horus 4/2022
Schwerpunktthema: "Gesundheit"

Titelbild horus;

Titelbild horus 4/2022: Ernährungsberaterin Nina Schweppe lacht und hält ein rotes Radieschen mit grünem Blätterstrunk dicht vor ihr linkes Auge. Sie hat braune Haare, braune Augen und trägt ein apfelgrünes Poloshirt. Foto: Nina Schweppe, fotografiert von Leon Schwehr.


Das Inhaltsverzeichnis und ausgewählte Beiträge der aktuellen horus-Ausgabe stehen Ihnen schon jetzt hier zur Verfügung. Die gesamte Ausgabe wird Anfang März 2022 online geschaltet. Eine kostenlose Probeausgabe des horus erhalten Sie gerne über die DVBS-Geschäftststelle, Tel.: 06421 94888-24, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Inhalt

  • Vorangestellt
  • Aus der Redaktion
  • Schwerpunkt: "Gesundheit"
    • M. Klaus: ... und abnehmen tut man auch noch: Erfahrungen beim Heilfasten
    • P. Beck: Von intuitiver Ernährung und gesundem Schlaf
    • P. Beck: Niemand darf zurückbleiben: Vernachlässigte Tropenkrankheiten gefährden eine Milliarde Menschen, oft sind die Augen betroffen
    • J. Sonntag: Depressionen machen keinen Bogen um behinderte Menschen
    • J. Lebelt: Keine Arbeit für Dünnhäutige - Mein Weg zur Psychologin
    • Gute Bewegungen lehren: Jürgen Bopp über seinen Werdegang und Berufsalltag als Physiotherapeut: Ein horus-Interview mit Isabella Brawata
    • "Immer auf den eigenen Körper hören": Noemi Ristau im horus-Interview mit Thorsten Büchner
  • Beruf, Bildung und Wissenschaft
    • agnes@work: "Nichts von anderen einreden lassen": Mit dem Teilhabechancengesetz zum Traumjob
    • M. Klaus: Ableismus - ein neuer Begriff erobert den Mainstream
  • Recht
  • Barrierefreiheit und Mobilität
    • P. Krines: Wie kommunizieren taubblinde Menschen?
    • N. Odenius: Schulministerium entwickelt seit 2011 an einer Lernplattform herum - und vernachlässigt dabei die (gesetzlich vorgeschriebene) Barrierefreiheit
  • Berichte und Schilderungen
    • L. Schmidt: Zeitenwende - Vom Leben nach der blista
  • Aus der Arbeit des DVBS
    • N. Odenius: Frischer Wind für den DVBS-Podcast
    • A. Carstens: EDV-Gerichtstag 2022 und Barrierefreiheit
    • C. Axnick: Seminare
  • Aus der blista
  • Bücher
  • Panorama
  • Impressum
  • Vorschau horus 1/2023
  • Anzeigen

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Von intuitiver Ernährung und gesundem Schlaf

Von Peter Beck

Mens sana in corpore sano - ein gesunder Geist in einem gesunden Körper: Darum die Götter zu bitten, hielt schon der römische Dichter Juvenal für sinnvoll. Offenbar war ihm klar, wie sehr körperliche und geistige Gesundheit zusammenhängen und dass es oft schwer ist, so zu leben, dass eins ins andere greift wie die Rädchen eines Uhrwerks. Damit es doch gelingt, braucht es jedenfalls die Erkenntnis, wie sehr die Grundbedürfnisse unseres Körpers - Ernährung, Schlaf - unser Wohlbefinden beeinflussen.

Die Ernährungsfalle

Um mehr zu erfahren, bin ich telefonisch mit Nina Schweppe in Hamburg verabredet. Sie ist Anfang 50, selbst blind und berät Menschen in Fragen des Essens und des Bio-Rhythmus.

Aber der Reihe nach. Nina erzählt von ihrer eigenen Essstörung, Binch Eating Disorder. Dabei wird aus Frust und zur Befriedigung von Emotionen unkontrolliert gegessen, ohne dass der Patient hinterher erbricht. Die Folge ist der unselige Kreislauf aus Übergewicht, mehr Essen, mehr Frust, mehr Übergewicht. Nina sieht unter anderem ihre Internatsvergangenheit als Grund dafür. Bei einer Ernährungsberaterin, die sie in ihrer Verzweiflung aufsuchte, bekam sie wohlfeile Tipps wie diese: Sport machen; drei Haltestellen eher aus dem Bus steigen und den Rest des Weges laufen; jeden Tag frisch kochen. Das ist sicher nicht verkehrt, hilft aber Menschen, die nicht gern kochen, sich beim Sport schwer tun und die keine Orientierungskünstler sind, nicht weiter.

Verfetten und Sterben keine Alternative

Nina griff daher den Gedanken der Selbsthilfe auf und wurde selbst Ernährungsberaterin. Sie entwickelte ein Konzept, das frei von Dogmen ist und möglichst die Barrieren ihrer Kundschaft mit in den Blick nimmt.

Beim intuitiven Essen geht es darum zu ergründen, wann stille ich mit welchem Essen welchen Hunger. Habe ich also wirklich Hunger oder ist es eher ein seelischer Hunger, der meine Schritte zum Kühlschrank lenkt. Und wenn es Letzterer ist, was könnte ich stattdessen tun, wenn der innere Schweinehund seine Hütte verlässt und fordernd knurrt. Wer als Schüler beim Lernen frustriert ist und gern auf einen Boxsack haut, soll sich einen ins Zimmer hängen, meint Nina. Es geht darum, Essen als Übersprungshandlung zu erkennen und diese Handlungen umzuleiten. Fisch, Fleisch, Gemüse, Nudeln, Kartoffeln: Nina ist sicher, dass der Körper zu jeder Zeit weiß, was er will, diese Signale sind häufig verschüttet. Wer es dabei belässt, bleibt übergewichtig.

Nina zeigt in ihren Kursen, wie ein Teller sinnvoll gefüllt wird. Wer beispielsweise die obere Hälfte dem Gemüse widmet und unten Fleisch und Beilagen anrichtet, dazu noch langsam isst und gut kaut, wird merken, wie schnell er satt wird und dass der Drang nach einem Nachschlag zurück geht. Der Körper braucht Zeit zu begreifen, dass es jetzt genug ist.

In die Ernährungsfalle tappen alle, aber Nina ist überzeugt, dass blinde Menschen eher dazu neigen. Sie erhalten kaum Rückmeldung über ihr Aussehen; sie sehen zum Beispiel nicht die dicke Mutti am Strand, um hinterher im Spiegel zu erkennen "Ich seh' ja grad so aus!". Auch war für viele das Internat prägend. Es war üblich, dass der Teller leer gegessen werden musste, auch das verhasste Gemüse. Dass später gerade das Gesunde beim Einkauf liegen bleibt, ist logisch. Auch waren früher wohlgenährte Kinder ein Zeichen von Wohlstand, die liebe Verwandtschaft schenkte den sehenden Neffen und Nichten Bilderbücher - das blinde Kind bekam Schokolade. Und auch die Frühchen wurden dereinst nicht nach Bedarf gefüttert, sondern nach der Uhr. In ihren Kursen thematisiert Nina Schweppe all dieses. Sie weiß, dass viele blinde Menschen nicht gern kochen, weil sie der heiße Herd ebenso schreckt wie die scharfen Messer. Dann darf es auch mal ein Fertigprodukt sein oder eben das Pizza-Taxi - aber vielleicht kann die Pizza ja kleiner ausfallen und dafür gibt es noch einen Vorspeisensalat. Gut ist auch, zu jeder süßen Mahlzeit ein Stück Obst oder zu jeder herzhaften ein Stück Gemüse zu essen, Gurken, Tomaten, alles Dinge, die bei der Zubereitung keinen Aufwand machen.

Nina bietet ihre Kurse auf der Webseite www.beb-schweppe.de an. Es gibt Online-Kurse, in denen die Teilnehmer "Lehrbriefe" durcharbeiten und Fragen beantworten. Nina schaut sich das Ergebnis an und schaltet dann die nächste Lektion frei. Auch gibt es Einzel-Coachings, bei denen Nina noch genauer auf die Situation des Kunden eingehen kann. Das geht über Messenger oder Telefon, niemand muss dafür seine Wohnung verlassen.

Die Uhrmacherin

Nina Schweppe berät aber nicht nur zu Fragen der Ernährung. Sie hat sich auch mit dem Uhrwerk befasst, das unseren Bio-Rhythmus steuert. Als Betroffene von Non-24 weiß sie, was es heißt, wenn die innere Uhr nicht mit dem Rhythmus von Tag und Nacht Schritt hält. In ihren Kursen analysiert Nina den Chrono-Typ ihrer Kunden. Durch gezielte Fragen wird schnell klar, ob jemand Eule, Taube oder Lerche ist. Die Eulen (das sind rund 60% aller Menschen) sind gerne lang auf und haben ihre höchste Leistungsfähigkeit eher spät. Für sie sind der normale Arbeitstakt oder auch der frühe Schulbeginn nicht praktisch.

Das Gegenteil sind die Lerchen. Sie schaffen ihr Pensum am Morgen und gehen gern früh zur Ruhe.

Die Tauben sind flexibel und arrangieren sich - wohl dem, der das kann.

Zu welchem Vogel sich jemand hingezogen fühlt, lässt sich leicht klären, und wenn dann noch der eigene Lebensstil unter die Lupe kommt, wird ein Konzept draus, wie der von Schlaflosigkeit geplagte Zeitgenosse wieder erholsam schlummert. Nina legt Wert darauf, dass sie keine medizinischen Diagnosen stellt. Wenn sie den Eindruck gewinnt, dass eine Schlafstörung pathologisch ist, weist sie den Weg zum Arzt. Denn auch nur derjenige, der Non-24 ärztlich bescheinigt bekommt, erhält die teuren Medikamente von der Kasse bezahlt.

Besser leben mit dem eigenen Bio-Rhythmus

Nina Schweppe hat an sich selbst gearbeitet, daher versteht sie ihre Klientel. Und sie weiß, dass gut zu essen und zu schlafen keine Hexerei sind. Was sie fordert, ist, dass ihre Kunden bereit sind, sich mit sich selbst, ihren Werten und ihren Ansprüchen an sich selbst und die Gesellschaft zu beschäftigen. Nur wer sich in Frage stellt, wird Antworten finden. Dabei hilft Nina gern in ihren Kursen und am Telefon.

Zur Person

Nina Schweppe, Jahrgang 1970, ist Sozialpädagogin, Ernährungsberaterin und zertifizierte Schlafberaterin. Weitere Informationen finden Sie unter www.beb-schweppe.de. Dort gibt es viele Einstiegstipps und die Links zu den Online-Kursen und -Coachings.

Bild: Nina Schweppe trägt eine Brille und ein großes Tuch in Orange um den Hals. Foto: Nina Schweppe

Bild: Der Körper weiß, was er wirklich will. Nina Schweppe lacht und hält ein rotes Radieschen mit grünem Blätterstrunk dicht vor ihr linkes Auge. Sie hat braune Haare, braune Augen und trägt ein apfelgrünes Poloshirt. Foto: Nina Schweppe, fotografiert von Leon Schwehr.

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Recht

Anspruch auf Arbeitsassistenz: Ein Gerichtsurteil mit Potenzial

Von Uwe Boysen

Vorbemerkung

Wer auf eine Arbeitsassistenz angewiesen ist, der sollte das hier besprochene Urteil (1) kennen, auch wenn der vom Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) entschiedene Fall möglicherweise nicht genau auf die eigene Situation passt. Das Urteil beschreibt die Gründe für den Anspruch auf eine Arbeitsassistenz sehr deutlich und wird daher auch bei Folgeprozessen hilfreich sein, z. B. beim Streit über die Vergütung einer Arbeitsassistenz im Arbeitgebermodell.

Der Sachverhalt

Das Bundesverwaltungsgericht musste sich im vorliegenden Fall mit der Frage auseinandersetzen, ob ein blinder Rechtsanwalt - vertreten durch die Gesellschaft "Rechte behinderter Menschen (rbm)" - auch nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze weiter einen Anspruch auf Arbeitsassistenz hat, wenn er noch zukünftig seinen Beruf ausüben möchte. Im Ergebnis wurde das vom BVerwG mit einer wegweisenden Begründung bejaht.

Wesentliche Aspekte der Entscheidung

Im Gegensatz zu den Urteilen der Vorinstanzen zieht das BVerwG zur Begründung nicht den Begriff einer für die bestimmte Berufsgruppe noch üblichen Teilhabe am Arbeitsleben heran. Vielmehr erkennt es, dass der Anspruch auf eine Arbeitsassistenz unabhängig davon direkt aus § 185 Abs. 5 Sozialgesetzbuch (SGB) IX (2) (früher § 102 Abs. 4 SGB IX) herzuleiten ist, und zwar ohne eine Altersgrenze. Eine solche Altersgrenze finde sich in der Vorschrift nicht. Dieses Ergebnis gewinnt das Gericht auch aus verschiedenen weiteren sozialrechtlichen Normen. Die begleitenden Hilfen im Arbeitsleben zielten darauf, behinderte Menschen zu unterstützen, die bereits in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert seien. Dabei gehe es darum, ihre Arbeitssituation individuell und konkret zu verbessern und dafür zu sorgen, dass sie konkurrenzfähig blieben und auf Arbeitsplätzen beschäftigt würden, auf denen sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse voll verwerten und weiterentwickeln könnten (so auch schon § 185 Abs. 2 SGB IX). Dem liege das Verständnis eines Menschen zugrunde, bei dem sich auch im Beruf die Persönlichkeit entfaltet und der seine Arbeitskraft hierfür einsetzt. (3)

Außerdem bezieht sich das Gericht auf Art. 27 der UN-Behindertenrechtskonvention sowie auf das Diskriminierungsverbot aus Art. 3 Abs. 3 Satz 2 Grundgesetz (GG). Die Herstellung von Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt stelle ein selbstständiges Ziel bei der Kostenübernahme für eine notwendige Arbeitsassistenz dar, zumal es eine vom Gesetzgeber festgestellte seit Jahren bestehende überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen gebe. Letztlich verweist das BVerwG auch auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 16. Dezember 2021 zur Triage (4), in der ausgeführt wird, dass eine Benachteiligung wegen einer Behinderung im Sinne von Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG auch vorliegt, wenn einem Menschen wegen einer Behinderung Entfaltungs- und Betätigungsmöglichkeiten vorenthalten werden, die anderen offenstehen, soweit dies nicht durch eine auf die Behinderung bezogene Fördermaßnahme hinlänglich kompensiert wird.

Ausstrahlung auf das Grundrecht der Berufsfreiheit

In der Literatur zu der bereits zitierten Entscheidung des BVerwG (siehe Fn. 3), die die Arbeitsassistenz für einen blinden Beamten betraf, der nach Reduzierung seiner Arbeitszeit daneben freiberuflich tätig sein wollte, hat Kohte den Zusammenhang der damaligen Entscheidung zur Berufsfreiheit aus Art. 12 GG herausgearbeitet. (5)

Das BVerwG geht in der hier rezensierten Entscheidung zwar selbst nicht auf Art. 12 GG ein. In einem Vorlagebeschluss an das Bundesverfassungsgericht vom 20.5.2021 (6) argumentiert das Gericht aber wegen zu niedriger BAföG-Sätze mit Art. 12 Abs. 1 (Berufsfreiheit), Art. 3 GG (Gleichheitssatz) und dem Sozialstaatsprinzip. Dabei kommt es zu dem Ergebnis, dass der Anspruch auf Zutritt zu mit öffentlichen Mitteln geschaffenen Ausbildungseinrichtungen von den genannten Normen umfasst sei, weil die freie Wahl der Ausbildungsstätte und der daraus folgende freie Zugang zu Ausbildungseinrichtungen als Freiheitsrecht ohne die Möglichkeit wertlos wäre, dieses Recht auch in Anspruch nehmen zu können. Die Folge ist die Annahme eines subjektiven Rechts Auszubildender auf staatliche Förderung in Höhe des existenziellen und ausbildungsbezogenen Bedarfs (vgl. BVerwG, Beschluss vom 20.05.2021 - 5 C 11.18 -, Juris Rn. 20 ff.).

Fuerst (7) meint, eine vergleichbare Argumentation lasse sich im Zusammenhang mit dem Anspruch auf Übernahme der Kosten für eine notwendige Arbeitsassistenz entwickeln:

"Jedenfalls gilt das für diejenigen Fälle, in denen der gewählte Beruf ohne diese Assistenzleistung nicht ausgeübt werden könnte. Liegt eine ausreichende Qualifikation für den angestrebten oder ausgeübten Beruf vor, gehört es zum objektiven Grundrechtsgehalt des Art. 12 Abs. 1 GG i. V. m. dem Sozialstaatsprinzip und dem besonderen Benachteiligungsverbot des Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG, dass der Zugang zu diesem Beruf auch für Menschen mit einer Behinderung gewährleistet sein muss. (...) Konkret ergibt sich daraus, dass ein aus dem verfassungsrechtlichen Teilhaberecht auf freie Berufswahl folgender Anspruch auf die finanzielle Förderung von auf die Behinderung bezogenen Kompensationsmaßnahmen anzunehmen ist, die erforderlich sind, damit der gewählte Beruf auch ausgeübt werden kann. Mit dieser Argumentation wäre sichergestellt, dass der in Art. 12 Abs. 1 GG wurzelnde Teilhabeanspruch ausgehend von der subjektiven Wahl der beruflichen Tätigkeit besteht - sei diese selbständig oder abhängig, Teil- oder Vollzeit. Er ginge entscheidend über den bisher verfassungsrechtlich etablierten Anspruch auf Kompensation durch auf die Behinderung bezogene Fördermaßnahmen aus Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG hinaus, weil dieser Anspruch nur bei einem Ausschluss von Entfaltungs- und Betätigungsmöglichkeiten durch die öffentliche Gewalt anerkannt ist, nicht aber in Bezug auf die Schaffung der (wirtschaftlichen) Voraussetzungen, um die Ausübung eines bestimmten Freiheitsrechts zu ermöglichen."

Hier geht es, ebenso wie im BAföG-Fall, darum, eine regelmäßig aus öffentlichen Mitteln finanzierte oder geförderte berufliche Qualifikation auch mit einer Behinderung tatsächlich bestimmungsgemäß nutzen zu können.

Fazit

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts stärkt mit seinen allgemeinen Ausführungen, die sich nicht nur auf Arbeitsassistenz jenseits der Regelaltersgrenze beziehen, die Position von Menschen mit Behinderungen in ihrem Kampf um gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben und verdient daher volle Zustimmung. Wie schon oben angedeutet, kann man es nach meiner Auffassung auch dazu nutzen, eine bessere Vergütung von Arbeitsassistenzkräften zu verlangen, deren Entlohnung nach unserer Erfahrung gerade, wenn es um qualifizierte Assistenz geht, weiterhin viel zu schlecht ist mit der Folge, dass es immer schwieriger wird, geeignete Personen für diese Aufgabe zu finden.

Anmerkungen

(1) Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom 12.1.2022 - Aktenzeichen 5 C 2.21.

(2) Dieser lautet: "(5) Schwerbehinderte Menschen haben im Rahmen der Zuständigkeit des Integrationsamtes für die begleitende Hilfe im Arbeitsleben aus den ihm aus der Ausgleichsabgabe zur Verfügung stehenden Mitteln Anspruch auf Übernahme der Kosten einer notwendigen Arbeitsassistenz. Der Anspruch richtet sich auf die Übernahme der vollen Kosten, die für eine als notwendig festgestellte Arbeitsassistenz entstehen."

(3) Vgl. schon BVerwG, Urteil vom 23. Januar 2018 - 5 C 9.16 = Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwGE) 161, 145 Rn. 15.

(4) Bundesverfassungsgericht (BVerfG), Entscheidung 1 BvR 1541/20 - Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht, 2022,1, 39.

(5) juris PraxisReport Arbeitsrecht (jurisPR-ArbR) 50/2018, Anm. 6.

(6) Vorlage an das Bundesverfassungsgericht zum Bedarfssatz des § 13 Abs. 1 Nr. 2 BAföG - BVerwG 5 C 11.18

(7) Fuerst, Anspruch auf Arbeitsassistenz jenseits der Regelaltersgrenze, Beitrag A6-2022 unter www.reha-recht.de; 29.07.2022.

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Aus der Arbeit des DVBS

Seminare

Von Christian Axnick

Fachgruppe Musik

Vom 27. - 29.01.2023 plant die Fachgruppe Musik ihr Seminar zum Braille-Notennetzwerk in Bad Soden-Salmünster, das 2023 in erweitertem Format stattfinden soll. Seit dem Bestehen der Netzwerktagung stellen die Verlage aus Leipzig und Zürich kenntnisreich ihre Produktionen vor. Neben dieser wichtigen Informationsquelle erhalten Musikerinnen und Musiker aus ihrem beruflichen Umfeld zahlreiche Informationen über den praktischen Gebrauch von Musikliteratur (Noten, theoretische und pädagogische Werke).

Dank eines neuen Moduls sollen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung die Möglichkeit bekommen, Musikliteratur vorzustellen. Die anschließend im Plenum besprochenen Empfehlungen werden als Orientierungshilfe für die Gestaltung der Verlagsprogramme gewünscht.

Und so funktioniert es: Interessierte schicken ihre Vorschläge ans Leitungsteam der FG Musik. Nach Einsendeschluss wird eine Liste zusammengestellt. Während der Tagung stehen 10 Minuten zur Verfügung, einen Titel vorzustellen. Das Leitungsteam behält sich das Recht der Rangfolge und, wenn aus zeitlichen Gründen notwendig, einer Auswahl vor. Gegebenenfalls können Notenbeispiele am Klavier oder per Tonträger eingespielt werden.

Das detaillierte Programm stand zum horus-Redaktionsschluss noch nicht fest.

Bild: Musikliteratur steht im Zentrum des Seminars der DVBS-Fachgruppe Musik 2023. Im Rahmen eines vergangenen Seminars spielt ein Mitglied am Flügel, Noten in Braille und Schwarzschrift liegen auf dem Deckel bereit. Foto: DVBS / Kronenberg

Fachgruppe Verwaltung

Voraussichtlich ab Februar 2023 wird die DVBS-Fachgruppe Verwaltung eine Reihe von Online-Kursen zur Nutzung verschiedener Videokonferenzsysteme anbieten. Die Planung läuft, Details werden rechtzeitig veröffentlicht.

Weitere Informationen

An den Seminaren der DVBS-Fachgruppen können auch Nichtmitglieder gerne teilnehmen, allerdings werden Mitglieder des DVBS bei der Vergabe der Plätze zuerst bedacht.

Schauen Sie doch immer mal wieder auf der DVBS-Webseite unter Aktuelles/Termine nach - hier finden Sie in chronologischer Folge nicht nur die Termine und Themen unserer Seminare und Telefonchats, sondern auch die der DVBS-Stammtische, die virtuell oder vor Ort stattfinden.

Informationen zu den Seminaren im Rahmen unseres Projektes agnes@work, die sich an alle Interessierten richten, finden Sie auf der Projektwebseite https://www.agnes-at-work.de/seminare-elearning/seminare/

Benötigen Sie weitere Informationen? Bei Fragen und Wünschen rund um die DVBS-Seminare wenden Sie sich an:

Kontakt

Christian Axnick
DVBS-Geschäftsstelle
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-28
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Aus der blista

Gute bis sehr gute Abschlüsse am blista-Zentrum für berufliche Bildung

Vier Auszubildende des blista-Zentrums für berufliche Bildung (ZBB) haben an der diesjährigen Sommerprüfung vor den Prüfungsausschüssen der IHK teilgenommen. Drei Azubis bestanden ihre Prüfung mit gutem bis sehr gutem Erfolg, der Vierte war leider krank und muss die Prüfung nachholen.

Klein und fein war der diesjährige Abschlussjahrgang der Teilnehmenden an unseren von der Bundesagentur für Arbeit (BA) geförderten Ausbildungs- und Umschulungsangeboten. Er bestand zudem ausschließlich aus Absolventen der Ausbildung zum/zur Fachinformatiker*in Anwendungsentwicklung. Das war vor dem Hintergrund des breiten Ausbildungsangebotes für die aktuell insgesamt 33 Azubis und Umschüler*innen im ZBB ungewöhnlich.

Alle drei "frischgebackenen" Fachinformatiker haben den nächsten Schritt ihrer beruflichen Laufbahn sorgfältig geplant und bereits umgesetzt: Einer von ihnen hat soeben ein Studium der Informatik aufgenommen, um seine in der Ausbildung erworbenen Kompetenzen als Entwickler noch weiter zu vertiefen. Die anderen beiden Absolventen haben bereits jetzt sehr interessante Jobs begonnen: Ein junger Mann wird mit seinen Kompetenzen als Entwickler zukünftig den Deutschen Wetterdienst bei der Auswertung von Wetterdaten unterstützen. Der andere hat eine Beschäftigung als Softwareentwickler in einem Unternehmen aufgenommen, das Software für die Einführung und Verwaltung betrieblicher Arbeitsschutzmaßnahmen und im Bereich des Personalmanagements anbietet.

Im kommenden Jahr werden sich voraussichtlich sieben Auszubildende und ein Umschüler in den Berufen Fachinformatiker*in Anwendungsentwicklung, Fachinformatiker*in Systemintegration und Kaufmann/-frau für Büromanagement den IHK-Prüfungen stellen.

Wer sich für eine Ausbildung am blista-Zentrum für berufliche Bildung interessiert, findet auf der Homepage der blista (www.blista.de/ausbildungen-und-umschulungen) und in den Videos im YouTube-Kanal der blista (www.youtube.com/blistaCampus) nähere Informationen. Das nächste Schnupper-Angebot PROStart bietet die blista im Zeitfenster 12. bis 16. Dezember 2022 an.

Kontakt

Ressortleiter Otfrid Altfeld und Ausbildungskoordinatorin Susanne Becker stehen auch persönlich gern Rede und Antwort:
Tel. 06421 606-541
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Bücher

Aus der Braille-Druckerei: "Fröhliche Weihnachten" für Kinder und Jugendliche

Von Wencke Gemril und Jochen Schäfer

In der diesjährigen Weihnachtsausgabe geht's wieder mal "tierisch gut ab", nur im letzten Buch geht's sehr menschlich zu.

Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein

Bei uns in Marburg geht seit einem Jahr ein Schwein um, ein Weihnachtsschwein. Es muss ein Tapir sein, da es sich gern auf gepunktetem Papier tummelt. Am 1. August sagte es freudestrahlend: "Hurra, wir haben St. Patrick's Day!" (es stammt nämlich ursprünglich aus England). Bevor es zu uns kam, erlebte es eine spannende Reise mit einem kleinen Jungen namens Jack, und was die beiden erlebten, könnt ihr lesen in "Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein", geschrieben von der berühmten Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling.

Bestellnummer 6236, 4 Bände, reformierte Kurzschrift.

Bild: Buchcover des Carlsen-Verlags: Das Weihnachtsschwein zieht Jack mit sich über die weihnachtlich verpackten Geschenke.

Die Schule der magischen Tiere

Auch von unseren Freunden mit den "Magischen Tieren" gibt es Neuigkeiten. - Na, Ihr erinnert euch doch noch ...? Richtig: Das sind die Kinder aus der Klasse von Miss Cornfield in der Wintersteinschule. Nach einem Jahr sind zwei weitere Geschichten frisch übertragen worden, nämlich: Bd.12 "Voll das Chaos" und Bd.13 "Bravo, Bravissimo!"

Beide Geschichten umfassen 3 Bände in reformierter Kurz- und Vollschrift.

"Das Neinhorn"

... ein Bilderbuch, das nicht nur für Kinder, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene lesenswert sein könnte.

Es wurde von Marc-Uwe Kling geschrieben, bekannt durch seine Bücher über das vorlaute sprechende Känguru. Er hat auch mehrere Bilderbücher entworfen, und "Das Neinhorn" steht schon lang sehr weit oben auf der Spiegel-Bestseller-Liste.

Das Neinhorn ist ein niedliches Einhorn, das im Herzwald mit seiner Familie lebt. Weil es immer zu allem nein sagt und sich gar nicht einhornmäßig benimmt, wird es schließlich von allen nur noch Neinhorn gerufen. Eines Tages zieht es los und lernt den Wasbär kennen, der nicht gut zuhören kann oder will. Gemeinsam ziehen sie weiter, treffen auf den Nahund, dem alles egal ist, und retten die trotzige Königsdochter aus einem Turm. Die vier sind ein tolles Team, denn sogar bockig sein macht zusammen viel mehr Spaß!

Wir haben den Text und knappe Bildbeschreibungen in das Originalbuch mit eingebunden.

Bestellnummer 4995, Vollschrift.

Bild: Buchcover des Carlsen-Verlags: Das kleine Neinhorn sitzt zwischen Pflanzen. Es hat große, blau umrandeten Augen, ein blau-weiß geringeltes Einhorn und einen bunten Schweif.

"White Fox" Band 1: "Der Ruf des Mondsteins"

Polarfuchs Dilah wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Mensch zu sein. Daher vermacht ihm seine Mutter etwas ganz Besonderes: den sagenumwobenen Mondstein, der seinen Wunsch erfüllen könnte. Dilah folgt dem Ruf des magischen Steins und macht sich auf eine Reise. Unterwegs muss er sich vor kaltblütigen Menschen in acht nehmen, aber auch die Natur ist unberechenbar. Und im Dickicht lauern feindlich gesinnte Clans, die es auf Dilah und sein mächtiges Erbe abgesehen haben ...

Eine große neue Tierfantasy-Reihe für Menschen ab 9 Jahren, geschrieben vom chinesischen Bestseller-Autor Jiatong Chen. Coolness und Magie treffen Spannung, Action und Natur! Ein packendes Abenteuer rund um einen Polarfuchs, eine große Mission und eine gefährliche Reise. In dieser modernen Parabel liegen Gut und Böse sowie Freund und Feind ganz nah beieinander. Für alle Fantasy-Fans von "Woodwalkers" und "Animox".

Bestellnummer 6256, Kurzschrift 3 Bände, Vollschrift 5 Bände im A4-Format.

One way or another - zwei Wege zu dir

Die tragikomische Liebesgeschichte der 17-jährigen Paige aus den USA während ihres komplizierten Selbstfindungsprozesses, verfasst von Cara McDowell.

Paige hat panische Angst davor, Entscheidungen zu treffen. Deshalb überlässt sie die Wahl, wie sie ihre Winterferien verbringen soll, einer App. Soll sie mit Fitz, ihrem besten Freund und zugleich größten Schwarm, in die Berghütte seiner Eltern reisen oder doch eher mit ihrer Mutter nach New York fliegen? Als Paige sich den Kopf anstößt, stehen ihr plötzlich beide Möglichkeiten offen, sodass die Leser*innen in zwei Parallelrealitäten eintauchen. Aber ihre Angststörung begleitet Paige auf beiden Wegen - und die droht alles zu ruinieren... Eine tiefgründige und zugleich humorvolle Liebesgeschichte für Jugendliche ab 14 Jahren.

Bestellnummer 6250, 7 Bände in reformierter Kurz-, 9 in Vollschrift.

Bild: Buchcover des Loewe-Verlags: Paige und Fitz gehen in entgegengesetzte Richtungen, Paige unten vor der Silhouette New Yorks, Fitz oben vor dem Hintergrund hoher Berggipfel.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest, ein gutes neues Jahr - und vor allem: viel "LeseLust!"

Bestelladresse

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V.
Am Schlag 2-12
35037 Marburg
Telefon: 06421 606-0
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
oder über unseren barrierefreien Online-Katalog
https://katalog.blista.de

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Panorama

agnes@work-Fachtagung "Perspektiven der digitalen Arbeitswelt" am 25. April 2023 in Berlin

Der DVBS und sein Projekt agnes@work - Agiles Netzwerk für sehbeeinträchtigte Berufstätige - veranstalten im kommenden Jahr die Fachtagung "Perspektiven der digitalen Arbeitswelt - Beschäftigungs- und Weiterbildungschancen für Menschen mit Behinderungen".

Die Fachtagung will die Bedingungen und Chancen beruflicher Teilhabe schwerbehinderter Menschen - insbesondere von Blinden und Sehbehinderten - vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der Arbeitswelt verdeutlichen. Sowohl aus Sicht der Betroffenen als auch der unterschiedlichen Unterstützungsakteure und der Selbsthilfe sollen die Voraussetzungen inklusiver Arbeit und beruflicher Entwicklung unter den Bedingungen agiler Arbeit und der Digitalisierung beleuchtet werden.

Dabei werden Keynotes aus der Wissenschaft ebenso einbezogen wie die Ergebnisse des BMAS-geförderten Projekts agnes@work. Im Ergebnis sollen die Voraussetzungen eines Unterstützungsnetzwerks skizziert werden, das die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten verschiedener Akteure integriert.

Die Tagung findet am 25. April 2023 von 9:00 bis 17:30 Uhr im Festsaal der Berliner Stadtmission, Lehrter Straße 68, in Berlin statt.

Informationen zur Anmeldung sowie das Tagungsprogramm finden Sie auf der agnes@work-Webseite unter www.agnes-at-work.de.

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E-Roller aus dem Weg! Crowdfunding-Kampagne des DBSV zur Durchsetzung von Musterklagen

Kreuz und quer stehende Elektroroller sind leider ein gewohnter Anblick in unseren Städten: Sie stehen und liegen mitten auf dem Gehweg und blockieren Eingänge von Geschäften, U-Bahn-Zugänge oder Straßenüberquerungen.

Rücksichtslos abgestellte E-Roller sind nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen ein gefährliches Hindernis und erhebliches Unfallrisiko, sie sind auch für Rollstuhlfahrende, Eltern mit Kinderwagen und ältere Menschen mehr als ein Ärgernis. Gehwege werden ohne Stolpergefahr in ausreichender Breite gebraucht, damit Fußgängerinnen und Fußgänger nicht auf die Straße ausweichen müssen!

Aus diesem Grund fordern unter anderem Verbände der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe seit längerem, dass E-Roller generell nicht an jeder beliebigen Stelle des Gehwegs einfach abgestellt werden können, sondern nur auf entsprechend ausgewiesenen und abgegrenzten Abstellflächen (siehe P. Krines / DVBS e. V. in horus 3/2021, Schwarzschrift S. 38, Punktschrift S. 414-416). Diese Abstellflächen müssen kontrastreich markiert und mit einem Blindenstock ertastbar sein. So sind sie für Menschen mit Seheinschränkungen sofort erkennbar.

Um Musterklagen wie gegen die Stadt Münster sowie die flankierende Öffentlichkeitsarbeit zu finanzieren, hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) im August eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Sollten mehr Spenden als benötigt eingehen - insbesondere, weil bei einem Erfolg Kosten von der Gegenseite zu tragen sind -, fließen die nicht benötigten Spendengelder in den DBSV-Rechtshilfefonds.

Spenden sind möglich auf https://betterplace.org/p111258. Auch die Verbreitung der Kampagne hilft: #RollerKoller #TatortGehweg #eRoller#eScooter#eMobilität

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