horus 3/2011
Schwerpunkt: Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit in der Selbsthilfe
Inhalt
- Vorangestellt
- In eigener Sache
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Schwerpunkt: Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit in der Selbsthilfe
- Mareike Alscher und Dr. Eckhard Priller: Engagement - vielseitig und unverzichtbar
- Andrea Katemann mit Lisa Dyck: Eigentlich bin ich da so reingerutscht …
- Dr. Imke Troltenier mit Dr. Otto Hauck: Visionen entwickelt und Schritt für Schritt umgesetzt
- Michael Herbst: Freiwilliges Engagement im DVBS – Theorie, Praxis und Zukunftspotenziale
- Uwe Boysen: Der Schwarm rockt
- Dr. Imke Troltenier mit Dr. Herbert Demmel: Mit Feuereifer für Rehabilitation und Bildungschancen
- Dr. Imke Troltenier mit FAM e.V.: Zusätzliche Zeit schenken: Zum rechtlichen Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeit
- Prof. Dr. Kurt Jacobs: Ehrenamtliches Engagement als Möglichkeit zur gesellschaftlichen Partizipation
- Dr. Johannes-Jürgen Meister: Zivilgesellschaftliches Ehrenamt – ein Gewinn für alle
- Thorsten Büchner: Beschwer dich nicht, du machst das alles freiwillig …
- Bücher
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Panorama
- Weltkongress „Braille21 – Innovationen in Braille im 21. Jahrhundert“
- 10. Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2011
- Woche des Bürgerschaftlichen Engagements: 16.-25.9.2011
- Drei aktuelle Studien zu bürgerschaftlichem Engagement
- Wettbewerbe rund ums bürgerschaftliche Engagement
- VBS-Kongress: „Call for Papers 2012”
- Neue BIK@work-Broschüre
- Arbeitgeber-Schnellinfo im Internet
- Be mobile, be smart!
- Fortbildung 2012: Bitte jetzt schon anmelden und Platz sichern!
- „Vision in Enterprise“
- Zwischenstand: "Büchernot" und WIPO-Vertrag
- Recht
- Bildung und Forschung
- Barrierefreiheit und Mobilität
- Berichte und Schilderungen
- Aus der Arbeit des DVBS
- Aus der blista
- Impressum
- Kleinanzeigen
Vorangestellt
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitglieder,
der Schwerpunkt des vorliegenden Heftes beschäftigt sich mit dem Ehrenamt. Eigentlich enthält dieses zusammengesetzte Wort zwei – etwas altbackene – Begriffe, den der Ehre und denjenigen des Amtes. Amt, das klingt nach Hierarchie, nach verstaubten Akten und nach Last. Ehre, das soll diesen Eindruck wieder etwas relativieren. Es enthält ein Versprechen, das Versprechen, für die Last des Amtes in irgendeiner Weise Ansehen, Reputation, Prestige zu erwerben. Das Ganze ist eine Art Austauschprozess: Last und Mühe gegen gesellschaftliche Anerkennung. Entsprechend finden sich bei ehrenamtlich Tätigen extrinsische und intrinsische Motivationen, wie Michael Herbst das in seinem Beitrag nennt.
Wie steht es nun im DVBS mit diesem Austauschprozess? Das war die Frage, die sich die Redaktion stellte, als sie sich im Jahr des freiwilligen Engagements für diesen Schwerpunkt entschied. Eine Menge unterschiedlicher Facetten sind bei unseren Nachforschungen herausgekommen (siehe etwa die Ausführungen von Alscher/Priller und Meister einerseits und die von Troltenier und Katemann geführten Interviews andererseits).
Indes es fehlen auch einige Blickwinkel. So hätte ich mir den einen oder anderen Bericht von frustrierten Ehrenamtlern gewünscht, die trotz attraktiven Programms nun schon zum zweiten oder dritten Mal eine nur sehr mäßig besuchte Bezirks- oder Fachgruppenveranstaltung ausrichten oder die sich in ihrer Arbeit auf andere Weise nicht richtig wahrgenommen fühlen. Dieses Heft beleuchtet dagegen eher unsere Erfolge und die positiven Seiten des Vereinsengagements. Gleichwohl sei auch den vielen anderen, die diesmal nicht zu Wort gekommen sind, die aber teilweise schon über Jahrzehnte unverzichtbare Arbeit für diesen Verein leisten, an dieser Stelle ausdrücklich dafür Respekt gezollt, dass sie uns (neben so manchem materiellen Opfer) immer wieder ein sehr wertvolles Gut schenken, nämlich einen Teil ihrer Lebenszeit. Das ist gewiss nicht immer leicht, indes unverzichtbar, wenn wir alte Forderungen beharrlich vertreten, aber auch neue Ziele für unsere Arbeit definieren und dann gemeinsam umsetzen wollen.
Für die Bereitschaft, sich diesen Herausforderungen stets von Neuem zu stellen, bedankt sich – und ich bin so vermessen, das im Namen aller Mitglieder des DVBS zu tun - ganz herzlich
Ihr und Euer Uwe Boysen
Motiv in der Schwarzschriftausgabe: Das Portrait zeigt Uwe Boysen in dunklem Anzug, hellem Hemd und Krawatte. Er trägt eine dunkle Brille und lächelt. Bildunterschrift: Uwe Boysen ist erster Vorsitzender des DVBS (Foto: DVBS).
In eigener Sache
Vorfreude auf Braille21: Deutschlandtag, Weltkongress und Schwerpunktthema im nächsten horus!
Während die Vorbereitungen der beiden Erstgenannten auf Hochtouren laufen, sich auch Vertreterinnen und Vertreter von blista und DVBS maßgeblich an der Programmgestaltung für den Braille-Tag in Deutschland (27. September) und den Weltkongress Innovationen in Braille (28.- 30. September 2011) beteiligen, gibt sich Braille21 als Schwerpunktthema der nächsten horus-Ausgabe noch recht jungfräulich: Wie haben Sie Ihre Kenntnis erworben? Was ist sie Ihnen wert? Welche Erfahrungen haben Sie in Schule, Studium, Arbeit oder im Ausland gemacht? Redaktionsschluss ist der 7. Oktober. Auf Ihre Beiträge freut sich die Redaktion des horus (horus@dvbs-online.de). Die Lektüre der Rubrik Panorama empfehlen wir demgegenüber zur Anmeldung und für weiterführende Informationen zu den Braille21-Angeboten auf dem Zentralcampus der Universität Leipzig.
Sehverlust = Arbeitsplatzverlust?
Das muss nicht sein! Bei Sehverlust im Berufsleben gilt es zunächst, die Arbeitstechniken anzupassen. Oft hilft der Computer. Blindenschrift-Display und Sprachausgabe ersetzen den Bildschirm, Tastenbefehle den Mausklick. Wo nötig, greift sehende Hilfe ein. Von Gehaltszuschüssen über die Finanzierung der behindertengerechten Arbeitsplatzausstattung bis zur Gewährung sog. Arbeitsassistenz reicht das Förderinstrumentarium für Arbeitgeber. Bezahlt werden die Hilfen aus der Ausgleichsabgabe, die jene Unternehmen entrichten, die nicht wenigstens jeden 20sten Arbeitsplatz mit einem behinderten Menschen besetzen. Viele Jobs können dadurch gesichert werden, manche entstehen durch Fortbildung neu.
Gleichwohl ist die Palette der Arbeitsplätze, die von blinden und sehbehinderten Arbeitnehmern besetzt werden könnte, deutlich breiter und vielfältiger als allgemein bekannt. Unter dem Motto "Sehen, was geht - auch mit Sehbehinderung" bieten die Selbsthilfeorganisationen im Partnerkreis der 10. Woche des Sehens vom 8.-15.10.2011 ihren Mitgliedern beste Gelegenheiten, mit Infoständen, Veranstaltungen und Erlebnis-Angeboten darauf aufmerksam zu machen. Denn zahlreiche Fachstellen beraten gern und helfen! Wer hier aktiv werden möchte, findet Unterstützung und die entsprechend weiterführenden Infos in der Rubrik Panorama in diesem Heft.
Schwerpunkt: Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit in der Selbsthilfe
Mareike Alscher und Dr. Eckhard Priller: Engagement - vielseitig und unverzichtbar
von Mareike Alscher und Dr. Eckhard Priller
- Rund ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland engagiert sich freiwillig. Das ist das Ergebnis der jüngsten Erhebungswellen großer empirischer Untersuchungen wie des „Freiwilligensurveys“ und des „Sozio-oekonomischen Panels“. Damit werden die Aussagen des von der Projektgruppe Zivilengagement am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) erarbeiteten „Berichts zur Lage und zu den Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland“ unterstrichen. In diesem wird eine während der letzten Jahrzehnte zunehmende Engagementbeteiligung festgestellt.
- Das facettenreiche Konzept des freiwilligen Engagements – man spricht oft auch vom ehrenamtlichen, bürgerschaftlichen oder zivilgesellschaftlichen Engagement – hat die Öffentlichkeit, die Politik und die Wissenschaften in den vergangenen Jahren besonders bewegt. Viele Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich an selbst organisierten Aktivitäten und leisten einen Beitrag für gemeinschaftliche und gesellschaftliche Belange: Sie geben Geld, aber auch Zeit, Energie und Ideen. Ihr Engagement zeichnet sich ganz allgemein durch Kriterien der Freiwilligkeit, der Unentgeltlichkeit und der Gemeinwohlorientierung aus; es wird als Ausdruck einer vitalen Zivilgesellschaft und als Grundlage für das Funktionieren einer modernen Gesellschaft angesehen. Die Rolle des freiwilligen Engagements für die Stärkung eines demokratischen Gemeinwesens und des gesellschaftlichen Zusammenhalts wird seit Langem in der Wissenschaft hervorgehoben. Neben den Möglichkeiten der gesellschaftlichen Partizipation bietet das Engagement aber weit mehr. Es leistet einen unverzichtbaren Beitrag für die Steigerung der Lebensqualität in vielen gesellschaftlichen und privaten Bereichen.
- Das stark gewachsene Interesse am Zivilengagement, in Deutschland wie international, ist vor allem auf aktuelle Gesellschaftsentwicklungen zurückzuführen: zunehmende Individualisierung, demografischer Wandel, Verlust sozialer Bindungen, geringer werdendes Interesse an Politik und Rückgang der Leistungsfähigkeit traditioneller Sozialsysteme. Im Engagement werden vielfach Möglichkeiten gesehen, diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen. In diesem Zusammenhang ist jedoch von einer Überforderung des Engagements zu warnen: Es kann weder die Lösung aller künftigen Probleme sein, noch lässt es sich allein durch finanzielle Anreize oder sozialstaatliche Aktivierungsstrategien erzeugen. Individuelle Betroffenheit, altruistische Motive, die Verfolgung gemeinschaftlicher Interessen, der eigene sozial-ökonomische Status und die Passfähigkeit in die Lebensplanung der/des Einzelnen sind wichtige Faktoren für die Engagementausübung. Es gilt zudem zu beachten, dass das Engagement in Bezug auf öffentliche und privatwirtschaftliche Leistungen lediglich eine ergänzende Funktion hat.
- In wissenschaftlichen Analysen wird die überproportional starke Beteiligung der Mittelschicht betont. Es sind allerdings nicht vordergründig Bildungsniveau oder Einkommenshöhe, die an sich ein Engagement begünstigen. Vielmehr bilden beide Faktoren die Voraussetzung für eine bessere soziale Einbindung bzw. Vernetzung. Diese führt dann häufig zu einer gesellschaftlich aktiven Tätigkeit.
- Nach Angaben aus unterschiedlichen Erhebungen engagieren sich in Deutschland derzeit zwischen 30 und 36 Prozent der Bürgerinnen und Bürger. Seit Mitte der 1980er Jahre lässt sich ein steigender Trend der Engagementbeteiligung beobachten (vgl. Abb. 1).
- Abbildung 1 zeigt unter dem Titel „Entwicklung der Engagementbeteiligung in Deutschland, 1985–2009, in %“ drei Linien mit Datenpunkten für die Jahre 1985 bis 2009 (x-Achse). Die prozentuale Beteiligung der Bevölkerung ist in Prozent angegeben (y-Achse).
- Die Linie mit den Datenpunkten derjenigen, die sich „seltener als monatlich“ ehrenamtlich engagieren, bewegt sich in der Tendenz leicht ansteigend zwischen ca. 7-9% (1985-88 und 1995) und knapp 15 Prozent (1996, 1999 und 2004).
- Die Linie mit den Datenpunkten derjenigen, die sich „mindestens monatlich“ ehrenamtlich engagieren, bewegt sich in den Jahren 1985-2003 zwischen ca. 13-16% und steigt in den Folgejahren auf ca. 18% in 2009.
- Die Linie mit Datenpunkten der aufsummierten Werte der beiden Erstgenannten bewegt sich in der Gesamttendenz ansteigend im Bereich zwischen ca. 22% (1986 und 1995) und ca. 30% (2005 und 2009).
- Die Datenbasis wird mit SOEP 26 angegeben, dabei wurde für die Jahre 1985 –1988 nur die Bevölkerung der alten Bundesländer zugrunde gelegt (ab 16 Jahren).
- [Ende Abb.-Beschreibung]
- Ein bedeutender Teil der Aktiven ist nur für einen begrenzten Zeitraum engagiert. Das Engagement ist also teilweise – und dies trifft besonders auf die Jüngeren zu – durch mehrfache Ein- und Austritte sowie relativ kurzfristige Engagementepisoden gekennzeichnet. Dies mag einer der Gründe dafür sein, dass eine Reihe zivilgesellschaftlicher Organisationen die Gewinnung und Bindung Engagierter zunehmend als Problem und teilweise sogar als existenzielle Bedrohung benennt.
- Freiwilliges Engagement findet in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen statt, angefangen beim Sport, über Kultur, Freizeit, Bildung, im Gesundheitswesen, bei den sozialen Diensten, im Umwelt- und Naturschutz und in der Vertretung von Bürger- und Verbraucherinteressen (vgl. Abb. 2).
Abbildung 2 zeigt unter dem Titel „Freiwilliges Engagement in Bereichen, Bevölkerung ab 14 Jahren, in %“ zehn Säulen-Paare, die das Ausmaß gesellschaftlichen Engagements in zehn, entlang der x-Achse aufgeführten, gesellschaftlichen Bereichen vergleichend visualisieren. Datenbasis ist der Freiwilligensurvey 2009.
- Die Säulenpaare repräsentieren jeweils das Ausmaß gesellschaftlichen Engagements in den Jahren 1999 und 2009. Die zehn Engagementbereiche sind: Sport und Bewegung; Freizeit und Geselligkeit; Kultur, Kunst, Musik; sozialer Bereich; Kindergarten und Schule; Religion und Kirche; berufliche/politische Interessensvertretung; Natur- und Tierschutz; Sonstiges.
- Mit knapp 12 % liegt der höchste Wert im Bereich Sport und Bewegung (1999), der Vergleichswert für 2009 liegt bei ca. 10 %.
- Mit knapp 2 % liegen die niedrigsten Werte im Bereich Gesundheit bei gut 1 % (1999) bzw. 2 % (2009).
- Die größte Differenz zwischen den Säulenpaaren verzeichnen die Bereiche Sonstiges mit ca. 6 % (1999) bzw. gut 8 % (2009) und Religion und Kirche mit gut 5 % (1999) bzw. ca. 7 % (2009).
- [Ende Abb.-Beschreibung]
- In den einzelnen Feldern werden ganz unterschiedliche Aufgaben übernommen. Neben den ehrenamtlichen Leitungsfunktionen in Vorständen und in anderen Gremien sind vielseitige unterschiedliche Engagementtätigkeiten zu finden. In einem traditionell großen Engagementfeld, dem Sport, engagiert sich beispielsweise der oder die TrainerIn. In der Kultur kommt ein Kunstverein nicht ohne Freiwillige aus, die eine Ausstellung oder Veranstaltung betreuen, in Kindergärten und Schulen sind freiwillige Bildungspaten unterwegs. Sehr oft werden Aufgaben übernommen, die ein zusätzliches Angebot schaffen: ein Fest wird organisiert, einem älteren Menschen wird zugehört, Baumstreifen auf Bürgersteigen werden bepflanzt.
- Das Engagement ist im Laufe der Jahre in manchen Bereichen angestiegen, in anderen aber auch zurückgegangen. Diese Veränderungen können unterschiedliche Ursachen haben. Hierzu zählen Interessenverlagerungen in den einzelnen Altersgruppen. So sind vor allem junge Menschen in jüngster Zeit zunehmend weniger in den Feldern Sport und Freizeit engagiert, dafür aber stärker in dem Bereich Kirche und Religion. Das Feld Natur- und Tierschutz hat über die Jahre wiederum für mittlere und ältere Jahrgänge an Bedeutung gewonnen.
- Das freiwillige Engagement kann auf unterschiedliche Personenkreise gerichtet sein. Familien, Kinder und Jugendliche erhalten von Freiwilligen eine besondere Aufmerksamkeit, denn 39% des Gesamtengagements kommt ihnen zugute. Ältere Menschen erhalten deutlich weniger freiwillige Leistungen (10%). Gruppen wie Behinderte und Menschen mit Migrationshintergrund spielten bislang als Zielgruppe nur eine sehr geringe Rolle im freiwilligen Engagement. Einzelne Gruppen, die besondere Anforderungen an Hilfe und Unterstützung stellen, wie z.B. Personen mit speziellen gesundheitlichen Handicaps, sind offensichtlich schwerer für ein Engagement zugänglich zu machen.
- Familien, Kinder und Jugendliche sind aber nicht nur wichtige Empfänger von Engagement, sondern es wird sehr häufig Engagement von Familien selbst geleistet, das heißt, sie sind in einem hohen Maße freiwillig engagiert. Dies trifft vor allem auf Paare mit Kindern bis zum Alter von 14 Jahren zu, die überdurchschnittlich häufig freiwillig aktiv sind. Ihr Engagement zeichnet sich nicht nur durch einen starken Familienbezug aus, sondern es hat oft auch mit den eigenen Kindern zu tun. In Deutschland sind es noch immer vor allem Frauen, die sich für Familien engagieren. Der Frauenanteil beim Engagement für Kinder und Jugendliche liegt bei 62 %, während der von Männern nur 38 % beträgt. Das Familien unterstützende Engagement umfasst eine breite Palette von Leistungen, beispielsweise eine kurz- oder längerfristige Betreuung, Einkaufsgänge, Ernährungshilfen, Freizeit- oder Bildungsangebote in Form von Vorleserunden bis hin zur Nachhilfe.
- Einen gewichtigen Stellenwert hat der organisatorische Rahmen, in dem das Engagement erfolgt. Freiwilliges Engagement findet zu 53 % vor allem in zahlreichen Verbänden und Vereinen statt (vgl. Abb. 3). Der Verein ist dabei schon sehr lange die bedeutendste Plattform für freiwillige Tätigkeiten. Daneben sind religiöse Vereinigungen sowie staatliche und kommunale Einrichtungen wichtige Träger von Engagement. Zugleich finden in schwach formalisierten Strukturen, nämlich in Selbsthilfegruppen, Initiativen, selbst organisierten Gruppen und sonstigen informelleren Zusammenhängen zahlreiche Aktivitäten statt. In diesen Engagementformen werden immerhin 17 % der freiwilligen Tätigkeiten ausgeübt.
Abbildung 3 zeigt unter dem Titel „Organisationsform des freiwilligen Engagements 2009, in %“ sechs Säulen, die das Ausmaß gesellschaftlichen Engagements in sechs, entlang der x-Achse aufgeführten Organisationsformen vergleichend visualisieren. Datenbasis ist der Freiwilligensurvey 2009.
- Die sechs definierten Organisationsformen sind: Vereine/Verbände; Parteien/Gewerkschaften; Religiöse Organisationen; Staatl./Kommunale Einrichtungen; Private Einrichtungen/Stiftungen; Selbsthilfe/Initiativen/Gruppen.
- Mit 53 % liegt der mit Abstand höchste Wert bei Vereinen/Verbänden, gefolgt von ca. 18% bei Selbsthilfe/Initiativen/Gruppen und ca. 13% bei religiösen Organisationen.
- Private Einrichtungen/Stiftungen bilden mit einem Wert deutlich unter 5 % das „Schlusslicht“.
- [Ende Abb.-Beschreibung]
- Es sind insbesondere junge Menschen, die informellere Rahmungen nutzen, um sich in gesellschaftliche Belange einzubringen. Junge Menschen haben offenbar vermehrt das Bedürfnis, ihre Ideen und Projekte unmittelbarer und selbstbestimmter umzusetzen, als dies oft in formalisierten Organisationstypen möglich ist.
- Am Beispiel der Selbsthilfe wird deutlich, in welcher Hinsicht sich informellere Engagementformen von anderen Formen unterscheiden. Die Argumentation, dass sich Engagement in der Selbsthilfe in einem hohen Maße auf Selbstbetroffenheit orientiert, greift zu kurz. Auch die allgemeine Engagementdiskussion betont in den letzten Jahren zunehmend, dass hier eine stärkere Berücksichtigung der eigenen Interessen, Motive und Wünsche im Engagement erfolgen kann. Unterschiede der Selbsthilfe zu anderen Bereichen bestehen daher eher in organisatorischer Hinsicht. Einerseits ist das Engagement für den Selbsthilfebereich existenziell, da die Arbeit der Selbsthilfegruppen nicht in einem hohen Maße auf professionalisierte Kräfte zurückgreift. Andererseits folgt die Organisation innerhalb der Selbsthilfegruppen häufig keinen so festen Regeln und hierarchischen Strukturen, wie sie zum Beispiel im Sport oder in Wohlfahrtsorganisationen zu finden sind. Die Mitglieder bestimmen oft unmittelbar über Ziele oder Aktivitäten, da bestimmte Gremien wie Vorstände fehlen. Das kann sowohl hinderlich (weniger Kontinuität und Planbarkeit) als auch förderlich (mehr Impulsivität und Improvisation) für das Engagement sein.
- Engagement in der Selbsthilfe leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Selbsthilfekräfte. Es steigert das Selbstbewusstsein und fördert die Selbstwirksamkeit, indem es die Kontrolle des eigenen Handelns unterstützt. Engagement in der Selbsthilfe darf aber keine Lückenbüßerfunktion haben und es darf nicht um das Ersetzen von Fachlichkeit gehen. Hingegen sind mit dem Engagement zusätzlich Kompetenzen und Ressourcen zu erschließen.
Zur Information
- Mareike Alscher, Dietmar Dathe, Eckhard Priller, Rudolf Speth: „Bericht zur Lage und zu den Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland“, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2009, www.wzb.eu/zkd/zcm/zeng/pdf/berichtbuergerschaftliches-engagement_2009.pdf
Zu den Autoren
- Dipl. soz. Mareike Alscher und Dr. sc. Eckhard Priller sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in der Projektgruppe Zivilengagement. Das WZB ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut, an dem rund 150 deutsche und ausländische Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, darunter Soziologen, Politologen, Ökonomen, Rechtswissenschaftler und Historiker arbeiten. Es betreibt problemorientierte Grundlagenforschung. Untersucht werden Entwicklungen, Probleme und Innovationschancen moderner Gesellschaften. Die Forschung ist theoriegeleitet, praxisbezogen und oft langfristig angelegt (www.wzb.eu).
- Die Autorenfotos in der Schwarzschriftausgabe zeigen Dipl. soz. Mareike Alscher und Dr. sc. Eckhard Priller jeweils im Portrait. Die junge Frau schaut selbstbewusst. Zu Kurzhaarfrisur und T-Shirt trägt sie eine Kette mit dicken bunten Perlen. Dr. Priller lächelt freundlich, sein Haar ist grau meliert, das Hemd weiß und der Kragen geöffnet.
Andrea Katemann mit Lisa Dyck: Eigentlich bin ich da so reingerutscht …
„Es ist für mich faszinierend zu beobachten, dass es überall Ohren und Augen dafür gibt, wenn sich politisch etwas zusammenbraut, das uns nicht recht sein kann …“, sagt Lisa-Janina Dyck. Die Leiterin der DVBS-Fachgruppe Ausbildung engagiert sich seit fünf Jahren freiwillig im DVBS. Für den horus sprach Andrea Katemann mit ihr über ihr ehrenamtliches Engagement, ihre Leitgedanken und Visionen.
Lisa, engagierst du dich auch außerhalb des DVBS ehrenamtlich?
Lisa Dyck: Nein, eigentlich nicht.
Wie kam es zu der Arbeit für den DVBS?
Lisa Dyck: Eigentlich bin ich da so reingerutscht. 2006 wurde ein neues Leitungsteam für die Fachgruppe Ausbildung gesucht. Zuerst habe ich gezögert, weil ich nicht recht wusste, was da auf mich zukommt. Dann war ich mutig, habe mich wählen lassen und leite jetzt die Fachgruppe zusammen mit Hanna und Marc.
Warum engagierst du dich gerade für den DVBS?
Lisa Dyck: Ich bin sehbehindert, und dadurch sind mir die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Menschen besser vertraut als beispielsweise diejenigen von Kindern, die unter Krebs leiden. Und ein wenig Eigennutz ist als selbst Betroffene natürlich auch dabei.
Was war bisher die schwierigste Aufgabe, die es zu lösen galt?
Lisa Dyck: Am Anfang war irgendwie alles schwierig. Ich habe mich gefragt: Wie organisiert man ein Seminar, wo bekomme ich welche Referenten her und wer zahlt für was? Doch bei meinem ersten Seminar konnte ich mir immer noch sagen: Du bist hier nicht die Hauptverantwortliche. Bei meinem letzten Seminar war das anders, und obwohl ich ja nun schon recht viel darüber wusste, worauf es bei einem solchen Seminar ankommt, fühlte ich mich danach doch recht erschöpft. Das mag zum Teil daran liegen, dass ich mich als Leiterin noch mehr für die gesamte Organisation verantwortlich gefühlt habe.
Was erwartest du bei deinem Engagement vom DVBS?
Lisa Dyck: Verlässliche Absprachen, eine wohlwollende Offenheit für neue Ideen, Unterstützung bei administrativen Sachen, doch schön fand ich bisher, dass ich mit meinen Ideen immer Ernst genommen wurde. Ich war begeistert von der Offenheit, mit der beispielsweise von mir eingebrachte Vorschläge für Seminare wie: "Therapeutischer Ringkampf" oder "Energy Dance" aufgenommen worden sind. Dabei war es mir immer wichtig, etwas für möglichst viele Fachgruppen zu planen. Für blinde und sehbehinderte Menschen etwas neu zugänglich zu machen bzw. zu erschließen ist für mich nach wie vor die Hauptmotivation dafür, mich im DVBS zu engagieren. Doch je länger ich mich engagiere, kommt immer stärker ein anderer Gesichtspunkt zum Tragen: Die Interessen von blinden und sehbehinderten Menschen müssen politisch von ihnen selbst vertreten werden. Dafür wird eine gute Expertise benötigt.
Kannst du ein Beispiel nennen, wo die politische Interessenvertretung besonders gut gelungen ist?
Lisa Dyck: Ja, die Geschichte mit der ZAV hat mich besonders beeindruckt. Es ist gut, dass es diesen Anlaufpunkt für in den Beruf einsteigende Akademiker wieder gibt. Es ist für mich faszinierend zu beobachten, dass es überall Ohren und Augen dafür gibt, wenn sich politisch etwas zusammenbraut, das uns nicht recht sein kann. Schade finde ich oft nur, dass das ganz normale DVBS-Mitglied nicht richtig mitbekommt, was der Verein alles tut. Um das alles mitzubekommen, muss man tatsächlich sehr viel lesen.
Was kann man an dieser Situation ändern?
Lisa Dyck: Darüber habe ich mir schon viele Gedanken gemacht, aber ein Patentrezept habe ich nicht. Ich denke, viele junge Leute nehmen den DVBS als professionellen Dienstleister wahr, für den man zwar seinen Beitrag zahlt, aber nicht immer so genau weiß, was man davon hat. Es wird nicht immer gesehen, dass man einen Verein mit eigenen Ideen und seinem eigenen Engagement mitgestalten kann. Es bleibt für mich eine Aufgabe, genau dies zu vermitteln.
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt eine muntere Gruppe von sieben jungen Leuten auf ihrem Weg durch die Osnabrücker Altstadt. Allen voran Lisa Dyck. Aufgenommen wurde das Foto im Jahr 2010 beim bundesweiten Treffen blinder und sehbehinderter Studierender, DVBS-Fachgruppe Ausbildung (Foto: Hanna Hagenauer).
Dr. Imke Troltenier mit Dr. Otto Hauck: Visionen entwickelt und Schritt für Schritt umgesetzt
Genau 40 Jahre ist Dr. Otto Hauck, der Ehrenvorsitzende des DVBS, ehrenamtlich aktiv – mehr als ein halbes Leben! Was war und ist für den durch einen Unfall als Kind Erblindeten ausschlaggebend, einen so großen Teil seiner freien Zeit einzusetzen und sich in führender Funktion bis heute immer wieder ehrenamtlich zu engagieren? Wer hat ihn, den sich viele zum Vorbild gewählt haben, selbst einst motiviert? Welche Erfahrungen hat der Vorsitzende Richter am Marburger Landgericht i.R., auf dessen Urteil man nach wie vor in den vielen Gremien der Selbsthilfe baut, gemacht und welche als wertvoll und zielführend erlebt? Dr. Otto Hauck stand für diese und weitere Fragen der horus-Redaktion Rede und Antwort.
Ob er DVBS-Mitglied werden wolle, wurde er nicht gefragt. So selbstverständlich wie zwangsweise habe Prof. Dr. Carl Strehl als damaliger Leiter sowohl der blista als auch des Vereins der blinden Geistesarbeiter Deutschlands seine elf Oberprimaner 1958 dem VbGD (heute DVBS) einverleibt. Das ehrenamtliche Engagement startete Hauck 13 Jahre später, im Frühjahr 1971, als er nach einer Kampfabstimmung die Leitung der Bezirksgruppe Hessen und im selben Jahr auch die Leitung der von ihm initiierten Fachgruppe Jura übernahm (1971-1996). Im selben Jahr folgten drei weitere Fachgruppen, bis dato sind es 13. 1974 wurde Hauck in den DVBS-Vorstand berufen. 1979 wurde er zum Vereinsvorsitzenden gewählt und übte dieses Amt für 25 so prägende wie prosperierende Jahre im DVBS aus (1979-2004). Seit 1980 ist Hauck zudem stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins bzw. Verwaltungsrats der blista. Im Jahr 1997 regte er die Gründung des DVBS-Arbeitskreises Nachteilsausgleiche (AKN) an und leitet diesen seitdem. Seit 2001 ist er Koordinator des Gemeinsamen Arbeitskreises Rechtspolitik (GAK) von DBSV und DVBS. Eine Lieblingsidee von Otto Hauck war die Gründung einer „Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf“, um die Arbeit des DVBS nachhaltig zu unterstützen. Diese Idee wurde 1998 in die Tat umgesetzt.
Was war und ist für Sie ausschlaggebend, einen so großen Teil Ihrer freien Zeit einzusetzen, sich über 40 Jahre in diesem Umfang freiwillig zu engagieren?
Dr. Otto Hauck: Zum einen ist es natürlich immer wieder Motivation genug, wenn es gelingt, Einzelnen auf dem Lebensweg ein Stück weiterzuhelfen, Arbeitsplätze zu sichern, die gesetzliche Lage zu verbessern. Oder wenn man sieht, dass man etwas bewirken kann, sei es bei der Eingliederungshilfe, beim Anspruch auf Arbeitsassistenz oder beim Versicherungsschutz.
Zum anderen bin ich von der Idee der Selbsthilfe zutiefst überzeugt, sie hat mein Handeln geprägt. Behinderte müssen sich, wo immer möglich, selbst und gegenseitig helfen, nur dann können sie von Staat und Gesellschaft Unterstützung erwarten. Gerade in der „Juristenkrise“ zu Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die Landesregierungen die Fähigkeiten blinder Richter bezweifelten und Blinde große Schwierigkeiten hatten, in der angestammten Domäne beruflich Fuß zu fassen, wurde mir klar: „Wir müssen jetzt handeln!“. Ich schlug damals vor, im Verein die innere Ausrichtung zu ändern und neue Schwerpunkte zu setzen, insbesondere die eigenständige Interessenvertretung und die berufsbezogene Arbeit in den Vordergrund zu stellen. Das stieß auf viel Resonanz. Plötzlich waren der Streit um den Fortbestand des Vereins weg und der nötige Enthusiasmus für die Neuausrichtung da.
Natürlich habe ich mich zwischendurch mal gefragt: „Warum strampelst du dich ab? Kannst du, willst du das weitermachen?“, aber die Freude an der Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten, die Kollegialität und Freundschaft, die sich daraus entwickeln, sind wunderbar. Nicht zuletzt stand meine Familie immer hinter mir und, das möchte ich ausdrücklich betonen, ohne die so kompetente wie unermüdliche Unterstützung meiner Frau hätte ich das alles niemals geschafft!
Was waren die besonders erfolgreichen Entwicklungen und glücklichen Momente Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?
Dr. Otto Hauck: Gemeinsam haben wir unsere Visionen entwickelt und viele dann Schritt für Schritt umgesetzt. Wir haben unseren Verein ausgebaut, neue Aufgaben dazugenommen und 1977 einen hauptamtlichen Geschäftsführer eingesetzt. Den konnten wir zwar zunächst gerade mal für zwei Jahre finanzieren, aber er hat es geschafft und sich etabliert. Freude machte auch der Aufbau der Geschäftsstelle, die mit einer Halbtagskraft in einem Kellerraum der blista begann und jetzt aus einem runden Dutzend qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in eigenen Geschäftsräumen besteht.
Es muss einen Anspruch auf Arbeitsassistenz geben, die aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert wird - geboren hat diese Idee ein kleiner Kreis von DVBS-Juristen 1980 in meinem häuslichen Arbeitszimmer. Wir wollten, dass der Anspruch auf Assistenz nicht nur im öffentlichen Dienst gilt, sondern für alle, auch für die Privatwirtschaft und für Selbstständige. Dass genau das nach 20 Jahren im Gesetz stand, darauf bin ich stolz. Aber es war eben auch eine herbe Aufgabe. Man musste immer und immer wieder predigen, Eingaben machen, die Politik überzeugen, verhandeln - wie ein Ochse mit dem Pflug die Furchen ziehen. Beharrlichkeit ist da viel wichtiger als Brillanz, wenn sie nur als Strohfeuer auflodert. Unverzichtbar ist, dass wir in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe gut kooperieren, gemeinsam an einem Strang ziehen.
Mit der gleichen Strategie haben wir am Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gearbeitet. Da ging es z.B. um das Verbot von Diskriminierungen und die Öffnung der privaten Versicherungen. Bis das Gesetz 2006 unter der Großen Koalition endlich zu Stande kam, waren es 5 Jahre harte Arbeit.
Bei all unseren Aktivitäten habe ich immer gefragt: “Wer hat was gemacht? Wo hat sich was bewegt?“ Und wenn es gelungen war, den einen oder anderen Politiker zu erreichen, anzusprechen und schließlich zu überzeugen, und er es sodann als seine ureigene Idee ausgegeben hat, wurde er von uns noch einhellig gelobt. Einmal haben wir sogar ein Gesetz innerhalb eines Jahres gedreht.
Besonders glücklich war ich, dass wir im DVBS niemals einen Ossi-Wessi-Konflikt hatten: Nach dem Mauerfall sind wir in die neuen Bundesländer gegangen. Haben informiert, Hilfsmaßnahmen eingeleitet, einen Repetitor eingeflogen. Der hat dann die Juristen an den Wochenenden für das neue Rechtssystem geschult. So haben fast alle gleich danach eine Arbeit im öffentlichen Dienst bekommen oder sich als Rechtsanwälte selbständig gemacht. Das konnte nur gelingen, weil wir schneller waren als die große Masse der Nichtbehinderten.
Welche Ihrer Visionen sind es, die noch auf ihre Umsetzung warten?
Dr. Otto Hauck: Die sozialpolitische Arbeit lag mir sehr am Herzen und dazu zählt z.B. das Ziel, dass Sehbehinderte und Blinde bei der Arbeitslosenquote nicht schlechter dastehen als der Durchschnitt der Bevölkerung. Diesem Ziel sind wir in verschiedensten Varianten nachgegangen, haben uns z.B. erfolgreich gegen die Auflösung der Vermittlungsstelle für schwerbehinderte Akademiker in der ZAV gewehrt. Trotzdem sind die Arbeitslosenzahlen für unseren Personenkreis zu hoch. Um dies zu ändern, verlangen wir eine Erhöhung der Ausgleichsabgabe sowie wirksame Programme und Maßnahmen. Auch können wir uns bislang nur auf Zahlen aus unseren Reihen stützen, weil die amtliche Statistik nur sehr mangelhaft Auskunft gibt. Ob der geänderte Mikrozensus Besserung bewirkt und künftig blinde und sehbehinderte Menschen zahlenmäßig und in ihrer Lebenswirklichkeit repräsentativ zu erfassen vermag, bleibt abzuwarten. Eine weitere Vision wäre: endlich Schluss mit den zermürbenden Kämpfen ums Blindengeld in den verschiedenen Bundesländern.
Wenn Sie heute noch einmal 33 wären und wieder vor der Entscheidung stünden, ehrenamtlich tätig zu werden - was würden Sie anders machen?
Dr. Otto Hauck: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht hätte man aus heutiger Sicht Dinge geschickter machen können. Aber natürlich lernt man immer dazu.
Welche Rolle spielt der Rahmen für freiwilliges Engagement in der Selbsthilfe? Hatten Sie selbst ein Vorbild? Sind Belohnung und Anerkennung wichtige Instrumente für Ihr ehrenamtliches Wirken?
Dr. Otto Hauck: Ein Vorbild ja: unseren Mathematiklehrer in der blista, Dr. Mittelsten-Scheid. Er hat uns die Idee der Selbsthilfe eingepflanzt, ohne dass wir es bemerkt haben. Er war Vorstandsmitglied im Verein, ein wunderbarer Mensch, gütig und weise, viele haben ihn verehrt. Und sein Unterricht hat dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der Klasse später Funktionen im Verein übernommen hat.
Wichtige Instrumente für freiwilliges Engagement in der Selbsthilfe sind Information, Fortbildungsveranstaltungen, die Förderung des persönlichen Zusammenhalts und des Gemeinschaftssinnes. Die Aktiven müssen sich angenommen fühlen, spüren, dass sie ihre Fähigkeiten in gewissem Umfang verwirklichen können und ihre Ideen geschätzt werden. Zur Bestätigung sind auch öffentliche Ehrungen geeignet, besonders wegen ihrer Wirkung nach außen. 2005 habe ich das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erhalten, das selten vergeben wird. Ich habe mich darüber gefreut, weil ich die Verleihung als besondere Anerkennung auch für alle Mitstreiter empfunden habe: Einer muss den Karren lenken, viele müssen mitziehen.
Welchen Rat geben Sie den jungen Leuten von heute mit auf den Weg?
Dr. Otto Hauck: Zunächst verstehen, warum Selbsthilfe nötig ist! Was mich wirklich unglücklich macht, das sind die, die dem Verein sofort den Rücken kehren und austreten, wenn wir ihnen geholfen haben. Was mich glücklich macht, sind die, die im Verein ehrenamtlich mitarbeiten. Wer ehrenamtlich tätig werden möchte, dem würde ich raten, sich nicht einen Riesenberg vorzunehmen, sondern einfach mal irgendwo einzusteigen mit einer abgegrenzten Aufgabe. Wenn sich das dann als eine sinnvolle und erfüllende Tätigkeit herausstellt, kann man weitersehen.
Das Interview führte Dr. Imke Troltenier
Das der Schwarzschriftausgabe beigefügte Foto zeigt Dr. Otto Hauck als Vortragenden beim Seminar „DVBS hautnah“, der jährlichen Einführungsveranstaltung für interessierte und neue Mitglieder im Seminarraum der Bundesgeschäftsstelle in Marburg. Die Tische sind in U-Form gestellt, an der Kopfseite sitzen weiterhin (v. l. n. r.): Uwe Boysen (1. Vorsitzender), Michael Herbst (Geschäftsführer) und Klaus Sommer (Leiter FG Verwaltung und Vorsitzender des DVBS-Arbeitsausschusses), Foto: Susanne Schmidt.
Michael Herbst: Freiwilliges Engagement im DVBS – Theorie, Praxis und Zukunftspotenziale
von Michael Herbst
Ein Prominenter tritt als Botschafter für eine gute Sache auf. Ein Unternehmer entscheidet im Stiftungskuratorium über die Förderschwerpunkte mit. Ein Vorstandsmitglied nimmt an einer öffentlichen Anhörung in einem Bundestagsausschuss teil. Ein Fachgruppenleiter ersinnt ein Seminarkonzept. Beispiele für freiwilliges Engagement, sortiert nach ihrer Handlungsrichtung; von außen nach außen, von außen nach innen, von innen nach außen und von innen nach innen.
Vom „Ehrenamt“ zum „freiwilligen Engagement“
Unter einem „Ehrenamt“ verstand man früher die formalisierte Aufgabenübernahme im Gemeinwesen. Inzwischen definiert man Ehrenamtlichkeit als freiwillige und auf das Gemeinwesen bezogene Aktivitäten, denen kein Erwerbszweck zugrunde liegt und die größtenteils in der Öffentlichkeit und gemeinschaftlich stattfinden. Als diese reichlich sperrige Beschreibung geboren war, konnte in Deutschland zumindest teilweise Entwarnung gegeben werden: Feuerwehren, Gewerkschaften, Kirchen usw. beklagten Anfang der 90er Jahre einen Rückgang von Ehrenamtlichkeit, zu deutsch, sie fanden keine Kassierer und Schriftführer mehr für ihre Vorstände… Forscher, ja sogar Politiker, dachten nach und fanden dreierlei heraus:
- Ehrenamtlichkeit war inzwischen vielfältiger geworden. Freiwilligenagenturen, Selbsthilfegruppen und Bürgerinitiativen mit ihren eher informellen Strukturen hatten Hochkonjunktur.
- Die Zeiten, in denen Berufsbuchhalter beinahe automatisch auch Vereinskassierer waren, Journalisten standardmäßig die Faltblätter gemeinnütziger Organisationen erstellten oder Juristen sich als Stiftungsvorsitzende heuern ließen, neigten sich dem Ende zu. Hauptamtler lösten fachversierte Ehrenamtler ab. Viele Berufsgruppen kamen mit 40 Arbeitsstunden pro Woche längst nicht mehr aus und verzichteten entsprechend darauf, in der Freizeit kostenlos dasselbe zu tun wie im Büro.
- Man war nicht mehr wie selbstverständlich gewerkschaftlich engagiert, wenn man als Arbeiterkind geboren wurde, in der Kirchengemeinde aktiv, weil man aus einem christlichen Elternhaus stammte usw. Was man ehrenamtlich tat, orientierte sich inzwischen oftmals mehr an der jeweiligen individuellen Lebenssituation als an der Zugehörigkeit zu bestimmten Sozialmilieus. Man unterstützte den Förderverein der Schule, in die der Nachwuchs ging, wollte die Umgehungsstraße nicht und gründete eine Bürgerinitiative…
Freiwilliges Engagement in Selbsthilfeorganisationen
Selbsthilfeorganisationen wie der DVBS leben vom freiwilligen Engagement ihrer Mitglieder. Wenn sie sich fragen, wie ehrenamtliches Tun in ihrem Verein zu fördern wäre, betrachten sie deshalb zumeist eben dieses Engagement von innen heraus. Das ist auch beim DVBS nicht anders. Seine Satzung definiert einen Funktionsträgerkreis, der mindestens 32 Personen umfasst. Tatsächlich sind auf Basis der Satzung, in Arbeitsgruppen und in überverbandlichen Gremien ca. 80 Vereinsmitglieder als Vorstände oder in Fach- und Bezirksgruppenleitungen aktiv. Sie sind Repräsentanten des Vereins und sie entscheiden im Vorstand, dem Arbeitsausschuss und der Mitgliederversammlung über das „Was“ der Vereinsarbeit.
Für das „Wie“ unterhält der DVBS eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichem Personal. Dort werden Querschnittsaufgaben wie Buchhaltung und Verwaltung erledigt und die Ehrenamtlichkeit entsprechend von Pflichtaufgaben entlastet, ein Teil des Leistungsangebotes hauptamtlich erbracht (Textservice, Rechtsberatung…) und – wie z.B. bei den Seminaren und in der politischen Interessenvertretung - die ehrenamtliche Arbeit hauptamtlich unterstützt. Das Selbstverständnis der Geschäftsstelle ist das des Dienstleisters für Nachfrager der Serviceleistungen des Vereins, aber eben auch für in ihm freiwillig Engagierte und also richtet sich die Frage, wie ehrenamtliche Potenziale zu sichern und zu erschließen sind, auch an den Geschäftsführer und sein Team.
Motivation für freiwilliges Engagement
Zunächst ist das eine Frage der Motivation und die Sozialwissenschaft unterscheidet intrinsische und extrinsische Motive. Intrinsisch handelt, wer A tut, um A zu erreichen, wer also z.B. einen Lobbybrief schreibt, um Politiker davon abzubringen, eine Blindengeldkürzung umzusetzen. Förderlich für intrinsisch motiviertes Engagement sind vorwiegend die Möglichkeiten ...
- zu selbstbestimmtem Handeln,
- zur Mitbestimmung und
- zur Veränderung durch eigenes Tun.
Extrinsisch handelt hingegen, wer A tut, um B zu erreichen, also bspw. Eine Aufgabe übernimmt, um Kontakte knüpfen zu können, die ihm beruflich dienlich sein können. Extrinsisch motiviertes Engagement sucht...
- zumeist die Aufforderung zum Handeln,
- Anerkennung für erbrachte Leistungen,
- Erfahrungen, die in anderen Zusammenhängen nutzbringend Verwendung finden,
- Gemeinschaft und Kontaktmöglichkeiten, die über den Zweck des Zusammenseins hinausgehen,
- Bildung und Wissen oder auch
- die Möglichkeit, Menschen etwas zurückzugeben, religiöse Überzeugungen zu leben, ein schlechtes Gewissen zu mindern etc.
Im Kern geht es extrinsisch motivierten Menschen darum, etwas zu geben, um dadurch über die ein oder andere Rückmeldung ein psychisches Gleichgewicht sozusagen mithilfe des Hilfeempfängers (wieder) herzustellen. Extrinsisches mit egoistischem Engagement gleichzusetzen ist dabei ein Fehlschluss. Einerseits ist extrinsisch motiviertes freiwilliges Engagement nicht darauf ausgerichtet, sich „marktgerecht zu verkaufen“. Es bleibt der Wille, mehr zu geben, als zu nehmen. Andererseits sind Handlungsmotive nie vollständig in- oder extrinsisch. Vielfach wandelt sich ein extrinsisch motiviertes Engagement sogar während der Handlung und wird zunehmend intrinsisch motiviert, was im Übrigen auch in die umgekehrte Richtung gilt.
Unterstützung und Anerkennung
Nun kann man darangehen, die Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement zu analysieren, wie sie im DVBS vorzufinden sind, und man kann versuchen, sie zu verbessern. Die Organisation von ehrenamtlichem Engagement ist im Prinzip eine Managementaufgabe des Personalwesens. Marvin Weisbord nennt sechs Stellschrauben, an denen man drehen kann, um Mitarbeitermotivation zu erhöhen: Eine Organisation, in der die Ziele jedem klar sind, in der es effiziente Arbeitsabläufe gibt, in der jeder an der Entscheidung beteiligt ist, die ihn angeht, in der die Beziehungen und Verantwortlichkeiten der handelnden Akteure untereinander geregelt sind, in der jeder über die Arbeitsmittel verfügt, die er zur Wahrnehmung seiner Aufgaben benötigt, und in der Anreize für Leistung bestehen, in Form von Anerkennung und Belohnung, ist das „Schlaraffenland“ des modernen Personalmanagements.
In der Selbsthilfe engagieren sich Betroffene, wenn sie ein Problem erkennen und gemeinsam mit anderen für Abhilfe sorgen möchten. Ziele sind hier also veränderlich und es gilt, für eine Struktur zu sorgen, die nachhaltig funktioniert. Die Satzung des DVBS gibt den Funktionsträgern des Vereins deshalb so viele Freiheiten wie möglich und so viele Pflichten wie nötig. Bezirksgruppenleiter sollen z.B. einmal jährlich eine Bezirksgruppenversammlung durchführen, für einen schriftlichen Bericht über sie an den Vorstand sorgen und alle drei Jahre auf besagter Bezirksgruppenversammlung eine Neuwahl des Leitungsteams durchführen – fertig. Was darüber hinaus passiert, welche Größe das Leitungsteam hat etc., entscheidet das Leitungsteam bzw. die Mitgliedschaft der Vereinsgliederung.
Aufgabe der Geschäftsstelle ist es, den Ehrenamtlern ihre Arbeit so einfach wie möglich zu machen. Vom Sekretariatsservice für Rundschreiben über die Unterstützung bei der Durchführung von Veranstaltungen inklusive der Fördermittelakquise bis zur eigenen E-Mail-Adresse reicht das Leistungsspektrum. Auslagen, Reisekosten etc. werden ersetzt und allzu leicht vergisst man, dass dies in vielen anderen Vereinen nicht selbstverständlich ist. In einem derzeit laufenden Projekt der Geschäftsstelle entsteht eine Wissensdatenbank, die auch einen Ehrenamtlerleitfaden enthalten wird. Hier finden die im Verein ehrenamtlich Engagierten künftig digital aufbereitet, was sie für die Vertretung des DVBS benötigen, von der Satzung über das Reisekostenformular bis zur Anfahrtsbeschreibung zur Geschäftsstelle.
Bisweilen wird von Fachleuten vorgeschlagen, Vereine mögen eine „Danksystematik“ entwickeln, um freiwilliges Engagement zu fördern. Davon abgesehen, dass innerhalb von Selbsthilfeorganisationen zu fragen wäre, wer hier jeweils wem dankt, erscheint dieses Schlagwort reichlich paradox – „systematischen Dank für Ihr Engagement!“ Im DVBS greift der Vorstand Vorschläge aus der Mitgliedschaft für Ehrungen und dergleichen zwar dankbar auf, geht mit diesem Mittel der Motivation aber sehr sparsam um. Gemeinsam mit der Marburger blista verleiht er in größeren Abständen die „Carl-Strehl-Plakette“ für hervorragende Verdienste um das Blinden- und Sehbehindertenwesen. Ansonsten dankt und ehrt er bei Gelegenheit persönlich und bisweilen auch in größerem Rahmen, z.B. anlässlich der Mitgliederversammlung. Einmal jährlich wendet sich der Vorsitzende mit einem Dankschreiben an den Kreis der Ehrenamtler und gerne greift er Initiativen für offizielle Ehrungen auf und unterstützt die Bemühungen anderer Organisationen mit entsprechenden Stellungnahmen.
Alle zwei Jahre verbindet der Verein die Sitzung des Arbeitsausschusses mit einem Wochenendseminar für ehrenamtlich im DVBS Aktive. Zeitversetzt führt er alle zwei Jahre das Symposium „DVBS hautnah“ durch, um interessierte Mitglieder an die Vereinsarbeit heranzuführen. Nachweise für ehrenamtliches Engagement stellt die Geschäftsstelle auf Nachfrage gerne aus.
Selbsthilfe der Zukunft
Die Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement im DVBS sind darauf ausgelegt, primär intrinsisch motivierte Ehrenamtlichkeit zu fördern, haben aber auch extrinsischen Motivationslagen einiges zu bieten. Fragt man die Funktionsträger des Vereins, wie 2009 im Rahmen der Arbeitsausschusssitzung geschehen, was zusätzlich oder alternativ getan werden sollte, bekommt man eine lange Liste von Wünschen. Das deutet an, dass mehr extrinsisch motiviertes Potenzial im Verein besteht, als man das bei einer Selbsthilfeorganisation vermuten sollte. Dieses Potenzial gilt es zu erschließen.
Zu erschließen wären aber auch Potenziale der Ehrenamtlichkeit von außen. Das setzt allerdings eine Änderung des Selbstverständnisses einer Selbsthilfeorganisation voraus, in der ausschließlich direkt Betroffene an der Willensbildung beteiligt sind. Die erfolgreichen Selbsthilfeorganisationen von morgen werden jene sein, die sich als „Themenzweckgemeinschaften“ begreifen und jeden einbeziehen, der einen Bezug zum Vereinszweck hat. Der DVBS öffnete sich vor einigen Jahren den Eltern blinder und sehbehinderter Kinder und tat damit einen großen Schritt. Er beteiligte damit erstmals nicht direkt Betroffene an der Willensbildung. Doch seine größten ehrenamtlichen Potenziale liegen außerhalb des Vereins, bei den Spendern, bei Prominenten, bei Personen des öffentlichen Lebens, bei Unternehmen, bei anderen Vereinigungen des Gemeinwesens. Wenn er diese Potenziale heben, seine Netzwerke erweitern will, dann muss er zweierlei ganz sicher anbieten können – Gemeinschaft und Mitbestimmung auch in diese Richtung.
Der Schwarzschriftausgabe ist ein Foto beigefügt, das inhaltlich an den Absatz anknüpft, der die Funktion der Geschäftsstelle beschreibt: „Aufgabe ist es, den Ehrenamtlern ihre Arbeit so einfach wie möglich zu machen…“ – hier sieht man Marc Schlarb, der im Gespräch mit Andi Wohnig den Gebrauch eines digitalen Aufnahmegerätes zur Erstellung von FI-Beiträgen erprobt (Foto: DVBS itrol).
Uwe Boysen: Der Schwarm rockt
von Uwe Boysen
Wenn wir das Wort Schwarm hören, so verbinden wir damit meist Vögel oder Insekten, die sich auf Reisen begeben oder massiv über uns herfallen. In Zeiten des Internets hat das Wort aber eine durchaus davon abweichende Bedeutung bekommen. Schwärme arbeiten nämlich zusammen, kooperieren, ohne dass es nur einen oder wenige Anführer gibt. Trotzdem haben sie ein gemeinsames Ziel, etwa die Erstellung eines globalen Lexikons, wie wir es mit Wikipedia inzwischen im Internet vorfinden. Auch die Frühjahrsdemonstrationen im Nahen Osten, die jetzt auf Spanien übergegriffen haben, werden von vielen Beobachtern als Ausfluss dieses neuen Phänomens gedeutet. Mit einem winzigen Gerät wie etwa dem iPhone, hat jeder Teilnehmende an einer sozialen Bewegung gewissermaßen eine Druckerei und einen Fernsehsender zur Verfügung und kann sich in sekundenschnelle mit gleichgesinnten vernetzen, sie unterrichten, mit ihnen Aktionen planen oder Erklärungen abgeben. Vorbei die Zeiten, wo man Flugblätter auf Matrizen abziehen, mit ihnen zum Ort der Demonstration fahren und sie dort an Interessierte (oder Uninteressierte) verteilen musste.
Manchmal genügt so eine gemeinsame Präsenz im Internet, wie beim Aufspüren von Plagiaten in wissenschaftlichen Arbeiten oder beim Erwischen von Parlamentsabgeordneten bei falschen Spesenabrechnungen in England, wo der Guardian seine Leserschaft 2009 aufforderte, bei der Durchforstung der Abrechnungen zu helfen, weil die Journalisten sich außer Stande sahen, das riesige Material allein zu sichten. Das Ergebnis: Innerhalb von 72 Stunden war die Arbeit getan! Das Fazit der durchaus erstaunten Blattmacher: Der Schwarm rockt. Manchmal ist aber auch mehr nötig, wie bei den Umwälzungen in Nordafrika, wo die Botschaften auf Facebook oder Twitter lediglich dokumentierten, dass der Kreis der Unzufriedenen viel größer war als sie selbst angenommen hatten. Nur weil die bis dahin lediglich im Netz Sichtbaren auch ganz konkret auf Straßen und Plätze strömten, konnten sich die Forderungen nach mehr Demokratie und Teilhabe im Ansatz letztlich durchsetzen lassen.
Warum schreibe ich das nun in einer Vereinszeitschrift der Selbsthilfe und nicht in einem politischen Kommentar der Tagespresse und gar noch in einer Ausgabe, die sich dem ehrenamtlichen Engagement widmet? Ich tue das, weil ich der festen Überzeugung bin, dass hier auch für uns eine Chance liegt, unsere Anliegen besser und zielgenauer zu transportieren, als wir es bislang tun. Die sozialen Medien, wie sie genannt werden, eröffnen Kanäle, die wir zurzeit kaum in unsere Überlegungen zur Öffentlichkeitsarbeit einbeziehen. Warum haben wir noch nie probiert, unser Anliegen zur Erhaltung von Sozialleistungen wie des Blindengeldes auch auf diese Weise zu kommunizieren? Flächendeckende Plakatierungsaktionen in Großstädten, so mussten wir bei unseren früheren Kämpfen sehr schnell herausfinden, waren ebenso wie Großanzeigen in Tages- oder Wochenzeitungen viel zu teuer, als dass wir diese Kosten hätten tragen können. Ein vernünftiges Facebook-Video zu erstellen, das deutlich macht, warum wir diesen Nachteilsausgleich dringend brauchen, dürfte sehr viel billiger und von seiner Reichweite her heute kaum noch weniger effektiv sein. Solche Aktionen würden überdies dokumentieren, dass auch hochgradig sehbehinderte und blinde Menschen in der Lage sind, die neuen Medienkanäle für sich nutzbar zu machen. Das Image des Vereins könnte sich dadurch ein wenig verändern und uns bei jüngeren Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen noch attraktiver machen. Vielleicht ließen sich sogar einige zu ehrenamtlicher Arbeit beim Aufbau einer solchen Medienpräsenz hinreißen. Denen, die sich einem solchen Schwarm anschließen mögen, sei abschließend eine Aussage des Bundespräsidenten (übrigens kein Ehrenamt!) mit auf den Weg gegeben: Er berichtet nämlich, dass Ehrenamtler laut einer neueren Studie um 21 % länger leben als Menschen ohne solches Engagement. Wenn das kein Anreiz ist!
Dr. Imke Troltenier mit Dr. Herbert Demmel: Mit Feuereifer für Rehabilitation und Bildungschancen
Wie steht es um unsere Vorbilder für ehrenamtliches Engagement? Was ist das Besondere, was zeichnet ihre Persönlichkeit und was ihre Arbeit aus? Und welche Empfehlungen halten sie für den Umgang mit den Ehrenamtlern in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe bereit…?
Dr. Herbert Demmel stand für diese und weitere Fragen der horus-Redaktion Rede und Antwort.
Herr Dr. Demmel, was war und ist für Sie ausschlaggebend, einen so großen Teil Ihrer freien Zeit einzusetzen und sich in vielfältigen Funktionen bis heute immer wieder freiwillig zu engagieren?
Dr. Herbert Demmel: Der Kontakt zum Bayerischen Blindenbund entstand schon früh, da war ich wohl 14 oder 15 Jahre alt. Die haben mich damals einfach gut beraten. Und darum bin ich, nachdem ich die Handweberei gelernt und anschließend eine Ausbildung zum Stenotypisten absolviert hatte, für das zugehörige Praktikum in die Geschäftsstelle des Bayerischen Blindenbunds gegangen. Wir haben uns da auch persönlich gut verstanden und so blieb dieser Kontakt erhalten, auch während meiner Tätigkeit beim Bayerischen Rundfunk, dem Abendgymnasium, dem Studium.
Rückblickend möchte ich sagen, die ehrenamtliche Tätigkeit hat mir immer viel Freude gemacht, sie hat mein Leben bereichert. Meine fachlichen Kenntnisse und beruflichen Erfahrungen konnte ich einbringen. Vielen interessanten Menschen durfte ich begegnen. So mancher Kontakt hat sich zu einer bleibenden Freundschaft entwickelt. Meine Neugier und Lernfähigkeit ist mir bis zur Gegenwart erhalten geblieben. Und, was das Wichtigste ist: Ich konnte vielen Menschen helfen.
Man sagt, das Ehrenamt in der Selbsthilfe unterscheide sich vom freiwilligen Engagement in anderen Bereichen, denn der Einsatz von Betroffenen für Betroffene spiele eine herausragende Rolle. Stimmt das?
Dr. Herbert Demmel: Ja durchaus, mir ging es in erster Linie nicht um die klassischen Motive wie etwa darum, Erfahrungen jenseits meines beruflichen Alltags zu machen, soziale Kontakte zu knüpfen oder die Freizeit sinnvoll auszufüllen. Nein, mir ging es von Anfang an darum, meine fachlichen Kenntnisse und beruflichen Erfahrungen als Betroffener für Betroffene einzubringen. Insofern stand meine ehrenamtliche Tätigkeit stets in engem Zusammenhang mit meiner Berufstätigkeit.
Zugleich war meine ehrenamtliche Tätigkeit auch für meinen Berufsweg entscheidend. Noch während meiner Referendarzeit wurde ich in den Landesvorstand des Bayerischen Blindenbundes, wie der BBSB damals hieß, gewählt. Die Erfahrungen aus dieser Tätigkeit waren ausschlaggebend dafür, dass ich nach dem Tod von Friedrich Paul dessen Nachfolger als Landesgeschäftsführer wurde.
Mit freiwilligem Engagement wurde in der Selbsthilfe für alle enorm viel erreicht. Was genau waren die besonders erfolgreichen Entwicklungen und glücklichen Momente Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?
Dr. Herbert Demmel: Gern erinnere ich mich zum Beispiel an die Jahre als Vorsitzender des Gesellschafterrates beim BFW Würzburg: Da konnten Weichen für die Entwicklung der beruflichen Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen gestellt werden. Ich muss sagen, das macht einen schon glücklich: Wir haben die Berufschancen für neu Erblindete verbessert, blinde Lehrkräfte eingestellt… - Rehabilitation lag mir schon immer am Herzen. Aber die Anfangsphase war natürlich nicht einfach. 1981 ging es ja erst mal darum, überhaupt die Verantwortung in die Hand zu bekommen. Viel früher als andere hatten wir die Bedeutung der Zusammenarbeit erkannt und ein Netz aufgebaut, wir haben vielfältige Verhandlungen auf den politischen Ebenen und mit der heutigen Arbeitsagentur geführt. Wir wollten überzeugen. Als es dann irgendwann beim Treffen in einem der beteiligten Ministerien wirklich Spitze auf Knopf stand, habe ich gesagt: „Ihr habt das Geld, aber wir können es!“ Alles auf eine Karte setzen, das muss man in solchen Verhandlungen manchmal. Und es hat funktioniert.
Auch die Ausbildung unserer ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Organisationen lag mir schon immer am Herzen. Schwerpunkte sind dabei sozialrechtliche Themen. So manches Mal musste ich mir neue Inhalte dafür erst selbst erschließen, wie z.B. das europäische Sozialrecht oder die Bedeutung und Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Die Lehrtätigkeit macht immer sehr viel Freude, gerade wenn man sieht, dass die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen gelingt, wenn man auf Interesse und erstaunliche Vorkenntnisse stößt. Da kann man auf was aufbauen.
Oft ergab sich eins aus dem anderen: Um den Beratern in unseren Selbsthilfeorganisationen das erforderliche Rüstzeug an die Hand zu geben, entstand die Idee der „Schriftenreihe zum Blindenrecht“, die Thomas Drerup und ich erarbeiten und die auf den Internetseiten des DVBS und des DBSV zur Verfügung gestellt wird.
Natürlich ist das eine Riesenarbeit, aus zehn Teilen baut sie sich auf und gerade jetzt sitze ich an Teil acht, wo es zum Beispiel um die Sicherung des Lebensunterhalts geht und das Rentenrecht. Band zehn ist schon da, dann fehlt also nur noch Band neun und danach geht es mit den Aktualisierungen weiter. Das ist fast ein Halbtagsjob, aber es macht einfach Spaß.
Wenn Sie heute noch einmal 19 wären und wieder vor der Entscheidung stünden, ehrenamtlich tätig zu werden… - was würden Sie anders machen?
Dr. Herbert Demmel: Nichts, absolut nichts. Darüber bin ich sehr zufrieden. Und es wäre für mich schlimm gewesen, mit dem Ruhestand aus all diesen Aktivitäten auszusteigen.
Wie bewerten Sie die Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement in der Selbsthilfe? Sind Belohnung und Anerkennung wichtige Instrumente? Was zählt, auf was kommt es an?
Dr. Herbert Demmel: Drei Säulen sind es, die das Ehrenamt stützen: Die Organisationen selbst, die staatliche Förderung und die Wahrnehmung in der breiten Öffentlichkeit. Die Organisationen müssen dafür sorgen, dass sie z.B. notwendige Reisekosten erstatten und Literatur zur Verfügung stellen. Man darf Ehrenamtler nicht ausnutzen.
Aber viel wichtiger ist die Anerkennung! Dass man gesehen wird und Rückmeldung kriegt. Ja, ich möchte es durchaus auch als „Zuwendung“ bezeichnen. Von staatlicher Seite muss man die Organisationen finanziell dazu in die Lage versetzen, z.B. solche Aufwandsentschädigungen zu zahlen. Und genau das klappt bei uns in Bayern seit Jahrzehnten sehr gut. Zudem ist die öffentliche Anerkennung wirklich wichtig. Der Landesehrenbrief in Hessen, die Ehrenmedaille in Bayern, das Bundesverdienstkreuz… - alles richtig! Und dann müssen die Medien darüber berichten und auch immer wieder und aktuell über Projekte informieren, damit die Rückmeldung von der Gesellschaft kommt.
Und welchen Rat geben Sie den jungen Leuten von heute mit auf den Weg?
Dr. Herbert Demmel: Ja mei, gebt eurem Leben einen Sinn! Bei der Jugend bin ich durchaus nicht pessimistisch. Man muss ihnen Angebote machen, sie mitmachen lassen und ihnen Projekte anbieten, für die es sich lohnt, ehrenamtlich aktiv zu sein.
Zur Information:
Dr. Herbert Demmel hat sein ehrenamtliches Engagement so umfassend wie nachhaltig angelegt: 1965 in den Landesvorstand des Bayerischen Blindenbundes (heute BBSB) gewählt und von 1967 bis 1992 dort hauptberuflich als Landesgeschäftsführer tätig, war er ehrenamtlich von 1971 bis 1986 Mitglied im Vorstand des Deutschen Blindenverbands (heute DBSV) und führte dort ab April 1977 den stellvertretenden Vorsitz. Von 1971 bis 1991 war er Vorstandsmitglied beim Verband für das Blindenhandwerk und dort von 1973 bis 1982 mit dem Vorsitz betraut. Von 1981 bis 1987 führte er den Vorsitz im Gesellschafterrat des BFW Würzburg. Er zählte zu den Initiatoren der Landesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihrer Angehörigen in Bayern e.V., der heute über 100 Organisationen angehören, und war von 1989 bis 2001 als Vorstandsmitglied der LAG und von 1990 bis 1993 im Landesvorstand des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Bayern tätig. Über lange Jahre hatte er zudem die Rechtsberatung und Rechtsvertretung für Mitglieder des DVBS inne und steht der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe bis heute beratend zur Seite. Er ist Mitglied im Arbeitskreis Nachteilsausgleiche (AKN) des DVBS und der Task-Force von DBSV und DVBS, die Landesblindenorganisationen bei ihrem Kampf um das Blindengeld berät. Last, not least bauen BBSB, DBSV und DVBS nach wie vor bei Fortbildungsseminaren und Fachtagungen auf ihren Experten aus Bayern.
- Schriftenreihe zum Blindenrecht: www.dvbs-online.de/horus/spezial3.php.
- DVBS-Wegweiser Sozialpolitik: www.dvbs-online.de/spezial/2008/5/31/index.htm
Das Interview führte Dr. Imke Troltenier
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt Dr. Herbert Demmel (links) und den Geschäftsführer des BFW Würzburg, Alfred G. Schulz (rechts). Einander zugewandt scheinen die beiden Herren im freundlich vertrauten Gespräch. Aufgenommen wurde das Foto 2010 vor dem Haupteingang des BFW Würzburg nach einem Fortbildungsseminar für ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeiter der Landesblindenorganisationen, an dem Dr. Herbert Demmel mitgewirkt hatte (Foto: Marcus Meier / BFW Würzburg).
Dr. Imke Troltenier mit FAM e.V.: Zusätzliche Zeit schenken: Zum rechtlichen Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeit
Was gilt es für freiwillig Tätige zu beachten und was für gemeinnützige Vereine und öffentliche Einrichtungen, die auf ehrenamtliches Engagement bauen möchten? Die Suche nach Antworten führte die horus-Redaktion zur Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf e.V. (FAM). Der gemeinnützige Verein, der sich die Förderung und Koordinierung von freiwilligem Engagement auf die Fahnen geschrieben hat, feierte in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen.
Das Büro der Freiwilligenagentur ist umgezogen und liegt jetzt mitten in der Stadt: Auf dem Weg von der Universität zum Kulturzentrum, vom Kaufhaus zum Kino, von der Oberstadt an die Lahn. Steht dieser Umzug ins Zentrum für einen Wandel ehrenamtlicher Tätigkeit? Seine Bedeutung für die Stadt? Unser Land? Unsere Gesellschaft? Menschen zeigt die Jubiläumsbroschüre der FAM auf dem Titelblatt. Männer und Frauen, Jung und Alt, mal ernst, mal neugierig, mal vergnügt. Ja, die vielen Freiwilligen seien es, die mit ihrem Engagement das Fundament der Agentur bildeten. Aber während man anfänglich „nur“ als Vermittlungsagentur für Freiwillige wahrgenommen worden sei, so der Vorsitzende, Peter Günter im Editorial der Broschüre, komme mittlerweile der Beratung von Organisationen und öffentlichen Einrichtungen sowie der Bildung von nachhaltigen, integrativen und generationsübergreifenden Netzwerken für den organisierten Erfahrungsaustausch und Kooperation eine wachsende Bedeutung zu. Was heißt das konkret? Was hat sich geändert? Was ist möglich und was gilt es zu beachten? Doris Heineck, seit Gründung Geschäftsführerin der FAM, stand uns zu den rechtlichen Aspekten Rede und Antwort.
Ehrenamt, Freiwilligenarbeit, freiwilliges Engagement... – vielfältig sind die Begriffe, die man im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit hört und liest. Ist immer das Gleiche gemeint? Gibt es gar eine gesetzliche Definition?
Heineck: Im Prinzip definiert sich ehrenamtliche Tätigkeit anhand der folgenden drei Kriterien: Sie ist freiwillig, sie steht im Dienste des Gemeinwohles und erfolgt unbezahlt. Die unterschiedlichen Begriffe meinen dasselbe und verknüpfen sich zugleich mit dem jeweiligen Verständnis von ehrenamtlicher Tätigkeit in unterschiedlichen gesellschaftlichen Epochen. So betont der Begriff „Ehrenamt“ die formalen Aspekte, die Regeln, die in der preußischen Zeit zum Beispiel für die Ausübung eines Postens im Vorstand eines Wohlfahrtsverbandes im Vordergrund standen und das hohe Ansehen der ohnehin meist renommierten Vorstandsmitglieder unterstrichen. Demgegenüber stellt der modernere Begriff des „freiwilligen Engagements“ den informellen Charakter ehrenamtlicher Tätigkeiten und ihr breites Spektrum heraus. Dies reicht von der Hausaufgabenbetreuung über die Essensversorgung bis hin zu Besuchsdiensten, Homepage-Erstellung oder Sport. Zugleich werden heute gern die innewohnende Dynamik und die kreativen Möglichkeiten unterstrichen.
In unserer Arbeit gilt es sicherzustellen, dass es sich bei Freiwilligentätigkeit tatsächlich um eine zusätzliche Tätigkeit handelt, dass sie nicht darauf zielt, hauptamtliche Stellen abzubauen oder Pflichtaufgaben der öffentlichen Hand zu übernehmen. Freiwilligentätigkeit macht also die Grenzen sichtbar zwischen dem, was finanzierbar ist, und dem bereichernden „Darüber hinaus“.
Welchen Versicherungsschutz brauchen freiwillig Tätige?
Heineck: Grundsätzlich gibt es zwei wichtige Versicherungsbereiche für ehrenamtlich Tätige. Einerseits geht es um den Schutz der Freiwilligen für den Fall, dass ihnen während der Tätigkeit selbst ein Unfall zustößt, andererseits gilt es Vorsorge zu treffen, wenn sie anderen einen Schaden zufügen. Die wichtigsten Versicherungen sind also die Unfall- und die Haftpflichtversicherung.
Unterschieden werden dabei Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler mit und ohne Leitungs- und Aufsichtsfunktion. Wer in Ausübung seines Ehrenamtes keine Leitungs- und Aufsichtsfunktion innehat, für den übernimmt grundsätzlich die private Haftpflichtversicherung die Kosten eines selbst verursachten Schadens.
Sind ehrenamtlich Tätige jedoch in leitender Funktion tätig, dann sind sie nicht durch die Privathaftpflicht geschützt. Wenn also eine Vorstandsvorsitzende oder ein Vertretungsberechtigter einen Schaden verursacht, kann eine Versicherungslücke entstehen. Das bedeutet, er oder sie haftet im Schadensfall womöglich mit dem gesamten persönlichen Hab und Gut. Genauso derjenige, der über keine private Haftpflichtversicherung verfügt.
Wenn man mit dem Auto unterwegs ist und andere mitnimmt, dann ist auch eine Dienstreisehaftpflichtversicherung sinnvoll. Denn ansonsten würde im Schadensfall die eigene persönliche Versicherung hochgestuft werden.
Wogegen muss ein Verein seine gemeinnützig Tätigen versichern?
Heineck: Es gibt kein Muss. Es ist keineswegs so, dass Einrichtungen, die auf ehrenamtliches Engagement bauen, verpflichtet sind, ihren freiwillig Tätigen einen umfassenden Schutz anzubieten. Gerade kleine Vereine sehen sich dazu oft nicht in der Lage. Andere setzen voraus, dass Freiwillige bei ihnen Mitglied werden. Wir raten den Institutionen zu einer Unfall- und Haftpflichtversicherung für die Ehrenamtlichen. Es zählt zu den wichtigen Aufgaben unserer Beratungsarbeit, die potenziell Interessierten über die jeweiligen Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit genau aufzuklären.
Aber politisch hat sich in den letzten Jahren in der Tat durchaus etwas verändert. So hat etwa das Bundesland Hessen unter Ministerpräsident Koch beschlossen, seine freiwillig Aktiven in ihrem Einsatz für das Gemeinwohl zu unterstützen. Mit einem Rahmenvertrag springt Hessen in puncto Unfall- und Haftpflichtversicherung in den Fällen in die Bresche, in denen kein oder ein unzureichender Schutz existiert. Dieser hessische Rahmenvertrag bietet einen Grundschutz und hilft zum Beispiel in den vorausgegangenen Beispielen weiter: Wenn also die Vorstandsvorsitzende oder der Ehrenamtler ohne Leitungsfunktion, der keine Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen hat, einen Schaden verursachen. Der Grundschutz wirkt gegenüber bestehenden Versicherungen subsidiär. Einige weitere Bundesländer sind hier inzwischen gefolgt.
Wer sich ehrenamtlich engagiert, hat oft auch sächliche Aufwendungen. Kann man diese gegenüber dem Verein geltend machen?
Heineck: Auch hier gibt es keine klaren Regeln. Wir empfehlen den Einrichtungen, für die Erstattung von Aufwendungen ein kleines Budget bereitzuhalten. Zum Beispiel für Fahrtkosten. Aber nicht jeder gemeinnützige Verein ist dazu in der Lage oder bereit. Insofern zählt auch in diesem Punkt das Informieren und Aufklären zu unserer Beratungsarbeit: Die Freiwilligen sollten sich vorab unbedingt darüber im Klaren sein, mit welchen Leistungen in der jeweiligen Einrichtung zu rechnen ist.
Auch bei den Steuern ist man den Ehrenamtlichen entgegengekommen. Neuerdings gibt es die Möglichkeit, eine steuerfreie Aufwandspauschale von 500 Euro jährlich geltend zu machen. Wie funktioniert das?
Heineck: Ja, auch hier hat sich etwas getan. Wer einen Nachweis für sein regelmäßiges Engagement erbringt, wer also kontinuierlich zum Beispiel zwei bis drei Stunden wöchentlich ehrenamtlich aktiv ist, der kann diese Bescheinigung von uns oder von der gemeinnützigen Institution, für die er tätig ist, erhalten. Dabei handelt es sich um eine Pauschale, sie bedarf also gegenüber dem Finanzamt keiner weiteren Einzelnachweise oder Aufstellungen.
Die sogenannte „Übungsleiterpauschale“ gibt es schon lange. Was hat es damit auf sich?
Heineck: Mit dieser Steuerbegünstigung will der Gesetzgeber gemeinnützige Körperschaften unterstützen, die auf Hilfe angewiesen sind. Um von der sogenannten Übungsleiterpauschale zu profitieren, muss man nämlich durchaus nicht Trainer in einem Sportverein sein. Auch die Nebenverdienste von Erzieherinnen und Erziehern, Dozenten, Ausbildenden, Künstlern oder Pflegenden laufen am Fiskus vorbei, sofern sie 2.100 Euro im Jahr nicht überschreiten, die Tätigkeit nicht im Hauptberuf ausgeübt wird und im Auftrag einer öffentlichen bzw. öffentlich-rechtlichen Institution oder eines gemeinnützigen Vereins, einer Kirche oder vergleichbaren Einrichtung erfolgt. Die 2.100 Euro stellen übrigens einen Freibetrag dar und keine Grenze. Wenn die aufaddierten Gesamteinnahmen aus dem Nebenverdienst höher liegen, muss man nur den Teil versteuern, der darüber liegt. Und wer Hartz IV bezieht, der darf bis zu dieser Grenze im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich tätig sein, ohne dass dies angerechnet würde.
In den 10 Jahren ihres Bestehens hat die FAM neben ehrenamtlich Interessierten auch viele Einrichtungen beraten. Was zeigt die Erfahrung, was bringt ihnen die Einbindung von Freiwilligentätigkeit? Und was gilt es aufseiten der gemeinnützigen und öffentlichen Organisationen zu beachten?
Heineck: Die Erfahrung zeigt, dass freiwilliges Engagement nicht zum Nulltarif zu haben ist. Nachhaltiges Engagement braucht gute Rahmenbedingungen und zeitgemäße Formen, d.h. zeitliche und personelle Ressourcen für die Koordination und das Management. Dabei geht es zum Beispiel um die Auswahl der Zielgruppe: Wen möchte man als Ehrenamtler gewinnen? Und wie spricht man diese Menschen an? Es geht weiterhin um die Einführung der Freiwilligen, ihre Qualifizierung und Begleitung, es geht um die Entwicklung von Rückmeldungs-, Anerkennungs- und letztendlich auch Verabschiedungsstrukturen.
Als lokale Expertin für freiwilliges Engagement bietet die FAM Information, Beratung und Begleitung an. Es lohnt sich wirklich, darüber nachzudenken. Denn natürlich liegen in der Einbindung von Freiwilligentätigkeit große Chancen. Die Öffnung nach außen gibt Impulse, stellt neue Verbindungen her und hinterfragt die eigenen Routinen. Freiwillig Engagierte bringen Flexibilität, individuelle Kompetenzen und kreative Kapazitäten jenseits der organisatorischen Zwänge ein. Und sie schenken zusätzliche Zeit.
Das Interview führte Dr. Imke Troltenier
Zur Information:
„Unsere Vision ist eine lebendige Demokratie, in der alle entsprechend ihren persönlichen Fähigkeiten aktiv Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen und das Zusammenleben positiv mitgestalten. Ein gesellschaftlicher Zusammenhalt ist auf das Engagement jedes und jeder Einzelnen angewiesen. Gesellschaftliche Herausforderungen können nur miteinander angegangen werden...“ - weitere Informationen zur Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf e.V. (FAM) finden Sie unter www.freiwilligenagentur-marburg.de.
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt Geschäftsführerin Doris Heineck am Schreibtisch. Die Frau schaut zu den Betrachtenden und verweist engagiert auf eine PowerPoint-Folie, die die Rahmenbedingungen für ein gelingendes Miteinander von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen beschreibt.
Prof. Dr. Kurt Jacobs: Ehrenamtliches Engagement als Möglichkeit zur gesellschaftlichen Partizipation
von Prof. Dr. Kurt Jacobs
Wie an jedem Werktagmorgen weckte mich am 1. Oktober 2002 die freundliche Frauenstimme meines sprechenden Funkweckers mit den Worten „Es ist 6.00 Uhr und Zeit zum Aufstehen!“ Ein automatischer Fingerdruck auf die Weckertaste ließ die Stimme verstummen, die mir ins Bewusstsein gerufen hatte, dass dies ein Tag besonderer Art sein würde: Nach 32 Jahren Hochschullehrertätigkeit für den Bereich Sonderpädagogik an den Universitäten in Dortmund und Frankfurt ab heute keine Seminare mehr – keine Korrekturen von wissenschaftlichen Hausarbeiten und Prüfungsklausuren – keine mündlichen Prüfungen und auch keine wöchentlichen Sprechstunden. „Was passiert jetzt eigentlich?“, ging es mir durch den Kopf. „Kommt jetzt das große Loch der Leere?“.
Stichtag einer Zeitenwende
Wochen vor diesem legendären Datum kam meine 25 Jahre jüngere Frau Elvira, die als Integrationsfachkraft an einer benachbarten Grundschule tätig ist, immer wieder auf die Zeit „danach“ zu sprechen. Vermutlich lag ihrem Interesse eine mehr oder weniger tief liegende Angst zugrunde, nach erfolgter Pensionierung einen „unzufriedenen Knöttersack“ zu Hause sitzen zu haben, der nichts mit seiner Zeit anzufangen wisse und darum vielleicht beginnen würde, die Familie zu schikanieren. Meine lebensoptimistische Einstellung, dass ich in meinem bisherigen Leben noch nie Langeweile verspürt hätte und dieses Phänomen sicherlich auch nicht in meiner Pensionärszeit auftreten würde, konnte die diesbezüglichen Ängste meiner Frau genauso wenig beschwichtigen wie mein wiederholtes Statement, dass ich als Pensionär nunmehr viel mehr Zeit für unsere beiden, damals sechs und elf Jahre alten, Töchter haben würde und schließlich ihre Erziehung und Lebensbegleitung eine erfüllende Aufgabe sei. Es half alles nichts, also musste eine neue Idee geboren werden.
Abwehr eines vermeintlichen Pensionierungslochs?
Ungefähr eine Woche nach meiner Pensionierung las mir meine Frau beim morgendlichen Frühstück aus der regionalen Presse vor. Plötzlich stockte sie kurz und sagte dann mit erfreuter Stimme: „Kurt, hier habe ich das richtige für Dich!“. Neugierig geworden, erhielt ich aus einer kurzen Pressenotiz die Information, dass die Kreisstadt Hofheim beabsichtige, einen Behindertenbeirat einzurichten und zur Vorbereitung einen Arbeitskreis bilden wolle, in den verschiedene Selbsthilfeorganisationen eingeladen werden sollten, um erste Gespräche und vorbereitende Maßnahmen zur Einrichtung eines kommunalen Behindertenbeirats aufzunehmen. Ich meldete mich und trat diesem Arbeitskreis bei.
Neue Handlungs- und Gestaltungsebenen: Kommunaler Beirat und Kommunaler Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung
Eineinhalb Jahre später, im Februar 2004, trat auf der Basis der erarbeiteten Satzung und nach erfolgter demokratischer Briefwahl, an der ausschließlich schwerbehinderte Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt Hofheim teilnehmen konnten, der Kommunale Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderung der Kreisstadt Hofheim zur konstituierenden Sitzung zusammen. Ich wurde zum Vorsitzenden des Kommunalen Beirats gewählt und übernahm damit qua Satzung gleichzeitig das Ehrenamt des Kommunalen Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung der Kreisstadt Hofheim. Die zweite Wahlperiode begann im Jahr 2009 und läuft bis 2013.
Die Wertschätzung meiner ehrenamtlichen Tätigkeit von Seiten des Magistrats der Stadt Hofheim spiegelt sich insbesondere darin wider, dass mir im Rathaus ein eigenes Büro zur Verfügung steht, welches mit allen modernen Medien wie PC, Drucker, Scanner, Telefon und einem elektronischen Lesegerät ausgestattet ist. Auch Beratungen können hier durchgeführt werden. Entscheidend aber ist, dass der Magistrat mir eine Arbeitsplatzassistentin mit jeweils 15 Wochenstunden zur Erledigung aller Büroarbeiten einschließlich Terminplanung und Schriftverkehr sowie Auflesen von Texten zur Verfügung stellt. Weiterhin stehen für Büromaterialien, Telefonkosten, Dienstreisen sowie Fortbildungsveranstaltungen finanzielle Ressourcen aus dem städtischen Haushaltsplan zur Verfügung.
Zur Durchführung der Beratungstätigkeit halte ich jeweils einmal wöchentlich eine Sprechstunde von einer Stunde Dauer in meinem Büro im Hofheimer Rathaus ab. Die Ratsuchenden setzen sich aus Menschen mit Behinderung aller Altersgruppen und verschiedener gesellschaftlicher Schichten zusammen. Dabei geht es in erster Linie um Anträge zur Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises, um Wohnungsprobleme im Hinblick auf einen barrierefreien Umbau sowie um Hilfsmittelberatung.
Da sich aber die Fälle von älteren und z. T. auch sehr alten Ratsuchenden häufen, die unter starken Mobilitätseinschränkungen leiden, führe ich seit 2006 auch Hausberatungen durch. Dies erspart Ratsuchenden den beschwerlichen Weg ins Rathaus und eröffnet mir Möglichkeiten für unmittelbare Einblicke in die individuelle und private Lebenswelt der Ratsuchenden. So kann ich direkt vor Ort feststellen, wie und wo im Wohnbereich Maßnahmen zur Erleichterung der alltäglichen Lebenserschwernisse getroffen werden können und entsprechend Unterstützung anbieten.
Im Unterschied zum Gremium des Kommunalen Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderung, der alle 4-6 Wochen zu öffentlichen Sitzungen und gelegentlich zusätzlich auch zu internen Sitzungen zusammentrifft, bin ich in meiner Funktion als Kommunaler Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung von Seiten des Magistrats, von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt sowie von anderen Selbsthilfeorganisationen für Menschen mit Behinderung täglich ansprechbar. Dazu werden in Zeiten, in denen mein Büro nicht besetzt ist, alle Dienstgespräche zu mir nach Hause umgeleitet.
Im Rahmen einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit halte ich es für wichtig und behindertenpolitisch sinnvoll, dass sich sowohl der Kommunale Beauftragte wie auch der Kommunale Beirat mit der Durchführung von öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen über Hofheims und Hessens Grenzen hinaus präsentieren. So wurden von mir im Zeitraum von 2004 bis 2008 folgende Veranstaltungen geplant und durchgeführt:
- "Lebenskunst - Menschen mit Behinderung zeigen ihre Werke" Kunstausstellung vom 20.06. bis 07.07.2004
- Mobiles Leben auch für Menschen mit Behinderungen Fachtagung am 19. Mai 2006 in der Stadthalle Hofheim
- Kunstausstellung von Werken von Menschen mit Behinderung vom 02. – 19. Juli 2006 im Foyer des Hofheimer Rathauses
- „Zuhause ist es am schönsten – Ich weiß doch selbst, wo ich wohnen will!“ Fachtagung zu selbstbestimmten Wohn- und Lebensformen für ältere und behinderte Menschen am 10.09.2008 in der Stadthalle Hofheim
Für alle Veranstaltungen gelang es, namhafte Referentinnen und Referenten für das jeweils vertretene Fachgebiet zu gewinnen. Jede einzelne löste öffentliches Interesse aus, wurde rege besucht und erhielt ein gutes Presseecho.
Im Laufe der Jahre haben sich gute Kooperationskontakte zur Wohnberatungsstelle der Stadt Hofheim und des Main-Taunus-Kreises, zum Sozialamt sowie zum Jugendamt des Main-Taunus-Kreises, zur Rechtsberatungsgesellschaft des DVBS (oft Dr. Michael Richter) sowie zum Büro des Beauftragten der Hessischen Landesregierung für die Belange behinderter Menschen etc. ergeben, denn in Beratungsgesprächen tauchen immer wieder auch Themen und Probleme auf, auf die ich nicht gleich die entsprechende Antwort weiß. Um mich hier selbst kundig zu machen und später eine sachgerechte Auskunft bzw. Empfehlung geben zu können, hat sich ein kooperatives Geben und Nehmen bewährt.
Mein Engagement in weiteren ehrenamtlichen Bereichen
Weiterhin ehrenamtlich tätig bin ich als Mitglied des Landesbehindertenbeirats der Hessischen Landesregierung und als Elternvertreter im schulischen Bereich. Da meine jüngere, hochgradig sehbehinderte Tochter das Gymnasium der Carl-Strehl-Schule der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. nunmehr in Klasse 9 besucht, habe ich vor vier Jahren für diese Klasse den Vorsitz der Elternvertretung übernommen und wurde darüber hinaus Anfang 2009 zum Vorsitzenden des Schulelternbeirats gewählt.
Fazit
Rückblickend vermag ich zu sagen, dass mein ehrenamtliches Engagement eine „gute Therapie“ gegen das drohende „Pensionierungsloch“ war und ist. Auch wenn sich die damit verbundenen Aufgaben zeitweilig häufen und ihre Erledigung gelegentlich schon fast den Rahmen einer Berufstätigkeit annimmt, so bleibt doch zweifelsfrei zu konstatieren, dass ein solches ehrenamtliches Engagement die Vielfalt des Lebens, die Einsicht, mit meiner jahrzehntelangen Berufserfahrung der Gesellschaft auch noch nützlich sein zu können und die Bereitschaft, mit innovatorischen Ideen die Gesellschaft in Teilbereichen weiter zu entwickeln, lebendig hält. Dies hat den positiven Effekt, dass man im Pensionärsalter sein Leben als erfüllt und bereichernd erlebt und dabei die Schau auf den eigenen fortschreitenden Alterungsprozess eine mehr unbedeutende Rolle einnimmt.
Der Schwarzschriftausgabe ist ein Foto des Autors beigefügt, es zeigt ihn am Schreibtisch in seinem Büro im Hofheimer Rathaus (Foto: privat).
Dr. Johannes-Jürgen Meister: Zivilgesellschaftliches Ehrenamt – ein Gewinn für alle
von Dr. Johannes-Jürgen Meister
Die Ausgangssituation
Der demografische und soziale Strukturwandel in Deutschland, die alternde Gesellschaft, der Fachkräftemangel in Wirtschafts- und Dienstleistungsbereichen kennzeichnen schon seit geraumer Zeit Entwicklungen in unserer Gesellschaft, die das bürgerschaftliche, freiwillige Engagement stärker in den Fokus der politischen Diskussion und der Öffentlichkeit gerückt haben. Das allgemeine politische und gesellschaftliche Interesse am bürgerschaftlichen Engagement wurde im Jahre 2001 mit dem internationalen Jahr der Freiwilligkeit (IJF, International Year of Volunteers – IYV) erstmals öffentlich aufgerufen und unterstrichen (vgl. www.worldvolunteerweb.org). Bürgerinnen und Bürger sollten angeregt werden, sich in ihrer nationalen Gemeinschaft, in ihrem gesellschaftlichen Umfeld freiwillig und ehrenamtlich zu engagieren. Schon in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Thema von der Wissenschaft aufgegriffen und Studien über das Alter und seine Chancen und Möglichkeiten begonnen, die als Langzeitstudien mehrfach wiederholt wurden. Mit Workshops und Tagungen haben Seniorenorganisationen und ihre Dachorganisation, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) e.V., sich bemüht, für das freiwillige, bürgerschaftliche Engagement in der Zivilgesellschaft zu werben. Ein Höhepunkt dieser Aktivitäten war im Jahre 2007 die Veröffentlichung des Memorandums der BAGSO zusammen mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zum Thema aktives Alter unter dem Titel „Mitgestalten und Mitentscheiden“. Die Bundesregierungen haben mit verschiedenen Modellprojekten den Gedanken des ehrenamtlichen Engagements in und für die Zivilgesellschaft gefördert. Die Behindertenselbsthilfe hat davon wenig Notiz genommen. Umso bemerkenswerter ist es, dass dieses Thema nun auch in unseren Reihen größere Aufmerksamkeit erfährt.
Ehrenamt und bürgerschaftliches freiwilliges Engagement
Wenn im deutschen Sprachraum von Ehrenamt die Rede ist, dann sind nicht Ämter wie die des Schöffen, Laienrichters, Wahlhelfers u. ä. gemeint, zu denen man auch verpflichtet werden kann, sondern die freiwillige, unentgeltliche Wahrnehmung und Übernahme von Aufgaben und Leistungen, die der Staat nicht oder nicht mehr leisten kann. Es geht um das persönliche Engagement in Vereinen, Organisationen, Institutionen, Selbsthilfegruppen, Nachbarschaftshilfen u. a. m. Im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 soll für dieses persönliche, freiwillige Engagement für meinen Mitmenschen geworben und durch die Auszeichnung guter Beispiele (Best Practice) auf die verschiedensten Möglichkeiten eines Engagements aufmerksam gemacht werden.
Dieser Definition zufolge engagieren sich in Deutschland nach einer Langzeitstudie, deren Ergebnisse erstmals 1998, dann 2004 und zuletzt im Jahre 2009 veröffentlicht wurden (Freiwilligensurvey), mehr als 23 Mio. Bürgerinnen und Bürger freiwillig und ehrenamtlich, d.h. oftmals ohne Aufwandsentschädigung. Sie wollen ihre Kompetenzen, Lebenserfahrungen, Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten dort einsetzen und helfen, wo diese gebraucht werden und gefragt sind. Diese Engagementbereitschaft gegenüber der Zivilgemeinschaft hat der römische Dichter Horaz (65-8 v. Chr.) mit den Worten: „Tua res agitur“ umschrieben oder, wie das Zitat in voller Länge lautet: „Nam tua res agitur, paries cum proximus ardet“ („Dann steht Deine Sache auf dem Spiel, wenn die Wand des Nachbarn brennt“). Dieser Gedanke ist geprägt von der Idee und der Überzeugung, wie sie später für das amerikanische Demokratieverständnis und überhaupt für das angelsächsische politische Denken leitend war, dass keine Gemeinschaft ohne das Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger lebensfähig ist.
In diesem Sinne ist das Hauptmotiv der meisten freiwillig Engagierten, gerade oder wenigstens im Kleinen mitzuentscheiden und die Gesellschaft mitzugestalten. Darüber hinaus spielt die Suche nach sozialen Kontakten und der sozialen Einbindung eine wichtige Rolle.
Hinzu kommt die Erwartung und der Wunsch, (neue) Kenntnisse zu erwerben und Erfahrungen zu erweitern. Viele freiwillig Engagierte üben ihre Tätigkeiten daher in Sportvereinen, kulturellen und kirchlichen Gruppierungen und Vereinigungen, Selbsthilfeorganisationen, sozial-karitativen Diensten und nicht zuletzt in der familialen Pflege und Betreuung etc. aus. Auch die freiwillige Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW), die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) oder der Umweltschutz gehören hierzu. Freiwilliges soziales, gesellschaftliches oder politisches Engagement rangiert dagegen hinten auf der Rangskala. Gerade die Generation der Älteren will auf diese Weise die gewonnenen Lebensjahre sinnvoll nutzen, sie will sich nicht sogleich mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben “zur Ruhe“ setzen. Erst in höherem Lebensalter nehmen das Interesse und die Bereitschaft zu bürgerlichem Engagement ab, sicher auch bedingt durch zunehmende körperliche und sensorische Beeinträchtigungen und Behinderungen. Prinzipiell aber gilt, dass auch Menschen mit Behinderungen bis ins hohe Alter, wie zahlreiche Beispiele in der Blindenselbsthilfe zeigen, sich über ihr familiäres Umfeld hinaus zivilgesellschaftlich engagieren.
Mein persönliches Engagement
Bereits in jungen Jahren habe ich mich altersgemäß im kirchlichen Raum engagiert, als Ministrant und in der Jugendbewegung, und dabei auch stets Leitungsaufgaben übernommen. Zwar war mein Augenleiden schon zu diesem Zeitpunkt diagnostiziert, aber die Einschränkungen waren noch sehr gering. Während meines Studiums engagierte ich mich an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität mehrere Jahre lang in der verfassten Studentenschaft, dem Allgemeinen Studentenausschuss (ASTA). Mein besonderes Interesse als Hochschulreferent galt damals Fragen der Studienbedingungen angesichts steigender Studentenzahlen und – zusammen mit gleich gesinnten Studienkollegen - der Entwicklung von Konzepten für eine „neue Universität“. Noch während meines Studiums trat ich einer politischen Partei bei und arbeitete dort mit Studienkollegen an der Aufarbeitung zentraler politischer Fragen für den Landesvorstand mit.
Der Einstieg in das Berufsleben schränkte mein freiwilliges bürgerliches Engagement vorübergehend ein, da ich neben meinem Beruf in Arbeitskreisen des Deutschen Bildungsrates und danach bei der Akademie für Raumforschung und Landesplanung tätig war. In diese Zeit fiel Mitte der 70er Jahre meine Erblindung innerhalb eines halben Jahres. Zwar konnte ich meinen Beruf auch nach der Erblindung weiterhin ausüben, musste mich aber natürlich an die veränderte Situation gewöhnen und anpassen, d.h. neben dem Beruf blindentechnische Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie eine neue Mobilität erlernen.
Nach meinem Beitritt zum DVBS Ende der 70er Jahre übernahm ich Anfang der 80er Jahre die Leitung der Bezirksgruppe Südbayern. Anfang der 90er Jahre verstärkte ich auch erneut mein politisches Engagement an meinem Wohnort. Als das Thema Rassismus in Deutschland wieder aufkam, ergriff ich die Initiative für eine Lichterkette durch die Freisinger Innenstadt, wie sie auch in zahlreichen anderen Städten damals organisiert wurde. Um die Jahrtausendwende initiierte ich nacheinander zwei Bürgerbegehren in meiner Wahlheimat Freising zum Erhalt der Stadtwerke und zur Einführung einer Fußgängerzone in der Innenstadt. Nach meinem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben im Jahre 1997 schloss ich mich bald der Gruppe Ruhestand im DVBS an, wurde sofort in das Leitungsteam kooptiert und im Jahr 2000 mit der Leitung betraut. Damit übernahm ich auch die Vertretung der Gruppe und letztlich des DVBS in der BAGSO. Dazu gehört u. a. die Teilnahme an diversen Tagungen und Workshops, die im Laufe eines Jahres von der BAGSO angeboten werden, um dort immer wieder auf die Bedarfe und Bedürfnisse älterer blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam zu machen, darunter auch Besuche in Bundesministerien. Es bedeutet immer wieder eine Herausforderung, gemeinsam mit dem DBSV den Interessen und Bedürfnissen der Blinden und Sehbehinderten auf den alle drei Jahre stattfindenden Seniorentagen in Foren und Workshops hinreichend Gehör zu verschaffen, die wir mitveranwortlich gestalten und organisieren.
Im Jahre 2004 habe ich an meinem Wohnort einen kleinen Verein „Senioren helfen Senioren“ gegründet, in dem wir uns um psychosoziale Hilfe und Betreuung älterer, meist allein lebender Menschen kümmern. Hier kann man sehr gut beobachten und erleben, wie ältere Menschen, die erst im höheren Alter einen Sehverlust infolge Glaukom oder AMD erleiden, diesen Verlust bewältigen, zuweilen aber auch daran zerbrechen. Wenn ein Besuch, ein Gespräch, eine Begleitung mit so viel Freude und nachhaltigem Dank gelohnt wird, ist Zeit zu verschenken für uns ein Gewinn. Abgerundet wird dieses kommunale Engagement durch die Mitarbeit im Sozialbeirat der Stadt, in dem es gilt, Projekte im Interesse der älteren Generation – und das heißt auch immer für Menschen mit Behinderungen – auf den Weg zu bringen.
Schlussbemerkung
Es gibt zahlreiche ältere Mitglieder in unserem Verein, die sich in ähnlicher Weise in ihren Heimatkommunen als Behinderten- oder Seniorenbeauftragte, in Behinderten-, Senioren- oder Sozialbeiräten, als Stadtverordnete u. a. engagieren. Nur so können wir dafür sorgen, dass unsere Bedarfe und Bedürfnisse in der Öffentlichkeit tatsächlich wahrgenommen und bei der Planung und Gestaltung unserer Umwelt berücksichtigt werden. Ihr Engagement bedeutet zugleich eine aktive Umsetzung von Artikel 29 der UN-Konvention für Rechte von Menschen mit Behinderungen: „Die Vertragsstaaten garantieren Menschen mit Behinderungen die politischen Rechte sowie die Möglichkeit, diese gleichberechtigt mit anderen zu genießen, und verpflichten sich, sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen wirksam und umfassend am politischen und öffentlichen Leben teilhaben können, sei es unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter oder Vertreterinnen…“. „Inklusion“, wie der zentrale Begriff der UN-Konvention lautet, kann nicht gelingen, wenn wir darauf warten, bis die anderen auf uns zukommen, sondern bedeutet, dass auch wir aktiv auf die anderen zugehen und so miteinander füreinander dem Ziel einer Gesellschaft für alle näher kommen.
Für weitere Informationen und Anregungen sei u. a. auf folgende Websites hingewiesen: www.bmfsfj.de, www.engagement-macht-stark.de, www.for-be.de, www.freiwilligensurvey.de, www.buergergesellschaft.de, www.erfahrung-schafft zukunft.de, www.freiwilligendienste-aller-generationen.de, www.webarchiv.bundestag.de, www.engagementwerkstatt-berlin.de, www.econsense.de.
Zum Autor
Dr. Johannes-Jürgen Meister ist Leiter der DVBS-Gruppe Ruhestand (www.dvbs-online.de/dvbs). Der Schwarzschriftausgabe ist ein Foto des Autors beigefügt, es zeigt einen engagierten Herrn in Anzug und Krawatte am Rednerpult. Die Aufnahme von Dr. Meister wurde während seines Vortrags auf der DVBS-Mitgliederversammlung 2010 gemacht (Foto: DVBS itrol).
Thorsten Büchner: Beschwer dich nicht, du machst das alles freiwillig …
von Thorsten Büchner
Es gibt Wochen, in denen verfluche ich mich. Verfluche mich dafür, dass ich den Schritt hin zum aktiven Parteimitglied gegangen bin. Hätte ich damals gewusst, dass es darauf hinausläuft, drei bis vier Abende pro Woche mit der SPD anstatt mit meiner Liebsten zu verbringen, hätte ich mich wohl anders entschieden, oder ?
Wohl kaum. Wenn ich montags nach mehrstündigen Fraktionssitzungen und dem obligatorischen Getränk danach nach Hause komme und wieder einmal über die nervenaufreibenden und anstrengenden Diskussionen berichte, sagt meine Lebensgefährtin stets das Gleiche: „Beschwer dich nicht, du machst das alles freiwillig. Niemand zwingt dich.“ Und damit hat sie Recht.
Politisches Engagement in einer Partei ist immer beides. Wahnsinnig interessant und unglaublich anstrengend. Mal ist die „alte Tante“ SPD eine „Zeitdiebin“ und saugt ihre Aktivposten förmlich aus und dann gibt es Sitzungen, Parlamentsdebatten und Veranstaltungen, bei denen man sich kein sinnvolleres Engagement vorstellen kann.
Dabei gibt es zwischen dem Engagement in Parteien und dem Engagement für die Selbsthilfe durchaus Parallelen. Beides findet in einem Mikrokosmos mit überschaubarer Teilnehmerzahl statt, mit allen positiven wie negativen Auswirkungen. Interne Machtkämpfchen, Wichtigtuerei einzelner Profilneurotiker, als inhaltliche Diskussionen verkleidete persönliche Auseinandersetzungen. Genauso gibt es aber das Eintreten und Kämpfen für gemeinsame Überzeugungen, gemeinsame Unternehmungen und – nicht zu unterschätzen – viel gemeinsam verbrachte und erlebte Zeit. Das alles schweißt zusammen.
So habe ich in den Jahren meines politischen Engagements die unterschiedlichsten Dinge erlebt, die ich im Nachhinein nicht missen möchte, obwohl sie mich in der damaligen Situation alles andere als erfreut haben. Etwa bei erheblichen Minusgraden am obligatorischen Infostand des Ortsvereins (samt rotem Schirm, Kugelschreibern und frierenden Parteigenossen) zu stehen und den vorübereilenden Passanten Werbe-Flyer für die Energiewende aufzuschwatzen. Oder die Bürgerinnen und Bürger, die den Spieß einfach umdrehen, die SPD-Standbesetzung 45 Minuten zutexten und von der ihrer Meinung nach zu selten durchgeführten Straßenreinigung über den Kachelmann-Prozess bis hin zur Bombardierung Libyens ihr komplettes Weltbild darlegen.
Schon während meiner Schulzeit war ich innerhalb der Schülervertretung aktiv. Daher war es für mich später nur konsequent, mich weiterhin politisch zu engagieren. Bewusst tat ich dies in einer politischen Partei, weil ich der Auffassung bin, dass auch Blinde und Sehbehinderte versuchen sollten, sich in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einzubringen, auch jenseits blinden- oder behindertenspezifischer Themengebiete. Dass dies eher ungewöhnlich ist, habe ich erfahren, als damals wie selbstverständlich davon ausgegangen wurde, dass ich mich für Sozialpolitik zu interessieren habe. Als Behinderter sei das doch das klassische Politikfeld. Damals war ich darüber verärgert und auch die Tatsache, dass ich aufgrund meiner Behinderung einen recht aussichtsreichen Listenplatz erhalten habe, lag mir zu Anfang meines aktiven Engagements noch im Magen. Ich wollte nicht das „politische Symbol“ auf der SPD-Liste sein, die so zeigt, dass auch Menschen mit Behinderung zur politischen Kultur Marburgs dazugehören.
Als ich jedoch begriff, dass solche Listenzusammenstellungen auch taktisch und symbolisch erfolgen, nahm ich die Rolle an. Das heißt nicht, dass ich mich lediglich für Teile der Kommunalpolitik interessiere, in denen ich die Interessen von Menschen mit Behinderung einbringen kann, aber ich habe die Chance und Pflicht erkannt, mich im Rahmen der Möglichkeiten dafür einzusetzen, sei es auch nur als Ansprechpartner für die einzelnen Fachpolitiker innerhalb meiner Fraktion, wenn es um Punkte geht, die Behinderte betreffen.
Parteipolitisches Engagement auf lokaler Ebene kostet Zeit und Kraft. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass es eigentlich kein Ehrenamt mehr ist, so viel Ausdauer und Energie verlangen die politischen Ämter. Ich denke, dies gilt genauso für viele Aktive innerhalb der Selbsthilfe, in der viele Menschen in unzähligen Gremien, Kommissionen, Fachausschüssen, Bezirks- und Fachgruppen aktiv mitarbeiten.
Kommt es auch zu frustrierenden Erlebnissen, wie etwa einer aufwendig geplanten Veranstaltung, die dann von nur vier Parteimitgliedern besucht wird, zweifelt man schon am Sinn des Engagements. Andererseits gibt es gerade in der Kommunalpolitik die Chance, direkt zu sehen, welche Auswirkungen das eigene politische Handeln zur Folge hat, im positiven wie im negativen Sinne.
Die Motivation, sich politisch zu engagieren, sollte unbedingt dadurch gespeist werden, Dinge verändern zu wollen, dafür einzutreten, dass die Stadt, in der man lebt, weiterhin offen, lebendig und handlungsfähig bleibt. Wer sich ehrenamtlich engagiert, sei es in der Selbsthilfe oder wie ich in politischen Parteien, um persönliche Anerkennung und Dankbarkeit zu erhalten, wird in den meisten Fällen enttäuscht werden. Als ehrenamtlich Tätiger tappt man schnell in die Falle der Selbstüberschätzung. Man hält sich für unentbehrlich und denkt, man müsse alle politischen Termine wahrnehmen, weil es erwartet würde. Zum großen Teil stimmt das zwar, aber man sollte aufpassen, dass jedes ehrenamtliche Engagement, egal ob in Partei, Selbsthilfe, Sportverein oder Kaninchenzuchtverein stets mehr Lust als Frust hervorruft. Mittlerweile habe ich von meiner Lebensgefährtin gelernt und schimpfe nach nervigen Sitzungen nicht mehr ganz so heftig. Ein bisschen mehr Gelassenheit tut jedem gut, gerade im politischen Bereich.
Zum Autor
Thorsten Büchner, 31 Jahre, ist seit 2007 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Marburg Süd. Seit April 2009 ist er Schriftführer des Vorstandes der Marburger SPD und seit Oktober 2009 Mitglied der Marburger Stadtverordnetenversammlung. Außerdem ist er seit 2005 Vorsitzender des „Verein der Freunde und Förderer der Carl-Strehl-Schule“.
Dem Artikel sind in der Schwarzschriftausgabe zwei Fotos beigefügt, sie zeigen den Autor mal im Sommer, mal im Winter mit zwei bzw. drei Parteigenossen „am obligatorischen Infostand des Ortsvereins“. Im Winter ein wenig verfroren und mit Heißgetränken, im Sommer entspannt und gut gelaunt (Fotos: Franz Mozer).
Bücher
Manfred Fuchs: Buchtipps aus der Braille-Druckerei
von Manfred Fuchs
Verschaffen Sie sich Fachwissen für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Hier eine Auswahl von Gesetzen und Normen. Alle Gesetze sind auf dem neuesten Stand und werden im Abonnement aktualisiert.
Natürlich sind alle aufgeführten Bücher neben der Papierfassung auch als Datei für das Lesen mit der Braille-Zeile zu beziehen, bitte bei Bestellung angeben.
Sozialgesetzbuch III [SGB 3] Arbeitsförderungsgesetz
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5009, reformierte Kurzschrift (KR.), 4 Bände + 1 Halbband, 112,00 €.
Sozialgesetzbuch IV [SGB 4] Gemeinsame Vorschriften für die Sozialversicherung
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5010, reformierte Kurzschrift (KR.), 2 Bände, 48,20 €.
Sozialgesetzbuch V [SGB 5] Gesetzliche Krankenversicherung
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5011, reformierte Kurzschrift (KR.), 7 Bände, 168,70 €.
Sozialgesetzbuch VI [SGB 6] Gesetzliche Rentenversicherung
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5012, reformierte Kurzschrift (KR.), 5 Bände, 120,50 €.
Sozialgesetzbuch VII [SGB 7] Gesetzliche Unfallversicherung
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5013, reformierte Kurzschrift (KR.), 3 Bände, 72,30 €.
Sozialgesetzbuch VIII [SGB 8] Kinder- und Jugendhilfegesetz
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5014, reformierte Kurzschrift (KR.), 1 Band + 1 Halbband, 39,70 €.
Sozialgesetzbuch IX [SGB 9] : Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen
nebst Gesetz über die unentgeltliche Beförderung Schwerbehinderter im öffentlichen Personenverkehr sowie Schwerbehinderten-Ausgleichsverordnung und Schwerbehindertenausweisverordnung.
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5015, reformierte Kurzschrift (KR.), 2 Bände + 1 Halbband, 63,80 €.
Sozialgesetzbuch XI [SGB 11] Soziale Pflegeversicherung
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5017, reformierte Kurzschrift (KR.), 2 Bände., 48,20 €
Sozialgesetzbuch XII [SGB 12] Sozialhilfe
München: Beck-Online, Stand: 7/2011.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt.
Bestellnr.: 5018, reformierte Kurzschrift (KR.), 1 Band + 1 Halbband 39,90 €.
Blindenschrift - Anforderungen und Maße - DIN 32976
Arbeitsausschuss Kommunikationshilfen für sensorisch Behinderte im Normenausschuss Medizin des Deutschen Instituts für Normung, DIN.
Berlin: Beuth, 2007.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt, 2007.
Bestellnr.: 4528, reformierte Kurzschrift (KR.), 1 Band, 28,20 €
Barrierefreies Bauen, Planungsgrundlagen, Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude - DIN 18040-1
Arbeitsausschuss Kommunikationshilfen für sensorisch Behinderte im Normenausschuss Medizin des Deutschen Instituts für Normung, DIN.
Berlin: Beuth, 2010.
Marburg/L.: Deutsche Blindenstudienanstalt, 2011.
Bestellnr.: 4692, reformierte Kurzschrift (KR.), 1 Band, 28,20 €.
Auch als Blindenkurzschrift-DAISY-Buch zu erhalten unter Bestell-Nr.: 692581
Bestellung
Ihre Bestellung richten Sie bitte an: Deutsche Blindenstudienanstalt e.V., Postfach 1160, 35001 Marburg, Tel.: 06421 606-0, E-Mail: info@blista.de. Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).
Henrike Bergermann: Hörtipp: Die Kunst, als Familie zu leben
von Henrike Bergermann
Immer mehr Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert und greifen auf Ratgeber zurück. Sie möchten wissen, wie sie mit Unordnung, zu viel Fernsehen, häuslichen Pflichten der Kinder, Geschwisterstreit, Bettgehzeiten und pünktlich nach Hause kommen umgehen müssen, damit ihre Kinder gut erzogen groß werden. Rudolf Dreikurs, ein österreichisch-amerikanischer Psychiater, Pädagoge und Psychologe und Vertreter der Individualpsychologie, hat durch sein Erziehungskonzept gezeigt, wie Eltern und Kinder harmonisch zusammenleben können.
Die Autoren Theo und Julitta Schoenaker und John Platt sind ehemalige Schüler von Rudolf Dreikurs, der 1972 im Alter von 75 Jahren starb. Sie fassen seine Theorien in diesem Erziehungsratgeber unterhaltsam zusammen. Schon im Vorwort von Franz-Josef Mohr wird deutlich, dass Kinder selbst Erfahrungen sammeln können und nicht stur erzogen werden müssen. Im Theorie-Teil werden auch anhand von Beispielen die Themen Hoffnung, Grundbedürfnis des Menschen, Ziel der Kindererziehung, verlorene Macht, Strafen und Belohnen, Fehlorientierung, eigene Erfahrungen, Zugehörigkeitsgefühl, Kinder bilden sich ihre eigene Meinung und Familienkonstellation behandelt. Im anschließenden Methodenteil geht es unter anderem um die Themen Zeit und Verantwortung, Ermutigung oder Familienrat.
Theo Schoenaker, Julitta Schoenaker, John M. Platt: Die Kunst, als Familie zu leben. Ein Erziehungsratgeber nach Rudolf Dreikurs.
Freiburg/Breisgau: Herder, 2. Neuauflage der Neuausgabe 2009, ISBN 13: 9783451058608. Gelesen wird dieses Buch von Waltraut Nösler und dauert 5 Stunden 44 Minuten. DVBS-Bestellnummer 6682, Preis: 43,00 Euro.
Die pädagogischen Ansätze von Rudolf Dreikurs stoßen, wie zahlreiche Auflagen seiner Bücher zeigen, bis heute auf reges Interesse. Zu seinen bekanntesten Werken gehört „Kinder fordern uns heraus“, dessen Weiterführung und Ergänzung „Wie Eltern besser werden: die häufigsten Erziehungsfehler und ihre Lösungen“ im DVBS-Textservice als DAISY-CD vorliegt (Bestellnummer 6680, 13:29 Stunden, 101,13 Euro, Co-Autor ist Erik Blumenthal).
Von Rudolf Dreikurs gibt es im DVBS-Textservice außerdem als DAISY-Buch „Kinder lernen aus den Folgen: wie man sich Schimpfen und Strafen sparen kann“. Zusammen mit Loren Grey verfasst, wird eingangs kurz die gesellschaftliche Problematik deutlich, aus der heraus das Buch entstand: Die Gewaltbereitschaft US-amerikanischer Jugendlicher und die These, „dass sich die ganze heranwachsende Generation im Krieg mit den Erwachsenen befindet“, verlangte spätestens Ende der 60er Jahre nach Strategien zur (auch innerfamiliären) Konfliktlösung und neuen Wegen der Kindererziehung. (Bestellnummer 6677, 5:33 Stunden; 41,63 Euro).
Kontakt und Bestellung: DVBS-Textservice, Frauenbergstraße 8, 35039 Marburg, Telefon: 06421 94888-22, E-Mail: textservice@dvbs-online.de.
Zur Autorin
Ich selbst, Henrike Bergermann, bin 22 Jahre alt und absolviere als blista-Schülerin an der Fachoberschule Soziales von Februar bis Juni 2011 ein Praktikum beim DVBS. Ich finde das Buch „Die Kunst als Familie zu leben“ gut, da es dem Leser klarmacht, wie man richtig auf ein Kind eingeht und dass Kinder auch ihre eigenen Erfahrungen sammeln müssen. Lesenswert ist außerdem die Beschreibung, wie und warum Kinder verbotene Dinge immer wieder machen und dass es deshalb nicht gut ist, zu streng zum Kind zu sein.
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt die Autorin an ihrem blindengerechten PC-Arbeitsplatz in der DVBS-Geschäftsstelle. Die Junge Frau lächelt zu den Betrachtenden (Foto: DVBS itrol).
"Dein Spiegel", das Nachrichtenmagazin für Kinder jetzt auch als Hörversion für blinde Kinder verfügbar
Wissenswertes spannend erzählt aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Natur und Technik, Kultur und Sport berichtet das Nachrichtenmagazin für Kinder und Jugendliche „Dein Spiegel“ seit September 2009. Textbeiträge werden von Spiegel-Redakteuren aus allen Ressorts des Nachrichten-Magazins verfasst und durch, von Kinderreportern geführte, Interviews ergänzt. Besonders Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 13 Jahren sollen auf diese Weise angesprochen werden. Aber auch für Erwachsene ist „Dein Spiegel“ durchaus unterhaltsam und lehrreich.
Damit nun auch blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche in den Genuss dieses neuen Magazins kommen können, produziert die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) in Marburg mit Erlaubnis des Spiegel-Verlages eine spezielle Hörversion auf CD. Die erste Nummer hat eine Spieldauer von zweieinhalb Stunden und enthält unter anderem Beiträge über eine Geisterstadt in den USA, in der Feuerwehrleute für Katastrophen trainieren, Kinderreporterinnen besuchten Lady Gaga in den USA und in der Titelgeschichte prüft „Dein Spiegel“ nach, was man von der beliebtesten Partei bei den Kindern, den Grünen, wirklich erwarten kann. Die Hörversion von „Dein Spiegel“ erscheint wie die gedruckte Fassung einmal im Monat. Sie darf nur an Blinde und Sehbehinderte abgegeben werden und kostet im Jahresabo 36 Euro.
„Das Projekt ist erst einmal auf ein Jahr begrenzt, da wir sehen müssen, wie groß das Interesse bei den blinden und sehbehinderten Jugendlichen ist“, sagt Rudi Ullrich, der die Herstellung der Hörversion initiiert hat. Neben den Abogebühren müssen auch Spenden für die Produktion eingesetzt werden, so Ullrich weiter. Das ist aber seiner Meinung nach nur vertretbar, wenn das neue Angebot auch auf eine entsprechende große Resonanz bei den blinden und sehbehinderten Jugendlichen trifft.
Die Juniausgabe kann jetzt bei der blista in Marburg als kostenlose Probenummer unter Tel.: 06421 6060 oder per E-Mail: info@blista.de angefordert werden.
Außerdem gibt es bei der blista auch eine Hörfassung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, die blinden Abonnenten entweder wöchentlich auf CD zugeschickt wird oder bereits montagabends via Download bezogen werden kann. Das Jahresabo für 52 Ausgaben kostet 192 Euro und kann ebenfalls bei der blista bestellt werden.
Panorama
Weltkongress „Braille21 – Innovationen in Braille im 21. Jahrhundert“
Zugänglicher, bezahlbarer, sichtbarer – so soll die Zukunft der Brailleschrift aussehen! Mit diesem Ziel lädt die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) zum „Braille-Tag in Deutschland“ (27. September 2011) sowie anschließend zum Weltkongress „Braille21“ (28. bis 30. September 2011) ein, präsentiert von der Weltblindenunion (WBU).
Thema ist die Brailleschrift mit ihren Chancen und Herausforderungen heute und in der Zukunft. Die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird von mehr als 25 internationalen und nationalen Partnern unterstützt. Der Braille-Tag Deutschland wartet mit einem vielfältigen Programm auf: Neben Workshops und Fachvorträgen zur Brailleschrift präsentieren Braille-Anwender auf dem „Markt der Möglichkeiten“ ihre Braille-Erfindungen. Hinzu kommt ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Besucher haben die Möglichkeit, sich im Blindentischtennis auszuprobieren oder eine Braille-Botschaft im Braille21-Gästebuch zu hinterlassen. Nichts zu sehen gibt es im Dunkelparcours der Christoffel-Blindenmission, in dem blinde und sehbehinderte Menschen die Gäste in ihre Welt mitnehmen. Am Nachmittag werden interessante Braille-Accessoires präsentiert: Sie können iPhone, iPod und iPad mit der Braille-Zeile erleben, das Schreiben mit der Blindenschrift-Tafel erlernen und ausprobieren, wie man mit dem Braillino – einer Mini-Braillezeile – ganze Bücher flüssig liest. Die Teilnahme ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist online unter www.braille21.net/de/anmeldung bis zum 31. August 2011 erforderlich. Braille21 kann Schülern, Studierenden und Auszubildenden die Anreisekosten erstatten. Das ausführliche Programm finden Sie im Internet unter www.braille21.net/de/programm/braille-tag-deutschland
Weltkongress Braille21 versammelt Teilnehmer aller Kontinente
Der Weltkongress Braille21 findet Zuspruch in allen Teilen der Welt. Auf den „Call for Papers“ hatten Interessenten aus 38 Ländern geantwortet und 105 Vorschläge für einen Beitrag eingesandt – daraus ist ein so spannendes wie innovatives Programm mit 65 Vorträgen und 5 Workshops entstanden. Die Abstract-Sammlung finden Sie online unter www.braille21.net/en/programme. Viel Spaß beim Lesen! Die Anmeldung für Teilnehmer läuft noch bis zum 31. August und muss online geschehen über www.braille21.net/en/registration. Ausführliche Informationen finden Sie unter www.braille21.net.
Der Schwarzschriftausgabe ist in diesem Artikel das Logo von Braille21 beigefügt. Es zeigt einen blauen Würfel, der auf einer seiner Kanten steht und auf den drei sichtbaren Flächen sechs weiße Punkte aufweist. Darunter ist der braun-rote Schriftzug „Braille“ platziert und die grüne Zahl 21 rechtsbündig darüber.
10. Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2011
Die sieben Partner der Aufklärungskampagne machen sich gemeinsam stark, um die Ursachen von Blindheit und Sehbehinderung zu bekämpfen. Dabei möchten die Selbsthilfeorganisationen der blinden und sehbehinderten Menschen in der Woche des Sehens 2011 besonders darauf hinweisen, was trotz Sehbehinderung alles möglich ist, wenn geeignete Rehabilitationsmaßnahmen und Hilfsmittel eingesetzt werden.
Sehen, was geht!
Beim Thema „Vermeidbare Sehbehinderung“ steht in der Regel die medizinische Therapie im Vordergrund. So wird oft übersehen, dass bei der Rehabilitation der Betroffenen einiges im Argen liegt und dass zahlreiche Menschen in Deutschland mehr unter den Folgen einer Sehbehinderung leiden, als nötig wäre. Denn die Folgen einer bereits eingetretenen Sehverschlechterung lassen sich positiv beeinflussen: Mit gezieltem Training und individuell abgestimmten Hilfsmitteln geht trotz Sehbehinderung oder Blindheit eine ganze Menge.
Wer von einer Sehbehinderung betroffen ist, braucht gezielte Beratung und auf den individuellen Bedarf abgestimmte Hilfsmittel. Dazu gehören vergrößernde Sehhilfen wie spezielle Geräte, die den Alltag erleichtern, z.B. sprechende Uhren. Der richtige Mix aus individuell abgestimmten Hilfsmitteln und Rehabilitationsmaßnahmen kann Folgen einer Sehbehinderung verhindern – weder Stürze und Verletzungen noch der Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben müssen sein. Die Woche des Sehens 2011 möchte Mut machen und aufzeigen, was geht – auch mit Sehbehinderung!
Tag des weißen Stocks
Es gibt viele Situationen, in denen blinde und sehbehinderte Menschen Hilfe benötigen. Potenzielle Helferinnen und Helfer sind oft gehemmt, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Oder sie greifen spontan und beherzt zu und haben im Anschluss den Eindruck, mit ihrer Hilfe genau das Gegenteil des gewünschten Effektes erreicht zu haben. Am Tag des weißen Stockes, dem 15. Oktober 2011, möchte die Selbsthilfe Tipps für hilflose Helfer geben!
Machen Sie mit, wir unterstützen Sie!
Wenn Sie sich für die Kampagne interessieren und sich daran beteiligen möchten: Die Koordinatorinnen der Woche des Sehens begleiten Ihre Aktion. Auf Anfrage erhalten Sie kostenloses Informations- und Aktionsmaterial, Unterstützung bei Ihrer Pressearbeit und bei der Suche nach Veranstaltungspartnern sowie bei der Finanzierung Ihrer Veranstaltung im Rahmen der Förderrichtlinien. Information und Kontakt: www.woche-des-sehens.de, c.barrera@woche-des-sehens.de, info@woche-des-sehens.de.
Seit 2002 machen Selbsthilfeorganisationen, Augenärzte und Hilfswerke gemeinsam auf die Bedeutung von gutem Sehvermögen, die Ursachen vermeidbarer Blindheit und die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und in Entwicklungsländern aufmerksam.
Woche des Bürgerschaftlichen Engagements: 16.-25.9.2011
Vom 16. bis 25. September 2011 veranstaltet das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) die Woche des bürgerschaftlichen Engagements. Seit sieben Jahren ist die Aktionswoche die größte bundesweite Freiwilligenoffensive. Sie wirbt mit dem Motto „Engagement macht stark!“ und würdigt die Arbeit von vielen Millionen Engagierten. Projekte und Initiativen können sich mit ihren Aktionen auf der unten stehenden Homepage für die Kampagnenwoche anmelden, um ihr Engagement hervorzuheben, sich bekannt zu machen und ggf. auch untereinander zu vernetzen. Für 2011 werden vier Thementage vorbereitet: Inklusion, Bürgerstiftungen, Europa und Unternehmensengagement. Weitere Informationen unter: www.engagement-macht-stark.de und www.b-b-e.de
Drei aktuelle Studien zu bürgerschaftlichem Engagement
Die EU-Kommission hat mittels eines Eurobarometer-Flashs die Intensität der gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen in über 27.000 Interviews mit Personen zwischen 15 und 30 Jahren aus den 27 Mitgliedsländern ermittelt. Gefragt wurden sie nach Teilnahme und Engagement in Sportvereinen, Jugendorganisationen, Kulturorganisationen und weiteren, ebenso nach dem Verhalten bei politischen Wahlen, Freiwilligenaktivitäten und Erfahrungen im Austausch mit anderen Jugendlichen in Europa. Je jünger die Jugendlichen sind und je höher ihr Bildungsabschluss ist, desto häufiger engagieren sie sich, so Ergebnisse der im Februar 2011 durchgeführten Studie.
- Partizipation junger Menschen in Europa: Langfassung der Studie http://ec.europa.eu/public_opinion/flash/fl_319a_en.pdf, Kurzfassung: http://ec.europa.eu/public_opinion/flash/fl_319a_sum_en.pdf
Parallel zum Eurobarometer-Flash hat die Bertelsmann-Stiftung eine Spezialauswertung aus den Freiwilligensurveys 1999-2009 publiziert. Demnach ist bei jüngeren Menschen eine Abnahme von bürgerschaftlichem Engagement zu konstatieren. Möglich sei, dass die als frei empfundene Zeit knapper, die Konkurrenz anderer Angebote stärker und die zeitliche Inanspruchnahme durch Schule, Lehre, Praktikum, Arbeit und Studium gewachsen seien.
- Studie Jugend in der Zivilgesellschaft: www.bertelsmann-stiftung.de/bst/de/media/xcms_bst_dms_33702_33705_2.pdf
Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Studie zum bürgerschaftlichen Engagement von Senioren mit dem Titel „Monitor Engagement: Wie und wofür engagieren sich ältere Menschen“ erstellt. Darin wird gezeigt, in welchem Umfang sich ältere Menschen engagieren, in welchen Bereichen und Organisationen sie dies tun und aus welchen Motiven. Ebenso werden das Engagementpotenzial von Älteren, ihre Erwartungen und Ansprüche untersucht sowie das Thema Pflege berücksichtigt.
Wettbewerbe rund ums bürgerschaftliche Engagement
„Das Örtliche“ sucht Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Initiativen aus ganz Deutschland, die sich bürgerschaftlich engagieren, um ihren Ort für sich und andere lebenswerter zu gestalten. Am Wettbewerb „Der ideale Ort“ können Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen teilnehmen. Bewerbungsfrist ist der 30. September 2011. Die Sieger in den drei Wettbewerbskategorien „Bürgerinnen und Bürger“, „Unternehmen“ und „Institutionen“ gewinnen je 10.000 Euro und werden auf einer großen Abschlussveranstaltung am 8. Dezember 2011 in Berlin ausgezeichnet. Das Bewerbungsformular und weitere Informationen finden Sie unter der Internet-Adresse www.der-ideale-ort.de.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutsche Bundesjugendring zeichnen Jugendliche aus, die sich ehrenamtlich engagieren. Bis zum 2. September 2011 können sich Verbände, die im Jugendbereich tätig sind oder das Engagement junger Menschen fördern, online für den diesjährigen Heinz-Westphal-Preis bewerben. Der Preis ist nach dem Mitbegründer des Deutschen Bundesjugendrings benannt und wird alle zwei Jahre ausgeschrieben. Die drei Gewinner des Heinz-Westphal-Preises 2011 werden Ende November mit insgesamt 15.000 Euro Preisgeld geehrt. Weitere Informationen finden Sie unter www.bmfsfj.de.
Die Robert-Bosch-Stiftung ehrt Journalisten, die sich in ihren Medienbeiträgen mit den vielfältigen Formen des Engagements in allen gesellschaftlichen Bereichen beschäftigen. Prämiert werden Berichte, Reportagen und Arbeiten, die beispielhaft darstellen, wie und warum sich Menschen freiwillig für andere einsetzen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Der Journalistenpreis Bürgerschaftliches Engagement wird seit 1998 vergeben und in den Kategorien Print, Hörfunk und Fernsehen ausgeschrieben. Einsendeschluss ist der 17. August 2011. Detaillierte Informationen finden Sie auf der Webseite der Stiftung (www.bosch-stiftung.de).
VBS-Kongress: „Call for Papers 2012”
Der Verband für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik (VBS) veranstaltet vom 30. Juli bis 3. August 2012 in Chemnitz den XXXV. Kongress für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik unter dem Thema „Vielfalt & Qualität“. Dazu sind die folgenden vier Symposien geplant:
- Inklusion - Entwicklung von Bildungseinrichtungen und Professionalisierung
- (Multi-) Kulturelle Vielfalt von Bildungsangeboten
- Inklusive Lebenswelten erwachsener Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen
- Spezifische Angebote in Bildung, Erziehung und Rehabilitation
In seinem „Call for Papers“ zielt der VBS auf Vorträge, die den neuesten Stand der Forschung repräsentieren, sowie auf die Gestaltung von interaktiven und kommunikationsfreudigen Workshops. Darüber hinaus werden Promovendinnen und Promovenden, Studierende, Referendarinnen und Referendare, Absolventinnen und Absolventen von fachlich einschlägigen Ausbildungen und Studiengängen sowie alle in Forschungs- und internationale Austauschprojekte Eingebundenen eingeladen, im Rahmen einer Campus-Posterpräsentation die Ergebnisse ihrer Abschluss- bzw. Forschungsarbeiten vorzustellen.
Der „Call for Papers 2012“ endet am 15. Oktober 2011. Kontaktadressen und weitere Informationen finden Sie über die Internet-Adresse www.vbs-2012.de.
Neue BIK@work-Broschüre
Brandneu und druckfrisch ist die Broschüre „Gemeinsam Barrieren abbauen“ von BIK@work. „Mit ihr möchten wir unsere Arbeit vorstellen und einen Einblick in das Berufsleben mit Barrieren geben“, sagt Projektleiter Karsten Warnke. Das BIK@work-Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Multiplikatoren für Barrierefreiheit in der Informationstechnik in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung zu sensibilisieren und zu unterstützen. BIK@work hat dabei Partner gewonnen, die Vorbild sein können und in der neuen Broschüre vorgestellt werden, wie der Norddeutsche Rundfunk, das Statistische Landesamt Nord, das Dortmunder IT-Unternehmen QuinScape. Die Stadt Köln wurde sogar zum „Leuchtturm“ ernannt, denn sie hat mit Hartnäckigkeit und Ausdauer sowie Unterstützung von BIK@work-Beratern die Integration behinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorangebracht. Die Broschüre informiert weiterhin über das „Recht auf Inklusion am Arbeitsplatz“, stellt die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) in Auszügen vor, gibt nützliche Hinweise für Vereinbarungen zur Durchsetzung von Barrierefreiheit am Arbeitsplatz. Ein weiteres Kapitel erklärt den BITV-Test und warum er wichtig ist für die Qualitätssicherung in Arbeitsstätten bei der barrierefreien Gestaltung von Intranetseiten und –anwendungen.
Die BIK-Broschüre steht als barrierefreie PDF-Datei unter: www.bik-work.de zum Download bereit, die gedruckte Ausgabe kann per E-Mail: koelln@bik-online.info angefordert werden.
Der Schwarzschriftausgabe ist die Abbildung des Broschüren-Deckblatts beigefügt. Es zeigt vier Hände, die gemeinsam an einem Strang ziehen.
Arbeitgeber-Schnellinfo im Internet
Häufig gestellte Fragen von Arbeitgebern und ihren Beauftragten
Irmgard Badura, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, hat gemeinsam mit dem Integrationsamt Bayern und dem Bayerischen Sozialministerium eine Schnellinfo im Internet initiiert. Sie richtet sich an Arbeitgeber, die behinderte Arbeitnehmer beschäftigen möchten. Anhand der kompakten Informationen will man so dazu beitragen, vorhandene Ängste und Vorurteile abzubauen und den Mut der Unternehmen zu stärken. „Die gelungene Zusammenarbeit aller Beteiligten freut mich ganz besonders. Kooperation und Vernetzung sind entscheidend für das Gelingen eines solchen Projektes. Deshalb bin ich dankbar für die sehr konstruktive Zusammenarbeit und hoffe auf weitere Beteiligung aller Akteure, vor allem auch von Seiten des Handwerks und der Wirtschaft“, so Irmgard Badura. Zu finden ist die Arbeitgeber-Schnellinfo im Internet unter: www.zbfs.bayern.de/integrationsamt/arbeitgeber/index.html.
Be mobile, be smart!
Vorbei die Zeiten, in denen Blinde sich nur in ihrer bekannten Umgebung zurechtfanden. Die Blindenfreunde zeigen in ihren Berliner Smartphone-Schulungen, wie das „Navi für Blinde“ funktioniert. Während der 5-tägigen Schulung in Berlin erklärt Kursleiter und Journalist Detlef Petersen – selbst mit 45 Jahren spät erblindet – den Umgang mit der modernen Technik. Auf dem Programm steht neben dem Erlernen der Grundkenntnisse – bedienen, surfen, programmieren – auch die Königsdisziplin: das Bewegen auf fremdem Terrain. Ausgerüstet mit Smartphones der neuesten Generation werden die Kursteilnehmer von der freundlichen Stimme der Sprachausgabe “Mobile Speak“ durch die Stadt geführt.
Mit der Smartphone-Schulung setzen die Blindenfreunde ihre Workshop-Serie „Blinde und Technik“ fort und ermöglichen Betroffenen mehr Freiheit und Unabhängigkeit. Die nächsten Kurse, die auf jeweils fünf Teilnehmer und ihre Begleitung beschränkt sind, finden vom 05. bis 09. September und vom 12. bis 16. September im Gästehaus für Blinde in Berlin-Kladow statt. Auswärtige Teilnehmer können die modernen Zimmer des Gästehauses für die Zeit der Schulung buchen. Weitere Informationen zu den Workshops sind unter www.blindenfreunde.de abrufbar, telefonische Anmeldung unter Tel.: 030 8234328.
Fortbildung 2012: Bitte jetzt schon anmelden und Platz sichern!
Der Blinden- und Sehbehindertenverein Mecklenburg-Vorpommern e. V. hat im kommenden Jahr wieder seine bewährten Kursangebote im Programm und bittet um rechtzeitige Anmeldung:
- 10-Fingerschreiben auf der PC-Tastatur als 3-teiliger Kurs (Referentin: Frau Soetbeer-Hansen)
- PC-Kurse für Windows mit Jaws für Einsteiger und für Fortgeschrittene (Referent: Hasan Karahasan)
- Braillevoll- und -kurzschrift im 5-wöchigen Kurssystem (Referenten: Ursula Bamberg, Horst Schuldt und Lydia Barkhau)
Information und Anmeldung: Lydia Barkhau, Tel.: 038203 62993 (abends) oder 038203 62029 (tagsüber) sowie unter der E-Mail: lydia.barkhau@online.de und über das Aura-Hotel „Ostseeperlen“ Boltenhagen, Tel.: 038825 3700, E-Mail: ostseeperlen@t-online.de
„Vision in Enterprise“
Das europäische Projekt “Vision in Enterprise” (Unternehmen als Vision), hat es sich zur Aufgabe gemacht, blinde und sehbehinderte Menschen bei der Existenzgründung zu unterstützen. Auf dem gemeinsamen Arbeitsplan steht u. a. die Erstellung eines Leitfadens. Der größte Nutzen des Projekts wird jedoch in der öffentlichen Bewusstmachung gesehen: Dass mehr blinde und sehbehinderte Männer und Frauen in die Selbstständigkeit gehen bzw. erfolgreich unternehmerisch tätig werden, soll dazu beitragen, ein positiveres Bild innerhalb der Gemeinschaft zu formen.
Das Projekt unter der Leitung der in Großbritannien ansässigen Organisation Action for Blind People umfasst als weitere Partner: Prevista Limited, den Irischen Blindenverband (NCBI), den Gesamtzyprischen Blindenverband und das Foundation Institute für regionale Entwicklung. Die Europäische Blindenunion (EBU) wird ihre Erfahrungen als europaweit agierende NGO zur Verfügung stellen, um eine gute Verbreitung des Projekts und seiner Ergebnisse zu gewährleisten. Quelle: Europäische Blindenunion, Pressemitteilung 4/2011
Zwischenstand: "Büchernot" und WIPO-Vertrag
Im Juni tagte der Ausschuss für Urheberrechte und verwandte Schutzrechte bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) in Genf. Die gute Nachricht zuerst: Um die Büchernot für Menschen mit Lesebehinderungen abzumildern, konnten sich die vier wichtigsten Ländergruppen, EU, USA, Lateinamerika und Afrika, dort auf einen gemeinsamen Text als Grundlage für ein neues Gesetz verständigen. Er enthält die wichtigsten Fragen des Vorschlags der Weltblindenunion (WBU). Hilfreich war, dass das EU-Parlament kurz vor der WIPO-Sitzung einen Entschließungsantrag angenommen hatte, der die WIPO-Delegationen unter Bezugnahme auf die BRK u. a. dazu aufforderte, dem WBU-Vorschlag zuzustimmen.
Grundsätzlich hat sich damit der Druck auf die WIPO verstärkt, nun endlich zu einer Lösung zu kommen. Gleichwohl versuchen Frankreich, Italien, Belgien und vermutlich Deutschland weiterhin, einen "Blindenvertrag" zu blockieren. Es ist also wichtig dranzubleiben, zu informieren, aufzuklären und die Beendigung des „Büchernotstands“ einzufordern. Der Zugang zu barrierefreien Büchern hat Menschenrechtsstatus (BRK Art. 21).
Recht
Dr. Michael Richter: "Spielregeln" der Integrationsämter zur Kostenübernahme von Arbeitsassistenz in Frage gestellt
von Dr. Michael Richter, rbm gemeinnützige GmbH – Rechte behinderter Menschen
"Die Berufung wird zurückgewiesen", wenn man diese Worte als Rechtsanwalt des Berufungsklägers hört und bereits in der ersten Instanz vollständig unterlegen war, dann besteht in der Regel kein Grund zur Freude. Anders bei der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 18.05.2011 (Az.: 6 B 1/09): Bereits kurz nach der Verhandlung war ich mir mit meinem Mandanten sicher, dass wir einen großen Erfolg gelandet hatten. Grund für diese Einschätzung waren die Ausführungen des erkennenden Gerichtes, die nun auch in der schriftlichen Urteilsbegründung Bestätigung gefunden haben.
Kurz zum Hintergrund: Mein Mandant betreibt seit ca. 10 Jahren selbstständig ein Geschäft für Audioausstattungen in Berlin und benötigt in diesem Rahmen Arbeitsassistenz im Umfang von 8 Stunden arbeitstäglich. Trotz der Anerkennung dieses Assistenzbedarfes kürzte das zuständige Integrationsamt für den Zeitraum 2007 und 2008 die Kostenübernahme von 2100 Euro auf 1800 Euro, und zwar mit Verweis auf die einschlägigen Empfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) zur Gewährung von Arbeitsassistenz. Bereits in diesem Bescheid wurde angekündigt, dass für die Jahre 2009 und 2010 eine Kürzung auf monatlich 1500 Euro und in einem weiteren Schritt auf die vorgesehene "Höchstförderung" von 1100 Euro erfolgen würde. Genau so kam es auch und leider entschied das in erster Instanz zuständige Verwaltungsgericht Berlin im Sinne des Integrationsamtes. Es muss allerdings angemerkt werden, dass Gegenstand dieser Entscheidung und der Berufung nur der Zeitraum 2007 und 2008 waren und die Folgeverfahren - in Erwartung dieser Entscheidung - ruhten.
Die folgenden Ausführungen des Gerichtes dürften die von den Integrationsämtern aufgestellten "Spielregeln" deutlich in Frage stellen:
"Anspruchsgrundlage für das Begehren des Klägers ist § 102 Abs. 4 SGB IX. Nach dieser Vorschrift haben schwerbehinderte Menschen im Rahmen der Zuständigkeit des Integrationsamtes für die begleitende Hilfe im Arbeitsleben aus den ihm aus der Ausgleichsabgabe zur Verfügung stehenden Mitteln Anspruch auf Übernahme der Kosten einer notwendigen Arbeitsassistenz. Diese Voraussetzungen liegen dem Grunde nach vor. Es ist zwischen den Beteiligten unstreitig und aus Sicht des Senats nicht zweifelhaft, dass der Kläger eine Arbeitsassistenz im Umfang von acht Stunden täglich benötigt, um die behinderungsbedingten Nachteile, die anderenfalls der Ausübung seines Berufs entgegenstünden, auszugleichen.
Nicht nachvollziehbar erscheint angesichts des klaren Wortlauts und der eindeutigen Systematik des § 102 SGB IX jedoch der Ansatz des Beklagten und auch des Verwaltungsgerichts, dass der Behörde hinsichtlich der Höhe der Mittel, die für eine notwendige Arbeitsassistenz übernommen werden, ein Ermessen zusteht (a. A. OVG Bremen, Beschluss vom 15. Oktober 2003 - 2 B 304/03 -, FEVS 55, S. 334; offen gelassen BVerwG, Beschluss vom 28. Juni 2010 - 5 B 66/09 -, Rdnr. 6 bei Juris).
Dass deren Vergabe unter dem Vorbehalt der dem Integrationsamt jeweils zur Verfügung stehenden Mittel der Ausgleichsabgabe steht, könnte diese Annahme allenfalls dann rechtfertigen, wenn die Mittel zur Erfüllung der gesetzlich normierten Ansprüche verbraucht wären, wofür nichts ersichtlich oder geltend gemacht ist. Weiter leuchtet es nicht ein, dass dieses Ermessen deshalb bestehen soll, weil die Bundesregierung von der Verordnungsermächtigung in § 108 SGB IX keinen Gebrauch gemacht hat. Selbst wenn der Bundesregierung hinsichtlich der Höhe der Kostenübernahme für eine notwendige Arbeitsassistenz in der Verordnungsermächtigung vom Gesetzgeber Spielräume eingeräumt worden sein sollten - was dem Senat ebenfalls zweifelhaft erscheint, hier aber keiner Erörterung bedarf -, rechtfertigt das Fehlen der Verordnung nicht die Annahme, dieser Spielraum sei in Form eines Ermessens mit der Folge nur eingeschränkter gerichtlicher Nachprüfbarkeit auf die Behörde übergegangen.“
Gleichwohl hat die Klage im konkreten Fall keinen Erfolg; denn, so das Gericht, „ der in § 102 Abs. 4 SGB IX gewährte Anspruch ist der Höhe nach durch den Begriff der Notwendigkeit begrenzt. Notwendig in diesem Sinne sind diejenigen Kosten, die entstehen, um den Bedarf für eine Arbeitsassistenz zu decken, die - dem Zweck der Regelung entsprechend - den behinderungsbedingten Unterstützungsbedarf bei der Bewältigung des beruflichen Alltags ausgleicht. Nach welchen Kriterien sich dies richtet, ist weder durch § 102 Abs. 4 SGB IX noch durch eine Rechtsverordnung vorgegeben oder konkretisiert. ... Die von der Behörde angeführten Empfehlungen der BIH für die Erbringung finanzieller Leistungen zur Arbeitsassistenz schwerbehinderter Menschen gemäß § 102 Abs. 4 SGB IX vom 1. August 2005 sind nicht nur deshalb nicht heranzuziehen, weil sie keinerlei verbindlichen Charakter aufweisen, sondern namentlich auch, weil sie für die Kostenübernahme einer notwendigen Arbeitsassistenz im hier erforderlichen Umfang keine sachdienlichen Kriterien enthalten. Nach deren Ziffer 4.1 sollen diese bei einem durchschnittlichen arbeitstäglichen Unterstützungsbedarf von weniger als einer Stunde bis zu 275 Euro, von einer Stunde bis unter zwei Stunden bis zu 550 Euro, von zwei Stunden bis unter 3 Stunden bis zu 825 Euro und von mindestens drei Stunden bis zu 1.100 Euro betragen. Es kann dahinstehen, ob die Höhe dieser Mittel sich bei einem Unterstützungsbedarf von bis zu drei Stunden als sachdienlich darstellt, jedenfalls bei einem Unterstützungsbedarf, der - wie hier - deutlich über drei Stunden täglich hinausgeht, erscheint die Annahme eines Höchstbetrages von 1.100 Euro verfehlt. Vor diesem Hintergrund hält es der Senat jedenfalls in Fällen, in denen wie vorliegend der Bedarf für eine Arbeitsassistenz den Umfang einer Vollzeitstelle hat, für angemessen, sich an der Höhe des Stundenlohns der Arbeitsassistenz zu orientieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der Beschäftigung eines Mitarbeiters als Arbeitsassistenz aus den vom Integrationsamt zur Verfügung gestellten Mitteln nicht nur der Lohn und die Sozialabgaben des Mitarbeiters zu bestreiten sind, sondern auch der Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben. Den hier bewilligten Betrag von 1.800 Euro schätzt der Senat insoweit als ausreichend ein. Eine Kostenübernahme von 1.800 Euro ermöglicht es auch unter Berücksichtigung eines Arbeitgeberanteils an der Sozialversicherung, einer Arbeitsassistenz einen Bruttolohn von 1.480 Euro im Monat zu zahlen. Bei einem Bruttomonatslohn dieser Höhe betrugen die vom Arbeitnehmer im Jahr 2007 zu zahlenden Sozialabgaben 322,74 Euro. Addiert man diese als Arbeitgeberanteil zum Bruttolohn von 1.480 Euro, so ergibt sich ein der bewilligten Summe nahezu entsprechender Gesamtbetrag von 1.802,74 Euro. Der Stundenlohn bei einem Bruttolohn von 1.480 Euro beträgt bei 22 Arbeitstagen im Monat 8,40 Euro, bei monatlich 21 Arbeitstagen 8,80 Euro, im Mittel also 8,60 Euro. Ein Stundenlohn in dieser Größenordnung erscheint für die hier erforderlichen Tätigkeiten der Arbeitsassistenz nicht unangemessen, zumal es sich lediglich um Hilfstätigkeiten handelt, für die auch nach den Angaben des Klägers eine Ausbildung oder besondere Qualifikation nicht erforderlich ist. ... Es handelt sich schließlich auch nicht um einen sog. Dumping-Lohn, der nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Das zeigt sich daran, dass er dem gewerkschaftlich geforderten allgemeinen Mindestlohn von 8,50 Euro entspricht ..."
Zu den praktischen Auswirkungen
Nicht nur, dass die obigen Ausführungen dem Autor dieses Artikels wieder etwas mehr Vertrauen in seine Kenntnisse des öffentlichen Rechtes zurückgegeben haben, nein, diese Entscheidung dürfte auch praktische Auswirkungen bei der Gewährung von Kostenübernahmen für eine selbst organisierte, notwendige Arbeitsassistenz durch die Integrationsämter in Zukunft haben. Folgende Punkte dürften dabei von besonderer Relevanz sein:
- Ein Assistenzbedarf ist genau zu erheben. Insbesondere wird in der Zukunft nicht mehr die Feststellung ausreichen, dass dieser mehr als 3 Stunden arbeitstäglich beträgt.
- Ein "Höchstförderbetrag" in Höhe von 1100 Euro monatlich ist aufgrund des Verweises auf die sog. BIH-Empfehlungen nicht mehr zu akzeptieren, wenn die Kosten tatsächlich höher sein sollten.
- Mit der Orientierung am sog. "Mindestlohn" bei "normaler Assistenztätigkeit" wachsen die Bäume für die Kostenübernahme nicht in den Himmel, qualifizierte Assistenztätigkeiten sollten allerdings auch einen Niederschlag in der Entlohnung finden können.
Bei allem Optimismus aufgrund der vorbenannten Entscheidung für die Zukunft des Rechtsanspruches auf Arbeitsassistenz und dessen Umsetzung ist zu berücksichtigen, dass es nunmehr zwei widersprechende Entscheidungen von Oberverwaltungsgerichten (Bremen vom 15.10.03 und Berlin-Brandenburg vom 18.05.11) gibt. Die Integrationsämter werden sich sicherlich auch in Zukunft auf ihre Empfehlungen stützen und ein Ermessen bei der Mittelvergabe geltend machen. Allerdings werden sich Betroffene in Zukunft auch auf eine gleichwertige Entscheidung berufen können, wenn sie im Einzelfall meinen, durch die Anwendung der Empfehlungen deutlich ungerecht behandelt zu werden. Insgesamt dürfte die hier in Rede stehende Entscheidung aber der Anfang zu einer sachgerechteren Handhabung des Rechtsanspruches auf eine selbst organisierte Arbeitsassistenz gem. § 102 Abs. 4 SGB IX sein und uns nicht zuletzt vielleicht auch den Weg in Berufsbilder mit einem höheren Assistenzbedarf ebnen.
Übrigens, ich glaube, dass auch mein Mandant noch zu seinem Recht kommt und wenigstens für den Zeitraum ab 2009 mit einer Nachzahlung rechnen darf …
Bildung und Forschung
Rudi Ullrich: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" oder "Wie sag ich's meinem Kinde"
von Rudi Ullrich
Nein, liebe Leserinnen und Leser, keine Angst, wir wollen Ihnen keine neue Sprichwortsammlung vorstellen, sondern ein interessantes Projekt, das sich damit beschäftigt, wie visualisierte Informationen blinden und sehbehinderten Schülern zugänglich gemacht werden können. Dabei geht es darum, dass der Anteil und die Bedeutung von Bildern, grafischen Abbildungen bis hin zu Comics in modernen Schulbüchern und bei Prüfungsaufgaben enorm zugenommen haben. Wurden Bilder früher oft nur zur zusätzlichen Illustration eingesetzt oder sollten auflockern, und der dazugehörige Text war zum Verständnis oder der Lösung einer Aufgabe völlig ausreichend, hat sich das in modernen Schulbüchern völlig verändert. Heute sind Abbildungen oft nicht ergänzend, sondern der eigentliche Träger der Information oder der Aufgabenstellung. Die Autoren von Schulbüchern beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie durch Visualisierung von Informationen den Schülern auch komplizierte Sachverhalte möglichst einfach und nachhaltig vermittelt werden können. Der große Vorteil von Bildern und Piktogrammen ist dabei auch, dass sie international verstanden werden und somit zum Beispiel beim Sprachenlernen hervorragend eingesetzt werden können. Dass diese Veränderung Produzenten von Lehrmaterialien für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern vor immer größere Herausforderungen stellt, kann man sich leicht vorstellen.
Deshalb hat die blista, die ja sowohl als Medienproduzent als auch im täglichen Schulbetrieb eines Gymnasiums mit dieser Herausforderung umgehen muss, das Projekt „Visualisierte Informationen aus Schulbüchern zugänglich machen“, kurz VISCH, initiiert. Der Startschuss des in Zusammenarbeit mit dem Bundeskompetenzzentrum für Barrierefreiheit (BKB) und mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Deutsche Blindenstudienanstalt laufenden Projektes fiel mit einem eintägigen Expertentreffen im Juni in Marburg. Wie Sabine Hahn vom DVBS-Textservice waren auch Selbsthilfevertreter aus dem gesamten Bundesgebiet und der Schweiz sowie Lehrer und Medienproduzenten der Einladung nach Marburg gefolgt. Unisono betonte man die Wichtigkeit, in diesem Bereich gemeinsame Standards zu entwickeln, damit blinde und sehbehinderte Schüler auch in Zukunft gleichberechtigte Bildungschancen haben. Dies unterstrich auch Marion Böttcher, Vorsitzende des Bundesverbands Eltern blinder und sehbehinderter Kinder (BEBSK), und schilderte eindrucksvoll die oft schwierige tägliche Praxis von Kindern an Regelschulen und die Nöte der Eltern, die als Co-Lehrer, Medienübertrager, Bildbeschreiber in einer Person gefordert sind. Deshalb hofft sie, dass im Rahmen dieses Projektes ganz praktische Hilfen und Leitlinien entwickelt werden, die Eltern bei dieser schwierigen Aufgabe ein Stück mehr Sicherheit geben können.
Dass dies natürlich das Ziel ist, hatten bereits zu Beginn der Leiter der Medienproduktion der blista, Manfred Fuchs, der auch Projektleiter von VISCH ist, und Dr. Roland Zimmer vom BKB herausgestellt. „Wir müssen dafür sorgen, dass blinde und sehende Kinder auch weiterhin die gleichen Schulbücher verwenden können. Dies ist im Sinne der Entwicklung eines inklusiven Schulsystems wichtiger denn je.“ Die Bedeutung, aber auch wie schwierig es sein wird, dieses Ziel in den nächsten anderthalb Jahren zu erreichen, wurde bereits beim Eingangsreferat „Herausforderung Bildbeschreibung“ von Klaus Wissmann, Verband für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik (VBS) und Lehrer am Landesförderzentrum Sehen in Schleswig, überaus deutlich. Martina Wiemers (Deutsche Hörfilm gGmbH) stellte zu diesem Themenkomplex die Umsetzung der Visualisierung im Hörfilm vor. Hier muss mit knapper, präziser Sprache gearbeitet werden, da die Texte in das vom Filmablauf vorgegebene akustische Gerüst eingebettet werden müssen. Ulrich Kalina ging im Anschluss anschaulich auf die Grundproblematik aus der bisherigen Unterrichtspraxis mit Lösungsansätzen ein. Neben einer Gegenüberstellung von Mathematikbüchern früher und heute ging er auf die Bedeutung des E-Buch-Standards ein. Im Laufe der Präsentation erhielten auch Nichtmathematiker Einblicke in Möglichkeiten einer Umsetzung mathematischer Sachverhalte in verbaler, taktiler oder kombinierter Form sowie deren Vor- und Nachteile.
Andrea Katemann aus der Brailledruckerei der blista berichtete über ihre Kontaktaufnahme mit einer Projektgruppe in den USA, die an einer ähnlichen Aufgabenstellung arbeitet und zu der man den engen Erfahrungsaustausch sucht. Als Fazit der Präsentationen waren sich alle Teilnehmer darüber im Klaren, dass es verschiedene Typen von Abbildungen gibt. Sie können der Motivation, der Illustration oder als Aufgabenstellung dienen. Jeder Abbildungstyp bedingt eine unterschiedliche Herangehensweise und Umsetzung.
Das oberste Kriterium ist dabei immer, dass die Schülerin, der Schüler im Mittelpunkt stehen. Dazu muss zu allererst der Zweck und die Funktion der Abbildung geklärt werden. Wo Bildbeschreibungen eingesetzt werden, müssen sie verständlich, klar, präzise, eindeutig, effektiv, ökonomisch, wesentlich und vorstellungsträchtig sein und dabei die wichtigen Inhalte erfassen und transportieren. Bilder tatsächlich ersetzen, oder gar weitergehende didaktische Zugänge eröffnen, können Bildbeschreibungen alleine allerdings nicht.
Außerdem ist zu bedenken: Die Verbalisierung dient primär nicht als Ersatz, sondern als zusätzliche Ergänzung taktiler Abbildungen, und der Tastsinn erfasst Grafik nicht "auf einen Blick", sondern sequentiell, deshalb braucht der Schüler die Unterstützung beim Erfassen von komplexen Strukturen. Die taktile Abbildung plus die verbale Beschreibung ergeben ein "Inneres Bild" beim Schüler. Aber erst nachdem ein klares inneres Bild geschaffen wurde, kann eine verbale Kurzbeschreibung später bereits ausreichen, um dieses "innere Bild" erneut zu aktivieren. Ausgehend von diesen Überlegungen, wird die weitere Arbeit und der intensive Gedankenaustausch der Expertengruppe über ein Forum im Internet organisiert, das von der blista aufgebaut wurde. Hier werden beispielhaft Bilder, Grafiken, Abbildungen etc. aus unterschiedlichen Unterrichtsfächern eingestellt und Vorschläge zur textlichen Beschreibung gemacht. Begonnen wird an den beiden Büchern „À Plus 1!, Französisch für Gymnasien, Lehrbuch inkl. Grammatik, Berlin: Cornelsen“ (insgesamt ca. 170 Bilder) und „Bigalke/Köhler: Mathematik 2.1, Gymnasiale Oberstufe Leistungskurs, Berlin: Cornelsen“ (insgesamt ca. 450 Abbildungen). In einer zweiten Tagung im Dezember dieses Jahres sollen dann die gewonnenen Erfahrungen ausgewertet und Forderungen an den zu entwickelnden Leitfaden formuliert werden.
In einem Anschlussprojekt 2012 soll auf Basis der erarbeiteten Grundlagen dann der Leitfaden entstehen. Er wird nach heutigen Erkenntnissen aus einem allgemeinen Teil bestehen, der Grundprinzipien der Bildbeschreibung darstellt. Zusätzlich werden fächerspezifische Leitlinien zusammengestellt. Es sollen Schwierigkeiten der Zugänglichmachung von visuellen Inhalten dokumentiert und die verschiedenen Möglichkeiten dargestellt werden. Aber über eins waren sich die Experten auch einig. Nicht immer wird die verbale Darstellung die richtige Wahl sein. Taktile Abbildungen bleiben auch weiterhin unverzichtbar. Weitere Infos zum Projekt finden sie auf: www.bildbeschreibungen.de.
Dem Artikel sind in der Schwarzschriftausgabe als grafische Elemente die Logos von blista und BKB beigefügt. Gemeinsam und auf gleicher Höhe platziert, unterstreichen die Logos die Bedeutung der Zusammenarbeit der beiden Partner im Projekt VISCH.
Barrierefreiheit und Mobilität
Rainer Engel: Ende einer grotesken Diskriminierung
von Rainer Engel
Ab 1. September 2011 können behinderte Menschen mit Schwerbehindertenausweis und Nahverkehrsmarke im Bundesgebiet Regionalzüge ohne weitere Fahrkarte nutzen. Das verkündete Bundesministerin Ursula von der Leyen aus Anlass des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (NAP). Der Durchbruch ist die Langzeitwirkung der Aktion eines DVBS-Mitglieds und zeigt, wie Politik funktioniert.
Die heutige Freifahrtberechtigung hat ihren Ursprung in der Versorgung von „Kriegsbeschädigten“, wie man es damals nannte. Sie begann während des Zweiten Weltkriegs und setzte sich danach in Westdeutschland fort. Als die Freifahrt 1966 erstmals gesetzlich geregelt wurde, waren die Zivilblinden die ersten Schwerbehinderten, die in die Regelung einbezogen wurden. Die unentgeltliche Beförderung galt allerdings nur in S-Bahnen.
Seit 1979 wurde der Kreis der berechtigten behinderten Menschen und der nutzbaren Verkehrsmittel mehrfach erweitert, umfasste alle Busse des Nahverkehrs, Straßenbahnen und nicht bundeseigene Eisenbahnen und dehnte sich aus auf alle Fahrten innerhalb von Verkehrsverbünden. Nur bei der damaligen „Bundesbahn“ war die Freifahrt auf den 50-Kilometer-Umkreis beschränkt und die Berechtigung durch ein „Streckenverzeichnis“ nachzuweisen.
Diese Gesetzeslage gilt bis heute. Dennoch erweiterte sich das Freifahrtrecht durch die Gründung und Erweiterung der Verkehrsverbünde und die Wettbewerber der Deutschen Bahn AG (DB), die immer größere Streckennetze übernahmen. Der nutzbare Bereich wuchs beispielsweise von Marburg aus bis nach Aachen oder Basel, gleich hinter Hanau und Kassel war indessen Schluss.
2004 war Sparen angesagt: Das Freifahrtrecht in Bussen und S-Bahnen sollte auf den Wohnort -Umkreis eingeschränkt werden, Behindertenlobby und der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung hatten Einverständnis signalisiert, der Beschluss durch die Regierungskoalition schien nur mehr Formsache. Da platzte der Fahrgastverband Pro Bahn mit einer Pressemitteilung in die Öffentlichkeit: „Ministerin will Behinderte diskriminieren“. Denn was im Ministerium niemand bedacht hatte: Viele behinderte Menschen scheitern beim Fahrkartenkauf an den Automaten. Eine eilends zusammengestellte Dokumentation machte die Diskriminierung deutlich (vgl. derFahrgast 3/2004) und hatte Erfolg. Die Regierung zog ihre Pläne zurück.
Doch in Regionalzügen der DB blieb die Diskriminierung behinderter Menschen bestehen. Zudem wurde der Fahrkartenverkauf in immer mehr Zügen abgeschafft und schließlich in einigen Bundesländern gänzlich untersagt. Pro Bahn hat diese Probleme beständig beschrieben und den Finger auf die Wunde gelegt: im Interesse der behinderten Menschen und der Fahrgäste, die aus anderen Gründen an Automaten scheitern, beispielsweise, weil sie defekt sind.
Dass es so nicht weitergehen konnte, wurde der DB Schritt für Schritt bewusst. Das Recht, Fahrkarten im Zug ohne Aufschlag zu kaufen, räumte sie erst Blinden, dann weiteren Ausweisinhabern ein. Aber wie Fahrkarten im Zug kaufen, wenn kein Zugbegleiter kommt? Immer wieder gerieten behinderte Menschen in die Fänge von Prüftrupps und wurden als Schwarzfahrer verfolgt: in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen. Mit dieser Art der Diskriminierung ist es nun vorbei.
Wer dahinter steht? Ein langjähriges DVBS-Mitglied hat es als Ehrenamtlichen an eine Stelle gezogen, von der aus sich effizient Öffentlichkeitsarbeit machen lässt: Als Redakteur der Verbandszeitschrift und als Rechtsexperte. Nicht nur, aber eben auch für alle DVBS-Mitglieder, die existenziell auf den ÖV angewiesen sind. Der Einsatz hat sich gelohnt.
Zum Autor
Rainer Engel, Jahrgang 1949, ist von Geburt an sehbehindert. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war er über 30 Jahre im Richteramt tätig. Die Krise der Eisenbahnen führte ihn 1988 in die ehrenamtliche Arbeit des Fahrgastverbandes Pro Bahn. 1994 übernahm er dort die Redaktion der Verbandszeitschrift „derFahrgast“ und ist hier bis heute an führender Stelle tätig.
Referenzdokument für die weitere Entwicklung de Barrierefreiheit im Schienenperonennahverkehr
Die Verkehrsministerkonferenz von Bund und Ländern (VMK) hat die Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) gebeten, die im Auftrag des BKB Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit entwickelten Anforderungen zum barrierefreien Regionalverkehr „so weit wie möglich“ zu berücksichtigen.
Die in einem Lastenheft zusammengefassten Anforderungen waren vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), dem Institut für barrierefreie Gestaltung und Mobilität (IbGM) und dem Deutschen Schwerhörigenbund (DSB) erarbeitet worden. Bislang orientieren sich die Bundesländer bei der Ausstattung der Fahrzeuge ebenso wie die Betreiber und Fahrzeughersteller an europäischen Vorgaben. Diese „Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität“, kurz „TSI PRM“, werden von den deutschen Behindertenverbänden seit Langem kritisiert.
Das Lastenheft ist unter der Internetadresse www.barrierefreiheit.de/barrierefreier_regionalverkehr.html als barrierefreie PDF-Datei abrufbar und kann als Broschüre beim BKB Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit e. V. kostenfrei bestellt werden: Tel.: 030 300231010, E-Mail: info@barrierefreiheit.de.
Aufnahme der Barrierefreiheit in die Bauproduktenverordnung
Seit April 2011 gilt die neue Bauproduktenverordnung (kurz BauPVO). Sie ersetzt mit sofortiger Rechtskräftigkeit die bis dato geltende Bauprodukten-Richtline (kurz BPR). Bei der BauPVO handelt es sich um die „Verordnung zur Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten“, (EU) Nr. 305/2011, eine Verordnung des europäischen Parlaments und des Rates, die den freien Verkehr mit Bauprodukten auf dem EU-Binnenmarkt und ihre uneingeschränkte Verwendung fördern soll.
In der BauPVO sind die Belange der Barrierefreiheit erstmalig aufgenommen. Anhang I definiert sieben Grundanforderungen an Bauwerke. Gemäß Punkt 4, „Sicherheit und Barrierefreiheit bei der Nutzung“, muss künftig bei Entwurf und Ausführung die Barrierefreiheit und die Nutzung durch Menschen mit Behinderungen berücksichtigt werden. In Deutschland ist dies durch Übereinstimmung mit den Anforderungen in der Normreihe DIN 18040 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen“ möglich. Nähere Details siehe: www.ce-richtlinien.eu.
DIN 18040-1 „Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden“ - jetzt auch online illustriert
„Ein Blindenleitsystem dient blinden Menschen zur Orientierung und trägt zu ihrer Sicherheit bei. Zu diesem Zweck muss das System vollständig und lückenlos sein …“ – was heißt das genau? Wie setzt man dies um? Eine anschaulich bebilderte Broschüre bietet Interessierten und verantwortlichen Planern, Bauherren und Beratern jetzt eine hilfreiche und praxisnahe Orientierung für Realisierungsvorhaben gemäß DIN 18040-1. Unter der folgenden Internetadresse finden Sie die Broschüre der Agentur Barrierefrei NRW in einer barrierefreien Darstellung im HTML-Format: www.ab-nrw.de. Hinweise zur Bestellung der gedruckten Broschüre sowie zum Download einer PDF-Version gibt es unter dem Menupunkt „Barrierefreies Bauen“.
„Ein kontrastreicher und taktiler Hinweispfeil mit einem tastbaren Schild führen zum Klingeltaster …“ – die Schwarzschriftausgabe enthält an dieser Stelle ein Beispiel aus der Broschüre: eine DIN-18040-1-konforme Lösung für den Klingelknopf im Eingangsbereich eines Gebäudes.
Berichte und Schilderungen
Heidi Theiß-Klee: "Wie, blinde Schüler machen Chemie?"
von Heidi Theiß-Klee
Jordanische Studenten zur Fortbildung in Marburg
Wer ist denn das? Was sind das für Leute? Sind das Eltern zukünftiger Schüler? Kaufen die Araber jetzt die blista auf, wie 1860 München? Das fragte sich so mancher Schüler oder blista-Mitarbeiter Mitte Mai beim Gang übers Gelände Am Schlag. Drei arabisch gekleidete Frauen und zwei eindeutig nicht mitteleuropäisch aussehende Männer, denen man zehn Tage lang immer wieder begegnete, waren der Auslöser für diese Fragen. Die Antwort war dann erst mal eher unspektakulär.
Vom 11. bis 18. Mai waren sechs Besucher aus Amman in Jordanien zu Gast. Fünf von ihnen sind Studenten des Masterprogramms für Vision Rehabilitation an der German-Jordanian University (GJU) in Amman. Sie wurden begleitet von ihrer Dozentin und Leiterin des Studiengangs, Nathalie Bussieres, die aus Kanada stammt, aber seit vielen Jahren in Amman lebt. Die Deutsch-Jordanische Universität ist eine staatliche jordanische Hochschule, die sich in ihrer Lehre an dem Modell deutscher Fachhochschulen orientiert. Die GJU hat eine internationale Ausrichtung, was in der Zusammensetzung ihres Lehrpersonals sichtbar wird. So unterrichten im Studiengang Vision Rehabilitation Lehrende aus Kanada, Deutschland, Jordanien, den Niederlanden, Finnland, Ungarn und Indien. Der Studienplan sieht auch den Besuch nationaler und ausländischer Einrichtungen vor. Im Vorfeld war in verschiedenen Uniseminaren oft der Name blista gefallen. Das hatte die Neugierde der fünf Studenten geweckt und alle waren äußerst gespannt auf den Besuch in Marburg, der durch die „Paul und Charlotte Kniese-Stiftung“ und die „Herbert-Funke-Stiftung“ unterstützt wurde. Die blista hatte ein umfangreiches Hospitationsprogramm zusammengestellt. Dazu gehörte der Unterrichtsbesuch in Mathematik, Naturwissenschaften, Musik, Sport und Englisch. Aber auch die Bereiche außerhalb der Schule boten interessante Einblicke. Die Erstellung von Taktilen Medien, die Produktion und Ausleihe von Punktschrift- und Hörbüchern sowie mehrere Besuche in Wohngruppen gehörten ebenso zum Programm. In der Reha-Abteilung standen zwei Tage lang Informationen zur Frühförderung, Rehabilitation und Hilfsmittelberatung im Vordergrund. Den jordanischen Gästen wurde außerdem schnell deutlich, welche Bedeutung die blista und ihre Schüler in Marburg haben, wo blinde Menschen aus dem Erscheinungsbild der Stadt nicht mehr wegzudenken sind.
Und was bleibt in Erinnerung?
„Das hat sich wirklich gelohnt“, war das einhellige Resümee vor Antritt der Rückreise. Besonders hervorgehoben wurden von den Gästen der freundliche Umgang zwischen Mitarbeitern und Schülern und die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche. Beeindruckt waren sie aber vor allem von den Teilhabemöglichkeiten der Schüler am sozialen Leben in der Schule und der Stadt. Und regelrecht fasziniert waren sie vom Unterricht in Kunst und den Naturwissenschaften, da die jordanischen Schüler davon grundsätzlich befreit sind. Einer sagte über die Chemiestunde: „Ich hätte nie geglaubt, dass blinde Schüler wirklich Chemie machen können, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte“. Insgesamt waren alle der Überzeugung, dass der Besuch einen großen Einfluss auf ihre zukünftige Arbeit in Jordanien haben wird. Folgendes Zitat drückt dies gut aus: „I would consider the blista as a source of information, knowledge and experiences that the whole world could benefit from.” (Ich würde sagen, dass die blista eine Quelle der Information, des Wissens und der Erfahrung ist, von der die ganze Welt profitieren kann.) Auch wir haben von diesem Besuch profitiert. Die Schüler hatten die Möglichkeit, sich über eine andere Kultur aus erster Hand zu informieren und die Gebräuche und Sitten im persönlichen Kontakt kennen zu lernen.
In der Schwarzschriftausgabe zeigt ein Foto die Studentengruppe von der German-Jordanian University (GJU) auf dem blista-Gelände: Die drei Frauen haben sich gegenüber den Männern gruppiert, sie tragen Kopftuch und lange Kleidung, lächeln vergnügt und aufgeschlossen zu den Betrachtenden hin. Die beiden jungen Männer tragen Jeans und Hemden, auch sie lächeln freundlich. Im Hintergrund sieht man das Marburger Schloss (Foto: itrol).
Aus der Arbeit des DVBS
Fachgruppenübergreifendes Seminar zur Arbeitsplatzassistenz vom 21.-23.10.2011 in Marburg
Das Seminar der DVBS-Fachgruppe "Selbständige" richtet sich fachgruppenübergreifend an all jene Blinden und Sehbehinderten, die Assistenz im Job benötigen und wissen, dass damit auch Verantwortung verbunden ist. Schwerpunktmäßig wird das Modell der "selbst organisierten Arbeitsassistenz" behandelt, in dem der Assistenznehmer als Arbeitgeber seiner Assistenzkräfte auftritt. Drei Fragenkomplexe werden bearbeitet:
- Wie beantrage ich die Finanzierung von Arbeitsassistenz wo? Wie bereite ich den Antrag richtig vor? Wie setze ich meine Ansprüche durch?
- Soll ich die Assistenzleistung einkaufen, sie vom Arbeitgeber organisieren lassen oder sie selbst organisieren? Wie gehe ich jeweils vor und wie werde ich Arbeitgeber meiner Assistenzkräfte?
- Wie organisiere ich die Zusammenarbeit zwischen meinen Assistenzkräften und mir? Wie gehe ich mit meiner Rolle des "abhängigen Chefs" um? Wie nehme ich meine Führungsfunktion kommunikativ richtig wahr?
Zur Verfügung steht den Teilnehmern Know-how zum Sozialrecht, zum Vertrags- und Arbeitsrecht und aus der Personalführung. Als Dozenten wirken mit: Dr. Michael Richter (Geschäftsführer der rbm gemeinnützige GmbH - Rechte behinderter Menschen, Klaus Düsterhöft (Rechtsanwalt u. a. mit den Schwerpunkten Vertrags- und Arbeitsrecht), Michael Herbst (Geschäftsführer des DVBS) u. a.
Termin ist 21. bis 23. Oktober 2011, die Seminarausschreibung finden Sie im Internet (www.dvbs-online.de, Rubrik "Aktuelles und Newsletter").
Rege Nachfrage nach Know-how für Barrierefreiheit
Bücher über Bücher, in der DVBS-Geschäftsstelle wird gepackt: 1,610 Kilo schwer ist das Gesamtpaket mit dem neuen Nachschlagewerk für Webentwickler, Webdesigner, Online-Redakteure, Programmierer und solche, die es werden wollen. „Barrierefreiheit verstehen und umsetzen - Webstandards für ein zugängliches und nutzbares Internet“ – das jüngste Werk von Kerstin Probiesch und Jan Eric Hellbusch erfreut sich reger Nachfrage, denn in 20 Kapiteln zeigt das kompetente Autorenteam, wie die Anforderungen an ein barrierefreies Webdesign konkret aussehen, wie zugängliche und verständliche Inhalte formuliert werden können und wie sich HTML, CSS, JavaScript, PDF, SMIL und ARIA im Sinne der Barrierefreiheit nutzen lassen.
Dank der Kooperation mit dem dpunkt.verlag und den Autoren kann die DVBS-Geschäftsstelle das 783 Seiten starke Druckwerk (ISBN 978-3-89864-5201, 54,90 Euro) plus DAISY-Version (46:10 Stunden) und HTML-Listings zum gleichen Preis anbieten wie der Buchhandel. Alles zusammen sprengt allerdings den Umfang, der für Büchersendungen vorgesehen ist, Verpackung und Versand kommen hinzu (5,10 Euro), der Gesamtpreis beläuft sich auf 60 Euro. Bestellung: Birgit Stolz, Tel.: 06421 94888-17, E-Mail: stolz@dvbs-online.de
In der Schwarzschriftausgabe ist ein Foto eingefügt, das Birgit Stolz beim Einpacken zeigt: Den dicken Stapel Bücher auf der einen Seite, DAISY-CDs in der Kiste auf der anderen, packt und adressiert sie gemäß der einlaufenden Bestellungen (Foto: DVBS itrol).
Tag der Sehbehinderten in Essen: Aktive Hilfestellungen und neue Mitglieder
Lediglich zwei kurze Kaffeepausen gönnte sich das engagierte Trio der Bezirksgruppe Westfalen-Ruhrgebiet, Dr. med. Annelie Fischer-Thunemeyer, Britta Dohrn und Friedhelm Alshut, am Essener Tag der Sehbehinderten. Ihr DVBS-Info-Stand wurde stark frequentiert, Menschen aller Altersgruppen suchten Rat und Hilfestellung. Ein älterer Herr, der seit 30 Jahren hochgradig sehbehindert ist, war glücklich, Informationen über die Gruppe Ruhestand zu bekommen. Der Mutter eines fünfjährigen Jungen mit beginnender Sehbehinderung konnte weitergeholfen werden, genauso wie dem jungen Lehrer, der sagte: „Mir kann keiner helfen. Keiner sieht so wie ich...“ Insgesamt waren es rund 700 Besucherinnen und Besucher, die sich am 28. Mai 2011 in Vorträgen, Ausstellungen und bei den Ständen der Optiker und Vereine informierten.
Der Tag der Sehbehinderten in Essen wurde initiiert durch Fachleute im „LowVision“-Bereich und maßgeblich organisiert von Dr. Barbara Schaperdoth-Gerlings (Universitätsaugenklinik Essen). Die Bezirksgruppe Westfalen-Ruhrgebiet beteiligt sich hier seit vielen Jahren aktiv.
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt das engagierte Trio der Bezirksgruppe Westfalen-Ruhrgebiet vor dem Plakat des DVBS. Die Bildunterschrift lautet: Britta Dohrn, Friedhelm Alshut und Dr. Annelie Fischer-Thunemeyer hatten sich den Samstag für die Arbeit am Stand von ihren Familien frei genommen (Foto: privat).
Blind schlafen können
Groß angelegte Studie testet Medikament gegen Schlafstörungen
Viele, vor allem geburtsblinde Menschen, leiden unter Störungen ihres Schlaf-Wach-Rhythmusses; eine Folge der fehlenden Lichtwahrnehmung. „Tasimelteon“ heißt ein Medikament, das die Firma „Vanda Pharmaceuticals“ in den USA entwickelt hat. Noch ist es nicht zugelassen, doch die ersten zwei Studien verliefen vielversprechend. Nun soll „Tasimelteon“ bundesweit in fünf Prüfzentren klinisch getestet werden. Dies ist die dritte und letzte Phase, bevor die Zulassung des Medikaments beantragt werden kann. Dr. Annelie Fischer-Thunemeyer, Ärztin und für den DVBS im „Fachausschuss für die Belange Sehbehinderter“, die die Patientenbelange vertritt, hat sich das Vorhaben genau angesehen und den Verantwortlichen dargelegt, wie sie den blinden Versuchsteilnehmern die Mitwirkung so leicht wie möglich machen können. Die Firma „Medpace“ aus München hat die Federführung der Studie inne, alle Mitarbeiter in den Prüfzentren sind guten Willens, bei der Durchführung der Studie zu helfen. Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und die Zentrale Ethikkommission haben die Studie inzwischen genehmigt. Es kann losgehen.
Gesucht werden erwachsene Blinde ohne Lichtwahrnehmung, die an Schlafstörungen leiden. Die Studie dauert über drei Phasen hinweg ca. ein Jahr. Es sind Fragebögen auszufüllen, Urinproben abzugeben, Untersuchungen und Blutentnahmen über sich ergehen zu lassen etc. Die Gesundheit des Patienten und Verträglichkeit des Medikamentes werden strengstens überwacht. Ein ausführliches Gespräch zu Anfang der Studie mit dem Prüfarzt klärt über evtl. medizinische unerwünschte Wirkungen auf. Man wird helfen, wo immer das behinderungsbedingt nötig ist. Aufwendungen werden ersetzt und für Mühen ein finanzieller Ausgleich gezahlt. Wer sich näher informieren möchte, kann sich direkt an die Ansprechpartner der Prüfzentren wenden:
- Klinische Forschung Hamburg, Catrin Burchard und Diana Sander-Koopmann, E-Mail: burchard@kfhh.de und sander-koopmann@kfhh.de, Tel.: 040 46076341, (Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr),
- Klinische Forschung Hannover, Christine Perez-Handel, E-Mail: info@kfhm.de, Tel.: 0511 1697650 (Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr),
- Bonomed Studienzentrum München, Dr. med. Eisensehr und Dr. med. Karlbauer, E-Mail: studienzentrum.muenchen@dgn.de, Tel.: 089 45226303,
- Advanced Sleep Research Berlin, Daniela Frohberg, E-Mail: daniela.frohberg@advanced-sleep-research.de, Tel.: 030 28886770 (Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr),
- Universitätsklinikum Marburg, Dr. med. Jörg Heitmann, E-Mail: heitmanj@med.uni-marburg.de, Tel.: 0151 58157412, (Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr).
Darüber hinaus steht Dr. Annelie Fischer-Thunemeyer gerne für Fragen und Anregungen, insbesondere zu behinderungsbedingten Aspekten, zur Verfügung (E-Mail: dr.fischer-thunemeyer@web.de, Tel.: 0201 782669).
Terminvorschau
20. August 2011: DVBS-Vorstandssitzung, Marburg
15. bis 18. September 2011: "Präsentation und Rhetorik"
Seminar der Fachgruppe Wirtschaft, Herrenberg
16. bis 18. September 2011: Fortbildungsseminar
der Fachgruppe Jura, Berlin
23. bis 25. September 2011: Bundesweites Treffen blinder und sehbehinderter Studierender, Fachgruppe Ausbildung, Bonn
27. September 2011: Brailletag in Deutschland
Aktionstag für jeden Braille-Fan und –Interessenten, Veranstalter: Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
27. bis 30. September 2011: Weltkongress Braille21
Innovationen in Braille im 21. Jahrhundert, Veranstalter: Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
8. bis 15. Oktober 2011: Die zehnte Woche des Sehens
…findet bundesweit statt!
10. bis 17. Oktober 2011: "Altern und Blindheit"
Seminar der Gruppe Ruhestand, Bad Orb
21. bis 23. Oktober 2011: Fachgruppenübergreifendes Seminar zur Arbeitsplatzassistenz, Marburg
11. bis 13. November 2011: Arbeitsausschuss des DVBS mit Fortbildungsseminar für Ehrenamtliche, Bad Meinberg
18. bis 20. November 2011: Fortbildungsseminar
der FG Sozialwesen, Hünfeld
Weitere Informationen zu den Terminen finden Sie unter www.dvbs-online.de/php/aktuell.php
Aus der blista
Dr. Imke Troltenier: Abi - rehabilitiert!
von Dr. Imke Troltenier
So selbstbewusst die diesjährigen Absolventinnen und Absolventen der blista ihr Motto mit „Abi - rehabilitiert!“ gewählt hatten, so rundum gelungen gestalteten die 43 erfolgreichen Abgänger des Allgemeinen Gymnasiums, des Beruflichen Gymnasiums, der Fachoberschulen und der Höheren Berufsfachschule auch die Abschlussveranstaltung am 18. Juni 2011 in der großen Turnhalle Am Schlag. Den Auftakt machte die Abiband mit „My Happy Ending“, anschließend führte das Moderatorenpaar Gisa Walzer und Hendrik Lonnemann souverän und humorvoll durch das Programm und sparte dabei weder an Dankesworten, noch an freundlichen Scherzen und Anekdoten, die „die blista menschlich machen“. Das große Auditorium, Eltern und Freunde, Erzieher, Lehrer und Bekannte, applaudierte immer wieder vergnügt.
Glück, Erfolg und ein Interesse daran, auch künftig Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, wünschten Direktor Claus Duncker, Schulleiter Jochen Lembke und Internatsleiter Willy Rommelspacher für den künftigen Lebensweg: „Ihr habt mehr geleistet als eure sehenden Altersgenossen, darauf könnt ihr stolz sein!“. In ihrer „Schülerrede“ erinnerten Sophia Neises und Steffen Lind an wesentliche Aspekte ihres Schülerlebens: die Gerüchteküche der blista, die vielen Sportangebote und Unternehmungen: „Die Schulzeit hat uns zusammengeschweißt, wir waren eine spitzenmäßige Truppe, sind weit herumgekommen und haben viele Städte gesehen. Insofern waren Spaß, Freude und Abenteuer quasi vorprogrammiert und immer auch eine Facette des blista-Lebens.“ In den kleinen Klassen habe man sowohl Zeit und Raum zum Lernen gehabt wie auch vielfältigste Möglichkeiten, eine eigene Meinung zu entwickeln und zu vertreten. Die letzten Wochen und Monate seien spannend, nervenaufreibend und großartig gewesen: „Herzlichen Dank an alle! Wir haben es geschafft. Da wir dazu selbst beigetragen und uns gegenseitig unterstützt haben, können wir wirklich stolz sein.“ Ein großer Verlust sei der plötzliche Tod von Herrn Sparenberg gewesen: „Er stand vielen von uns sehr nahe, war uns so vertraut wie ein Mitschüler.“
Herzlichen Dank an alle! Wir haben es geschafft
Den „magischen Moment“ für die Absolventinnen und Absolventen, die erstmalige Gelegenheit, ihr Abschlusszeugnis in den eigenen Händen zu halten, leiteten die Abiband mit „Slow Chetah“ und Oberstufenleiter Michael Oelmann mit einem dicken Stapel Papier und einem prachtvollen Strauß gelber Rosen ein. Dann endlich war er da: Begleitet von besten Wünschen, viel Applaus und Pfiffen, erfolgte die Zeugnisübergabe nach den jeweiligen Tutorengruppen und Klassen. Auch dem Blitzlichtgewitter der Fotografen galt es sich zu stellen, denn Eltern, Freunde und Bekannte, die wohlweislich vorab zur Disziplin ermahnt worden waren, hielten sich nur schwerlich daran. Von Seiten der Marburger Martin-Luther- und der Elisabeth-Schule wurden mit Adriani-Ionut Botez und Pierre Griffon diejenigen Schüler beglückwünscht, die ihre Leistungskurse an Regelschulgymnasien wahrgenommen hatten, von Seiten des Fördervereins ehrte Thorsten Büchner Britta Friedrich und Sebastian Hofmann für beste Abschlüsse. Zusätzlich wurden Schulsprecherin Kathrin Haibt und ihr Vize Niclas Schubert für ihr hervorragendes soziales Engagement geehrt, beide brachten ihren Dank für vielseitige Unterstützung gegenüber Direktor Duncker und Schulleiter Lembke zum Ausdruck. Christina Schwarz und Benedikt Schlegel wurden als beste Absolventen der Fachoberschule für Sozialwesen durch die stellvertretende Schulleiterin, Frau Karin Edtmüller, geehrt.
Wer nun meinte, die Programmhöhepunkte hätten ein Ende gefunden, der wurde zügig eines Besseren belehrt. Der Auftritt des Abikabaretts, angelehnt an ein allseits beliebtes Fernsehquiz, bot Insidern wie Außenstehenden eine Vielzahl amüsanter Einblicke in die individuelle Unterrichtsgestaltung von sechs ausgewählten Lehrerpersönlichkeiten: ihre Mimik und Gestik, Formulierungsvorlieben, Eigentümlichkeiten und Marotten. Nach verdientem wie anhaltendem Applaus meldete sich das Moderatorenpaar noch einmal abschließend zu Wort: „Und wieder geht eine Ära zu Ende, der Abijahrgang 2011 verabschiedet sich. Es war eine wahnsinnig fantastische blista-Zeit!“. Gegen 13 Uhr spielte die Abiband ein letztes Mal auf und ließ sich weder von Pfiffen noch von Zurufen zur Zugabe hinreißen. Denn nach „Sektentlass“ und Geplauder galt es schließlich, letzte Vorbereitungen für den abendlichen Abiball zu treffen...
Die erfolgreichen blista-Absolventinnen und -Absolventen
Allgemeines Gymnasium (AG13)
Florida Becherowska, Melanie Brüning, Britta Friedrich, Tugce Gaygusuz, Pierre Griffon, Kathrin Haibt, Cordula Jachmann, Dorothee Jarke, Jasmin Kahraman, Hendrik Lonnemann, Michaela Meinert, Sophia Neises, Sanny Roman-Zillober, Niclas Schubert, Gisa Walzer.
Berufliches Gymnasium (BG13)
Adriani-Ionut Botez, Sebastian Hill, Sebastian Hofmann, Baran Igret, Richard Jentzsch, Lukas Laukamp, Steffen Lind, Tobias Michl, Gift Navianma Onais, Jessica Schwebe, Jan Friedrich Setz, Alexander Weiß, Paul Wölm.
Fachoberschule für Wirtschaft (FOW12)
Anne Becker, Florian Kaufmann, Nazli Özpelit, Julia Rode, Sarah Schacht.
Fachoberschule für Sozialwesen (FOS12)
Martin Bans, Christoph Browarzik, Mandy Gengler, Jakob Hanf, Benedikt Schleder, Christina Schwarz, Simon Siebenborn.
Berufsfachschule Fremdsprachensekretariat (FSK12)
Sandra Grüssing, Lisa Rothermel, Tomislav Sola.
Das Foto in der Schwarzschriftausgabe zeigt eine Szene aus dem Abikabarett. Den sechs Schülern auf der Bühne macht die Vorstellung sichtlich Freude (Foto: itrol).
Jürgen Nagel: Mehr Sicherheit für Ausbildungsinteressenten: IT-Ausbildung endlich als „vergleichbare Einrichtung“ anerkannt
von Jürgen Nagel
Seit mehr als 25 Jahren werden an der blista IT-Spezialisten ausgebildet. Waren es in den Anfangsjahren Datenverarbeitungskaufleute, die nach erfolgreich abgeschlossener IHK-Prüfung mit der neu erworbenen Qualifikation ihren Platz im Arbeitsmarkt fanden, so wurden in der Zwischenzeit Ziele und Inhalte der Ausbildung den Bedürfnissen der schnelllebigen IT-Branche angepasst. Heute verlassen jeweils im Sommer gut qualifizierte Informatikkauffrauen und -männer sowie Fachinformatiker und Fachinformatikerinnen für Anwendungsentwicklung die blista.
Die dreijährige Ausbildung kostet natürlich Geld und die Höhe der Kosten wurde über viele Jahre mit der Arbeitsagentur (damals noch Arbeitsamt) vor Ort in Marburg vereinbart. Die Rechtsgrundlage für diese „Berufsfördernde Bildungsmaßnahme“ findet man auch heute noch im SGB III § 102 Abs. 1 Nr. 1.
Wie man weiß, hat es in den letzten Jahren eine Vielzahl von strukturellen und inhaltlichen Veränderungen gegeben. Dazu gehörte auch, dass es mit den vertrauensvollen Gesprächen und Vereinbarungen mit der Agentur Anfang des dritten Jahrtausends vorbei war. Es begann eine sehr schwierige Zeit. Im Nachhinein kann man von Glück sprechen, dass es, wenn auch oft extrem kurzfristig, gelungen ist, im September regelmäßig mit einer neuen Ausbildungsgruppe zu starten, denn es wurde üblich, auch diese Ausbildungen über Ausschreibungen zu vergeben.
Die ersten Ausschreibungen dieser Art erfolgten noch über die Marburger Agentur. Auf dem Hintergrund des Gesamtvolumens waren das in einzelnen Jahren sogar europaweite Ausschreibungen. Oft erfolgte der Zuschlag nur wenige Tage vor Beginn der Ausbildung. Ab dem Jahr 2007 gab es dann einen neuen Partner für die blista als Anbieter der beruflichen Bildung im IT-Bereich, das „Regionale Einkaufszentrum Südwest“, auch kurz REZ genannt, mit Sitz in der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit in Frankfurt am Main.
Die Ausschreibungen erfolgten nunmehr direkt über das REZ in Frankfurt. Im Gegensatz zu den sogenannten „Besonderen Einrichtungen“, damit sind Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke gemeint, war es der blista und vielen anderen erfolgreichen Anbietern der beruflichen Bildung nicht möglich, sich mit den Vertretern der zuständigen regionalen Einkaufszentren zum Jahreswechsel an einen Tisch zu setzen und die Preise für den im Herbst beginnenden Kurs „auszuhandeln“. Nun kam aus Sicht der blista das SGB IX mit dem § 35 ins Spiel. Bereits am 1. Juli 2001 wurde das SGB IX rechtskräftig verabschiedet und in diesem § 35 war zu den „Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation“ von vornherein vorgesehen, dass es neben den Berufsbildungs- und Berufsförderungswerken auch so genannte „Vergleichbare Einrichtungen“ geben durfte.
Ein steiniger Weg
Die blista stellte deshalb bereits 2007 den Antrag, um als „Vergleichbare Einrichtung nach § 35 des SGB IX“ anerkannt zu werden. Das Ziel bestand darin, die Wettbewerbsnachteile gegenüber den anerkannten Einrichtungen nicht auf Dauer hinnehmen zu müssen und vor allem den Ausbildungsinteressenten gegenüber als ein vergleichbar zuverlässiger Partner auftreten zu können.
Die ersten Reaktionen fielen allerdings negativ aus, denn es mangelte bei der Agentur an verbindlichen und unter den Reha-Trägern abgesprochenen Kriterien, nach denen man z. B. die blista als vergleichbare Einrichtung hätte einstufen können.
Die Mühlen des Gesetzes mahlen zwar manches Mal sehr langsam, aber sie haben gemahlen - und nachdem Anfang 2010 die Kriterien für die Anerkennung feststanden, begannen im Sommer 2010 die Arbeiten an dem nun zu erstellenden Qualitäts- und Leistungshandbuch zu unseren IT-Ausbildungsangeboten. Auf knapp 150 Seiten inkl. Anlagen wurden, einer streng einzuhaltenden Gliederung folgend, alle Prozesse des Ausbildungsgeschehens und die beteiligten Akteure genau beschrieben. Und Ende März 2011 war es dann endlich so weit. Alle Anforderungen waren zur Zufriedenheit der Mitarbeiter des regionalen Einkaufszentrums erfüllt. Im April konnte endlich ein unbefristeter Vertrag geschlossen werden. Ein wahrlich langwieriger Prozess hatte sein erfolgreiches Ende gefunden. Endlich haben wir jetzt Planungssicherheit. Das ist insbesondere für die Ausbildungsinteressenten ein Riesengewinn. Wenn sie künftig im Januar zu den ersten Orientierungstagen in den Ausbildungsbetrieb nach Marburg kommen und sich danach dafür entscheiden, eine IT-Ausbildung an der blista zu machen, können wir ihnen jetzt einfach sagen: „Kein Problem, Sie sind herzlich willkommen - wir sind eine ‚vergleichbare Einrichtung’, so wie ein Berufsbildungswerk. Die für Sie zuständigen Mitarbeiter der Agentur finden alle notwendigen Informationen auf der Internetseite der Agentur.“
Zum Autor
Jürgen Nagel, geb. 1956, arbeitet seit 1981 bei der blista, ist seit 2001 Ressortleiter der RES und zeichnet somit auch für den Ausbildungsbetrieb der IT-Ausbildung im Marbacher Weg verantwortlich. In der Rehabilitationseinrichtung der blista sind ca. 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedensten Aufgabenbereichen beschäftigt, neben der IT-Ausbildung sind dies die staatlich anerkannte Fachschule für Fachkräfte der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation, die Frühförderstelle, der psychologische Dienst, die Low Vision-Beratung und Sehhilfenanpassung, die blindentechnische Grundrehabilitation, die EDV-Beratung und -Schulung sowie der Förderbereich LPF und O&M.
Impressum
Herausgeber
Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) und Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)
Redaktion
- für den DVBS: Uwe Boysen, Michael Herbst, Andrea Katemann und Dr. Imke Troltenier
- für die blista: Isabella Brawata, Thorsten Büchner, Rudi Ullrich und Marika Winkel
Koordination
Dr. Imke Troltenier
Geschäftsstelle des DVBS
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Telefon: 06421 94888-13
Fax: 06421 94888-10
E-Mail: horus@dvbs-online.de
Internet: www.dvbs-online.de
Beiträge und Bildmaterial schicken Sie bitte ausschließlich an die Geschäftsstelle des DVBS, Redaktion. Wenn Ihre Einsendungen bereits in anderen Zeitschriften veröffentlicht wurden oder für eine Veröffentlichung vorgesehen sind, so geben Sie dies bitte an. Nachdruck ‑ auch auszugsweise ‑ nur mit Genehmigung der Redaktion.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V. i. S. d. P.)
Michael Herbst (DVBS) und Rudi Ullrich (blista)
Erscheinungsweise
Der „horus“ erscheint alle drei Monate in Blindenschrift, in Schwarzschrift und auf einer CD-ROM, die die DAISY-Aufsprache, eine HTML-Version und die Braille-, RTF- und PDF-Dateien enthält.
Jahresbezugspreis
22 Euro (zuzüglich Versandkosten) für die Schwarzschriftausgabe,
35 Euro für alle übrigen Ausgaben.
Die Kündigungsfrist beträgt sechs Wochen zum Ende eines Kalenderjahres.
Für Mitglieder des DVBS ist der Bezug im Jahresbeitrag enthalten.
Bankkonten des DVBS
Sparkasse Marburg-Biedenkopf (BLZ 533 500 00), Konto 280
Commerzbank AG Marburg (BLZ 533 400 24), Konto 3 922 945
Postbank Frankfurt (BLZ 500 100 60), Konto 149 949 607
Verlag
Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V., Marburg
ISSN 0724-7389, Jahrgang 73
Punktschriftdruck
Deutsche Blindenstudienanstalt e. V., Marburg
Digitalisierung und Aufsprache
Geschäftsstelle des DVBS, Marburg
Schwarzschrift-Druck
Druckerei Schröder
35081 Wetter/Hessen
Die Herausgabe der Zeitschrift „horus“ wird vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband aus Mitteln der „Glücksspirale“ unterstützt.
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Titelbild
Ehrenamt und Freiwilligenarbeit in der Selbsthilfe
Fotos: Franz Mozer (oben rechts), Thomas Wendling (unten rechts), Dr. Imke Troltenier (DVBS itrol)
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Nächste Ausgabe (horus 4/2011)
Schwerpunktthema: Braille21
Erscheinungstermin: 28.November 2011
Anzeigenannahmeschluss: 28. Oktober 2011
Redaktionsschluss: 07. Oktober 2011
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Stellenausschreibung Bereichsleitung Beratung und Rehabilitation des BBSB
Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e. V. sucht ab 01.10.2011 oder später einen Leiter/eine Leiterin für den Bereich Beratung und Rehabilitation möglichst in Vollzeit
Zum Verantwortungsbereich gehören:
- unsere zehn Beratungs- und Begegnungszentren mit den Rehabilitationslehrern für blinde und sehbehinderte Menschen, zwei Hilfsmittelberater und fünf Sozialabteilungen.
- die Organisation und Leitung von Veranstaltungen und Fortbildungsseminaren,
- die Weiterentwicklung unserer Beratungs- und Reha-Konzeption sowie
- die Vertretung des BBSB in Arbeitsgruppen und bei Fachdiensten.
Voraussetzungen:
- Abgeschlossenes Studium der Diplom- Rehabilitations- oder Sozialpädagogik bzw. vergleichbare Qualifikation mit Berufserfahrung in sozialen Organisationen
- Fundierte Kenntnisse im Sozial- und Behindertenrecht
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Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e. V., Arnulfstraße 22, 80335 München, Tel. 089/55988-0, Mailto: personalverwaltung@bbsb.org, Internet: www.bbsb.org
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Das VisioBook wird im letzten Quartal 2011 verfügbar sein.
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Produkte und Dienstleistungen für Blinde und Sehbehinderte: BAUM
Gut gelaufen! Daniela Enders (32), sehbehindert …
…arbeitet jetzt als Verwaltungsfachangestellte in der Gemeinde Gütersleben.
Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH, Bildungszentrum für Sehbehinderte, Fon 0931 9001-0, eMail: info@bfw-wuerzburg.de, www.bfw-wuerzburg.de
Die Schwarzschriftausgabe zeigt das Foto einer stolz lächelnden jungen Frau mit langen blonden Haaren und weißer Bluse. Sie steht vor dem Stadtplan der Gemeinde Gütersleben.
blista-SOMMERFEST 2011
Am Samstag, den 27. August 2011, 10 – 16 Uhr wollen wir auf dem Gelände Am Schlag gemeinsam feiern, Musik hören, Theater genießen und bei spannenden Spielen unsere Geschicklichkeit & unser Wissen testen …
„Reha-Fair“ - EDV Ausstellung 2011: Namhafte Firmen zeigen ihre neuesten Produkte. Marburg, 4. November 2011, 9 – 17 Uhr. Der blista-Hilfsmittel-Shop ist an diesem Tag von 10 – 16 Uhr geöffnet!
Interessenten wenden sich an: Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista), Postfach 1160, 35001 Marburg, E-Mail: info@blista.de, Telefon: 06421 6060. Weitere Infos finden Sie auch unter: www.blista.de
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Das ultimative Notizgerät für Unterwegs
Braille Sense OnHand, das leistungsstarke und kompakte Braille Notizgerät ist ausgestattet mit:
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In der Schwarzschriftausgabe erscheint rechts eine Abbildung vom Braille Sense OnHand welches von einer Hand umgriffen wird. Dieses kompakte Gerät, mit integrierter Sprachausgabe, passt mit seinen 425 g in jede Westentasche.
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