Begrüßung und Eröffnung der Fachtagung

Ursula Weber, Erste Vorsitzende des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS), eröffnete mit ihrem Grußwort die Fachtagung "Teilhabe im Job".

Die Begrüßung steht Ihnen sowohl als Video als auch in Textform zur Verfügung.


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Zur Person

Ursula Weber wurde im September 2016 zur Ersten Vorsitzenden des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V. (DVBS) gewählt.

Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich als Koordinatorin für das Beratungsangebot „Blickpunkt Auge“ im Blinden -und Sehbehindertenverband Sachsen e. V. Hauptberuflich arbeitet die 56-Jährige als Testerin und Consultant für Accessibility und Usability bei T-Systems Multimedia Solutions GmbH.

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Text der Begrüßung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer und liebe Mitwirkende an unserer Fachtagung "Teilhabe im Job – vor Reha vor Rente",

wir sind hier in großer Zahl zu unserer Fachtagung versammelt, Teilnehmende und Mitwirkende. Wir, das sind Schwerbehindertenvertreter und -beauftragte, Beratende, Mitarbeitende der Sozialleistungsträger und Integrationsämter, Bildungsanbieter und IT- und Hilfsmittelspezialisten, selbst von Behinderung Betroffenen und Aktive der Behindertenselbsthilfe. Das zeigt zweierlei:

zum einen: Wir haben ein offensichtlich brennendes Thema aufgegriffen und

zum anderen: Die Vertreter der wichtigsten Interessengruppen im Themenfeld sind an der Auseinandersetzung um eine Verbesserung der Situation interessiert und zur Mitarbeit bereit.

Das ist sehr gut und sehr nötig zugleich. Denn trotz aller bisherigen Bemühungen der Leistungsträger und auch der Selbsthilfe liegt die Erwerbstätigenquote der Menschen mit Schwerbehinderungen mit knapp 50 Prozent, die der blinden und sehbehinderten Erwerbstätigen mit nur 30 Prozent weit unter dem Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Angesichts der fast erreichten Vollbeschäftigung beschreiben diese Zahlen eine nach wie vor arbeits- und sozialpolitisch alarmierende Sachlage.

Digitalisierung als Megatrend treibt zunehmend die sich beschleunigenden und weiter ausbreitenden Prozesse des Wandels in der Arbeitswelt. Diese sind über die Grenzen des industriellen Sektors hinausgedrungen. Der tertiäre Sektor steht vor rasanten Veränderungen. Auch die Gesamtheit der Öffentlichen Verwaltung (e-Government), die Institutionen der sozialen Sicherung und des Gesundheitswesens (e-Health) sind im Umbruch. Die Digitalisierung ist ein stetiger Entwicklungsprozess und geht weit über bloße technische Veränderungen hinaus.

Das betrifft Organisatorische Aspekte, nicht nur die Planung von Meetings oder das Projektmanagement über immer neue Tools, sondern auch und vor allem die Flexibilisierung der Arbeitsweise in Unternehmen. Teams werden inzwischen mit wechselnden Experten zusammengestellt je nach Aufgabenart und Projektstand kommunikative Aspekte, die Nutzung von Tools wie WebEx und Skype, sie ermöglichen den Austausch ohne physikalische Präsenz, und kooperative Aspekte, Parallele ortsunabhängige Bearbeitung von Dokumenten in der Cloud; alle diese Aspekte des Arbeitslebens sind wesentlich betroffen.

Von daher leitet sich die generelle Frage ab, wie die Beschäftigten befähigt werden können, in diesem Wandel zu bestehen. Wie können sie Veränderungen mit vollziehen und mitgestalten?

Insbesondere jedoch ist zu fragen: Wie können schwerbehinderte Beschäftigte, die besondere Aufwände treiben müssen, um ihre behinderungsbedingten Beeinträchtigungen zu kompensieren, den Anforderungen des Wandels erfolgreich standhalten? Wie können sie ihn möglichst sogar nutzen? Eine frühzeitige Qualifizierung ist hier unabdingbar und eine zeitnahe Bewilligung der Kostenübernahme der behinderungsbedingten Mehraufwendungen ist unerlässlich. Es kann nicht sein, dass Betroffene z.B. bei zertifizierten Qualifizierungen neben der eigentlichen Qualifizierung und Prüfungsvorbereitung zunächst ihren Arbeitgeber für ihre Belange sensibilisieren müssen, dann den Bildungsanbieter überzeugen müssen, seine Prüfungsaufgaben in eine barrierefreie Form wandeln zu lassen, dann einen Umsetzungsdienst zu finden, der die Prüfungsaufgaben auch in eine barrierefreie Form umsetzt und einen Kostenvoranschlag erstellt, der dann beim zuständigen Amt einzureichen ist. Von den Bewilligungszeiten brauchen wir nicht mehr zu reden.

Jedenfalls bestehen wachsende Bedenken über die Zukunftsfähigkeit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen angesichts der Digitalisierungsentwicklungen. Können Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt und mit gleichen Chancen am Wandel erfolgreich teilhaben? Welche besonderen, jeweils behinderungsspezifischen Unterstützungen benötigen sie für die gleichberechtigte berufliche Teilhabe in Zeiten der Digitalisierung? Sind die Arbeitgeber, die Bundesagentur für Arbeit, die Rentenversicherung und die Integrationsämter richtig und aktuell genug aufgestellt für diese nötige Unterstützung? Verhindert, zumindest sehr eingegrenzt werden müssen die schon derzeit viel zu häufigen Aussteuerungen schwerbehinderter Menschen aus dem Arbeitsmarkt. Solche Aussteuerungen geschehen in Betrieben und Verwaltungen durch ideenarme, defensive innerbetriebliche Versetzungen auf zukunftslose „Schonarbeitsplätze“. Wir erleben unzureichende Vermittlungsanstrengungen der Arbeitsagenturen und Jobcenter wegen mangelnder Kenntnisse über mögliche Tätigkeitsbereiche für Menschen mit spezifischen Behinderungen. Und es gibt immer noch viel zu viele unnötige vorschnelle Verrentungen, oft einfach nur aus Unkenntnis.

Wir wollen mit unserer Fachtagung einen großen Stein ins Wasser werfen zum Thema: Erfolgreiche berufliche Teilhabe von Erwerbstätigen mit Behinderungen in der digitalisierten Arbeitswelt. Wir wollen dazu ins Gespräch kommen mit allen wichtigen Akteuren in diesem Feld und das Gespräch nach der Tagung fortsetzen. Wir wollen als Experten in eigener Sache unseren Anliegen als Beschäftigte mit Behinderungen angesichts des aktuellen und sich verschärfenden Wandels der Arbeitswelt Gehör verschaffen vor der Vollendung der Tatsachen. Wir wollen nicht die Looser sein, sondern alle Chancen und Möglichkeiten nutzen. Wir wissen, dass viele Arbeitgeber, Sozialversicherungsbeschäftige, Betriebs- und Personalräte und schon gar die IT- und Orga-Fachleute in den Betrieben, die Weiterbildner und Personaler sich gar nicht oder nur wenig auskennen mit unseren spezifischen Belangen. Sie sind nicht selbst betroffen und sie haben keine oder nur wenig Erfahrungen mit behinderten Beschäftigten. Das betrifft besonders auch die vergleichsweise kleine Gruppe der blinden und sehbehinderten Mitarbeiter. Das kann keiner Übel nehmen. Aber deshalb erheben wir ja unsere Stimme, auch mit und auf dieser Tagung. Der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) veranstaltet diese Fachtagung. Der DVBS ist eine Selbsthilfeorganisation von blinden und sehbehinderten Menschen, die trotz ihrer Behinderung selbstbestimmt leben und beruflichen Erfolg haben wollen. Wir stärken und erweitern unsere Selbsthilfearbeit durch umfangreiche Projekte. Die Idee zu dieser Tagung ist aus unserem aktuellen Projekt iBoB, inklusive Berufliche Bildung ohne Barrieren aus der praktischen Beratungsarbeit und Kooperation mit von Behinderung betroffenen Beschäftigten gewachsen. Wenn sich von daher eine Reihe Beispiele und Argumente auf blinde und sehbehinderte Berufstätige beziehen, dann wissen sie nun, warum. Unser sozialpolitisches Anliegen bezieht sich aber auf alle Menschen mit Behinderung in Ausbildung, Studium und Beruf. Ich bedanke mich sehr bei allen von Ihnen, die diese Tagung aktiv mitgestalten. In der Podiumsdiskussion am heutigen Spätnachmittag und in den fünf Workshops des morgigen Nachmittags wird eine sehr breite Palette fachkundiger, unterschiedlicher und engagierte Meinungen zur Sprache kommen. Wir nehmen sie gerne auf und dokumentieren sie sorgfältig. Denn wir wollen mit möglichst vielen von Ihnen im Gespräch bleiben. Und ich bitte auch Sie alle sehr herzlich unsere Anliegen in Ihre Organisationen, Institutionen und Verbände zu transportieren. Dabei sind uns neben den Arbeitgebern die Bundesagentur für Arbeit, die Rentenversicherungen und die Integrationsämter besonders wichtig. Wir jedenfalls werden nicht locker lassen im Kampf um die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen im modernen Arbeitsleben.

Ich danke besonders den drei Hauptreferenten unserer Tagung. Sie werden markante Anstöße geben für die Diskussion und fachliche Grundlagen legen. Herr Miede, Geschäftsführer der DRV Braunschweig-Hannover, wirft den ersten Stein ins Wasser. Er erläutert die Leistungsmöglichkeiten der Rentenversicherung und berichtet auch von innovativen Konzepten und Vorgehensweisen seiner Organisation, mit der sie Antworten auf die aktuellen Entwicklungen im Spannungsfeld von Gesundheit, Behinderung und Arbeitsmarkt gibt. Herr Miede, vielen Dank für Ihre Bereitschaft und herzlich willkommen!

Frau Dr. Larsen, Direktorin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goetheuniversität Frankfurt, wird morgen früh ein wichtiges Fundament für unsere weitere Tagungsarbeit legen. Sie berichtet von den recht aktuellen Ergebnissen einer Studie über den Weiterbildungsbedarf in hessischen Unternehmen angesichts des Wandels durch Digitalisierung. Frau Dr. Larsen wird erst morgen früh zu uns stoßen.

Unter uns ist aber bereits der dritte Steinewerfer zum Nutzen unserer Tagung. Dr. Michael Richter ist ein guter alter Freund und Mitstreiter in unserer Selbsthilfearbeit. Ihm und der von ihm geleiteten Gesellschaft „Rechte behinderter Menschen“ verdanken wir neben vielem anderem auch wesentliche Grundsatzurteile, die die Lage behinderter Menschen in der Arbeitswelt deutlich verbessern. Dr. Richter hat im Auftrag unseres Projektes iBoB ein aktuelles Gutachten erstellt über den Stand und die nötige Weiterentwicklung der Förderung der beruflichen Weiterbildung durch die Sozialleistungsträger und Integrationsämter. Seine Vorschläge zur Weiterentwicklung sind auch aus Diskussionen mit unserem Projekt iBoB angeregt worden. Wir wollen Sie in unseren weiteren Kontakten mit den Sozialleistungsträgern aufgreifen. Sei gegrüßt, Michael, schön, dass Du da bist!

 Nun ist der Vorrede genug getan. Bevor ich Sie, Herr Miede, nun bitte, meinen Platz am Rednerpult einzunehmen sei Ihnen liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur noch mitgeteilt, dass Herr Winger, Leiter unseres Projektes iBoB, die Moderation unserer Fachtagung übernimmt. An ihn können Sie sich gerne auch mit Ihren Fragen und Wünschen wenden. Und nun wünsche ich unserer Tagung einen guten und spannenden Verlauf. Herr Miede bitte!

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