Von Ute Mölter (BSZ blista) und Rita Schroll (HKFB), 
zusammengefasst von Klaus Winger

Ute Mölter und Rita Schroll beraten bzw. coachen in unterschiedlichen beruflichen Zusammenhängen Assistenznehmende, teilweise auch Assistenzkräfte. Rita Schroll ist außerdem selbst Arbeitsassistenznehmerin. Beide verweisen darauf, dass sich Assistenznehmende oft - insbesondere vor Beginn einer Assistenzbeziehung, aber auch im Verlauf einer solchen - zu wenig mit den persönlichen und psychosozialen Dimensionen von Arbeitsassistenz beschäftigen. Sie tragen ihre Betrachtungen, Hinweise und Ratschläge abwechselnd vor und gliedern ihren Vortrag in folgende Themenbereiche:

  • Gute Beziehungen - was macht sie aus?
  • Klare Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Die Einstellung der Assistenz vorbereiten
  • Das Bewerbungsverfahren
  • Die Arbeitsassistenzbeziehung aktiv gestalten.

Neben den rechtlichen, vertraglichen, finanziellen und organisatorischen Faktoren, die ein Assistenzverhältnis bestimmen, stehen die persönlichen Beziehungen zwischen Assistenznehmenden und -gebenden im Zentrum einer gelingenden beruflichen Teilhabe mit Arbeitsassistenz. Besonders im üblichen Berufsleben selten vorkommende Dimensionen, wie etwa das Führen der vorgesetzten Person und der Umgang mit der damit nötigen körperlichen Berührung und Nähe, müssen angesprochen und trainiert werden. Sie sind Assistenzgebenden in aller Regel fremd. Auch Anforderungen an die Assistenzkraft, wie z.B. die Begleitung der assistenznehmenden Person zur Toilette, das Hinweisen auf kleinere und größere Mängel im Auftreten und bei der Kleidung, Momente von Intimität und Verletzbarkeit, müssen bedacht, besprochen und trainiert werden. Gleiches gilt für die Information der Assistenznehmenden über von ihnen nicht wahrnehmbare Kommunikation Dritter.

Ute Mölter und Rita Schroll erläutern anhand vieler Praxisbeispiele und Erfahrungen die Ursachen möglicher auftretender Probleme, von Stress und Konflikten in Arbeitsassistenzbeziehungen.

Voraussetzungen einer guten Assistenzbeziehung

Als Voraussetzungen für eine gelingende Assistenzbeziehung empfehlen Ute Mölter und Rita Schroll Assistenznehmenden, eine Reihe von Aspekten bereits vor Beginn eines Vertragsverhältnisses mit einer Assistenzkraft für sich selbst zu klären. Stichworte dazu, die die Vortragenden ausführlich und alltagspraktisch erläutern, sind u.a.:

  • Die Klärung des Selbstbildes als Mensch mit Behinderung, z.B. zwischen dankbarem Hilfeempfänger bzw. dankbarer Hilfeempfängerin und forderndem Arbeitgeber bzw. fordernder Arbeitgeberin.
  • Reflektion des eigenen Selbstverständnisses und des Bildes der Arbeitsumwelt von sehbeeinträchtigten Kolleginnen und Kollegen.
  • Vorabklärung möglicher Rollen- und Interaktionsprobleme zwischen den Assistenzpartner*innen und betrieblichen Akteur*innen, insbesondere wenn im Betrieb der Einsatz von Arbeitsassistenz neu ist.
  • Offene Ansprache und Klärung von Rolle und Verantwortlichkeiten in der Assistenzbeziehung.
  • Aber auch der Umgang mit Intimität, Vertrauen und Nähe ist ein zentrales Thema der Gestaltung der Assistenzbeziehung.

Assistenzgebende wiederum müssen für sich klären, ob sie den hohen Anforderungen, die an sie gestellt werden, genügen wollen und können. Hierzu zählt z. B., die Fähigkeit und Bereitschaft des Arbeitens auf Anforderung zum einen und gleichzeitig die Kompetenz mitdenkender Augen auf der anderen Seite aufzubringen. Ebenso sollten Assistenzkräfte ihr Selbstverständnis hinterfragen, sich über ihre Motive und persönlichen Dispositionen als Assistenzgebende klar werden und sich möglichst mit ihren Assistenznehmenden darüber austauschen.

Assistenznehmende sind Führungskräfte und sollten sich als solche verstehen und qualifizieren. Sie sollten Führungsinstrumente, wie Aufgabenplanung und -vereinbarung, Kooperationsregeln und Feedback-Gespräch, einsetzen können. Sie sollten mit ihren Assistenzkräften wertschätzend umgehen, wozu die Vortragenden profilierte Beispiele anführen. Assistenznehmende sind als Vorgesetzte Vorbilder, z.B. bezüglich der Einhaltung von verabredeten Regeln und der Offenheit in der Kommunikation schwieriger Themen, z.B. behinderungsbedingter Leistungsschwankungen.

Ein stabiles Selbstmanagement der blinden und sehbehinderten Assistenznehmenden ist eine wesentliche Basisvoraussetzung für eine gut funktionierende Arbeitsassistenzbeziehung.

Die beiden Vortragenden erläutern die Vielzahl ihrer Hinweise und Vorschläge für Assistenznehmende und -gebende an interessanten und übertragbaren Beispielen und Erfahrungen aus ihren reichhaltigen und vielfältigen Alltagskontexten.

Zu den Referentinnen

Ute Mölter ist Diplom-Sozialpädagogin und Systemischer Coach (DGSF). Sie leitet das Beratungs- und Schulungszentrum (BSZ) der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg und begleitet seit vielen Jahren blinde und sehbehinderte Menschen in Ausbildung und Job.

Rita Schroll ist Diplom-Sozialarbeiterin und berät seit vielen Jahren Assistenznehmer*innen. Seit 2003 leitet sie das Hessische Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung, eine vom Paritätischen Wohlfahrtsverband getragene Institution. Für ihr großes Engagement hat sie 2014 das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Weitere Informationen

Linktipps

Die Webseite https://www.blista.de/ausbildung-und-beruf zeigt das umfassende Angebot des BSZ blista.

Unter https://www.hkfb.de/hessisches-koordinationsbuero-fuer-frauen-mit-behinderung.html können Sie sich über die Arbeit des Hessischen Koordinationsbüros für behinderte Frauen informieren und erhalten nützliche Links und zahlreiche Kontaktadressen.

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