Inklusive berufliche Bildung ohne Barrieren

Foto: Schreibtisch mit iBoB-Broschüren und PC-Monitor, der die iBoB-Weiterbildungsplattform zeigt

Blinde und sehbehinderte Menschen nehmen selbstverständlich am Arbeitsleben teil – relativ viele sind etwa in der Öffentlichen Verwaltung beschäftigt. Die rasante Veränderung der Arbeitswelt durch die voranschreitende Digitalisierung birgt aber für sie einige besondere Schwierigkeiten. Die immer stärkere IT-Durchdringung ändert die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen ebenso wie die Kommunikationsbeziehungen zu Bürgern oder Kunden. Wenn sich Arbeitsmittel und Arbeitsinhalte gravierend verändern, dann werden Weiterbildung und Umqualifizierung immer wichtiger für die berufliche Weiterentwicklung oder sogar den Erhalt des Arbeitsplatzes.

Situation blinder und sehbehinderter Berufstätiger

Hier stehen blinde und sehbehinderte Berufstätige in der Gefahr, in ihren Teilhabemöglichkeiten am Arbeitsleben eingeschränkt zu werden. Der Wandel innerhalb der Organisationen wird zumeist in visuell ausgerichteten Präsentationen kommuniziert; außerdem sind die Möglichkeiten blinder und sehbehinderter Menschen, an beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen, nach wie vor sehr gering. Innerbetriebliche Angebote berücksichtigen in ihrer Methodik und der Gestaltung der Teilnehmerunterlagen nur selten die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen – es fehlt an Barrierefreiheit. Das entsprechende außerbetriebliche, barrierefreie Angebot ist dagegen inhaltlich weitgehend auf behinderungsspezifische Themen ausgerichtet und bietet keine umfassende, fachlich fundierte Orientierung sehgeschädigter Beschäftigter und Arbeitsuchender.

Der allgemeine Bildungsmarkt bleibt sehgeschädigten Interessenten weitgehend verschlossen. Es fehlt an entsprechend qualifizierten Dozenten ebenso wie an barrierefreien Ausschreibungen und Teilnehmerunterlagen. Dafür treffen wir oft auf Vorurteile über die Leistungsfähigkeit blinder und sehbehinderter Menschen oder die befürchtete Reaktion nicht behinderter Teilnehmer. Hinzu kommen restriktive und schwierige Verfahren bei der Finanzierung beruflicher Bildung durch die zuständigen Leistungsträger.

Das führt dazu, dass blinde und sehbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine hohe Hemmschwelle zur Teilnahme an berufsfachlichen Bildungsangeboten zu überwinden haben und es ihnen fast unmöglich ist, sich durch fachlich fundierte und barrierefreie Weiterbildung für eine erfolgreiche Teilhabe an einer sich stetig wandelnden Arbeitswelt zu qualifizieren.

Barrierefreie Weiterbildung

Um dem entgegenzuwirken, hat der DVBS von November 2016 bis Februar 2020 das Projekt iBoB – inklusive berufliche Bildung ohne Barrieren – durchgeführt. In diesem Rahmen wurde unter anderem die erste bundesweit barrierefrei nutzbare Weiterbildungsplattform mit zahlreichen barrierefreien Angeboten zur beruflichen Weiterbildung aufgesetzt.

Die Plattform basiert auf einem Netzwerk von Bildungsanbietern, die zentral koordiniert und in der Lage sind, vereinbarte Qualitätskriterien für barrierefreie Angebote der beruflichen Weiterbildung einzuhalten.

Um die Kriterien für barrierefreie Bildungsveranstaltungen nachvollziehbar und handhabbar zu machen, hat iBoB ein Anforderungsprofil entwickelt. Es gibt Aufschluss über die Bedingungen von Barrierefreiheit und kann so als Leitfaden zur barrierefreien Gestaltung von Bildungsangeboten genutzt werden.

Sie finden es auf der Weiterbildungsplattform unter https://weiterbildung.dvbs-online.de/barrierefreiheit/anforderungsprofil.html.

Weiterbildungsberatung

In Verbindung mit der Informationsplattform wird ein Beratungsangebot zur Weiterbildung aufgebaut, das sich vor allem an interessierte Arbeitnehmer und Arbeitsuchende richtet. Das Angebot umfasst je nach Wunsch und Bedarf verschiedene Komponenten.

Wesentlicher Teil des Beratungsangebots ist ein Peer-to-Peer-Mentoring durch berufserfahrene und selbst von Blindheit bzw. Sehbehinderung betroffene Berufstätige.

KODE – Kompetenzen kennen und entwickeln

KODE® steht für KOmpetenzDiagnostik und –Entwicklung und ist das weltweit einzigartige Analyseverfahren zur direkten Messung individueller Handlungsfähigkeiten. Auf Grundlage einer barrierefreien, webbasierten Selbsteinschätzung erhalten interessierte Erwerbsfähige eine Übersicht ihrer individuellen Kompetenzen und Ressourcen. Gemeinsam mit den KODE-Berater*innen können diese interpretiert und auf berufliche Handlungsfelder und Entwicklungsmöglichkeiten angewandt werden.

Schulungsangebote und Handreichungen

Um Bildungsanbietern die Bedarfe blinder und sehbehinderter Weiterbildungsinteressierter näherzubringen und sie bei der Erstellung und Prüfung barrierefreier Schulungsunterlagen zu unterstützen, hat iBoB verschiedene Online-Kurse bereitgestellt. Die Teilnahme an den Kursen ist kostenlos.

Der Kurs „Digitale Barrierefreiheit“ bietet eine Einführung in das Thema. Im Vordergrund stehen blinde und sehbehinderte Menschen, es werden aber auch die unterschiedlichen Anforderungen bei verschiedenen Behinderungen beleuchtet.

Der Kurs „Keine Panik“ richtet sich vor allem an Dozent*innen, die einen schnellen Einstieg zum Umgang mit blinden und sehbehinderten Teilnehmer*innen und einen Überblick über deren Bedarfe in einer Weiterbildungsveranstaltung suchen.

Falls für die Quelldateien von Schulungsunterlagen Microsoft Word, PowerPoint oder Excel verwendet werden, geben die iBoB-Checklisten Hinweise, worauf bei der Umwandlung in ein barrierefreies PDF zu achten ist.

Sie finden die iBoB-Schulungsangebote unter http://leitfaden-barrierefrei.dvbs-online.de. Darüber hinaus wurden Broschüren erarbeitet, die bestimmte Fragestellungen aus dem Bereich beruflicher Weiterbildung für sehbeeinträchtigte Menschen ausführlicher klären:

  • Keine Panik! - unser Praxisleitfaden für Weiterbildungsveranstaltungen mit blinden und sehbehinderten Menschen richtet sich an Dozent*innen, die Bildungsveranstaltungen barrierefrei durchführen möchten
  • Gut fürs Image - in diesem Leitfaden haben wir Hinweise zur Erstellung textbasierter Alternativen für Grafiken zusammengetragen
  • Geht doch! ist ein sozialrechtliches Kurzgutachten zur Finanzierungssituation von Bildungsangeboten für blinde und sehbehinderte Menschen

Die Broschüren können als PDF von der Weiterbildungsplattform heruntergeladen oder in der Druckfassung beim DVBS bestellt werden.

Nachhaltigkeit

Angebote wie Weiterbildungsplattform, Mentoring oder Beratung werden vom DVBS fortgeführt und stehen damit auch nach dem Projektende zur Verfügung. Bei Interesse rufen Sie an unter 06421 94888-33 oder schreiben Sie eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.