horus 2/2021
Schwerpunktthema: "Kinder, Kinder"
Wortwolke "Kinder"

Titelbild: Wortwolke in Form einer Sprechblase mit bunten Stichworten: Sorgeberechtigte, Inklusion, Elternsein, Stolz, Geschwister, Mama, Opa, Verantwortung, Entwicklung, Förderplan, Oma, Geburt, Kinder, Freude, Papa, ICV-CY, Erziehung, Organisation. Bild: blista

Inhalt

  • Vorangestellt
  • Aus der Redaktion
  • Schwerpunkt: "Kinder, Kinder"
    • Dr. Petra Bungart: Von der Kunst, Kinder, Küche und Karriere blind zu managen oder: Gleichberechtigte Teilhabe geht anders
    • Sigrun Hartmann und Claudia Rohde: Mittendrin und proaktiv - mit dem iPad in der Kita
    • Jane Morgenthal: Erfahrungsbericht der Familie Morgenthal
    • Nina Gromes: Inklusion im Montessori-Kinderhaus Marburg bedeutet, dass alle so akzeptiert werden, wie sie sind
    • Angelka Quatram: Wie es als Kind blinder Eltern ist? - Ganz normal, würde ich sagen
    • Dr. Michael Richter: Elternassistenz: Ein inzwischen etablierter Anspruch?!
  • Beruf, Bildung und Wissenschaft
    • Laura Lansche: Barrieren im Studium
    • Rebecca Bahr und Ramin Siegmund: Digitale Barrieren reduzieren - das Projekt "V#d - Vielfalt digital stärken" der Philipps-Universität Marburg stellt sich vor
    • PD Dr. Patrick Schmidt: Blindheit aus der Perspektive der Sehenden. Menschen ohne Augenlicht in den europäischen Periodika des 18. Jahrhunderts, Teil 1
  • Recht
    • Paritätischer Gesamtverband: Neuer Freibetrag in der Grundsicherung - Betroffene Rentnerinnen und Rentner müssen ihre Ansprüche sichern
    • Gemeinsame Stellungnahme des DBSV und des DVBS zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/882 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen (Barrierefreiheitsgesetz - BFG)
    • Vortrag zu den rechtlichen Grundlagen des Nachteilsausgleichs in Prüfungen
    • Leistungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen aus einer Hand
  • Barrierefreiheit und Mobilität
  • Berichte und Schilderungen
    • Daniel Ammon: Zeitenwende - Vom Leben nach der blista: Beamter in der bayerischen Staatsfinanzverwaltung
  • Aus der Arbeit des DVBS
  • Aus der blista
  • Bücher
    • Thorsten Büchner: Hörbuchtipps aus der blista
    • Wencke Gemril und Jochen Schäfer: Aus der Braille-Druckerei: Heitere und ernste Bücher für Kinder und Erwachsene
  • Panorama
    • Dritter Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen beschlossen
    • Homeschooling für Lernende mit Behinderungen
    • Neue Audio-Angebote der PRO RETINA: Infocast und Podcast
    • Anja Brockhagen: Verzeichnis der Reha- und Teilhabeforschenden 2021: REHADAT veröffentlicht neue Ausgabe
    • Inklusive Strukturen und Rahmenbedingungen für Promovierende mit Behinderungen an Hochschulen
    • DBSV: Save the Date! Deutscher Hörfilmpreis 2021: Hybride Preisverleihung im Livestream am 16. Juni 2021
    • "Anerkennung und Hilfe" verlängert Frist
    • SSG-Goalballer erhalten Zusage für die Ausrichtung der ersten Damenmeisterschaft
    • SightCity 2021 mit interaktiven Präsentationen online - Präsenzveranstaltung erst wieder 2022
    • Schwangerschaftstest mit fühlbarem Ergebnis
  • Leserbriefe
    • Offener Brief von Wolfgang Ferber an Herrn Dr. Michael Richter - eine Replik
  • Impressum
  • Anzeigen

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Im folgenden lesen Sie Auszüge aus horus 2/2021. Die vollständige Ausgabe wird nach Erscheinen der nächsten Ausgabe (horus 3/2021) am 30. August online zugänglich sein. Gerne erhalten Sie eine kostenlosen Probeausgabe in Print, Braille oder digital. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Elternassistenz: Ein inzwischen etablierter Anspruch?!

Von Dr. Michael Richter

Vor nunmehr fast 12 Jahren hieß es in einer Pressemitteilung des Bundesverbandes behinderter und chronisch kranker Eltern vom 25. November 2009 unter der Überschrift "Behinderte Eltern erstreiten sich Elternassistenz", dass mit Bescheid vom 20.11.2009 einer körperbehinderten Mutter von zwei Kindern erstmals ein Persönliches Budget für Elternassistenz als Teilhabeleistung bewilligt wurde. In der Begründung der Bewilligung stand, dass entsprechend der damals neueren Rechtsprechung die Pflege und Erziehung eines Kindes ein Grundbedürfnis von behinderten und nicht behinderten Eltern sei. Die Verantwortungsübernahme der Eltern für ihr Kind sei eine zentrale Frage der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft. Dementsprechend seien die erforderlichen Hilfen als Eingliederungshilfe gemäß § 54 SGB XII in Verbindung mit § 55 SGB IX anerkannt worden.

Seit der Reform der Eingliederungshilfe durch das BTHG, die mit dem 01.01.2020 in Kraft trat, wurde die Elternassistenz sogar ausdrücklich in das Gesetz gem. §§ 113 Abs. 3 i.V.m. § 78 Abs. 3 SGB IX aufgenommen. In § 78 heißt es unter der Überschrift "Assistenzleistungen" in Absatz 1 und 3:

"(1) Zur selbstbestimmten und eigenständigen Bewältigung des Alltages einschließlich der Tagesstrukturierung werden Leistungen für Assistenz erbracht. Sie umfassen insbesondere Leistungen für die allgemeinen Erledigungen des Alltags wie die Haushaltsführung, die Gestaltung sozialer Beziehungen, die persönliche Lebensplanung, die Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben, die Freizeitgestaltung einschließlich sportlicher Aktivitäten sowie die Sicherstellung der Wirksamkeit der ärztlichen und ärztlich verordneten Leistungen. Sie beinhalten die Verständigung mit der Umwelt in diesen Bereichen.

(3) Die Leistungen für Assistenz nach Absatz 1 umfassen auch Leistungen an Mütter und Väter mit Behinderungen bei der Versorgung und Betreuung ihrer Kinder."

Was ist aber nun genau Elternassistenz und was ist es eben nicht? Eine Frage, die sich vielleicht immer noch am besten beantworten lässt, wenn man die Ausführungen in der Begründung eines der ersten, einschlägigen Beschlüsse des Verwaltungsgerichtes Minden vom 31.07.2009 (Az.: 6 L 382/09) liest. Dort heißt es z.B.:

  1. Der Anspruch von Eltern auf die persönliche Betreuung und Versorgung ihrer Kinder im eigenen Familienhaushalt ist ein Ausdruck des gemäß Artikel 6 Abs. 2 und 3 Grundgesetz geschützten Elternrechtes.
  2. Aufgrund dieser Tatsache müssen sich auch schwerbehinderte Eltern nicht über das übliche Maß hinaus (Kindergarten, Vorschule, Schule) auf öffentliche Kinderbetreuungsangebote in Einrichtungen verweisen lassen.
  3. Die eigene Pflege und Erziehung eines Kindes ist ein Grundbedürfnis behinderter wie nicht behinderter Eltern und die weitreichendste soziale Bindung überhaupt. Deshalb ist die Ermöglichung der Verantwortungsübernahme von schwerbehinderten Eltern für ihr Kind eine zentrale Voraussetzung für die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.
  4. Der Hilfebedarf liegt ausschließlich bei dem schwerbehinderten Elternteil und nicht beim Kind, denn dieses hat weder selbst einen "Eingliederungshilfebedarf" noch bedarf es der Hilfe zur Erziehung.

Inzwischen gibt es einschlägige Rechtsprechung sowie einige erfolgreich durch die rbm vertretene Fälle auch für sehbehinderte oder blinde Eltern oder Elternteile. Eine Auswertung der bisherigen Erfahrungen zeigt dabei, dass der Anspruch von blinden oder hochgradig sehbehinderten Eltern auf Elternassistenz im Rahmen der Eingliederungshilfe sogar 18 oder mehr Wochenstunden umfassen kann.

Zwar sind blinde oder hochgradig sehbehinderte Eltern - wenn auch erst nach entsprechender fachkundiger Unterweisung in Lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF) - in der Lage, viele Dinge in der Kinderbetreuung selbst zu erledigen. Allerdings gibt es unstreitig Dinge, die man als alleinverantwortlicher blinder oder sehbehinderter Elternteil nicht leisten kann und die zum Kernbereich elterlicher Pflege gehören. Es ist aber darauf hinzuweisen, dass "Elternassistenz" kein Betreuungsprogramm für gelangweilte Sprösslinge - auch nicht in Pandemiezeiten - ist und es auch nicht um die Entlastung behinderter Eltern geht.

Elternassistenz soll dem behinderten Elternteil ermöglichen, seine oder ihre Rolle als Vater oder Mutter möglichst umfassend wahrzunehmen, und kommt deswegen auch nicht in Betracht, wenn es darum geht, Defizite der elterlichen Erziehung auszugleichen. Wenn es um das sog. "Kindeswohl" geht, handelt es sich um ein Recht des Kindes und das Jugendamt ist zuständig, und notwendige Hilfen werden nach dem sog. Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) gewährt.

Zum Autor

Dr. jur. Michael Richter berät und vertritt als Anwalt Menschen mit Behinderungen bundesweit vor Sozial- und Verwaltungsgerichten. Er ist Geschäftsführer der "Rechte behinderter Menschen" gGmbH (rbm), der Rechtsberatungsgesellschaft der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Deutschland (https://www.rbm-rechtsberatung.de). Der 52-jährige blinde Familienvater lebt in Marburg.

Bild: Das Foto des Autors zeigt sein markantes Profil. Er hat einen kurz geschnittenen Haarkranz und einen Oberlippenbart und trägt ein hellblaues Businesshemd. Foto: DVBS

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Barrierefreiheit und Mobilität

Der europäische Standard EN 301 549 zur Barrierefreiheit von IKT

Von Andreas Carstens (*)

Die öffentlichen Stellen in Bund, Ländern und Kommunen sind verpflichtet, ihre Websites und mobilen Anwendungen barrierefrei zu gestalten. [1] Außerdem sehen die gesetzlichen Vorschriften Im Bund und in zahlreichen Bundesländern vor, dass die öffentlichen Stellen auch die Software an den Arbeitsplätzen der Beschäftigten (E-Akten, IT-Fachanwendungen, ...) barrierefrei gestalten.[2] Hierzu haben die europäischen Normungsinstitute im August 2018 den Standard EN 301 549 "Accessibility requirements for ICT products and services" in der Version 2.1.2 veröffentlicht.[3] Der europäische Standard EN 301 549 definiert Anforderungen an die Barrierefreiheit von Hardware, Software, Websites, mobilen Anwendungen und elektronischen Dokumenten. Die für Websites (Internet und Intranet) und mobile Anwendungen nach den EU-Vorgaben mindestens einzuhaltenden Anforderungen werden in dessen Annex A in den Tabellen A.1 und A.2 aufgelistet. Eine deutsche Übersetzung wurde im Februar 2020 als DIN EN 301 549 "Barrierefreiheitsanforderungen für IKT-Produkte und -Dienstleistungen" veröffentlicht. Sie wird vom Beuth-Verlag, der die Normen des DIN e.V. vertreibt, zum Preis von 348,40 € (Papierdokument) bzw. 288,40 € (PDF) zum Kauf angeboten.[4] Während die englische Fassung im Internet kostenfrei heruntergeladen werden kann, war die deutsche Übersetzung bisher nur gegen Bezahlung erhältlich. Der DVBS e.V. hat sich daher in den Beratungen zur Neufassung der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) im Jahr 2019 dafür eingesetzt, auch die deutsche Übersetzung der EN 301 549 kostenfrei zugänglich zu machen.[5]

Die Überwachungsstelle des Bundes für die Barrierefreiheit von Informationstechnik bietet in ihrem Webauftritt[6] nunmehr einen kostenfreien Zugang zu der deutschen Fassung der EN 301 549. Hierzu ist es erforderlich, sich im Webauftritt der Überwachungsstelle zu registrieren.[7] Voraussetzung für die Freigabe ist außerdem ein berechtigtes Interesse. Hierzu reicht es beispielsweise aus, dass blinde oder sehbehinderte Menschen die Standards zur Barrierefreiheit selbst nachlesen möchten, Schwerbehindertenvertretungen die Standards für ihre Arbeit in Behörden oder Unternehmen benötigen oder öffentliche Stellen sich über die einzuhaltenden Standards informieren wollen. Die europäischen Normungsinstitute haben den Standard EN 301 549 im November 2019 in der Version 3.1.1 veröffentlicht.[8] In Kürze soll der europäische Standard in der Version 3.2.1 veröffentlicht werden. Vorgesehen ist, auch die dann aktuelle Version in einer deutschen Übersetzung des DIN e.V. im Webauftritt der Überwachungsstelle kostenfrei zugänglich zu machen. Allerdings hat der DIN e.V. in der Vergangenheit immer sehr lange gebraucht, bevor er eine deutsche Übersetzung veröffentlicht hat.

(*) Der Autor ist als Vertreter des DVBS e.V. Mitglied im Ausschuss für barrierefreie Informationstechnik nach § 5 der BITV 2.0.

Fußnoten

[1] Siehe § 12a Abs. 1 Satz 1 BGG und die Parallelvorschriften in den Landesgesetzen

[2] Siehe z.B. § 12a Abs. 1 Satz 2 BGG, § 9a Abs. 1 Satz 2 NBGG, § 4 Abs. 1 Satz 2 BIKTG Bln, § 13 Abs. 1 Satz 5 BremBGG u. § 12a Abs. 1 Satz 2 SBGG

[3] Kostenfreier Download: www.etsi.org/deliver/etsi_en/301500_301599/301549/02.01.02_60/en_301549v020102p.pdf

[4] Bezug über: www.beuth.de

[5] Siehe hierzu auch die Begründung zur Änderungsverordnung zur BITV 2.0: BAnz AT 29.05.2019 B1, Seite 4 f.

[6] Überwachungsstelle des Bundes: www.bfit-bunde.de

[7] Link zur Registrierung: https://www.bfit-bund.de/Login/Login/login_node.html

[8] Kostenfreier Download: www.etsi.org/deliver/etsi_en/301500_301599/301549/03.01.01_60/en_301549v030101p.pdf

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Aus der Arbeit des DVBS

DVBS-Mitgliederversammlung 2021 - Die Planung läuft

Von Ursula Weber

Auf der Sitzung am 29. und 30. Januar 2021 hat der Vorstand des DVBS beschlossen, die nächste Mitgliederversammlung (MV) für den 25. September 2021 einzuberufen. Auf dieser Sitzung wird auch der neue Vorstand gewählt. Die Versammlung wird in Anbetracht der Pandemieentwicklung als rein digitale Veranstaltung geplant und findet von 9:00 bis circa 15:00 Uhr statt. Das bedeutet: Sie haben als Mitglied die Möglichkeit, via Internet an den Beratungen mitzuwirken, online abzustimmen und so aktiv auf den Verlauf der Mitgliederversammlung Einfluss zu nehmen und sich an der Vorstandswahl zu beteiligen. Die Einladung mit Tagesordnung wird rechtzeitig erfolgen. Allerdings kann in diesem Jahr die MV nicht wie üblich im Rahmen der Selbsthilfetage erfolgen. Auch die Treffen der Untergliederungen können nicht stattfinden.

Da wir unsere für letztes Jahr geplanten Selbsthilfetage mit MV und Vorstandswahlen leider absagen mussten, sind auch die bereits erfolgten Nominierungen der Kandidat*innen hinfällig. Deshalb musste das Nominierungsverfahren erneut durch die Bezirks-, Fach-, Interessen- und Projektgruppen des Vereins angestoßen werden. Inzwischen haben auch schon einige Versammlungen im Rahmen einer Telefon- oder ZOOM-Videokonferenz stattgefunden. Das Nominierungsverfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Noch bis Mitte Juni können Sie bei weiteren Treffen der Untergliederungen Ihr Vorschlagsrecht nutzen und weitere Kandidat*innen vorschlagen und nominieren. Nur ein ordentliches Mitglied, das von zwei Vereinsgliederungen vorgeschlagen ist, kann von der Mitgliederversammlung in den Vorstand gewählt werden.

Nach § 10 unserer Satzung muss das Verfahren drei Monate vor der Mitgliederversammlung abgeschlossen sein. Für den Sommer ist die Vorstellung der nominierten Kandidat*innen als "DVBS intern spezial" auf CD vorgesehen, die allen Mitgliedern zugehen wird.

Im September haben Sie die Chance, die Geschicke des Vereins zu steuern und Ihre Kandidat*innen digital zu wählen. Eines steht fest, der Vorstand wird sich ändern. Unser zweiter Vorsitzender Uwe Bruchmüller und die Beisitzerin Andrea Katemann werden nicht mehr kandidieren, neue Kandidat*innen werden gewählt. Beteiligen Sie sich am Verfahren - wenn noch nicht geschehen - und wirken Sie daran mit, dass auch für den DVBS das Jahr 2021 zu einem "Super-Wahljahr" wird!

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Seminare

Von Christian Axnick und Uwe Boysen

Ehrenamtsakademie

Bildungsarbeit

In einem Online-Seminar der DVBS-Ehrenamtsakademie ging es am 10. April um Bildungsarbeit in der Selbsthilfe. 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich darüber aus, wie die Corona-Pandemie sich auf die Seminararbeit ausgewirkt hat und welche Anforderungen daraus für die Zukunft entstehen.

Auch wenn in der letzten Zeit Präsenzveranstaltungen immer wieder abgesagt werden mussten, wurde doch betont, dass sie weiterhin wichtig bleiben. Sie eröffnen eher die Möglichkeit, den Austausch auf emotionaler und inhaltlicher Ebene zu verbinden. Daneben haben sich aber auch Telefonchats mit inhaltlichen Vorträgen bewährt - es muss nicht immer ein ausgewachsenes Seminar sein, wenn ein bestimmtes Thema bearbeitet werden soll.

Wichtig werden aber auf jeden Fall auch Online-Seminare bleiben. Im Moment ist es schwierig, allgemeine Kriterien dafür zu benennen, wann ein Seminar thematisch oder methodisch besonders fürs Online-Format geeignet ist. Hier sind Ideen und Konzepte gefordert, und ein Ergebnis vom 10. April ist, dass wir uns in nächster Zeit wieder treffen wollen, um genau diese konzeptionelle Arbeit zu beginnen.

Öffentlichkeitsarbeit

Ebenfalls im Rahmen der Ehrenamtsakademie ist für den 12. Juni 2021 ein Online-Seminar zur Öffentlichkeitsarbeit in der Selbsthilfe geplant. Es soll darum gehen, sich einen Überblick über die Mittel der Vereinskommunikation und der Außendarstellung zu verschaffen, die jeweils zur Verfügung stehen. Welche Medien werden bedient - eine Webseite, Social Media, Podcast, die Vereinszeitschrift, Newsletter - und welche Möglichkeiten gibt es, sich daran zu beteiligen? Wo ist sinnvoll ein Schwerpunkt zu setzen, und wie sollte das vorhandene Angebot ergänzt werden? Das sind einige der Leitfragen, die dort behandelt werden sollen.

Barrierefreiheit

Für den 26.6. ist ein ganztägiges Zoom-Seminar unter dem vorläufigen Titel "Erfolgreich Barrieren melden" geplant. Dabei wird es um die Web-Richtlinie zu barrierefreien Webseiten und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen sowie deren Umsetzung in Vorschriften der Behindertengleichstellungsgesetze gehen. Ein zentraler Punkt dieser Reform besteht in der Möglichkeit für Nutzerinnen und Nutzer, einen sog. Feedbackmechanismus in Gang zu setzen. Damit können sie der öffentlichen Stelle, die die Webseite oder mobile Anwendung verantwortet, Barrieren melden, auf die sie gestoßen sind. Aber wie läuft dieser Prozess ab? Was sollte man dabei beachten? Und was kann man tun, wenn die angesprochene Stelle nicht oder nicht adäquat reagiert? Diese Fragen wollen wir näher betrachten und soweit wie möglich klären.

Die Veranstaltung wird online auf Zoom durchgeführt und steht allen Interessierten sehbehinderten und blinden Nutzerinnen und Nutzern offen. Anmeldungen sind ab sofort in der DVBS-Geschäftsstelle bei Christian Axnick möglich.

Das ausführliche Programm steht auf www.dvbs-online.dezur Verfügung.

Seminare der Fach- und Interessengruppen

Für den Rest des Jahres sind bisher Seminare der Fachgruppe Wirtschaft und der Fachgruppe Musik im September vorgesehen, und die Seminarwoche der Gruppe Ruhestand, die im Mai ausfallen musste, soll vom 27.11. - 4.12.2021 nachgeholt werden.

Aktuelle Informationen

Nähere Informationen sind auf der DVBS-Webseite zu finden oder per Mail erhältlich. Kontakt:

Christian Axnick
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: 06421 94888-28.

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Aus der blista

Viele Wege führen zum Buch - Neues aus der Deutschen Blinden-Bibliothek

Von Andrea Katemann

Seit Anfang März können Hör- und Punktschriftbücher der Deutschen Blinden-Bibliothek (DBB) über verschiedene Wege ausgeliehen werden. Man kann, wie gewohnt, die Hörerbetreuung kontaktieren, entweder telefonisch unter 06421 6060 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!,und ein Buch bestellen, oder sich bei der Auswahl beraten lassen. So kann man Themengebiete oder die Lieblingsautor*innen nennen, von denen man gerne etwas erhalten will. Die entsprechenden Bücher werden dann an die angegebene Adresse geschickt.

Aber viele Nutzer*innen möchten auch selbstständig recherchieren und ihre Literatur online ausleihen. Dafür steht ihnen jetzt ein neuer Onlinekatalog und das Spezialprogramm "Blibu" für den PC zur Verfügung. Über beide Wege können Bücher nicht nur ausgesucht, sondern auch direkt bestellt werden, und es gibt jetzt auch Hörproben von ca. drei Minuten, um sich einen ersten Eindruck von der Aufsprache zu verschaffen. Bei Hörbüchern hat man zudem die Wahl, sich ein Buch auf CD per Post zuschicken zu lassen oder es direkt herunterzuladen.

Das Programm "Blibu für PC" bietet zusätzlich die Möglichkeit, Titel direkt über einen integrierten "Daisyleser" abzuspielen.

Dass es sehr wichtig ist, viele unterschiedliche Wege für die Nutzer*innen anzubieten, zeigte sich auch während der Onlineveranstaltungen, bei denen die Mitarbeiter*innen der DBB Fragen zum neuen System beantworteten. Die Vorlieben und Gewohnheiten sind da sehr unterschiedlich. "Ich nehme lieber den Onlinekatalog, das Programm "Blibu" hat sich mir spontan nicht so gut erschlossen", so lautete ein erster Eindruck. Es gab aber auch ganz andere Meinungen: "Blibu ist ein wirklich tolles Programm, und ich konnte mich sofort darin orientieren", erklärte eine andere Hörerin. Sowohl der Onlinekatalog als auch "Blibu" sind barrierefrei zugänglich. Daran kann die vollkommen unterschiedliche Wahrnehmung unserer Hörer*innen nicht liegen. Vielmehr lassen sich unterschiedliche Gewohnheiten von Nutzer*innen feststellen. Freuen sich die einen darüber, dass auf allen Internetseiten für blinde Menschen mit dem gewohnten Screenreader immer die gleichen Tastaturkürzel zur schnellen Navigation bereitstehen, empfinden die anderen Internetseiten als unübersichtlich, kleinteilig und sich stets schnell ändernd, was für diesen Personenkreis eine Herausforderung ist.

Durch eine große Systemumstellung wird es nun möglich sein, all diese unterschiedlichen Gewohnheiten und Bedürfnisse zu berücksichtigen. Doch kommen noch weitere Nutzungsmöglichkeiten hinzu. Zukünftig werden unsere Hörbücher über Daisyplayer herunterladbar sein, die die Möglichkeit einer Online-Einbindung vorsehen. Selbstverständlich ist auch eine App für das iPhone und für Systeme unter Android verfügbar, über die sich Hörbücher herunterladen und abspielen lassen. Auch lassen sich über die Apps Bücher als CD bestellen und Werke in Brailleschrift ausleihen. Somit ist es für Schüler*innen attraktiv, sich Werke für den Unterricht und für die Freizeit direkt über ihr Smartphone anzuhören. Selbstverständlich sind auch unsere Apps barrierefrei zugänglich.

Zur kostenlosen Ausleihe steht ein Hörbuchangebot von über 60000 Titeln und ein Sortiment von 11000 Titeln in Blindenschrift bereit. Das Team der DBB freut sich über alle Rückmeldungen und Anregungen.

Unser Katalog ist zu finden unter https://katalog.blista.de

Das Programm "Blibu" ist in unserem neuen Katalog unter dem Punkt Apps zu finden und lässt sich unter dem Link: https://katalog.blista.de/wp-content/uploads/setup_blibu20_marburg.exe herunterladen.

Zeichnung: Zwei hohe stilisierte Buchrücken in Blau und Grün lehnen sich nach Innen an einen gelben kleineren Band an. Links weist ein sonnenförmiges Piktogramm auf "NEU" hin.

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Gemeinsam häkeln und stricken für mehr Kontraste

"Pollermützen"-Mitmachaktion rund um den Sehbehindertentag am 6. Juni 2021

Von Thorsten Büchner

Unangenehme Begegnungen mit schlecht kontrastierenden Straßenpollern und Warnschranken hat wohl jeder Mensch mit Sehbehinderung - und vielleicht auch verträumte Passant*innen ohne Seheinschränkung - schon einmal erlebt. Poller dienen als sinnvolle Begrenzung von Plätzen, können aber zu lästigen Hindernissen werden, wenn sie nicht ordnungsgemäß rot-weiß-gestreift und so für alle gut wahrnehmbar sind.

Dieses Thema greift die blista auf und beteiligt sich zum 6. Juni 2021 anlässlich des bundesweiten Sehbehindertentags an einer kreativen und öffentlichkeitswirksamen Sensibilisierungs- und Aufklärungsaktion gemeinsam mit dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) sowie dem Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen (BSBH). Graue, rostige und anderweitig schlecht kontrastierende Poller im Marburger Stadtzentrum sollen rot-weiß-gestreifte "Pollermützen" verpasst bekommen.

Dafür wird im Vorfeld auf dem blistaCampus fleißig gehäkelt, gestrickt und kooperiert. Wer weder stricken noch häkeln mag, der kann gern mittun und Bommeln basteln.

Damit genügend rot-weiße Pollermützen samt Bommel zustande kommen, freut sich die blista-Öffentlichkeitsarbeit über viele strickende und häkelnde Hände! Die handgefertigten "Pollermützen" können bei uns abgegeben werden.

#PollerRotWeiß

Damit am Aktionstag, dem Sehbehindertentag am 6. Juni, die vorüberziehenden Passant*innen verstehen, was es mit den rot-weißen "Pollermützen" auf sich hat, werden Infozettel auf die Bedeutung von guten Kontrasten im öffentlichen Raum hinweisen. Zurück geht diese tolle Idee auf den Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg, der diese Aktion bereits im letzten Oktober erfolgreich durchgeführt hat. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) bittet dieses Jahr alle Organisationen aus der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe, sich an dieser bundesweiten Aktion zu beteiligen. Die blista und der DVBS sind da natürlich mit von der Partie.

In der Universitätsstadt Marburg wird das Thema Barrierefreiheit im öffentlichen Raum bereits großgeschrieben. In enger Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeirat legt die Stadt viel Wert auf sehbehinderten- und blindengerechte Verkehrsraumgestaltung. Auch für die Hinweise aus der Reha-Fachschule der blista hat die Stadt ein offenes Ohr, und so ist es erfreulicherweise nicht ganz einfach, mangelhaft markierte Poller zu entdecken. Insofern freut sich die blista-Öffentlichkeitsarbeit auch über alle Tipps und Hinweise, wo sich in Marburg Poller verstecken, die dringend eine rot-weiß-gestreifte "Pollermütze" vertragen könnten.

Häkel- und Strickanleitungen

Schulklassen, AGs und Handarbeitskundige, die sich gerne häkelnd und strickend an dieser Mitmachaktion beteiligen möchten, finden auf der DBSV-Webseite entsprechende Anleitungen, auch für die Herstellung der obligatorischen Bommel: dbsv.org/sehbehindertentag.html

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Panorama

Save the Date! Deutscher Hörfilmpreis 2021: Hybride Preisverleihung im Livestream am 16. Juni 2021

Vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband

Bereits zum 19. Mal wird am Mittwoch, dem 16. Juni, der Deutsche Hörfilmpreis verliehen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Preisverleihung als hybride Gala im Livestream zu sehen sein, so dass alle Hörfilmfans dabei sein können.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) wird die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger feiern, erneut tatkräftig unterstützt von Moderator Steven Gätjen, der live durch die Preisverleihung führen wird. Mit dem Preis, der in Anlehnung an den Begriff Audiodeskription (AD) auch "Adele" genannt wird, zeichnet eine hochkarätig besetzte Jury herausragende Hörfilmproduktionen in den fünf Kategorien Kino, TV/Mediatheken/Streamingdienste, Dokumentation, Filmerbe und Kinder-/Jugendfilm aus.

"Wir freuen uns, den besten Hörfilmen des Jahres die verdiente Anerkennung zukommen zu lassen und auf diese Weise zu unterstreichen, wie wichtig gerade jetzt Teilhabe und Barrierefreiheit im kulturellen Bereich für blinde und sehbehinderte Menschen sind. Audiodeskriptionen im Allgemeinen und insbesondere Hörfilme haben in Lockdown-Zeiten für viele von uns einen noch höheren Stellenwert eingenommen", so DBSV-Präsident Klaus Hahn.

Hörfilme ermöglichen es blinden und sehbehinderten Menschen, Filme als Ganzes wahrzunehmen und zu genießen. Diese Filme sind mit einer Audiodeskription (AD) versehen, die in knappen Worten zentrale Elemente der Handlung sowie Gestik, Mimik und Dekor beschreibt. Diese Bildbeschreibungen werden in den Dialogpausen eingesprochen.

Der Deutsche Hörfilmpreis 2021 wird von der Aktion Mensch unterstützt. Hauptsponsoren sind Pfizer Deutschland und Novartis Pharma GmbH.

Die Übersicht aller nominierten Produktionen, weitere Informationen und der Livestream am 16. Juni sind zugänglich unter www.deutscher-hoerfilmpreis.de

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