horus 1/2026
Schwerpunkt: "Demokratie und Teilhabe"

Inhalt

Foto Collage. Oben: VdK-Präsidentin Verena Bentele (Foto: Susie Knoll), ehem. EBU-Präsident Wolfgang Angermann (Foto: EBU). Unten: Behindertenbeauftragter Jürgen Dusel (Foto: Behindertenbeauftragter/Anna Spindelndreier), Gemeindereferentin Beate Schultes (Foto: Aufgenommen im Cellitinnenkrankenhaus Heilig Geist).

Titelblatt horus 1/2026


U. Boysen: Vorangestellt

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe DVBS-Mitglieder,

„Denk ich an Deutschland in der Nacht …“ – Na, wie geht der Text weiter?

Es ist schon beunruhigend, wie zerklüftet die gesellschaftliche Landschaft nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern derzeit zu sein scheint. Wer sich vor einer „Machtergreifung“ rechter Kräfte fürchtet und nach einem ruhigen Hafen Ausschau hält, hat momentan weltweit ziemlich schlechte Karten.

Dieses Gefühl befällt derzeit viele. Für uns als Menschen mit Behinderungen ist es aber fast existenziell, wenn wir davon ausgehen, dass es den führenden rechten Ideologen nicht nur um Ausländer oder Menschen mit anderer Hautfarbe geht. Vielmehr müssen wir in Rechnung stellen, dass die Abwehr, ja die Verachtung sich allgemein auf verwundbare Menschen richtet, und zu denen gehören nun einmal auch wir! Es kann uns also auch deshalb nicht gleichgültig sein, wie in dieser Gesellschaft mit Minderheiten umgegangen wird.

Dazu kommen dreiste Lügen, bei denen ich mich manchmal frage, ob diejenigen, die sie verbreiten, wirklich an sie glauben oder ob sie nur Mittel zum Zweck der Verunsicherung des „Gegners“ sind und gleichzeitig der Stabilisierung des eigenen eindimensionalen Weltbildes dienen sollen. Dass unsere Demokratie tatsächlich durch die AfD, aber auch durch diejenigen in ihrem Vorfeld, gefährdet ist, spricht Jürgen Dusel in unserem Interview offen an und ermuntert zur Beteiligung an demokratischen Prozessen, auch wenn er weiß, dass damit für uns besondere Erschwernisse verbunden sind.

Beteiligung spielt sich aber nicht nur auf der großen politischen Bühne ab. Sie hat ihre Wirkungen auch im vermeintlich Kleinen, sei es in einer Kirchengemeinde (dazu der Bericht von Schultes) oder in der Kommunalpolitik (siehe dazu den Beitrag von Büchner).

Mich treibt aber noch eine andere Überlegung um: Ich bin fest davon überzeugt, dass es bei Weitem nicht ausreicht, einmal gegen rechtsradikale Zumutungen auf die Straße zu gehen oder sein Entsetzen gegen die Verächtlichmachung demokratischer Werte und Institutionen zu äußern. Vielmehr sind wir auch gehalten, uns intensiv mit den ideologischen Wurzeln und Ausprägungen dieser neuen „Bewegung“ auseinanderzusetzen. Also: Lest die Parteiprogramme der rechten Parteien, lest die Propagandaschriften und theoretischen Ergüsse der Identitären, und lest die Gegenanalysen dazu (z. B. das in den Hörbuchtipps vorgestellte Buch von Weiß), damit wir uns nicht eines Tages sagen lassen müssen, wir hätten es nicht gewusst. Das ist bitter nötig, Wenn ich auch dabei vielleicht in der Nacht um meinen Schlaf gebracht werde.

In diesem Sinne wünsche ich uns
eine unruhige Lektüre!

Ihr und Euer

Uwe Boysen

Bild: Uwe Boysen lächelt. Er trägt eine dunkelgetönte Brille, sein Haar ist weiß. Foto: DVBS

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Aus der Redaktion

Gleichbehandlung

Hätten Sie’s bemerkt? In der Print- und PDF-Ausgabe des horus muss nun niemand mehr bis zur letzten Seite umblättern, um dort den zweiten Teil des Inhaltsverzeichnisses zu finden – beide Teile stehen jetzt auf gegenüberliegenden Seiten gleich nebeneinander. Was in den Textdateien bereits durch ein zusammenhängendes Inhaltsverzeichnis für bessere Übersicht gesorgt hat, bietet nun auch den visuell orientierten Leserinnen und Lesern eine hilfreiche Orientierung. Aus den Bedürfnissen und dem Lesekomfort blinder und sehbehinderter Leserinnen und Leser der digitalen Medienform entsteht so ein Layout, das auch Sehenden zugutekommt und allen nützt. 

Merkwürdig, dass es auch andersherum geht – was blinde und sehbehinderte Menschen nicht barrierefrei nutzen können, brauchen Sehende erst recht nicht, so anscheinend die Logik einer Marburger Bankfiliale. Sie hing einen etwas kuriosen Zettel an den Bankautomaten, um das Downsizing des Serviceangebots zu erläutern: „Aufgrund der neuen Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) werden wir die Software unserer Automaten anpassen. Dabei haben wir uns entschieden, die Funktionen zu Überweisungen und Daueraufträgen am Geldautomat nicht länger anzubieten. Hintergrund ist, dass die Funktionen in den letzten Jahren immer seltener am Geldautomaten genutzt wurden. Mit Umstellung kommen wir den Anforderung des BFSG nach.“ 

Ob das die richtige Auslegung des BFSG ist, um die Teilhabe aller zu ermöglichen? 

Was hingegen den horus betrifft, können Sie, liebe Leserinnen und Leser, sicher sein, dass der Redaktion das BFSG Ansporn ist, mehr zu tun und keineswegs weniger.

Social Media

ist das Schwerpunktthema von horus 2/2026. Auch hier spielt Teilhabe eine zentrale Rolle – Teilhabe an Kommunikation und Wissensaustausch, am Gehört- und Gesehenwerden. Doch wie gelingt dies blinden und sehbehinderten Nutzerinnen und Nutzern? Welche Bedürfnisse haben sie entwickelt, und wie gehen sie mit den meist visuellen Inhalten in Blogs, Foren, auf Plattformen und in verschiedenen Kanälen um?

Wir möchten gerne Ihre Perspektive kennenlernen! Erzählen Sie uns, warum Sie in den sozialen Medien aktiv sind – oder warum nicht. Schicken Sie uns Ihr kurzes Statement (maximal 100 Worte) bis zum 13. März an horus@dvbs-online.de. Die horus-Redaktion freut sich darauf.

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Schwerpunkt: "Demokratie und Teilhabe"


V. Bentele: Teilhabe statt Ausgrenzung: Warum Gerechtigkeit kein Luxus ist

Kanzelrede, gehalten am Sonntag, dem 26. Oktober 2025, in der Erlöserkirche München

Von Verena Bentele 

Es ist eine große Ehre für mich, heute die Kanzelrede halten zu dürfen. Eine Kanzelrede, so habe ich es nachgelesen, ist eine Redeform, die zwischen Predigt und Vortrag liegt. Und dieses Dazwischen, zwischen beiden Redeformen, gefällt mir sehr gut, denn das lässt mir Platz für viele Möglichkeiten.

Ich möchte Sie einladen, den von mir gewählten Möglichkeiten zu folgen.

Meine Rede soll sich um Möglichkeiten – oder besser um Ermöglichungen – drehen. Denn für mich hat Teilhabe vor allem mit Ermöglichung zu tun. Anders gesagt, verstehe ich als Voraussetzung für Teilhabe das Zurverfügungstellen aller Chancen, die für den Großteil der umgebenden Gesellschaft selbstverständlich sind.

Der oder die Einzelne ist sich seiner Möglichkeiten, dem Schatz seiner Optionen, meistens kaum bewusst. Teilhabe ist für die meisten Menschen der Mehrheitsgesellschaft einfach Alltag. Warum sollten sie eine solche Selbstverständlichkeit auch hinterfragen?

Wenn wir Teilhabe erklären wollen, können wir das also nur aus der umgekehrten Sicht tun.

Es geht um einzelne Menschen oder Bevölkerungsgruppen, die Merkmale aufweisen, die sie aus dem so genannten Normalbetrieb ausschließen. Die – an manchen Tagen mehr, an manchen Tagen weniger – zu spüren bekommen, dass es für sie, sagen wir es neutral, weniger Möglichkeiten als für andere Menschen gibt.

Es mag Sie überraschen, dass ich Sie beim Nachdenken über die Möglichkeiten eines Lebens erst einmal zu einem Nachdenken über das Ende des Lebens und deshalb auf den Friedhof einlade.

Wenn Sie hier in München oder irgendwo sonst über einen Friedhof spazieren, ist das wie ein Gang durch die Gesellschaftsgeschichte. Manche Gräber gleichen Monumenten. Sie sind Denkmäler für die Verdienste des verstorbenen Menschen und Zeichen für dessen Bedeutung, die über den Tod hinausstrahlt.

Und es gibt die andere Art von Verstorbenen. Denen keine Denkmäler gesetzt werden.

Nach dem Tod beerdigt zu werden, fällt in Deutschland unter das Wort „Bestattungspflicht“. Wenn sich nach dem Tod eines Menschen weder Geld noch Angehörige dafür finden, müssen die Kommunen für eine „schickliche Beerdigung“ sorgen.

Die Menschenwürde hört also im Tod nicht auf. Und das finde ich wirklich beruhigend und gut. Solche Sozialbestattungen sind Teil der staatlichen Fürsorge und stehen zum Glück noch nicht auf der Streichliste aufgrund gefühlter oder echter Haushaltskrisen. Im vergangenen Jahr wurden bayernweit 1860 Menschen auf diese Weise bestattet. In Urnengräbern und meist mit einer feierlichen Zeremonie.

Vielerorts nehmen sich Freiwillige dieser Bestatteten an. Sie organisieren den Blumenschmuck, besuchen die Grabstellen und suchen nach Angehörigen oder Menschen, denen diese Toten etwas bedeutet haben.

Der Gedanke dahinter: Niemand ist bedeutungslos. Jeder Mensch hat Würde und damit Teilhabe verdient. Diese Überzeugung hat mit unseren religiösen Wurzeln zu tun.

Selbst echt gefühlte Fürsorge und Nächstenliebe können jedoch in Bevormundung umschlagen. Wer hat die Definitionshoheit darüber, welche Möglichkeiten wem zugestanden werden? Ist Teilhabe ein Luxus, der nur in guten Zeiten verteilt werden darf? Ist das Zugeständnis von Teilhabe eine Sache der Freiwilligkeit, oder müssen wir sie zur Pflicht erheben?

Sie merken: Ab diesem Punkt verlassen wir den sicheren Boden des gesellschaftlichen Konsenses. Denn ab hier ist es nicht mehr die Angelegenheit einzelner engagierter Menschen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, sondern es wird zur politischen Aufgabe. Und damit auch zu meiner Aufgabe als VdK-Präsidentin und Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK.

Der VdK kümmert sich um soziale Gerechtigkeit. Unabhängig von wohlwollender Fürsorge oder willkürlichen Wohltaten setzen wir uns für einen zuverlässigen und starken Sozialstaat ein. Denn der ist die beste Erfindung der deutschen Geschichte.

Wenn es um soziale Gerechtigkeit geht, erwacht schnell das Misstrauen, es könnten Menschen von sozialen Wohltaten profitieren, die das gar nicht verdient haben.

Bleiben wir beim Luxus. Offenkundig empfindet die bayerische Staatsregierung Barrierefreiheit weniger als süße denn als lästige Pflicht. Selbst bisherige Errungenschaften, die in Gesetzen und Verordnungen festgehalten wurden, werden zurückgefahren.

Hier ein paar Beispiele – und die Aufzählung ist nicht vollständig:

Die ohnehin sehr wachsweich formulierte Pflicht zum barrierefreien Bauen soll in der Bayerischen Bauordnung weiter aufgeweicht werden, damit der Bauturbo so richtig gezündet werden kann.

In diesem Zusammenhang entfällt auch die Verpflichtung, beim Neubau von barrierefreiem Wohnraum eine entsprechende Anzahl von Behindertenparkplätzen zu bauen.

Fördertöpfe für den barrierefreien Umbau, damit pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich daheim leben können, sind leer und werden nicht mehr aufgefüllt.

Dieses Streichkonzert ist mehr als heikel. Denn Deutschland, und also auch Bayern, hat sich laut UN-Behindertenrechtskonvention im Jahre 2009 zum Ausbau von Teilhabe und damit Barrierefreiheit verpflichtet. Diese hoch angesetzte Verpflichtung interessiert anscheinend gerade niemanden.

Doch die Ermöglichung von Teilhabe für Menschen mit Behinderung macht nicht nur einer Minderheit das Leben etwas schöner.

Der Anteil von Menschen mit Behinderung, die also einen Grad der Behinderung ab 20 haben, beträgt in Bayern 15,39 Prozent der Bevölkerung. Eine Schwerbehinderung, also einen Grad der Behinderung ab 50, haben 9,46 Prozent der Bevölkerung. Das ist jede elfte Person. 

Wir sprechen von zwei Millionen Menschen mit Behinderung in Bayern. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ausgrenzungen erleben, ist hoch.

Wer einen Rollstuhl nutzt, muss Gott vertrauen oder seinem guten Schicksal, damit er oder sie am Reiseziel Aufzüge oder treppenfreie Zugänge vorfindet. Diese Person muss hinnehmen, dass ein Rollstuhl vielerorts als Sicherheitsrisiko gilt, und darf vom Ufer dem Ausflugsschiff nachwinken. Eine kleinwüchsige Person muss ihre Bankkarte wildfremden Menschen reichen, weil der Geldautomat viel zu hoch angebracht ist. Ein Mensch ohne digitalen Anschluss kann sich nicht ohne Weiteres eine Fahrkarte kaufen. Eine junge Frau mit glänzendem Studienabschluss findet keine Arbeitsstelle, weil sie eine Behinderung hat.

Ich könnte endlos solche Geschichten erzählen, mich beklagen, und Sie damit ein wenig in eine moralische Pflicht nehmen. Will ich aber nicht.

Denn die Frage ist, ob Geschichten, die von mangelnden Teilhabemöglichkeiten erzählen, mehr bewirken als einen leichten Schauder oder eine kleine Empörung. Letztlich überwiegt doch der Gedanke, dass es einen zum Glück ja nicht betrifft. Und dass es schon für immer irgendwie gut gehen wird. Die meisten von uns können notfalls auch die Treppe nehmen, ihre Bankgeschäfte selbstbestimmt erledigen, die Bahn-App virtuos bedienen und haben einen Job.

Warum also für ein Ende von Ausgrenzungen sorgen?

Weil es um Gerechtigkeit geht. Weil die Grundlage unseres Gemeinwesens nicht Egoismus, sondern Solidarität und Vertrauen heißt. Weil jeder Mensch in seinem Leben eine starke Gemeinschaft braucht. Und weil jeder Mensch gebraucht wird.

Vertrauen stärkt Beziehungen. Nicht nur zu anderen Menschen, sondern auch zum Staat und seinen Institutionen. Das heißt im Umkehrschluss: Je mehr Bevölkerungsgruppen wir ausschließen und zurücklassen, um so instabiler wird unsere Gesellschaft, weil das Misstrauen in staatliche Strukturen wächst.

Das Gift des Misstrauens wirkt bereits: Wenn Alter mit Armut, Pflegebedürftigkeit mit Vernachlässigung und Einwanderung mit Kriminalität gleichgesetzt wird, kommt der gesamte Staat für viele auf den Prüfstand. Wenn der soziale Aufstieg aus eigener Kraft in Deutschland so schwer ist wie noch nie seit den 1960er-Jahren, schafft das Frust bei jungen Leuten.

„Du hast keine Chance, aber nutze sie.“ Dieser bissige Kommentar zu den Freiheiten eines Ausgegrenzten stammt vom Schriftsteller und Regisseur Herbert Achternbusch.

Wer glaubt, nichts mehr zu verlieren zu haben, mag den Mut der Verzweiflung finden. Das kann positiv in Selbstermächtigung münden. Viele soziale Revolutionen haben so ihren Anfang genommen. Doch ein solcher Frust kann auch negative Folgen haben. Weil enttäuschte Menschen offen sind für extremistische Positionen. Die Gunst der Enttäuschten stärkt leider meistens die Falschen.

Ich beobachte deshalb mit Entsetzen, dass wichtige Errungenschaften des Sozialstaates einkassiert werden, um vermeintlich das Gerechtigkeitsgefühl der Bevölkerung zu bedienen.

De facto münden manche politischen Entscheidungen gerade darin, dass arme Menschen gegen noch ärmere Menschen aufgehetzt werden.

Ich erinnere daran, dass die Grundsicherung beziehungsweise das Bürgergeld das Recht auf Teilhabe sicherstellen soll. Schon jetzt ist mehr als fragwürdig, ob dafür die Höhe der Geldleistungen genügt. Sehr seriöse Forschungen sagen jedenfalls, das ist definitiv nicht der Fall. Die mit der Grundsicherung befassten Behörden wie die Jobcenter haben nicht genügend Mittel und Möglichkeiten, um diesen Menschen dauerhaft aus der Armut zu helfen. Sanktionsdrohungen halte ich für die Rückkehr der tiefen Kiste der schwarzen Pädagogik, aber für keine Maßnahme, die Ursachen von Armut bekämpft.

Das politisch Fatale ist: Die nicht ganz so armen Menschen werden nicht reich oder wenigstens wohlhabend, wenn die Zügel bei den Sozialleistungsempfängern vermeintlich straffer gezogen werden. Das zu behaupten, ist scheinheilig. Das darf ich hier in der Kirche so sagen. Denn das gesparte Geld wird nicht umverteilt. Bestenfalls werden Löcher im Haushalt gestopft – und zwar nur die ganz kleinen Löcher.

Richtig was zu holen gäbe es woanders. Mindestens 100 Milliarden Euro mehr könnte der Staat in der Kasse haben, wenn Steuerbetrug wirksam bekämpft würde. Das wäre ein Fünftel des Bundeshaushalts. Diese staatlich geduldete Entsolidarisierung wiegt meiner Ansicht nach sehr schwer. Denn die Duldung dieses Missstands verstärkt die gesellschaftliche Spaltung und führt letztlich zu instabilen gesellschaftlichen Verhältnissen.

Es gibt Vorschläge für eine Steuerreform, die weder radikal noch undurchführbar sind. Zusammen mit Fiscal Future hat der VdK einmal durchgerechnet, dass selbst die sanfteste Wiedereinführung der Vermögenssteuer und die Besteuerung hoher Erbschaften unglaubliche Summen freisetzen würde, ohne im Geringsten am Wohlbefinden von überreichen Menschen zu kratzen. Wenn Vermögen ab fünf Millionen Euro mit einem Prozent und Vermögen ab 100 Millionen Euro mit zwei Prozent besteuert würden, brächte uns das schon 40 Milliarden Euro mehr ein.

Was für eine Summe! 100 Milliarden von Steuersündern einziehen plus 40 Milliarden Euro Einnahmen durch eine sanfte Vermögenssteuer ergeben 140 Milliarden Euro, die wir so dringend brauchen könnten.

Fehlende Steuereinnahmen machen sich jetzt schon massiv bemerkbar. Sie lassen die Infrastruktur bröckeln. Das Schwimmbad muss schließen, durch das Schuldach regnet es, das Förderprogramm für Kinder aus benachteiligten Familien wird gestrichen, Begrünungspläne für eine klimagerechte Zukunft der Stadt landen in der Schublade. Kultur und Sport fallen hinten runter.

Fehlende Steuereinnahmen lassen die Möglichkeiten von Teilhabe also ganz konkret schrumpfen. Spürbar für jeden Einzelnen. Denn es heißt, dass weniger Kinder gut lernen dürfen, Jugendliche nicht ins Schwimmbad gehen können und Familien in aufgeheizten Städten leben müssen.

Den Sozialstaat weiter auszuhöhlen, grenzt an politische Selbstaufgabe. Das kann keiner wollen. Doch es ist leider schon viel Vertrauen verspielt worden. Dabei ist ein starker Sozialstaat ein Bollwerk gegen Angriffe von Verfechtern einer braun-rechts gefärbten Ideologie. Ein starker Sozialstaat ist kein Luxus, sondern durch mehr Umverteilung zum Wohle aller finanzierbar.

Noch können wir eingreifen, noch können wir etwas tun und etwas ermöglichen. Frei nach Achternbusch: Wir haben eine Chance. Also nutzen wir sie.

Zur Autorin 

Verena Bentele ist seit 2018 Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland und seit 2023 Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern. Von Januar 2014 bis Mai 2018 hatte sie das Amt der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung inne. Sie errang als blinde Biathletin und Skilangläuferin von 1995 bis 2011 zahlreiche Weltmeistertitel und Paralympics-Medaillen, hat Neuere Deutsche Literatur studiert und eine Ausbildung als Systemischer Coach absolviert. 

Bild: Verena Bentele strahlt. Sie hat blaue Augen, kinnlanges, blondes Haar und trägt über einem tintenblauen Shirt eine offene, braune Lederjacke sowie eine zierliche Kette. Der Hintergrund greift die Farbe ihres Shirts auf. Foto: (c) Susie Knoll

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U. Boysen: Ich halte unsere Demokratie durchaus für gefährdet - Ein Gespräch mit Jürgen Dusel

Ein Gespräch mit Jürgen Dusel

Die Fragen für den horus stellte Uwe Boysen

horus (h): Herr Dusel, was macht eigentlich der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen?

Jürgen Dusel (D): Rechtlich betrachtet wirkt er darauf hin, dass der Bund seiner Verantwortung, für gleichwertige Lebensverhältnisse für Menschen mit und ohne Behinderungen zu sorgen, gerecht wird. Konkret muss ich bei allen Gesetzen, Verordnungen und wichtigen Vorhaben beteiligt werden, die Menschen mit Behinderungen betreffen könnten. Das führt zu vielen Gesprächen mit Mitarbeitenden der Ministerien. Letztendlich mache ich Politikberatung. 

h: Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen?

D: Nach meinem Jurastudium habe ich zunächst verschiedene Jobs in der Verwaltung gehabt. Ich wurde dann Behindertenbeauftragter des Landes Brandenburg. 2018 wurde ich dann von Hubertus Heil (dem damaligen Arbeits- und Sozialminister) gefragt, ob ich mir den Job des Bundesbeauftragten zutraue. Ich habe das nach kurzem Nachdenken bejaht und bin jetzt zum dritten Mal im Amt, zunächst vom Kabinett Merkel bestellt, dann vom Kabinett Scholz und nun vom Kabinett Merz. In der Regel werden die Beauftragten für eine Legislatur bestellt, insofern bin ich schon außergewöhnlich lange im Amt.

h: Wie muss man sich den von Ihnen erwähnten Begriff der Politikberatung für Sie konkret vorstellen?

D: Ich führe ganz viele Gespräche, auch mit Bundestagsabgeordneten und mit Ministerinnen und Ministern. Ich bin gerade jetzt, nach der Bundestagswahl 2025, dabei, alle aufzusuchen. Ich versuche, mit der Kraft der Argumente zu überzeugen. Aber wenn das nicht hilft, bin ich auch durchaus in der Lage, medial Kritik zu üben. Ich setze aber eher darauf, dass das gute Argument gewinnt. Das klappt meistens ganz gut. Wichtige Ministerien sind für mich beispielsweise Gesundheit, Bau oder Arbeit und Soziales. In den letzten Jahren habe ich sehr konstruktiv mit dem Gesundheitsminister Lauterbach kooperiert, da insbesondere der Zugang zum Gesundheitssystem für Menschen mit Behinderungen in Deutschland ein großes Problem ist. Enge Kontakte gibt es auch zum Bauministerium unter dem Stichwort barrierefreies Bauen. Letztlich hat die Behindertenpolitik ein breites Spektrum, das im Grunde alle Ministerien umfasst.

h: Wie stellen Sie fest, wenn ein Gesetzentwurf die Belange behinderter Menschen tangiert, und wie reagieren Sie darauf?

D: Nach der Rechtslage müssen wir beteiligt werden. Das geschieht aber unterschiedlich intensiv. Dabei kommt es auch darauf an, wie bekannt mein Amt ist. Sollte ich Bedenken haben, so sollen diese nach der Geschäftsordnung der Bundesregierung in die Kabinettsvorlage aufgenommen werden. Wenn das alles nicht verfängt, so kann ich während der Beratungen im Bundestag noch einmal aktiv werden. 

h: Gab es schon einen Konflikt, bei dem Sie an Rücktritt gedacht haben, wenn Ihre Argumente nicht durchdringen?

D: Bislang nicht, aber man braucht manchmal eine hohe Frustrationstoleranz. Ich glaube, ich bin, wie so viele behinderte Menschen, in meiner Vita auf Zähigkeit „abgeklopft“ worden. Das hilft mir ein bisschen. 

h: Wie gestalten sich Ihre Kontakte in den Bundestag? 

D: Ich rede mit jedem, der das Herz „auf dem rechten Fleck“ hat und der auf dem Boden des Grundgesetzes steht, also natürlich auch mit den Abgeordneten der Opposition. Schwierigkeiten habe ich allerdings mit Leuten, die die Demokratie ablehnen. Die lehnen meist auch die Inklusion ab. 

h: Setzen Sie sich auch mit den Vorstellungen der AfD zu behindertenpolitischen Fragen auseinander?

D: Ja, und natürlich habe ich in der Vergangenheit bestimmte Dinge scharf kritisiert, etwa als Björn Höcke erklärte, Inklusion sei ein Ideologieprojekt, von dem man das Bildungssystem befreien müsse. Ich verbinde die Themen Demokratie und Inklusion miteinander. Ich werde hochallergisch, wenn ich den Eindruck habe, dass unsere Demokratie verhöhnt oder abgewertet wird, gerade auch von denen, die behaupten, Patrioten zu sein. 

h: Halten Sie unsere Demokratie für gefährdet?

D: Ja, und zwar, weil ich das Gefühl habe, dass das Bewusstsein, welches Glück gerade wir Deutschen haben, in einer Demokratie leben zu können, verlorenzugehen droht. Jedenfalls die Gefahr sehe ich. Mittlerweile sind Dinge sagbar geworden, die vielleicht noch vor fünf oder zehn Jahren nicht sagbar waren. Ich freue mich dann immer, wenn viele Menschen auf die Straße gehen, und sich für unsere Demokratie einsetzen. Aber wir sehen natürlich weltweit, dass Menschenrechte immer mehr unter Druck geraten. Wir müssen für unsere Demokratie auch eintreten, die es zu verteidigen gilt. Ich warne vor den Anfängen und mache mir schon Sorgen, wenn ich merke, wie auch unsere Sprache verroht. 

h: Was können wir als Menschen mit Behinderungen tun, um diesen Gefahren entgegenzutreten?

D: Sie sollten klar und selbstbewusst auf Ihre Rechte verweisen, sich laut engagieren, auch anecken, sich in den innenpolitischen Diskurs einbringen oder, wenn möglich, politische Ämter übernehmen und sich in den Vereinen wie z. B. dem DVBS oder dem DBSV engagieren. 

h: Erleben Sie in unserer immer stärker polarisierten Gesellschaft viel Kritik?

D: Das hat natürlich zugenommen. Wir haben aktuell eine Sozialstaatsdebatte und Stimmen, die meinen, dass wir uns bestimmte Dinge – auch für Menschen mit Behinderungen – nicht mehr leisten können. So stehen die Kommunen und die Länder unter großem Druck. Umso wichtiger ist es, valide und evidenzbasiert klarzumachen, dass es um Menschenrechte geht und diese auch Menschen mit Behinderungen zustehen. 

h: Inklusion ist ein Stichwort, das von Menschen mit Behinderungen und ihren Organisationen immer wieder thematisiert wird, auch bei Ihrem Motto: „Demokratie braucht Inklusion“. Ist es nicht ein bisschen naiv, diesen Schlachtruf auf alles und jedes anzuwenden?

D: Das soll erst mal sagen, dass es bei Inklusion nicht um etwas Nettes, Freundliches oder Karitatives geht, sondern vielmehr um etwas Urdemokratisches. Inklusion ist im Grunde das Betriebssystem unserer Demokratie. Natürlich muss man Inklusion dann konkretisieren. Was bedeutet das konkret im Arbeitsleben, in der Schule oder für unsere Infrastruktur? Dieses Motto führt immerhin dazu, dass viele Menschen im politischen System darüber nachdenken. 

h: Ich bohre noch einmal nach. Sie haben in einem Spiegelinterview erklärt: »Ich bin der tiefen Überzeugung, dass diese Separierung und diese Exklusion im Bildungssystem das Grundübel für Exklusion in der Gesellschaft ist.« Worauf stützen Sie diese Überzeugung, und was bedeutet das mit Blick auf spezialisierte Schulen für Menschen mit Behinderungen?

D: Ich kenne beides. Ich war zunächst auf einer Förderschule für sehbehinderte Kinder und bin dann auf eine Regelschule gewechselt. Ich bin davon überzeugt: Wir lernen nur in der Begegnung. Wenn man Menschen trennt, dann wissen sie relativ wenig voneinander. Und ich bin ein großer Skeptiker, auch wenn ich weiß, dass es Förderschulen, auch die blista, gibt, die sehr, sehr gute Arbeit leisten. Aber ich blicke auf das Förderschulsystem insgesamt und stelle fest: Wenn 75 % der Schülerinnen und Schüler von Förderschulen diese ohne Abschluss verlassen, dann kann man nicht von einem guten System sprechen. Ich plädiere dafür, dass Kinder immer da, wo es möglich ist, gemeinsam zur Schule gehen. Schulzentren wie auch die blista, erkaufen ihren zweifellos vorhandenen Erfolg teilweise auch damit, dass Kinder relativ früh ins Internat müssen. Mein Wunsch ist, dass gemeinsames Lernen der Regelfall und der Besuch der Förderschule die Ausnahme ist, was natürlich voraussetzt, dass die behinderten Kinder in der Regelschule den behinderungsbedingten Mehrbedarf auch bekommen, was leider zurzeit oftmals nicht der Fall ist. Aber, wie gesagt, auch hier gibt es kein Schwarz oder Weiß. 

h: Kommen wir nun zu dem aktuellen Gesetzgebungsverfahren, das die Gemüter von Menschen mit Behinderungen gerade bewegt. Wie schätzen Sie den Entwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes des Bundes ein? In welchen Punkten stellt er einen Fortschritt dar und wo ist Kritik angebracht? 

D: Das ist kein guter Entwurf für Menschen mit Behinderungen. Hier scheint die Sorge der Wirtschaft durchgedrungen zu sein, dass das Abendland unterginge, wenn wir zu Barrierefreiheit oder mindestens zu angemessenen Vorkehrungen verpflichten. Ich bin sehr gespannt, was aus diesem Projekt tatsächlich entsteht. Wir bringen uns zurzeit natürlich massiv in diesen Diskussionsprozess ein und merken, dass es von Seiten der Wirtschaft erhebliche Bedenken gibt. Hier zahlt sich Konfliktfähigkeit aus. 

h: Zum Abschluss: Der DVBS setzt sich seit fast 30 Jahren als einer der ersten Vereine für die Durchsetzung digitaler Barrierefreiheit ein. Die Ergebnisse auf Bundesebene sind aber, wie auch die Berichte an die EU zeigen, enttäuschend, um es vorsichtig zu formulieren. Was kann der Behindertenbeauftragte in dieser Situation tun?

D: Ich beabsichtige, auch den Digitalminister zu besuchen, und werde für das Thema der digitalen Barrierefreiheit werben. Wir haben unsere Expertise z. B. auch schon beim Onlinezugangsgesetz eingebracht. Aber auch da sieht man die „German Angst“, dass digitale Barrierefreiheit wirtschaftlichen Interessen entgegensteht. Es wird nicht verstanden, dass Barrierefreiheit letztlich ein Qualitätsmerkmal für ein modernes Land ist. Wer hier Barrieren aufbaut, zeigt, dass er unprofessionell ist und einen schlechten Job macht. 

h: Herr Dusel, ich danke Ihnen für dieses Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer weiteren Arbeit.

Bild: Jürgen Dusel steht in blauem, offenem Leinensakko und weißem Hemd in einer Großstadt. Er hat braun meliertes, kurzes Haar und blickt lächelnd zur Seite. Foto: (c) Behindertenbeauftragter/Anna Spindelndreier

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B. Schultes: Leben in Fülle? - Teilhabe behinderter Menschen im Erzbistum Köln

Ein Erfahrungsbericht

Von Beate Schultes

Jesus wird in vielen Situationen als Musterbeispiel im Umgang mit Menschen herangezogen. So auch im Umgang mit blinden Menschen. 

Besonders bekannt ist die Geschichte von der Heilung des blinden Bartimäus aus dem Evangelium nach Markus, Kapitel 10, Verse 46 bis 52. Bartimäus verdient sein Geld als Bettler am Wegesrand. Als er hört, dass Jesus vorbeikommt, schreit er so lange, bis dieser auf ihn aufmerksam wird. Die Leute befehlen ihm zu schweigen, aber er lässt sich nicht einschüchtern. Jesus hört ihn und ruft ihn zu sich. Er fragt ihn: was soll ich für dich tun? Bartimäus wünscht sich, wieder sehen zu können, und Jesus nimmt die Blindheit von ihm. Er hat ihn gehört, ganz direkt. Er hilft ihm ohne weitere Nachfragen nach den Gründen der Bitte oder den Konsequenzen für die Zukunft. Er ist einfach da für ihn. Bartimäus kann stolz sein, dass er mit viel Energie und Durchsetzungsvermögen auf sich und seine Situation aufmerksam gemacht hat. Was hätte er denn auch für Chancen gehabt, damals vor 2000 Jahren, ohne Mobilitätstraining, Brailleschrift, Schwerbehindertenvertretung und das SGB IX? Da war der Wunsch doch klar: Ich möchte wieder sehen. 

Zeitsprung

Als ich mich 1986 beim Erzbistum Köln für die Ausbildung als Gemeindereferentin bewarb, war mein Wunsch ein anderer: Ich möchte bei Euch arbeiten. Dieser Wunsch war viel komplizierter. Er bedeutete nämlich, dass man nicht das Los eines armen blinden Menschen bedauern und ihn mit Almosen oder frommen Sprüchen abweisen konnte. Dieser Wunsch bedeutete: Ich will Teilhabe, als nicht geweihte Frau in diesem Beruf, als Behinderte, die auf dem Papier und nach staatlichen Maßstäben gleiche Rechte hat. Damals versuchte man, mich loszuwerden. Ich wurde zu Gesprächen eingeladen, die das Ziel hatten, mir meinen Berufswunsch auszureden. „Die Kirche ist kalt“, bekam ich in einem dieser Gespräche zu hören. Da diese Gespräche keinen Erfolg zeigten und ich die formalen Voraussetzungen erfüllte, wurde ich schließlich eingestellt und nach dem Studium ausgebildet, erhielt dann am Ende der Ausbildungszeit einen unbefristeten Arbeitsvertrag. 

Ich kann mich nicht erinnern, jemals mit der Schwerbehindertenvertretung für Pastoral- und Gemeindereferent*innen im Erzbistum Köln in Kontakt gekommen zu sein. Damals kam ich mir oft vor wie ein Zwerg, der gegen einen Riesen kämpft. Selten wurde ich gefragt, was ich brauche, um gut arbeiten zu können. Probleme während der Ausbildungszeit wurden allzu schnell auf die Blindheit geschoben. Möglichkeiten der Teilhabe gab es für mich kaum. Alles, so kam es mir vor, war Goodwill der beteiligten Akteur*innen. 

Heute bin ich selbst die Vertrauensperson für die schwerbehinderten Pastoral- und Gemeindereferent*innen im Erzbistum Köln. Inzwischen bin ich in meiner vierten Amtsperiode. Als ich neu im Amt war und die ersten Kolleg*innen mich mit zu Personalgesprächen bezüglich ihrer Versetzung nehmen wollten, weigerte sich der zuständige Personalreferent, mit mir zu sprechen. Nach einer Beschwerde beim damaligen Personalchef reichte ich meinen Vorschlag für die Stellenbesetzung schriftlich ein und alles wurde so geregelt, wie ich es vorgeschlagen hatte. Seitdem ist die Teilnahme der Vertrauensperson in Versetzungsprozessen nie mehr in Frage gestellt, öfter aber wohl vergessen oder übersehen worden. 

Nur eine enge Zusammenarbeit mit der Mitarbeitervertretung sowie ständige Erinnerungen und Ermahnungen von meiner Seite sorgen dafür, dass die Teilhabe schwerbehinderter Menschen nach den vorliegenden Gesetzen erfolgt. Wir haben auch eine wirklich gute Inklusionsvereinbarung, deren Umsetzung ich aber oft anmahnen muss. Immerhin habe ich vor zwei Jahren eine schwerbehinderte Bewerberin mit eingestellt und bin bis jetzt ordnungsgemäß in allen Verfahren beteiligt worden. 

Guter Wille ist da, aber oft fehlt das Verständnis für die Wichtigkeit dieser Prozesse. Ich bin der Meinung, dass das, was ich als SBV erlebe, typisch ist für Teilhabeprozesse innerhalb der katholischen und in ähnlicher Form auch in der evangelischen Kirche. Man hat durchaus die gesellschaftlichen Veränderungen wahrgenommen, will ihnen auch Rechnung tragen, ohne allerdings die eigene Arbeitskultur zu verändern. Veränderung gibt es erst da, wo Betroffene agieren, zum Beispiel eine Vertreterin des Dienstgebers, die im Rollstuhl sitzt, oder eine blinde Vertrauensperson. Man hat sich kaum strukturell damit befasst, was es bedeutet, wenn behinderte Menschen auf Augenhöhe mitarbeiten, wenn ein staatliches Gesetz Regelungen zum Schutz von Schwerbehinderten Menschen vorgibt, wenn Teilhabe gefordert ist in einer Organisation, die eher von oben nach unten denkt und funktioniert. Da braucht es noch viele Betroffene, die sich nicht einschüchtern lassen, die wie Bartimäus auf sich und ihre Bedürfnisse aufmerksam machen. Es braucht aber auch Verantwortliche, die - wie Jesus - fragen: was soll ich für dich tun? Wo das geschieht, könnten beide Kirchen behinderten Menschen viele Möglichkeiten zur Teilhabe bieten, im beruflichen, aber auch im ehrenamtlichen Bereich. 

Auch hier zeigt sich: Kirche stellt durchaus gesellschaftliche Realitäten dar. Aus meiner Sicht lohnt es sich, auch in der katholischen Kirche für Teilhabe zu streiten. Allerdings ist es eine Kunst, dabei nicht zu verbittern. Was Teilhabemöglichkeiten behinderter Menschen in meiner Kirche generell angeht, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie erst kommen, wenn Betroffene sie einfordern. Da ist die Kirche nicht anders als unsere Gesellschaft. 

Zur Autorin

Beate Schultes arbeitet als katholische Krankenhausseelsorgerin und Gemeindereferentin in Köln. Die Diplom-Religionspädagogin und -Sozialarbeiterin ist zudem Vertrauensperson für die schwerbehinderten Pastoral- und Gemeindereferent*innen im gesamten Erzbistum Köln, einem der ältesten und mitgliederstärksten deutschen Bistümer.

Wie Menschen mit Sehbehinderung im Gottesdienst zurechtkommen, darüber sprach sie z. B. anlässlich des Sehbehindertensonntags 2022 in einem Interview mit dem Domradio: https://www.domradio.de/audio/ein-interview-mit-beate-schultes-gemeindereferentin-und-krankenhausseelsorgerin-selbst-blind

Bild: Beate Schultes lächelt. Sie hat dunkle Augen und dunkles, meliertes Haar, das knapp über die Ohren reicht. Ein um ihren Hals geschlungenes Tuch mit blau-weißem Batikmuster bietet einen kräftigen Farbakzent. Foto: Aufgenommen im Cellitinnenkrankenhaus Heilig Geist

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S. Ivanic: Zwischen Abholservice und Altar - Über kirchliche Barrierefreiheit, Teilhabe und einen göttlichen Nachteilsausgleich

Über kirchliche Barrierefreiheit, Teilhabe und einen göttlichen Nachteilsausgleich 

Von Savo Ivanic

Wer eine Stufe nicht sieht, stolpert. Wer gar nicht erst erwartet, dass sie bewältigt werden kann, kommt wahrscheinlich gar nicht. Barrierefreiheit heißt für mich: Türen öffnen, bevor jemand anklopft. Zuallererst im Kopf. Es geht also nicht nur um Technik oder Bauvorschriften, sondern um Einstellung und Augenhöhe. 

Von äußerer zu innerer Teilhabe 

Ich bin fast blind. Und seit über 20 Jahren kirchlich aktiv. In dieser Zeit habe ich gelernt: Barrierefreiheit endet nicht bei der Teilhabe am Zoom-Meeting oder dem Abholservice für mobilitätseingeschränkte Menschen. Auch wenn beides wichtig und wertvoll ist. Sie fängt da an, wo Menschen sich gegenseitig Zugang schenken – auf Augenhöhe und mit Respekt und Vertrauen. Teilhabe beginnt also im Kopf. Auf beiden Seiten. 

Heißt konkret: Respekt statt Mitleid und Übergriffigkeit. Oder die Reduktion aufs Handicap. Zur Veranschaulichung, mir ist Folgendes während eines Gottesdienstes passiert: Ich erzähle meinem sehenden Sitznachbarn von meinem Besuch bei einem Heilungsgottesdienst. Dieser schließt daraus: Ich sehe immer noch nicht, also muss ich wohl „innere Heilung“ erlebt haben. Auf die Idee, ich sei vielleicht von Schmerzen oder anderen Unannehmlichkeiten befreit worden, kommt er gar nicht. 

Mir wird auch immer wieder gut gemeintes Gebet für meine Augen angeboten. Ähnliches weiß ich von anderen Bekannten mit Seheinschränkung. Doch für mich sind ganz andere, meist nicht sichtbare gesundheitliche Schwierigkeiten weitaus herausfordernder. Von denen ich viel lieber geheilt würde. Zum Beispiel Tinnitus oder mein chronisches Herzleiden. Nur scheinen viele Sehende bei meinem Anblick zuerst an visuelle Heilung zu denken. Und kommen gar nicht auf die Idee, dass unsereins vielleicht ganz andere Herausforderungen hat. Deshalb ist mentale Barrierefreiheit so wichtig – die Fähigkeit, nicht nur die Behinderung zu sehen, sondern den Menschen. 

Sie bedeutet: Zugang gewähren, ohne Bevormundung. Jemanden ernst nehmen, ohne ihn auf seine Einschränkung zu reduzieren. Kurzum: Einander als gleichwertig wahrnehmen - mit unterschiedlichen Voraussetzungen, aber gleichem Wert. 

Der „göttliche Nachteilsausgleich“ 

In meinem Glauben erfahre ich etwas, das ich „göttlichen Nachteilsausgleich“ nenne. Als Christ frage ich mich bisweilen: Wie geht Gott mit dem Thema Behinderung um? Gibt es bei ihm auch so etwas wie einen Nachteilsausgleich? Im säkularen Sinn bedeutet das: Ausgleich schaffen, damit Menschen mit Einschränkungen möglichst gleichberechtigt an Leben und Gesellschaft teilhaben können. Ein wichtiges Prinzip, ohne das Inklusion nicht funktioniert. 

Aber Gott denkt anders. Sein „Nachteilsausgleich“ besteht nicht in Sonderrechten, sondern in einer Umwertung der Perspektive. Er sieht nicht auf den Mangel, sondern aufs Potenzial. 

Die Bibel ist voller Menschen, die vermeintlich „benachteiligt“ waren – und gerade dadurch zu Trägern göttlicher Stärke wurden: Mose, der stotterte, aber zum Sprachrohr Gottes wurde. Jakob, der hinkte, und doch Stammvater Israels wurde. Oder der im Alter sehbeeinträchtigte Paulus, der von seinem „Stachel im Fleisch“ schrieb und dabei erkannte: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. 

Gott gleicht also nicht durch Privilegien aus, sondern durch Perspektive. Er macht Schwäche nicht unsichtbar, sondern fruchtbar. Er schenkt Stärke dort, wo andere nur Schwäche sehen - und öffnet Wege, die sonst verschlossen blieben. 

Er lässt Schwäche zur Tiefe werden, Begrenzung zur Berufung, Verletzlichkeit zur Verbindung. Für mich ist das der eigentliche göttliche Nachteilsausgleich – keine Bevorzugung, sondern eine andere Art der Wahrnehmung. 

Barrierefreiheit als geistliche Aufgabe 

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mein kirchliches Engagement so ernst nehme. Denn auch dort geht es um Barrieren – sichtbare und unsichtbare. Um Sprache, die verständlich sein muss. Um Räume, die offen und zugänglich sein sollen. Um Gemeinschaft, die alle einschließt. 

Kirche ist für mich dann glaubwürdig, wenn sie nicht nur biblisch predigt, sondern praktische Teilhabe ermöglicht. Wenn sie fragt: Wer kann mitmachen, wer wird übersehen, wer braucht eine andere Form des Zugangs? 

Dabei können kleine Dinge Großes bewirken: Angesprochen werden von anderen Gottesdienstbesuchern, die mich kennen (weil ich sie nicht erkennen kann), ein gut lesbares Liedblatt oder große, mit Hilfsmitteln gut entzifferbare Beamerschrift oder bei Bedarf eine Begleitung zum Platz. Eine Wiesbadener Gemeinde, die ich regelmäßig besuche, bietet sogar einen Abholservice für mobilitätseingeschränkte Menschen an. Solche Gesten signalisieren: Du gehörst dazu - nicht trotz deiner Behinderung, sondern mit ihr. Das ist gelebte Nächstenliebe. 

So wird Barrierefreiheit zu mehr als einer technischen Frage. Sie wird zum Ausdruck einer Haltung: Wir sehen einander. 

Teilhabe als gemeinsamer Auftrag 

Demokratie lebt von Teilhabe. Kirche auch. Beides funktioniert nur, wenn möglichst viele Stimmen gehört werden – gerade die leisen. 

Barrierefreiheit ist dafür kein Randthema, sondern Voraussetzung. Sie ist kein Sonderanliegen einer Minderheit, sondern Ausdruck einer Einstellung, die das Gemeinsame sucht. Und damit ein Menschheitsthema. Barrierefreiheit erinnert uns daran: Niemand kann alles, aber jeder und jede kann etwas beitragen. Teilhabe hängt nicht von Perfektion ab, sondern von Offenheit – auf beiden Seiten. Und Teilhabe gelingt, wenn wir einander auf Augenhöhe begegnen. Im öffentlichen Raum und im Miteinander. 

Damit ist Barrierefreiheit gelebte Demokratie. Teilhabe ist gelebte Nächstenliebe. Und göttlicher Nachteilsausgleich bedeutet: Jeder Mensch ist mehr als seine Begrenzung. Und kann etwas Einzigartiges beitragen. Oft genau da, wo andere es am wenigsten vermuten.

Zum Autor 

Savo Ivanic hat nach seinem Politikstudium in Marburg im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing gearbeitet, unter anderem im Rahmen der DVBS-Projekte agnes@work - Agiles Netzwerk für sehbeeinträchtigte Berufstätige – sowie iBoB - inklusive berufliche Bildung ohne Barrieren. Als junger Ruheständler nutzt er vor allem seine journalistische Erfahrung und Beratungskompetenz, um sich ehrenamtlich im (frei-)kirchlichen Umfeld zu engagieren.

Bild: Savo Ivanic lacht. Er hat dunkle Augen und einen raspelkurz rasierten Haarkranz. Auf der Außenaufnahme vor grünem Buschwerk trägt er eine schmale Kette um seinen Hals, die unter seinem blauen Shirt verschwindet. Foto: privat

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Rechtsextremismus

Seit Längerem erstarken anti-demokratische Entwicklungen, Akteure und Gruppierungen in der Bundesrepublik und in vielen anderen Teilen der Welt. Eine Zunahme extrem rechter Einflussnahme und Mobilisierungen betrifft – nicht nur – aber auch Menschen mit Beeinträchtigungen. Es ist wichtig, dass wir uns hierzu informieren, austauschen und Bündnisse bilden. Daher wollen wir in diesem und dem kommenden Heft dieser Zeitschrift auf die Gefahren von Rechts eingehen. 

Wir starten heute mit einem Artikel von Jan Riebe zur Haltung der AfD gegenüber Menschen mit Behinderungen. Er ist Referent in der gemeinnützigen Amadeu Antonio Stiftung. Sie verfolgt das Ziel, die Gesellschaft für die Gefahren von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu sensibilisieren und entsprechende Projekte zu fördern. Benannt ist sie nach einem der ersten Todesopfer rechter Gewalt im wiedervereinigten Deutschland im Jahre 1990. 

In der kommenden Ausgabe fokussieren dann zwei Artikel die Situation für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Eine Chronik, zusammengestellt von Johanna Schiffner, veranschaulicht verschiedene Vorfälle extrem rechter Gewalt seit 1989. Christiane Leidinger und Heike Radvan analysieren Spezifika, die sich hieraus ergeben und stellen erste Ergebnisse des Forschungsprojektes MAVIOPA vor, das auch in Richtung Schutz, Aufklärung, Bildungsangebote und Prävention für Einrichtungen denkt.

Bild: Schwarze Gedenktafel mit weißer Schrift und Kratzspuren am Zaunpfeiler aus Backstein: „Amadeu Antonio, 1962 Quimbele Angola, 1990 Eberswalde, Opfer der rassistischen Gewalt“, daneben ein Glas mit weißen Rosen. Amadeu Antonio war 1987 als Vertragsarbeiter in die DDR gekommen. Er wurde von einer Gruppe Rechtsextremer ins Koma geprügelt, weil er Schwarz war, und starb 11 Tage später am 6.12.1990. Foto: Amadeu Antonio Stiftung

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J. Riebe: Die AfD und ihre Haltung zu Menschen mit Behinderung. Inklusion als "Instrument zur nachhaltigen Verarmung und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten" (1)

Von Jan Riebe

Im Jahr 2026 stehen in sechs Bundesländern Landtagswahlen und in drei Bundesländern Kommunalwahlen an. In aktuellen Umfragen (Stand November 2025) liegt die Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt mit 40% und in Mecklenburg-Vorpommern mit 38% weit in Führung. Eine Regierungsbeteiligung oder gar Alleinregierung der AfD scheint somit nicht ausgeschlossen. Eine AfD-Regierung hätte weitreichende Konsequenzen – sowohl für Menschen mit Behinderung generell als auch für solche mit Sehbeeinträchtigungen im Besonderen. In Sachsen-Anhalt, wo die AfD bereits 2023 als „erwiesen rechtsextremistisch“ vom Landesamt für Verfassungsschutz eingestuft wurde (2), droht die Partei damit, (schulische) Maßnahmen zur Inklusion zu reduzieren oder vollständig zu streichen. Mit Blick auf die Schul- und Kulturpolitik sagte der Vizechef und kulturpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider: „Wir können unsere Ideen von Differenzierung durchsetzen. [...] Wir können alles machen, was wir uns erträumt haben“ (3). Im folgenden Artikel werden die hier gemeinten Ideen der AfD zu ihren behindertenpolitischen Positionen mit Schwerpunkt auf der Haltung zu Inklusion in Schulen thematisiert und analysiert. Zum Thema schulische Inklusion positioniert sich die AfD regelmäßig negativ. Zu anderen Fragen, die Menschen mit unterschiedlichen Formen von Behinderung betreffen, gibt es hingegen nur vereinzelte Aussagen. So gibt es wenige Forderungen zur Erhöhung von Leistungen für Menschen mit Behinderung. In Thüringen kritisierte die AfD-Landtagsfraktion, dass die Erhöhung des Sinnesbehindertengeldes als Nachteilsausgleich zu niedrig ausfalle. Sie sprach sich dafür aus, den Betrag für sogenannte „Taubblinde“ geringfügig höher ausfallen zu lassen als von der Landesregierung geplant. In der ersten Parlamentssitzung äußert sie sich dazu jedoch nicht, in der zweiten nur am Rande (4). Ebenso wie das weitgehende Fehlen solcher Themen in den Wahlprogrammen zeigt dies, dass es sich hierbei eher um Symbolpolitik handelt. Lediglich in Wahlprogrammen der AfD in Mecklenburg-Vorpommern (5), Schleswig-Holstein (6) und Sachsen (7) taucht die Forderung auf, Nachteilsausgleich für Blinde, hochgradig Sehbehinderte, Gehörlose oder schwerstbehinderte Kinder zu erhöhen. 

Im Mai 2024 gab es zwei mutmaßlich rechtsextreme Anschläge auf Menschen mit kognitiven Behinderungen in einer Wohneinrichtung der Lebenshilfe und die Geschäftsstelle der Lebenshilfe in Mönchengladbach. Özgür Kalkan, Geschäftsführer der dortigen Lebenshilfe-Einrichtungen, bringt den Anschlag mit einem raueren gesellschaftlichen Klima in Verbindung, befeuert auch durch Aussagen der AfD in Bezug auf Inklusion und Pläne des sogenannten Potsdamer Geheimtreffens über massenhafte Vertreibung von Menschen mit Migrationsgeschichte (8). Wir wissen aus der Forschung, dass öffentliche, menschenverachtende Diskurse solchen Gewalttaten oft vorausgehen.

Die AfD und das vermeintliche „Ideologieprojekt Inklusion“

Einer dieser Diskurse war die Debatte um Björn Höckes Konstruktion von „Inklusion als Ideologieprojekt“. Ein kurzer Rückblick:

Am 9. August 2023 benennt der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke im Sommerinterview mit dem MDR Inklusion als „eines von den ‚Ideologieprojekten‘“, von denen man das Bildungssystem „befreien“ müsse (9). Diese Projekte brächten Schüler*innen nicht weiter und würden sie nicht leistungsfähiger machen. Sie führen nicht dazu, so Höcke, „dass wir aus unseren Kindern und Jugendlichen die Fachkräfte der Zukunft machen“ (10). Eingeleitet hatte der Thüringer AfD-Vorsitzende seine Äußerungen zur Bildungspolitik mit den Sätzen: „Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass es eine kluge Einordnung gibt, die lautet: Gesunde Gesellschaften haben gesunde Schulen“ (11). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass für Björn Höcke eine Gesellschaft, in der schulische Inklusion stattfindet, keine „gesunde“ Gesellschaft ist. 

Die Äußerungen sorgten für eine breite Empörung. Beispielsweise kritisierten die großen Sozialverbände in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige die Äußerungen des AfD-Politikers scharf: „Wer so denkt und spricht, stellt die Würde des Menschen als Individuum, die Universalität von Menschenrechten und damit die Grundlagen unserer demokratischen Gesellschaft in Frage [...] Wir lassen nicht zu, dass Ideologien der Ungleichwertigkeit von Menschen weiter Raum greifen, die an die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte erinnern.“, heißt es in der Anzeige, die am 27. August 2023 in der Zeitung Welt am Sonntag veröffentlicht wurde. Björn Höcke entgegnete den Vorwürfen, indem er darauf verwies, dass sein „geliebter“ Vater ein hochintellektueller Mensch war, der aufgrund seiner starken Sehbeeinträchtigung selber „schwerbehindert“ war. Demnach, so Höcke, könne er gar nicht behindertenfeindlich sein (12). 

Um die Frage zu beantworten, welche Aussagen die AfD zur Inklusion in ihren Wahl- und Parteiprogrammen trifft, wurden alle Wahl- und Parteiprogramme der AfD seit ihrer Gründung im Jahr 2013 unter der Fragestellung analysiert, welche Aussagen zum Thema „Behinderung“ und „Inklusion“ getätigt werden.

Lediglich im Programm zur Bundestagswahl 2013 taucht das Thema Inklusion gar nicht und die Thematisierung von Menschen mit Behinderungen nur ganz kurz auf. In allen anderen Wahlprogrammen positioniert sich die AfD dazu, jedoch fast ausschließlich zu schulischer Inklusion. Um diese geht es auch in den folgenden Ausführungen. 

Alle untersuchten Programme stehen der schulischen Inklusion tendenziell negativ bis strikt ablehnend gegenüber. Das Motto der meisten Wahlprogramme scheint zu lauten: ‚Ein wenig Inklusion ist okay, aber bitte nicht zu viel‘. Dies drückt sich in der häufig genutzten Formulierung „Inklusion mit Augenmaß“ aus.

Aber es gibt auch immer wieder kategorische Ablehnung der schulischen Inklusion. Im Wahlprogramm von 2017 der nordrhein-westfälischen AfD heißt es: „Inklusion schadet Kindern sowohl mit als auch ohne besonderen Förderbedarf“ (13). Im Wahlprogramm der AfD Brandenburg von 2019 fordert die Partei: „Wir wollen Förderschulen und keine Inklusion“ (14).

Während bei weitgehender Ablehnung der Inklusion die eigene Position euphemistisch als ‚im Interesse der Kinder‘ dargestellt wird, werden Pro-Inklusion-Positionen vielfach dämonisiert, als inhuman und Ideologiegeleitet konstruiert.

Die AfD suggeriert, die – so von ihr bezeichneten – „Altparteien“ betrieben eine Ideologie auf Kosten von Menschen, während sie selbst im Interesse aller Schüler*innen (mit und ohne Behinderung), aber auch Eltern, Lehrer*innen und der gesamten Gesellschaft agiere.

Drei Hauptnarrative gegen Inklusion

In den untersuchten AfD Parteiprogrammen wiederholen sich drei Narrative:

1. „Kosten“ und „Folgekosten“

Vielfach werden „erhebliche Kosten“ (15) der Inklusion konstruiert und kritisiert. Im Jahr 2020 einigt sich die AfD-Bundespartei auf ein „Konzept zur Sozialpolitik“. Hier wird behauptet, dass Inklusion an Einheitsschulen den Wohlstand der gesamten Gesellschaft in Gefahr bringe: „Die sozialen Sicherungssysteme werden die Folgekosten nicht tragen können. Eine nachhaltige Verarmung und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten wird die unabweisbare Folge sein“ (16), behauptet die AfD. Deutlich wird: Menschen mit Behinderung bzw. deren Angehörigen wird vorgeworfen, auf Kosten der Gesellschaft zu leben und schuld an der Verarmung „breiter Bevölkerungsschichten“ zu sein, wenn sie auf gleichberechtigte Teilhabe bestehen.

Gleichzeitig widersprechen sich Positionen der AfD: 

Einige Landesverbände nutzen das Kostenargument gegenteilig: „Inklusion darf nicht als Alibi dafür herhalten, die Kosten im sozialen Bereich etwa durch Schulschließungen senken zu wollen“, heißt es z.B. beim Landesverband Schleswig-Holstein. Manche Landesverbände, wie die AfD Niedersachsen, argumentieren in einem Wahlkampf, dass Inklusion zu teuer sei, im darauffolgenden Wahlkampf, dass Inklusion nur durchgeführt werden würde, um auf Kosten der Schulen zu sparen. 

Zusammengefasst: Die „Kosten-Argumente“ in den Programmen der AfD dienen dazu, ihre ablehnende Haltung zur Inklusion mit vermeintlichen Sachargumenten zu unterfüttern – die kohärente Argumentation ist dabei eher zweitrangig. Neben Positionen, denen zufolge Inklusion zu teuer sei, stehen solche, die behaupten, dass bei Bildungsausgaben generell durch Inklusion gespart werden soll.

2. Fehlende Leistung und Förderung

Alle Programme enthalten die Position, Menschen mit Behinderungen mit einem erhöhten Förderbedarf seien an Förderschulen besser aufgehoben, da die notwendige Förderung nur dort möglich sei. 

Argumentiert wird vielfach mit realen Problemen im Bildungssystem wie große Klassen, Lehrer*innenmangel oder fehlende Finanzmittel für Schulen. In einigen Programmen wird implizit oder explizit behauptet, Schüler*innen mit Behinderungen mit einem erhöhten Förderbedarf würden das Leistungsniveau der gesamten Klasse oder weitergehend der Schule drücken. Inklusion hemme „behinderte wie nicht behinderte Schüler in ihrem Lernerfolg“, schreibt die AfD in ihrem 2016 beschlossenen Grundsatzprogramm. Zu Leidtragenden werden vielfach Schüler*innen ohne Behinderung stilisiert: „Auch junge Menschen ohne Beeinträchtigungen haben das Recht auf bestmögliche Förderung“ (17). 

Während in Wahlprogrammen Positionen in Teilen ausformuliert werden, spitzt die AfD ihre Inhalte in Interviews, in Reden oder in SocialMedia zu. Solche Zuspitzungen zeigen in manchen Punkten die Kernpositionen und das Weltbild der AfD deutlicher als die Wahlprogramme – so auch zu Inklusion und Leistungsdenken: So spricht der nordrhein-westfälische AfD-Landtagsabgeordnete Carlo Clemens davon, dass die „ideologisch motivierte Inklusion“ „eine klare Absage an das Leistungsprinzip“ sei. Clemens macht zudem in einer Presseerklärung der Bundes-AfD „linksgrüne Bildungsexperimente, von Einheitsschule bis Inklusion“ (18) für das schlechte Abschneiden deutscher Schüler*innen bei der PISA-Studie verantwortlich. Ähnliches schreibt Markus Frohnmaier, Spitzenkandidat der AfD in Baden-Württemberg, für die Landtagswahl auf Facebook: „Leistungsprinzip statt Inklusion und Kuschelunterricht!“ (19). Er impliziert hiermit, Menschen mit Behinderung seien größtenteils nicht leistungsfähig. Dies illustriert er auch im verwendeten Bild seines Facebook-Postings: Es zeigt eine Schultafel, auf der zum einen komplexe mathematische Formeln das Leistungsprinzip darstellen sollen und zum anderen Kinderzeichnungen die Inklusion.

3. Homo- vs. Heterogenität

Homogenität ist ein zentraler Bestandteil rechtsextremer Ideologie – vor allem bezogen auf eine ethnische bzw. nationale Homogenität in ‚Volk‘ und Gemeinschaft. Das (frühere) Institut für Staatspolitik (IfS) gilt als „Einflüsterer“ von Björn Höcke und als wichtigster Think Tank im Umfeld der AfD. Inzwischen hat sich das IfS offiziell aufgelöst, jedoch agieren die Strukturen mit ihren Nachfolgeorganisationen unter den Namen Menschenpark Veranstaltungs UG und Metapolitik Verlags UG weiter und haben nicht an Bedeutung verloren. Dieser für die AfD zentrale Think Tank schrieb in Bezug auf Homogenität und Menschen mit Behinderung: „Homogenität wird in erster Linie dadurch erreicht, daß das Andere als anders erkannt und diszipliniert oder ausgeschlossen wird. Der Maßstab für das Anders-Sein kann variieren, eher strenger oder eher sanfter Natur sein. Grundsätzlich gilt aber, daß man den, der wegen körperlicher oder seelischer Abweichung der Normalität widerspricht, absondert oder eliminiert“ (20). Diese Definition für das IfS verfassten hauptverantwortlich Karlheinz Weißmann und Erik Lehnert. Lehnert ist seit 2024 Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion in Brandenburg (21). Er prägt also den inhaltlichen Kurs der AfD wesentlich mit. Hier wird im unmittelbaren Umfeld der AfD von Vernichtung und Eliminierung dessen, was als „Unnormal“ konstruiert wird, geredet. Zudem wird dies als notwendige Praxis im Umgang mit dem Heterogenen benannt. Homogenitätsbestrebungen in der extremen Rechten sind stets vor dieser Folie zu betrachten.

Die AfD überträgt ihre Vorstellung von Homogenität in den Abschnitten ihrer Wahlprogramme, in denen es um Bildung geht, auch als Voraussetzung für Schulerfolg: Im Wahlprogramm der AfD Bremen von 2023 heißt es: „Die inklusive Beschulung steigert die Heterogenität der Klassen zusätzlich und erschwert den bedürfnisgerechten Unterricht signifikant“ (22). Bei der AfD Hamburg im Wahlprogramm von 2020 klingt es ähnlich: „Eine homogene Zusammensetzung [der Schulklassen J.R.] ermöglicht […] eine effektivere Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten sowie eine höhere Vertiefung der Lerninhalte. Dies liegt letztlich im Interesse aller, der Leistungsstarken wie der Leistungsschwachen“ (23).

Nicht nur im Bildungsbereich betrachtet die AfD Homogenität stets positiv, Heterogenität stets negativ.

Fazit

Die Sprache und die damit intendierte Praxis der AfD bei den Themen Behinderung und Inklusion ist zumindest in Teilen von deutlicher Menschenverachtung geprägt. AfD-Wahlprogramme benennen Schüler*innen mit Behinderungen fast durchgehend als Belastung der Gesellschaft und des Bildungssystems.

Die AfD ist jedoch nicht so ohne Weiteres bei den Gegner*innen der Inklusion zu verorten. Ihr geht es auch nicht um das beste Konzept, wie Menschen mit Behinderung volle gesellschaftliche Teilhabe gewährt werden kann. Für die AfD ist Inklusion Teil eines Kulturkampfes. Den Befürworter*innen wird unterstellt, sich mit Absicht gegen das Wohl von Schüler*innen (mit und ohne Behinderung), Lehrer*innen und Eltern zu stellen. Ihr Politikansatz, auch bei der Inklusion, ist nicht in demokratischen Maßstäben messbar, da sich die Partei nicht in einem demokratischen Wettbewerb um die besten politischen Konzepte verortet, sondern sich in einem weltanschaulichen Kampf zwischen „Gut“ gegen „Böse“ wähnt. Inklusion verortet sie eindeutig im Bereich des zu bekämpfenden Bösen.

Zum Autor

Jan Riebe, Diplom-Sozialwirt, arbeitet seit 2008 als Referent zu den Themen Antisemitismus und Rechtsextremismus in der Amadeu Antonio Stiftung. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: parteiförmiger Rechtsextremismus, Umgang von Vereinen und Verbänden mit Rechtsextremismus und „Neue“ Rechte.

Bild: Jan Riebe lächelt offen. Er hat dunkle, grau-blaue Augen und kurzes, braun meliertes Haar mit Geheimratsecken. Seine große Brille mit dunklem Rahmen passt farblich zu seinem dunkelblauen Shirt. Foto: Amadeu Antonio Stiftung.

Quellen

(1) AfD (2016). Programm für Deutschland. Das Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland. URL: https://www.afd.de/grundsatzprogramm/ [letzter Abruf 27.11.2025]

(2) tagesschau.de vom 07.11.2023: Verfassungsschutz AfD Sachsen-Anhalt "gesichert rechtsextremistisch". URL: https://www.tagesschau.de/eilmeldung/afd-sachsen-anhalt-rechtsextremistisch-100.html [letzter Abruf 27.11.2025]

(3) Facebookseite vom Deutschlandkurier. Videointerview mit Hans-Thomas Tillschneider (AfD) vom 23.05.2025: Die CDU hat keine Toleranz verdient! URL: https://www.facebook.com/watch/?v=1249311449906436 [letzter Abruf 27.11.2025]

(4) Tolmein, Oliver (2024): Höchst normal gefährlich. Der Kampf der AfD gegen Inklusion zeigt ihr Ressentiment gegen Menschen mit Behinderungen. URL: https://verfassungsblog.de/inklusion-menschen-mit-behinderungen/ [letzter Abruf 12.12.2025]

(5) AfD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern (2021). Wahlprogramm Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern 2021. MV will leben! URL: https://www.leif-erik-holm.de/wp-content/uploads/2022/03/Landeswahlprogramm-2021.pdf [letzter Abruf 12.12.2025]

(6) AfD-Landesverband Schleswig-Holstein (2022). Wahlprogramm der Alternative für Deutschland zur Landtagswahl 2022 in Schleswig-Holstein. URL: https://www.abgeordnetenwatch.de/sites/default/files/election-program-files/wahlprogrammafdsh2022.pdf [letzter Abruf 12.12.2025]

(7) AfD-Landesverband Sachsen (2021). REGIERUNGSPROGRAMM DER ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND ZUR LANDTAGSWAHL SACHSEN 2019. Trau Dich Sachsen. URL: https://afdgoerlitz.de/wp-content/uploads/2019/07/RWP_190618.pdf [letzter Abruf 12.12.2025]

(8) taz.de vom 30.05.2024: Rechter Angriff in Mönchengladbach. „Wie findet Herr Scholz das?“. Interview mit Özgür Kalkan. URL: https://taz.de/Rechter-Angriff-in-Moenchengladbach/!6013997/ [letzter Abruf 27.11.2025]

(9) MDR THÜRINGEN, 09.08.2023: Sommerinterview 2023 mit Björn Höcke (AfD). URL: https://www.youtube.com/watch?v=3xRbkDBPNsI [letzter Abruf 08.12.2023, inzwischen wurde das Video auf YouTube gelöscht]

(10) Ebenda

(11) Ebenda

(12) Kanal Schnellroda (2023). Über Sommerinterviews, Lektüren und den Zustand der AfD. Folge 36 „Am Rande der Gesellschaft“. URL: https://www.youtube.com/watch?v=zmA4ABhnch8 [letzter Abruf 12.12.2025]

(13) AfD - Landesverband Nordrhein-Westfalen (2017). FÜR UNSERE FAMILIEN UND UNSERE HEIMAT. Wahlprogramm der AfD für die Bürger Nordrhein-Westfalens. URL: https://www.wahlprogramme-vergleichen.de/media/programme/afd_landtagswahl_nrw_2017.pdf [letzter Abruf 27.11.2025] 

(14) AfD - Landesverband Brandenburg (2019). Landtagswahlprogramm für Brandenburg 2019. Hol Dir dein Land zurück! [nicht mehr online abrufbar]

(15) AfD (2016). Programm für Deutschland. Das Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland. URL: https://www.afd.de/grundsatzprogramm/ [letzter Abruf 27.11.2025]

(16) AfD (2020). Konzept zur Sozialpolitik. Beschlossen auf dem 11. Bundesparteitag in Kalkar am 28. und 29.11.2020. URL: www.afd.de/sozialkonzept/ [letzter Abruf 12.12.2025]

(17) AfD - Landesverband Hessen (2018). AfD Hessen Wahlprogramm Landtagswahl 2018. Hessen. Aber sicher! URL: https://www.abgeordnetenwatch.de/sites/default/files/election-program-files/afd_wahlprogramm_he2018-web_0.pdf [letzter Abruf 27.11.2025]

(18) AfD (2023). Carlo Clemens: Linksgrüne Bildungsexperimente verantwortlich für desaströses Abschneiden deutscher Schüler bei Pisa-Studie, Pressemitteilung vom 05.12.2023. URL: https://www.presseportal.de/pm/110332/5665289 [letzter Abruf 27.11.2025]

(19) Markus Frohnmaier (2018). Leistungsprinzip statt Kuschelunterricht! URL: https://www.facebook.com/frohnmaier/posts/leistungsprinzip-statt-kuschelunterrichtseit-2011-sinkt-das-bildungsniveau-in-ba/1965846260332184/ [letzter Abruf 27.11.2025]

(20) Lehnert, Erik und Weißmann, Karlheinz (Hrsg.) 2. Aufl. 2018: Staatspolitisches Handbuch Band 1: Leitbegriffe, Schnellroda, Verlag Antaios, S. 80 f.

(21) taz (2025): Rechtsextremes Sommerfest in Schnellroda. AfD-naher Ideologe predigt Umsturz. taz-online vom 15.07.2025. URL: https://taz.de/Rechtsextremes-Sommerfest-in-Schnellroda/!6097381/ [letzter Abruf 12.12.2025]

(22) AfD - Landesverband Bremen (2023). Programm des Landesverbandes Bremen der Alternative für Deutschland zur Bürgerschaftswahl 2023. Bremen. Sicher und Sozial. URL: https://www.afd-bremen.de/programmatik/wahlprogramm-2023 [letzter Abruf 27.11.2025]

(23) AfD - Landesverband Hamburg (2020). Wahlprogramm der AfD Hamburg für die Bürgerschaftswahl 2020. URL: https://afd-hamburg.de/wp-content/uploads/2020/01/Bu%CC%88rgerschaftswahlprogramm-2020-der-AfD-Hamburg.pdf [letzter Abruf 27.11.2025]

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T. Büchner: Trotzdem weiter mit Leidenschaft dabei - Nachdenken über mein politisches Engagement

Von Thorsten Büchner

Während ich an diesem Artikel schreibe, neigt sich die Wahlperiode der Marburger Stadtverordnetenversammlung stark dem Ende entgegen und die „heiße Phase“ des Kommunalwahlkampfs, mitten im Winter, steht unmittelbar bevor. Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen. 

Seit 17 Jahren bin ich Mitglied der Marburger Stadtverordnetenversammlung. Seit zehn Jahren habe ich die Ehre, als stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher das gesamte Haus zu repräsentieren und regelmäßig Parlamentssitzungen zu leiten. Seit 2019 bin ich Parteivorsitzender der Marburger SPD. Über meine Erfahrungen als blinder Kommunalpolitiker habe ich hier im horus schon ab und zu berichtet.

Bevor ich im vergangenen Juli erneut zum Parteivorsitzenden gewählt wurde und mich wieder für eine Kandidatur zur Kommunalwahl im März 2026 entschloss, habe ich lange über mein politisches Engagement und meine Ämter nachgedacht. Ich muss schon einräumen, dass ich manchmal damit hadere. An durchschnittlich drei bis vier Abenden pro Woche bin ich – nach Feierabend – in der Stadt unterwegs, nehme an Gremiensitzungen teil, besuche Veranstaltungen und bin in der Marburger SPD auf Versammlungen und Meetings unterwegs. Oftmals auch am Wochenende. Die Termindichte hat sich bei meinen vielen Ämtern eigentlich nicht verändert. Was ich allerdings wahrnehme, ist, dass die Intensität, die Taktung der Themen und das politische Geschäft, selbst auf kommunaler Ebene, schneller, fordernder und irgendwie atemloser geworden ist als das noch vor fünf oder zehn Jahren der Fall war. In meinem beruflichen Alltag ist das ähnlich, was sich dann – vermutlich werden viele der Leser*innen das auch kennen – ungünstig auf die eigene Freizeit und notwendige Erholungsphasen auswirkt.

Deswegen habe ich mich gefragt: Machst du weiter? Lohnt sich die viele Zeit, die du in dein politisches Engagement steckst, überhaupt?

Sie werden die Antwort kennen. Denn vor einigen Zeilen habe ich verraten, dass ich mich wieder um ein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung beworben habe. 

Was mich neben der Atemlosigkeit und dem stets wachsenden Tempo der Anforderungen - auch an ehrenamtliche Kommunalpolitiker*innen - lange beschäftigt hat, war die Tatsache, dass sich in den letzten Jahren auch der Ton und die politische Kultur verändert haben. Damit kein falscher Eindruck entsteht: In Marburg werden die allermeisten Beschlüsse in der Stadtverordnetenversammlung einstimmig gefasst, mit den allermeisten Vertreter*innen der demokratischen Parteien kann man sich in der Sache hart streiten, ist aber (meistens) in der Lage, hinterher beim Kaltgetränk vernünftig miteinander zu reden. Trotzdem spüre auch ich in der Lokalpolitik das rauere Klima, besonders in den sozialen Medien. Ein Erlebnis hat sich mir hier besonders eingebrannt.

Irgendwann, es muss vor zwei oder drei Jahren gewesen sein, wurde in Marburg eine Debatte um die Errichtung eines neuen Baugebiets sehr kontrovers in der Stadtgesellschaft und der Politik diskutiert. Als dazu ein entscheidender Beschluss im Parlament gefasst werden sollte, hatte ich genau zu diesem Tagesordnungspunkt die Sitzungsleitung. Ähnlich wie im Bundestag oder in den Landtagen ist es auch bei uns im lokalen Parlament nicht gestattet, dass die Besucher*innen mit Beifall oder Missfallensbekundungen sich an der politischen Debatte der gewählten Stadtverordneten beteiligen dürfen. Das störte die Vertreter*innen einer Bürgerinitiative, die sich gegen das Baugebiet stark machten, jedoch nicht, und sie schimpften und riefen permanent lautstark dazwischen. Nach freundlichen Ermahnungen und Hinweisen meinerseits, das zu unterlassen, wurde ich beschimpft, als Autokrat tituliert und meine Legitimation als Sitzungsleitung hinterfragt: „Wer gibt Ihnen das Recht, da vorne zu sitzen? Wer hat Sie überhaupt gewählt?“ 

Es wurde so turbulent, dass ich die Sitzung unterbrechen musste, bis die Zwischenrufer den Saal unter Protest verließen. Nicht ohne „Ihr seid alle Verräter!“ lautstark in den Sitzungssaal zu schmettern.

Das mag sich jetzt vielleicht amüsant lesen. Es war für mich allerdings – das muss ich zugeben – eine beunruhigende Erfahrung. Nicht weil ich mich bedroht oder beleidigt gefühlt hätte. Sondern weil so viel Verachtung aus den Worten sprach. Ich muss erwähnen, dass es im Vorfeld der Entscheidung über das Baugebiet eine Vielzahl von Veranstaltungen der Stadtentwicklung gab, in der Kritik geübt werden konnte, Anregungen aufgegriffen und Fragen beantwortet wurden. Es wurden Kompromisse geschlossen, die für beide Seiten, die Befürworter und die Kritiker, nicht einfach waren. Deswegen ist mir diese Situation so sinnbildlich im Gedächtnis geblieben. Weil sie für mich zeigt, was oftmals verloren gegangen ist.

Für mich ist das Aushandeln von Kompromissen, das Miteinander sprechen, Kernstück der Demokratie. Dazu gehört auch, getroffene Entscheidungen zu respektieren, selbst wenn sie nicht der eigenen Auffassung entsprechen.

Eigene Meinungen und Interessen zu vertreten ist wichtig und legitim. Ich habe zunehmend das Gefühl, dass neben der eigenen Meinung leider oftmals kein Platz mehr für andere Sichtweisen herrscht. Das Verächtlichmachen des politischen Gegners hat auch leider in die Kommunalpolitik Einzug gehalten. Nicht unbedingt von den Vertreter*innen der politischen Parteien im Parlament selbst, aber gerade in sozialen Netzwerken hat das zugenommen. Einer meiner Fraktionskollegen wurde vor kurzem bedroht. Er hatte die Auffassung vertreten, dass Vertreter der als rechtsextrem eingestuften AfD nicht an Podiumsdiskussionen in Schulen teilnehmen sollten. Dafür wurde er auf der Facebook-Seite der entsprechenden Partei von Followern als Schwein karikiert und nach dem Motto „Wenn wir erst an die Macht kommen, wird er quieken wie ein Schwein“ bedroht. 

Das hat mich erschüttert, weil hier Grenzen überschritten wurden. Ich mache mir Sorgen, dass auch bei uns Vertreter*innen ins Parlament gewählt werden, die unter Nutzung des Parlamentarismus die Demokratie verächtlich machen und Unruhe stiften. Zwar sind und bleiben wir nur ein kommunales Parlament, aber das gesellschaftliche Gift, der Hauch von Kulturkampf, ist selbst auf einer so kleinen Ebene schon spürbar.

Gut zu wissen und beruhigend ist aber, dass in Marburg alle demokratischen Parteien, von der CDU bis hin zur Linken, zusammenstehen und klare Haltung zeigen.

Bei allem, was politisches Engagement so fordernd und anstrengend macht, bleibt es für mich trotz allem ein Privileg, meine eigenen Ideen einbringen zu dürfen. Mit anderen Menschen darüber in Austausch zu treten, dafür Zeit, Energie und Leidenschaft zu investieren, dass mein Lebensumfeld, die Stadt, in der ich lebe, Tag für Tag ein Stückchen besser wird. Selbst wenn es manchmal unendlich lange dauert, bis politische Ideen, die man in Antragsform ins Parlament eingebracht hat, zur Umsetzung kommen. Wenn das Aushandeln von Kompromissen das Kernstück der Demokratie ist, dann ist Geduld und Ausdauer die Voraussetzung dafür. Trotz allem – oder gerade deswegen – bin ich immer noch gerne mit Leidenschaft dabei. Weil es nach wie vor wichtig ist, sich zu engagieren, auch und gerade in der Kommunalpolitik. Auch und gerade als Mensch mit einer Behinderung. Teilhabe lohnt sich, nach wie vor. 

Bild: Konzentriert sitzt Thorsten Büchner als Sitzungsleiter während einer Stadtverordnetenversammlung mit leicht geschlossenen Augen am Tischmikrofon. Er hat dunkles Haar mit hoher Stirn, trägt eine Brille sowie zum dunkelblauen Jackett ein hellblaues Hemd. Foto: privat 

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A. Schneider, U. Hauschild, A. Gottschlich: Demokratie und Teilhabe - Schnittstellen zwischen dem BSVS e. V. und "der Politik" im Freistaat Sachsen

Von Andreas Schneider, Uwe Hauschild und Andreas Gottschlich (BSVS e. V.)

Dresden, im Dezember 2025

I. 

Die Frage der Teilhabe in einer Demokratie ist verfassungsrechtlich die nach den Schnittstellen als rechtlich und tatsächlich vorgesehene Möglichkeiten einer Kommunikation mit „der“ und somit Einflussnahme auf „die Politik“ durch u.a. die Bürgerinnen und Bürger sowie öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Organisationsformen in dem Staat.

1. 

Die in Deutschland staatsorganisationsrechtlich in Artikel 20 Grundgesetz (GG) bestimmte parlamentarische Demokratie wird zuvörderst gemäß Artikel 21 GG durch die politischen Parteien im Sinne des Gesetzes über die politischen Parteien (PartG) umgesetzt.

§ 1 Absatz 1 PartG regelt als Ausfluss des Artikels 21 GG: „Die Parteien sind ein verfassungsrechtlich notwendiger Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Sie erfüllen mit ihrer freien, dauernden Mitwirkung an der politischen Willensbildung des Volkes eine ihnen nach dem Grundgesetz obliegende und von ihm verbürgte öffentliche Aufgabe“ (Link: § 1 PartG - Einzelnorm).

2. 

Nach dem Gewaltenteilungsprinzip des Artikels 20 GG findet Politik originär in der gesetzgebenden Gewalt (Legislative) statt. Mithin unmittelbar durch die im Bundestag und Bundesrat sowie in den Landtagen, dem Abgeordnetenhaus (Berlin) und der Bürgerschaft (Bremen, Hamburg) vertretenen Parteien.

In den Zuständigkeiten der vollziehenden Gewalt (Exekutive) werden die Bundes- bzw. Landesgesetze vollzogen, also im Verhältnis zu ihren Adressaten umgesetzt. Zugleich nehmen die Bundes- bzw. Landesregierungen als Spitze ihrer jeweiligen Verwaltung ein bedeutendes Gesetzgebungsinitiativrecht wahr, wodurch ebenfalls Politik unter maßgebender Beteiligung der Parteien stattfindet.

Die rechtsprechende Gewalt (Judikative) durch die Gerichte der Länder und des Bundes in den fünf Gerichtsbarkeiten sowie der Verfassungsgerichtsbarkeit hingegen nimmt durch die Verfassungsgerichte zwar verfassungsrechtliche Prüfungen vor (z.B. Vereinbarkeit eines Gesetzes mit höherrangigem Verfassungsrecht oder Auslegung einer Verfassungsregelung), die wie politische Einflussnahmen wirken – jedoch wegen des Gebotes der richterlichen Neutralität politisch nicht motiviert sind und auch nicht sein dürfen.

3. 

Die Gemeinden (Städte), Gemeindeverbände und Landkreise sind als selbständige rechtsfähige kommunale Gebietskörperschaften des öffentlichen Rechts Teil der in Bund, Länder und Gemeinden gestuften Exekutive. Sie führen Gesetze aus – haben jedoch keine Kompetenz formelle Gesetze zu erlassen. Durch ihre Organe, z.B. den Gemeinderat, können sie (lediglich) im Rang unterhalb von Gesetzen stehende Satzungen und Verordnungen im Rahmen ihrer kommunalen Zuständigkeiten erlassen. Die Gemeinden sind verfassungsrechtlich durch die kommunale Selbstverwaltungsgarantie des Artikels 28 Absatz 2 GG besonders geschützt (Link: Art 28 GG - Einzelnorm).

Die politischen Parteien sind gleichfalls auf der kommunalen Ebene stark und aktiv vertreten und leisten politische Arbeit und Einflussnahme in den politischen Wahlämtern, Organen und Gremien. Über u.a. ihre kommunalen Spitzenverbände, z.B. den jeweiligen Städte- und Gemeindetag, werden bedeutende Gesetzgebungsinitiativen an die Landesregierungen getragen.

II. 

Zur Frage der Teilhabe in einer Demokratie für einen eingetragenen gemeinnützigen Verein, vorliegend im Freistaat Sachsen:

1. 

Der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e. V. (BSVS) ist als privatrechtlicher gemeinnütziger Verband der Selbsthilfe gemäß seiner Satzung, seiner tatsächlichen Geschäftsführung und im realen Verbandsleben, heißt in seinen Innen- sowie Außenverhältnissen, politisch neutral. Das zwingende Gebot der politischen Neutralität folgt aus den Vorschriften der Abgabenordnung über die Gemeinnützigkeit und umfasst die politischen Parteien.

Ein gemeinnützigkeitsrechtlich erlaubtes, gezieltes politisches Engagement findet proaktiv bei den Themen statt, die unsere satzungsgemäßen Zwecke und Aufgaben betreffen. Denn dafür gibt es uns, dafür muss es uns geben und dafür setzen wir uns gemeinsam im Interesse unserer Mitglieder und der spezifisch betroffenen Menschen mit Verstand, Kraft und Ausdauer ein.

2. 

Auf dem Verbandsrat des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV) ist am 24. Mai 2024 in Düsseldorf eine Resolution als Appell mit dem Titel „Inklusion braucht Demokratie und Demokratie braucht Inklusion: Gemeinsam gegen rechtsextreme Kräfte“ mit den Stimmen auch des BSVS beschlossen worden (Link: Inklusion braucht Demokratie und Demokratie braucht Inklusion: Gemeinsam gegen rechtsextreme Kräfte - Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.); ein notwendiges, deutliches Zeichen nicht nur aus der DBSV-Familie.

3. 

Zugleich ist seitens der Politik eine klare Positionierung im vorgenannten Sinn erfolgt: Auf der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) im Oktober 2024 in Leipzig haben die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder in der „Leipziger Erklärung“ als TOP 1 ihres Beschlusses, erneut die Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe bekräftigt sowie den Abbau von Barrieren und die Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen unter Bezugnahme auf die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gefordert (Link: Konferenz der Beauftragten von Bund und Ländern für Menschen mit Behinderungen verabschiedet »Leipziger Erklärung«).

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte vor Beginn der MPK: "Wir wissen, dass eine Gesellschaft nur gerecht sein kann, wenn sie inklusiv ist".

4. 

Der Landesbeauftragte für Inklusion mit zentralem Sitz in der Sächsischen Staatskanzlei ist eigens geschaffen, um die Interessen betroffener Menschen gegenüber „der Politik“ zu vertreten. Damit hat Sachsen eine Vorreiterrolle inne.

Dessen Zielstellung unterscheidet sein Amt von einem Inklusionsbeauftragten des Arbeitgebers, welcher ihn mit seiner Bestellung in Angelegenheiten schwerbehinderter Menschen verantwortlich und umfassend vertritt, § 181 Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX).

Mit dem seit Dezember 2021 berufenen Herrn Michael Welsch als Sächsischem Beauftragten für Inklusion der Menschen mit Behinderungen steht der BSVS in einem regelmäßigen, wichtigen und guten Austausch. Herr Welsch war u.a. Gast und Vortragender auf unserer Landesdelegiertenkonferenz im November 2022 sowie auf dem Aktionstag im Oktober 2024 „Augenmerk auf … Prävention und Rehabilitation“ im Hygienemuseum Dresden.

5. 

Der BSVS ist auf Landesebene über den Landesvorstand, sowie auf Ebene seiner Untergliederungen, den Kreisorganisationen und Regionalgruppen, über die Kreisvorstände und Leiter der Regionalgruppen, sachsenweit in der Kommunikation mit den unterschiedlichen Zuständigkeiten der Exekutive auf Landes- und kommunaler Ebene proaktiv tätig.

Der Landesvorstand steht im Weiteren mit Parteien und Abgeordneten des Sächsischen Landtages in einem fast schon regelmäßig zu nennenden Austausch. Dabei geht es u.a. auch weiterhin um eine angemessene Höhe des Sächsischen Landesblindengeldes sowie dessen Dynamisierung.

6. 

Für ein wechselseitiges Kennenlernen sowie Verstehen und Verständnis, sowohl der Situation und Belange von blinden und seheingeschränkten Menschen als auch verantwortungsvoller Politik, laden wir Vertreter der Parteien, Funktionsträger und Interessierte gerne in die Einrichtungen unseres Verbandes ein. Bei auch politischen Gesprächen – z.B. in der Aura Pension Villa Rochsburg, in den spezifischen Pflegeheimen „Schlossblick Rochsburg“ und „Haus Abendsonne“ im romantisch-idyllischen Rochsburg bzw. Göhren sowie im Landeshilfsmittelzentrum am Verbandssitz in Dresden mit seinen mannigfachen, qualifizierten und sich ergänzenden Beratungsangeboten BPA, LowVision und EUTB – haben wir durch die Inaugenscheinnahmen und unsere Expertise eine glaubhafte und glaubwürdige Überzeugungskraft auf unserer Seite.

7. 

Zur Kommunikation der Interessen blinder und seheingeschränkter Menschen sind wir als Verband in einem beständigen sachorientierten Austausch. Wir sprechen mit jedem, der auf uns zukommt, und suchen aktiv das Gespräch zu allen demokratischen Parteien. Die Orientierung an der genannten Resolution des Verbandsrates des DBSV ist dabei wichtig und richtig. Als Landesverband haben wir tatsächlich einmal deutlich gemacht, uns parteipolitisch nicht vereinnahmen oder zur eigenen Profilierung benutzen zu lassen.

8. 

Da auch unsere Mitglieder einen Querschnitt der Gesellschaft abbilden, gibt es somit Kontakte in unterschiedliche weltanschauliche Richtungen. Diesen Fakt gilt es freiheitlich demokratisch zu tolerieren. Auch, um die Bindung als Betroffene an unseren Verband bestehen zu lassen.

III. Fazit

Wenn in früheren Zeiten auf einer Agora wie selbstverständlich ein politischer Austausch niedrigschwellig stattfinden konnte, sind die heutigen, tatsächlichen Voraussetzungen für eine eigene wirksame Teilhabe an demokratischen Willensbildungsprozessen über die Politik, mithin über die Parteien, deutlich komplexer geworden. Dies gilt für die Anbahnung von Gesprächen wie erst recht für eine politische Akzeptanz der sachlich-inhaltlichen Anliegen.

Die verbindlich vorgegebenen rechtlichen Kodifizierungen – z.B. in der UN-BRK – und darauf bezogene hochrangige klare politische Erklärungen stehen in wesentlichen Teilen in einem krassen Widerspruch zu ihren zögerlichen und unzureichenden Umsetzungen durch die hierfür zuständige Politik, namentlich die regierungsbeauftragten Parteien.

Zum Autorenteam

Andreas Schneider ist Landesvorsitzender und Uwe Hauschild erster stellvertretender Vorsitzender des Landesvorstandes des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen e. V. Andreas Gottschlich ist Fördermitglied und Berater des Landesvorstandes. 

Die Koordinierungsstelle des BSVS e.V. befindet sich in Dresden und ist unter der Telefonnummer 0351 80 90 6-11, E-Mail: info@bsv-sachsen.de, erreichbar, zur Webseite geht es hier: https://www.bsv-sachsen.de/.

Bild: (Von links nach rechts:) Andreas Schneider, Andreas Gottschlich und Uwe Hauschild stehen nebeneinander vor einer Fläche mit DBSV-Logo. Foto: BSVS

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T. Büchner: "Nie aufs Kopfkissesn zurückfallen" - "Erfinde dich immer neu, DVBS" - Ein Gespräch mit Wolfgang Angermann und Elias Knell über ihre Arbeit als DVBS-Geschäftsführer

horus (h): Wie kam es eigentlich dazu, dass sich der DVBS entschloss, eine hauptamtliche Geschäftsführung einzurichten, und wie kamen Sie dann zu diesem Job, Wolfgang Angermann?

Angermann: Ich bin 1966 in den damaligen VbGD („Verein der blinden Geistesarbeiter Deutschlands“) eingetreten. Einer meiner blinden Lehrer aus Marburg hat mich dafür geworben. Die 150 Mark Semesterhilfe, die alle Studierenden vom Verein damals bekamen, waren natürlich hilfreich, um diesen Schritt zu tun. 1971 gab es dann in NRW einen Einstellungsstopp für blinde Juristen. Da habe ich dann begriffen, wie wichtig Selbsthilfe ist. Als Aktiver in einer Studierendengruppe wurde ich regelmäßig in den DVBS-Vorstand eingeladen. Ich dachte mir dann: Es wäre doch etwas Tolles, den Verein, dem ich als Mitglied angehöre, professionell aufzustellen und hauptamtlich zu arbeiten. Damals bestand die „Geschäftsstelle“ aus einer Bürokraft, die in einem Räumchen unter der blista-Mensa die Mitgliederkartei verwaltete und die Post für den Verein erledigte. Seit 1977 war ich dann Geschäftsführer, 16 Jahre lang. Die Literaturversorgung für blinde Studierende zu koordinieren, war eine meiner ersten Ideen. So entstand der Aufsprachedienst des DVBS. Die Geschäftsstelle wuchs nach und nach, zog mehrfach um und ist nun schon lange an ihrem heutigen Standort in der Frauenbergstraße angesiedelt.

h: Gab es im Zuge der Professionalisierung Differenzen mit oder Skepsis bei den ehrenamtlichen Mitgliedern und Vorständen?

Angermann: Die Leute, die damals, Mitte der 1970er Jahre, im Vorstand aktiv waren, gehörten zur jungen Generation. Es wurde erkannt, dass etwas Neues entstehen muss. Weg von der Standesorganisation hin zur politischen Arbeit und zu moderner Selbsthilfearbeit.

h: Bevor wir gleich zu Ihnen, Herr Knell, kommen, noch eine Frage an Wolfgang Angermann. Gab es in dieser Pionierzeit so etwas wie Arbeitsalltag oder mussten Sie sich den Alltag selbst erfinden? 

Angermann: Ich habe mir viel selbst als Aufgabe gesucht. Einen großen Anteil an meiner Arbeit nahm die Einrichtung der Fachgruppen in Anspruch, da bin ich viel durch die Republik gereist und habe dabei unterstützt dieses Kernelement des Vereins mit aufzubauen. Für die Geschäftsstelle und generell den DVBS waren wir auch immer auf der Suche nach den aktuellsten Hilfsmitteln, die in meiner Zeit extreme Sprünge machten. Insgesamt haben sich meine Aufgabenfelder die Waage gehalten. Wenn man etwas als Verband bewegen möchte, muss natürlich viel in Koordination, personell und organisatorisch, in den Aufbau einer Geschäftsstelle gesteckt werden. Gleichzeitig war es enorm wichtig, den DVBS in unterschiedlichen Gremien zu vertreten und uns so bekannt und als Ansprechpartner sichtbar zu machen.

h: Herr Knell, Sie sind fast 50 Jahre später beim DVBS als Geschäftsführer eingestiegen. Haben Sie einiges von Wolfgang Angermann wiedererkannt oder hat das mit Ihrer heutigen Arbeit nichts mehr zu tun?

Knell: Wenn ich mir das so anhöre, dann muss ich schon sagen, dass ich mich, als ich 2023 zum DVBS kam, in ein sehr gut gemachtes Nest gesetzt habe. Geld für den Verein einwerben, die Finanzen verwalten sind natürlich auch heute noch wichtige Aufgaben. Wo ich schon einen Unterschied wahrnehme, ist die Auseinandersetzung mit Behörden oder Fördermittelgebern. Das ist heute sehr umfangreich und ist mit viel Bürokratie, Logistik und Organisationsaufwand verbunden. Das war früher sicherlich anders. 

h: Können Sie vielleicht einen klassischen Arbeitsalltag skizzieren?

Knell: Nein, das kann ich nicht generalisieren. Ich habe regelmäßigen Kontakt zu unseren Mitgliedern. Da geht es aber nicht so sehr um Beratungstätigkeiten, so wie früher, sondern eher darum, Vernetzung zu anderen Mitgliedern oder Partnern herzustellen. 

h: Wie kamen Sie als sehende Person, ohne direkten Bezug zum DVBS, zu Ihrer heutigen Tätigkeit?

Knell: Ich habe zwar in Marburg studiert, kannte daher ein wenig die blista, hatte aber, das muss ich ehrlich zugeben, bis zu meiner Bewerbung noch nie etwas vom DVBS gehört. Als ich von meiner Bewerbung bei meinem damaligen Arbeitgeber, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen, erzählte und einer der Wahlbeamten sich positiv über den DVBS äußerte, dachte ich mir: Wenn Dr. Andreas Jürgens den DVBS kennt und positiv davon spricht, dann wird das schon ein klasse Verband sein. Und er hatte Recht damit.

h: Unser Schwerpunktthema heißt „Demokratie und Teilhabe“. Überall ist von der gespaltenen Gesellschaft die Rede. Von Gruppen, die nicht mehr miteinander sprechen oder nicht mehr fähig zum Dialog sind. Wie sehen Sie das im DVBS? Ist der Verband hier auch Spiegelbild der Gesellschaft?

Angermann: Natürlich gab es zu meiner Zeit auch immer unterschiedliche politische Lager. Es ist aber eigentlich damals immer gelungen, dass sich aus Antrieb für die gemeinsame Sache geeinigt wurde. Laut Satzung ist der DVBS politisch neutral. Das bedeutet aber auch, dass bestimmte Grundprinzipien unverhandelbar sind, die wir in unserer Verfassung wiederfinden. Menschenwürde, Entfaltung der Persönlichkeit und so weiter. Das gilt natürlich auch für unsere Mitglieder. Wenn also jemand meint, auch in diesem Verein, sich gegen Vielfalt äußern zu dürfen, Rassismus äußern zu dürfen und Meinungsfreiheit nur als Einbahnstraße betrachtet, wäre für mich ein Punkt erreicht, wo man eine Mitgliedschaft infrage stellen muss.

Knell: Ich erlebe den DVBS als politisch homogener als die Gesellschaft insgesamt. Grund dafür sind nach meiner Beobachtung die gemeinsamen Ziele, viele biografische Überschneidungen und weniger widerstreitende Interessen. Der Zusammenhalt und die gemeinsame Identifikation mit den Zielen des Vereins sind schon recht hoch. Einem gesellschaftlichen Trend kann sich aber auch der DVBS nicht entziehen. Wie bei anderen Vereinen auch ist es schwieriger geworden, Menschen für ein längerfristiges Engagement im Verein, neben Beruf, Familie und Hobby, zu gewinnen. Da bildet der DVBS leider keine Ausnahme.

Angermann: Ich glaube, dass die Gleise gelegt sind, auf denen die Selbsthilfe erfolgreich fährt und weiterläuft. Da ist es natürlich verständlich und verlockend zu denken: Ach, es läuft doch, ich brauche mich nicht zu engagieren. Vergessen wird aber oft, dass es Leute braucht, die den Laden am Laufen halten. Zudem glaube ich, dass eine positive Entwicklung wie die Inklusion es erschwert, permanenten Nachwuchs für die Selbsthilfe zu generieren. Früher speisten sich die Aktiven oft aus den Blindenschulen, sehr viele auch aus der blista. Da tat man sich schon in der Schule zusammen und engagierte sich auch gemeinsam im Verein. Viele blinde oder sehbehinderte Schüler*innen aus der Inklusion haben kaum die Chance oder Möglichkeit, andere Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung zu treffen. Das erschwert ein gemeinsames Engagement. Deswegen ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Selbsthilfe, sich genau dort bekannt zu machen.

Knell: Ich kann diesen Eindruck, Herr Angermann, nur bestätigen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Aspekt Beruf und Bildung helfen könnte, quasi der DVBS als Karrierenetzwerk. Das könnte eine Chance sein. War der DVBS früher schon einmal in diese Richtung unterwegs?

Angermann: Wir hatten schon so eine Art Netzwerk. Wir haben im Beruf stehende Mitglieder mit Auszubildenden oder Studierenden vernetzt, ähnlich wie das heute ja auch noch geschieht. Und haben Broschüren veröffentlicht, die in den unterschiedlichsten Berufsfeldern aufgezeigt haben, wo und wie blinde Menschen in diesem Bereich arbeiten können.

h: Herr Knell: Wenn Sie zur Zeit von Wolfgang Angermann schon Geschäftsführer gewesen wären: Was hätte Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Knell: Aus den Erzählungen klingt es für mich so, als wäre die politische Arbeit damals interessanter und mit mehr Gestaltungsspielräumen versehen gewesen. Eben weil es eine ganz andere Zeit war und aus der Notwendigkeit heraus. Das klingt absolut spannend. Da hätte ich gerne ab und zu mal Mäuschen gespielt in dieser Pionierzeit.

h: Und bei Ihnen, Herr Angermann? Was würden Sie heute gerne als Geschäftsführer machen?

Angermann: Weil ich jahrelang internationale Arbeit gemacht habe, ist mir das ein absolutes Anliegen. Wir müssen begreifen, dass wir nirgends, auch nicht in der Selbsthilfe, mit nationalen Alleingängen weiterkommen. Wir müssen begreifen, dass es nur gemeinsam funktioniert.

h: Der DVBS wird dieses Jahr 110 Jahre alt. Wie hält sich ein Verband frisch, offen für neue Ideen und verhindert das Einstauben?

Knell: Ich erlebe es eigentlich nicht so, dass beispielsweise unsere Mitglieder Neuerungen gegenüber skeptisch eingestellt sind. Behutsam muss man dennoch vorgehen, gerade wenn es darum geht, über Jahre liebgewonnene Traditionen zu verändern oder zu reformieren. Notwendig ist das aber auf jeden Fall.

Angermann: Ich erlebe gerade viele Leute aus meiner Generation als ziemlich offen für Veränderungen und Neuerungen. Und um nochmal auf das Thema von fehlendem Nachwuchs zurückzukommen: Dass Selbsthilfe heute noch genauso wichtig ist wie früher, kann man allein daraus erkennen, dass in einem Programm einer Partei steht, dass Inklusion „auf ein gesundes Maß zurückgeführt“ werden soll. Da sollten eigentlich alle wach werden und nicht denken: Wozu soll ich mich noch engagieren, es läuft doch alles wie geritzt. Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Strukturen erhalten. Denn wenn sich die politische Lage einmal verändern sollte und solche Auffassungen mehrheitsfähig werden, müssen wir präsent und schlagkräftig sein. Wenn dann unsere Strukturen fehlen, weil niemand nachgewachsen ist, halte ich das für brandgefährlich.

h: Zum Schluss unseres Gesprächs. Was würden Sie dem DVBS zum Geburtstag 2026 wünschen und in die Glückwunschkarte schreiben?

Angermann: Wach bleiben, aktuell bleiben. Im übertragenen Sinne die Augen offenhalten und nie aufs Kopfkissen zurückfallen.

Knell: Das Bild mit dem Kopfkissen finde ich ziemlich treffend. Erfinde dich immer neu, DVBS. Und: Auf die nächsten 110 Jahre!

h: Herzlichen Dank, Wolfgang Angermann und Elias Knell, für dieses Gespräch.

Bilder: (li) Wolfgang Angermann, DVBS-Geschäftsführer von 1977-1993, spricht auf einer Veranstaltung der Europäischen Blindenunion (EBU) am Podiums-Mikrofon. Er hat grau meliertes Haar, grau-blaue Augen und trägt zum beigen Jackett ein grünes Hemd und eine Krawatte mit kleinen Rautenmustern. Für die EBU war er von 2011 bis 2019 als Präsident sowie 2022 bis 2024 kurzzeitig als Interimspräsident aktiv. Foto: EBU. (re) Elias Knell, DVBS-Geschäftsführer seit 2023, steht vor einem DVBS-Roll-up und lächelt, sein Handy liegt gesprächsbereit in der Hand. Er hat kurzes, zurückgekämmtes braunes Haar, braune Augen und trägt ein weißes Hemd mit offenem Kragen, die Ärmel hat er hochgekrempelt. Foto: DVBS

Bild: Logo des DVBS mit horus-Auge

Abb: Blaues Blumenstrauß-Piktogramm anlässlich des 110-jährigen Bestehens von DVBS und blista 2026.

Das horus-Interview führte Thorsten Büchner.

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Recht


Gemeinsame Stellungnahme des DBSV und DVBS zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Änderung des Behindertengleichstellungsgesetzes vom 19.11.2025

Der vorgelegte Referentenentwurf bleibt deutlich hinter unseren Erwartungen zurück. Dringend notwendige Reformen zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen werden erneut nicht angegangen. Insbesondere fehlen klare und justiziable Verpflichtungen zur Barrierefreiheit. Deutschland muss aber endlich barrierefrei werden - egal ob es um die Gesundheitsversorgung, die digitale Welt, das Arbeitsleben, die Mobilität oder das Wohnen geht, um Beispiele zu nennen. Das folgt aus dem Benachteiligungsverbot behinderter Menschen. Es ist aber auch schlichte Notwendigkeit, denn heute schon haben 16% der Bevölkerung eine Behinderung und dieser Anteil wird mit Blick auf die alternde Gesellschaft deutlich ansteigen. Ohne Barrierefreiheit werden sich die damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen nicht bewältigen lassen. Abgesehen davon ist Barrierefreiheit Ausdruck eines modernen Landes und Chance für bessere Produkte und Dienstleistungen, auch im internationalen Wettbewerb.

Wenn der Gesetzgeber schon nicht den Mut hat, der Wirtschaft durch klare Vorgaben zur Barrierefreiheit den Weg zu weisen, dann muss zum Schutz behinderter Menschen umso mehr sichergestellt werden, dass das individuelle Benachteiligungsverbot wirksam ausgestaltet wird. Zum Benachteiligungsverbot gehören dabei auch angemessene Vorkehrungen, die ihren Namen verdienen (siehe zu § 7).

Regelungen zur Barrierefreiheit und Nichtdiskriminierung müssen von Menschen mit Behinderungen und ihren Verbänden rechtlich effektiv durchgesetzt werden können. Das Behindertenrecht weist hier erheblichen Nachbesserungsbedarf auf. Auch dem vorliegenden Entwurf fehlen an den entscheidenden Stellen die Zähne (s. zu § 7, 12c, und 15).

Auch wenn der jetzt vorgelegte Entwurf an einigen Stellen durchaus kleine Schritte in die richtige Richtung macht, reichen die Regelungen bei weitem nicht aus, um die Teilhabe behinderter Menschen entscheidend voranzubringen. Der Entwurf ist daher dringend und deutlich nachzubessern. Insbesondere ist von nachteiligen Regelungen abzusehen.

Zusammenfassend fordern DBSV und DVBS:

  • Verschlechterungen für Menschen mit Behinderungen darf es nicht geben. Die benachteiligenden Regelungen in § 7 Abs. 3 Nr. 3 Satz 2, Abs. 5 Satz 2, Abs. 6 und § 7a Abs. 2 und 4 BGG_E sind zu streichen.
  • Die bisher in § 12c Abs. 1 BGG enthaltene Verpflichtung für öffentliche Stellen, verbindliche und überprüfbare Maßnahmen- und Zeitpläne zum Abbau bestehender digitaler Barrieren vorzulegen, muss erhalten bleiben. Die vorgesehene Streichung ist zurückzunehmen. Diese Berichte und die Ergebnisse der Überprüfung durch die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik müssen in deren Webauftritt veröffentlicht werden und für alle Betroffenen nachlesbar sein. Gleichzeitig sind die Aufgaben und Befugnisse der Überwachungsstelle zu stärken.
  • Das Zutrittsrecht mit Assistenzhund in § 12e darf nicht ausgehebelt werden. Der insoweit fehlerhafte Verweis in § 12e Abs. 2 auf § 7 Abs. 3 Nr. 2 BGG_E ist zu korrigieren, um Verschlechterungen zur bisherigen Rechtslage zu vermeiden.
  • Der Expertenkreis der Fachstelle für Barrierefreiheit ist zu erhalten.
  • Das Verbandsklagerecht ist zu erweitern und durch die Möglichkeit, auch Leistungs- und Unterlassungsklagen erheben zu dürfen, effektiv auszugestalten.“

(…)

Berlin, 08.12.2025

Die gemeinsame Stellungnahme zum BGGÄndG mit den näheren Ausführungen finden Sie auf der Webseite des DBSV oder des DVBS: https://dvbs-online.de/veroeffentlichungen/neuigkeiten (Eintrag vom 16.12.2025)

Der Referentenentwurf, auf den sich die Stellungnahme bezieht, steht als PDF-Datei unter: https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Gesetze/Referentenentwuerfe/gesetzes-zur-aenderung-des-behindertengleichstellungsgesetzes.pdf?__blob=publicationFile&v=2. Dort können auch die Umsetzungsschritte des Gesetzes verfolgt werden.

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Barrierefreiheit und Mobilität


R. Brell: NVDA Nachhaltig - Ein Projekt für unsere digitale Freiheit und Selbstbestimmung

Von Rainer Brell

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der der Zugang zu Informationen, zu Bildung und zum Arbeitsmarkt nicht von Ihrem Geldbeutel abhängt. Eine digitale Welt, in der das Werkzeug, das Ihnen den Bildschirm vorliest, nicht tausende von Euro kostet, sondern frei verfügbar ist – und noch dazu von einer Gemeinschaft getragen wird, die genau weiß, was Sie brauchen. Genau an dieser Vision arbeiten wir.

Ich freue mich, Ihnen heute das Projekt „NVDA Nachhaltig – Weiterentwicklung von NVDA für mehr digitale Teilhabe“ vorstellen zu dürfen. Ein Projekt, das nicht weniger zum Ziel hat, als die Hilfsmittellandschaft in Deutschland nachhaltig zu verändern, Vielfalt zu fördern und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein mächtiges Werkzeug an die Hand zu geben.

Was ist NVDA eigentlich?

Vielleicht haben Sie den Namen schon gehört, vielleicht nutzen Sie es sogar schon als „Bildschirmleser“. NVDA steht für NonVisual Desktop Access und ist ein kostenfreier, quelloffener Screenreader für das Betriebssystem Microsoft Windows. Das Besondere daran: Er wurde von Blinden für Blinde entwickelt. Die treibende Kraft dahinter ist die australische Organisation NV Access, gegründet im Jahr 2006 von Mick Curran, der selbst blind ist.

NVDA ermöglicht es uns, Computer genauso effektiv zu nutzen wie sehende Menschen. Es liest den Text auf dem Bildschirm mittels einer synthetischen Sprachausgabe vor und kann ihn gleichzeitig auf einer Braillezeile ausgeben. Dabei ist es enorm flexibel: Es unterstützt gängige Anwendungen wie Webbrowser (Firefox, Chrome, Edge), E-Mail-Programme, Internet-Chats und natürlich Office-Pakete.

Ein Baukasten-System für Ihre Bedürfnisse

Der vielleicht charmanteste Unterschied zu den großen, kommerziellen Platzhirschen ist die Philosophie hinter der Software. Man kann NVDA wunderbar mit einem Lego-Baukasten vergleichen. In der Grundausstattung ist es ein schlankes, rasend schnelles System, das „ab Werk“ alles mitbringt, was der durchschnittliche Anwender benötigt. Es bringt beispielsweise die Sprachausgabe eSpeak NG mit, unterstützt unter Windows 10 und 11 aber auch die natürlich klingenden Windows OneCore-Stimmen.

Aber was, wenn Sie mehr wollen? Wenn Sie spezielle Anforderungen haben? Hier kommen die sogenannten „Add-ons“ (Erweiterungen) ins Spiel. NVDA ist modular aufgebaut. Über den integrierten „Add-on Store“ (zu finden im Menü unter Werkzeuge) können Sie Funktionen nachrüsten, wie Sie es gerade brauchen. Sie möchten Text aus einem Bild erkennen (OCR)? Dafür gibt es ein Add-on. Sie möchten Ihren Bildschirm verdunkeln, um Privatsphäre zu haben? Auch das ist möglich. Sie benötigen Unterstützung für mathematische Formeln? Erweiterungen wie MathCAT machen es möglich.

Diese Modularität ist keine Schwäche, sondern die größte Stärke von NVDA. Sie laden Ihr System nicht mit Funktionen auf, die Sie nie nutzen, sondern bauen sich Ihren persönlichen, maßgeschneiderten Screenreader. Und da NVDA „Open Source“ ist, also der Quellcode für jeden einsehbar ist, kann theoretisch jeder, der programmieren kann, solche Erweiterungen schreiben und Fehler beheben.

Wer schreibt hier eigentlich?

Damit Sie wissen, wer dieses Projekt technisch leitet und warum mir dieses Thema so am Herzen liegt, möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Rainer Brell. Ich bin 1968 geboren, verheiratet und wohne im schönen Veitshöchheim bei Würzburg. Wie die meisten von Ihnen bin ich selbst betroffen: Ich bin seit meinem 21. Lebensjahr vollblind.

Nach meiner Erblindung habe ich nicht aufgegeben, sondern in Heidelberg den Beruf des Programmierers erlernt. Viele von Ihnen kennen mich vielleicht noch aus einer anderen Zeit: Ich habe 17 Jahre lang bei der Firma Baum Retec gearbeitet. Dort war ich im Support, in der Entwicklung und gut 12 Jahre lang als Produktmanager für die Screenreader Virgo und Cobra tätig. Ich kenne also die Welt der kommerziellen Screenreader in- und auswendig – von den technischen Tücken bis zu den Sorgen der Anwender.

Heute arbeite ich in der Abteilung Forschung und Entwicklung beim Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg. Dort darf ich mich nun zu 100 Prozent meiner Leidenschaft widmen: dem Projekt „NVDA Nachhaltig“. Es ist mir eine Ehre, meine Erfahrung aus fast zwei Jahrzehnten Screenreader-Entwicklung nun in ein Projekt einzubringen, das der Allgemeinheit zugutekommt.

„NVDA Nachhaltig“ – Was wir erreichen wollen

Das Projekt „NVDA Nachhaltig – Weiterentwicklung von NVDA für mehr digitale Teilhabe“ wurde vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) initiiert und wird maßgeblich von der Aktion Mensch gefördert. Das ausführende Organ ist das BFW Würzburg. Wir haben im Oktober 2024 gestartet und haben insgesamt drei Jahre Zeit, um Großes zu bewegen.

Aber was genau sind unsere Ziele?

1. Vielfalt statt Monopol 

Wir beobachten im Hilfsmittelmarkt eine zunehmende Monopolisierung. Wenn es nur einen großen Anbieter gibt, diktiert dieser Preise und Entwicklungstempo. Das ist in keinem Markt gesund. Wir wollen niemandem etwas wegnehmen – wer mit seinem Screenreader glücklich ist und ihn finanziert bekommt, soll ihn gerne weiter nutzen. Aber wir wollen eine echte, leistungsfähige Alternative etablieren. Falls Kostenträger eines Tages Leistungen kürzen sollten oder Sie privat einen Computer nutzen wollen, ohne tausende Euro zu investieren, soll NVDA bereitstehen.

2. Wissenstransfer und Dokumentation 

Ein mächtiges Werkzeug nützt nichts, wenn man nicht weiß, wie man es bedient. NVDA kommt aus dem englischsprachigen Raum (Australien). Viele hervorragende Anleitungen und Schulungsmaterialien waren bisher nur auf Englisch verfügbar. Ein Kernziel unseres Projekts ist es, diese Barriere einzureißen. Wir übersetzen hunderte Seiten an Dokumentation, Schulungsmodulen und Handbüchern ins Deutsche.

3. Aufbau einer Entwickler-Community

NVDA ist in der Programmiersprache Python geschrieben. Das ist eine der beliebtesten und am einfachsten zu lernenden Programmiersprachen der Welt. Wir wollen blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland befähigen, nicht nur Nutzer, sondern Gestalter zu sein. Wir wollen eine Gemeinschaft aufbauen, die selbst Erweiterungen (Add-ons) programmieren kann, um NVDA an spezielle Bedürfnisse im Beruf oder Alltag anzupassen.

4. Akzeptanz bei Arbeitgebern und Hilfsmittelfirmen 

Oft scheitert der Einsatz von NVDA am Arbeitsplatz an Vorurteilen der IT-Abteilungen („Open Source ist unsicher“). Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten, mit Hilfsmittelfirmen kooperieren und zeigen, dass NVDA auch in professionellen Umgebungen – etwa in Citrix-Systemen oder Behördennetzwerken – sicher und stabil läuft.

Was wir bereits erreicht haben – Eine Zwischenbilanz

Seit dem Start des Projekts waren wir nicht untätig. Ich möchte Ihnen einen Einblick geben, was wir gemeinsam mit der Community bereits auf die Beine gestellt haben.

Die große Nutzerumfrage 

Zu Beginn wollten wir nicht ins Blaue hinein arbeiten, sondern wissen, wo der Schuh drückt. Wir haben eine umfassende Umfrage mit 29 Fragen gestartet, an der sich 382 Personen beteiligt haben. Das Ergebnis war spannend: Der Markt in Deutschland ist ziemlich genau 50/50 geteilt. Etwa die Hälfte nutzt primär JAWS, die andere Hälfte bereits NVDA. Ein häufig genannter Wunsch war eine bessere Braille-Unterstützung und mehr Lernangebote. Diese Ergebnisse sind unser Kompass für die weitere Arbeit.

Ausbildung: Der Python-Kurs 

Da viele Anwender den Wunsch geäußert haben, selbst programmieren zu lernen, haben wir reagiert. Auf der E-Learning-Plattform BFW online haben wir einen barrierefreien Python-Kurs veröffentlicht. Es ist ein begleiteter Kurs, bei dem ich persönlich als Ansprechpartner zur Verfügung stehe. Hier lernen Sie das Handwerkszeug, um später eigene NVDA-Erweiterungen schreiben zu können. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe in ihrer reinsten Form.

Übersetzungsoffensive

Wir haben begonnen, die umfangreichen englischen Schulungsmaterialien von NV Access zu übersetzen. Das sind fast 700 Seiten Material, die wir Stück für Stück ins Deutsche übertragen, damit sie hierzulande genutzt werden können. Zudem lokalisieren wir wichtige Add-ons. Oft sind tolle Erweiterungen nur auf Englisch, Spanisch oder Italienisch verfügbar. Wir sorgen dafür, dass diese Add-ons Deutsch „lernen“ und somit für alle verständlich sind.

Wissen teilen: Die „Erklärbären“ 

Ein Highlight ist unsere Rubrik „Erklärbären“. Hier schreiben Nutzer für Nutzer. Es sind kurze, verständliche Anleitungen zu spezifischen Themen: Wie nutze ich OCR? Wie richte ich ein bestimmtes Add-on ein? Wir haben bereits über 30 solcher Anleitungen veröffentlicht. Es ist großartig zu sehen, wie die Gemeinschaft ihr Wissen teilt.

Spielerisch lernen 

Mehr als 70 abwechslungsreiche Fragen bieten die Möglichkeit, das eigene Wissen in unterschiedlichen Quizformen unterhaltsam zu festigen.

Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung 

Wir haben einen NVDA-Infobrief (Newsletter) etabliert, der mittlerweile tausende Leser erreicht. Wir sind auf WhatsApp präsent und aktiv im offSight-Forum. Wir haben einen Expertenrat gegründet, in dem sich Fachleute austauschen. Und wir waren auf großen Veranstaltungen wie der SightCity oder bei Online-Stammtischen von Hilfsmittelfirmen präsent, um Vorurteile abzubauen und Fragen zu beantworten.

Ein Ausblick: So geht es weiter

Wir haben noch viel vor. In der verbleibenden Projektzeit werden wir den Fokus auch auf Multimedia legen. Ich plane den eigenen YouTube-Kanal weiter auszubauen. „Warum Videos für Blinde?“, fragen Sie sich vielleicht. Ganz einfach: Oft sind es sehende Angehörige, Kollegen oder IT-Administratoren, die uns helfen wollen, aber mit einem schwarzen Bildschirm und Sprachausgabe überfordert sind. Videos, die zeigen, wie NVDA arbeitet, bauen Berührungsängste bei Sehenden ab und helfen ihnen, uns besser zu unterstützen.

Außerdem werden wir die Mailingliste speziell für angehende Add-on-Entwickler ausbauen, um die deutschen Programmierer zu vernetzen. Und natürlich arbeiten wir an der Fertigstellung unserer Projektwebseite nvda-nachhaltig.de, auf der all dieses Wissen zentral gesammelt und dauerhaft verfügbar bleiben soll.

Machen Sie mit!

NVDA lebt vom Mitmachen. Es ist ein Projekt von uns für uns. Sie müssen kein Programmierer sein, um zu helfen. Testen Sie NVDA, wenn Sie es noch nicht getan haben. Abonnieren Sie unseren Newsletter. Schreiben Sie vielleicht selbst einen kleinen „Erklärbär“-Text, wenn Sie einen tollen Trick herausgefunden haben. Oder sprechen Sie in Ihrem Verein oder Ihrer Firma über diese Alternative.

Monopolisierung tut keinem Bereich gut. Vielfalt tut uns allen gut. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft die Wahl haben, mit welchem Werkzeug wir die digitale Welt erobern.

Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit Ihnen weiterzugehen.

Herzlichst, 
Ihr Rainer Brell

Kontakt zum Projekt

Haben Sie Fragen, Anregungen oder möchten Sie den Newsletter abonnieren? Wir freuen uns über Ihre Nachricht!

Projektteam „NVDA Nachhaltig“ Berufsförderungswerk Würzburg 
E-Mail: nvda@bfw-wuerzburg.de 
Webseite: www.bfw-wuerzburg.de (Projektinfos) 
www.nvda-nachhaltig.de (im Aufbau)

Silvia Schlagmüller
Teamleiterin Forschung und Entwicklung
Tel.: 0931 9001-136

Rainer Brell
Programmierer
Tel.: 0931 9001-126

Anmeldung NVDA-Infobrief: 
lists.bfw-wuerzburg.de/subscription/form

Youtube-Kanal: 
www.youtube.com/@nvda-nachhaltig

Podcast: 
nvda-nachhaltig.podigee.io

NVDA herunterladen: 
Die Software erhalten Sie kostenfrei auf der Seite des australischen Entwicklers: www.nvaccess.org/download

Bild: Rainer Brell lächelt. Er hat kurzes, braunes Haar mit melierten Schläfen, eine spitze Nase und trägt ein hellblaues Hemd mit kleinen Mustern. Foto: privat

Bild: Grafik in Blautönen mit einem aufgeklappten Laptop unter dem Schriftzug „NVDA nachhaltig“ und „Weiterentwicklung NVDA für mehr digitale Teilhabe“ sowie drei weitere farblich abgegrenzte Symbole, z. B. ein Laptop mit Kopfhörer und Soundsymbol in einem Quadrat.

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Berichte und Schilderungen


G. Vecchione: Zeitenwende - Vom Leben nach der blista

Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank

Von Giuliano Vecchione 

Schule, Schule - Schule?

Meine Schulkarriere an der blista startete im September 2015. Ich kam zur 5. Klasse nach Marburg und wohnte die ersten beiden Jahre „Am Schlag" in einer Eingangswohngruppe des Internats. 2017 zog ich dann in eine Minderjährigen-Wohngruppe (MJG) in der Gutenbergstraße und wohnte dort bis zum Ende meiner blista-Zeit im Sommer 2021. Wer rechnen kann, merkt jetzt ganz schnell, dass meine Schullaufbahn zu Beginn der Oberstufe endete. Doch der Reihe nach.

In meiner Zeit an der blista war ich bekannt für mein großes Interesse an Autos, später kam noch das Interesse an der Finanzwelt hinzu. Vielleicht etwas ungewöhnlich für einen blinden Schüler mit nur noch einer geringen Lichtwahrnehmung, die mir aber bei der Orientierung oft ganz nützlich ist. Nach meinem Umzug von der Eingangsstufe in die MJG in der Gutenbergstraße wollte ich unbedingt selbständiger werden. Die Lage der Gutenbergstraße war für mich ideal. Geschäfte, öffentlicher Nahverkehr - alles befand sich in guter Erreichbarkeit. Ich begann diese Vorteile zu nutzen und lernte eifrig im Mobilitätsunterricht alle notwendigen Wege. Ich ging alleine einkaufen und nahm sämtliche Angebote des LPF-Unterrichts wahr: Kochen, Bügeln, Waschen und, und, und. Ich nahm mir früh vor, einmal alleine zu leben.

Zeitweise engagierte ich mich im Internatsrat der blista. Meine Aufgabe bestand darin, an der sogenannten PBK-Sitzung zusammen mit den Internatsleiter* innen und den Delegierten der Bereichskonferenzen teilzunehmen. Gab es seitens der Internatsbewohner* innen Themen, habe ich diese in der Sitzung als Delegierter eingebracht. Ich nahm diese Aufgabe sehr ernst und gewöhnte mich schnell daran Hemden zu tragen - ein Faible von mir. Ich greife schon mal vor: heute bin ich manchmal ganz froh, wenn ich die formelle Arbeitskleidung der Bank freitagabends gegen Jeans und T-Shirt eintauschen darf. Jedenfalls saß ich in dieser Zeit regelmäßig in der PBK, protokollierte fleißig mit meinem Laptop mit und lauschte internen Zusammenhängen. Doch mit der Zeit kam bei mir immer mehr das Bedürfnis auf, meine erlangte Selbständigkeit und mein Wissen in der Praxis Anwendung finden zu lassen. Ich fühlte mich fit für die Arbeitswelt da draußen. Ich wollte den Sprung wagen, auch wenn ich mir eigentlich vorgenommen hatte, einmal Abitur zu machen, um mit dem Reifezeugnis in der Hand, wie die meisten blistaner*innen, studieren zu gehen. Ein Jurastudium hatte ich mir vorgestellt. Aber es zog mich irgendwie nach draußen. Ich spürte einen Drang in mir nach Neuem, Aufregenderem und Interessanterem.

So bewarb ich mich zum Entsetzen meiner Eltern und einiger meiner Lehrer*innen in den Sommerferien des Jahres 2020 bei einigen Kreditinstituten für die Ausbildung zum Bankkaufmann. Dass so eine Ausbildung für mich kein Selbstläufer werden würde, war mir schon klar. Unterstützung erfuhr ich in dieser Zeit hauptsächlich durch die Betreuer*innen meiner Wohngruppe im Internat. Auch die RES stand mir mit ihren Beratungsangeboten zur Seite. Einer meiner Lehrer, der sich etwas in der Bankenbranche auskannte, meinte zu mir, dass ich mit meinem Anliegen, als blinder Schüler eine Ausbildung bei einer Bank zu machen, wohl eher chancenlos wäre. Sein Statement motivierte mich allerdings umso mehr, es zumindest einmal zu versuchen. Meine Neugierde, was alles so gehen würde, war geweckt. Ich musste es einfach probieren. Ich hatte ja nicht viel zu verlieren, denn ich konnte ja jederzeit zurück zur blista kommen, würde der Versuch, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen, scheitern. Zu dieser Zeit kam ein weiterer Wink des Schicksals hinzu. Eine Lehrerin der Carl-Strehl-Schule war mit einer wichtigen Entscheidungsträgerin der Volksbank Mittelhessen befreundet, was mir dort zu einem freiwilligen Praktikum verhalf. So konnte ich in die Welt der Banken hinein schnuppern. Dafür bin ich meiner Lehrerin heute noch sehr dankbar!

Und los geht´s!

Ich bewarb mich bei insgesamt acht Kreditinstituten um eine Ausbildungsstelle zum Bankkaufmann, darunter waren Sparkassen, aber auch Privatbanken. Alle Bewerbungen bei den Banken laufen online. Formulare und Unterlagen müssen hochgeladen, zahlreiche Textfelder müssen ausgefüllt werden und schon hat man sich beworben. Mein größtes Problem war es, die online gestellten Einstellungstests erfolgreich zu absolvieren. Hier bestand die Aufgabe darin, kleinere Aufgaben in kurzer Zeit zu bearbeiten. Rechenaufgaben, Geschicklichkeit, Stressresistenz und Allgemeinbildung wurden hier abgefragt. Das Hauptproblem: die Zeit! Ehe ich mich auf der Website zurechtgefunden, die Schaltflächen mit meinem Screenreader erkundet, geschweige die Aufgabe überhaupt gelesen hatte, war die vorgegebene Zeit längst verstrichen. Deshalb habe ich die Personalabteilungen der Banken angerufen, sobald ich die Zugangsdaten via Mail erhalten hatte. Ich machte barrierefreie Lösungsvorschläge wie den, eine PDF-Datei zu generieren, in der ich dann die Aufgaben bearbeiten könnte, oder sagte, dass ich auch gerne in die Bank käme, um die Aufgaben dort ohne zeitliches Limit zu bearbeiten. Kurz: es galt dicke Barrierebretter zu bohren, die sich in fast allen Fällen als dann doch zu massiv erwiesen. Keiner wollte sich wirklich auf ein anderes Bewerbungsverfahren einlassen. Damit musste man auch nicht zugeben, dass man es sich nicht vorstellen konnte, einen blinden Schüler zum Bankkaufmann auszubilden. Klar war ich enttäuscht – auch von den Verantwortlichen in den Banken. Aber aufgeben wollte ich noch nicht.

Ein Lichtblick

Ganz anders lief es dann mit dem Ausbilder bei der Deutschen Bank. Dieser hörte sich meine Schwierigkeiten mit der online-Bewerbung an, suchte mit mir gemeinsam nach Lösungen und fand diese auch. Ich merkte zum ersten Mal, dass da jemand wirklich bereit war, den Versuch zu wagen.

So kam es also, dass ich im September 2020 zu einem digitalen Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, das via Skype stattfand. An diesem Termin nahmen zwei Personalverantwortliche des Bankhauses teil. Es ging über zwei Stunden. Meine Zusage erhielt ich schon am nächsten Tag.

Dann ging für mich das Organisieren los. Ich musste mich rechtzeitig um diverse Dinge kümmern, wie eine Arbeitsassistenz und deren Kostenübernahme, Mobilitätstraining für meine Heimatstadt Köln, die Kostenübernahme der Arbeitsplatzausstattung, eine Wohnung und vieles mehr.

Aller Anfang ist schwer

Im August 2021 war es dann endlich so weit. Ich begann meine Ausbildung in der Hauptstelle der Deutschen Bank in Köln, in der ich auch heute noch tätig bin. Mein Arbeitgeber stellte mir im Vorfeld u.a. Laptop und ein eigenes Mobiltelefon zur Verfügung. Nun hieß es, meinen Arbeitsplatz selbst einzurichten. Ich verbrachte anfangs viel Zeit damit, die Technik zum Laufen zu bekommen. Die Installation von JAWS und weiterer Software gestaltet sich in einer Bank nämlich nicht so einfach. Hier gelten hohe Sicherheitsstandards.

Mein Einstieg in die Ausbildung bei der Deutschen Bank wurde mir durch einen blinden Kollegen, der kurz vor meinem Einstand nach 40 Jahren Tätigkeit in Pension verabschiedet wurde, erleichtert. Dieser Kollege stand mir noch eine Zeitlang mit Rat und Tat zur Seite. Er nannte mir u.a. geeignete Ansprechpartner bei Problemen. Das half mir sowohl bei technischen als auch bei persönlichen Fragen um einiges weiter.

Alles in allem wurde ich sehr herzlich von allen Kolleg*innen, Führungskräften und Verantwortlichen aufgenommen.

Barrieren lauerten überall. Meine Ausbildung zum Bankkaufmann gestaltete sich insbesondere im theoretischen Teil, der in der Berufsschule absolviert wird, nicht immer einfach. Die Schulbücher bekam ich Gott sei Dank über den kurzen Dienstweg im PDF-Format. Aber die Bearbeitung großer Tabellen voller Kennzahlen, Bilanzen, Jahresberichten, betriebswirtschaftlichen Auswertungen etc. brachten mich hier und da an meine Grenzen. Hinzu kam das rasante Tempo, in welchem es die Inhalte zu verstehen und anzuwenden galt.

Es gab Momente, in denen ich nah dran war, die Ausbildung abzubrechen, wären da nicht mein Ausbilder, die Berufsschullehrer*innen und die gut laufende praktische Ausbildung gewesen. Diese Aspekte verhalfen mir immer wieder, bis zum Ende durchzuhalten. Während meiner Ausbildung durchlief ich diverse Abteilungen. Neben dem klassischen Privatkundengeschäft umfasste dies die Beratung wertigerer Privatkunden und Geschäftskunden, sowie Beratungen für Baufinanzierungen.

Kurz vor der Ziellinie tauchte ein weiteres Hindernis auf: die Industrie- und Handelskammer, vor der ich die Prüfungen abzulegen hatte. Insbesondere bei der Abschlussprüfung brauchte es lange Verhandlungen, ehe der Nachteilsausgleich in allen Punkten genehmigt wurde. Ich durfte die Prüfung mit einem Laptop schreiben, der mit Screenreader und Braillezeile ausgestattet war. Die Prüfung war im beschreibbaren Word-Format organisiert worden. Barrierefrei war diese leider nicht gänzlich, an dieser Stelle durfte ich dann meine beantragte fachkundige Assistenz unterstützend einsetzen. Im Nachhinein bin ich froh, durchgehalten und die Ausbildung mit einer guten Note bestanden zu haben.

Am Ziel

Im Januar 2024 bekam ich dann die Belohnung für die gute, manchmal sehr anstrengende und mit vielen Hindernissen versehene Zeit. Ich bekam einen unbefristeten Vertrag und durfte einen guten Job im Bankhaus antreten. Ich bin heute noch am gleichen Standort tätig, in der Hauptstelle der Region Köln. Der Standort ist nur wenige Gehminuten vom Kölner Hauptbahnhof entfernt. Vor allem in der Ausbildung war das für mich sehr praktisch, weil alle wichtigen Abteilungen hier angesiedelt sind.

Fazit

Als blinder Mensch meinen (Traum-)Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, meine Idee Realität werden zu lassen, gestaltete sich anspruchsvoller als gedacht. Man braucht schon ein hohes Maß an Willensstärke, Enthusiasmus und Selbstständigkeit. Sind diese Voraussetzungen gegeben, ist das schon mal die halbe Miete. Darüber hinaus braucht es Arbeitgeber, die offen gegenüber den Herausforderungen sind, die mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung einhergehen. Nicht zuletzt muss es Verantwortliche geben, die bereit sind, uns bei den anderen, manchmal auch längeren Wegen zu begleiten, und in manchen Dingen mal von der Norm und vom üblichen Standard abzuweichen. Je mehr blinde Menschen bereit und willens sind, diesen oft beschwerlichen Weg zu gehen, umso einfacher wird es für die kommenden Generationen von Schulabgänger*innen der blista. 

Bild: Der Kölner Hauptbahnhof mit seiner Eingangsfront – von hier aus sind es praktischerweise nur wenige Gehminuten bis zum Arbeitsort des blinde Bankkaufmanns Giuliano Vecchione. Foto: pixabay / Didgeman

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Aus der Arbeit des DVBS


S. Hahn: Arbeitsassistenz in der DVBS-Geschäftsstelle - damit die Arbeit rundläuft

Von Sabine Hahn

Gute Arbeitsassistenz – das ist nicht nur das Motto einer beliebten Online-Veranstaltungsreihe des DVBS, sondern gehört in der DVBS-Geschäftsstelle zur praktisch gelebten Inklusion. 

So ist bereits seit dem 15. Oktober 2025 Lina Heimroth in der DVBS-Geschäftsstelle als Arbeitsassistenz tätig und unterstützt Wilhelm Gerike (Zentrale Dienste und Beratung) sowie Christian Karges (Mitgliederverwaltung) bei deren vielfältigen Aufgaben. 

Im eng getakteten Terminplan der Jurastudentin ist der DVBS dreimal wöchentlich vormittags fest eingeplant. Etwa, um in der Geschäftsstelle Unterlagen kurz vorzulesen oder abzulegen, visuelle Inhalte zu beschreiben, das Layout von Ausdrucken zu kontrollieren, Glückwunschkarten in Braille zuzuschneiden oder Adressen im Internet zu recherchieren. Die Unterstützung der blinden und sehbehinderten Kollegen bei Veranstaltungen oder Tagungen gehört ebenfalls in ihren Bereich. Zuverlässig arbeitet Lina Heimroth die verschiedenen Aufträge ihrer beiden Chefs ab. 

„Mir gefällt im DVBS vor allem, dass ich mit meiner Arbeit dazu beitragen kann, Barrieren abzubauen und Wilhelm Gerike und Christian Karges so zu unterstützen, dass sie möglichst uneingeschränkt am Berufsalltag teilnehmen können“, so Lina Heimroth. „Besonders schätze ich die offene, wertschätzende Arbeit im Team, die für beide Seiten eine Bereicherung darstellt.“

DVBS-Geschäftsführer Elias Knell betont: „Wir sind dem Integrationsamt bzw. dem LWV Hessen für die Finanzierung der Arbeitsassistenz sehr dankbar. Lina Heimroth ist eine große Entlastung für unsere beiden Mitarbeiter und eine Bereicherung für unser Team.“ 

Benötigen auch Sie Arbeitsassistenz? Antworten auf die wichtigsten Fragen sowie nützliche Tipps erhalten Sie in der DVBS-Geschäftsstelle und über den E-Mail-Verteiler des „Ratschlags: Gute Arbeitsassistenz“, der auch an Themen und Termine der Zoom-Veranstaltungsreihe erinnert.

Kontakt

DVBS-Geschäftsstelle
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-0
E-Mail: info@dvbs-online.de

Bild: Von links: Die DVBS-Teammitglieder Wilhelm Gerike, Lina Heimroth (Arbeitsassistenz) und Christian Karges wenden lächelnd ihre Köpfe zum Betrachtenden hin. Im Hintergrund hängt ein Jahresplaner an der Bürowand. Foto: DVBS

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S. Hahn: Quick Guide "Barrierefreie Excel-Dokumente" erschienen

Von Sabine Hahn

Vielen Anwenderinnen und Anwendern von Microsoft Excel ist nicht bewusst, dass Excel-Tabellen für blinde und sehbehinderte Menschen oft eine besondere Herausforderung darstellen: Komplexe Strukturen und fehlende Beschreibungen erschweren die Orientierung in diesem Standardprogramm. Denn Hilfsmittel wie Screenreader, die Bildschirminhalte akustisch oder taktil erfassen, sind auf gut strukturierte Inhalte angewiesen und können Inhalte nicht logisch vorlesen, wenn etwa Spaltenüberschriften fehlen oder Zeilen leer bleiben.

Um hier die Barrierefreiheit zu verbessern, sind nur einige Kniffe nötig. Der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V. (DVBS) hat in der Reihe „Quick Guide“ die wichtigsten Tipps zusammengestellt. Macht es doch wenig Mühe, leere Tabellenblätter gleich zu löschen, Textboxen nicht über der eigentlichen Tabelle zu positionieren oder den Fokus der Infos in Zelle A1 zu setzen. Tipps zu Spalten- und Zeilenüberschriften, Zellen, Grafiken, Alternativtexten von Diagrammen, SmartArts und Pivots sowie Einstellungen zum Zellschutz erleichtern die Zusammenarbeit – nicht nur im inklusiven Team. 

Es lohnt sich auch, die in Excel integrierte Barrierefreiheitsprüfung zu nutzen. Und schließlich helfen passende Einstellungen, ein Excel-Dokument in PDF umzuwandeln. 

Natürlich können möglicherweise weitere Barrieren vorhanden sein oder bei der Umwandlung in eine PDF-Datei entstehen. Doch wer die vorgestellten Schritte des vierseitigen Faltblatts berücksichtigt, ist auf jeden Fall auf der sicheren Seite – einfach und schnell.

Der Quick Guide „Barrierefreie Excel-Dokumente – erstellen, prüfen, in PDF umwandeln“ wurde übersichtlich und grafisch ansprechend gestaltet. Sein grifffestes Papier erlaubt es, ihn als Ratgeber öfter zur Hand zu nehmen. Dank der Förderung der BKK B. Braun Aesculap ist der Quick Guide kostenlos erhältlich bei:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten
in Studium und Beruf e. V.
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-0
E-Mail: info@dvbs-online.de

Außerdem steht er als barrierefreie PDF-Datei zum Download bereit unter https://dvbs-online.de/veroeffentlichungen/leitfaeden

Übrigens: Dort gibt es auch die Quick Guides „Barrierefreie Word-Dokumente“ sowie „Barrierefreie Power-Point Folien“. Weitere Quick Guides sind in Planung.

Bild: Titelblatt des Quick Guides „Barrierefreie Excel-Dokumente“. Farblich stechen Balken und Schrift in Grün hervor, die an die Grüntöne des Excel-Icons erinnern.

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U. Boysen, J. Schäfer: Ein aktives Leben ist zu Ende - Nachruf auf Dr. Hans Helmut Vollert

Von Uwe Boysen und Jochen Schäfer 

Am 7. November 2025 ist Dr. Hans Helmut Vollert kurz nach Vollendung seines 87. Lebensjahres in Schleswig gestorben. Der Jurist war 14 Jahre lang Beisitzer im DVBS-Vorstand und leitete viele Jahre die Bezirksgruppe Schleswig-Holstein. Der DVBS verliert mit ihm einen aktiven und sympathischen Mitstreiter für die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe.

Geboren am 18.09.1938 in der Gemeinde Hennstedt in Schleswig-Holstein, besuchte er zunächst die Blindenschule Hannover, da es in seiner Region keine vergleichbare Einrichtung mehr gab — die Blindenanstalt Kiel wurde 1941 zwangsweise geschlossen und nach dem Krieg nicht neu aufgebaut. 1952 wechselte er zur Blindenstudienanstalt nach Marburg, wo er sieben Jahre später sein Abitur ablegte, zusammen mit seinem Alters- und langjährigen Berufskollegen Dr. Otto Hauck. 

Helmut Vollert studierte Jura in Kiel, promovierte, und wurde später Richter am Oberlandesgericht Schleswig. Dort arbeitete er bis zu seiner Pensionierung 2003 in einem Strafsenat. Ende der 60er-Jahre heiratete er seine Heidelore, mit der er bis zum Ende seines Lebens zusammenblieb. 

Zur Selbsthilfe fand Dr. Vollert sehr früh: Er trat Anfang 1957 dem heutigen DVBS bei und war von 1974-1988 Beisitzer im Vorstand. 

Als der Rechtsreferendar Uwe Boysen Ende 1971 in Kiel seinen juristischen Vorbereitungsdienst aufnahm, hatte man mir in Marburg die Adresse von Helmut Vollert mitgegeben und erklärt, bei ihm würde ich sicher in vielen Fragen Rat und Hilfe finden. Das stellte sich in jeder Beziehung als goldrichtig heraus. Als Helmut 1972 die Leitung des Bezirks Schleswig-Holstein übernahm, wurde ich sein erster Stellvertreter. Während er dieses Amt sagenhafte 44 Jahre ausübte und damit zum dienstältesten Bezirksleiter in der Geschichte des DVBS wurde, verließ ich schon recht bald den Bezirk, ohne dass unser Kontakt abgerissen wäre. 

Diese Bezirksarbeit lag Helmut Vollert besonders am Herzen. Zu den Bezirksversammlungen lud er regelmäßig Pressevertreter und andere Interessierte außerhalb des Vereins ein, um diesen bekannter zu machen. Weiter stärkte er die Zusammenarbeit mit den Nachbarbezirken, zunächst mit Hamburg und nach Ende der deutschen Teilung mit Mecklenburg-Vorpommern. Unvergessen sind die von ihm und seiner Frau Heide für beide Bezirke hervorragend vorbereiteten Wochenendtreffen an verschiedensten Orten in Schleswig-Holstein, sei es in Schleswig, Rendsburg, Kiel oder auf Sylt, um nur einige zu nennen. 

Eine ganze Reihe von Jahren gehörte Helmut Vollert auch dem „Gemeinsamen Fachausschuss Umwelt und Verkehr“ (GFUV) der deutschen Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe an und trug dadurch maßgeblich zur Verbesserung der Mobilität blinder und sehbehinderter Menschen bei. Dazu gehört auch die von ihm nach seiner Pensionierung 2003 ins Leben gerufene IRIS-Stiftung zur Förderung des Hamburger „Instituts für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter“. Dafür wurde er am 5. November 2016 mit dem 1. Platz des Schleswig-Holsteinischen Stifterpreises geehrt. Besonders am Herzen lag ihm das Tandemfahren. Die Kieler Tandemgruppe traf sich regelmäßig im Rahmen des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein.

Hartnäckig kämpfte Helmut Vollert für den Erhalt des Blindengeldes im nördlichsten Bundesland, dessen Höhe jedoch nach der drastischen Kürzung Anfang der 2000er Jahre leider immer noch zu den geringsten in der gesamten Republik gehört. 

Nach allem nimmt es nicht Wunder, dass Dr. Vollert ein hochgeschätzter Mitstreiter im DVBS war. „Was Dr. Vollert Zeit seines Lebens ausgezeichnet hat, sind seine Verlässlichkeit und Beständigkeit, sein Wille zu helfen, gepaart mit der Bereitschaft, Aufgaben zu übernehmen und gewissenhaft zu erfüllen. Bei Diskussionen und der Erarbeitung von Problemlösungen gab er mit der ihm eigenen Bedächtigkeit und unaufgeregten Beharrlichkeit wertvolle Denkanstöße, nicht selten gepaart mit einem verschmitzten Lächeln“, so die Aussagen von DVBS-Vorstandsmitgliedern anlässlich seines 80. Geburtstags (siehe horus 4/2018). Das zeigte sich ebenfalls in seinem durch große Sachkenntnis belegten Engagement in der Frage der Zulässigkeit des Einsatzes blinder Juristinnen und Juristen in der Strafrechtspflege, der durch Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Frage gestellt wurde, oder daran, dass es ihm gelang, für den DVBS eine erhebliche Erbschaft zu akquirieren, die teilweise auch in die DVBS-Stiftung überführt werden konnte. 

Seit Anfang November 2025 ist Dr. Vollert nicht mehr unter uns. Daher hat der Arbeitsausschuss in seiner Zoom-Sitzung vom 13. November einen Moment des Schweigens zu Ehren des Verstorbenen eingelegt. An dieser Stelle denken wir auch an seine Frau Heide, der wir viel Kraft für die nächste Zeit wünschen. Alle, die Dr. Vollert kannten, werden ihn vermissen und immer gern an ihn zurückdenken.

Bei unserem letzten Telefonat im Sommer des vergangenen Jahres berichtete Helmut von den Mühen eines Blinden, einem Bankautomaten Geldscheine zu entlocken. Darum muss er sich jetzt keine Sorgen mehr machen. 

Bild: Dr. Hans Helmut Vollert (1938-1925) blickt im häuslichen Umfeld freundlich von seiner Braille-Lektüre auf, die auf einem Tisch im Vordergrund liegt. Er trägt eine Brille, einen Bart und hat einen kurzen Haarkranz. Foto: Mit freundlicher Genehmigung der IRIS-Stiftung www.iris-stiftung.de

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Dr. O. Hauck: In dankbarem Gedenken an besondere Wohltäter - Das Ehepaar Regina und Dr. Horst-Dieter Schultze-Kimmle

Von Dr. Otto Hauck

Am 13. November 2025 ist Regina Schultze-Kimmle in Bad Orb verstorben. Sie und ihr bereits 2016 verstorbener Ehemann Dr. Horst-Dieter Schultze-Kimmle waren die herausragenden Zustifter der „Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf“, die im Jahr 1998 vom DVBS errichtet wurde.

Meine Frau und ich lernten das Ehepaar Schultze-Kimmle 2004 kennen und verstanden uns mit ihnen auf Anhieb so gut, dass wir zeitlebens freundschaftlich verbunden blieben. Er erzählte uns, dass sich bei ihm ein Augenleiden einstellte, als er an seiner Dissertation schrieb. Die ärztliche Diagnose lautete: Diese Augenerkrankung ist unheilbar und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zur vollständigen Erblindung führen. Während seines gesamten Berufslebens als Bänker habe dieses „Damoklesschwert“ über ihm gehangen und ihn sowie seine Frau schwer belastet. Erst im Ruhestand habe er die Gewissheit erhalten, dass für ihn keine Gefahr mehr bestehe. 

Die Erleichterung und die Dankbarkeit der Eheleute Schultze-Kimmle waren so groß, dass sie beschlossen, sehgeschädigten Studenten und Berufstätigen zu helfen. Er recherchierte im Internet, wie dieses Ziel am besten zu erreichen sei, und stieß dabei auf die Gemeinschaftsstiftung des DVBS. In deren Rahmen errichteten die Eheleute den „Dr. Horst-Dieter und Regina Schultze-Kimmle-Fonds“ und statteten diesen großzügig aus.

Außerdem errichteten sie 2005 ein gemeinschaftliches Testament, in welchem sie sich gegenseitig zu Erben einsetzten und die Gemeinschaftsstiftung zur Erbin des Letztversterbenden von ihnen beriefen.

Die Eheleute Schultze-Kimmle zeigten lebhaftes Interesse daran, wie Blinde und Sehbehinderte die besonderen Anforderungen in Studium und Beruf bewältigen und insbesondere, welche Rehabilitationsangebote es für Menschen gibt, die erst während ihres Arbeitslebens einen Sehverlust erleiden. Sie nahmen auch regelmäßig an den alle zwei Jahre stattfindenden Stifterversammlungen teil, wo sie gemeinsam mit den anderen Zustiftern über die wesentlichen Angelegenheiten der Gemeinschaftsstiftung berieten und entschieden.

Der „Dr. Horst-Dieter und Regina Schultze-Kimmle-Fonds“ wird auch in Zukunft Früchte tragen und an das segensreiche Wirken der Eheleute erinnern.

Bild: Dr. Schultze-Kimmle († 2016) hat den Arm um seine Frau († 2025) gelegt, beide sitzen lächelnd auf einer Bank im Grünen. Foto: aus der Broschüre der Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf, Oktober 2010.

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C. Axnick: Seminare

Von Christian Axnick

Für 2026 stehen bisher folgende Seminartermine fest. Darüber hinaus in Planung ist ein Seminar zum Thema Bewerbungstraining. Sobald die konkreten Programme vorliegen, finden Sie sie auf der DVBS-Webseite unter Angebote - Termine. Für Rückfragen steht Ihnen die DVBS-Geschäftsstelle gerne zur Verfügung. 

  • 05. – 07.06.2026, Fachgruppe Medien: Audio-Bearbeitung mit Audacity für Screenreader-Nutzer in Bad Soden-Salmünster
  • 23. – 26.07.2026, Fachgruppe Wirtschaft: Biografisches Theater in Herrenberg-Gültstein

    Zugänge aus dem biografischen Theater und dem Psychodrama bieten hilfreiche Methoden an, um mehr Klarheit über Bedeutung und Auswirkungen der eigenen Behinderung im beruflichen Lebensweg zu erlangen. Bei diesen Methoden geht es aber nicht nur um die Aufarbeitung gemachter Erfahrungen, sondern sie eröffnen auch die Chance, eigene Wünsche und Pläne zu antizipieren, sie quasi einem Probehandeln zu unterziehen.

  • 17. – 20.09.2026, Fachgruppe Wirtschaft: Reden und präsentieren in Herrenberg-Gültstein

    Freie Rede und Präsentation vor Gruppen ist nicht jedermanns/jederfrau Sache. Aus den Auswirkungen der Behinderung ergeben sich für blinde und sehbehinderte Menschen über das oben Erwähnte hinaus spezifische Hürden und Probleme. Der (partiell) fehlende Gesichtssinn kann in Redesituationen störend und hinderlich sein. Andererseits sind viele sehgeschädigte Menschen eigentlich „verbal stark“ und können und sollten diese ihre Stärke zeigen und nutzen.

  • 26.09. – 03.10.2026, Interessengruppe Ruhestand: Seminarwoche in Saulgrub 

    Das Bildungsseminar möchte sehbeeinträchtigte Senior*innen inspirieren, körperlich und geistig fit zu bleiben oder zu werden, damit sie ihre Chancen zu gesellschaftlicher Teilhabe optimal nutzen können. Es bietet eine Vielzahl von Themen aus verschiedenen Bereichen.

  • 15. – 18.10.2026: Nicht sehend – nicht blind – Seminar der Interessengruppe Sehbehinderte in Bad Soden-Salmünster

Unsere Seminare stehen auch Nichtmitgliedern offen, sollten noch Plätze frei sein.

DVBS-Mitglieder mit geringem Einkommen und ohne institutionelle Förderung können einen Zuschuss aus unserem Solidaritätsfonds beantragen.

In den Seminarhäusern sind Gäste mit und ohne Blindenführhund herzlich willkommen.

Kontakt

Bei Fragen zum Seminar- und Veranstaltungsprogramm des DVBS wenden Sie sich in der DVBS-Geschäftsstelle an:

Christian Axnick
Tel.: 06421 94888-28
E-Mail: axnick@dvbs-online.de 

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Aus der blista


P. Temmesfeld: Mitgliederversammlung der blista wählt einen neuen Verwaltungsrat

Mitgliederversammlung der blista wählt einen neuen Verwaltungsrat

Von Patrick Temmesfeld 

Der siebenköpfige Verwaltungsrat ist das gewählte Gremium, das im Auftrag der Mitgliederversammlung direkt mit dem Vorstand der blista zusammenarbeitet.

In vier Sitzungen pro Jahr erstattet der Vorstand dem Verwaltungsrat Bericht und bereitet gemeinsam wichtige Entscheidungen vor. Die Amtszeit des Verwaltungsrates beträgt laut Satzung der blista vier Jahre. Damit standen im November 2025 turnusgemäß die Neuwahlen an.

● Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes,

● Hans-Werner Lange, Präsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes DBSV,

● Dr. Karsten McGovern, Geschäftsführer der LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH,

● Christiane Möller, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes,

● Manfred Scharbach,

● Dr. Michael Richter, rbm gGmbH und

● Werner Wörder, 1. Vorsitzender des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf,

legten nach Ihrem Bericht und gemeinsamer einstimmiger Entlastung in der Mitgliederversammlung ihre Ämter nieder.

Alle, bis auf Manfred Scharbach, stellten sich für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung. Für die damit freie Position bewarb sich erfolgreich Verena Bentele, Präsidentin des VdK sowie ehemalige blista-Schülerin, die zuvor auch als Mitglied in den Verein „Deutsche Blindenstudienanstalt“ aufgenommen wurde.

Manfred Scharbach wurde für sein langes Wirken im Verwaltungsrat gebührend gedankt. Seit 1998 wirkte er hier entscheidend mit und verantwortete maßgebend die Umstellung auf einen hauptamtlichen Vorstand und die entsprechende Umgestaltung der Satzung.

Dabei legte er besonderen Wert darauf, dass der Verwaltungsrat die Budgethoheit und das inhaltliche Mitspracherecht erhält. Auch die zusätzliche Einrichtung eines Ehrenrates ist maßgeblich auf ihn zurückzuführen. Mit entsprechenden Dankesworten wurde er gebührend verabschiedet; er steht in der Mitgliederversammlung weiterhin mit seiner Expertise zur Verfügung.

Die blista freut sich nun auf die Fortsetzung einer bewährten Zusammenarbeit sowie neue gemeinsame Ziele und Wege!

Der im Rahmen der Mitgliederversammlung durch den Vorstand vorgelegte Jahresbericht der blista kann im Internet auf unserer Webseite unter blista.de/vorstand nachgelesen werden.

Bild: Titelblatt „Jahresbericht des Vorstands für die Mitgliederversammlung am 8. November 2025“ mit drei kreisförmigen Fotos auf weißem Grund: Schüler*innen auf dem grünen bista-Campus, Luftbild des blista-Campus, eine Gruppe junger Kinder an einem Tisch betrachtet das Wurzelwerk einer Pflanze, die ein Erwachsener aus einem Gefäß hebt. Abb.: blista

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R. Ullrich: Mit neuer kostenloser App können auch Sehende die Brailleschrift lernen

Von Rudi Ullrich

Mit nur sechs tastbaren Punkten hat der 16-jährige Franzose Louis Braille blinden Menschen vor über 200 Jahren die Welt des Lesens und Schreibens eröffnet. An diese bahnbrechende Erfindung, die bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren hat, wird jährlich an seinem Geburtstag, dem 4. Januar, mit dem „Welt-Braille-Tag“ erinnert. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk macht in diesem Jahr die Deutsche Blindenstudienanstalt e. V. (blista) in Marburg. Die App „Braille-Trainer“ zum Erlernen der Blindenschrift wurde von dem Hamburger Programmierer Martin Gertz entwickelt sowie in Zusammenarbeit mit dem bundesweiten Zentrum für Bildung und Barrierefreiheit an der blista kontinuierlich verbessert.

„Wir möchten mit dieser App blinden und sehenden Menschen einen modernen und möglichst einfachen Zugang zur Brailleschrift ermöglichen“, sagt der Vorstand der blista, Patrick Temmesfeld. „Die App soll vor allem auch sehende Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer dabei unterstützen, blinden Kindern beim Erlernen der Brailleschrift zu helfen“. Die neue App ist ein weiterer Baustein einer Aufklärungskampagne für eine inklusive Gesellschaft, die unter dem Motto „Knack den Code“ besonders jüngere Menschen ansprechen soll. Botschafter ist dabei der blinde Waschbär Louis, der in kurzen Geschichten erzählt, wie er im Alltag klarkommt und – obwohl er praktisch nichts sieht – viel erlebt und Spaß hat. Die Geschichten sind in Brailleschrift gesetzt und können mithilfe eines Braille-Alphabets entschlüsselt werden.

Die ersten 1.000 Downloads der App sind kostenlos

Mit der Entwicklung des „Braille-Trainers“, der App zum Erlernen der Brailleschrift, begann der Hamburger Programmierer Martin Gertz bereits vor Jahren in seiner Freizeit. Auslöser war die Freundschaft eines sehenden und eines blinden Menschen. Martin Gertz wollte dem Paar eine Hilfe schaffen, damit sie sich gegenseitig Nachrichten schreiben konnten. Nachdem er sich anfangs zunächst um die Umsetzung gedruckter Buchstaben in Braille und umgekehrt gekümmert hatte, stieg er nach und nach immer tiefer in das komplexe System der sogenannten Braille-Kurzschrift, einer Art Steno-Punktschrift, ein.

Heute bietet der „Braille-Trainer – die blista-Version der App zum Erlernen der Brailleschrift“ die Möglichkeit, sowohl gedruckte Schrift in Braille als auch Braille in gedruckte Buchstaben zu übersetzen, und ist in viele Lektionen unterteilt. Damit ist sie sowohl für blinde als auch für sehende Menschen gleichermaßen zum Lernen der Brailleschrift geeignet. „Durch die Zusammenarbeit mit den Expertinnen und Experten der blista konnten wir die Barrierefreiheit der App erheblich weiterentwickeln und natürlich können jetzt viel mehr Menschen von der App profitieren“, freut sich Gertz. Anlässlich des „Welt-Braille-Tags“ stellt die blista die ersten 1.000 Downloads kostenlos zur Verfügung und hofft, dass es durch Spenden möglich wird, die App dauerhaft kostenlos anzubieten.

Die blista will mit dem Hamburger Programmierer langfristig zusammenarbeiten und die App weiter optimieren. Deshalb ist man gespannt auf die Rückmeldungen der Anwenderinnen und Anwender und freut sich auf Anregungen und Verbesserungsvorschläge. In Kürze wird auch eine neue Android-Version zur Verfügung stehen.

Links

Apple AppStore:
https://apps.apple.com/de/app/braille-trainer/id1464977255

Google PlayStore:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.martingertz.brailletrainer

Mehr Infos zur Kampagne „Knack den Code“ gibt es unter http://katalog.blista.de/louis. Hier können unter anderem auch kostenlose Info- und Übungsmaterialien für Schulklassen angefordert werden.

Abb.: Logo der Braille-Trainer App

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T. Büchner: "Begegnungen mit Menschen waren für ihn das Wichtigste" - Nachruf auf Jürgen Hertlein

Nachruf auf Jürgen Hertlein

Von Thorsten Büchner

Ende November letzten Jahres verstarb der langjährige Direktor und Vorstandsvorsitzende der blista, Jürgen Hertlein, im Alter von 83 Jahren in seiner Wahlheimat Marburg. 

Jürgen Hertlein war von 1978 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2007 federführend an der Weiterentwicklung der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista) beteiligt und prägte mit seiner zugewandten, zupackenden Art das Bild der blista nach innen und außen. 

Jürgen Hertlein war ausgebildeter Blindenpädagoge und arbeitete von 1968 bis 1973 zunächst als Lehrer im Blindeninstitut in Würzburg, bevor er diese Einrichtung ab 1973 bis zu seinem Wechsel nach Marburg leitete. 

Hier trieb Jürgen Hertlein fast 30 Jahre lang zusammen mit den Mitarbeiter*innen die Entwicklung der blista voran, initiierte neue Projekte und legte viele Grundsteine, die aus der heutigen blista nicht mehr wegzudenken sind. 

Mit dem DVBS war Hertlein über all seine Jahre an der blista-Spitze eng verbunden. 29 Jahre lang war er festes Redaktionsmitglied des horus, in dessen erster Ausgabe des Jahres 2007 er sich auch von den Leser*innen verabschiedete. Folgende Passage aus seinem damaligen „Vorangestellt“ gibt einen charakteristischen Einblick in seine Persönlichkeit: „Mein Erinnerungsoptimismus hilft mir, schwierige Zeiten klein zu sehen und das Gute und Schöne in meiner beruflichen Laufbahn groß. Mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler haben in meiner Amtszeit ihr Abitur bestanden. Viele treffe ich auf Tagungen in wichtigen Funktionen der Selbsthilfe wieder. Es tut gut zu sehen, wie sie ihr Leben meistern.“

Der Kontakt zur Selbsthilfe war Jürgen Hertlein stets ein Anliegen, was sich auch bei seiner Trauerfeier ausdrückte. Neben Weggefährten aus den verschiedenen beruflichen Stationen waren zahlreiche Vertreter*innen des DBSV und DVBS gekommen, um von Jürgen Hertlein Abschied zu nehmen. 

Für die Blindenselbsthilfe sprach Andreas Bethke, Geschäftsführer des DBSV und ehemaliger blista-Schüler. Darüber hinaus wurde auf der bewegenden Trauerfeier auch das weitere Wirken von Jürgen Hertlein als Kommunalpolitiker, als Vorsitzender des Sportkreises Marburg und als langjähriger Präsident des Frauen-Basketballteams aus Marburg gewürdigt. 

Für die blista hielt der direkte Nachfolger von Hertlein im Amt des blista-Vorstands, Claus Duncker, die Trauerrede, die wir im Nachfolgenden gerne abdrucken möchten: 

„In einem Magazin der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe fand ich letzte Woche folgendes Zitat der Mutter eines blinden Kindes: 

‚Mein Sohn studiert jetzt in Marburg, lebt selbständig in einer kleinen Wohnung und meistert seinen Alltag mit einer Selbständigkeit, die mich mit unendlichem Stolz erfüllt. Ich bin überzeugt, er wäre niemals so selbständig geworden, wenn er in der blista-Wohngruppe nicht so gut und früh gelernt hätte, seinen eigenen Weg zu gehen.‘

Als Jürgen Hertlein 1978 nach Marburg kam, stand die blista nach sehr turbulenten Jahren vor großen Herausforderungen. Gerade war das bundesweit einmalige dezentrale Wohnkonzept und die Eröffnung eines Gymnasiums für Schüler mit Sehbehinderung beschlossen worden, aber beides war absolutes Neuland. 

Nicht wenige Expertinnen und Experten beobachteten gerade den Aufbau und die Umsetzung des Wohnkonzeptes mit blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern in Wohnungen über die ganze Stadt verteilt äußerst kritisch.

Doch Jürgen Hertlein war bereit, für diese Idee der Selbständigkeit und Selbstverantwortung zu kämpfen. Er hatte Vertrauen in die jungen Menschen und er stärkte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegen alle Widerstände den Rücken.

Jürgen Hertlein war Pädagoge und zudem im Förderschwerpunkt Blindheit und Sehbeeinträchtigung qualifiziert. Die Leitung der blista einem Pädagogen zu übertragen, hat an dieser Einrichtung Tradition und prägt das Bild einer Institution, die Menschen in schwierigen Situationen Unterstützung anbietet, damit sie ihren eigenen Weg gehen können.

Jürgen Hertlein hatte Empathie und ein sehr feines unaufdringliches Gespür, wann er jemandem Hilfe anbieten sollte. Er tat das so natürlich und selbstverständlich, dass man immer das Gefühl hatte, dass er es gerne macht.

Dabei half ihm sicher auch seine bayerische gewinnende Persönlichkeit. 

Jürgen Hertlein hatte immer ein offenes Ohr und seine Bürotür stand für jeden offen. Er war nicht der unnahbare Direktor. Nicht selten sah man ihn bei Sportveranstaltungen der SSG Sportgemeinschaft blista Marburg, zu deren Aufbau und Erfolgen er maßgeblich beigetragen hat. Da war er dann der begeisterte Sportfan und leidenschaftliche Blindenpädagoge im Trainingsanzug seines Vereins SSG. 

Er übernahm jeden Job, egal ob als Platzanweiser, Balljunge oder Weitenmesser. Wo Hilfe nötig war, war Jürgen Hertlein zur Stelle.

Begegnungen mit Menschen waren für ihn ohnehin das Wichtigste, gerade auch der internationale Austausch. So entstanden in seiner Zeit u.a. intensive Kooperationen der blista mit Schulen in Polen und England, die weiter intensiv gepflegt werden.

Die blista feiert im Jahr 2026 ihr 110-jähriges Bestehen. Mehr als ein Viertel dieser Zeit hat Jürgen die Einrichtung geleitet und geprägt. 

Und noch ein weiteres zeitnahes Zitat aus der obigen Zeitschrift. Da berichtet eine ältere Frau über die Zeit nach ihrer Erblindung:

‚Ich war begeistert, was ich alles lernen konnte; meinen Haushalt zu führen, den richtigen Umgang mit dem Blindenlangstock, mit dem Computer zu arbeiten, ohne dass ich auf den Bildschirm schauen muss, und vieles mehr. Die blista gab mir die Chance, mein ganzes Leben nach der Erblindung neu zu gestalten.‘

Was Jürgen Hertlein als Direktor der blista geschaffen und mitentwickelt hat, wird weiterhin das Profil der blista auch in den nächsten 100 Jahren prägen und bestimmen.“

Jürgen Hertlein wurde nach seiner Dienstzeit in die Mitgliederversammlung der blista gewählt. Hier berichtete er regelmäßig von der Seeber-Stiftung, deren Vorstand er innehatte und die regelmäßig Projekte der blista unterstützte. 

Dort fand auch die letzte Begegnung für Patrick Temmesfeld, seinen „Nach-Nachfolger“, mit ihm statt: „Jürgen Hertlein hat sich hier insbesondere dafür eingesetzt, dass die Unterstützung in erster Linie bei den Schüler*innen der blista ankommt. Diese Verbundenheit mit unserer Arbeit und zugleich auch sein Stolz darauf, dass wir es in seinem Sinne fortsetzen, war so zu spüren, dass es uns fortwährend begleiten wird.“

Wir trauern um Jürgen Hertlein und werden sein Werk, Menschen mit Sehbeeinträchtigungen eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, fortführen. 

Anmerkung

Die in der Trauerrede zitierten Passagen stammen aus Beiträgen der Zeitschrift horus – Marburger Beiträge zur Integration Blinder und Sehbehinderter: Zipprich, Julia: „Der Umbruch, der Augen öffnet“. In: horus 4/2025, S. 3-7 (Braille S. 463-475), und sinngemäß auf die BtG der blista bezogen zitiert nach Bürkle, Bianca: „Wenn eine Tür zugeht, geht immer eine andere auf Meine Aufbrüche in ein neues Leben.“ In: horus 4/2025, S. 13-17 (Braille S. 488-500).

Bild: Das Portraitfoto im Außenbereich zeigt Jürgen Hertlein (1942–2025) um das Jahr 2007. Jürgen Hertlein lacht; er hat graublaue Augen, einen grauen, schulterlangen Haarkranz und einen markanten, buschigen Hufeisenbart. Er trägt eine schmale, randlose Brille und zu weißem Hemd und Krawatte ein geometrisch grau-weiß gemustertes Jackett. Foto: blista, veröffentlicht in horus 1/2007.

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Bücher


T. Büchner: Hörbuchtipps aus der blista

Von Thorsten Büchner

Hörbücher der DBH

Joscha Remus: Gebrauchsanweisung für die Philippinen. Piper, München, 2025. Buch-Nr.: 1663521, 447 Minuten Spielzeit.

Schnorcheln mit Walhaien, Segeln auf traditionellen Auslegerbooten und Wandern am Fuße von Vulkanen: So vielfältig wie die philippinische Landschaft sind auch ihre Bewohner, die als überaus gastfreundlich gelten. Der Geschichtensammler Joscha Remus schreibt mit packender Neugier über das nahezu unberührte Naturparadies. Er besucht Schokoladenmacher, possierliche Koboldmakis, Traumweberinnen und das bunte Treiben einheimischer Maskenfeste. Er trifft Naturschützer, Schriftsteller und Meereskünstler. Und verrät, warum Basketball hier Nationalsport ist und die Filipinos so glücklich sind.

Martyna Linartas: Unverdiente Ungleichheit: wie der Weg aus der Erbengesellschaft gelingen kann. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 2025. Buch-Nr.: 1661201, 434 Minuten Spielzeit.

In kaum einem anderen westlichen Land ist Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Die Schere geht immer weiter auf - aufgrund steigender Mieten und Lebensmittelpreise, weil heutzutage jeder Paketzusteller prozentual mehr von seinem Lohn abgibt als ein Milliardär, aber auch weil Steuern auf Vermögen runtergeschraubt werden und die Reichen unaufhörlich reicher werden. Diese Ungerechtigkeit ist gesellschaftliches Dynamit. Reichtum durch Arbeit? Fast unmöglich. Jeder ist seines Glückes Schmied? Nur im Märchen. Deutschland ist zu einer Gesellschaft verkommen, in der Reichtum in der Familie bleibt.

Stephan Orth: Couchsurfing in der Ukraine. Meine Reise durch ein Land im Krieg. Malik Verlag, München, 2024. Buch-Nr.: 1635911, 488 Minuten Spielzeit.

Bestsellerautor Stephan Orth hat den Krieg Russlands gegen die Ukraine von Anbeginn intensiv miterlebt. Durch seine ukrainische Freundin Julija verbindet ihn ein besonderes Band mit dem Land. Wie geht es den Menschen, die geblieben sind? Wie sieht ihr Alltag aus, was gibt ihnen Hoffnung? Und was hat das alles mit uns zu tun? Mit diesen Fragen reist er nach Kyjiw und Odesa, nach Charkiw und in die Karpaten. Er wohnt bei Einheimischen, hört ihre Geschichten, ist beeindruckt von ihrem Mut und Lebenswillen - und packt selbst beim Wiederaufbau mit an. Sein bewegender Bericht ermöglicht uns eine Perspektive, die weit über den Krieg hinausreicht.

Mattias Edvardsson: Dunkelkaltes Schweigen. Limes Verlag, München, 2024. Buch-Nr.: 1650191, 544 Minuten Spielzeit.

Trelleborg, Südschweden. Zwei Paare, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Jari und Maria sind beruflich erfolgreich und gesellschaftlich etabliert, Sasho und Linda arbeiten im Supermarkt und führen ein bescheidenes Leben. Als sich ihre Kinder Amanda und Niko ineinander verlieben, prallen ihre Welten aufeinander. Gegen den Willen ihrer Eltern werden die beiden ein Paar. Doch dann endet ein nächtliches Treffen der beiden tödlich. Und schon bald wird klar, dass diese Tragödie ein noch viel dunkleres Geheimnis verbirgt.

Hörbücher zum Schwerpunktthema „Demokratie und Teilhabe“

Volker Weiß: Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2025. Buch-Nr.: 1650601, 478 Minuten Spielzeit.

In seinem hochaktuellen Buch bietet Volker Weiß eine tiefgehende und historisch fundierte Zeitdiagnose zur AfD und der extremen Rechten. Scharfsinnig enthüllt er, wie die extreme Rechte von dem Ziel getrieben ist, den westlichen Liberalismus zu überwinden und eine alternative Geschichtsdeutung durchzusetzen. Mit neuen beeindruckenden Details und einer Analyse der rechten Gegenerzählungen seziert der Autor die neurechte Szene.

Jürgen Wiebicke: Erste Hilfe für Demokratie-Retter. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2024. Buch-Nr.: 1653071, 150 Minuten Spielzeit.

Die Demokratie steht unter Druck, und viele haben das Gefühl, sie müssten etwas tun. Aber was genau? In diesem Erste-Hilfe-Kurs zeigt der Journalist Jürgen Wiebicke, wie jeder und jede dazu beitragen kann, diese Lebensform zu retten, und wie Engagement das eigene Leben bereichert.

Ihr Kontakt zur DBH 

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V.
Am Schlag 2-12
35037 Marburg
Tel.: 06421 606-0
E-Mail: info@blista.de 
sowie über unsere kostenlose Leselust-App und 
unseren barrierefreien Online-Katalog
unter https://katalog.blista.de

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W. Lutz-Gemril, J. Schäfer: Aus der Braille-Druckerei

Quizauflösung und Neuerscheinungen

Von Wencke Lutz-Gemril und Jochen Schäfer

Ihr habt bestimmt schon auf die richtigen Antworten für die vier Quiz-Staffeln 2025 gewartet. Deshalb beginnen wir gleich mit den Lösungen. Wer gewonnen hat, verraten wir auch! Danach stellen wir euch zwei Neuerscheinungen vor – eine nachdenkliche, eine unterhaltsame. 

Quizauflösung

Wir nennen jeweils das Buch, die Quizfragen aus dem letzten Jahr und die richtigen Antworten.

Staffel 1

Oliver Scherz: Sieben Tage Mo

  1. Was ist das Besondere an Mo? 
    b) Er ist geistig behindert.
  2. Was würde Karl lieber machen, als auf seinen Bruder aufzupassen? 
    c) Rad fahren und eine Freundin treffen.

Kathrin Schrocke: Weiße Tränen

  1. Wodurch wird die Freundschaft zwischen Lenni und Serkan belastet? 
    c) Ein farbiger Mitschüler kommt in die Klasse.

2. Um welches soziale Problem geht es hauptsächlich? 
    a) Rassismus.

Staffel 2

David Walliams: Gangsta-Oma

  1. Worauf hat es die Oma als Diebin besonders abgesehen? 
    b) Auf Juwelen.
  2. Welchen großen Coup plant Oma?
    b) Sie will die Kronjuwelen der englischen Königin stehlen.

Charlotte Habersack: Bitte nicht öffnen, Bd. 7-9

  1. Wer ist der Hauptverdächtige als Spielzeugdieb? 
    c) Hubsi Hubert, der berühmte Radio-Wettermann.
  2. Wird der Spielzeugdieb dingfest gemacht? 
    a) Ja.
Staffel 3

Rick Riordan: Percy Jackson

  1. Wer ist der Vater von Percy und Tyson? 
    c) Poseidon, der Meeresgott.
  2. Welche Sagengestalt ist Percys Halbbruder ursprünglich? 
    a) Er ist ein Zyklop.

Tanya Stewner: Alea Aquarius - Der Gesang der Wale

  1. In welcher europäischen Hauptstadt veranstaltet die „Alpha Cru“ das Klimakonzert? 
    a) Rom.
  2. Gelingt es der Alpha Cru, Doktor Orion zu schnappen? 
    b) Nein.
Staffel 4

Katja Brandis (Pseud. Für Sylvia Englert): Woodwalkers - die Rückkehr

  1. Was für ein Gestaltwandler ist Carag? 
    a) Er ist ein Pumajunge.
  2. In welches afrikanische Land geht die Klassenfahrt? 
    b) Nach Namibia.

Jochen Till: Luzifer Junior - Ein Dämon im Klassenzimmer

  1. Was ist das nur für ein Gast? 
    c) Ein höllischer Dämon, von dem Holzapfel regelrecht besessen ist.
  2. Dabei wollte Holzapfel doch ganz normalen Unterricht machen. Welches Fach?
    b) Mathe.

Auf ein Punktschriftbuch nach Wahl können sich Carina aus Neuss und Marc aus Marburg freuen. Herzlichen Glückwunsch auch im Namen von unserem blinden Waschbär Louis, dem „Glücksbär“.

Neuerscheinungen

Martin Schäuble: Alle Farben grau. Fischer, Frankfurt/Main, 2023. 4 Bände in reformierter Kurz-, 5 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6390.

Paul ist sechzehn und war schon immer ein bisschen eigen: Er lernt Japanisch und hört Musik, die keiner in seinem Alter kennt. Er ist unheimlich schlau und könnte alles erreichen, wären da nicht seine Ängste und Abgründe. Über die spricht er lange nicht, erst in der Jugendpsychiatrie. Dort lernt er die junge Alina kennen, die seine Liebe zu Katzen teilt und ihn Jesus nennt. Nach einiger Zeit kehrt er zurück in sein normales Leben, und alle haben riesige Hoffnung - außer einem, der sich längst verabschiedet. 

Paul begeht Suizid. Seine Familie, seine Freunde und sein restliches Umfeld müssen damit klarkommen. Der Autor folgt einer wahren Geschichte und weist auf Hilfsangebote für depressive und suizidale Menschen sowie ihre Angehörigen hin. 

Der sehr nachdenkliche Roman klärt über die Motivation und Entstehung von Suizid im Jugendalter auf und durchbricht die Stigmatisierung des Themas. Empfohlen ab 14 Jahre. Laut Verlag auch als Unterrichtslektüre zu den Themen Depression und Suizidprävention geeignet (Unterrichtsmodell zum Buch siehe www.fischer-sauerlaender.de/verlag/kita-und-schule/unterrichtsmaterialien).

Auch als Hörbuch in der DBH vorhanden (Nr. 1606131).

Tanya Stewner: Alea Aquarius - Bd. 10: Der Stern des Schicksals. Oetinger, Hamburg, 2025. - 7 Bände in reformierter Kurz-, 9 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6424.

Alea ist endlich mit ihrer Zwillingsschwester Thea vereint. Aber die Freude währt nur kurz: Nixe Akira ist schwer erkrankt! Doktor Orion muss den gefährlichen Virus gegen magische Meerwesen in Umlauf gebracht haben. Im Wasser sind sie in Lebensgefahr, doch wohin können sie fliehen? Wie viele Magische haben sich schon angesteckt? Ist auch Nixenprinz Cassaras in Gefahr, da er halb Landgänger, halb Nixe ist? Gemeinsam mit Lennox und Thea macht Alea sich auf die Suche nach ihm. Und wo befindet sich Doktor Orion? Ist er bereit, zurückzuschlagen? Doch ohne die Magischen hat die Alpha Cru keine Chance, ihn zu besiegen.

Ein mitreißendes Fantasy-Buch für Kinder ab 10 Jahren.

Kontakt

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)
Am Schlag 2-12
35037 Marburg
Tel.: 06421 606-0
E-Mail: info@blista.de
oder über unseren barrierefreien Online-Katalog
https://katalog.blista.de
bzw. die populäre App „Leselust“

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Panorama


Wie gelingt politische Partizipation von Menschen mit Behinderungen auf kommunaler Ebene?

Werden Menschen mit Behinderungen flächendeckend, transparent und barrierefrei in die kommunale Planung und Politik einbezogen, hat dies positive Folgen: Es können passgenaue Maßnahmen entwickelt, Barrieren abgebaut und die Rechte behinderter Menschen gewahrt werden.

Daher hat sich die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention näher mit dem Stand der politischen Beteiligung von Menschen mit Behinderungen auf kommunaler Ebene in NRW befasst. Sie empfiehlt verschiedene Verbesserungsmaßnahmen. Denn das politische Interesse Betroffener ist in den letzten Jahren in NRW zwar gestiegen, doch gleichzeitig verfügen nur 44 Prozent der Kommunen über Inklusions- bzw. Behindertenbeauftragte, und lediglich ein Drittel aller Kreise hat einen Beirat. 16 Prozent haben keine Form der Interessenvertretung.

Politik und Verwaltung müssen ihrer Verpflichtung aus der UN-BRK stärker nachkommen und die Kommunalpolitik zugänglicher gestalten, kritisiert die Monitoring-Stelle. Um die Partizipation von Menschen mit Behinderungen und ihrer Organisationen zu erhöhen, sollten Beteiligungsstandards partizipativ entwickelt werden. Empfehlenswert sind zudem Geschäftsstellen sowie Fortbildungen zu den Themen Beteiligungsrechte und Funktionsweise der Verwaltung – finanziert durch unabhängige und selbstverwaltete Mittel, nicht nur durch projektbezogene Förderung.

Parallel dazu ist auch ein Kapazitätsaufbau innerhalb der Verwaltung erforderlich sowie eine ausreichende finanzielle Ausstattung von Beiräten und Beauftragten. Eingaben, Berichte oder Stellungnahmen behinderter Menschen und ihrer Organisationen verlangen qualifizierte Rückmeldungen und Begründungen, damit ihre Interessen ernst genommen werden.

Die Empfehlungen wurden vom Deutschen Institut für Menschenrechte anlässlich der Kommunalwahl in NRW 2025 herausgegeben und sind als barrierefreie PDF-Datei zugänglich unter

https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/wie-gelingt-gute-politische-partizipation-von-menschen-mit-behinderungen-auf-kommunaler-ebene

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Sicher und gut informiert in der digitalen Gesundheitswelt

Die Gesundheitsversorgung wird immer digitaler, zum Beispiel mit der elektronischen Patientenakte (ePA), dem E-Rezept oder Gesundheits-Apps. Wer sich auskennt, kann von den Vorteilen digitaler Gesundheitsangebote profitieren. Damit alle diese Angebote und Anwendungen sicher nutzen können, ist gute Information wichtig. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) hat dafür die Internetseite www.digital-und-vital.de entwickelt. Sie bietet Orientierung und Unterstützung für alle, die digitale Gesundheitsinformationen und -anwendungen sicher und informiert nutzen möchten.

Auf der Internetseite finden Nutzerinnen und Nutzer verlässliche Informationen rund um digitale Gesundheitsanwendungen wie zum Beispiel die elektronische Patientenakte und das E-Rezept. Links führen zu zuverlässigen Quellen für Gesundheitsthemen, z. B. den Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit oder der zentralen Stelle für die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland (gematik GmbH). Geplant sind außerdem Schritt für Schritt-Anleitungen, Tipps zum einfachen Einstieg in digitale Gesundheitsthemen sowie „Train-the-Trainer“-Angebote.

Die Internetseite Digital+Vital richtet sich insbesondere an Organisationen und Initiativen, die ältere Menschen beim sicheren Umgang mit digitalen Gesundheitsangeboten unterstützen möchten. Neben Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind auch alle anderen Interessierten unabhängig vom Alter eingeladen, die Seite zu nutzen.

Die Internetseite wurde im Rahmen des Projekts „Digital+Vital“ der BAGSO Service GmbH entwickelt. Das Projekt wird von den Unternehmen Pfizer, Novartis und MSD unterstützt.

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Gewalt in Einrichtungen

Mehr als 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen in der EU leben in Einrichtungen. Sie gehören zu einer besonders vulnerablen Gruppe. Doch es gibt Lücken im Schutz und in der Prävention von Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung. Daher hat die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) die EU-Staaten aufgefordert, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um Gewalt in Einrichtungen zu verhindern, Opfer zu schützen und Einrichtungen bei Übergriffen zur Rechenschaft zu ziehen.

Der im November 2025 veröffentlichte Bericht der FRA zeigt, wie die Normalisierung von Gewalt, Barrieren bei der Meldung von Missbrauch und ein Mangel an wirksamer Überwachung die Grundrechte von Menschen mit Behinderungen untergraben.

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union unterliegen laut Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Deinstitutionalisierung, denen sie jedoch nicht nachkommen.

Teil des Problems sind in vielen Ländern u. a. das Fehlen einer unabhängigen Kontrolle, fehlendes Fachwissen, um das Wohlergehen der Bewohnerinnen und Bewohner wirksam zu beurteilen, zu kurze Besuchsdauern, unzureichende Nachverfolgung von Verstößen und mangelnde Verankerung von Gewalt-Präventionsmaßnahmen.

Den Bericht der FRA mit dem Titel „Places of care = places of safety? Violence against persons with disabilities in institutions“ gibt es auf Englisch online unter:
https://fra.europa.eu/en/publication/2025/institutions-places-care-and-places-safety#publication-tab-0

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J. Schäfer: Bund der Kriegsblinden löst sich 2026 auf

Von Jochen Schäfer

Die Verbandsratssitzung des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands (BKD) hat aufgrund gesunkener Mitgliederzahlen am 30. Oktober 2024 beschlossen, den BKD zum 30. Juni 2026 aufzulösen. 

Gegründet 1916 als „Bund erblindeter Krieger“, ist der BKD die älteste deutsche Organisation der Kriegsopferversorgung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1945 aufgelöst und 1949 unter dem heutigen Namen neu gegründet. Zunächst war der Verband nur für die alte Bundesrepublik zuständig, ab 1990 auch für die Kriegsblinden der neuen Bundesländer. 

1950 begründete der BKD unter seinem damaligen Vorsitzenden Friedrich Wilhelm Hymmen den „Hörspielpreis der Kriegsblinden“. Seit 2020 hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die Trägerschaft dieses renommierten Preises übernommen und wird ab 2026 auch die Betreuung der wenigen verbliebenen Mitglieder des BKD weiterführen. 

In den vergangenen 110 Jahren hat der Kriegsblindenbund eng mit der Zivilblindenselbsthilfe zusammengearbeitet, auch mit dem DVBS, der ebenfalls viele kriegsblinde Mitglieder hatte, die in beiden Vereinen organisiert waren.

Mit der Auflösung des BKD wird nun ein Teil der Blindenselbsthilfe in die Geschichte eingehen. Die übrigen Selbsthilfeorganisationen werden jedoch auch künftig im Sinne der Inklusion blinder und sehbehinderter Menschen weiterarbeiten, verbunden mit der Hoffnung auf anhaltenden Frieden ohne neue Generationen kriegsblinder Menschen. 

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Impressum

Jg. 88 der Schwarzschriftausgabe
Jg. 100 der Brailleausgabe

Herausgeber: Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) und Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)

ISSN 0724-7389

V. i. S. d. P.: Andrea Katemann (DVBS) und Thorsten Büchner (blista)

Verlag: DVBS, Frauenbergstr. 8, 35039 Marburg, Tel.: 06421 94888-0, E-Mail: horus@dvbs-online.de, Web: dvbs-online.de

Redaktion: Für den DVBS: Peter Beck, Leonore Dreves und Andrea Katemann. Für die blista: Isabella Brawata, Thorsten Büchner und Cecilia Röhler. 

Koordination: DVBS, Sabine Hahn. 

Brailledruck: Deutsche Blindenstudienanstalt e. V. 

Digitalisierung und Audio: DVBS. 

Print: Druckerei Schröder, Lindauer & Wolny GbR

horus erscheint vierteljährlich in Braille, Print und digital (mit DAISY-Hörfassung, HTML sowie Braille-, RTF-, Word- und PDF-Dateien).

Jahresbezugspreis: 46 Euro (Versandkosten Inland inklusiv). Die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen. Für Mitglieder des DVBS ist der Bezug im Jahresbeitrag enthalten.

Bankkonto des DVBS:

Sparkasse Marburg-Biedenkopf
IBAN: DE42 5335 0000 0000 0002 80
BIC: HELADEF1MAR

Beiträge und Bildmaterial schicken Sie bitte ausschließlich an den DVBS, Redaktion. Bitte geben Sie an, falls Ihr Beitrag bereits in anderen Zeitschriften veröffentlicht wurde oder für eine Veröffentlichung vorgesehen ist. Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung der Redaktion.

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Nachruf

Wir trauern um einen lieben Freund und geschätzten Kollegen: Josef Ender

ist am 30.11.2025 nach schwerer Krankheit zu Hause in Hanau verstorben.

Herr Ender trat im September 1984 in die damalige BAUM Elektronik GmbH, später BAUM Retec AG, ein und war viele Jahre ein engagierter und sehr geschätzter Mitarbeiter, der die Entwicklung unserer Produkte maßgeblich mit beeinflusste. Auch nach seinem Ausscheiden aus unserer Firma waren wir eng verbunden; Herr Ender war immer ein aufgeschlossener, kompetenter und auch kritischer Begleiter und Berater bei unserer Produktentwicklung für Blinde und sehbehinderte Kunden.

Sein ehrenamtliches Engagement im Blindenwesen und seine Tätigkeit bei der TIBS e.V. (Technische Informations- und Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte) waren für viele blinde und sehbehinderte Menschen und auch für uns eine große Stütze und Hilfe.

Wir kannten Josef Ender mehr als 40 Jahre und hatten bis in seine letzten Tage engen Kontakt mit ihm. Unsere berufliche Zusammenarbeit über viele Jahre führte zu einer persönlichen Freundschaft, für die wir tiefe Dankbarkeit empfinden.

Wir vermissen ihn sehr, er wird uns fehlen. Unsere Anteilnahme gilt seiner Frau und seiner Familie.

Wolfgang Baum, Thomas Friehoff


Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e. V. (BSVS)

Landeshilfsmittelzentrum

Kompetenz und Beratung inklusive!

  • Text- und Grafikservice
  • Erstellung von Hörbüchern
  • Mobile, persönliche und telefonische Beratung
  • Alltagshilfsmittel- und Low-Vision-Beratung
  • Peerberatung – Betroffene beraten Betroffene
  • Telefonfachvorträge, Telefonkonferenzen
  • Vorstellen von Alltags- und Freizeitangeboten
  • Anamnese – aktuelle Hilfsmittelnutzung
  • Kontaktaufnahme soziale Dienste, Ämter
  • Unterstützung bei Antragstellungen
  • Einreichung Verordnungen bei Kostenträgern
  • Versand von Alltagshilfsmitteln

Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e. V. – Landeshilfsmittelzentrum
Louis-Braille-Str. 6
01099 Dresden
Tel.: 0351 80 90 624
E-Mail: lhz@bsv-sachsen.de
Web: www.landeshilfsmittelzentrum.de
Onlineshop: www.lhz-dresden.de


blista

Schnuppern macht Spaß!

Reinschauen in eine Schule mit einem einmaligen Profil, kleinen Klassen, ganzheitlicher Förderung und tollen Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Auch alle Quereinsteiger*innen sind herzlich willkommen!

Schnuppertage jeweils samstags von 10 Uhr bis 15 Uhr: 18.04.2026, 19.09.2026, 14.11.2026, 12.12.2026, 13.02.2027, 24.04.2027 (www.blista.de/schnuppertage)

Hier erwartet dich eine breite Auswahl an Schul- und Berufsabschlüssen: Allgemeines Gymnasium, Berufliches Gymnasium (Wirtschaft), Fachoberschulen für Gesundheit und für Sozialwesen (nähere Infos unter: www.blista.de/css).

PROStart für alle, die sich beruflich orientieren möchten: 20. bis 24.04.2026, 04. bis 08.05.2026, 08. bis 12.06.2026.

Am blista-Zentrum für berufliche Bildung stehen dir 6 Ausbildungen und Umschulungen zur Wahl (www.blista.de/ausbildungen-und-umschulungen).

Bei der blista bist du richtig!

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)
blistaCampus
Am Schlag 2-12
35037 Marburg
schuelerberatung@blista.de, Tel.: 06421 339
ausbildung@blista.de, Tel.: 06421 606-541


DVBS

Kompetent. Aktiv. Gemeinschaftlich.

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten
in Studium und Beruf e. V. (DVBS)
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-0

Mail: info@dvbs-online.de
Web: dvbs-online.de

Illustriert wird die Anzeige durch drei Portraitfotos dreier Mitglieder – zwei Frauen und ein Mann - in drei Kreisen, die sich auf dem Hintergrund eines großen gelben Kreises befinden.


Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf 

Nachhaltig wirken: Gemeinsam Gutes tun für blinde und sehbehinderte Menschen!

Werden Sie Teil unserer Stiftergemeinschaft – Wir unterstützen Projekte für blinde und sehbehinderte Menschen.

Bauen Sie mit am Fundament für Integration und Teilhabe – Ausbildung, Studium und Beruf sind wichtiger als je zuvor.

Unser Ansprechpartnernetz blinder und sehbehinderter Juristinnen und Juristen berät Sie unverbindlich bei Fragen rund um Zustiftungen und Nachlässe.

Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf
gegründet 1998
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-0
Mail: gemeinschaftsstiftung@dvbs-online.de
Web: https://dvbs-online.de/unterstuetzen
Stiftungskonto: Commerzbank Marburg, IBAN DE29 5334 0024 0393 1110 00


F.H. Papenmeier

Ihre erfolgreiche Zukunft wird Wirklichkeit! 

Mit unseren individuellen Anpassungen. Für blinde und sehbehinderte Nutzer – Ob am Arbeitsplatz oder privat.

Technisch führend – menschlich nah: Papenmeier RehaTechnik.

F.H. Papenmeier GmbH & Co. KG
Talweg 2
58239 Schwerte
Telefon: +49 2304 205 0
Fax: +49 2304 205 205
Internet: info.reha@papenmeier.de
www.papenmeier-rehatechnik.de

Bild: Eine Person arbeitet an einem Schreibtisch, an dem sich zwei Monitore befinden. Auf beiden Bildschirmen sind Programmiercodes zu sehen. Die Person tippt auf der Tastatur, daneben liegt die Computermaus.


RTB

Gezielte Steuerung der Signale - Per App sicher unterwegs

Immer sicher unterwegs
Ohne Anwohnerkonflikte
Kostenfreie Smartphone-App
LOC id kompatibel
LZA – Detektion – Parken – E-Mobilität

RTB 
Tel.: +49 5252 9706-0
Web: www.rtb-bl.de
Bild: Bunte Grafik eines bärtigen Mannes mit dunkler Brille und weißem Langstock, der an einer belebten Straße steht. In der Hand ein Smartphone, das Signale aussendet, im Hintergrund eine Großstadt.


SightCity 2026

27.-29. Mai 2026 - Die weltweit führende Fachmesse für blinde und sehbehinderte Menschen 

Hybride Messe: Kap Europa Frankfurt & Online

  • Bis zu 150 Aussteller vor Ort und online
  • Aussteller aus 25 Ländern
  • Vier Etagen mit spannenden Inhalten
  • Online-Vorträge
  • Themen rundum: Hersteller, Vereine & Organisationen
  • Zahlrieche Hilfsmittelanbieter
  • Networking und Austausch
  • Neu: Sport & Musik Bühne
  • SightCity Forum: Low Vision Fachvorträge
  • SightCity Ausstellervorträge: Fachvorträge von Aussteller
  • SightCity Workshop: Interaktive Workshops
  • SightCity TV: Livestream mit Saliya Kahawatte!
  • SightCity Gaming: Spielvorstellungen mit Gamer
  • SightCity Sport & Musik: Nue: Sport & Musik Bühne

Weitere Informationen unter 

www.sightcity.net
Tel.: 02304 205901
Jetzt Ticket reservieren!


SynPhon Elektronische Hilfen für Sehgeschädigte

Einfach SynPhon! 

Die Firma SynPhon entwickelt einfach zu bedienende elektronische Hilfsmittel, die blinden und seheingeschränkten Menschen das Leben erleichtern:

Der Einkaufs-Fuchs Produkt-Erkenner sagt mit einem Piep und Laserscanner, was es für eine Sache ist.

Die Fledermaus Orientierungshilfe erkundet den Raum mit Ultraschall und Infrarot und zeigt, wo es sicher langgeht.

Einfach mal testen! Haben Sie Fragen? Rufen sie an!

Tel.: 07250 929555
https://www.synphon.de/


Vanda Pharmaceuticals

Non-24. 

Sind Sie völlig blind? Fühlen Sie sich oft nicht fit und unkonzentriert? Schlafen Sie nachts schlecht und sind tagsüber sehr müde? Die mögliche Ursache: Ihre innere Uhr. Jeder Mensch besitzt eine innere Uhr. Der wichtigste Taktgeber ist das Tageslicht. Es setzt die innere Uhr immer wieder auf exakt 24 Stunden zurück. Völlig blinde Menschen fehlt die Lichtwahrnehmung, deshalb kann es dazu kommen, dass der Körper nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden kann. Diese Menschen leiden an der Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmusstörung, kurz Non-24.

Wie äußert sich Non-24? Betroffenen fällt es phasenweise sehr schwer, sich tagsüber wachzuhalten und zu konzentrieren. Nachts hingegen signalisiert der Körper oftmals kein Schlafbedürfnis.

Rufen Sie das Team des Non-24 Service an. Die erfahrenen Mitarbeiter finden den richtigen ärztlichen Ansprechpartner in Ihrer Nähe und beantworten Ihre individuellen Fragen. Sie sind rund um die Uhr erreichbar unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 24 321 08 oder per E-Mail non24@patient-plus.com

Werden Sie aktiv: Ein Termin bei einem Arzt ist der nächste Schritt oder informieren Sie sich in unseren Tele-Vorträgen. Die Termine finden Sie unter dem Punkt Informationen auf non-24.de

Non-24. Eine zyklische Schlaf-Wach-Rhythmusstörung bei völlig blinden Menschen. Dies ist ein Service der Firma Vanda Pharmaceuticals Germany GmbH (QR Code unterhalb).

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