Fachgruppe „Jura“

Mit 257 Mitgliedern gehört die Fachgruppe "Jura" zu den großen Fachgruppen des Vereins. In ihr sind blinde und sehbehinderte Studierende, Referendarinnen und Referendare sowie Berufstätige aus nahezu allen Arbeitsfeldern dieser Fachrichtung zusammengefasst. Auch diejenigen Mitglieder des Vereins, die wegen Erreichens der Altersgrenze nicht mehr im juristischen Arbeitsalltag stehen, finden hier weiterhin eine Basis für ein fachliches Engagement.

Blinde und sehbehinderte Juristinnen und Juristen in Studium und Beruf!

Bei den Aktivitäten der Fachgruppe "Jura" geht es maßgeblich um die Erschließung und die Wahrung von Ausbildungs- und Berufschancen im juristischen Bereich. Dies steht im Kontext des im DVBS verwurzelten Selbsthilfegedankens und erhält durch seine fachliche Ausrichtung die notwendige Professionalität. Die möglichst umfas­sende Aufklärung der Öffentlichkeit über die Einsatzmöglichkeiten blinder und sehbehinderter Juristinnen und Juristen in Wirtschaft, Justiz und Verwaltung sowie die Information über ihre konkreten Fähigkeiten am Arbeitsplatz sind dabei die maßgeblichen Inhalte.

So hat die Fachgruppe in bislang vier Broschüren Blinde und Sehbehinderte in juristischen Berufen vorgestellt, ihre Arbeitstechniken beschrieben und umfassend über Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten bei der Einstellung und als begleitende Hilfe im Arbeitsleben informiert.

Aufklärung der Öffentlichkeit über die umfassenden Einsatzmöglichkeiten

Die Einsatzfelder blinder und sehbehinderter Juristinnen und Juristen umfassen die gesamte Bandbreite juristischer Tätigkeiten und erstrecken sich auf alle Ebenen der öffentlichen Verwaltung und Instanzen der Gerichtsbarkeit. Ebenso werden alle Arbeitsfelder anwaltlicher Tätigkeit abgedeckt. Zur DVBS-Fachgruppe "Jura" zählen Juristinnen und Juristen in der Verwaltung, Richterinnen und Richter, Rechtsanwäl­tinnen und Rechtsanwälte sowie Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger.

Verschlossen ist den blinden Juristinnen und Juristen durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 1962 nur der Beruf des Notars. Begründet wird dies damit, dass ein Blinder die Identität einer ihm fremden Person nicht selbstständig festzustellen vermag. Außerdem sind seit 1986 mehrere Entscheidungen des Bundesgerichtshofs ergangen, welche die Mitwirkung blinder Richter in Strafsachen erheblich einschränken. Der Strafrichter müsse sich, so führt der Bundesgerichtshof aus, sein Urteil in der Hauptverhandlung aufgrund des Gesamteindrucks von der Tat und der Persönlichkeit des Täters bilden. Hierbei seien visuelle Eindrücke von maß­gebender Bedeutung. Es gibt jedoch auch gegenteilige höchstrichterliche Entschei­dungen, die davon ausgehen, dass ein blinder Richter das fehlende Sehvermögen durch Schärfung der übrigen Sinne, Ausprägung spezifischer Wahrnehmungstech­niken und erhöhte Konzentration zu kompensieren vermag.

Dienstleistungsangebote und Beratung

Die Aufklärung der DVBS-Mitglieder stellt ein ebenso wichtiges Arbeitsfeld der Fach­gruppe dar: Sie geschieht in einem gemischten System von Erfahrungsvermittlung durch gleichermaßen betroffene Mitglieder und Dienstleistungsangeboten. Zum Instrumentarium gehören ein regelmäßig erscheinender Informationsdienst im sog. DAISY-Format (wahlweise auf Daisy-CD oder als Download-Link erhältlich), regelmäßig durchgeführte Wochenendseminare und andere Fortbil­dungsveranstaltungen, die Einzelberatung durch die Fachgruppenleitung und für die jeweilige Fragestellung durch kompetente Kolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt die Veröffentlichung von fachbezogenen Beiträgen in der Vereinszeitschrift „horus - Marburger Beiträge zur Integration Blinder und Sehbehinderter“.