menschlichen Stimme
von Andrea Katemann
Die meisten denken bei DAISY-Büchern nur an Hörbücher, in denen man eventuell einige Möglichkeiten nutzen kann, um an eine bestimmte Stelle eines Buches zu kommen. Spätestens seit „DAISY 2009“ ist bekannt, dass das DAISY-Format erheblich mehr Möglichkeiten bietet. Um die Kombination zwischen Audio und Braillekurzschrift geht es in den folgenden Ausführungen.
Prinzipiell erleichtert die DAISY-Option, bestimmte Elemente wie Sätze (dem Daisynutzer als Phrasen bekannt), Seiten, Überschriften und Anmerkungen anspringen zu können, dem Nutzer das Zurechtfinden und damit einhergehend das Arbeiten innerhalb eines Textes. Darüber hinaus lässt sich jedoch auch Audio mit Text- oder Videoinhalten kombinieren. So wäre es beispielsweise möglich, Gebärdensprachvideos für gehörlose Menschen einzubinden. Wir probierten die Möglichkeit, Braillekurzschrift mit einer menschlichen Stimme zu kombinieren, an der DIN-Norm 18040-1 "Barrierefreies Bauen" aus. Über eine sinnvolle Umsetzung des Textes haben sich sowohl blinde als auch sehende Medienproduzenten Gedanken gemacht.
Aufbau und Navigationsmöglichkeiten
Aufgrund urheberrechtlicher Gegebenheiten durften wir die Norm nicht als Volltext-DAISY produzieren. Daher steht dem Brailleleser ausschließlich eine Kurzschriftversion des Normtextes zur Verfügung. Dabei wurden die enthaltenen Tabellen aufgelöst und als Fließtext gestaltet, um die Handhabung zu vereinfachen. Die dargebotenen Abbildungen wurden nicht gesondert beschrieben. Um fachliche Fehler zu vermeiden wurden ausschließlich die direkt unter den Abbildungen enthaltenen Erklärungen übernommen. Zur besseren Übersichtlichkeit haben wir ein Abbildungsverzeichnis zusammengestellt, das sich in einem eigens erstellten Anhang befindet. Hier lässt sich jede Bilderklärung einzeln anspringen. Anmerkungen wurden der jeweils zugehörigen Textstelle zugeordnet.
Navigations- und Nutzungsmöglichkeiten
Den Anwenderinnen und Anwendern bieten sich verschiedene Navigationsmöglichkeiten. Phrasenweise kann man beispielsweise den aufgelesenen Text während des Hörens auf der Zeile in Kurzschrift mitlesen und hat also bei der Nutzung des Audioteils die Chance, sich über die genaue Schreibweise von Fachbegriffen bzw. Namen zu informieren. Dabei ist eine Phrase mit einem Satz gleichzusetzen. Für uns gelten ein Punkt, ein Semikolon, ein Ausrufezeichen und ein Fragezeichen als Satzendzeichen. Davon abweichend haben wir Aufzählungspunkte auch als eigene Phrase definiert, um hier eine besondere Übersichtlichkeit gewährleisten zu können. Beim Lesen bzw. lassen sich so innerhalb einer Aufzählung die einzelnen Punkte separat ansteuern. Selbstverständlich kann man in gewohnter Weise zwischen Überschriften hin- und herspringen und die "Blättermöglichkeit" von Seite zu Seite ist auch gegeben. Und wer für bestimmte Aktionen das Audio ausschalten möchte, kann im Text überschrift- bzw. absatzweise navigieren. (Der in Deutschland bekannte "Max-DAISY-Player", bietet dafür die Variante, die genannten Navigationsmöglichkeiten in einer ähnlichen Ansicht auszuführen, wie man es von seinem Internetbrowser her kennt.) Möchte man das Buch unterwegs auf seinem mobilen DAISY-Player benutzen, ist natürlich auch dies möglich.
Um nun auch Leserinnen und Lesern ohne Kurzschriftkenntnisse eine besondere Erschließbarkeit des Textes zu gewährleisten, haben wir uns entschlossen, Teile des Werkes, die nicht urheberrechtlich geschützt sind, als Volltext-DAISY einzubinden. Dazu gehört z. B. das Inhaltsverzeichnis. Somit wird es möglich, sich beispielsweise über eine Volltextsuche die Seitenzahl der Überschrift schnell zu erschließen und dann dort hinzuspringen. Selbstverständlich lassen sich die Überschriften auch direkt über den Kurzschrifttext finden, dazu muss dann allerdings mithilfe einer Computertastatur ASCII-Braille eingegeben werden, was, so dachten wir uns, ohne Kurzschriftkenntnisse nicht möglich sein dürfte.
Ausblick
Inhalte in verschiedenen Situationen vielfältig nutzen zu können ist ein wichtiger Gesichtspunkt, der bei der Produktion von Materialien für blinde und sehbehinderte Menschen dringender denn je bedacht werden muss. Denn das Leseverhalten von blinden und sehbehinderten Menschen hat sich, wie auch das ihrer sehenden Umwelt, verändert. So nutzen beispielsweise "eingefleischte Brailleleser" während einer Zugfahrt das gut zu navigierende DAISY-Hörbuch, weil auch sie oft keine Lust mehr haben, einen dicken Ordner in den Koffer zu packen. Gerade bei Fachliteratur oder Schulbüchern ist es jedoch in vielen Fällen zwingend notwendig, nicht nur ein Audio- sondern auch ein Textbuch benutzen zu können. Schülerinnen und Schüler müssen die Schreibweise von Formeln, Wörtern und Eigennamen nachvollziehen können und Auskunft über die exakte Zeichensetzung erhalten. Auch in Aus- und Weiterbildung kann es unverzichtbar sein, auf einen Text zurückgreifen zu können. Die Kombination Kurzschrift und menschliche Stimme bietet hier interessante Möglichkeiten.
Für Interessierte
Diesen Redebeitrag zum Weltkongress Braille21 in Leipzig gibt unsere deutsche Übersetzung gekürzt wieder. Die Tagungsdokumentation, welche den englischen Originalvortrag enthält, wird durch die DZB Leipzig zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zur Verfügung gestellt. Die Tagungsdokumentation wird in Schwarzschrift, digital und in Brailleschrift herausgegeben. Wenn Sie an einem Exemplar interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an die Kongressmanagerin Jenni Schwan (Telefon 0341 7113-162, E-Mail: info@braille21.net).
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt die Autorin im Hörsaal. Andrea Katemann trägt einen dunklen Nadelstreifenanzug und ist dem Auditorium zugewandt. Der Blindenstock lehnt am Rednerpult, das Display des Laptops vor ihr zeigt das Logo Braille21 (Foto: DVBS-itrol).
Heidi Theiß-Klee: Workshop „Braille for sighted people“ - Braille für Sehende
von Heidi Theiß-Klee
Sehende Menschen lesen die Punktschrift nicht wie blinde Menschen mit den Händen, sondern mit den Augen. Dieser Unterschied erfordert nicht nur eine andere Herangehensweise und Methodik, sondern ermöglicht auch den Einsatz anderer, d.h. visueller Materialien im Lernprozess. Im Mittelpunkt des Workshops „Braille for sighted people“ standen Methoden und Materialien, die in Fortbildungen mit sehenden Angehörigen und Lehrern bzw. Erziehern eingesetzt werden.
Zunächst muss man unterscheiden, ob es bei dem Ziel der Gruppe um das Kennenlernen der Punktschrift (z.B. bei Eltern und Freunden) oder zudem um flüssiges Lesen und Schreiben der Vollschrift geht (bei Pädagogen). Daraus ergibt sich der zeitliche Umfang: entweder ein Wochenendkurs (ca. 7-10 Std.) oder regelmäßig 1-2 Std. pro Woche mit Üben über ca. 4-6 Wochen.
Inhalte des Vollschriftkurses sind:
- Geschichtlicher Überblick
- Alphabet (4 Gruppen, 26 Buchstaben)
- Umlaute, Doppellaute, Satzzeichen, Zahlen, Eurobraille (gesamt: 70 Zeichen)
- Taktile Lesetechnik
- Geräte kennen lernen (Punktschriftmaschinen, Notizgeräte, Braillezeile, Punktschrifttafel)
- Beschriften mit Braille-Etiketten und Dymoband
Zu Beginn des Kurses bietet der Film „Louis Braille und die Blindenschrift“ einen hervorragenden Einstieg in die Thematik. Dabei geht es einerseits um das Leben und Wirken des genialen Erfinders Louis Braille, andererseits um das Verständnis des Systems der 6 Punkte. Danach bieten Materialien wie: Eierkartons mit Golfbällen, Kronkorken, Braillin-Puppe und Schlüsselanhänger der ONCE, Punktschriftleisten, Brailleschrift-Steckbretter sowie Punktebögen gute Möglichkeiten zur Einführung der verschiedenen Zeichen.
Als Grundlage des Kurses wird das Buch „Punktschrift für Anfänger – Wie erlerne ich als Sehender die Blindenschrift?“ mit seinem umfangreichen Übungsmaterial eingesetzt. Bei Wiederholung von Zeichen bieten sich Karteikarten, Taktiles (Legosteine mit Punktschrift aus USA), Puzzles zum Auffinden von Worten, kurze Geschichten zum Lesen sowie runde Teppichfliesen an. Für das Spiel „Act the dot“ stehen 6 Personen (nummeriert von 1-6) jeweils auf einer Teppichfliese, die wie die 6 Punkte der Braillezelle auf dem Fußboden liegen. Alle Personen gehen in die Hocke und bei Ansage eines Buchstabens stehen diejenigen auf, deren Punkt im jeweiligen Buchstaben vorkommt, d.h. bei „f“ nur 1, 2 und 4.
Wer gern den PC zum Braillelernen einsetzt, für den ist sowohl die Website www.fakoo.de als auch die CD „sehen! ... genaugenommen“ bzw. die DVD „Schaugenuss“ vom Odilien Institut Graz genau das Richtige. Hier kann man durch Anklicken mit der Maus bei Spielen wie Memory oder Galgenmännchen regelrecht süchtig nach Braille werden. Durch den Braille-Schriftsatz blista Marburg, der kostenlos im Internet heruntergeladen werden kann, ist das Erstellen jedes Materials mit Pünktchen möglich.
Grundsätzlich geht es aber nicht nur um das Erlernen der Zeichen. Im Kurs werden auch die taktile Lesetechnik erklärt und verschiedene Geräte zum Schreiben der Punktschrift und Beschriften mit Punktschrift gezeigt und ausprobiert. Kommt die Kurzschrift dazu, bedeutet dies einen höheren Zeit- und Übungsumfang. Die englische Kurzschrift hat 189 Kürzungen, die deutsche 289 und die französische über 500. Dafür muss regelmäßig geübt werden.
Als Grundlage für die deutsche Kurzschrift dient mir das im Jahr 2000 erschienene Buch „Kurzschrift für alle“. Es bietet einerseits viele Schreib- und Leseübungen, andrerseits können zusätzlich mit dem Punktschriftübersetzungsprogramm RTFC von Wolfgang Huber kleine Geschichten, Zeitungsartikel oder kapitelweise auch Bücher in Teilkurzschrift (je nach Lektion) übertragen werden. Das ist ein großer Vorteil, da es die Auswahl an Lesematerial, das genau dem Lernstand der Teilnehmer angepasst ist, enorm erweitert. Im englischsprachigen Ausland gibt es entsprechend der englischen Kurzschrift andere Bücher wie z.B. das neu aufgelegte „Dot Writing“ von J. Wise.
Methodische Möglichkeiten bei Einführung neuer Kürzungen sind z. B.:
- Raten unter 2-3 Möglichkeiten,
- Erschließen aus vorgegebenen Worten oder Sätzen,
- Zuordnen/Paare finden
oder bei Wiederholung:
- Karteikarten,
- Partnerabfrage,
- Lückenübungsblätter,
- Stationentraining mit Partner (Schlüsselanhänger, Braillin Puppe, Eierkarton, Punktschriftleisten, Karteikarten, Punktebögen u. a. m.)
Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops „Braille for sighted people“ wurde eine Materialsammlung mit Spielen, Rätseln, Kopiervorlagen und Beispielen zur Verfügung gestellt. Eine passende Ergänzung dazu gab Marion Ripley von Clear Vision in London mit ihrem Heft „Crack the code – Teach yourself to sight read basic braille“ (erhältlich unter info@clearvisionproject.org).
Insgesamt habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Punktschriftlernen eine Menge Spaß machen kann, wenn beim Lernen und Üben unterschiedliche Methoden gewählt werden und verschiedene Materialien den Lernprozess auflockern.
Literatur:
- „sehen! ... genaugenommen" (CD 2004), SPZ Odilien-Institut: Graz, www.odilien.at
- Aldridge, Vivian; Gansauge, Petra; Häni, Anita: Kurzschrift für alle (2000), Hannover: VBS (ed) Deutscher Hilfsmittelvertrieb
- Braille-Schriftsatz blista Marburg: www.blista.de/download/druckerei/braille_schriftsatz_blista_marburg.zip
- Braille Bug, American Foundation for the Blind (AFB): Braille Bug is a kids' site that teaches sighted children grades 3 through 6 about braille, and encourages literacy …, www.afb.org/braillebug
- Das System der deutschen Blindenschrift (2006), Marburg: Deutsche Blindenstudienanstalt
- Everyday Braille – An introduction to braille for sighted friends and family (2008), Royal National Institute of Blind People (RNIB) Peterborough, cservices@rnib.org.uk, www.rnib.org.uk
- Informationen rund um Braille: www.braille.ch
- Schaugenuss (DVD 2009), SPZ Odilien-Institut: Graz, www.odilien.at
- Schneider, Jane; Kifer, Kathy: Braille for the Sighted (1998), Eugene/USA: Garlic Press
- Theiß-Klee, Heidi: Punktschrift für Anfänger – Wie erlerne ich als Sehender die Blindenvollschrift? (2006), Marburg: Deutsche Blindenstudienanstalt
Zur Autorin
Heidi Theiß-Klee ist seit 1982 Lehrerin an der Carl-Strehl-Schule, sie unterrichtet Englisch und Braille und ist darüber hinaus als Beratungslehrerin im BFZ tätig. Sie studierte zunächst Englisch und Sport an der Philipps-Universität Marburg (1. Staatsexamen), erwarb daraufhin den Master of Arts in Special Education (Visually Handicapped) an der San Francisco State University SF/Cal. USA und absolvierte ihr Referendariat an der Martin-Luther- und der Carl-Strehl-Schule in Marburg.
Das der Schwarzschriftausgabe beigefügte Foto zeigt eine Workshopsituation während des deutschen Braille-Tages. Die Autorin hat vielfältige Materialien ausgelegt und ausgehängt. Sie sitzt am Tisch und spricht zu den Teilnehmenden. Die Bildunterschrift lautet Heidi Theiß-Klee ist seit 1982 Lehrerin an der Carl-Strehl-Schule (Foto: DVBS itrol).
S.-Hilde Michael M. A.: Braille- und Sehrest-Nutzung im Hochschulalltag
von S.-Hilde Michael M. A.
Das Ziel dieses verschriftlichten, jüngst in Eutin gehaltenen Vortrages ist es, wesentliche Vor- und Nachteile von Braille- und Sehrest-Nutzung im Hochschulalltag anzuführen. Die Ausführungen gelten für den Hochschulalltag im Allgemeinen und konzentrieren sich nicht allein auf eine Fachrichtung.
Die nachstehenden Aussagen sind keiner Forschungsliteratur entnommen, sondern basieren auf Erfahrungsaustausch mit Betroffenen sowie auf eigenen Erfahrungen der Autorin im Hochschulalltag. Das Nachstehende ist stets als „Kann“ zu formulieren, da eine Verallgemeinerung nicht nur unangemessen, sondern auch unmöglich ist.
Braille-Nutzung im Hochschulalltag
An erster Stelle seien die Vorteile der Braille-Nutzung angeführt. Verfügen Studierende oder Hochschulwissenschaftler über einen Sehrest, dessen visuelle Leistung unter Umständen von der physischen und / oder psychischen Tagesverfassung abhängig ist, empfiehlt sich neben der Sehrest-Nutzung der Gebrauch von Brailleschrift. Braille ermöglicht den Betroffenen nämlich ein von Sehrestschwankungen unabhängiges Arbeiten. Die Belastbarkeit der Studierenden und der Wissenschaftler kann durch die Braille-Nutzung konstanter sein und das zu erreichende tägliche Arbeitspensum zudem besser einkalkuliert werden. Arbeiten, die von einem Zeitplan abhängig sind, es seinen an dieser Stelle Hausarbeiten, Magisterarbeiten, Staatsexamens- oder auch Doktorarbeiten stellvertretend genannt, können somit besser geplant und bewältigt werden.
Nachteile der Braille-Nutzung im Hochschulalltag können die damit verbundenen, oft nicht geringen Kosten für Braillepapier, eine Braillezeile oder einen Brailledrucker usw. sein. Eine adäquate Herstellung von guten Braillemedien erweist sich ferner unter Umständen als schwierig. Das trifft u. a. auf geisteswissenschaftliche Medien mit häufig sehr umfangreichen Fußnoten und komplexen Abbildungen zu.
Sehrest-Nutzung im Hochschulalltag
Studierende und Wissenschaftler, die über einen Sehrest verfügen, der das Lesen von Schwarzschrift ermöglicht, können z. B. schneller und gegebenenfalls auch leichter bei Grafiken, Karten und Tabellen ohne fremde Hilfe einen Überblick gewinnen. Bei einer gewissen Sehkraft ist, unter Umständen mit den Sehrest unterstützenden Hilfsmitteln, der Zugang zu nicht online verfügbaren Lexika ohne fremde Hilfe möglich. Das Arbeiten im Hochschulalltag kann mit vermindertem technischen Aufwand ablaufen. Es ist ferner möglich, dass, wenn der Betroffene Schwarzschrift liest, flexibler Arbeitsplätze beispielsweise in Bibliotheken und Hörsälen genutzt werden können.
Als ein möglicher Nachteil der Sehrest-Nutzung im Hochschulalltag gilt, dass die sehschwachen Studierenden und Hochschulwissenschaftler Gefahr laufen ihren Sehrest zu überschätzen und unter Umständen überstrapazieren. Ferner muss angeführt werden, dass, wenn der Sehrest Schwankungen unterliegt, der Betroffene selbst aber auch Kommilitonen oder Kollegen die visuelle Leistung und Belastbarkeit nur schwer einschätzen können. Unter Umständen zählen Konflikte, ausgelöst durch Verständnisschwierigkeiten, mit Studenten oder Arbeitskollegen zu den unschönen Folgen.
Für Personen, die über einen Sehrest verfügen der Schwankungen unterliegt und unter Umstanden das Arbeiten mit Schwarzschriftmedien phasenweise sehr erschwert oder gar unmöglich macht, ist es zu empfehlen sowohl Profession im Umgang mit ihrem Sehrest als auch mit Braille zu üben.
Zur Autorin
Ich studierte an den Universitäten Marburg und Rostock Geschichtswissenschaft und Latinistik. Die Studiengänge schloss ich jeweils mit dem Bakkalaren- sowie dem Magisterexamen ab. Zu meinen wissenschaftlichen Schwerpunkten zählt die jüdische Geschichte sowie die Rechts- und Verfassungsgeschichte der Frühen Neuzeit. Auf den Forschungsgebieten liegen jeweils entsprechende Publikationen vor. Derzeit gehöre ich als Stipendiatin zum Wissenschaftlerstab der Forschungsstelle für Universitätsgeschichte an der Alma mater rostochiensis und bin im Begriff meine Dissertation zum Thema: "Recht und Verfassung der Universität Rostock im Spiegel wesentlicher Rechtsquellen (1419-1563)" fertigzustellen.
Uwe Boysen: Blindenschrift bei der Arbeit an einem deutschen Zivilgericht
von Uwe Boysen
Um meine Arbeitsweise besser zu verstehen, sind vorab einige Bemerkungen zur Zivilgerichtsbarkeit in Deutschland nötig. Diese beschäftigt sich vornehmlich mit Ansprüchen aus Verträgen oder sog. unerlaubten Handlungen. Aber natürlich gibt es auch das Familienrecht oder erbrechtliche Streitigkeiten. In jedem Verfahren gibt es einen Kläger, der von seinem Gegner, dem Beklagten, etwas verlangt, meist Geld. Die Aufgabe des Richters besteht darin, der Klage – ganz oder teilweise – stattzugeben oder sie abzuweisen. Bevor man dahin kommt, muss der Fall aber aufgearbeitet werden: Den Parteien ist Gelegenheit zur Sachverhaltsdarstellung und juristischen Argumentation zu geben und natürlich ist eine mündliche Verhandlung notwendig, in der die verschiedenen Argumente vertieft werden können und – wenn nötig – auch Zeugen und Sachverständige zu hören sind.
Für mich beginnt die Arbeit mit dem Eingang der Klage. Hier werden zunächst nur gewisse Formalien geprüft, etwa die Zuständigkeit des Gerichts oder die Frage, ob der eingezahlte Vorschuss ausreicht. Sodann wird die Zustellung der Klage an den Beklagten verfügt. Gleichzeitig wird ihm regelmäßig eine Frist zur Erwiderung auf die Klage gesetzt. Hat der Beklagte auf die Klage reagiert, setze ich dem Kläger eine Frist, um auf die Verteidigung nochmals zu antworten. Dann ist es Zeit für die Entscheidung, wie weiter verfahren werden soll. Hier muss ich mir darüber klar werden, ob ich vorab ein Sachverständigengutachten einholen oder Zeugen laden will und ob ich noch weitere Schriftstücke von den Parteien benötige. An irgendeinem Punkt kommt es zur mündlichen Verhandlung, in der die verschiedenen Standpunkte nochmals erläutert werden können und ich auslote, ob eine vergleichsweise Lösung möglich ist. Gelingt das nicht, ist ein Urteil vorzubereiten.
Welche Rolle spielt in diesem Verfahren nun die Blindenschrift?
Hier muss man zwischen zwei Perioden unterscheiden: der Zeit ab 1980, in der elektronische Hilfsmittel noch nicht verfügbar waren, und der Zeit nach dem Einzug des Computers mit Blindenhilfsmitteln auch in mein Gericht.
In der „guten alten Zeit“ war es für mich von vornherein klar, dass eine Übertragung sämtlicher Akten in Blindenschrift weder möglich noch wünschenswert sein würde. Um ehrlich zu sein, dieser Gedanke ist mir auch zu keiner Zeit gekommen. So wurden mir die Akten von meiner Hilfskraft entweder direkt oder häufiger auf Kassette gelesen, woraufhin ich mir Notizen mit der Blindenschriftmaschine auf Papier machte. Dabei benutzte ich neben den Standardkürzungen der Blindenkurzschrift vielfach selbst „gebastelte“ Kürzungen für häufig vorkommende rechtliche Begriffe. Weiter notierte ich jeweils die Blattzahl des Originaldokuments, um später bestimmte Stellen entweder mit meiner Assistentin oder mit Kollegen in der Akte schnell nochmals aufsuchen zu können. Auch bei der Diskussion mit den beteiligten Rechtsanwälten erwies sich das als hilfreich.
Ein Nachteil der Blindenschrift ist natürlich, dass man nicht wie in Schwarzschrift bestimmte Stellen durch Anstreichen oder farbliche Markierungen hervorheben kann. Doch verwenden geübte Brailleschriftnutzer verschiedene Methoden, sich auch hier zu behelfen. So kann man am Rand der wichtigen Zeile Markierungen anbringen oder auch mehrere Leerzeichen vor der schnell wiederzufindenden Stelle einfügen. Beim Arbeiten mit Blindenschrift auf Papier hat man gegenüber einer Braillezeile auch den Vorteil, sich oft – jedenfalls ungefähr – gemerkt zu haben, an welcher Stelle einer Seite die gesuchte Passage zu finden ist.
Nach der Erstellung der Notizen gilt es jetzt, sich selbst eine Meinung über die tatsächlichen und rechtlichen Implikationen des Falles zu bilden. Dazu muss eine Art Synthese des Falles erstellt werden, bei der auch Rechtsprechung und Rechtsliteratur einzubeziehen sind. Diese ist mit Ausnahme einiger Basisgesetze aus Marburg nicht in Blindenschrift vorhanden. Auch hier ist es also erforderlich, sich Quellen vorlesen zu lassen und entsprechende Notizen mit Fundstellen zu verfassen. Das darauf gegründete Gutachten, das ich meist in Blindenschrift ausformuliert habe, ist hilfreich bei der späteren Diskussion mit den Parteien oder auch mit Kollegen.
Werden in Zivilrechtsstreitigkeiten Zeugen oder Sachverständige vernommen, ist es eine weitere richterliche Aufgabe, deren Aussagen ins Protokoll zu diktieren. Da es unpraktisch ist, sie nach jedem Satz zu unterbrechen und da man sich häufig nicht sämtliche Details der Aussage merken kann, ist es auch hier unumgänglich, sich Notizen für das spätere zusammenhängende Diktat zu machen.
Bei der späteren Abfassung des Urteils greife ich jeweils auf die durch meine Notizen gesammelten Daten zurück und überprüfe sie nochmals. Das Urteil selbst habe ich in den meisten Fällen auf Tonträger diktiert, in besonders komplexen Sachen aber auch selbst – ganz oder teilweise – in Blindenschrift entworfen.
Diese Arbeitsweise hat sich nach der Einführung elektronischer Blindenhilfsmittel mit dem Abspeichern von Notizen in einer Datei stark verändert. Zum Auffinden bestimmter wichtiger Stellen entwickelte ich besondere Zeichenkombinationen, die ansonsten in meinen Notizen nicht auftauchten. Abgesehen von der Platzersparnis ist ein weiterer großer Vorteil elektronischer Notizen, jederzeit an jeder Stelle Ergänzungen einfügen zu können.
Als immer mehr Gesetze, Gerichtsentscheidungen und juristische Zeitschriften auch elektronisch verfügbar wurden, konnte ich viele Dinge erstmals selbst lesen. Dabei habe ich mich oft der Sprachausgabe bedient, insbesondere dann, wenn ich nur Informationen zu einem bestimmten Punkt brauchte, ohne selbst Texte formulieren zu müssen. Nicht anfreunden konnte ich mich hingegen mit einem mir zur Verfügung stehenden Blindenschriftdrucker, obwohl ich es durchaus als angenehm empfunden hätte, bestimmte Dinge auf Papier auszudrucken. Doch die bei der Benutzung solcher Geräte immer wieder auftretenden Fehler, deren Ursachen ich nur bei einer gründlicheren Untersuchung hätte finden können, zu der keine Zeit war, ließen mich recht schnell auf diese Möglichkeit verzichten.
Ein weiterer Vorteil elektronischer Blindenschriftdisplays war für mich, dass ich so erstmals genau kontrollieren konnte, was die Schreibkräfte aus meinem Diktat gemacht hatten. Vorher war ich dazu auf die Sorgfalt und die Rechtschreibkenntnisse meiner Assistenz angewiesen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich die Qualität meiner Arbeit durch den Einsatz der neuen elektronischen Hilfsmittel erheblich verbessern konnte.
In den letzten fünf Jahren habe ich auch auf Scanner zurückgegriffen, während ich vorher bei deren Einsatz gezögert hatte, weil sie insbesondere beim korrekten Wiedergeben von Zahlen oft noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse erbrachten. Nachdem Anwälte heute qualitativ gute Drucker nutzen und Scanner immer besser werden, sehe ich diese Gefahr so nicht mehr.
Nach diesen Feststellungen wird es nicht erstaunen, dass ich für Blindenschrift auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Arbeit mit juristischen Themen sehe. Allerdings wird der Prozess der Stoffsammlung sich verändern, wenn immer mehr Anwälte ihre Schriftsätze direkt elektronisch einreichen. Hier müssen wir darauf achten, dass dies in einem auch für unsere Geräte zugänglichen Format geschieht, damit unsere Bedürfnisse auf dem Weg zur elektronischen Akte nicht übergangen werden.
Auch ein anderes Problem wird sich zukünftig verstärkt stellen: Gerade in technisch geprägten Prozessen, etwa in Bauprozessen, aber auch in Verkehrsunfallsachen, werden elektronische Skizzen oder fotografische Aufnahmen absehbar eine immer größere Rolle spielen. Hier geht es darum, nach Wegen zu suchen, wie diese Informationen für blinde und hochgradig sehbehinderte Richter zugänglich gemacht werden können, etwa durch einen Plotter, der auch Zeichnungen anfertigen kann oder mit Hilfe anderer innovativer Verfahren, etwa zu einer Bildbeschreibung.
Hätte ich meine Arbeit ohne Blindenschrift meistern können? Für mich lautet die Antwort eindeutig nein! Können andere blinde Menschen eine solche Arbeit ohne Brailleschrift erledigen? Wahrscheinlich nicht. Aber warum nicht? Hier gibt es mehr als eine Antwort. Zum einen ist es die schiere Masse der bei mindestens 150 bis 200 Akten jährlich zu verarbeitenden Informationen, die es erforderlich macht, über adäquate Möglichkeiten nachzudenken, wie man sinnvoll mit dieser Flut umgehen soll. Das kann natürlich mit Sprachausgaben geschehen. Im eigenen Büro stellt das sicher eine vertretbare Lösung dar, obwohl ich auch hier meine Zweifel habe. Auf jeden Fall benötigen wir aber wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet, wenn wir sie entweder lesen oder aber nur hören. Solche Untersuchungen könnten sich als aufschlussreich für die Auswahl der Lesemethode erweisen. Doch wenn es um mündliche Verhandlungen mit den Prozessparteien, ihren Anwälten, Zeugen und der Öffentlichkeit geht, erscheint es mir schlicht ausgeschlossen, Sprachsynthesizer mit einem Knopf im Ohr bei der Besprechung einzelner Fälle einzusetzen. Blinde Menschen sind bereits durch das Fehlen des visuellen Kommunikationskanals behindert. Wenn sie sich eines weiteren solchen Kanals, nämlich des Gehörs, durch Sprachausgaben jedenfalls teilweise berauben, führt das zwangsläufig zu Schwierigkeiten, insbesondere bei richterlicher, aber auch bei allgemein juristischer Tätigkeit, die weitgehend auf Kommunikation und Aushandlungsprozesse ausgerichtet ist. Um juristisch erfolgreich arbeiten zu können, brauchen blinde Menschen alle nur möglichen Kommunikationskanäle und damit fast zwangsläufig auch die Blindenschrift. Das muss auch bei der Ausbildung und Berufsberatung beachtet werden, wenn juristische Berufe, in denen blinde Menschen jedenfalls in Deutschland erfolgreich arbeiten, für sie auch weiter zugänglich bleiben sollen.
Für Interessierte
Diesen Redebeitrag zum Weltkongress Braille21 in Leipzig gibt unsere deutsche Übersetzung gekürzt wieder. Die Tagungsdokumentation, welche den englischen Originalvortrag enthält, wird durch die DZB Leipzig zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zur Verfügung gestellt. Die Tagungsdokumentation wird in Schwarzschrift, digital und in Brailleschrift herausgegeben. Wenn Sie an einem Exemplar interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an die Kongressmanagerin Jenni Schwan (Telefon 0341 7113-162, E-Mail: info@braille21.net).
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt den Autor während seines Vortrags. Mit den Fingern auf seiner Redevorlage, spricht er zum Auditorium. Daneben zeigt das Display des Laptops das Logo Braille21. Der Redner trägt ein weißgestreiftes Hemd zu dunkler Hose (Foto: DVBS itrol).
Prof. Dr. Shree Ram Mittal: Vermittlung von Braille in Programmen der Blindenlehrerausbildung in Indien: Eine kritische Beurteilung
von Prof. Dr. Shree Ram Mittal, Universität Delhi, Indien
Für blinde Kinder und Jugendliche liegt der Grundstein zum Erwerb der Schriftsprache in der effizienten Braille-Ausbildung der angehenden Lehrerinnen und Lehrer. Dieser Beitrag informiert über die Ergebnisse einer Studie des Autors, die mit weitreichenden Empfehlungen zur Verbesserung der Braille-Lese- und -Schreibkompetenzen aufwartet.
Ziel der Studie war es, in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu untersuchen, wie effizient den Lehreramtsanwärtern für die Grund- und Sekundarschule in Indien Braille-Lese- und -Schreibfertigkeiten auf den verschiedenen Ebenen der Ausbildung gelehrt werden. Um das zu erreichen, wurden die Ausbildungsinhalte durch einen Fragebogen erhoben und analysiert. Hierbei ging es um die Zeit, die für den Braille-Unterricht angesetzt war, um das verwendete Unterrichtsmaterial, um die Methoden u.a.m. Anhand der Ergebnisse der Studie werden nachfolgend Empfehlungen formuliert. Als Erste ihrer Art kann die Studie damit sowohl zum Ausbau der Berufsbildung in Indien beitragen wie auch als Modell und Methode in weitere Entwicklungsländer übertragen werden.
Ständige und weiterführende Bedeutung von Braille
Braille lebt und hat den Test der Zeit bestanden, genauso wie den Wettbewerb und die Konkurrenz durch andere Medien. Braille hat sich durchgesetzt, gegenüber den Tonbandgeräten wie den Audio-Technologien und Low Vision-Hilfsmitteln. Vor dem Hintergrund der heutigen Bedeutung von Wissenschaft und Mathematik belegen intensive Studien über Sehgeschädigte den Stellenwert (Ehrenplatz) von Braille in der Ausbildung wie im gesamten Lebenszyklus der Sehbehinderten.
Es ist wichtig hier zu erwähnen, dass die anfängliche Euphorie bei der Einführung von Low Vision-Hilfsmitteln in Entwicklungsländern, wie asphärischen Linsen und Projektionsgeräten, inzwischen abgeebbt ist. Denn Übervergrößerung reduziert das Sichtfeld und periphere Verzerrungen führen zu ähnlichen Symptomen wie Legasthenie. Wenn nicht eine technologische Revolution, ein Wunder geschieht, dann wird Braille auch künftig das tonangebende System sein, das blinde und sehbehinderte Menschen den Zugang zu Wissen als maßgebliche Quelle für ihr „Empowerment“ garantiert.
Die Brailleschrift kam durch christliche Missionare nach Indien. Die erste Blindenschule entstand 1887 in Amritsar im nördlichen Staat Punjab. Eine Schule kann aber nicht wirklich funktionieren, ohne dass die Schüler lesen und schreiben lernen. So entwickelten die Blindenschulen zunächst eigene Braillesysteme mit der Folge, dass es im Jahre 1947, als Indien unabhängig wurde, zehn verschiedene Braillesysteme gab. Nach einer UNESCO-Konferenz wurden 1951 dann für die drei großen indischen Sprachfamilien einheitliche Standards festgelegt.
Danach galt es, die Brailleschrift auch in der Blindenlehrerausbildung zu verankern. Solche Ausbildungsgänge entwickelten sich systematisch ab Mitte der 60er Jahre und wurden später für Primar- und Sekundarschulen ausdifferenziert. Schließlich kam es 1992 zur Verabschiedung eines Gesetzes über einen indischen Rehabilitationsrat (RCI), der besondere Curricula auch für Blindenlehrer entwickelte und an die Universitäten weitergab.
Vermittlung von Braille in Programmen der Blindenlehrerausbildung
Während 18 Universitäten Blindenlehrerausbildung im Präsenzunterricht auf verschiedenen Niveaus im Bereich von Bachelor-Studiengängen betreiben, sind es 21, in denen diese Ausbildung im Fernunterricht erfolgt. Die so ausgebildeten Lehrer arbeiten sowohl in besonderen Blindenschulen wie in allgemeinen Schulen mit blinden Kindern. Bei den Kursen mit Präsenzunterricht werden jährlich bis zu 25 Lehrer ausgebildet, in den Fernkursen sind es 40.
Im Bereich von Master-Studiengängen werden Kurse im Präsenzunterricht von neun Universitäten und im Fernunterricht von vier Institutionen angeboten. Dabei sind Grundlage des Curriculums die Modellempfehlungen des RCI. Die Umfrage zeigt, dass Braille in allen Bachelor-Curricula enthalten ist, allerdings nur in einem Master-Studiengang.
Die im Rahmen der Bachelor-Studiengänge für das Erlernen von Braille angesetzte Punktzahl schwankt anteilsmäßig zwischen 1,5% und 20% der Gesamtnote und zwischen 4,4% und 34,9% im Praxisbereich. Diese und weitere Zahlen zeigen, dass es hier – im Gegensatz zu den ebenfalls vorhandenen 24 Diplomstudiengängen, die einheitlich überwacht werden - keine Standardgewichtung gibt.
Herkömmliche Universitäten verwenden 60-100 Stunden auf das Lehren der Brailleschrift bei einem Stundendeputat von 1080-1320 insgesamt. Bei Fernuniversitäten sind es nur 30 Stunden. Prüfungen werden – mit Ausnahme von zwei Universitäten – extern abgenommen.
Die Lehrmethoden
Mit welchen Methoden Braille unterrichtet wird, wurde durch Interviews an vier herkömmlichen Universitäten und einer Fernuniversität ermittelt. An zwei Universitäten wurde mit einem 7-Zeilen-Prinzip gearbeitet, während die Lehrkräfte ihren Studierenden im Übrigen einzelne Punktkombinationen von Vokalen, Konsonanten und Satzzeichen diktierten, die sie auswendig lernen und üben mussten.
Der Autor dieses Beitrags selbst unterrichtete Braille an einer herkömmlichen Universität, indem er den Studierenden zunächst nur wenige Buchstaben vorgab, aus denen dann Wörter geschrieben werden konnten, ohne Kurzschrift zu verwenden. Zuvor hatten die Studierenden das Prägen der Punkte bzw. von Punktkombinationen erlernt. Sodann wurde die Zeichenliste erweitert. Auch wurden – wenn sinnvoll – Kürzungen und die mit ihrer Verwendung verbundenen Regeln gelehrt. Die Interviews ergaben, dass bisher kein Standardlehrbuch zum Erlernen der Blindenschrift existierte, was sich jetzt aber durch die Veröffentlichung eines Regelwerks ändern soll.
Empfehlungen
Der RCI als oberstes Aufsichtsgremium über die Lehrerausbildung für behinderte Schülerinnen und Schüler sollte folgende Maßnahmen zur Verbesserung der Lehrerausbildung treffen:
- Bislang gibt es keine verbindlichen Regeln dafür, wie viele Punkte für das Erlernen der Brailleschrift vergeben werden. Hierfür gilt es, Richtlinien zu erstellen. 15% der Abschlussprüfung sollten sich hierauf beziehen.
- Die Brailleschrift sollte auch im Curriculum für Master-Studiengänge enthalten sein.
- Der Rat sollte ein Lehrbuch für das Unterrichten der Blindenschrift herausgeben. Dabei kann er sich nach der Evaluation seiner Effizienz an dem Muster orientieren, das der Autor in seinem Unterricht verwendet hat.
- Der Rat sollte die Universitäten, die das nicht tun, auffordern, die Prüfungen extern durchführen zu lassen.
- Für Lehrende sollte alle fünf Jahre eine Prüfung ihrer Brailleschrift-Kenntnisse verpflichtend sein.
- Es erscheint sinnvoll, weitere Untersuchungen zur Frage des Lehr- und Lernverhaltens durchzuführen.
- Die technischen Möglichkeiten zur Unterrichtung der Brailleschrift sollten angemessen modernisiert werden.
Schlussfolgerung
Anhand der vorgestellten Ergebnisse muss dem Unterricht der Blindenschrift auch künftig weiter große Aufmerksamkeit gelten. Dabei kommt den Universitäten, den Blindenorganisationen und der Regierung eine entscheidende Rolle zu, damit die Brailleschrift weiter ihre herausragende Stellung in den Lehrerausbildungsprogrammen erfüllen kann, die sie so sehr verdient.
Zum Autor
Professor Dr. Shree Ram Mittal ist seit 1988 am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Universität Delhi tätig. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt im Bereich des kindlichen Erwerbs von Braille-Lese- und –Schreibkompetenzen. Im Jahr 2008 wurde er für seine herausragende Lehrtätigkeit mit dem mit dem Gandhi National-Preis ausgezeichnet. Seinen Redebeitrag zum Weltkongress Braille21 in Leipzig gibt unsere deutsche Übersetzung gekürzt wieder. Die Tagungsdokumentation mit dem englischen Originalvortrag wird durch die DZB Leipzig zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zur Verfügung gestellt. Wenn Sie an einem Exemplar interessiert sind, wenden Sie sich bitte an die Kongressmanagerin Jenni Schwan (Telefon 0341 / 7113-162 oder E-Mail: info@braille21.net)
Der Schwarzschriftausgabe ist ein Autorenfoto beigefügt, es zeigt den Professor im frontalen Portrait mit dunkler Sonnenbrille, kurzem, zurückgekämmtem weißem Haar und hellem Hemd.
George Bell: Braille-Mathematikschrift - Automatisierung des Unmöglich scheinenden
von George Bell, Vorsitzender der Gruppe Braille-Produktion und Technologie der Britischen Gesellschaft für zugängliche Formate (UKAAF)
In den letzten fünf bis zehn Jahren gab es große Fortschritte bei der durch Computersoftware automatisierten Produktion von mathematischem Material. Bis vor Kurzem erfolgte die Eingabe von Braille-Mathematikschrift jedoch auf manuellem Wege. Seit zwölf Monaten arbeitet eine Gruppe von Experten aus unterschiedlichen Bereichen in einem einzigartigen Projekt zusammen. Das Ergebnis ist ein großer Schritt vorwärts und beweist, dass Braille-Mathematikschrift mit einem PC und mit oftmals schon vorhandener bzw. erschwinglicher Software automatisiert produziert werden kann. In dieser Präsentation zeigen wir, wie aus einem gut vorbereiteten Word-Dokument nicht nur mathematisches Braille, sondern auch Großdruck hergestellt werden kann. Als Gruppe Braille-Produktion und Technologie der Britischen Gesellschaft für zugängliche Formate (UKAAF, www.ukaaf.org), ist es unsere Aufgabe, sich mit verschiedenen Problemen auseinanderzusetzen, die von Braille Übertragern und Produzenten gesehen werden. Braille-Mathematikschrift ist für uns von großer Bedeutung. Für dieses Gebiet gibt es nur sehr wenige Experten, und die meisten verwenden den "Perkins Brailler" für die manuelle Braille-Eingabe. Noch bevor unsere Gesellschaft sich offiziell "UK Association for Accessible Formats" nannte (zuvor hieß sie "Braille Authority of the United Kingdom" [BAUK]), hatte ich herauszufinden, was notwendig war, um die Produktion von Blindenmathematikschrift in Großbritannien zu verbessern. Es gab keinen Zweifel: Das, was notwendig war, erforderte viel Zeit, Mühe und vor allem die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Organisationen und Gruppen.
Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass die britische Braille-Mathematikschrift recht weit verbreitet ist und auch in vielen anderen Ländern auf der ganzen Welt eingesetzt wird. Da viele Länder solche der Dritten Welt sind, spielen die Kosten, die bei der Umsetzung entstehen, eine wichtige Rolle. In einigen Ländern, insbesondere in der Dritten Welt werden blinde Kinder in Mathematik nicht einmal unterrichtet.
Der britische Mathematik-Braille-Code ist im Wesentlichen in einer Publikation namens "Braille Mathematische Notation" (BMN) definiert, sie ist frei als PDF- und Brailledatei verfügbar unter www.ukaaf.org/original-bauk-site. Es gab wirklich keine andere Wahl, als diese Publikation zu verwenden. Man hat sie schließlich mithilfe eines Braille-Übersetzungsprogrammes umgesetzt und konnte sehen, was dabei herauskam.
Die erste Aufgabe war es jedoch, die Original-PDF-Datei in ein gut nutzbares elektronisches Format zu konvertieren. So wurde eine Mischung aus Text und rund 400 mathematischen Beispielen daraus, und es war insofern etwas entmutigend, da die ursprüngliche PDF-Datei nichts mehr mit der neu entstandenen zu tun hatte. Nun musste man entscheiden, welche Software zur Eingabe von Mathematik verwendet werden sollte. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, es genügt zu sagen, dass die Kosten ein wichtiger Faktor waren. Aus diesem Grund war "MathType", ein "Add-On" in Word für Windows, am besten geeignet. Zwar gibt es mathematische Scann-Pakete, doch diese sind teuer. Aber in naher Zukunft hofft man weitere Anwendungen wie den" INFTY Reader" zu untersuchen (www.inftyreader.org). Daher wurde das PDF-Dokument mit einer „Lite“-Version des "ABBYY Fine Readers" mit einem sehr billigen Handscanner gescannt. Jedes der etwa 400 mathematischen Beispiele wurde mit "MathType" eingegeben. Die nächste Aufgabe könnte als unnütz angesehen werden, aber am Ende erwies sie sich als außerordentlich wichtig für unsere Arbeit: Alle Teile wurden mit Strukturmerkmalen ausgezeichnet und verlinkt.
Wir hatten nun ein Word-Dokument, das sehr gut navigierbar war, und wir hatten auch Vieles über die Verwendung von Word und "MathType" gelernt. Jetzt war es Zeit, die gesamte Datei durch einen Braille-Übersetzer zu schicken. Dazu verwendeten wir eine Version des Duxbury Braille Translators (DBT). Duxbury hatte schon seit einiger Zeit mit MathType gearbeitet. Doch somit konnte man gleichzeitig den Entwicklungsstand von Duxbury testen. Ich will nicht leugnen, dass der erste Versuch eine große Enttäuschung war. Wie konnte es so viele Fehler geben? Ich war im Begriff, ernsthaft Mathematikunterricht zu nehmen - ein Fach, dem ich mich seit dem Verlassen der Schule vor 50 Jahren nicht mehr gewidmet hatte. Dennoch war der eingeschlagene Weg zu prüfen, da viele Braille-Übertrager in einer ähnlichen Situation sein würden. Zu den häufigen Fehlern zählte, dass die griechischen Buchstaben nicht als solche gekennzeichnet waren. Als Beispiel zeige ich B und Β. Der zweite Buchstabe ist eigentlich der griechische Großbuchstabe Beta, aber optisch sehen beide gleich aus. Für technisch Interessierte ist das erste Zeichen Unicode 0041 und das zweite Unicode 0392. Ebenso u und ʊ (der griechische Kleinbuchstabe Ypsilon). Weitere Fehler entstanden, wenn der Autor „2 x 2 = 4“ geschrieben hatte, denn „x“ darf nicht verwendet werden, es muss stattdessen das Multiplikationszeichen „*“ benutzt werden. Als zusätzliche Aufgabe galt es also, die Liste der mathematischen Zeichen zu überprüfen und vor allem die Unicode-Werte hinzuzufügen, damit offensichtlich ist, was die einzelnen Zeichen bedeuten. Das reduzierte die Zahl der Fehler ganz erheblich, und wir konnten uns jetzt auf die Suche nach den "echten" Fehlern begeben.
Ich muss sagen, dass ich mich beim nächsten Mal sehr ängstlich dem Übersetzungsprogramm Duxbury näherte, aber ich hatte die Problemlösungskompetenz der Entwickler unterschätzt. Ich habe viel später festgestellt, dass mein Hauptansprechpartner, ein Screenreadernutzer, in Mathematik promoviert hat. Es war unschätzbar wichtig, dass der Leiter des Unternehmens ein begeisterter Mathematiker ist und dass uns die volle Aufmerksamkeit und Unterstützung eines Leiters des Fachbereichs Mathematik bei einem großen britischen College gilt. In der Tat war er es, der mich als Erster aufgefordert hatte, die ganze Sache anzugehen. Darüber hinaus kamen auch Rat und Hilfe von verschiedenen Mitgliedern der UKAAF.
Fehlende Kommata, falsche Klammern, falsche Kennzeichnung von Operatoren … - die weitere Analyse der Fehler zeigte, dass man diese in acht grundlegende Kategorien aufteilen konnte …
Für Interessierte
Diesen Redebeitrag zum Weltkongress Braille21 in Leipzig gibt unsere deutsche Übersetzung gekürzt wieder. Nach mehr als 1000 Stunden Arbeit können heute Schülerinnen und Schüler bis einschließlich Sekundarstufe 1 die britische Braille-Mathematikschrift schneller und einfacher übertragen als jemals zuvor. Wie es weiterging? Lesen Sie die Tagungsdokumentation, die den englischen Originalvortrag enthält. Sie wird durch die DZB Leipzig zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zur Verfügung gestellt. Die Tagungsdokumentation wird in Schwarzschrift, digital und in Brailleschrift herausgegeben. Wenn Sie an einem Exemplar interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an die Kongressmanagerin Jenni Schwan (Tel.: 0341 7113-162, E-Mail: info@braille21.net).
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt den Autor während seines Redebeitrages in einem Hörsaal am Zentralcampus. Die Gestik ist ausdrucksvoll, er wirkt engagiert. Der Redner trägt ein dunkles Hemd, in seinem Rücken erscheint eine Tabelle aus seiner Präsentation.
Kevin Carey: Kann Braille überleben?
von Kevin Carey, Vorsitzender des Royal National Institute of Blinde (RNIB), Großbritannien
Wenn Braille das 21. Jahrhundert überlebt, dann in erster Linie als Downstream-Lese-Medium unserer digitalen Umgebung (Internet und Cloud Computing). Braille muss sich neu erfinden: als Massenmedium, das einfacher ist, billiger und leichter zu erstellen.
Wir könnten kaum an einem besseren Ort als Leipzig sein, der Heimat von J. S. Bach, um eine Diskussion über Blindenschrift im digitalen Zeitalter zu beginnen. Denn zum ersten großen kommerziellen Opfer des Internets wurden die "Großen Sechs" der Musikbranche. Innerhalb eines Jahrzehnts verschob sich der Gewinn aus Musik-Verkäufen radikal von den Plattenfirmen zum Online-Vertrieb um Apple’s iTunes. Anstatt die Gesetze im neuen Markt der frühen 90er Jahre zu begreifen, nahm die Musikbranche damals eine defensive Strategie ein, wurde vorübergehend von Peer-to-Peer-Angeboten wie der Musiktauschbörse Napster abgedrängt, um dann gegenüber einem Apple-Angebot zu kapitulieren, das ihnen einen Mittelweg wies zwischen der alten Vorherrschaft und schierer Piraterie.
Und während ich hier spreche, wandeln sich die Gewinnmargen aus Büchern, bewegen sich von den vertraglich bindenden Verlagen hin zu den Print-Äquivalenten der Plattenfirmen und weiter zu Amazon, Kindle und Apple. Trotz der gewichtigen Rolle der Verlage beim Aussortieren der Anwärter, dem Trennen von Spreu und Weizen, hatten die Händler sie von Anfang an im Würgegriff. Denn sie konnten über die Verbreitung in Ladenketten und Supermärkten entscheiden. Heute sind es zunehmend die digitalen Distributoren, die auf große Mengen und geringe Margen setzen.
Nun, ob Sie dem zustimmen oder nicht, der springende Punkt bei digitaler Herstellung und Konsum sind die radikal gesenkten Produktions- und Vertriebskosten. Mit anderen Worten: im analogen Zeitalter wurden die Produzenten mit einem großen Teil der Umsatzmarge belohnt, während durch die radikal gefallenen Produktionskosten der Gewinn mittlerweile zunehmend an die Händler geht.
Parallel dazu haben sich Machtverhältnisse vom Herausgeber zum Selbstverleger verschoben. Ein aufstrebender Autor legt heute Wert auf sein E-Book, investiert in ein Print-on-Demand-Geschäft und betreibt ein eigenes Internet-Marketing. Währenddessen benötigte ein Autor im analogen Zeitalter noch einen Verleger, der seine Arbeit akzeptiert und für den Druck in Druckvorlagen und -platten, bzw. für den Audiobereich in Spuraufnahmen und Master recording investiert.
Was hat das alles mit dem gegenwärtigen Zustand und der Zukunft der Blindenschrift zu tun? Bevor ich diese Fragen beantworte, möchte ich eine persönliche Anmerkung einfügen. Ich habe Braille im Alter von drei Jahren gelernt und Braille als mein literarisches Standbein mein ganzes Leben lang benutzt. In Grund- und Hauptschule, in zwei Universitäten, am Arbeitsplatz, in meinen Romanen und in der Lektüre der Werke anderer Menschen. Ich habe mehr als 30 Braille Druckmaschinen in Afrika, Asien, Australien, Europa und Nord-und Südamerika besucht. Ich sah meine erste Braillezeile im Jahr 1978 und meinen ersten Computer basierten Brailledrucker im Jahr 1979. Ich habe die „erste Braille-Druckerei jenseits des Westens" gegründet: im Nairobi-Afrika-Braille-Center im Jahr 1987 und habe RNIB gegenüber der Braille Autorität des Vereinigten Königreichs repräsentiert (Anm.: RNIB-Patronin ist Her Majesty The Queen). Ich sage dies, weil man mir als Überbringer schwieriger Botschaften zum Thema Blindenschrift in den vergangenen Jahren oft den Vorwurf mache, ich sei nicht loyal, kenne mich nicht aus oder sei provokativ.
Einige grundlegende Vorschläge, die für das Überleben von Braille als lebendige Lese-Vehikel m. E. unerlässlich sind, stelle ich unter die folgenden drei Überschriften:
- Produktion und Verbrauch,
- Marketing und Produktion,
- Lernen und Lehren.
Produktion und Verbrauch
Was also können wir lernen aus der Musik- und Verlagsbranche? Erstens, die Brailleproduktion muss demokratisiert werden. Zweitens, das Produkt muss billig und leicht anzuwenden sein und drittens, die Benutzeroberfläche bzw. das Hilfsmittel muss billig sein.
Demokratisierung: Meine Geschichte beginnt in Gangtok, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Sikkim, wo ich fünf blinde Schüler Braillemanuskripte mit Stift und Rahmen kopieren sah, die beim Duplizieren ihre eigenen und die Fehler ihrer Vorgänger hinzufügten. Es erinnerte mich an die Prozesse und Fehler, mit der einst klösterliche Handschriften entstanden und die Frage, die das große Buch Umberto Ecos „Der Name der Rose“ aufwirft: ob der Zweck der Bibliothek darin besteht, Bücher für oder vor der Öffentlichkeit zu schützen.
Die Brailleschrift hatte eine monastische Tradition in dem Sinne, dass ihre Produzenten und Aufsichtsbehörden aus sich selbst erhaltenden und auch selbst ernannten Institutionen kommen.
Und trotz der Entwicklung von Computer-Braille, wird der Großteil des Materials für den allgemeinen Verbrauch noch immer in Institutionen produziert, die aus der Tradition der analogen Braille-Platten-Herstellung und –Druckmaschinen kommen. Das ist die Welt des Bibliothekars, des Aufsehers, der Buch-Auswahlkommission und an einigen Stellen auch der Zensur. Dies ist die Welt, wo als einzig akzeptierte Qualitätskomponente die Stimmigkeit des Codes gilt, wo Aktualität nicht zählt. Es ist auch die Welt, die eine enorme Menge an Blindenbudget verschlingt, das relativ wenigen Menschen dient: Geburtsblinden, Hochgebildeten, Arbeitnehmern und Schülerinnen und Schülern. In den meisten Ländern handelt es sich also um einen Elite-Service für eine elitäre Klientel.
Der einzige Weg wie Braille überleben kann, ist der radikale Ausbruch aus dieser elitären Ecke. Die wichtigste Methode für einen solchen Ausbruch sind kostengünstige Werkzeuge zur Erzeugung von Brailledateien aus gescannten Texten und aus üblichen Text-Formaten wie Word und XML. Scanner und preiswertes Werkzeug wird eine enorme Menge an Blindenschrift sehr billig erzeugen. Die Ergebnisse werden nicht perfekt sein, aber diesen Anspruch stellt man auch weder an Zeitungen noch an die meisten Taschenbücher. Was Braille an Code-Qualität verliert, wird der Gewinn an Aktualität nicht nur wettmachen, sondern übertreffen. Ich zumindest möchte meine Fußballspiele kennen, bevor die Saison beginnt - wenn nötig mit ein paar Fehlern – und nicht erst nach der halbem Saison. Ich möchte mit meinen Freunden über Bücher diskutieren, wenn sie in gedruckter Form veröffentlicht werden und nicht erst zwei Jahre später. Es ist schwierig genug als blinde Person seinen Intellekt unter Beweis zu stellen, auch ohne diese zusätzliche Behinderung.
Ein weiterer Punkt: Der Schwerpunkt der Entwicklung von Transkriptionssoft- und -hardware lag seit den späten 1970er Jahren auf der Code-Übersetzung. Weit weniger Aufmerksamkeit kam einer sinnvollen Makrogestaltung zu. Tatsächlich gibt es wirklich keine vernünftige Gesetzgebung zu bestimmten Aspekten des Layouts wie Überschriftenebenen. Selbst die RNIB, der ich vorsitze, respektiert das eigene, wunderbar prägnante Brailleproduktionshandbuch nicht immer.
Günstig und einfach anzuwenden: Zweitens muss die Blindenschrift, die wir erhalten, billig und leicht anzuwenden sein. Das bedeutet vor allem, Schaffung einer einfachen Vorgabe des Braille-Codes für jede Sprache. Einst hatte ich gedacht, dies sei eine wirklich klare, einfache Aussage, aber sie wurde so gründlich missverstanden, dass ich meine Worte hier wiederholen möchte. Wofür ich eintrete, ist ein einfacher nichtkontrahierter Braille-Code für jede Sprache, der als Standard-Code für Dateien und Dokumente verwendet wird. Und dass komplexere (zusammengezogene) Formen der Brailleschrift, denjenigen zur Verfügung stehen, die sie speziell brauchen. Blinde Kinder mit der Aussicht auf Sekundar- oder Hochschulausbildung mögen Kurzschrift kennen genauso wie Fachleute und geburtsblinde, schnell lesende Freizeitleserinnen und -leser. Aber der Standard der Komplexität sollte nicht über alle (potentiellen) Braille-Leser verhängt werden, nur weil ein paar hochqualifizierte Fachkräfte meinen sie bräuchten ihn.
Dies ist ein wichtiges Verbraucheranliegen, aber in Hinblick darauf, wie Organisationen funktionieren, ist es auch ein wichtiges psychologisches Problem, weil die meisten Braille-Produktions-Institutionen und ihre Code-Autoritäten im Gerangel um Standards Jahrzehnte verschwendet haben. Es ist wie eine Art von religiösem Ritus oder kabbalistischem Ritual und nicht von Belang für die große Mehrheit der potenziellen Braille-Leseinnen und -Leser. Die übliche Frage, die in diesen obskuren Code-Streitigkeiten gestellt wird, ist, was die bestehende Kundschaft wünscht. Die viel wichtigere Frage ist, was die Nicht-Braille-Leser dazu bringen würde, Braille zu nutzen und damit den Markt wachsen zu lassen. Eine Vorgabe für einen Standard-Vollschrift-Code würde es uns auch erlauben, einen Markt für die Konsumenten zu schaffen. Damit könnten auch diejenigen angesprochen werden, die Blindenkurzschrift wünschen, denn es gäbe einen Preisunterschied. Mit niedrigen Kosten produziertes Braille wäre unkontrahiert und günstiger, genau wie Massenproduktion. Damit gäbe man den Verbrauchern die Wahl, ob sie von einem Braille-Verlag kaufen. Wie ich bereits gesagt habe, was wir brauchen ist weniger Erwerb und mehr Selbst-Produktion. Mit einem relativ einfachen Scanner und PC kann ich eine brauchbare Datei eines durchschnittlichen Romans herstellen und sie mit einem kleinen Drucker innerhalb eines Arbeitstages ausdrucken. Das einzige Problem, neben der Zeit, sind die Kosten für das Papier. Braille-Verlage sollten die Wettbewerbsfähigkeit solcher Produktionen im Blick haben und Endbenutzern hier Zuschüsse gewähren.
Benutzeroberfläche bzw. das Hilfsmittel: Als letztes der drei Kriterien geht es um die Benutzeroberfläche bzw. das Hilfsmittel. Solange bis wir die Kosten für Braillezeilen radikal reduzieren können, ist die Bedeutung der Entwicklung von Produktions-Tools und einer Vorgabe für einen einfachen Code begrenzt. Es gibt einige Stimmen, die sagen, Blinden- und Sehbehindertenorganisationen sollten dem Hilfsmittelmarkt fernbleiben, aber das derzeitige Kartell hat nicht automatisch das Recht zu existieren. In den letzten 30 Jahren ist der Preis von Braillezeilen nur langsam gesunken, während die Preise der meisten anderen Consumer-Elektronik-Güter sehr deutlich gefallen sind.
Aus vier Gründen braucht die Welt ein globales Konsortium, um in eine günstige Braillezeile zu investieren: Erstens wird es für massive Einsparungen bei Brailledruckereien sorgen und damit Möglichkeiten eröffnen, die Palette der Datei-Angebote zu erweitern und Braillezeilen Einzelpersonen kostengünstig bzw. kostenlos zur Verfügung zu stellen. Zweitens wird es den Nutzern die Wahl lassen, zwischen Lang- und Kurzschrift zu entscheiden. Drittens wird es Braille-Neulingen ermöglichen, Blindenschrift zu hören und mit ihren Fingern gleichzeitig zu lesen. Viertens wird es Standard-E-Books in taktiler Form zugänglich machen, ohne Rückgriff auf einen spezialisierten Blindenschriftverlag. RNIB hat bereits begonnen, in ein solches Gerät zu investieren, und wir suchen Partner.
Für Interessierte
Diesen Redebeitrag zum Weltkongress Braille21 in Leipzig gibt unsere deutsche Übersetzung gekürzt wieder. Kevin Carey führte in seinem Vortrag weiterhin die Punkte „Marketing und Produktion“ sowie „Lernen und Lehren“ aus. Die Tagungsdokumentation, welche den englischen Originalvortrag enthält, wird durch die DZB Leipzig zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zur Verfügung gestellt. Die Tagungsdokumentation wird in Schwarzschrift, digital und in Brailleschrift herausgegeben. Wenn Sie an einem Exemplar interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an die Kongressmanagerin Jenni Schwan (Tel.: 0341 7113-162, E-Mail: info@braille21.net).
Bücher
Manfred Fuchs: Blindenschrift: Schriftartkürzel und Umfangsangaben
von Manfred Fuchs
Hochmotiviert sind wir alle vom Weltkongress Braille21 zurück, an dessen Ausführung sich DVBS und blista als Partner personell und finanziell beteiligten. Viele Eindrücke gilt es zu verarbeiten, viele neu geknüpfte und bestehende Kontakte weiter auszubauen, mit dem Ziel, Blindenschrift weiterhin interessant und nutzbar zu machen.
Die blista wird weiterhin u.a. in der Braille-Druckerei viele bekannte und neue Bücher in Blindenschrift zugänglich machen und durch ihre Reihe „Marburger Systematiken und Übungsbücher“ versuchen, die Blindenschriftaus- und -weiterbildung zu unterstützen und zu fördern. Nähere Informationen finden Sie in unserem Onlinekatalog auf der Homepage der blista (www.katalog.blista.de) oder in verschiedenen Listen und Veröffentlichungen.
Um die Angaben in den Veröffentlichungen vergleichbar zu machen, wurden verschiedene Schriftartkürzel und Umfangsangaben festgelegt. Sie werden hier zusammenfassend aufgeführt.
Schriftartkürzel
v. = Vollschrift
rv. = reformierte Vollschrift (ab 1972; modifiziert ab 1984)
V.98 = Vollschrift für alte Rechtschreibung*
VR. = Vollschrift für neue Rechtschreibung*
k. = Kurzschrift (bis 1972)
rk. = reformierte Kurzschrift (ab 1972; modifiziert ab 1984)
K.98 = Kurzschrift für alte Rechtschreibung*
KR. = Kurzschrift für neue Rechtschreibung*
st. = Stenoschrift vor 1974
rst. = Stenoschrift von 1974 bis 2002
st.02 = Stenoschrift nach Reform 2002
D. = PC-lesbarer Datenträger (z.Z. CD)
Dateiendungen:
.prt = Braille-Schrift (nur für Braille-Zeile)
.pdf = Blindenschriftbücher als navigierbare Datei
für Braille-Zeile und Sprachausgabe
*gemäß den Wiener Beschlüssen von 1998
Umfangsangaben:
H. = Heft
Hbd. = Halbband
Hbde. = Halbbände
Bd. = Band
Bde. = Bände
Schlussbemerkung
Diese Aufstellung zeigt die heute in der blista verwendeten Abkürzungen. Aufgrund der Weiterentwicklungen ist sie nicht statisch, sondern wird immer wieder angepasst und ergänzt werden. Die Entwicklung bleibt spannend. So haben wir ein erstes Buch hergestellt, in dem Blindenkurzschrift und DAISY kombiniert wurden (DIN 18040-1, Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen - Teil1: Öffentlich zugängliche Gebäude; Berlin: Beuth Verlag GmbH, 2010. Best.-Nr. Blindenschriftbuch: 4692; Leih-Nr. Blindenkurzschrift-DAISY-Buch: 692581). Wir werden seitens der blista über Neuheiten immer wieder informieren.
Buchtipps aus der blista-Brailledruckerei: Systematiken der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V.
Systematische Anleitung zur Übertragung literarischer, besonders auch wissenschaftlicher Texte in Punktschrift.
Verfasst von Gerhard Katz, Gisela Lütgens und Günther Kappel unter Mitwirkung von Rainer F. V. Witte, Manfred Fuchs und Ernst-Dietrich Lorenz. (Marburger Systematiken der Blindenschrift; 20). Überarbeitete Neuauflage 2000.
– Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt e.V., 2000.
KR., 28,20 €, 1 Bd., 206 S., Bestellnr.: 3099
D., 28,20 €, Bestellnr.: 3099.prt
s., 28,20 €, 194 S., Bestell-Nr.: 7605, ISBN 3‑89642‑016‑X.
Inhaltsübersicht: §1 Titelblatt, §2 Klappentext, §3 Inhaltsverzeichnis, §4 Bemerkungen zur Punktschriftausgabe, §5 Vorwort, §6 Gliederung von Texten; Überschriften, §7 Seitenzählung, §8 Fußzeilenindex, §9 Orthographie und Zeichensetzung, §10 Hervorhebungen des Schwarzdrucks, §11 Fremdsprachliches in deutschen Texten, §12 Mathematische Zeichen und Formel, §13 Aufzählung, §14 Tabellen und Graphiken, §15 Fußnoten und Anmerkungen, §16 Register, §17 Poetische Texte, §18 Theaterstücke, §19 Wörterbücher und Wörterverzeichnisse in Schulbüchern, §20 Gesetzestexte.
Theiß-Klee, Heidi: Punktschrift für Anfänger. Wie erlerne ich als Sehender die Blindenvollschrift?
- Marburg/Lahn: Deutsche Blindenstudienanstalt e.V., 2006. 3., überarbeitete Neuausgabe in neuer Rechtschreibung. s., 12,70 €, 44 S., Bestellnr.: 7639, ISBN 978-3‑89642-024-4.
Jeder, der einen blinden Angehörigen in der Familie hat, beruflich mit blinden Menschen arbeitet oder auf andere Art Kontakt mit Blinden hat, steht mehr oder weniger verwundert vor der Blindenschrift. Diese hat in gewisser Weise den Mythos einer Geheimschrift, da sie auf den ersten Blick für den Außenstehenden nur schwer oder gar nicht entzifferbar wirkt.
Viele fragen sich dann: Kann ich dieses Sammelsurium von Punkten auch lernen? Oder braucht man Wochen, Monate, wenn nicht Jahre, um das System der Punktschrift zu beherrschen? Lese ich es als Sehender auch mit den Händen oder mit den Augen?
Auf diese und andere Fragen gibt Ihnen das vorliegende Heft eine Antwort. Dieses Lernheft ist in verschiedene Lektionen unterteilt, die jeweils nach der Theorie mit Schreib- und Leseübungen versehen sind. Es berücksichtigt die neueste Blindenschrift-Systematik.
Theiß-Klee, Heidi: Punktschrift für Anfänger.
Braille-Ausgabe der Lese- und Schreibübungen. Enthält nur das Lösungsheft.
- Marburg/Lahn: Deutsche Blindenstudienanstalt e.V., 2006.
rv., 5,10 €, 1 H., 36 S., Bestellnr.: 3983
D., 5,10 €, Bestellnr.: 3983.prt
Theiß-Klee, Heidi: Braille Grade II.
Die Einführung der englischen Blindenkurzschrift im Unterricht mit deutschsprachigen Schülern. (Marburger Systematiken der Blindenschrift; 7).
- Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt e.V., 1993.
s., 28,20 €, 98 S., Bestellnr.: 7778
Theiß-Klee, Heidi: Braille Grade II.
Lese- und Schreibübungen aus „Die Einführung der englischen Blindenkurzschrift im Unterricht mit deutschsprachigen Schülern“. (Marburger Lehr- und Übungsbücher der Blindenschrift; 5a).
- Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt e.V., 1993.
rk./engl. k., 17,90 €, 1 Hbd., 70 S., Bestellnr.: 3689
D., 17,90 €, Bestellnr.: 3689.prt
Onlinekataloge
Die Deutsche Blinden-Bibliothek stellt Bücher in Blindenschrift und DAISY-CDs zur kostenlosen Ausleihe zur Verfügung. Ihr Archiv, als wissenschaftliche Präsenzbibliothek des Blindenwesens, umfasst ca. 50.000 Bücher und Zeitschriften in Normalschrift sowie eine Sammlung internationaler Kinder- und Jugendbücher. Unsere Onlinekataloge sind unter folgenden Links zu erreichen: www.blista.de/bd/katalog, www.blista.ws/dbb/katalog bzw. http://medibus.info
Bestellung
Gerne schicken wir Ihnen auch unsere komplette Liste mit „Systematiken und Übungsbüchern“ in Punkt- oder Schwarzschrift, bzw. per E-Mail zu.
Ihre Bestellung richten Sie bitte an: Deutsche Blindenstudienanstalt e.V., Postfach 1160, 35001 Marburg, Tel.: 06421 606-0, E-Mail: info@blista.de. Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).
Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schülern
Seit Anfang 2011 ist das Buch „Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schülern. Band 2: Fachdidaktiken“ im Buchhandel erhältlich. Ab sofort ist das Fachbuch auch als Hörbuch im navigierbaren DAISY-Format bei der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte verfügbar und kann über die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) bestellt werden.
Sabine Hahn: Hörtipps: Seelische Gesundheit
von Sabine Hahn
Depression - Ein Ratgeber
Burnout und Depressionen prominenter Menschen werden in der Öffentlichkeit in letzter Zeit häufiger thematisiert. Die Presse bemüht sich, das Thema zu ent-tabuisieren. Es geht darum, Betroffene nicht länger zu stigmatisieren, auch weil immer mehr Menschen im Laufe ihres Lebens an einer behandlungsbedürftigen seelischen Krankheit leiden. Prävention, frühzeitiges Erkennen von Symptomen und angemessene Behandlung können helfen, Leben zu erhalten, und dies ist sicher nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten lohnenswert.
Doch noch immer ist das Wissen um seelisches Leiden gering. Hier will das Forum für seelische Gesundheit weiterhelfen. „Depression: Ein Ratgeber“ heißt die 58-seitige Broschüre. Woran erkennt man eine Depression? Was ist Suizidgefahr? Wie wird eine Depression behandelt? Was können Angehörige und Freunde tun? Mit Adressen, Literaturtipps und einem Frageboten zum Selbsttest liegt hier ein gut lesbarer, sachlicher Einstieg ins Thema vor. Die Lektüre hilft, Überforderung von Erkrankten als auch Helfern zu vermeiden.
Leben in Balance – Seelische Gesundheit von Frauen
Die seelische Gesundheit insbesondere berufstätiger Frauen stellt eine zweite Broschüre in den Vordergrund, die das Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben hat. Denn Frauen aller Altersgruppen sind besonders gefährdet. Oft fehlen in ihrem im beruflichen Umfeld unterstützende Faktoren wie Wertschätzung und gerechte Honorierung, angemessenes Feedback, Sinn, Handlungsspielräume und Mitsprachemöglichkeiten. Deshalb rufen die Autoren dazu auf, zur eigenen Psychologin zu werden: Welche Möglichkeiten für Veränderungen gibt es, wie kann Ausgleich oder Entspannung bewerkstelligt werden? Und welche Unterstützung kann der Betrieb geben? Eine anregende Broschüre, die sowohl Frauen als auch Arbeitgebern ans Herz gelegt werden kann. Sie hilft dabei, hellhörig zu werden für die Bedingungen, die seelisches Leid hervorrufen können, und gibt Mut zu verändern, was veränderbar ist.
Forum für seelische Gesundheit (Hrsg.): Depression: Ein Ratgeber. Mainz, ca. 2010. Gelesen von Eva Harlekin, Dauer 1:30 Stunden, Bestellnummer 6717, € 11,25 (zzgl. Porto und Versand).
Bettina Begerow und Matthias Mozdzanowski: Leben in Balance – seelische Gesundheit von Frauen. Hrsg. im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit vom Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation GmbH an der Deutschen Sporthochschule Köln. Berlin, 3. aktualisierte Auflage, Juli 2011.
Dauer 1:44 Stunden, Bestellnummer 6729, € 13,00 (zzgl. Porto und Versand).
Zum Kombi-Preis von € 22,00 inkl. Porto und Versand erhalten Sie beide Titel zusammen auf einer CD.
Bestellungen nimmt der DVBS-Textservice, Frauenbergstraße 8, 35039 Marburg unter der Telefonnummer 06421 94888-22 oder per E-Mail an textservice@dvbs-online.de entgegen.
In der Schwarzschriftausgabe zeigt die beigefügte Abbildung das Cover des zweiten Hörtipps: Eine junge Frau schaut nachdenklich, sie sitzt in einem Ährenfeld.
Panorama
Landesfachtagung „Wege zur inklusiven Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher“
Am 10. Februar 2012 veranstalten der Blinden- und Sehbehindertenverband Brandenburg e.V. (BSVB), der Landesverband für Blinden- und Sehbehinderten Pädagogik Brandenburg (VBS) sowie die Brandenburgische Schule für Blinde und Sehbehinderte in Königs Wusterhausen gemeinsam eine Landesfachtagung. Das Thema lautet: Wege zur inklusiven Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher. Die Landesfachtagung wendet sich u.a. an Lehrer, die am Heimatort blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche unterrichten, an die zuständigen Schulämter, an betroffene Eltern und Schüler. Der VBS hat die Landesfachtagung mit fünf Punkten zertifiziert. Für die Lehrer ist sie damit eine anerkannte Weiterbildung.
Die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport der Brandenburger Landesregierung, Dr. Martina Münch, ist Schirmherrin der Fachtagung. Das Plenum wird sich am Nachmittag in zwei Arbeitsgruppen teilen: Lehrerinnen und Lehrer der Blindenschule sollen mit Lehrern, die einen gemeinsamen Unterricht durchführen, diskutieren. Im Leben erfahrene blinde und sehbehinderte Menschen sollen mit Eltern betroffener Kinder sprechen. Als Leiter der Arbeitsgruppen konnten Prof. Dr. Irene Krebs von der Technischen Universität Cottbus und Dr. Irma Bürger von der Universität Potsdam gewonnen werden. Andreas Bethke, Geschäftsführer des DBSV, wird zum Abschluss der Tagung die Forderungen der Blindenselbsthilfe an die Politik im Zusammenhang mit inklusiver Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher zusammenfassen. Im Rahmenprogramm zeigen Hilfsmittelfirmen Vergrößernde Sehhilfen, Sprach- und Lesesysteme sowie spezifische Unterrichtsmaterialien. Mit der Koordinierung der Landesfachtagung wurde der BSVB beauftragt, sie soll mit allen Wortbeiträgen und Bildern in einer Broschüre sowie durch eine CD dokumentiert werden.
Neuer Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks
„Setzt euch mit der Situation von behinderten und chronisch kranken Studierenden auseinander. Befragt euch selbst und andere nach Erfahrungen mit diesem Thema. Hört und seht euch an eurer Hochschule um. Versucht, den Hochschulalltag aus der Perspektive von Menschen wahrzunehmen, deren Erfahrungen ganz andere sind als eure eigenen …“, mit seinem 26. Plakatwettbewerb fragt das Deutsche Studentenwerk nach Barrieren, Vorurteilen und eigenen Wahrnehmungen. Denn: Acht Prozent der Studierenden in Deutschland haben eine Behinderung oder chronische Krankheit.
Bis zum 22. Februar 2012 können die Studierende aus den Studiengängen Grafik-Design, Visuelle Kommunikation und Kommunikations-Design ihre Plakate beim DSW einreichen. Zu gewinnen gibt es Preisgelder in Höhe von insgesamt 5.500 Euro. Eine fünfköpfige Fachjury entscheidet, wie das Geld verteilt wird. Vier Plakate werden in einer Auflage von jeweils 1.000 Stück gedruckt. Die besten 30 Arbeiten gehen als Wanderausstellung auf Tour durch Studentenwerke in ganz Deutschland. Infos und Formulare stehen im Internet bereit: www.studentenwerke.de.
Stellenbörse für Menschen mit Behinderung
Die Stiftung MyHandicap baut auf ihren Internetseiten eine Jobbörse für Menschen mit Behinderungen auf. Für alle, die einen Arbeitsplatz suchen, bietet MyHandicap sowohl eine umfangreiche Sammlung an Stellenangeboten wie auch die Möglichkeit das eigene Stellengesuch in der Jobbörse zu platzieren. Arbeitgeber haben so die Möglichkeit, gezielt nach Arbeitnehmern zu suchen. Zudem können auch sie offene Stellen eintragen. Bisher nutzen vor allem Unternehmen aus dem süddeutschen Raum die Möglichkeit, Stellenangebote gezielt an Menschen mit Behinderungen zu richten. Die MyHandicap-Jobbörse hat die Internetadresse www.myhandicap.de/jobboerse-fuer-behinderte.html.
Gegen Kürzungen im Haushalt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Ausgerechnet zu einer Zeit, da die Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter neuer Leitung endlich sichtbar die Interessen der Betroffenen vertritt, soll ihr Budget um 13% gekürzt werden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) fordern die Verantwortlichen im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages auf, diese Entscheidung zu revidieren: „Wir brauchen eine arbeitsfähige Antidiskriminierungsstelle, die die Betroffenen und ihre Interessenvertretungen bei ihrer Arbeit unterstützt! Denn die Älteren werden gebraucht, und zwar überall.“ (www.bagso.de).
Neue BITV barrierefrei im Internet
Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung, kurz BITV 2.0, gilt seit September und löst die bislang geltende BITV 1.0 ab. Auf der Grundlage des BGG wird in diesem Rahmen festgelegt, dass alle Webangebote der Bundesverwaltung für behinderte Menschen zugänglich sein müssen und welche Anforderungen hierfür gelten. Die neue Verordnung folgt im Wesentlichen dem aktuellen Stand der internationalen Richtlinien für barrierefreie Webinhalte, den Web Content Accessibility Guidelines, kurz WCAG 2.0.
Konkrete Verbesserungen hat es für sehbehinderte Menschen gegeben, denn Mindestkontraste, Sichtbarkeit von Hervorhebungen und Vergrößerbarkeit sind nun exakter geregelt. Zudem werden die Bundesbehörden erstmalig verpflichtet, Informationen in Gebärdensprache und Leichter Sprache zur Verfügung zu stellen. "Unbefriedigend bleibt, dass die BITV nur auf Bundesebene gilt und die Länder nun mit eigenen Verordnungen nachziehen müssen. Trotzdem darf man die Bedeutung der BITV 2.0 nicht unterschätzen. Sie sollte der Maßstab werden, um Regelwerke für Barrierefreiheit EU-weit zu harmonisieren“, wertet BIK@work-Projektkoordinator Karsten Warnke und ergänzt: „Für mich war und ist klar: Auch für kommerzielle Angebote, die für eine breite Öffentlichkeit von Nutzen sind, wie z. B. Buchungssysteme und Onlineshops sollten die BITV 2.0 verbindlich gelten! Und nun heißt es, mit Nachdruck die Novellierungen der BIT-Verordnungen in den Bundesländern voranzutreiben.“
Die BITV 2.0 ist jetzt auch barrierefrei im Internet zu finden unter: www.bik-work.de/infothek/artikel1/lesen/bitv20.html. Wer mehr Details die Auseinandersetzungen zur neuen BITV und über das neue BITV-Testverfahren lesen möchte, der kann dies hier tun: www.bitvtest.de/infothek/artikel/lesen/bitv2-ueberfluessig.html.
Tandem-Sternfahrt zum Louis Braille Festival 2012
100 Tandems machen sich im Mai 2012 in allen Ecken Deutschlands auf den Weg nach Berlin. Das gemeinsame Ziel der großen Sternfahrt am 1. Juni 2012 ist das Tempodrom der Veranstaltungsort des Louis Braille Festivals 2012. Dort sollen die Tandemfahrer von den Festivalgästen begrüßt und bejubelt werden. Der DBSV und der Verein Tandem-Hilfen rufen Tandemgruppen und einzelne Teams aus dem In- und Ausland auf, mit ihrer Teilnahme an der Sternfahrt ein deutliches Signal für mehr Teilhabe und eine inklusive Gesellschaft zu setzen. Starttermin und Radelroute legen die Sternfahrer selbst fest. Wichtig ist, dass alle am 31. Mai in Berlin eintreffen, um sich gemeinsam auf den großen Tandem-Korso durch die Hauptstadt einzustimmen.
Für alle angereisten Sternfahrer übernimmt der DBSV die Übernachtungskosten vom 31. Mai bis 3. Juni in einer gemeinsamen Unterkunft. Wer sich danach gleich wieder in den Sattel schwingen möchte, kann sich direkt in die große Fahrrad-Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) einreihen und bis zum 10. Juni am Internationalen Tandem-Camp für blinde und sehbehinderte Menschen im Berliner Umland teilnehmen. Die Anmeldung zur Sternfahrt ist bis zum 31. Dezember 2011 möglich. Weitere Informationen erhalten Sie unter: Tandem-Sternfahrt, c/o Dr. Thomas Nicolai, Tel.: 030 67950240 (Mo. – Mi., jeweils 15 bis 18 Uhr), E-Mail: info@tandemsternfahrt.de, Internet: www.dbsv.org/infothek/sport/tandem-fahren.
Bildung und Forschung
Joachim Haar: Ministergespräch
von Joachim Haar
Der Blinden- und Sehbehinderten-Verband Brandenburg e.V. (BSVB), der Landesverband für Blinden- und Sehbehinderten Pädagogik Brandenburg (VBS) planen gemeinsam mit der Brandenburgischen Schule für Blinde und Sehbehinderte in Königs Wusterhausen am 10. Februar 2012 die Durchführung einer Landesfachtagung. Das Thema lautet: Wege zur inklusiven Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher. Dafür bat man die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport der Brandenburger Landesregierung, Dr. Martina Münch, um Unterstützung. Es genügte ein Brief, um zu einem Gespräch am 11. Juli 2011 nach Potsdam eingeladen zu werden.
Diana Zehl, stellv. Direktorin an der Brandenburgischen Schule für Blinde und Sehbehinderte in Königs Wusterhausen, Dr. Gert Heinicke, Vorsitzender des VBS in Brandenburg und Joachim Haar, Geschäftsführer des BSVB, hatten sich auf das Gespräch im Ministerium gut vorbereitet und inhaltlich abgestimmt. Der Leiter der Bereiche Soziales und Bildung, des Landkreises Dahme-Spreewald, Joachim Harder, erweiterte den Teilnehmerkreis, da der Landkreis der Schulträger der Brandenburgischen Schule für Blinde und Sehbehinderte in Königs Wusterhausen ist. Viele Problemfelder, die die Schulbildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher in Brandenburg betreffen, wurden im Laufe des Gesprächs erörtert und sollen im Folgenden wiedergegeben werden.
Künftig Ganztagsunterricht
Als alternativer Lernort für sehbehinderte Kinder, strebt die Blindenschule für die Zukunft an Ganztagesunterricht anzubieten. Erste Weichen sind bereits gestellt. Die Lehrer der Schule und die Schulkonferenz sind über das Vorhaben informiert. Das staatliche Schulamt checkt die gesetzlichen Möglichkeiten für den Ganztagsbetrieb der Blindenschule. Der Schulträger bekundet ebenfalls sein Wohlwollen zu dem Vorhaben, da für einen Ganztagsbetrieb bereits sowohl personelle als auch sächliche Voraussetzungen vorhanden sind. Die räumlichen Möglichkeiten könnten durch die Schülerinnen und Schüler noch viel intensiver genutzt werden: Turnhalle, Kleinsportanlage, Schwimmhalle, Kreativ- und Keramikraum, Tonstudio etc.
Leider gelang es bisher noch nicht, das Internat, das sich in privater Hand des Sächsischen Förderzentrums für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz befindet, dafür zu begeistern. Auf Leitungsebene stehen Gespräche dazu noch aus. Es ist jedoch geplant, gemeinsam mit dem Internat und dem Hort, die sich mit auf dem Gelände befinden, eine Kooperation einzugehen. Nur so können die Bedingungen der Beschulung und des Lebens der Kinder in Königs Wusterhausen optimiert werden. Dadurch würde der Schulstandort noch attraktiver. Die Gymnasien und Grundschulen, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Blindenschule angesiedelt sind, bestätigen mit ihren positiven Erfahrungen die Möglichkeiten und Chancen einer Beschulung mit Ganztagsmodell.
Kompetenzzentrum für die Beschulung sehbehinderter Kinder
Die Blindenschule ist ein anerkanntes Kompetenzzentrum für die Beschulung sehbehinderter Kinder, kann diese Aufgabe jedoch nicht wirklich wahrnehmen, obwohl das an der Blindenschule tätige Kollegium sich zu über 50% aus ausgebildeten Sonderpädagogen zusammensetzt und ein Drittel der Lehrkräfte ambulant arbeiten könnte. Doch Schulen im Land, die Unterstützung für sehbehinderte Kinder im gemeinsamen Unterricht benötigen, müssen die Fachlehrer zusätzlich beantragen. Mit der Begründung, man hätte kein Geld, haben die Schulämter vom Kompetenzzentrum in den letzten Jahren kaum Gebrauch gemacht. Spezifische Fortbildungen im Bereich der Sonderpädagogik, die in regelmäßigen Abständen in Königs Wusterhausen durchgeführt werden, könnten viel intensiver besucht und zur Multiplikation genutzt werden. Der Blindenschule fehlen finanzielle Mittel für eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Somit ist eine informativ ausgerichtete Medienpräsenz nur schwer zu erreichen.
Diana Zehl schildert die Probleme von inklusiv beschulten Kindern, die auf die Blindenschule in Königs Wusterhausen gewechselt sind, da die Lernbedingungen und die Qualität des Regelunterrichts die Anforderungen an eine optimale Beschulung sehbehinderter Kinder nicht erfüllten. Immer mehr sehbehinderte Schüler führen ihre Regelschullaufbahn nicht fort. Sie wechseln vor allem nach beendeter Grundschulzeit in der 7. Jahrgangsstufe oder zur gymnasialen Oberstufe in Klasse 11 als „Quereinsteiger“ auf die Blindenschule. In der entsprechenden Heimatschule waren viele von ihnen vom Sport-, Physik-, Chemie- oder Fremdsprachenunterricht befreit. An den Heimatschulen fehlen Hilfsmittel, in vielen Landkreisen gibt es keine Integrationslehrer mehr. Frei gewordne Stellen werden nicht neu besetzt. Im laufenden Unterricht Chancengleichheit herzustellen und Defizite auszugleichen, gestaltet sich schwer. Der auf einem dualen Curriculum aufgebaute Unterricht erfordert Engagement über den Unterrichtsprozess hinaus, bei betroffenen Schülern genauso wie bei den Lehrkräften. An unserer Schule in Königs Wusterhausen ergeben sich daraus andere und zusätzliche Förderbedarfe. Es geht vor allem um die Aufarbeitung der Folgen des Schulwechsels und um weitere spezifische sozial- emotionale Aspekte.
Inklusion ist kein Sparmodell
Joachim Harder schildert die Probleme, die Eltern mit der Finanzierung des Internatsplatzes haben. Laut Schulgesetz, das im Land 1997 geändert wurde, gibt es an Förderschulen Wohnheime, die dazu dienen, den Kindern die täglichen weiten Schulwege zu ersparen. Internate gibt es nur an Spezialschulen z.B. an Sportschulen. Wohnheime und Internate unterscheiden sich wesentlich in der Finanzierung. Die Eltern können nicht verstehen, warum einige Kinder den Platz über die Eingliederungshilfe finanziert bekommen und andere nicht, obwohl die gleichen Voraussetzungen vorhanden sind. Im kommenden Schuljahr kommt in der Blindenschule die 11. Klasse nur in Kooperation mit einer anderen Oberschule zu Stande. Die Eltern der Schüler der Kooperationsschule wollen aber für ihre Kinder kein Abiturzeugnis von einer Förderschule ausgestellt bekommen, daher ist eine Umwidmung von Förderschule in Spezialschule entsprechend dem Brandenburgischen Schulgesetz überfällig.
Wenn die Politik tatsächlich eine inklusive Bildung durchsetzen will, so handelt es sich dabei um einen vermutlich jahrelangen Prozess. Inklusion ist kein Sparmodell. Ministerin Dr. Münch betont, dass es keinesfalls darum gehe, die Blindenschule abzuschaffen. Die wird vermutlich noch viele Jahre lang gebraucht. Dr. Gert Heinicke ist pädagogischer Leiter des Frühförderzentrums beim Behindertenwerk in Spremberg. Er berichtet, wie Kinder als folge schlechter Beschulung trotz normaler Intelligenz zu Hilfsschülern gemacht werden.
Joachim Haar schildert, dass sich trotz positiver Entwicklungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderung nicht verringert. Die kürzlich von der Bundesregierung gefassten Beschlüsse ändern daran leider nichts. Beschlossen wurde ohnehin nur, was nichts kostet. Ein Sonderprogramm der Bundesregierung soll für behinderte Kinder und Jugendliche den Übergang von Schule und Beruf erleichtern. Das Integrationsamt des Landes Brandenburg glaubt, dafür müsse man keine Spezialisten einsetzen. Das könne der Integrationsfachdienst in Potsdam miterledigen. Hier irrt das Amt. Wer sich nicht mit Augenerkrankungen und mit Hilfsmitteln für blinde und sehbehinderte Menschen auskennt, wird kaum helfen können. Für diese Aufgabe wäre der BSVB mit seinem Integrationsfachdienst prädestiniert. Nur wer durch sein Fachwissen überzeugend auftreten kann, gewinnt das Vertrauen der Kinder und der Eltern.
Diskussion und Erfahrungsaustausch im Rahmen der Landesfachtagung 2012
Das Schulgesetz und die Sonderschulverordnung des Landes müssen der UN-Behindertenrechtskonvention angepasst werden. Eingliederungsverfahren dürfen nicht nach Kassenlage des Landkreises entschieden werden. Vor allem muss es im Land einheitliche Qualitätskriterien geben. Inklusion ist keine Sache von Sonderschulpädagogen, sondern ein Problem der ganzen Gesellschaft. Erst wenn es gelingt, dem Thema eine gewisse Aggressivität zu nehmen und zur Sachlichkeit über alle Parteigrenzen hinweg zu finden, können auch blinde und sehbehinderte Menschen auf Fortschritte hoffen. Wenn die Schule ihre Zukunftschance nicht verpassen will, muss sie sich jetzt verändern. Diesbezüglich veranstalten BSVB, VBS sowie die Brandenburgische Schule für Blinde und Sehbehinderte in Königs Wusterhausen gemeinsam eine Landesfachtagung am 10. Februar 2012. (vgl. Rubrik Panorama: Landesfachtagung „Wege zur inklusiven Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher“).
Zum Autor
Joachim Haar ist Geschäftsführer des Blinden und Sehbehindertenverbands Brandenburg e.V., Kontakt: Tel.: 0355 22549, E-Mail: bsvb@bsvb.de, Internet: www.bsvb.de.
Zweispaltig ist das Foto, das dem Artikel in der Schwarzschriftausgabe vorangestellt ist. Es wurde beim beschriebenen Ministergespräch aufgenommen und zeigt mit fünf, den Betrachtenden freundlich zugewandte Personen, die im Artikel dargestellten Akteurinnen und Akteure. Die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport der Brandenburger Landesregierung, Dr. Martina Münch, sitzt am Kopf des Tisches und ist damit im Foto mittig abgebildet.
Barrierefreiheit und Mobilität
Marcus Meier: Partner mit verschiedenen Handicaps beim Golf-Schnupperkurs für Blinde
von Marcus Meier
Das Erlernen der Brailleschrift hat für die Teilnehmer am Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg enorme Bedeutung. Nach Monaten oder Jahren, in denen sie nicht mehr Lesen und Schreiben konnten, tippen die Rehabilitanden plötzlich wieder Briefe, verfassen E-Mails oder lesen die Zeitung im Internet. Willkommener sportlicher Ausgleich zum anstrengenden Unterrichtsalltag ist ein Schnupperkurs der besonderen Art, den das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte seit 2010 anbietet.
Eigentlich ist alles wie immer bei den vierzehn Golfern, die Mitte September auf dem saftig grünen Platz des Golf Club (GC) Würzburg paarweise das Putten üben. Die Trainer zeigen, wie man den Schläger richtig greift, korrigieren die Körperhaltung der Golf-Anfänger, loben sie für Fortschritte. Und freuen sich laut mit den Übenden, wenn der Ball ins Loch geht. Ungewöhnlich ist, dass man ab und zu das Klacken eines Golfballs auf Metall hört. Dann bekommen die Laien das Golfloch akustisch angeschlagen. Denn die Neulinge orten das einige Meter entfernte Ziel nur mit ihrem Gehör: sie sind blind oder stark sehbehindert.
Organisiert hat den ungewöhnlichen Schnupperkurs das BFW Würzburg. In der Einrichtung für sehbehinderte Erwachsene erlernen die Golfer mit Seh-Handicap zwölf Monate lang die Punktschrift, um später beruflich wieder Fuß zu fassen. Heute steht aber zunächst einmal Golf spielen auf dem Programm.
Blinde Anfänger sind besser als Sehende
„Es ist überraschend und spannend zu sehen, wie blinde oder stark sehbehinderte Menschen eine doch so komplexe Sportart erlernen können“, resümiert Jonas Binder, Team Captain der 1. Herrenmannschaft des GC Würzburg. Bei dem deutschlandweit einmaligen Projekt coachen sieben erfahrene Mannschaftsspieler sieben Golfneulinge. Das Überraschende: Die Trainer stellen fest, dass sich ihre blinden Schützlinge bei vielen Übungen besser anstellen als sehende Golfanfänger. Hintergrund ist, dass sich Sehbehinderte mehr auf den Bewegungsablauf konzentrieren und weniger auf das Treffen des Balls.
Willkommene Abwechslung zum Kursalltag
„Unsere Teilnehmer bereiten sich im BFW auf die Rückkehr ins Berufsleben vor“, erläutert Alfred Schulz, Geschäftsführer des Bildungszentrums für blinde und sehbehinderte Erwachsene. „Umso schöner ist es, wenn sie auch auf dem Golfplatz Erfolgserlebnisse einfahren.“ Bestätigen kann das Zourkeneni Seydou. Der blinde Rehabilitand aus Togo steht mit seinen Kurskollegen das erste Mal in seinem Leben auf einem Golfplatz und hat eine „Mordsgaudi“. Zusammen mit seinem Trainer Leopold Raab hat er schon einige Male gejubelt, als er den Ball ins Loch fallen hört. „Eine ganz tolle Abwechslung zum Kursalltag“, findet der 47-Jährige.
Es klappt auch mit Seheinschränkung
Wie gut das Golfen trotz Seheinschränkung mit viel Üben klappt, zeigt einige Meter weiter Antonio Frumento. Bei einem Sehrest von weniger als fünf Prozent wuchtet der gebürtige Sizilianer im Wechsel mit Golfclub-Geschäftsführerin Bianca May den Golfball bei jedem Abschlag über 200 Meter weit. Der 47-Jährige bringt es inzwischen auf das stolze Handicap von 17,7. Er freut sich auf ein baldiges Kräftemessen mit Bernd Walsch, dem Vizepräsidenten des Deutschen Blinden Golf Verbandes. Walsch, selbst stark sehbehindert, hat die Veranstaltung 2010 mit ins Leben gerufen. Er sucht für seinen Verband Leute wie Antonio Frumento, die dem Golfsport trotz Seh-Handicap mit Leidenschaft nachgehen.
Apropos Handicap. Die blinden Sportler konnten inzwischen alle ein paarmal einlochen und erste Erfolgserlebnisse erzielen. Und Zourkeneni Seydou hat eine neue Gemeinsamkeit zwischen den sehenden und nichtsehenden Golfern entdeckt: „Beide Seiten arbeiten an ihrem Handicap“, sagt der blinde Mann und lacht verschmitzt, bevor er den nächsten Ball einlocht.
In der Schwarzschriftausgabe ist das gesamte Golfer-Team 2011 auf grünem Grund abgebildet. Die Bildunterschrift lautet: Sehende und nichtsehende Golfer trafen sich beim Golf-Club Würzburg. Mit dabei sind (stehend von links) BFW-Teilnehmer Zourkeneni Seydou und BFW-Geschäftsführer Alfred Schulz sowie (vorne ab 3. von links) Antonio Frumento, Golf-Club-Geschäftsführerin Bianca May und Team-Captain Jonas Binder (Foto: BFW Würzburg).
Heike Schmidt und Thomas Abel: Neu aufgestellt – Das Familienbrett für Blinde und Sehbehinderte
von Heike Schmidt und Thomas Abel
Ein Beitrag zur Barrierefreiheit in Therapie und Beratung
Menschen, die Ihre Sehkraft verlieren, stehen vor zahlreichen Herausforderungen, die für andere oft nur schwer vorstellbar sind. Psychische, emotionale aber auch familiäre, berufliche und soziale Veränderungen treten ein, belasten und fordern die Betroffenen und ihr Umfeld. Neben dem Erlernen neuer Fertigkeiten kann auch die Definition neuer Ziele und Perspektiven oder therapeutische Unterstützung zur Bewältigung der Situation notwendig werden.
Um den Austausch über die erlebte Situation auch im Miteinander zwischen Sehenden und nicht Sehenden, z.B. im Rahmen einer Beratungssituation zusätzlich zum Gespräch zu unterstützen, bietet das von der Autorin für Blinde und Sehbehinderte angepasste Familienbrett eine Möglichkeit.
Das Familienbrett wurde ursprünglich in den 80er Jahren als ein Verfahren zur Darstellung sozialer Beziehungssysteme in der Kinder- und Jugendpsychiatrie entwickelt. Abgeleitet von Familienskulpturen wurde es als Hilfsmittel konzipiert, um familiäre und soziale Prozesse mitteilbar und beschreibbar zu machen. Es wird seither vielfach in Therapie, Beratung und Supervision verwendet.
Auf einer 50 x 50 cm großen Fläche kann mittels stilisierter Holzfiguren dargestellt werden, wie z.B. familiäre Beziehungen oder das Arbeitsumfeld erlebt werden. Hierbei werden vom Aufstellenden für Personen, die ihm wichtig sind, Figuren gewählt, die je nachdem, wie die Beziehung erlebt wird, nah oder fern, einander zu- oder abgewandt positioniert werden. Es besteht so die Möglichkeit, auch Vorgänge zu kommunizieren, die zeitgleich abgelaufen sind und die mehrere Beteiligte betreffen. Wichtig ist, dass das Familienbrett ein offenes Angebot ohne „Normwerte“ oder ein „Richtig“ oder „Falsch“ ist, bei dem die subjektiven Darstellungen interessieren. Diese können frühere Situationen oder Beziehungsmuster sowie Wunschkonstellationen für die Zukunft betreffen. Die Möglichkeit entsteht, neue Perspektiven zu entwickeln oder, durch den Vergleich mehrerer Aufstellungen einer Person, Entwicklungen nachzuvollziehen und zu verdeutlichen. Für Menschen, die wenig Zugang zu ihren Gefühlen haben und/oder diese nicht leicht aussprechen können, ist das Familienbrett ein Mittel, um ohne den Umweg über die Sprache den eigenen Gefühlen und erlebten Beziehungen Ausdruck zu verleihen. Innere Bilder, die für manche nur schwer in Worte zu fassen sind, können vermittelt werden.
Material
Während für das ursprüngliche Familienbrett lange, runde oder eckige Holzfiguren vorgesehen sind, sind die neuen Figuren flach gestaltet mit einer runden oder eckigen Oberseite z.B. um Frauen und Männer oder Kinder zu unterscheiden. Um die Richtung der Zu- oder Abwendung zu verdeutlichen, ist eine kleine Nase zu tasten. Da die Figuren durch Magnete am Brett haften, können sie verschoben werden, verrutschen aber nicht leicht. So ist ein Ertasten und „Begreifen“ der gesamten Aufstellung von oben mit den Händen möglich. Mein Dank für die Unterstützung der Idee und Beteiligung an der Vortestung an die Geschäftsleitung und die beteiligten Mitarbeiter des BFW Halle, an Herrn Dietrich Blank für die handwerkliche Umsetzung und an Herrn Dipl. Psych. Thomas Abel, der den nachfolgenden Bericht aus der Praxis als „Add-on“ verfasst hat.
Bericht aus der Praxis
Für mich als blinden Psychotherapeuten stellt das Familienbrett eine interessante Ergänzung des üblichen, diagnostischen Vorgehens dar. Patienten können darauf beispielsweise ihre frühe Familienkonstellation darstellen, ergänzt durch Fähigkeiten und Ressourcen, die ihnen halfen. Im Vergleich dazu stellen sie gegenwärtige Bindungsmuster dar, vielleicht aber auch künftige, ersehnte Bindungswünsche. Bei sehenden Patienten ermöglicht mir das Familienbrett, diese Konstellationen wahrnehmen zu können, etwa im Vergleich zu einer Zeichnung, die ich mir erklären lassen müsste. Bei blinden oder sehbehinderten Patienten wird das Familienbrett zu einem direkten Kommunikationsmedium. Wir können uns auf Figuren hinweisen, auf bestimmte Konstellationen oder Abstände, Zu- oder Abgewandheiten der Figuren, und vieles mehr. Ich zeichne die jeweiligen Konstellationen mit einem Folienzeichengerät ab, in das eine Folie gespannt wird, auf der man dann mit einem Kugelschreiber zeichnen kann. Durch die Unterlage werden die Linien nicht nur sichtbar, sondern auch gut tastbar. Wenn ich zwei Folien einspanne, kann ich dem Patienten eine Folie mitgeben und selbst eine behalten, so dass wir beide die dargestellten Konstellationen später noch einmal nachvollziehen können.
Die Veränderungen, die sich auf dem Familienbrett darstellen, sind für den Patienten und den Therapeuten eindrücklich. Ein blinder Patient stellte beispielsweise eine große runde Figur für sich selbst in die Mitte des (aus seiner Sicht) unteren rechten Quadranten des Brettes. Er umgab sie mit einem Kreis von verschiedenen, ihm wichtigen Menschen, Begabungen, seinem Beruf und einem wichtigen Tier, die wie ein Burgwall aussahen, durch den er geschützt war vor konfliktreichen Familienangehörigen, die im oberen linken Quadranten versammelt waren. Als wir über Verluste sprachen, die zeitgleich zu seiner Erblindung statt fanden, nahm er, Jahr für Jahr durchgehend, einen Stein nach dem anderen aus seinem Schutzwall weg. Am Ende blieben nur noch 4 von einstmals 8 Steinen übrig. Zwei davon, nämlich zwei wichtige, lebensgestaltende Fähigkeiten, die hinter ihm standen, als stärkten sie ihm den Rücken, hatten ihre Nasen nun von ihm abgewandt, weil sie ihm nicht mehr zugänglich schienen. Dadurch wurde für uns beide die Dramatik der Veränderung sehr bewusst. Andererseits lassen sich aus diesem Bild Ziele für die Therapie ableiten, etwa wenn man ein erwünschtes Zukunftsbild stellt, in dem die Lücken im Schutzwall wieder aufgefüllt sind und sich die Nasen der Begabungen, wenigstens von einer vielleicht, wieder dem Patienten zugewandt haben.
Literatur
Cierpka 2003, Handbuch der Familiendiagnostik, Springer, Berlin
Ludewig 2000, Das Familienbrett, Hogrefe, Göttingen
Sonntag 2008, Verführung zu einem Blind Date, Verlag Edition PaperOne
Zu den Autoren
Dr. med. Heike Schmidt arbeitet am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das Familienbrett begleitet sie seit rund 20 Jahren bei psychotherapeutischer Tätigkeit und Forschung in unterschiedlichen Settings. Kontakt: heike.schmidt@medizin.uni-halle.de. Dipl. Psych. Thomas Abel leitet eine Praxis für Psychotherapie, Kontakt: info@praxis-abel.de.
Die der Schwarzschriftausgabe beigefügte Grafik zeigt ein quadratisches Brett. Fünf Figuren sind darauf platziert. Die Bildunterschrift lautet: Fiktive Beispielaufstellung: selbst (1), Ehefrau (2), ältester Sohn (3), mittlerer Sohn (4), jüngste Tochter (5).
Das Autorenfoto zeigt eine freundlich lächelnde Frau mit mittellangem, dunklem Haar und Brille. Sie trägt einen Sportpulli, der ihre aktive und anpackende Ausstrahlung unterstreicht.
Rippen und Noppen sind nicht mehr zu stoppen
Der Durchbruch ist geschafft! Die Norm 32984 – Bodenindikatoren im öffentlichen Raum – steht. Bei konsequenter Anwendung werden die neuen Profile und durchdachten Markierungen die Orientierung und die Sicherheit blinder und sehbehinderter Menschen im öffentlichen Raum erheblich verbessern.
Gleichzeitig bleibt eine gewisse Verunsicherung, die darauf beruht, dass vielfach die DIN 32984 aus dem Jahr 2000 nicht umgesetzt und örtlich, auch mit Zustimmung der Vertreter der Selbsthilfe, eigenwillige Markierungen auf Jahrzehnte betoniert wurden. Laut Dietmar Böhringer wurde „von 2005 bis 2011 … in insgesamt 37 Sitzungen, einigen Telefonkonferenzen, unzähligen Telefonaten und Mails um die Novellierung dieser Norm gerungen. Im Mai 2000 war die erste DIN 32984 erschienen, an der ungefähr 10 Jahre lang gearbeitet worden war. Wichtige Weichen waren darin gestellt worden; bald jedoch entdeckte man schwerwiegende Mängel. Normen sollen so alle fünf bis zehn Jahre überarbeitet werden. Auf Anregung des DBSV wurde daher 2005 die Novellierung der Norm beschlossen durch den zuständigen DIN-Normenausschuss ‚NA 063-06-04 AA Arbeitsausschuss Kommunikations- und Orientierungshilfen für Blinde und Sehbehinderte’. Dieser berief einen Arbeitskreis unter Leitung von Herrn Dr. Klaus Behling, der so klein wie möglich sein sollte (um noch diskussionsfähig zu sein), aber möglichst viele unterschiedliche Kompetenzen beinhalten musste. Dazu gehörten drei Vertreter der Blindenselbsthilfe, zwei Vertreter der Behindertenbeauftragten und jeweils ein Vertreter der Blinden- und Mobilitätslehrer, der Deutschen Bahn, der Betonindustrie, der Straßen- und Verkehrsverwaltungen und der Lichttechnik.
Weshalb es derart schwierig und zeitraubend war, bei den oft divergierenden Meinungen Kompromisse für bestimmte Probleme zu finden, ist selbst für die Teilnehmer im Rückblick kaum mehr nachvollziehbar. Dies begann bereits bei der Normierung der Bodenindikator-Strukturen und ihrer Maße und ging weiter bei den Überlegungen, welche und wie viele Bodenindikatoren in bestimmten Situationen im Straßenraum verlegt werden sollten. Bei der wachsenden Mobilität unserer Gesellschaft sollte ein blinder Mensch, der in der Stadt A sein Mobilitätstraining absolviert und die Bedeutung bestimmter Bodenindikatoren gelernt hat, dieses Wissen auch in der Stadt B anwenden können. Blindenstöcke und Bodenindikatoren werden auch durch Navigationsgeräte nicht überflüssig. Dann aber ist es zwingend notwendig, dass die speziell für blinde Menschen geschaffenen Hinweise quer durch Deutschland so einheitlich sind, wie dies im Hinblick auf sehende Verkehrsteilnehmer seit ungefähr 80 Jahren der Fall ist.
Großer Wert gelegt wurde darauf, dass nicht nur die Belange blinder, sondern auch jene sehbehinderter Menschen berücksichtigt wurden. Die Norm begnügt sich dabei nicht mit der Feststellung, dass der Leuchtdichtekontrast größer als 0,4 und der Reflexionsgrad des helleren Materials mindestens 0,5 aufweisen muss: Es wird auch sehr ausführlich dargestellt, auf welche Weise der Kontrast zu bestimmen ist.
Im Gegensatz zur alten Norm (insgesamt 10 Seiten) wurden die Kapitel ‚Orientierung in Gebäuden’ (4 Seiten) sowie vor allem ‘Bodenindikatoren und Leitelemente im Verkehrsraum’ (43 Seiten) enorm ausgeweitet. Bauherren und Architekten finden nun für fast alle in der Realität auftretenden Situationen präzise, umsetzbare Vorgaben. Und was besonders wichtig ist: Die Vertreter behinderter Menschen können bereits während der Planungsphase relativ leicht kontrollieren, ob das, was vorgesehen ist, auch den Vorgaben entspricht oder ob z. B. eine ‚Billiglösung’ untergeschoben wurde.
Im Februar 2010 wurde der erarbeitete Normentwurf, der so genannte ‚Gelbdruck’ der Öffentlichkeit vorgelegt. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, Institutionen, Vereine, Interessenverbände oder Aktionsgruppen konnten eine ‚Stellungnahme zum Norm-Entwurf’ formulieren. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht: 135 Seiten ‚Einsprüche’ kamen insgesamt zusammen! 10 Sitzungen waren notwendig, um all die – oft widersprüchlichen - Änderungsvorschläge zu sichten, durchzudiskutieren, unverändert oder in abgewandelter Form zu übernehmen oder zu verwerfen. Kopfzerbrechen bereiteten einige Einsprüche, die nicht auf Verbesserung des Norminhaltes hinzielten, sondern verhindern wollten, dass die Norm erscheint. Es gelang jedoch, die scheinbar schwerwiegenden Bedenken auszuräumen. Vor kurzem wurde nun die letzte Unterschrift unter die letztgültige Fassung des Textes gesetzt; bald wird sie in schriftlicher und digitaler Form vorliegen. Dann ist es von enormer Wichtigkeit, das alle, die sich um Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen bemühen, bereit sind, Empfehlungen der Norm auch dann zu übernehmen, wenn sie nicht ganz der eigenen Meinung entsprechen. Nur wenn in einer großen Gemeinschaft gemeinsam dafür gekämpft wird, dass die mühsam erarbeitete DIN 32984 in der Realität umgesetzt wird, kann jene Einheitlichkeit erreicht werden, die für die Zukunft zwingend notwendig ist!“ (Quelle: BBSB-Inform)
Soweit Dietmar Böhringer. Jetzt gilt es dafür zu sorgen, dass der Inhalt der Norm, also Wortlaut und Abbildungen, barrierefrei zur Verfügung gestellt wird. Bislang kann die Norm beim Beuth-Verlag als PDF-Download oder als gedrucktes Exemplar, jeweils zum Preis von 129,10 EUR, gekauft werden. Die Adresse lautet: Beuth Verlag GmbH, Am DIN-Platz, Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin, Tel.: 030 2601-2260, Fax 030 2601-1260.
Aus der Arbeit des DVBS
Wahlergebnisse aus den DVBS-Bezirksgruppen
Im Rahmen des gemeinsamen Treffens der Bezirke Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein vom 1. bis 3. Oktober 2011 in Eutin fanden am 3. Oktober Mitgliederversammlungen beider Bezirke statt, an denen vier Mitglieder aus Mecklenburg-Vorpommern und neun Mitglieder aus Schleswig-Holstein sowie der Vorsitzende des DVBS, Uwe Boysen, teilnahmen. Im Bezirk Schleswig-Holstein waren Wahlen des Leitungsteams durchzuführen. Gewählt wurden als Bezirksleiter Dr. H. Helmut Vollert und als stellvertretende Bezirksleiter Karl Johannes Hansen und Marion Malzahn.
Auf ihrer Jahreshauptversammlung am 8. Oktober in Nürnberg bestätigte die DVBS-Bezirksgruppe Nordbayern Ria Becker in ihrem Amt als Bezirksgruppenleiterin für die kommenden drei Jahre. Als Stellvertreter wurden Wilhelm Lutzenberger und Jörg Korinek gewählt. Für 2012 stehen ein Ausflug zur grünen Grenze (vorr. Mitte Mai), eine Freimaurerführung in Nürnberg sowie ein Besuch des Nürnberger Wasserwerkes auf dem Plan. Die nächste Jahreshauptversammlung ist für den 6. Oktober 2012 geplant.
Ein zweispaltiges Foto ist in der Schwarzschriftausgabe dem Bericht vorangestellt. Es zeigt elf vergnügte Menschen in einer parkartigen Anlage unter einem imposanten Baum. Die Bildunterschrift lautet: Seit der Wiedervereinigung treffen sich Mitglieder der Bezirke Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein im 2-Jahres-Turnus. In diesem Jahr fand das gemeinsame Treffen der Bezirke in der Holsteinischen Schweiz in Eutin statt.
DVBS-Vorstandswahlen: Nominierungsverfahren läuft auf Hochtouren
Wählbar ist auf der Mitgliederversammlung am 19.5.2012 in Marburg jedes ordentliche Mitglied, das von wenigstens zwei Vereinsgliederungen nominiert wurde. Fünf Vorstandsämter gilt es zu besetzen. Karsten Warnke, derzeit 2. Vorsitzender des Vereins, hat vor Monaten bereits erklärt, er stehe nach zwölf Jahren nicht erneut zur Verfügung. Zumindest ein neues Gesicht wird dem Vorstand also in den kommenden vier Jahren angehören. Bis zum 29.2.2012 haben die Fach- und Bezirksgruppen noch Zeit, eine Versammlung schriftlich einzuberufen und Persönlichkeiten für die Wahl zu benennen.
DBSV-Fachausschüsse neu formiert
Die gemeinsamen Fachausschüsse der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe haben in neuer Besetzung ihre Arbeit aufgenommen. Ein begleitender Ausschuss aus Verantwortungsträgern der Verbände berief je neun Delegierte für die Themenfelder „Sehbehinderung“, „IT“ und „Umwelt und Verkehr“ und formulierte mit den Experten die Schwerpunktthemen für die nächsten vier Jahre. Dafür löste man sich vom Verbändeproporzdenken früherer Jahre und vereinbarte eine Umlagefinanzierung der Arbeit, die jetzt vom DBSV koordiniert wird.
Die drei Ausschüsse sind mit DVBS-Mitgliedern reichlich versorgt: Gerd Renzel leitet den Gemeinsamen Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV), Martin Jung den Fachausschuss für Informations- und Telekommunikationssysteme (FIT). Mit Willi Lutzenberger (FIT) und Dr. Annelie Fischer-Thunemeyer (Fachausschuss für die Belange Sehbehinderter - FBS) nahmen auch neue Köpfe, die im DVBS ihre „Selbsthilfeheimat“ haben, ihre Facharbeit zum Wohle Blinder und Sehbehinderter auf.
Um die Bereiche „allgemeine Hilfsmittel“, „Europa“, „Taubblinde“ und „Bildung“ kümmern sich künftig andere Foren bei DBSV und DVBS. Diese Restrukturierung geht auf eine Initiative des DVBS zurück, der die komplizierten Themen- und Finanzverflechtungen in der überverbandlichen Arbeit vom Kopf auf die Füße stellen wollte.
Förderkreis für EBU-Präsident Angermann gebildet
Seit Oktober ist der ehemalige Geschäftsführer des DVBS, Wolfgang Angermann, Präsident der Europäischen Blindenunion (EBU). „Wir sind EBU-Präsident“, titelte daraufhin „BBSB-Inform“ launig. Damit übernimmt Deutschland eine aktivere Rolle in der internationalen Interessenvertretung für Blinde und Sehbehinderte. Der DBSV gründete deshalb einen Förderkreis der helfen soll, die kommende Arbeit finanziell zu leisten und die Aktivitäten abzustimmen. Als nächstes steht die Bildung der Fachausschüsse auf EU-Ebene an. Mit im Rennen ist vom DVBS u.a. Erwin Denninghaus für den Bereich „berufliche Rehabilitation“. Auch im Bereich der europäischen Interessenvertretung will der DVBS die Zuständigkeiten klar strukturieren. „Europa wird ein Schwerpunkt unserer Arbeit in den nächsten Jahren sein“, meint DVBS-Geschäftsführer Michael Herbst, „wir sollten also zu Strukturen kommen, in denen jede Arbeit nur einmal getan werden muss.“
Woche des Sehens: Beispiele gelungener Kooperationen
Wie meistert ein blinder Mensch seinen Alltag, wie findet er sich im Dschungel von Berlin zurecht und welche beruflichen Perspektiven gibt es? Am 9. Oktober öffnete das erste Berliner Dunkelrestaurant NOCTI VAGUS (www.noctivagus.com) seine Pforten, um Interessierten Ein- und Ausblicke in die Chancengleichheit Blinder und Sehbehinderter zu präsentieren. „Ein sehr aufschlussreicher und spannender Nachmittag!“, wertete Lydia Sasnovskis, sie vertrat den DVBS erstmals in diesem Zusammenhang.
Was trotz Sehbehinderung oder Blindheit alles geht, wenn die richtigen Hilfsmittel und Trainingsmaßnahmen greifen, das zeigten das Diakonische Werk Mannheim und seine Partner am 11. Oktober. Geboten wurden die Fotoausstellung AUGENBLICK der Kunstakademie Stuttgart, ein begehbares Beratungsmobil, Informationen für Studierende und Berufstätige, Beratungsangebote zu optischen Sehhilfen, elektronischen Hilfsmitteln, Fortbildungen und Freizeiten, Techniken und praktische Übungen für Begleiter, ein Gottesdienst im Dunkeln u.a.m. „Es war ein insgesamt gelungener Tag. Ein kurzer Beitrag wurde am gleichen Abend im SWR in der Landesschau Baden Württemberg gesendet“, berichtete DVBS-Mitglied Elke Paul.
Mitgliedsbeitragsermäßigung: Beantragungsfrist endet!
Der Antrag auf Ermäßigung des DVBS-Mitgliedsbeitrages für das Jahr 2012 muss bis spätestens 28. Februar 2012 formlos schriftlich, per Fax oder per E-Mail (geschaeftsfuehrung@dvbs-online.de) in der Geschäftsstelle eingetroffen sein.
Fristgerechte Anträge werden bestätigt und die Mitgliedsdaten in der Datenbank angepasst. Die Bestätigung, und ausschließlich sie, dient als Nachweis gegenüber dem Verein. Anträge, die nicht fristgerecht bei uns eintreffen, können nachträglich leider nicht mehr genehmigt werden. Mitglieder, denen im letzten Jahr eine Ermäßigung bis auf Widerruf gewährt wurde (z.B. Mitglieder, die im Ausland leben, oder Ruheständler, die eine Beitragsermäßigung beantragten), sind von der jährlichen Antragstellung ausgenommen. Auskunft erteilt Stefanie Görge, Tel.: 06421 94888-16 montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, E-Mail: goerge@dvbs-online.de.
Terminvorschau
02. Dezember 2011 - Weihnachtsskat
Turnier des DVBS Blindenschachclub, Marburg
27. bis 28. Januar 2012 - Notennetzwerktagung
Seminar der DVBS-Fachgruppe Musik in Augsburg
10. bis 12. Februar 2012 - Fortbildungsseminar
Tagung der Fachgruppe Verwaltung in Berlin
23. bis 26. Februar 2012 – „Nicht sehend - nicht blind“
Seminar der Fachgruppe Sehbehinderte in Herrenberg
09. bis 10. März 2012 – Fortbildungsseminar
Tagung der Fachgruppe Erziehung und Wissenschaft, Fulda
20. bis 24. März 2012 – „Augenheilkunde interdisziplinär“ AAD 2012
Augenärztliche Akademie Deutschland, Düsseldorf
23. bis 25. Mai 2012: SightCity 2012
Messe für Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte, Frankfurt/Main
17. bis 19.05.2012 - DVBS-Selbsthilfetage
mit Mitgliederversammlung in Marburg
01. bis 03.06.2012 - Louis Braille-Festival der Begegnung
100 Jahre DBSV, Jubiläumsfeier in Berlin
Juni 2012 – „Qi Gong und die Selbstverteidigung mit dem weißen Stock“
Seminar in Marburg (Termin wird noch bekanntgegeben)
30.07. bis 03.08.2012 VBS-Kongress
Organisiert durch den Verband der Sehbehindertenpädagogik in Chemnitz
06. bis 13.10.2012 – „Altern und Blindheit“
Jubiläumsseminar der Fachgruppe Ruhestand in Bad Meinberg
18. bis 21.10.2012 – „Präsentieren vor großen und kleinen Gruppen“
Seminar der Fachgruppe Wirtschaft in Herrenberg
Weitere Informationen zu den Terminen finden Sie unter www.dvbs-online.de/php/aktuell.php.
Aus der blista
Dr. Imke Troltenier: blista-Schülerinnen und -Schüler sind im Leistungssport vorn Sportgala 2011 zählt rund 100 Gäste
von Dr. Imke Troltenier
Für die Gäste ist sie atemberaubend, die Zahl der amtierenden und ehemaligen Europa-, Landes-, Jugend- und Weltmeisterinnen und -meister, die sich auf der Sportgala 2011 der Deutschen Blindenstudienanstalt tummeln, die sie hautnah erleben und kennenlernen dürfen. Für die blista-Kenner ist sie fast „normal“. Die blista hat als Talentschmiede eine lange Tradition, hat zahlreiche blinde und sehbehinderte junge Menschen an die Weltspitze geführt und noch mehr für den Leistungssport begeistert. Die blista ist Landesleistungszentrum für die Sportarten Judo, Goalball und Blindenfußball, „Paralympischer Trainingsstützpunkt für Goalball“ und auf dem besten Weg künftig Trainingsstützpunkt für die U23 im Blindenfußball zu werden.
„Kritiker werden anmerken, dass die blista doch eigentlich den Geist und nicht die Muskeln fördern soll“, erklärt Direktor Claus Duncker zur Begrüßung. „Doch haben wir in all den Jahren die Erfahrung gemacht, dass unsere Schülerinnen und Schüler durch den Leistungssport später auch im beruflichen und gesellschaftlichen Leben ihre Frau oder ihren Mann stehen. Deshalb wollen wir den jetzigen und zukünftigen Schülergenerationen diese Chance noch breiter eröffnen.“ Seinen Dank richtet Duncker an alle, die die blista auf diesem Weg ideell und finanziell unterstützen. Er richtet ihn zugleich insbesondere auch an die jungen Sportlerinnen und Sportler, die mit ihrem Einsatzwillen und Trainingsfleiß immer wieder nachdrücklich unter Beweis stellen, dass sie in punkto Leistung Sehenden um Nichts nachstehen.
Sport wird an der blista großgeschrieben
Während die Gäste des „Paralympischen Abends der Talente“ nun Vorspeisen- und Musikkompositionen genießen, werden zwischen den Tafelreihen Matten gerückt: Sechs junge Judokas machen sich bereit. „Judo“, erklärt Christian Rhode, Judo-Abteilungsleiter von BG Marburg und Kooperationspartner der blista-Judoka „bedeutet ‚der sanfte Weg’. Beim Judo geht es darum, die Grundlage zu schaffen sich in vielerlei Sportarten zu bewähren, Selbstsicherheit und Koordinationsfähigkeit zu fördern. Das Fallen zu lernen und wieder aufzustehen. Halte-, Hebel- und selbst Würgetechniken so anzuwenden, dass man aufeinander Rücksicht nimmt.“ Dann geht es los: Begrüßen, Aufwärmen, Osae-komi-waza, Kansetsu-waza, Shime-waza. Kraft und Tempo zählen, wer unterliegt klopft ab. Das Publikum ist begeistert und dankt mit viel Applaus. Bereitwillig stehen beim anschließenden Hauptgang die sechs blista-Schülerinnen und -Schüler wie auch ihre Trainerinnen und Trainer ungezählten Fragen Rede und Antwort. „Judo ist eine Sportart, für die es sich wirklich lohnt, die Lanze zu brechen“, freut sich Jugendnationaltrainer Stefan Axt. „Im Leistungssport haben wir 1995 zum ersten Mal die Weltmeistertitel an die Lahn geholt und jetzt bin ich auf unsere Nachwuchstalente richtig stolz.“
Verena Bentele ist blista-Leistungssportbotschafterin
Zusätzlich zu besten Grüßen von Oberbürgermeister Egon Vaupel überbringt Stadtrat Jürgen Hertlein die Goldene Sportplakette der Stadt Marburg für die neue Leistungssportbotschafterin der blista, Verena Bentele. Über die herausragenden Leistungen in der Sporttradition von blista, SSG und CSS weiß der ehemalige Direktor der Deutschen Blindenstudienanstalt nach wie vor bestens bescheid und betont zugleich ihre integrative Bedeutung: „In Marburg sind blinde und sehbehinderte Sportlerinnen und Sportler nicht in der blista verhaftet, denn Vereine wie BG Marburg und Wehrda sind offen dafür, dass Sport gemeinsam mit Sehenden ausgeübt werden kann.
Drei gegen Drei: Nach Tafelspitz und Grüner Soße verfolgen die Gäste mucksmäuschenstill das spannende Spiel um den klingenden Ball. Das 1250 Gramm schwere Leder will akustisch umkämpft und verteidigt werden. Taktik und höchste Konzentration sind gefragt. Die Goalball-Teams stellen ihr Können unter Beweis und die Gäste sind derart beeindruckt, dass man selbst Pfostentreffer mit mächtigem Applaus quittiert. Was Goalball ist, das war den Trainern Stefan Weil und Johannes Günther im Jahr 2007 noch völlig unbekannt. „Aber von der ersten Stunde an war ich fasziniert! Aus der Goalball-AG wurde eine Mannschaft, heute gibt es drei und es wird fünfmal pro Woche trainiert“, erzählt Stefan Weil. Der Erfolg kam rasant. Seit 2008 sind die beiden blista-Jugendmannschaften durchgehend Deutsche Meister, bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Colorado Springs (USA) holten die Jungs Silber und die Mädels Bronze. Erklärtes Ziel ist es jetzt, mit dem „Paralympischen Trainingsstützpunkt für Goalball“ auch die U23 nach Marburg zu holen. Weil die Zustimmung der zuständigen Ministerien, Verbände und Instanzen nach dreijähriger Vorarbeit als gewiss gilt, stellt der Hessische Behinderten-Sportverband für die künftige Arbeit 10.000 Euro zur Verfügung und die „Stiftung Deutsche Blindenstudienanstalt“ weitere 30.000 Euro. Die jungen Goalball-Spieler strahlen und ihre Trainer freuen sich mit: auf die vielen, vielen Stunden, in denen der Ball in dieser Halle klingeln wird ...
Sport macht Spaß - und alltagstauglich
Warum es wichtig ist, dass blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler ihre sportlichen Talente entdecken und sich im Leistungssport engagieren? Prompt folgt die Antwort auf Interview-Frage Nummer eins: „Sport macht Spaß. Man fühlt sich fit, lernt sich Ziele zu setzen und an seine Leistungsgrenzen zu gehen“, betont Verena Bentele. Und so charmant wie pragmatisch fügt die vierfache Weltmeisterin und zwölffache Paralympics-Siegerin hinzu: „Alltagstauglich macht er übrigens auch: Wenn ich mal wieder mit der Zeit knapp bin und zur U-Bahn sprinten muss, dann freue ich mich, dass ich fit bin.“ Ressortleiter Kommunikation und Teilhabe, Rudi Ullrich, ermuntert die Münchnerin auch zu Kritik, weil sich die blista in puncto Leistungssport bestens aufstellen möchte. Ihr Wunsch sei es, sagt Bentele, dass blinde und sehbehinderte Leistungssportler auch in der Schule noch individueller unterstützt werden: „Man kann uns da ruhig auch einiges zumuten. Es ist unter jungen Leistungssportlern schließlich normal, dass Unterrichtsmaterial zu den Trainings- und Wettkampforten mitgegeben wird, dass sie sich die Inhalte dann auch mal selbständig erarbeiten.“ Einen zweiten Wunsch richtet die sympathische blista-Leistungssportbotschafterin an die Schülerschaft: „Natürlich hoffe ich auch auf alpinen Nachwuchs aus Marburg!“
In der jüngsten und letzten der an diesem Abend vorgestellten Sportarten, besteht die Mannschaft aus vier aktiven vollblinden Spielern und einem sehenden Torwart. Rechts-links-Mitte: Zur Orientierung werden die Torpfosten angeschlagen, dann beginnt das Spiel. „Beim Blindenfußball“, erklärt Trainer Peter Gößmann, „kommt es darauf an, sich für den Gegner möglichst unberechenbar zu machen. Insgesamt elf Mannschaften gibt es in der Bundesliga, 2008 wurden wir Deutscher Meister, in diesem Jahr Vizemeister.“ Den Ball eng am Fuß, im Zickzack gedribbelt, mit Wucht knallt das runde Leder ins Tor. Gegen Stürmer Ali Can Pektas hat Torwart Manfred Duensing kaum eine Chance. Das Publikum fiebert mit der Mannschaft, manch einen Gast halten die virtuosen Vorführungen kaum mehr am Platz. Und so laden Thorsten Büchner und Manfred Duensing im Anschluss an ihre vergnügliche Moderation und den gelungenen musikalischen und kulinarischen Ausklang die Gäste dazu ein, selbst aktiv zu werden: Zum galaabendlichen Ausprobieren unter der Augenbinde und zur Unterstützung der Mannschaft im Training als Tor-Guide und Seiten-Coach: „Immer auf uns zukommen. Wir sind zu allen (Schand-)Taten bereit!“
In der Schwarzschriftausgabe sind fünf Fotos beigefügt. Das erste zeigt eine Szene aus dem Blindenfußball: Die Gegner stehen sich in professioneller Kampfhaltung gegenüber. Als Bildunterschrift ist zu lesen: Beim Blindenfußball gilt es, sich für den Gegner unberechenbar zu machen. Das zweite Foto zeigt die Judoka-Gruppe, zwei Gegner überschlagen sich im Kampf, der Rest schaut zu. Die Bildunterschrift lautet: Kraft und Tempo zählen. Das dritte Foto zeigt Rudi Ullrich und Verena Bentele beim Interview. Rudi Ullrich hält das Mikrofon in der Hand. Die blista-Leistungssportbotschafterin scheint zu überlegen, bevor sie die Frage beantwortet. Als Bildunterschrift ist zu lesen: Hofft auf alpinen Nachwuchs aus der blista: Verena Bentele im Gespräch mit Rudi Ullrich. Das vierte Foto zeigt Andreas Bethke und Christiane Möller, die Bildunterschrift lautet: Zwei Goalball-Weltmeister beim Fachsimpeln. Das fünfte Foto zeigt Dr. Otto Hauck, der sich von einem der jungen Judoka den Sportanzug genau erklären lässt.
Impressum
Herausgeber
Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) und Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)
Redaktion
- für den DVBS: Uwe Boysen, Michael Herbst, Andrea Katemann und Dr. Imke Troltenier
- für die blista: Isabella Brawata, Thorsten Büchner, Rudi Ullrich und Marika Winkel
Koordination
Dr. Imke Troltenier, Geschäftsstelle des DVBS, Frauenbergstraße 8, 35039 Marburg, Tel.: 06421 94888-13, Fax: 06421 94888-10, E-Mail: horus@dvbs-online.de, Internet: www.dvbs-online.de.
Beiträge und Bildmaterial schicken Sie bitte ausschließlich an die Geschäftsstelle des DVBS, Redaktion. Wenn Ihre Einsendungen bereits in anderen Zeitschriften veröffentlicht wurden oder für eine Veröffentlichung vorgesehen sind, so geben Sie dies bitte an. Nachdruck ‑ auch auszugsweise ‑ nur mit Genehmigung der Redaktion.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V. i. S. d. P.)
Michael Herbst (DVBS) und Rudi Ullrich (blista)
Erscheinungsweise
Der „horus“ erscheint alle drei Monate in Blindenschrift, in Schwarzschrift und auf einer CD-ROM, die die DAISY-Aufsprache, eine HTML-Version und die Braille-, RTF- und PDF-Dateien enthält.
Jahresbezugspreis
- 22 Euro (zuzüglich Versandkosten) für die Schwarzschriftausgabe,
- 35 Euro für alle übrigen Ausgaben.
Die Kündigungsfrist beträgt sechs Wochen zum Ende eines Kalenderjahres. Für Mitglieder des DVBS ist der Bezug im Jahresbeitrag enthalten.
Bankkonten des DVBS
Sparkasse Marburg-Biedenkopf (BLZ 533 500 00), Konto 280
Commerzbank AG Marburg (BLZ 533 400 24), Konto 3 922 945
Postbank Frankfurt (BLZ 500 100 60), Konto 149 949 607
Verlag
Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V., Marburg, ISSN 0724-7389
- Punktschriftdruck: Deutsche Blindenstudienanstalt e. V., Marburg
- Digitalisierung und Aufsprache: Geschäftsstelle des DVBS, Marburg
- Schwarzschrift-Druck: Druckerei Schröder, 35081 Wetter/Hessen
Die Herausgabe der Zeitschrift „horus“ wird vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband aus Mitteln der „Glücksspirale“ unterstützt.
horus 4/2011, Jg. 73
Titelbild: Braille21, Fotos: Dr. Imke Troltenier (DVBS itrol)
Nächste Ausgabe (horus 1/2012)
Schwerpunktthema: Aktives Altern: Erscheinungstermin: 27. Februar 2012, Anzeigenannahmeschluss: 27. Januar 2012, Redaktionsschluss: 05. Januar 2012.
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Seit kurzem gibt es auch für sehgeschädigte Menschen die Möglichkeit Teile des französischen Jakobswegs zu beschreiten. Eine sehende Begleitung macht es möglich den Reichtum der Natur tastend zu erfahren.
Sie wandern mit, Philippe der fließend Deutsch spricht. Die Wege, auf denen Sie wandern, sind für alle zugänglich. Sie wurden sorgfältig geprüft und ausgesucht damit sie sich sicher auf dem weg fühlen.
Für weitere Informationen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung: Tel: 0033 3 89 78 94 39, E-Mail: lymg@hotmail.fr, Internet: www.lymg.fr
Liebe Leser, "Christinas Weg", mein Roman, der im September 2010 bei Unibook erschienen ist, wurde nun auch von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) als DAISY-Hörbuch umgesetzt.
Dieser Roman erzählt von einer Blinden, angefangen von der Geburt über die Schulzeit und Ausbildung bis zum Leben in der Ehe und der Kindererziehung. Durch meine eigene Blindheit konnte ich viele Lebenssituationen anschaulich schildern. Viel Phantasie, Freude, Trauer, Spannung, Lustiges und Ernstes gehen ineinander über. Lassen Sie sich überraschen und lesen bzw. hören Sie selbst!
Mein Buch ist nun in zwei Versionen erhältlich:
- DAISY-CD, Preis: 16 Euro inkl. Versandkosten, Bestellungen bei Maria Hengelman-Schlag, Tel.: 00 31 / 53 / 785 19 33, E-Mail: mhengelman@telfort.nl
- Schwarzschrift, Preis: 28,47 Euro zzgl. Versandkosten, Bestellungen unter www.unibook.com/de/Maria-Hengelman-Schlag/Christinas-Weg
Gewerbliche Anzeigen
IM ABONNEMENT: DIE BAGSO-NACHRICHTEN
Die BAGSO-Nachrichten, die Zeitschrift der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen für Aktive in Seniorenarbeit und Seniorenpolitik erscheinen vierteljährlich, jeweils mit einem Schwerpunktthema und aktuellen Informationen zu: Seniorenpolitik und Seniorenarbeit, Gesundheit und Pflege, Technik und Internet, Verbraucherfragen, Finanzen…
Sie können die BAGSO-Nachrichten abonnieren - für 16 €/Jahr inklusive Versand, Mitglieder eines BAGSO-Verbandes zahlen nur 12 €/Jahr. Wir senden Ihnen gern ein Probeheft oder ein Abonnement-Formular zu.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), Bonngasse 10, 53111 Bonn, Tel.: 02 28 / 24 99 93 15, Fax: 02 28 / 24 99 93 20, www.bagso.de
VisioBook - BAUM
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Produkte und Dienstleistungen für Blinde und Sehbehinderte: BAUM
Erstklassig! René Piepke (23), sehbehindert …
…arbeitet jetzt bei EDEKA in Minden.
Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH, Bildungszentrum für Sehbehinderte, Fon 0931 9001-0, eMail: info@bfw-wuerzburg.de, www.bfw-wuerzburg.de
Die Schwarzschriftausgabe zeigt das Foto eines stolz lächelnden jungen Mannes mit modern gestylter Kurzhaarfrisur und dunkler Jacke. Dynamisch stützt er sich mit dem linken Ellbogen auf ein EDEKA-Schild.
Wolfgang Angermann ist neuer Präsident der Europäischen Blindenunion
Wir gratulieren!
Die 9. Generalversammlung der Europäischen Blindenunion (EBU) hat den ehemaligen blista-Schüler, der später blista-Lehrer und -Mitglied wurde, zum neuen EBU-Präsidenten gewählt!
Der blinde Jurist war von 1977 bis 1994 Geschäftsführer des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) und in dieser Funktion 1984 an der Gründung der EBU beteiligt. 1995 wechselte er an die Spitze des Deutschen Taubblindenwerks in Hannover.
Als Dachorganisation der Blinden- und Sehbehindertenverbände in 45 Ländern Europas vertritt die EBU die Belange von 30 Millionen blinden und sehbehinderten Menschen. Das EBU-Präsidium ist das höchste Entscheidungsorgan der EBU zwischen den alle vier Jahre stattfindenden Generalversammlungen.
Die Anzeige ist illustriert mit einem Foto, das Wolfgang Angermann bei seiner „Acceptance speech zeigt“, sowie mit den Logos von EBU, blista und DVBS.
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig
Wir sind für Sie da: www.dzb.de •• verkauf@dzb.de •• Telefon 0341 7113-119 •• Fax 0341 7113-125
RELIEF-WANDKALENDER »Chinesische Tierkreiszeichen«
Die zwölf Tierkreiszeichen stehen im Mittelpunkt des Relief-Wandkalenders 2012. Die Tiere und das entsprechende Schriftzeichen sind auf einem transparenten Relief dargestellt, das mit einem farbenfrohen Druck unterlegt ist. Die Texte beschreiben die jeweils wesentlichen Eigenschaften der Tierkreiszeichen. Diese wie auch das Kalendarium sind in Blindenvoll- und Schwarzschrift verfasst. 18 Euro • BNV 6951
BEGLEITENDES ANGEBOT:
Das chinesische Horoskop. Eine Einführung in die chinesische Astrologie. Erhältlich in Kurz- und Vollschrift, je 2 Bde., je 12 €.
GROSSDRUCK-KALENDER
Großdruck-Taschenkalender: 6 Euro • BNV 6953, Großdruck-Tischkalender: 7,90 Euro • BNV 6936, Großdruck-Wandkalender: 9,90 Euro • BNV 6937.
PUNKTSCHRIFT-KALENDER
Taschenkalender MINI in Vollschrift: 2,10 Euro • BNV 6954, Taschenkalender MAXI in Kurzschrift: 6 Euro • BNV 6955, Taschenkalender FLEXI in Kurzschrift: 7,90 Euro • BNV 6956, Nachfüllpack Kalendarium FLEXI: 5,90 Euro • BNV 6952, Nachfüllpack Notizblätter FLEXI: 1,90 Euro • BNV 6089, Jahreswandkalender: 3,80 Euro • BNV 6938.
Wir halten für Sie ein großes Sortiment weiterer Produkte bereit!
Die Anzeige ist illustriert mit zwei Auszügen aus dem Wandkalender. Der eine zeigt einen chinesischen Drachen, der andere ein Äffchen. Beide Illustrationen sind mit den entsprechenden chinesischen Bezeichnungen abgebildet.
Handy Tech hat das richtige Kameralesesystem für Sie
Kamerasysteme ermöglichen Sehbehinderten gedruckte Vorlagen, Bilder oder Gegenstände vergrößert zu betrachten. Ob zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz, dank der Partnerschaft mit dem schwedischen Hersteller LVI, hat Handy Tech die optimale Lösung für Sie:
- MagniLink Student ist die ideale Lösung für die Schule. Mit USB an einen Laptop oder Mac Book angeschlossen, kann das Schulbuch und auch die Tafel bequem gelesen werden.
- MagniLink Mira ist ideal für Zuhause. Sämtliche Funktionen sind bequem auf dem übersichtlichen Bedienfeld, direkt unter dem Flachbildschirm, zu bedienen.
- MagniLink Vision, das professionelle Kameralesesystem für den Arbeitsplatz mit hochauflösender HD-Technologie.
Übrigens bietet Handy Tech für Sehbehinderte auch elektronische Lupen und Vergrößerungsprogramme an.
Handy Tech Elektronik GmbH, Brunnenstraße 10, 72160 Horb-Nordstetten, Telefon 07451 5546-0, Fax 07451 5546-67, E-Mail info@handytech.de, www.handytech.de
Filiale Stuttgart: 0711 2202299-0 • Filiale Köln: 0221 921556-0 • Filiale Marburg: 6421 690012-0 • Filiale Lüneburg: 04131 699698-0
In der Schwarzschriftausgabe erscheint eine Bilderreihe. Links ist eine ältere Dame mit ihrer Enkelin abgebildet. In der Mitte erscheint ein Bild vom MagniLink Vision und auf dessen Lesetisch liegt ein aufgeschlagenes Buch. Die Kamera erfasst diese Seite und zeigt diese mehrfach vergrößert auf dem großen Bildschirm an. Rechts erscheint ein Bild von Karina, ihr MagniLink Student erfasst mit der Kamera die Schultafel und zeigt diese mehrfach vergrößert auf dem Bildschirm ihres Notebooks an. Das Handy Tech LOGO trägt die Unterzeile: Elektronische Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte.
Hörbücher und Hörspiele für alle Generationen
HÖRDEUTSCH.de … hören was drin steht!
Bei uns bekommen Sie zu jedem gekauften Hörbuch einen kostenlosen Aufkleber mit dem Titel des Hörbuchs in Brailleschrift. Wir bieten die komplette DAISY-Edition des Argon Verlags an. Sie suchen ein bestimmtes Hörbuch, Hörspiel, haben einen Lieblingsautor oder Sie suchen noch nach einem passenden Weihnachtsgeschenk? Dann rufen Sie uns an, wir beraten Sie gerne! Sie erreichen uns Montags – freitags von 13:00 – 18:00 Uhr unter Tel.: 0 23 93 / 22 00 66.
HÖRDEUTSCH.de wünscht Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2012! www.HÖRDEUTSCH.de, E-Mail: info@hoerdeutsch.de
FOCUS 40 Blue - IPD Infosystem Produktion und Distribution GmbH
Die Focus 40 Blue Braillezeile von Freedom Scientific setzt die neuesten Technologien zur Kommunikation mit dem PC ein. Sie können das Gerät per USB oder drahtlos über Bluetooth mit dem Computer verbinden.
Die 40 Braillemodule und die papierähnliche Tastoberfläche der Focus 40 Blue bieten Ihnen ein optimales Leseerlebnis. Mit den vielen Funktionstasten, zwei Navigationsrädchen und der 8-Punkt-Brailleeingabe können Sie Ihren PC effizient bedienen.
Wir bieten Ihnen kompetente Beratung - qualifizierte Schulung - professionellen Support. Und das passende Hilfsmittel für Ihre Sehbehinderung.
Ihr Ansprechpartner für hochwertige Hilfsmittel - Mit Standorten in Hannover und Darmstadt IPD. Wir haben für Sie die richtige Lösung. Telefon: 01802 473473 (6ct/Anruf), post@ipd-hannover.de, www.ipd-hannover.de
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Sie sind blind ohne Lichtwahrnehmung? Sie haben Probleme nachts zu schlafen oder leiden unter Müdigkeit am Tag?
Ein Arzt in Ihrer Nähe führt eine klinische Studie zur Erprobung eines neuen, noch nicht zugelassenen Medikaments gegen die sogenannte Schlaf-Wach-Störung bei Abweichung vom 24-Stunden-Rhythmus durch.
Sie können möglicherweise daran teilnehmen wenn Sie:
- Zwischen 18 und 75 Jahre alt sind
- Blind sind ohne Lichtwahrnehmung
- Schwierigkeiten haben nachts zu schlafen oder unter Tagesmüdigkeit leiden
Für Ihre Teilnahme erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung. Wenn Sie Interesse haben an dieser Studie teilzunehmen: Bitte rufen Sie das Prüfzentrum in Ihrer Nähe an unter: Prüfzentrum: Universitätsklinikum Marburg, Ansprechpartner: Dr. med. Jörg Heitmann, Telefon: 0151 / 58157412, Email: heitmanj@med.uni-marburg.de [Mo-Fr 9:00 bis 17:00 Uhr].
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