Von Norbert Bongartz und Nina Odenius

Es waren besondere Zeiten im DVBS: Im November 2022 und im Februar 2023 standen gleich zwei Arbeitsausschusssitzungen auf der Agenda. Wie kam es dazu?

Fangen wir bei der regulär einberufenen Sitzung im November 2022 an. Tagungsort war das Kress Hotel in Bad Soden-Salmünster. Es handelte sich hierbei um den sogenannten "großen Arbeitsausschuss", zu dem alle zwei Jahre alle Bezirks-, Fach-, Interessen- und Projektgruppen des Vereins maximal zwei Vertreter*innen entsenden dürfen. Die Sitzung des Arbeitsausschusses vom 18. bis 20. November 2022 stand unter dem Titel "Selbsthilfe in unruhigen Zeiten - Auswirkungen von Corona, Krieg, Inflation und Energiekrise auf die Arbeit des DVBS". Im Rahmen des Wochenendseminars sollte thematisiert werden, wie sich die Krisen auf die Arbeit des Vereins ausgewirkt haben und welche Schlüsse daraus für die zukünftige Vereinsarbeit gezogen werden können.

Die Sitzung begann am Freitagabend mit der Vorstellung der Teilnehmer*innen und ihrer vereinsinternen Funktionen und Aufgabenbereiche.Der erste Vorsitzende des DVBS, Werner Wörder, gab einen Rückblick auf das letzte Jahr und hob dabei die Themen Bildung, Beruf, Digitalisierung und Teilhabe als die bedeutendsten Schwerpunkte der Vereinsarbeit hervor, die sich insbesondere auch in der Projektarbeit des Vereins wiederfinden.

Harald Schoen, Beisitzer im Vorstand des DVBS, befasste sich in seinem Bericht mit dem Engagement des DVBS im Bereich Rechtspolitik. Seit der Bildung der Bundesregierung Ende 2021 sei in den für den DVBS relevanten Bereichen nicht viel passiert, was für das erste Jahr nicht ungewöhnlich ist, erläuterte Harald Schoen. Inzwischen stehen aber erste Projekte vor der Tür, auf die der DVBS Einfluss nehmen möchte. Zum einen soll das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) überarbeitet werden. Es hat sich eine Allianz gebildet, die hierzu einen Forderungskatalog erarbeitet, in der Harald Schoen den DVBS vertritt. Unter anderem sieht das überarbeitete AGG keinen Anspruch auf sogenannte angemessene Vorkehrungen vor, sodass blinde und sehbehinderte Menschen aus diesem Rechtsanspruch ausgeschlossen werden können. Außerdem fordert die Allianz ein Recht der Verbände, gegen Diskriminierung vorzugehen (Verbandsklagerecht). Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) wurde einer wissenschaftlichen Evaluation unterzogen, die die Schwächen des Gesetzes aufzeigt. Der DVBS arbeitet entsprechend an Forderungen zur Gesetzesänderung. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist eine EU-Richtlinie, die die deutsche Regierung nur mit dem Nötigsten umgesetzt hat. Im Koalitionsvertrag gibt es vage Zusagen, dass das Gesetz nochmals überarbeitet wird. Der DVBS würde sich dann u. a. für die Aufnahme weiterer Kategorien von Produkten einsetzen (z.B. Haushaltsgeräte). Die Barrierefreiheit von IT ist nach wie vor schlecht und selten realisiert. Der DVBS versucht hier mit den verschiedenen Akteuren ins Gespräch zu kommen.

Zum Thema Medien berichtete die Beisitzerin Nina Odenius über die erfolgreiche Etablierung des DVBS-Podcasts und die Professionalisierung der Schnitttechnik. Zudem konnten erfreulicherweise auch neue engagierte Moderator*innen gefunden werden. Der Podcast ist jetzt auch auf iTunes und Apple zu abonnieren.

Im Anschluss ging es um die Bedeutung der Gemeinschaftsstiftung für die finanzielle Basis des Vereins. Die Erlöse des zugestifteten Vermögens (z.B. Zinsen, Miete etc.) aus der "Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf" können dem DVBS für Anschaffungen oder Projekte zur Verfügung gestellt werden. Durch diese Finanzmittel kann u.a. die Vereinsarbeit gesichert werden. Nähere Informationen zur Gemeinschaftsstiftung finden Sie auf der DVBS-Website unter dem Menüpunkt "Spenden und Stiften: Wie werde ich Stifter?"

Zudem befasste sich der Arbeitsausschuss mit den aktuellen Trends im DVBS, bezogen auf die Mitgliederentwicklung und die Erwartungen der Mitglieder an die Vereinsangebote.

Die Berichte aus der Geschäftsstelle des Vereins durften selbstverständlich auf der Tagesordnung nicht fehlen. Es wurde berichtet, dass zum 1. Dezember eine neue kaufmännische Kraft eingestellt wird. Auch im Jahr 2023 werden personelle Veränderungen in der Geschäftsstelle eintreten, da die langjährige Mitarbeiterin Birgit Stolz im April in den Ruhestand gehen wird. Der geprüfte Jahresabschluss für 2021 wurde ebenfalls entgegengenommen. Die Mitglieder des Arbeitsausschusses wurden unter anderem darüber informiert, dass in den vergangenen Jahren nicht alle Mitgliedsbeiträge ordnungsgemäß eingezogen worden waren. Dies sorgte für einige Diskussionen. Dennoch wurde der Vereinsvorstand am Ende für das Rechnungsjahr 2021 von den Mitgliedern des Arbeitsausschusses entlastet. Über den Haushaltsplan des Jahres 2023 wurde ebenfalls beraten.

Am Samstag folgte ein ganzer Seminartag mit spannenden Themen rund um den DVBS. So wurde u.a. über das mediale und Bildungsangebot des Vereins gesprochen oder über die veränderten Kommunikationsmöglichkeiten durch z. B. soziale Medien und Onlinetools. Auch die veränderten Reisegewohnheiten durch die Corona-Pandemie wurden thematisiert. Dies würde auch Auswirkungen auf das Dienstleistungsportfolio des DVBS haben. Auch die Kooperation mit anderen Selbsthilfeorganisationen war ein wichtiges Thema der Arbeitsausschusssitzung. Der 1. Vorsitzende Werner Wörder berichtete zudem über die Visionen und Risiken der politischen Arbeit des DVBS. Über die Erfahrungen und Perspektiven des Projektes agnes@work berichtete der Projektleiter Herbert Rüb. Er verwies auch auf die im April 2023 anstehende Tagung des Projektes. Christian Axnick berichtete über die Seminare und die Bildungsarbeit des Vereins in den vergangenen Jahren von 2020 bis 2022. Dabei wurde u. a. die Frage gestellt, wie das Verhältnis zwischen Online- und Präsenzveranstaltungen aussieht und ob evtl. finanzielle Gründe oder Angst vor Corona von einer Teilnahme an DVBS-Veranstaltungen abhalten könnten.

Am Sonntagvormittag wurde aus den laufenden Projekten sowie den Bezirks-, Fach-, Interessen- und Projektgruppen des DVBS berichtet. Zudem informierte Peter Brass über die Arbeit der Fachausschüsse im DBSV. Auch über die Arbeitskreise des DVBS wurde von Seiten der Gremienvertreter informiert. Ein Ausblick auf die Mitgliederversammlung im Mai 2023 wurde gegeben.

Zwei neue Interessengruppen bereichern seit November 2022 den Verein: Die Interessengruppe Digitale Barrierefreiheit wird sich in der Selbsthilfe dafür einsetzen, dass blinde und sehbehinderte Menschen mit der Digitalisierung in Studium und Beruf Schritt halten können und nicht davon ausgeschlossen werden. Die Interessengruppe LowVisionPlus möchte Vereinsmitglieder erreichen, die neben ihrer Seheinschränkung über ein weiteres oder mehrere Handicaps verfügen. Hier sollen langfristig neue Vernetzungs- und Unterstützungsmöglichkeiten entstehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Arbeitsausschusssitzung vom 18. bis 20. November 2022 waren die Neuwahlen des Leitungsteams. Norbert Bongartz wurde als Vorsitzender des Arbeitsausschusses für weitere zwei Jahre wiedergewählt. Auch seine Stellvertreter Heinz Willi Bach und Andreas Wagner wurden im Amt bestätigt.

Außerordentliche Sitzung, Februar 2023

Am 9. Februar 2023 trat der Arbeitsausschuss erneut zu einer Sitzung zusammen. Diesmal war es eine außerordentliche Sitzung, die einberufen wurde, weil sich im Vereinsvorstand einige Veränderungen ereignet hatten und der Arbeitsausschuss vom Vorstand gemäß der Vereinssatzung gebeten wurde, diesen zu ergänzen. Im November 2022 hatte Ursula Weber als 2. Vorsitzende und im Februar 2023 Nina Odenius als Beisitzerin ihr Amt niedergelegt. Auf der außerordentlichen Sitzung wurden dem Arbeitsausschuss zwei Kandidatinnen für die jeweiligen Posten vorgestellt. Der Arbeitsausschuss ergänzte den Vorstand daraufhin um zwei Mitglieder: Sabrina Schmitz aus Essen wurde zur 2. Vorsitzenden gewählt und Leonore Dreves aus Hettstadt zur Beisitzerin. Beide sind schon viele Jahre lang in anderen Funktionen im DVBS aktiv gewesen.

Außerdem stimmte der Arbeitsausschuss dem Antrag zu, die beiden Bezirksgruppen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu vereinen, um seine Kräfte im Norden zukünftig besser bündeln zu können.

Wonach suchen Sie?