Von Wencke Gemril und Jochen Schäfer

Auch diesmal stellen wir Bestseller vor - ein Mix aus Freud und Leid in Gesellschaft und Politik.

Mariana Leky: Kummer aller Art

3 Bände in reformierter Kurz-, 4 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6280.

Ein kleines Buch über Kummer, das erstaunlich gute Laune macht. "Alle wirken innerlich blitzblank, nur in unserem Inneren sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa", denkt sich Kioskbesitzer Armin, als er vergeblich versucht, erfolgreich zu meditieren. Und auch im Inneren der anderen Figuren dieser literarischen Kolumnen herrscht Unordnung: Frau Wiese kann nicht mehr schlafen, Herr Pohl ist nachhaltig verzagt, Lisa hat ihren ersten Liebeskummer, Vadims Hände zittern, Frau Schwerter muss ganz dringend entspannen, ein trauriger Patient hat seine Herde verloren, und Psychoanalytiker Ulrich legt sich mit der Vergänglichkeit an. "Kummer aller Art" plagt die Menschen, die sich, mal besser, mal schlechter, durch den Alltag manövrieren. Aber der Kummer vereint sie auch, etwa, wenn auf Spaziergängen Probleme zwar nicht gelöst werden, aber zumindest mal an die Luft und ans Licht kommen. Klug, humorvoll und mit großem Sinn für Feinheiten und Absurditäten porträtiert Mariana Leky Lebenslagen von Menschen, denen es nicht an Zutraulichkeit mangelt, wohl aber am Mut zur Erkenntnis, dass man dem Leben nicht dauerhaft ausweichen kann.

Jaroslav Rudiš: Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen

5 Bände in reformierter Kurz-, 7 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6257.

Wer bei diesem Titel an eine Anleitung oder ein Plädoyer für mehr Barrierefreiheit bei der Bahn denkt, wird hier nicht fündig. Der Autor, ein Eisenbahner mit Leib und Seele, dem das Zugfahren durch seine Familie in die Wiege gelegt wurde, der allerdings wegen seiner "verdammten Brille" in den 80er Jahren in der CSSR nicht Lokführer werden konnte, lädt zu einer Reise quer durch Europa ein. Ob von Berlin zum Gotthardtunnel oder von Sizilien bis nach Lappland - Jaroslov Rudiš beschreibt seine Erfahrungen bei und mit der Bahn. Leidenschaftlich berichtet er auch darüber, wie er mit Freunden in 40 Stunden auf so vielen Verbindungen wie möglich durch ganz Deutschland fährt und dabei interessante Geschichten aufschnappt.

Fabio Wolkenstein: Die dunkle Seite der Christdemokratie

4 Bände in reformierter Kurz-, 6 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6273.

Der österreichische Politikwissenschaftler analysiert, wie es heute um die Christdemokratie und ihre "autoritären Versuchungen" steht, und geht der Frage nach, wo sie ihre abgrenzenden Linien zu Autokraten aus christlicher Tradition zieht. Die Christdemokratie hatte vor allem nach dem 2. Weltkrieg in Westeuropa Erfolg, u.a. mit Konrad Adenauer in der alten Bundesrepublik, hatte aber auch ihre dunklen Seiten. Viele Christdemokraten zeigten unverhohlene Bewunderung für die Diktatoren in Spanien und Portugal. Selbst heute fällt es einigen noch schwer, sich genügend von Populisten wie Viktor Orbán in Ungarn abzugrenzen, der sich mit seiner Fidesz-Partei ebenfalls auf die christliche Tradition beruft. Dieses Buch vermittelt einen guten und vor allem kritischen Einblick in Geschichte und Gegenwart der Christdemokratie.

Ulrike Herrmann: Das Ende des Kapitalismus

5 Bände in reformierter Kurz-, 6 in Vollschrift, Bestell-Nr. 6282.

Wer politisch links steht, denkt jetzt vielleicht an einen Systemwechsel zur sozialistischen Revolution. Aber schon der Titelzusatz verrät, worum es wirklich geht: "Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind - und wie wir in Zukunft leben werden". Demokratie und Wohlstand, ein längeres Leben, mehr Gleichberechtigung und Bildung: Der Kapitalismus hat viel Positives bewirkt. Zugleich ruiniert er jedoch Klima und Umwelt, sodass die Menschheit nun existenziell gefährdet ist. "Grünes Wachstum" soll die Rettung sein. Die Wirtschaftsexpertin und Bestseller-Autorin hält dagegen und erklärt verständlich und messerscharf in ihrem neuen Buch, warum wir stattdessen "Grünes Schrumpfen" brauchen.

Saul Friedländer, Norbert Frei, Sybille Steinbacher, Dan Diner und Jürgen Habermas: Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkungen zum neuen Streit über den Holocaust

1 Band in reformierter Kurz-, 2 Bände in Vollschrift, Bestell-Nr. 6271.

In diesem Buch geht es um den Historikerstreit von 1986/87 mit der Frage: Ist der Holocaust mit anderen Verbrechen der Geschichte vergleichbar oder stellt er etwas Einmaliges dar, das es in der Geschichte nie gab und niemals wieder geben kann? Die fünf Autor*innen, zu denen auch der bekannte Sozialphilosoph Jürgen Habermas gehört, diskutieren diese Frage aus heutiger Perspektive. Sie sagen zwar, dass es nur wenig Vergleichbares in der Geschichte gab, aber es dürfe in dieser Frage auch kein "Tabu" geben, denn noch heute werden unsagbare Kriegsverbrechen verübt, z.B. zurzeit in der Ukraine.

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